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m.bruno@gmx.at 1120 Wien Anderseng 23/29/1  

 
Wissenswertes Historisches Erlebnisse über um und auf dem einzigartigen Felsmonolith
          
 
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INHALT G R I M M I N G L Ä N G S Ü B E R S C H R E I T U N G E N G R I M M I N G S A U M
L Ä N G S Ü B E R S C H R E I T U N G E N  Matthias Pilz  ERSTE JAHRES 1.ÜBERSCHREITUNG  Felsen Kanzel Schlafplätze Schenk'mir Geduld Nachtablöse Gämsengeburt Rückzug in Ehren Biwakweisheit Gämsenspiele Unbestechliche Zeit Alle haben Uhren Tod ist Ewigkeit Alte Schi 1.Überschreitung Durch Eis u. Schnee Bauern Hans Hausdame Ruhetag Grimming Abschied 2.ÜBERSCHREITUNG Krummholz Gestrüpp 3.ÜBERSCHREITUNG Spurenkreuz Sehnsucht Müder Wanderer Höhen - Tiefenängste Todes Schwadronen Nacht Entschluß Schöpfungs Freiheit Landschaftsschönheit Fata Morgana Träume erleben Vergessene Angst Schlafwanderung Sonntag ist's Biwak Einweihung Fürbitten Unfallträchtig Schnarchen ein Segen? 4.ÜBERSCHREITUNG Ödsteinerinnerungen Pürgger Lärchkogelweg Lärchkogelsteigbuch Nahe der Ewigkeit Gämsen u. Hirsche
 
 
VORWORT

  Toni Adam , mein Mann, war kein Freund großer Worte. Er tat. Sein Leben ruhte auf drei Säulen. Da war die Familie, der all seine Sorge galt.
  Da war die Gemeinschaft, für die er wirkte, als Funktionär der guten alten Schule, unentgeltlich: Als Obmann der Raiffeisenkasse und des Fremdenverkehrsvereines in der Gemeinde. Im Jahre 1936 wurde er mit 21 Jahren der jüngste geprüfte Feuerwehrhauptmann der Steiermark. Als kleiner Dorfkaufmann wurde er in den Aufsichtsrat der Adeg AG Österreich, nach Wien entsandt, wo er zukunftsweisende Wege für seine Organisation mit vorbereitete und umsetzte. Von diesen Bereichen seines Lebens berichtet die vorliegende Schrift nicht.
  Die dritte Säule im Leben meines Mannes war die Welt der Berge. Goldene Nadeln von der Hochgebirgsgruppe, des Alpenvereines und des Bergrettungsdienstes legen davon Zeugnis ab - wie dieses Buch.
  Zufälle waren es, die Bruno Mayer mit meinem Mann bekannt machten und von 1985-1989 zu einem regen Gedankenaustausch und Briefwechsel führten.

  Der GRIMMING, seine Routen, seine Gipfel, seine Sagen und seine Tragödien waren oft die Themen. Bruno Mayer hat viel davon aufgezeichnet. Es ist eine Erinnerung für die ich Ihm danke. Pürgg, am 6. Juli 1992 Dorli Adam
LIEBE BEGEISTERTE DER POESIE UND DER NATUR
  Alle Erinnerungen an meine Bergerlebnisse, Empfindungen und Gedankengänge am Grimming wurden wieder geweckt und auch neue Erkenntnisse traten dabei hervor.
  Toni > verdanke ich sehr viel, ohne ihn gäbe es dieses Buch nicht. Im Vordergrund steht das alpine Umfeld, aber auch Gedanken im Wechsel des Lebens zwischen Geburt und Tod, im Wechsel der Jahreszeiten zwischen Licht und Dunkelheit, fanden ihren Niederschlag. Mit Hilfe meiner Notizen und den allgemeinen Quellen, war die Niederschrift eine angenehme lange Beschäftigung. Wenn man etwas gerne tut ist man Ende einerseits schwermütig andererseits erfüllt. Meine Neigung zum Grimming hat sich herumgesprochen und ich bekam auch manche nützliche Unterlage, oder manchen Hinweis von ganz unerwarteten Quellen. Mein Versuch war es: - Erlebtes festzuhalten, Historisches aufzuzeichnen und auch der Erzählung, der Phantasie, den Bergsprüchen und Gedichten Freiraum zu geben.
  Ich lade Sie ein zu einer gedanklichen Grimming Wanderungen – oder wer weiß? Vielleicht wird auch Ihr Interesse geweckt und Sie wollen den Berg persönlich kennen! Ohne den Reiz anderer Berge abzuwerten - gestehe ich freimütig meinen großen Hang zum Grimming ein. Die Höhen und Tiefen zu überwinden, dabei hilft der Grimming mir wie ein Partner.
  Seit der ersten Auflage im Jahre 1992 ist es lange her, viele dürften die Neuauflage nicht mehr erwartet haben, für mache ist sie auch schon zu spät. Aus 153 Seiten wurden 304 und dazu gibt nun auch ein Bilderbuch.
  Mein Dank gilt dem Hause Adam in Pürgg, dem Heimatmuseum Franz Strick in Bad Mitterndorf, der Bergmusik
> Stefan Kukula in Öblarn, dem Schirmherrn Lois Strobl in Untergrimming und allen Literaten und Wanderern deren Schriften und Eintragungen verwendet wurden. An alle Natur- und Kunstfreunde richte ich den Bergsteigergruß. Berg Heil > Wien Mittwoch, 2001-07-25

H O H E R  G R I M M I N G
DAS WUNDERSAME ERWACHEN
  Nach einer Höhenwanderung, von der Klosterneuburger Hütte über den Zinken zum Schießeck zur Steinbachhütte, in den Wölzer Tauern, beschloß ich wieder einmal den Allvater Grimming aufzusuchen. Es war sommerliches Schönwetter, mein Kurs war eine breite Rinne etwa in der Fallinie zum Kulmberg. Bis zum Wandeinstieg stärkte ich mich öfters mit Erdbeeren, dann ging es in den mäßigen Schwierigkeitsstufen, bis zum Einbruch der Nacht, zügig aufwärts. Eine Felsspalte bot mir ein gastliches Nachtquartier, eine schöne Bergnacht unter dem leuchtenden Sternenzelt begann und brachte einem erfrischenden Schlaf. Es kam ein wundersames Erwachen, die jungen Gämsen lugten neugierig nach dem Wanderer in der Morgendämmerung. Nur den Eingeweihten wird die Faszination eines morgendlichen höher Strebens ein Begriff sein, ich war an einem Punkt angelangt, wo jede weitere Schilderung meines Empfindens, nur eine Verflachung im Vergleich mit dem Erlebten darstellen würde.
  Als ich die Gipfelebene erreichte entstieg die Sonne dem lohenden Rahmen des Horizontes, würzig dufteten die taufrischen Gräser und der Speik als ich gipfelwärts schritt. Einige lichte Wolken standen regungslos, sonn` durchleuchtet am Horizont. Schon schmückte die Sonne die höchsten Häupter der Berge mit ihren zartroten Strahlen. Bis in`s Innerste war ich ergriffen - wer noch nie allein, einem inneren Ruf folgend, einen hohen Berg bestieg, dem ist die weihevolle Stimmung fremd, welche der Zauber schier weltentrückter Höhen erregt, mich erfaßte er damals ganz gewaltig. Kurz bevor ein schweres Gewitter in seiner vollen Stärke niederging, erreichte ich nach dem Abstieg über den Normalweg meinen Ausgangspunkt.
Kulm Nordwand Biwak Di 1991-07-30 - 31 

DAS GRIMMIG MORGENERWACHEN
  Nach einer nächtlichen Reise von Wien, erlebte ich in der Nähe von Bad Mitterndorf, ein wunderschönes Erwachen eines beginnenden Tages im Frühling. Aus der dunklen Nacht tauchte langsam der Schatten des Felsenriesen Grimming auf, dessen Umriss immer mehr an Kontrast und Farbe gewann. In diesem Widerspiel bildeten sich silberne Streiflichter am östlichen Horizont, die Frühlingsnacht wich dem dämmernden Morgen, der auch mit dem fröhlichem Gesang der Vögel begrüßt wurde.
  Es schimmerte und lohte nun als plötzlich das Tagesgestirn mit seinem Feuerrad das Haupt des Bergkönigs Mont Styria rosig färbte. Die Sonne durchbrach mit ihren ersten Strahlen den frostigen Nebel des jungen Morgens, flutete den Berghang vom Gipfel abwärts mit goldenen Licht und erhellte auch bald das Tal. Scheinbar verweilte sie auf einer Felsenkanzel, die sich in der Mitte der grünen Gämsengärten, gleich einem Adlerhorst oder einem Gämsen Standplatz, erhob. Hier ruhten sich die Strahlen der Mutter Sonne scheinbar aus, glitten dann aber gemächlich abwärts, um auch die Niederungen ganz mit ihrer Schönheit zu erfüllen. 1985-04-01
DAS SONNEN GESICHT

Welkender Sternenkranz,
Erwachende Dämmerung,
Kraft und Erinnerung
Schimmern, Purpurglanz.

Streifen, Morgenlicht
Schöpfungs Geschick
Staunender Blick
Sonnen Gesicht.

  HOHER GRIMMING 2351 m alias Hocheck  STYRIAE ALTISSIMUS  Fritz Benesch >
  Dass der Grimming schon lange vor Beginn der Touristik von Gamsjägern bestiegen worden ist, steht außer Zweifel. Gamsjäger dürften den Gipfel auch in alter Zeit sowohl von Trautenfels als auch durch die Kalte Rinne auf dem heutigem Klachauer Wege erreicht haben. Es scheint auch heute noch ganz besonders schneidige Jäger zu geben, denn bei gelegentlichen Gesprächen mit ihnen vernahm der Verfasser staunend, dass sie Durchstiege kennen, die von Bergsteigern sicher und mit recht als bedeutende alpinistische Leistung gewürdigt - und in den Fachblättern beschrieben worden wären.
  Über die Aussicht am Gipfel des Grimmings ist schon viel geschrieben worden. Eine Zeit lang hat sie als nicht lohnend gegolten, und dieses Urteil zusammen mit der Fabel von den großen Schwierigkeiten des Aufstieges waren die Ursache, warum der Berg lange Zeit nur selten bestiegen wurde. Heute wird der Grimming mit seiner Fernsicht weit höher geschätzt und vielleicht sogar überschätzt. Die Wahrheit liegt hier in der Mitte. Wohl ist die Fernsicht, der Höhe eines so frei aufragenden Gipfels entsprechend, sehr umfassend, aber die nächsten Hochgebirge wie Totes Gebirge, Dachstein und Niedere Tauern sind wegen der Breite der Täler schon zu weit entfernt, um einen günstigeren Eindruck zu machen als von einem der niedrigeren Aussichtspunkte der nahen Umgebung aus. Dazu nimmt der Zug der Sölker Tauern einen großen Raum ein, und über die hohen Gebirge sehen wir nur an wenigen Stellen hinweg.
  So ist es immer wieder der großartige Tiefblick, in das auf das vielfach gewundene Ennstal, der uns von all den Herrlichkeiten der Ferne ablenkt und wir werden nicht müde, auf die winzigen Ortschaften, Häuser und weißen Linien der Straßen hinab zusehen, die wie eine Landkarte ausgebreitet unter uns liegen. Dieses Bild empfinden wir als etwas, was wir in einer so packenden Art noch nirgends erlebt haben. Der Grimming ist eben wie eine Säule, die uns zur Wolkenhöhe emporhebt.
  Neue schwierige Klettersteige wurden in den letzten zwanzig Jahren begangen: Von D.E.C Fuchs, L.Langsteiner und Lehrhofer am 21.05.1893 eine Abart des Klachauer Weges. Franz X.Kleinwächter und Alfred v. Radio-Radiis 07.08.1898. Sie stiegen vom rechten Ast der Großen Schneegrube auf. Am 6.05.1900 entdeckte Alfred v. Radio den Multereck Anstieg. Eine Abart des Klachauer Weges machte Emil Gutmann am 2.08.1903, indem er vom Kar nach einer blockerfüllte Rinne den Westgrat bestieg. Am 26.051904 erstiegen Karl Greenitz und Ing. Hans Reindl den Südostgrat. Den Ostgrat fälschlich Südostgrat erkletterten Karl Domenig und Karl Greenitz am 22.06.1905. Norbert Damberger und F.Riegele bezwangen die Nordwand des Multerecks am 16.06.1907. Richard Gerin und Otto Pitschmann stiegen am 23.06.1911 zwischen dem Dambergerweg und der Kalten Rinne auf.
Quelle Mons Styria altissimus ÖAV JB 1918.

DIE ERSTE BEGEGNUNGEN
  Sobald, wir Kinder die Windeln entbehren konnten, durften wir unseren Vater auf seinen Bergwanderungen begleiten. Abgesehen von den Besteigungen des Großglockners, des Dachsteins, der Bischofsmütze, des Sonnblicks und des Hafners waren meine Eltern mehr Almgeher als Alpinisten. Es war eher meine Mutter, die sich in felsiges Terrain gewagt hatte, mein Vater war nicht gänzlichschwindelfrei gewesen. Den Grimming nannten meine Eltern immer respektvoll: Einen Berg der nicht für jeden zugänglich sei. Meine erste Begegnung mit dem Grimming hatte ich, als Lehrling bei einer Anhalter Reise: Ich schlief in der Nähe von Untergrimming, in einer Heuscheune. Nach dem traumhaften Schlaf im duftenden Heu, mit den Träumen und Phantasien eines Jugendlichen, erwachte ich erst nach Sonnenaufgang. Schlaftrunken, rieb ich mir die Augen aus, entfernte das Heu von der Kleidung und machte mich auf die Socken. Nach kurzer Wanderung wurde ich Passagier eines landwirtschaftlichen Ochsen Gespannes, im beschaulichen Tempo ging es Richtung Mitterndorf. Dabei war ausreichend Zeit die Gegend zu betrachten - doch bald war mein Blick nur mehr vom Grimming gefesselt. - Schon am Tag zuvor hatte ich, in der Abend Dämmerung, die Silhouette des gewaltigen Berges gesehen, nun aber stand er im vollem Licht der Sonne vor mir.
  Das ist unser Grimma sagte der Fuhrmann in einer Art wie man Fremden ehrfürchtig sein Bestes zeigt. Dieser erste Eindruck blieb mir unbewußt erhalten, auch heute noch, wenn der Grimming in meinem Blickfeld auftaucht, spüre ich ihn wieder. Doch der Grimming ist nun für mich nicht mehr der große unbekannte Berg sondern ein alter rätselhafter Bekannter. Damals jedoch war es wohl so wie später bei der Marine: - Ich habe das Kreuz des Südens am Himmel zwar wohl gesehen, aber doch nicht gänzlich wahrgenommen.
  In der Zeit des Aufbruches, in der Zeit der Wegsuche und bei den ersten Paarungs Begierden eines jungen Menschen stehen geruhsame Betrachtungen nicht im Mittelpunkt. Von meiner frühen Kindheit her entwickelte ich mich, vielleicht wegen meiner drei Geschwister, zum Sonderling. Der Segen einer Kindheit auf dem Lande, mit dem Aufwachsen in der Natur im Rhythmus der Jahreszeiten, in dem wir Kinder einen großen Freiraum besaßen, förderte meine Neigung zum Einzelgänger.

  Damals hatte jedes Haus im Ort einen Stall mit Kleintieren, wir hatten Hühner Ziegen und jeweils ein oder zwei Schweine oder fallweise auch einige Hasen. Mein Hang zum Alleinsein hatte meinen Eltern viel Kummer bereitet: Einmal fanden sie mich erst, nach langer Suche um Mitternacht friedlich im Heuschober schlafend. Ein anderes mal, suchten schon die gesamten Einwohner des Ort erfolglos nach mir und fanden mich nicht. Mit dem Graslower Franz
alias Korea - ein Dorforiginal mit Gasthausverbot, grub ich im alten Silberbergwerk nach Silber. Unter Tag ist es immer Nacht, in unserem Silberrauch hatten wir kein Silber gefunden aber jedes Zeitmaß verloren.
  Nach dem Tod seiner Frau, hatte mein Onkel, Willi Ronijak bis zu seinem Lebensende, mit der Jäger- und Försters Witwe Rosa+, im Mautner - Markof Jagdhaus in Niederstuttern, eine Lebensgemeinschaft.
Bei diversen Besuchen und bei Gesprächen, mit den Kindern von Willi, stand auch oft der Grimming im Mittelpunkt - und immer wurde mit großem Respekt von ihm erzählt.
   
BEGEHUNGEN HOHER GRIMMING  
  1.BEGEHUNG "DER GIPFELBUCHBEHÄLTER" TROJANI GELD ALLMACHT UND HÖLLE
  Vom Bergbesitzer Nord der Creditanstalt Wien, mit ihrem damaligen Generaldirektor Hannes Androsch^, hatte ich einst ein schriftliches Verbot, für die Auflage eines Gipfelbuches am Berg Trojani, erteilt bekommen. Bei der Feierstunde am Kreuz war das Zitat des Creditanstalt Forstdirektors:
Auch der  GRIMMING hat kein Gipfelbuch und in
Gipfelbüchern werde nur Unsinn  geschrieben
.
  Ich unternahm einen Lokalsaugenschein und dadurch kam es zu meiner ersten Grimmingbesteigung. >

  DER GIPFELBUCHBEHÄLTER Der Abendgang, von Kulm aus wurde, erst nachdem ich den Handdynamo verlor, zu einer besinnlichen Nachtwanderung auf den Grimming. Dem Nachtanstieg folgte ein geruhsamer Schlaf im Biwak und am nächsten Tag ein besonders eindrucksvoller Sonnenaufgang, am Gipfel. Aber siehe da! Der Gipfel Buch Behälter konnte nach der Entriegelung nach unten aufgeklappt werden und enthielt das verleugnete Gipfelbuch. Auch hier wurden die Hausverstands Mängel der CA Herren bestätigt. Zugegeben! Auch mir war es nicht auf Anhieb gelungen den Gipfel Buch Behälter zu öffnen, aber was soll`s, - die Ursache meines ersten Grimming Besuches war die CA gewesen, bei anderen Begleitumständen hätte ich mich dafür dankbar erwiesen. Einige Jahre später habe ich erfahren, dass Toni Adam diesen Behälter, neben anderen Kreuzteilen, auf den Grimming getragen hatte.
  In vollen Zügen genoß ich den Sonnentag und die Verzauberung der Gipfel Hochfläche des Berges, von dem ich damals noch nicht wußte, dass er mein weiteres Leben entscheidend beeinflussen wird. Erst am späten Nachmittag, nach langen Faullenzen und vielen Tiefblicken an den Abbruchs Kanten der Gipfelhochfläche, ermahnte ich mich zu den unvermeidlichen Abstieg. 
Kulm Gipfelbiwak Do 1984-08-23.-24.

DER NACHTABSTIEG
  Beim Aufstieg am Südostgrat erscholl, in den Wänden der Schnee- und der Wolkengrube, von Stainach, von Irdning, von Öblarn und von St. Martin her, Glockengeläute. Der weihevolle Auftakt wurde von Gämsen Pfiffen ergänzt. Die Tiere unterbrachen ihre Äsung in den Gämsen Gärten, verhofften und sprangen bergwärts ab, ich als Eindringling hatte sie vertrieben. Ja so ein Schluck Gämsen Schweiß als Stärkung - hätte auch meinen Aufstieg beschleunigt, zum Jäger war ich allerdings nicht geboren. Der Esterl Hans+. ein alter Wilderer erzählte mir einst: Er habe öfters Gämsenblut getrunken, dann war der weite Rückweg mit der Beute über Berge und Täler leichter zu bewältigen gewesen. Allein am Gipfel? Ein Segelflieger grüßte mich mit Flügel schwenken.
  Jeder schöne Tag neigt sich einmal dem Ende zu, doch wenn sich Sonnenpracht, in die Herrlichkeit der Sterne verwandelt, wird alles andere bedeutungslos. Der Vollmond zeigte sein Bleichgesicht am Horizont, ich schritt zur Biwak Schachtel und hinterlegte ein neues Biwak Buch. Als Nachtschwärmer war mein Vorhaben zu schlafen bald vergessen, eine magische Macht zog mich wieder hinaus ins Freie. Es wäre mir sündhaft vorgekommen diese Nacht ungenützt mit Schlaf zu vergeuden, ich fühlte da würde ich etwas Unwiederbringliches versäumen.
  Es war auch dann wirklich ein zauberhaftes Stimmungsbild: - Die Gipfelhochebene lag im gleißenden Vollmondlicht. Ich bewegte mich geruhsam an der Felsenkante entlang, im Westen verglimmten dunkelrot der Sonne letzten Spuren, der laue Wind brachte irgendwo vom Tal her die Musik eines Gartenfestes, der Himmel hatte sich mit der Pracht aller seiner Sterne geschmückt und im Tale entzündeten sich die Lichterketten der Straßenbeleuchtung und die Fenster der Häuser, ein Hauch des Überirdischen umschwebte mich.
  Die Konturen des Vollmondes mit all seinen Kratern zeichnete sich immer schärfer ab, ich wandelte traumverloren, aber doch mit allen meinen Sinnen und Gedanken beschäftigt dahin ohne mich dabei voll auf den Weg zu konzentrieren - wie es eben bei solchen Gemütszuständen vorkommt:
Nach dem Multereck übersah ich den Abgang zur kleinen Schneegrube und geriet in die Welt der Gämsen- und Krummholzgärten. Wiederum wurde ich zum unerwünschten Eindringling und habe, beim Abwärtgleiten durch das Krummholzgeäst, die Nachtruhe von drei Latschenböcken gestört. Nach der Grasleiten, in der auslaufenden Schlucht, mußte ich mich längere Zeit mit der Suche, nach dem verlorenen Gebirgsstock, befassen. Der Abschluß des alpinen Teiles war nicht mehr besonders romantisch aber sehr mühsam, er war die Durchdringung eines bodenlöchrigen, mit dichten Dornengestrüpp bewachsenen Geländes.
Im Nachhinein sieht man auch in den
DORNENSTRÄUCHERN nur mehr die Rosen.

  Die Zeit wo sich am östlichen Horizonte Lichtstreifen abzeichneten, die Zeit des Abschiedes von Luna der Mondgöttin, meiner treuen nächtlichen Begleiterin, war gekommen. Schwermut überfiel mich als ich von ihr durch das erscheinende Tagesgestirn getrennt wurde. So ist es eben im Leben, man kann viel aufnehmen und viel geben was aber bleibt ist nur die Erinnerung an vergangene Zeiten und Menschen. Die Zukunft und die Gegenwart bieten aber ein weites Feld der Gestaltung.  In den folgenden Jahren träumte ich noch oft von dieser Nacht der Nächte und immer wenn ich aufwachte - verspürte ich die Erinnerung daran, so wie die Kußabdrücke der Geliebten.
Wir alle sind aus den Elementen
Aus denen auch TRÄUME entstehen.
Niederstuttern Maria Empfängnis 1984-12-09/10
DER TOD ALS GEFÄHRTE
  Es war ein schöner Spätsommertag, mein Bergfreund, Stefan > und ich waren am Südostgrat zum Gipfel des Hohen Grimming unterwegs. Ein von der Ausrüstung, von der Kleidung und vom Gehabe her gesehen, sehr sonderbarer junger Mann hastete bergwärts an uns vorbei, kaum war er außer Sichtweite, - kollerte ein von ihm los getretener Steinbrocken auf uns zu. Der Augenblick des Schreckens - dauerte eine scheinbare Ewigkeit! Wohin wird er sich wenden? Er flog knapp an Stefans Kopf vorbei.
  Wie gelähmt - verharrten wir, - allmählich löste sich der Schock und wir beide waren erleichtert und froh, dass des Leichtsinnigen Gedankenlosigkeit nicht unser Verderben geworden war. Wenn man so unmittelbar mit einer Todesgefahr konfrontiert wird, beschäftigen sich die Gedanken automatisch öfters mit dem Tod, die Vergänglichkeit des Lebens zeichnet sich kontrastreicher ab. Nicht gestillte Gelüste der Macht, der Gier, des Neides und der Falschheit verlieren an Bedeutung, es tritt eher der Drang auf - mit sich selbst ins Reine zu kommen. Vom Unterbewußtsein kommt das von der Kinderzeit ausgehende, verdrängte Sündenregister zu Tage und fordert seinen Tribut und der Weg wird wieder einmal mit guten Vorsätzen gepflastert.
  Dreimal am Grimming, in der Zinnober Wandrinne mit dem Kaiserkreuz, auf der Weißrinnspitze und an der Schlüsselstelle des Lärchkogel Anstieges sollte mir in der ferneren Zukunft, das Leben wie ein zweites Geburts Geschenk erscheinen. Doch bei diesen, zum damaligen Zeitpunkt noch zukünftigen, nun aber bei der Niederschrift schon vergangenen, Ereignissen war ich immer im Alleingang der Gefahr ausgesetzt gewesen.
Den Tod eines KAMERADEN zu erleben
Ist schlimmer als selbst zu sterben.
  1971: In der Nordwand der Schartenspitze > Dem Führenden Walter durchtrennt ein Steinschlag das Seil, Toni Adam konnte den Stürzenden auffangen.
  Bei einem Grimming - Rettungseinsatz im Jahre 1948, schied zuerst der Rettungsmann Franz Maier durch Erschöpfung, währenddessen die Kameraden Hilfe holten schied auch der verletzte Bergführer Karl Resch. Der Verursacher der Rettungsaktion war ein leichtsinniges Linzer Bürschlein gewesen. Auf Grund dieser Tragödie wurde dann eine Biwak Schachtel, am Grimming Gipfel, errichtet.
Ja der Grimming! Er ist nun auf seinen markierten Wegen ein viel bestiegener Berg geworden. Dann auf der Gipfelfläche hatten wir uns von dem bedrohlichem Vorfall etwas gelöst, die schöne Gipfelaussicht und die leiblichen Bedürfnisse waren nun wichtiger. Das Orgelkonzert des Windes, durch die Lüftungsröhre der Biwak Schachtel, war der Lohn meiner Mühseligkeit, mit der ich bei meinen letzten Besuch in der Diogenes Stube, die Papierknäuel aus dieser Lüftungsröhre entfernt hatte. Da wurde mir dann erst bewußt, dass sie nicht grundlos in der Röhre gewesen waren.


DER TOTENNEBEL
  In der Nacht hatte ein arges Unwetter getobt, nun gab es, wie es in den Bergen oft vorkommt, dichten Nebel. Die Hand vor dem Gesicht verschwamm, gespensterhaft war die Gipfellandschaft, oft schien es, wir würden auf den Höhengrat im Grau verschmelzen und durch die Lüfte schweben. Dann wieder tauchten Schattenrisse von Felsen auf, in der Kleinen Schneegrube löste sich alles um uns alles in einen trostlosen, grauen Brei auf.
  Wehe dem, der da keinen Pfad und keine Markierung hat, er geht im Kreis. Auch mir ist dies schon einmal passiert, plötzlich stieß ich auf Menschenspuren und merkte lange Zeit nicht, dass es meine eigenen waren. Auch mein Gemüt war von diesem düsteren Stimmungsbild befallen, ich erinnerte mich an den gestrigen Vorfall, und daran wie nahe der Sensenmann an meinem Bergfreund Stefan vorbei gehuscht war. Wie nahe wir beide, beim Abstieg in der Schneegrube, an einem tödlich abgestürzten Bergsteiger vorbei geschritten sind; haben wir später, bei der Heimreise im Auto, im Radio erfahren.
  Es war der Biologiestudenten Franz Ebner > aus Kindberg. Der Tote wurde noch am gleichen Tag gefunden und geborgen. Er war zur Erkundung der Fauna und Flora für die, vor ihm gestandene Dissertation, am Grimming unterwegs gewesen. Ein Sturz mit einem Genickbruch, verursacht durch ein für Bergsteiger ungeeignetes Aluminium Traggestell, war die Ursache seines Todes gewesen.
  Dort wo sich der Multereckweg vom Südostgratweg trennt, war der Kreis unserer Bergfahrt geschlossen, wir ließen die Nebeldecke über uns liegen und blickten hinab auf den grünen Ennsboden. Der Grimming mit seinen vielen Gesichtern war uns gnädig gesinnt gewesen und wir nahmen dankbar von ihm Abschied. Bei meiner nächsten Fahrt zum Grimming habe ich in Kindberg gehalten - am frischen Grab konnte ich nicht andachtslos vorbei fahren.

  ⇑Niederstuttern Gipfelbiwak Sonne Sa 03. Niederstuttern So 198-50-804

DAS KARL REITERER GEDENKEN
  Die Nacht vor einem Bergereignis, ist bei mir nicht nur mit Schlaflosigkeit, sondern auch von besonderer Anspannung ausgefüllt. In dieser Nacht war es nicht, die Ruhe vor dem Sturm, sondern die große Unruhe wegen einem verheerenden Sturm. Dieses Unwetter mit Blitz, Donner und Wolkenbruch war kein gutes Omen, für die Wettererwartung des kommenden Bergtages, gewesen. Gott sei Dank! War es ein reinigendes Gewitter gewesen, ein verheißungsvoller Tag dämmerte uns, als unsere Gruppe, an der Grimming Hütte vorbei, dem Gipfel zustrebte. Nach schönen Anblicken von vielen Gämsen, trennten wir uns von den geübten Bergsteigern, die den Südostgrat beschritten.
  Die Tiefblicke vom Multereck in das Ennstal bis zum Gesäusetor, mit dem Großen Buchstein und dem
Großen Ödstein sind ein faszinierender Höhepunkt.  Immer wieder wird die Frage gestellt: Wenn es da unten im Tal so schön ist, warum geht man dann auf den Berg hinauf? Die Antwort darauf ist leicht: Erst der Gesamtüberblick, der nur von einem erhöhten Standplatz aus erfolgen kann, zeigt die ganzheitliche Schönheit und die Harmonie einer Landschaft.
Die höchste Stelle am Hohen Grimming, die in der Kaiserzeit mit Hocheck benannt wurde, ist fast immer das Ziel aller Bergsteiger. Auch im Leben sucht und findet man, in den Niederungen des Alltags, immer wieder weiterführende Erhebungen. Die Freude des Wiedersehens mit der Öblarner Bergmusik , sie waren von Kulm aus anstiegen, war sehr innig. Fünf Mann hoch: Stefan Kukula Flügelhorn, Johann Galler Flügelhorn, Johann Greimeister Posaune, Pepi Köberl Gitarre, Anton Zettler Klarinette und dazu noch eine Marketenderin, das war eine starke Besetzung.

DER WALDBAUERN TOD
  Liebe Bergfreunde, ihr Frauen und Männer, ihr Jungen und Alten. Ich freue mich über alle die gekommen sind und heiße euch am Gipfel herzlichst willkommen. Von dem Schirmherrn Almvater Johann >, der auf Grund seines Alters nicht mehr dabei sein kann, richte ich ein herzliches Berg Heil an alle Anwesenden aus. Für die, die mich nicht kennen, es werden sehr viele sein - auch ich kenne mich zeitweise kaum, stelle ich mich als ein unverbesserlicher und unheilbarer Bergnarr vor.
  Zu Beginn unserer Feierstunde wollen wir zuerst alle an diejenigen, die nicht mehr unter uns weilen, die uns aber viel bedeutet haben und auch an alle die mit dem Grimming verbunden waren, in Stille gedenken. —

  An Franz Ebner, Harald Mayer, den Schartenspitz Kreuzaufsteller Jürgen Ewers und seine Braut Trude Umshaus, Bergretter Karl Resch und Franz Maier, Hanni Kren und alle anderen, die auf dem Grimming verunglückt sind. An Josefine Jug - Initiatorin zur Aufstellung der Biwackschachtel am Grimminggipfel, an Paula Grogger, Gjergj Fishta, Anton Schubert, sie sind durch ihre Schriftwerke unvergeßlich.
  An den Schriftsteller, Heimatforscher und Komponist Karl Reiterer
1860-1934, ihm ist die heutige Feierstunde gewidmet. Werte Freunde der Natur! Bei den älteren Leuten ist vielleicht Karl Reiterer durch sein Buch Der Walsbauerntod noch in Erinnerung, es wird die gezielte Bauervertreibung von Donnersbach geschildert. Vom Landschaftmuseum Trautenfels, am Fuße des Grimming, wo ein Teil seines Nachlaßes für die Öffentlichkeit unzugänglich archiviert ist, gab es leider keine Unterstützung für meine geplante Zusammenführung von Reiterers Werke in seinem Heimatort, St.Peter im Sulmtal.
  Anmerkung: Auch mit der Hilfe von Trautenfels wurde später dann die Werk Zusammenführung durchgeführt. Dieses Berggedenken soll den Dichter Karl Reiterer auch der jungen Generation wieder etwas näher bringen. Der Waldbauern Tod ist kein stattlicher Band moderner Heimatklänge, er entwirft aber in lehrreicher Weise ein klares Bild über den Niedergang der Waldbauern von Donnersbach und Donnersbachwald und deren Kultur. Für die Familienforschung werden markante Punkte geboten, Geschlecht um Geschlecht gingen, zum Schaden der Gemeinde, des Landes und des Staates, verloren. Ich habe es, ohne auf Gewinn und poetische Beigaben bedacht zu sein, seit jeher geliebt, über Kultur geschichtliche Verhältnisse der Gegenwart und der Vergangenheit, dem Leser die nackte Wirklichkeit vor die Augen zu führen. Vorwort Waldbauer Tod Karl Reiterer > Graz, im März 1928
Die ganz hohen Tiere

Die WAHRHEIT war und ist noch immer für manche unangenehm.
Was wäre Donnersbachwald ohne Jäger?
Ein ZIRKUS ohne Affen.
Karl Reiterer

Wer dem Anderen nicht traut,
Steckt selber in einer schlechten HAUT.
Karl Reiterer

REICHTUM suche nie ein Herz,
Dein Erfolg ist Furcht und Schmerz.
Nie laß dich durch Geld gewinnen,
Deine Freud wird schnell zerrinnen.
Karl Reiterer
Mit dem St. Martiner Grimminglied beenden wir die Gipfelfeier.
Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.
DAS GRIMMING GEWITTER
  Sommerliche Schwüle, über dem Dachstein aufziehende Gewitter Wolken, ließen ein Gewitter erahnen, mahnten zum gemeinsamen Abstieg nach Kulm. Ich kletterte als Letzter noch im untersten Teil des Gipfelaufbaues, als vom Felsenkar herauf Musik erklang. Die Bergmusik, spielte Abschiedswaisen, von der Nordwand der Schartenspitze her schwebte der Widerhall der Töne und der gesamte Raum war erfüllt vom Klang: Wenn ich durch geh' durchs Tal.
So gewaltig wie die Berge
Ist auch die AKUSTIK,
An manchen Orten im Gebirge.
  Zum Ausklang durften wir dann, Dank der Försters Witwe Rosa, - von ihr bekamen wir den Schrankenschlüssel, auf dem Forstweg zur Grimming Hütte fahren. Während es drinnen in der Hütte immer gemütlichen wurde, begann draußen ein gewaltiges Toben der Elemente: Blitze zuckten Donner grollten, der Wettersturm brach den Bäumen die Äste ab und wirbelte sie durch die Luft. Die Böen fegten alles hinweg was nicht eisern mit dem Boden verwachsen war, es folgten Wolkengüsse und Hagelschläge.
  Wehe dem! Der solchem Naturereignis schutzlos ausgeliefert ist. Der Grimming zeigte uns sein zweites Anlitz, dass seinem Namen nun mehr als gerecht wurde. Es war als wollte er uns noch einmal veranschaulichen wer hier der Herr war und welche Gewalt er ausüben konnte. Wir aber waren voll Demut und Dank erfüllt und, weil uns der Allvater Grimming von dieser Unbill verschont hatte. Niederstuttern  Kulm Sa 1985-08-18

NACHTQUARTIER KLEINE SCHNEEGRUBE
  Abgang von Trautenfels, der Wegrand war voll mit Schneeglöckchen, aber schon ab der Grimminghütte lag schuhtiefer Neuschnee. Nach der Abzweigung zum Multereck war das Krummholz mit einer schweren Neuschneelast bedeckt, an der Unterseite der Äste waren nadelförmige Eiskristalle. Der Wegverlauf war nicht mehr erkennbar, oft war ich gezwungen diese Äste als Haltegriffe zu verwenden, beim Auslassen schnellten sie dann, von ihrer Last befreit in die Höhe und schüttelten dabei ihren Restschnee ab. Vom Staub des Pulverschnees entstand dabei jeweils eine kleine, mich kurzfristig bestäubende Wolke.
  Auf Steilhängen im Latschengestrüpp empor zu steigen ist auch im Sommer kein Vergnügen, im Winter bei hoher Schneedecke und hartem Schnee geht man darüber hinweg. Kritisch wird es im Frühjahr, wenn die Latschen schon teilweise vom Schnee befreit sind - das Gestrüpp die Ausschmelzungen und Dolinen sorgen für entstehende Hohlräume im Schnee. Da kann es schon vorkommen, dass man bis zur Brust einbricht oder versinkt. Ein schöner Anblick von zwei Gämsen, sie verhofften lange mit neugierigen Lichtern, entschädigt mich für die vorausgegangene Schwierigkeit. Nach dem problemlosen Wand Überstieg gelangte ich ungewollt in die Kleine Schneegrube, es dämmerte bereits, Nebel fiel ein, er verschmolz mit dem Schnee und mit der Dämmerung von Grau zu Schwarz. - Sich nach einem Nachtquartier umzusehen dazu war es zu spät, deshalb ging ich blindlings weiter.
  Toni 
>, hatte mir, mir von unterirdischen Kaminen und Höhlen in der Schneegruben Schlußwand erzählt, und während ich diese Niederschrift tätige, befinde ich mich bereits in einer gastlichen Wandfuß Höhle, um im Vergleich zu einem Schneelager, eine luxuriöse Nacht zu verbringen. Immer wieder auf's Neue bin ich fasziniert von dem Echo in den Felsen Karen und von der Schönheit der Freinächte im Gebirge. Hier gibt es wenige abträgliche Ausnahmen: - Ich denke dabei an eine Gewitternacht am Gipfel des Hochtores, die ich stehend im Biwak Sack verbrachte, damals bekam ich eine Ahnung von der Ewigkeit. Wasser von oben und von innen bis mir die Schwimmhäute wuchsen: Es war in der Schlucht Verschneidung abseits des Gesäuse Hochtor Peternpfades, ich schlief bereits in einer geschützten Nische der Nordwand. - Es kam ein kühles Erwachen, in meiner Nische kam plötzlich ein Bach heraus, er trieb mich hinaus ins Freie. – Ein Wolkenbruch hatte neben mir die Schlucht zur stürzenden Brandung verwandelt, ich aber war gezwungen in der Traufe des Wandüberhanges zu verharren.
  Ich bin ein ausgesprochener Nachtfalter und beneide die Menschen die frühzeitig, wie auf Befehl, einschlafen können. Dem zur Folge lasse ich meinen Gedanken, die tagsüber eher zweckgebunden sind, bis zum Schlaf ihren freien Lauf. Nicht ist erhebender als das Fallen der Nebelschleier im Gebirge, es geschah in dieser Nacht nur für einen kurzen Augenblick: Tief unten lag der Ennsboden, unter den nächtlichen Himmel als ferne Schattengrößen waren die Niederen Tauern zu sehen, aber überall auf den Höhen und im Tal brannten die Osterfeuer.

DER OSTERSONNTAG
  Der Morgen begann vielversprechend, auf dem Weg zum Multereck Kamm war eine Passage zwischen den Felsabbrüchen derart mit einem Überhang von Schnee Anwehungen versehen, dass die Querung nur mit Seilsicherung möglich war. Beim Aufstieg zum Multereck erklang von Pürgg her die feierliche Blasmusik, von der höchsten christlichen Feier, der Auferstehung des Herrn.
  Es war eine Bergfahrt bei der alle meine Ausrüstungsgegenstände zum Einsatz kamen. Ein Wunder der Natur, war ein gewaltiger Schneebalkon südseitig auf dem Höhengrat zwischen dem Multereck und dem Grimming. Als ich am Gipfel ankam, begann starker Schneefall verbunden mit Nebel, deshalb zog ich mich schleunigst auf meinen Spuren wieder zurück. Der Abstieg erforderte Ruhe und Aufmerksamkeit, es kam mir zu gute, dass ich beide Eigenschaften manchmal besitze. Weit unten gab es ein Treffen mit fünf Gämsen, zu meiner Freude verharrten sie lange. Von der hohen Felswand unter der ich bei meiner, Toni Adam Gedenkbegehung im Winter des Vorjahres lange Zeit die Schneeflocken betrachtet hatte, fielen ständig Eisklumpen. Vielleicht waren die Gämsen dadurch abgelenkt gewesen und hatten mich deshalb nicht sofort gewittert. An dieser Stelle nahm ich auch Abschied vom Grimming der mir, wie schon so oft, erlebnisreiche Tage beschert hatte und mich auch diesmal gnädig entließ. 
Trautenfels Karsa: 1991-03-30/31

DER BEWEGTE SCHNEE
  Von Kulm ausgegangen, hatte ich vor, die Schartenspitze über das Heil zu besteigen. Die Sonneneinstrahlung verursachte jedoch Lawinenabgänge vom Höhenkamm des Grimmingstockes, deshalb peilte ich den Hohen Grimming an. Dort, - dachte ich würde es etwas ruhiger sein, aber auch hier gab es einige gemäßigte Schneebewegungen in den Lawinengängen.
  Sehr mühsam kämpfte ich mich im Schartenkar, am ansteigenden Wandfuß, zum Einstieg des Gipfel Aufbau voran, doch bei einer Randkluft wurde mein Vordringen gänzlich gehemmt.

  Am Rande eines ins Kar reichenden, von Lawinen gebildeten Kegels, nutzte ich die durch den gepressten Schnee entstandenes Lawinenbett zur Erleichterung des Anstieges. Durch das ständige Schneegeschiebe hatte sich der Lawinenkegel schon so verflacht, dass sich die von der Wandschlucht nachkommenden Naßschnee Mengen strähnenförmig auf die Seitenränder verteilten. Das stellte ich aber erst dann fest, nachdem sich der Schnee unter mir bewegte und mit mir abwärts fuhr. Durch einen gewagten Sprung in die Rundkluft verließ ich die ungebetene Fuhre.
Nun goß sich ein Teil dieser Schneeprozession über mich hinweg und dabei dachte ich mir:
Immer, wenn man sich mehr rückwärts
als vorwärts bewegt, hat der VERFÜHRER
Bruder Leichtsinn ein leichtes Spiel.
Es war der letzte Schub gewesen, durch den Tiefstand der Sonne und der damit gesunkenen Temperatur, kehrte wieder Ruhe ein.
 
DER SONNE ABSCHIED
  Das Haupt des Allvaters Grimming verschwand langsam unter einer Wolkenhaube die gegenüber, zum greifen nahe liegende, mit Schnee verhangene, Nordwand der Schartenspitze stand kurzzeitig im goldenen Hauch der Abendsonne. Dieser Hauch glitt langsam höher, bis dann nur mehr der Gipfel ein letztes mal aufflammte. Von Westen her zogen Wolkenbänke auf und verhüllten den Untergang der Sonne.
DAS SONNENGRAB

Geh du für mich in`s Grab,
Oh Sonne! Ich steige dafür nicht
Für dich auf deinen Thron.

Durch licht gewebte Schleier,
Seh'ich die Entschwund`nen,
Wo aller Wesen Urquell ist.

Des Traumes Ewigkeit!
Lächle und warte nicht
Auf das Bestehende.
  Bald wurde auch ich umhüllt vom Nebel des allgewaltigen Berges, es dunkelte bereits als ich beim Biwak ankam. Doch es war mir kein freundlicher Empfang beschieden, der letzte Besucher hatte die Türe offen gelassen, die Diogenes Stube war voll geweht mit Schnee und mußte geräumt werden. Belohnt wurde ich durch den folgenden Tiefschlaf mit Frühlingsträumen: – Dabei erklang ein Vogelgesang in der vielstimmigen Harmonie des ewigen Frühling, das Hauptthema war ein zweistimmigen Kuckucksruf, den ich auf der Himmelsleiter, beim Aufstieg zur Toni Adam Gedenkstätte, gehört hatte. Abwechselnd dazu klang der Kuckucksruf in einer höheren Tonlage, wie ich ihn gestern, im Wald beim Anstieg gehört hatte. Der Kuckockruf eines Gesanges gestörten Kuckuck`s, wie ich ihn einst in jungen Jahren, bei einer Wanderung vom Admonter- zum Eisenerzer Reichenstein vernommen hatte, erscholl dazwischen und versuchte immer wieder zu dominieren und das Thema vorzugeben.
  Nach der erholsamen Nacht kam ein Schlechtwettertag mit Schneetreiben, vom Besuch des nahen Gipfels nahm ich Abstand und stieg eiligst nach meinen fast verwehten Spuren ab. Nach dem Wandausstieg ließ ich mich am Lawinenkegel auf einer kleinen Schneeanhäufung sitzend abwärts tragen und erreichte schnell und sicher den Karboden. Unterhalb der Nebeldecke löste sich auch der Alpdruck der Angst und der Gefahr, der mir noch unbewußt im Genick saß, mir wurde wieder leichter zumute. Der ganze Tag stand noch zu meiner freien Verfügung, obwohl ich nichts besonders unternahm und mich ganz der Bergidylle verschrieb, war er bald vorbei und ich begann mit der Quartiersuche.


DER GÄMSENDOM Gämsen
  Die Gämsenlosung, sie war das Schlagwort der folgenden Nacht  und auch gleichzeitig meine Schlafunterlage geworden. Ein Wandriß erweitert sich oben zu einem durch Felsen überdachten Gämsendom mit weiterführenden Kaminen. Ich sitze im Gämsendom und mache nach einen musikalischen Morgenruf meine Niederschrift:
  In der Nacht hat es zweimal gedonnert, am Morgen sah ich zwei Gämsen zur Äsung von Frühlingsgräsern, wie Pfeile, bergab laufen. Das Wetter ist besser geworden die Nebelschleier, der gegenüberliegende Wand des Kleinen Grimming, lichteten sich und lösten sich auf. Nun erst konnte ich die sagenhafte Schönheit meines Schlafplatzes voll erkennen, wenn das Wetter hält was es verspricht, werde ich versuchen am linken Domrand vorbei zu kommen um einen Vorstoß nach Osten zu machen.

  Ausnahmsweise mit Hilfe von Seil und Haken überstieg ich die Krummholz Kante, kurzzeitig sah ich durch ein Nebelfenster Bad Mitterndorf, dann jedoch begann ein Dauerregen. Außer einem Wildkadaver und einer markanten Felsenquerspalte habe ich nichts Besonderes mehr wahrgenommen. Wenn man aber bei Schlechtwetter noch hoch im abschüssigem Terrain ist, sucht man vorwiegend einen Ausweg der in meinen Fall ein Abweg sein mußte. Kurz vor der Jausen Station Kulm sah ich dann, von dem zum Grimming führenden markierten Weg, eine Gruppe Wanderer zurückkommen.
Später erfuhr ich dann vom Wirt, sie hätten vorgehabt den Grimming zu besteigen, er hatte sie aber eindringlich davor gewarnt, denn nur Narren würden sich, bei dieser Jahreszeit und bei solchem Wetter, auf den Grimming hinauf wagen. Somit bin ich somit dem von mir selbst verbreiteten Ruf, des unverbesserlichen Bergnarren, voll gerecht geworden - dachte ich. ⇑ Kulm Gipfelbiwak Do 09. Gämsendombiwak 10. ⇓ Kulm 1991-05-11.

DER WINK DES SCHICKSALS
  Am Abend bin ich bei Schönwetter, von Klachau aus bis zum Eintritt der Finsternis, aufgestiegen und habe im Gämsengarten geschlafen. Heute gleichfalls bei Schönwetter komme ich flott voran, oben im beginnenden Fels setzte ich, für einen eventuellen Rückzug wegen Schlechtwettereinfall, Markierungspunkte. Bald war mein Schlafplatz, von meinem zweiten Nordwand - Anstiegsversuch erreicht. Er war genau über der Wand des Latschengarten, an der mein erster Anstiegsversuch, – den ich damals noch berauscht von der Nacht in der Kukula Hütte unternommen hatte, gescheitert war. Nun betrat ich Neuland, ein mit Krummholz bewachsener Grat leitete mich höher. Ein Quergang führte zu einem einzigartigen, teilweise mit Latschen bewachsen, Tableau unter einer kleinen Felswand. Diese, von der Schöpfung ausgestattete, wundersame Stelle empfand ich als einen Wink des Schicksals - lange verweilte ich dort im Berggedenken an, Toni Adam  und der Anbringung einer Gedenkschrift.
  Die Nordwände vor seiner Haustüre in Pürgg, waren für Toni eine besondere Leidenschaft gewesen. Darin hatte er auch einige Erstbegehungen durchgeführt. Der weiterführende Grat wurde extrem ausgesetzt und an einer Stelle sogar durchlöchert, die Alternative, ein immer schmäler werdendes Felsband endete mitten in der Wand. Es blieb mir nicht erspart, wieder tief nach rechts in eine Plattenschlucht abzusteigen, dort schien ein Weiterkommen, allerdings unter einer erhöhten Steinschlag Gefahr, möglich zu sein.
  Der Rückzug hatte sich gelohnt, über Schneefelder und Schutthalden ging es zügig aufwärts. Weil ich schwitzte nahm ich, kurzzeitig bei einer Verschnaufpause, den Kletterhelm vom Kopf und gerade in diesem Augenblick zischte bedenklich nahe an meinem Haupt ein Steingeschoß vorbei. Es blieb aber bei dem gefährlichen Einzelgänger, nur weiter oben, schon in der Nähe der Hochfläche, war plötzlich hinter mir ein lautes Gepolter! - Ich drehte mich um und sah noch wie die gröhlende Gesellschaft abwärts kollerte - dann von einem Schneefleck kurzfristig zum Schweigen gebracht wurde, und sich dann leiser werdend in der Tiefe verlor. Mein Glück auf den zurückgelegten Weg war größer gewesen war als mein Verstand.
  Vor etwa neun Jahren, gab es im großen nördlichem Felsabbruch über der Girtstatt, einen Felssturz bei dem auch Häuser beschädigt wurden. Girtstatt, das Girt kommt vom Gurte wechseln bei den Wagenpferden die einst die Große Kloch'n hinunter fuhren, heute noch heißt es die Kleine- und Große Klachau.
Glücklich und erleichtert schritt ich auf der Hochebene zum Gipfel des Grimmings und schlief im Biwak. Mit einem Bergerlebnis bereichert und um eine Erfahrung reicher, stieg ich am Normalweg nach Kulm ab. ⇑ Klachau Gämsengarten Biwak Fr 05. Gipfelbiwak 06. ⇓ Kulm 1991-07-07.

DIE ZWEI VOGELSPUREN IM SCHNEE
  Erst bei der Anreise zum Grimming fiel mir ein, dass ich meine Bergschuhe vergessen hatte. Beim Mittagessen, im Gasthaus Alt in Öblarn traf ich meinen Freund, Stefan Kukula von der Öblarner Bergmusik, wir fuhren zu seiner Hütte. Durch dieses zufällige Zusammentreffen konnte ich erstmalig an dem Brauch; der Aufstellung eines Hüttenmaibaumes teilnehmen.
  Anschließend gab es einen Hüttenzauber mit vielen jungen Leuten, der Baum aber mußte bewacht werden, denn auch das Umschneiden eines frisch aufgestellten Maibaumes, vor dem ersten Mai, ist ein alter Brauch. Mit den von Stefan geborgten Schuhen wählte ich, bei mittel schönem Wetter, den Normalanstieg von Niederstuttern. Beim Eintritt in die kleine Schneegrube brach plötzlich, durch die Sonneneinstrahlung, in der Grubenwand eine Schmelzwasser Zisterne auf und sorgte kurzzeitig für einen Wasserfall. Das plötzliche Geräusch des Aufbrechens und dann dieses seltene Ereignis war überraschend, doch hatte ich es schon einmal im Mai am Ödstein erlebt.

  Später, kurz unter der zum Multereckes hinauf führenden Schneide, begann es zu regnen und Nebel zog auf, ich zog schon die Umkehr in Erwägung. Jedoch nach einem Besuch der naheliegenden Anhöhe verwarf ich diesen Entschluß, denn das Wetter zeigte nun einige Lichtblicke. Bei einer Rast am Multereck visitierte mich neugierig eine Dohle, der Grimming ist auf den Normalanstiegen im Sommer ein viel begangener Berg, die Vögel haben sich darauf eingestellt, ihren Nahrungsanteil von den Touristen zu bekommen.
  Etwas weiter oben, am nächsten Höhenrücken, waren lange zwei Vogelspuren im Schnee sichtbar. Neugierig geworden folgte ich den ungewohnten Spuren und sie führten mich zu dem wandernden Pärchen, bestehend aus Schneehahn- und Schneehenne. Es war ja Maienzeit und auch am Grimming Grat, wo noch der Winter herrschte, hatte der Liebesfrühling schon begonnen.  Nach einem Gipfelbesuch begab ich mich zur Nachtruhe in die nun neue Biwak Schachtel Vielen Dank an die Errichter der neuen vorbildlich eingerichteten Gipfelunterkunft es bleibt nur zu hoffen, dass der ausgezeichnete Zustand erhalten bleibt.

Von der Nacht, in dem drei Sterne Hotel gestärkt, nahm ich gemächlich Abschied. Beim Abstieg erfreute ich mich an dem vielen Petergstamm, dessen goldene Blüten, als Zeichen des Frühlings, wie Sterne von den Felswänden herab leuchteten. ⇑⇓ Niederstuttern Gipfelbiwak 1992-05-01.-02.

SO-GRAT  2003-09-37 Sa   NL 1003 Gesamtfuhren
  Der Grimmingfranz hatte einen Sturz mit dem Fahrrad und scheidet für die SO-Gratbegehung aus. Nach einem tiefen Schlaf in der Pension des Grimming Franz >, bin ich mit dem Larchkogelweg - Kamerad Pepi noch bei Dunkelheit zum SO-Grat unterwegs. Wir sind die ersten die einstiegen aber auch die letzten die am Gipfel ankommen. Mehrere und längere Pausen verhalfen uns zu einem bequemen Anstieg. In der Großen Schneegrube^ stellen wir fest, dass nur der Namen an den einstigen Schnee erinnert.
  Zum Unterschied vom Großglockner - wo am gleichen Tag der Gipfel wegen Massenandrang gesperrt war, kann dies am Grimming nicht vorkommen. Eigentlich hat der Grimming gar keinen richtigen Gipfel sondern nur eine, mit einem Kreuz versehene, höchst gelegene Stelle der almartigen Hochfläche. Die Panoramakundigen unterhielten darüber: Ob der Ötscher >, der Großvenediger >, der Hochkönig >, oder auch viele andere Berge, zu sehen wären. Dem Auge bleibt allerdings keine einzige Erhebung im gesamten Umkreis verborgen. Die Namenszuordnung ist jedoch bei den weniger markanten Berggestalten, nur mit Kompass und Landkarte möglich. Pepi wollte unbedingt die Spalte sehen, wo einst das alte Kaiserkreuz  lag. Dort sind nun durch den Schneerückgang weitere unschöne, alte Relikte zum Vorschein gekommen.
  Ein voll ausgenützter Tag ist für eine Grimmingbesteigung gerade die richtige Dosis. Beim Poetschen Paul erfahren wir von einem Mödlinger, dass sich heute 193 Leute in das > eingetragen hatten. Übrigends der Pötschen Paul ist ein vulgo Name, denn so hieß die ehemalige Kulmer Jausenstation. In Wirklichkeit heißt der Pötschen Paul - Wilfried war Eisenbahner und ist mit einer jung aussehenden Frau verheiratet. Er behauptet jedoch von sich im Hinblick auf seine Gemahlin: Ich bin mit dem falschen Zug unterwegs.
  Aber sonst ist er, dem Grimming ähnlich, ein sympathischer, feiner Mann mit allen ebenbürtigen guten und schlechten Eigenschaften. Nur von dem Grabgesang des Wanderer Schirmherrn Lois Strobl > aus Untergrimming ist er nicht, besonders begeistert. Alle Grimmingbegeher waren heute sehr diszipliniert gewesen. Auch auf der Schotterritsche, dem linken Queraufgang zum SO-Grat, hielten sich die losgetretenen Steine in folgenlosen Grenzen. Der Tod als Gefährte^. Ein Stürmer des SO-Grat Marathon hätte fast einen Nervenzusammenbruch erlitten. Was war passiert? Er glaubte er hätte sein, am Rucksack befindliches, Schweißtuch verloren. Die Anzahl der Besucher wird sicher über 193 gewesen sein, denn erfahrungsgemäß tragen sich nicht alle in das Gipfelbuch ein.
Schnell sind 5 Tage am Grimming vorbei – aber bis zur nächsten Wiederkehr werden sie wohl im Gedächnis verweilen. >
 
 
Ü  B  E  R  S  C  H  R  E  I  T  U  N  G  E  N
 
 E R S T E  Ü B E R S C H R E I T U N G  D E S  J A H R E S  1985
 
 FELSENKANZEL
  Einige wettermäßige Aufhellungen am Vormittag, ermunterten mich zu einer Grimming Bergfahrt. Der Grimming, als unübersehbarer Einzelberg, bezaubert mich durch seine Eigenheiten immer mehr. Diesmal fand ich in der Nähe von St. Martin, am Ufer der Salza einen Parkplatz und gleichzeitig den Ausgangspunkt.
  Der romantische Weg führt am Elektrizitätswerk vorbei, verläuft dann unmittelbar neben der Salza bis zu einem Wasserfall, dort endet er vor einem verschlossenen Betriebsstollen. Hier begann mein Aufstieg, - schnell gewann ich an Höhe und mein Geländeumkreis wurde immer interessanter: Zu meiner rechten Hand eine Höhle inmitten einer senk-rechten, glatten Felsenwand, über mir ein Rudel Gämsen in lustigen Äsgebährden, zu meiner linken Hand erhebt sich der Grimming Nachbar Hochknall und rings um mich, auf den Wänden und Blöcken, die goldenen Sterne des blühendes Petergstamms – was kann man noch Schöneres haben?
  Den Gämsen nach zog auch ich höher, oft starrten mich die Jungtiere noch mit neugierigen Lichtern, von ihren Standplätzen an. Gämsen Standplätze sind immer die schönsten Plätze – dachte ich mir als ich zu einer Felsenkanzel kam. Sie gab den Blick auf den Stausee frei, ein guter Platz für eine Stärkung und eine Rast. Wer in der Natur nicht ausgiebig rastet und nur hastet, versäumt sehr viel im Leben. Gestärkt und erholt setzte ich meine Wegsuche fort, nach einem längeren Quergang entschied ich mich zur Besteigung einer Steilschlucht. Eine Höhle lockte in der linken Schlucht Wand zur Erforschung, doch ließ ich sie gleichfalls links liegen.
Noch viele schöne SCHLAFPLÄTZE ließ ich unbenutzt, denn ich wollte hoch hinaus.
  Bei einer ungünstigen Stelle der Schlucht Verengung wurde es dunkel, dichter Schneefall setzte ein. Während man sich oft in den weichsten Federbetten im Schlaf hin und her wälzt und wie gerädert aufwacht, können einige Stunden Ruhe, in der unangenehmsten Körperhaltung, im Freien erholsamer sein. Der Morgen begann mit einem Zwischenhoch, nach einer Seillänge, war der Rückzug die Parole, der Neuschnee hatte den Fels in eine für mich unüberwindliche rutschige Barriere verwandelt. Ein Dürrling, mit dem ich am Vortag den Schlucht Ein-stieg gekennzeichnet hatte, wies mir den Weg zurück zu meiner Felsenkanzel. Einige Stunden verweilte ich auf diesem schönen Aussichtspunkt, um aus der mir unbekannten Perspektive alles anzusehen.
  Mir persönlich bekannte Berggestalten der Niederen Tauern grüßten aus der Ferne, ich aber konnte mich vom unbekannten Anlitz des Grimmings kaum lösen. An den Felshängen des gegenüberliegenden Hochknall lösten sich Staublawinen, nach freien Fall donnerten sie zum Pass Stein hinab, kurze Zeit schwebte der Staub - einer Wolke ähnlich über dem Stausee. Die schmale Paßstraße war im Bereich der Lawinengänge ohnehin noch unter dem Schnee verborgen. In den Bergen ist es ähnlich wie im Leben: – Wer aussichtslos auf einem Höhepunkt steht hat keinen Überblick. Die Hoffnung auf eine Besserung soll jedoch nie aufgeben werden, wer in einer oft scheinbar aussichtslosen Situation geduldig ausharrt, dem wird manchmal eine Belohnung zu Teil, wie sie sonst nur Göttern vorbehalten ist.
Schenk' mir GEDULD lieber Gott! Aber gib sie mir ganz flott.
  Unterhalb der Felswände des Mittereckes, der Zehnerspitze und des Krautschwellereckes wanderte ich ostwärts. Meine Begleiter waren Gämsen, sie sahen in mir nicht mehr den fremden Eindringling der ihre Standplätze besetzte, sondern eher einen Weg Gefährten der gleich wie sie, durch den Neuschnee, von der Höhe des Berges abgedrängt worden ist. Im Regelfall vertreibt der Wanderer dem Jäger das Wild, ich hatte zwei Erlebnisse wo es umgekehrt war. Ins Revier pirschende Jäger hatten mir jeweils, nach Freinächten am Morgen, einst den schönen Anblick genommen. Voll Bewunderung blickte ich immer wieder hinauf zum Höhenkamm. Alle Felsspitzen hatten weiße Schneekappen auf, eine Zinne davon sah wie ein Betrunkener aus, sie hatte ihre Schneekappe ganz schief am Haupt. Währenddessen ich Lawinenreste, bestehend aus lauter kleinen Schneebällen, überschritt, erglühte die Zwölferspitze im Schein der Abendsonne. Das von der St. Martiner Grimmingscharte herunter führenden Lawinenbett, verschaffte mir mit den Firngleitern  die Abfahrtspiste bis zum Forstweg.
  Am Rücken liegend, ruhte ich mich auf einem Stapel von Brennholz aus. Mein Geist war angespannt von den vielen Eindrücken 
eigenartig stark glänzten die Sterne, es trat auch dann die angekündigte Mondfinsternis. Ich fand einen alten Hohlweg, so blieb es mir erspart mich am Forstweg hinab zu quälen. Bald entließ mich auch der dunkle Wald, es bezauberte mich die Frühlingswelt einer schönen Maiennacht. Nach mehrmaligen besinnlichen Verweilen, im Dämmerzustand zwischen wachen und schlafen, gelangte ich zum Ausgangspunkt. Der neue Tag brach an, trotz der Warntafel, die vor einer Flutwelle warnte, beendete ich die Bergfahrt durch eine Fußwaschung in der Salza. Schluchtbiwak 03. St. Martin 1985-05-04.

DIE NACHT ABLÖSE
  Es war still, nur das Rauschen der Salza klang wie leise Musik in meinen Ohren. Der Anmut der Mondnacht, das Glitzern der Sterne hatte mich in eine voll Erwartung frohe Stimmung versetzt. Die geisterhafte Silhouette des Grimmings ragte über mir in den zauberhaften Nachthimmel. Auf der mir bekannten Felsenkanzel erwartete ich die Ablöse der Nacht: Fahler Dämmerschein gefolgt von violetten Feenschimmer und blaugrauen Färbungen erscheinen, Sterne blinken im Verblassen, es wechselt zu einer purpurnen Pracht transparent übermalt mit magischem Violett, im zarten Himmelsblau kündigte sich ein Feuerzauber an und wie Feuergeschoße treffen die ersten Strahlen den Berg der Berge. Sein weißes Haupt leuchtet in königlichem Purpur auf, plötzlich loderte es auf wie ein Dauerblitz, der Berg brennt lichterloh.
  Über den Wäldern den Wiesen lag noch ein leichtes Dämmern, sie waren noch mit Nebel umschattet und von den kühlen Schwingen der Nacht überzogen. Auf dem Grimming jedoch herrschte bereits ein munteres Treiben, die gefiederten Waldsänger begrüßten mit melodischen Gezwitschere den jungen Tag. Jeder Sonnenaufgang ist ein Wunder der Schöpfung, eine Farbensymphonie, eine Neugeburt im ewigen Planetenzyklus, doch dieses mal hatte mich das Erscheinen des Tagesgestirnes besonders stark ergriffen. So saß ich nun gedankenverloren — bis auch mich das goldene Licht, der neugeborenen Sonne, umfing.
  Nach einer Genußkletterei war ich oben, langsam stapfte ich auf der tragenden Schneedecke zum Mittereck. Es war ein entscheidender Wendepunkt in meinem Lebens, an dem ich angekommen war, in der Nacht die ich auf dem Mittereck verbrachte. Auch am Sonntag war mir das Wetter gut gesinnt, ich schritt auf der Grimminghöhe über die Zehnerspitze zum Krautschwellereck und dann zur St. Martiner Grimmingscharte. Vor der Zwölferspitze kehrte ich um, Eis und Schnee hätten ein weiteres Vordringen zu riskant gemacht. E-Werk Mittereck Biwak Sa 11. St .Martin 1985-05-11/12

DIE GEBURT EINER GÄMSE  Gamssetzung 
Gämsen ^
  Mein Geist, mein Körper war durch den profanen Stadtalltag am Tiefpunkt angelangt, spät am Abend war ich am Ausgangspunkt an der Salza eingetroffen. Schleppend quälte ich mich nun bergan, unterhalb der St. Martiner Grimmingscharte verirrte ich mich in den linken Zweig einer Steilschlucht, und nächtigte im Steilterrain. Nur wenige Stunden an den Hang gelehnt hatte ich in dieser ungewohnten Zwangslage geruht, doch noch nie hatte sich mein Gesamtbefinden in so kurzer Zeit, so erheblich gebessert, ich fühlte mich wie neugeboren. Alle Nächte die ich bisher im Freien verbracht hatte waren sehr bedeutungsvoll gewesen, doch diese Freinacht war für mich Neuland. Es ist kaum zu glauben was eine Frühlingswoche im Mai in der Berglandschaft verändern kann!
  Der Lenz mit all seinen Gesellen hatte mehr wie ganze Arbeit geleistet, - wo das letzte mal noch tiefer Schnee lag, wuchsen bereits die verschiedensten Pflanzen. Ich näherte mich der imposanten Felserhebung des Zwölfers, der Nebel von der Ennswiesen und dem Mitterndorfer Talboden, begann langsam aufzusteigen und verhüllte mir meine Tiefblicke. Es war nicht absehbar wie sich das Wetter weiter entwickeln würde, auch der von mir angestrebte Zwölfer verschwand in den Wolken. Soviel hatte ich allerdings schon von ihm gesehen, dass ich ganz der Meinung war, seine Besteigung läge weit über den Grenzen meiner Fähigkeiten.
Ein unehrenvoller RÜCKZUG ist immer
Noch besser als ein ruhmreicher Tod.
  Nicht immer, aber in gewissen Situationen ist es am besten abzuwarten, mir war es dabei auch möglich noch Tee trinken zu können. Erfahrungsgemäß, sieht vieles schwieriger aus als es wirklich ist. Das dampfende Gebräu, mit dem geistigen Zusatz belebte mich, meine Gedanken suchten eigene Wege, mancher Knoten der Erinnerung wurde gelöst sich, Bilder die irgendwo in meinen grauen Zellen ein Schattendasein geführt hatten, tauchten wieder auf. Es ist ja wie so oft im Leben, das Wertvollste liegt im Verborgenen und die Augenblicke  es schürfen zu können sind rar. Alle Quellen des Erkennens, des Empfindens erquicken nur am Ursprung mit ihrer unverfälschten Kraft den sensiblen Rutengänger.  Die Gedankenwelt ist raum- und zeitlos, aber sie ist doch fest verankert und mit allen Abschnitten des menschlichen Daseins verbunden, mit all den bewußten und unbewußten Wahrnehmungen.
  Ich habe zu den Bergen eine besondere Beziehung aufgebaut, es hat mich nie befriedigt sie nur als Mittel zur Selbstbestätigung zu sehen. Das Ersteigen eines Gipfel ohne eine innere Einkehr, hat mich nie befriedigt. Bei berühmten Berggestalten, wie zum Beispiel dem Glockner habe ich einst das Handtuch geworfen, seine Besteigung wurde für mich bedeutungslos. Abgesehen von der Dachstein Besteigung, waren es vorwiegend einsame und unbekannte Berge, die mich anzogen und immer reich belohnt haben. Bei den entscheidenden Wegabschnitten eines Aufstieges halte ich stets gerne inne - um mich mit dem gewählten Berg anzufreunden.
  Bei berühmten Berggestalten, wie zum Beispiel dem Glockner habe ich einst das Handtuch geworfen, seine Besteigung wurde für mich bedeutungslos
. Abgesehen von der Dachstein Besteigung, waren es vorwiegend einsame und unbekannte Berge, die mich anzogen und immer reich belohnt haben. Bei den entscheidenden Wegabschnitten eines Aufstieges halte ich stets gerne inne - um mich mit dem gewählten Berg anzufreunden.
Die BIWAKWEISHEIT
Wo man stehen kann, kann man auch schlafen.
DIE GÄMSENSPIELE Gämsen
  Einst biwakierte ich mit meinen zwei Kleinkindern in der, Fussischarte der Wölzer Tauern:  Die goldene Abendsonne fiel auf ein Schneefeld unterhalb der Trojani Südwand. Mit freien Auge konnten wir eine Horde Gämsen und deren lustiges Getümmel beobachten.  Die vergnügten Gämsen liefen rechts und links neben dem Schnee empor und fuhren sitzend und springend im Schnee hinunter. Oft kam es vor, dass sie paarweise oder in Rudeln, in den verschiedensten Posen, abwärts fuhren. Dieser, voll von sich überbietenden Bewegungsabläufen schöne, Anblick, war ein Gämsenspiel vor Sonnenuntergang, wie man es im Leben wahrscheinlich nur einmal erleben kann.
  Ja was wären die Berge ohne die Gämsen? Immer wieder bewundere ich diese Geschöpfe und deren Kletterfähigkeit. Einmal bin ich sogar kurz, einem dieser Tiere Aug im Aug gegenüber gestanden: Es war morgens, nachdem ich aus dem Südwand Ausgang der am Kleinen Ödstein, herauskam.  Der Gams stand, auf der Erhöhung des Wintergartens unmittelbar vor meinem Kopf. Noch heute sehe ich deutlich seine großen, schwarzen und magischen Augen vor mir.
  Zweimal, als ich nach dem Aufstehen am Morgen vor dem Biwak stand, hätte mich fast ein Gams, nieder gerannt: Am Waidhof Höhengrat der Totenkarspitze, war es in einer unübersichtlichen, schmalen Krummholzgasse,  plötzlich sauste ein Gams um die Biegung, es gab es kein Ausweichen, erst kurz vor mir kehrte er um und verschwand so spukartig wie er gekommen war.
  Bei einer Nächtigung im Zelt, an einer trichterförmigen - Krummholz Engstelle unterhalb der Ödstein Südwand, war tiefer Neuschnee gefallen. Am Morgen hatte es aufgehört zu schneien, doch dichter Nebel hüllte alles ein. Ich stand vor dem Zelt: Plötzlich sauste wie ein Pfeil ein Gams knapp an mir vorbei. Hätte ich nicht den Windstoß und den mit den Läufen aufgewirbelten Schneestaub deutlich gespürt, hätte ich an meiner Wahrnehmung ernstlich gezweifelt.

  In allen drei Fällen sind der Gams und ich zuerst zu Tode erschrocken, ich habe aber dann aber immer so herzlich, wie selten im Leben, gelacht. Das Gamswild ist die Krönung unserer Berge. Die Gämse, als einzige Antilope der Alpen bekannt, ist ein sehr geselliges Wild und lebt fast ausschließlich in großen Rudeln über der Waldgrenze. Mit wilden Brunft Gebährden, fegen die Böcke im November wie die höllischen Teufel über die Schneehänge, dass der Schneestaub nur so nachwirbelt. Die Wendigkeit und Eleganz, mit der dieses Wild seinen gefährlichen Lebensraum beherrscht, grenzt an das unglaubliche Akrobatische. Die Hörner des Bocks sind nur etwas stärker, sonst gibt es keinen Unterschied zu den Hörnern der Geiß. Angeschossene Gämsen haben auch schon, mit ihren Hörnerspitzen, Jäger mit in den Abgrund gerissen.
  Der Gamsbart war einst sehr begehrt, diese auf dem Rücken gewachsenen langen schwarzen Grannenhaare mit den schneeweisen Spitzen, dem sogenannten Reif, der den Bart erst besonders wertvoll macht, war ein Statussympol der Jägerschaft. Der Klingsbichel Franz+ aus Pusterwald, war ein Bartbinder. Ein echter Gamsbart, war nur für ganz Reiche erschwinglich, die meisten getragen Bärte sind an der Innenseite, wo es nicht so augenscheinlich war, mit Hirschgrannen ausgefüllt.

DIE UNBESTECHLICHE ZEIT
  Die Zeit ist das Unbestechlichste im Leben, sie läßt sich weder drängen noch verzögern. Ihr Gesetz ist unantastbar. Bei manchen Menschen verschwinden, kurz vor ihrem Dahinscheiden, alle Zeitbegriffe und Gedankenketten. Ihr ganzer Lebensablauf, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft erscheinen auf einer Ebene. Die oft zusammenhanglos erscheinenden Worte, ergeben aber oft einen versteckten Sinn. Von sterbenden Menschen ist viel Wertvolles zu erfahren, vor allen Dingen lernt man mit der Vergänglichkeit umzugehen. Der Tod, er gilt auch bei manchen Religionen als der Höhepunkt des Lebens. Wie grausam wäre doch die Unsterblichkeit der Götter für uns Menschen.
  Ja die liebe Zeit sie kann alles! - Dösen, dämmern, entgleiten, quälen, trennen, töten, vertreiben und zermürben. Sie entflieht dem Glücklichen und peinigt dem Langweiler, sie heilt die Wunden, sie zeigt was gut und was schlecht war, sie vergeht von selbst und holt uns aber doch immer wieder einmal ein.
Ja man kann sie nehmen, schenken, verlieren und finden, sie kommt und geht, sie rennt davon und kommt nie wieder und ist doch immer wieder da.
Nur die Gedanken sind in der Lage in allen Zeitebenen zu wandern, sie sind frei - wie es in einem Lied auch beschrieben wird, sie können mit keinem Zeitmaßstab gemessen werden.

  Für uns Menschen sind die Kinder die anschaulichsten Uhren, ihr Wachstum zeigt uns, den Jahresringen der Bäume gleich, den Zeitablauf. Letzten Endes wird ein alter Mensch im Geist wieder einem Kinde ähnlich. Die Zeit ist Leben, der Stillstand ist Tod. Es kommt alles zu seiner Zeit, wie seinerzeit. Es gibt die Geburtsszeit, die guten und schlimmen Zeiten, Gehzeiten, Stehzeiten, Zwischenzeiten, Tages-, Nacht- und Umlaufzeiten und Lebenszeiten. Zur Sterbezeit sagen die Menschen: Die letzte Stunde schlägt oder die Uhr ist abgelaufen.
  Aber wie ist es mit dem Ablaufdatum? Nach meinen Höhenmesser müßte ich jetzt bereits frei schweben. Sagte ein Bergsteiger einst auf dem Gipfel des Großen Ödsteines, zu mir. Es gibt kein Ablaufdatum sondern nur ein Ende. Aber was kommt nach der Endzeit? Die Anwort ist ganz einfach: Etwas was wir nicht mehr erleben können, nur wollen es die Wenigsten wahrhaben. Umsonst schreibt man nicht auf die Totenkränze den Irrtum lebe wohl.
Alle haben UHREN
Niemand hat Zeit.
Nimm dir doch Zeit
Du wirst beschenkt.
Wer keine Zeit hat,
Verliert sie.

Leben ist Zeit
TOD ist Ewigkeit.
  Irgend etwas passierte nördlich unter mir, ich fühlte es förmlich. In dem sich auflösenden Nebel sah ich eine Gämsengeiß in einer Mulde stehen, obwohl sie mich gewittert hatte verweilte sie. Irgend etwas schien ihr wichtiger zu sein als meine Anwesenheit,  die Ursache kam nun langsam auch zum Vorschein. Nun sah ich sie, es war ein frisch geborenes Gämsenkitz, es machte gerade die ersten Aufstehversuche, stand aber bald auf den wackeligen Läufen. Um hier, nicht noch länger zu stören, begab ich mich auf die andere Seite des Höhengrates.
  Dieses Erlebnis hat dazu beigetragen, dass ich mich losgelöst von meinen Ängsten und unvoreingenommen dem Gipfelaufbau des Zwölfers näherte.
  Die Sonne lachte wieder vom Himmel, was von der Ferne unüberwindbar ausgesehen hatte, erwies sich auch für mich als bewältigbar. Es ist wie mit des Lebens Hürden, man muß sich nur Zeit nehmen und viel Geduld aufwenden um sie überwinden zu können. Sie zu umgehen kann, wie ja oft auch im Gebirge, erst recht in den Abgrund führen. Es gibt Berge an denen führt kein Weg vorbei sondern nur darüber, dachte ich als ich mich über den röhrenartig ausgewaschenen Felsen des Gipfelgrates dem Grabkreuz am Gipfel näherte. Ein Verweilen in einer Bergandacht, die Eintragung in ein wertvolles Gipfelbuch – sind Höhepunkte des Lebens. Das sanft ansteigende Steinfeld ist eine schräge Wiesenfläche, das war eine Überraschung der angenehmen Art. Im erholsamen Spaziergang gelangte ich auf die Steinfeldspitze. Später habe ich dann erfahren, dass die Abseilstelle des auch südlich umgangen werden kann.
  
DIE ALTEN SCHI
  Am Abhang nach der Abseilstelle fand ich ein Paar alte Schi mit Riemenbindung und noch ohne Stahlkanten, dem Aussehen nach schon Museums - Exponate. Kaum war ich mit meinem Fund in der Scharte angelangt, begann plötzlich ein gefrierender Regen der in einen Hagelschauer überging. Unter einer nördlichen Felsnische fand ich einen Unterstand hier deponierte ich auch meinen Fund. Lange Zeit grübelte ich darüber nach,  wer einst hier in diesem Felsengelände mit Schi unterwegs gewesen sein könnte? Aber ich fand keine Erklärung dafür.
  Wie ich es auf der Rax in der breiten Rinne gesehen habe, fahren heutzutage Extremsportler mit Schi in Steilschluchten ab, wo mir schon beim bloßen hinab schauen, die Knie schlottern. Doch hier am Grimmingrat mit diesen Urzeitschi der damaligen Zeit? – Sicherlich, auf den Westseiten des Kleinen Grimming, des Zwölfers und vom Mittereck nach Heilbrunn gibt es geeignete Geländeformen für Schitouren, doch dazwischen müßten gefährliche Abschnitte überwunden werden.
  Von meiner Jugendzeit her, sind mir solche alten Schi noch in Erinnerung, auf sie haben wir damals ein sogenanntes, Steig- und Gleitwachs aufgetragen und mit dem Stachelbügeleisen geglättet. Seehundfelle waren ja nicht erschwinglich, wir hatten auch eine sogenannte Vater Unser Bindung, damit konnte man mit angeschnallten Schiern knien, was für die Andächtigen zum Beten und für die Jäger zum Schießen ein Vorteil war, für die Abfahrt war es aber nur ein Nachteil.
Anmerkung: Im Jahre 1999 suchte ich diese Schi am Heil und fand aber nur mehr einen davon. Er lag 60 Meter von der Felsnische entfernt, kurz vor der Wandabbruchkante und war bereits zur Hälfte verwittert, im nächten Jahr wäre er mit dem Schnee wieder weiter gewandert und wie seine zweite Hälfte in der Tiefe zerschellt.Er wurde dem Heimatmuseum Strick in Bad Mitterndorf übergeben.
DIE ERSTE WINTER LÄNGSÜBERSCHREITUNG IM JAHRE 1956
  Anbei Zeitungsartikel aus der Grimming - Chronik über die Grimming Erstüberschreitung im Jahre 1956 im Winter. Zum Schiteil selbst: Ich habe am Montag mit Franz Salfellner gesprochen, er hat ihn sofort erkannt. Es waren zwei Paar Schi die sie bei der Überschreitung hinterlassen haben, denn am Kleinen Grimming und der Schartenspitze waren sie ein Hindernis. Schon damals waren es schon sehr alte Schi, an den Riemen vor und nach der Bindung waren Holzkeile, als Ersatz für die nicht vorhandenen Steigfälle, angebracht. Heimatmuseum Strick in Bad Mitterndorf Herr Strick 27.08.99
DURCH EIS UND SCHNEE AM GRIMMINGGRAT 1956
  Vor 40 Jahren: Winter - Überquerung des Grimming. Am Montag den, 1956-12-17 überquerten die beiden bekannten Mitterndorfer Brüder, Franz und Hans Salfellner 28 und 26 Jahre alt, zum ersten Mal im Winter das gesamte Grimmingmassiv in seiner Längsausdehnung. Um Mitternacht brachen sie bei Vollmondschein vom Salza - Stausee aus, in die dicht verschneiten Berge auf und nach 16 Stunden kamen sie in Untergrimming wieder ins Tal. Diese Bergtour stellte, vor allem wegen ihrer Länge, erhebliche Anforderungen an die Alpinisten, sie wurde jedoch von beiden als nicht besonders schwer bezeichnet. Begünstigt durch das schöne Wetter und gesichert durch eine Verständigungsmöglichkeit mit ihren Bergkameraden, hatten die zwei Bergsteiger die Tour in vorbildlicher Weise vorbereitet und durchgeführt. Hans Salfellner verunglückte, am 1969-12-12 in der Nähe des elterlichen Hofes bei der Waldarbeit.
Da BAUERN HANS, ein 41 jähriger lediger Mann
Hat seine schwere Arbeit immer gern getan
Beim Holz ziehen ist ein Baum überrollt
So hat ihm der Herrgott zu sich hinauf geholt.
> Obersdorf Schradenbauer 1969-11-12
  Franz Salfellner ist Bauer und bewirtschaftet naturnah und ökologisch den Bergbauernhof, vulgo Schradenbauer in Obersdorf. Das Brüderpaar unternahm in seiner Jugend viele Bergtouren und war immer mit der Natur eng verbunden. Der Redaktion ist nicht bekannt, ob diese Winterüberschreitung des Grimmingmassives wiederholt wurde. Quelle Zeitung Der Ennstaler Weitere Winterüberschreiter waren: Sigurd Fahringer mit Fredl Pöllinger. Quelle Tonaufzeichnung Einweihung der Toni Adam Biwak Schachtel 1992

DIE DAME DES HAUSES  
  So plötzlich wie das Unwetter begonnen hat, setzte es wieder aus. Es war für mich eine winzige Kostprobe von dem, was der Gipfelkreuz Aufsteller der Schartenspitze, Jürgen Ewers mit seiner Braut Traute Umshaus, bei ihrer letzen Überschreitung von der Schartenspitze zum Grimming ins Jenseits erlitten. Jetzt hieß es schnell handeln, gegen meinem Grundsatz bestieg ich nur mit dem Sturmgebäck die Dame des Hauses die Schartenspitze, wie Toni Adam sie liebevoll genannt hat. Eine sonderbare Gemütsstimmung hatte von mir Besitz ergriffen als ich am Gipfel ankam, doch die Situation gab mir keine Zeit für Ergriffenheit.
  Aus dem mit Wasser gefüllten Gipfelbuch Behälter entnahm ich das Gipfelbuch und schlug mit dem Pickel die erforderlichen Entwässerungslöcher in den Behälterboden. Die Ostseite der Schartenspitze sah für einen Abstieg nicht besonders einladend aus, die Felsabhänge waren voller Schnee und Eis. Die Abenddämmerung mahnte zum Abgang, denn ohne Ausrüstung wäre diese Nacht hier oben nicht glimpflich verlaufen. Im Lager, in der vorher erwähnten Felsnische und dem Altschidepot, war ich nur teilweise durch den Felsenüberhang geschützt. Deshalb war die Regennacht zwar feucht, doch keineswegs fröhlich.
  Schönwetter war die Entschädigung für die unendlich erschienene Nacht, meinen Fund habe ich zurückgelassen. Fast den ganzen Tag quälte ich mich mühsam, über die eisbedeckte steile Platte der Heil hinab in's Schartenkar um dann, über den markierten Nordanstieg, den Hohen Grimming zu besteigen.

DER RUHETAG AM GIPFEL
  Bei traumhaft schönen Wetter regte sich kein Windhauch auf der Hochfläche des Grimming Gipfels. Eine ideale Voraussetzung für einen Ruhetag. Bei den Aufräumungsarbeiten in der Biwak Schachtel verging die Zeit wie im Flug. Es muß auch einmal ausgesprochen werden, dass es auch unter den Bergsteigern und Wanderern Umwelt Sünder gibt. Es war keine Ritze in der guten Stube, in der nicht ein Teebeutel, eine Konservendose oder sonstige Abfallrelikte deponiert waren. Besonders schwierig erwies sich das Entfernen der Papierknäuel aus dem Entlüftungsrohr. Zu guter letzt fand ich eingebettet in Kerzen- und Fackelresten eine verrostete Mundharmonika. Die zweite Nacht in der guten Stube war angenehmer, durch das ganztägige Auslüften gab es keine Modrigkeit mehr.
  Nebelabstieg über das Multereck, Weiterwanderung zur Wolkengrube, zur Jausengrube dann auf endlos erscheinenden Wildpfaden durch das Krummholz zum St. Martiner Güterwegsystem und auf den bekannten Hohlweg zum Ausgangspunkt.
  Auf den letzten hundert Metern gaben mir Neugierige das Geleit. Ich kümmerte mich wenig darum nahm meinen Hut vom Kopf, den darin hatte den Frühlingsgruß, den blauen Enzian in Schnee eingebettet verwahrt. – Dies hat mir zwei Vorteile gebracht, ich hatte immer einen kühlen Kopf behalten und der Enzian blieb frisch. Die Neugierigen die mich besonders erstaunt anschauten, hinderten mich nicht meine gewohnte und wohltuende Fußwaschung in der Salza durchzuführen.

DER ABSCHIED
  Mit dem Gelöbnis bald wieder zu kommen, nahm ich Abschied von dem mir lieb gewonnen Gebirgszug. Ein gütiges Schicksal möge mir bescheiden die Berge, die mir in der Jugend den Weg wiesen, noch viele Jahre besteigen zu können. Im Alter sollten sie noch immer so sein, wie einst als ich sie als Kind das erste mal sah.
Später erfuhr ich dann die Ursache des Aufmarsches der Neugierigen:

  Übereifrige Beamte der Gendarmerie hatten in mir einen Selbstmörder, der sich in der Salza ertränkt hat, vermutet, deshalb war man von meiner Auferstehung überracht. Ein diesbezügliches Erkundungs Telefonat wurde von den Beamten auch mit meiner Frau getätigt. Der Anlaß zu der Vermutung war: Ich hatte meine Reisekleidung sorgsam auf einem Kleiderbügel im Innern des Autos hängen gehabt. Ob ein Selbstmörder vor dem Ertränken noch seine Kleider sortiert ist fraglich? Ich hätte es nicht getan, denn sonst wäre mir beim Sterben kalt geworden. So endete, mit einem heiterem Nachklang, eine vom Anfang bis zum Ende herrlich gewesene Bergfahrt.
  ⇑ St. Martin Biwak unter St. Martiner Scharte Mi 15.
Längsüberschreitung Steinfeldscharte Biwak 16. Grimming Gipfel Biwak Sonne 17. Gipfel Biwak Sonne 18. Multereck Wolkengrube Grimmingtor unter den Felsabhängen nach St. Martin 1985-05-19.
 
DAS KRUMMHOLZGESTRÜPP
  Bei sommerlichen Schönwetter Aufstieg vor der Staumauer des Salzastausees. Nach einer Genußkletterei, in den mir nun schon bekannten Terrain, erwartete mich nach der Überwindung der Abbruchkante eine Überraschung. Wo ich einst mühelos auf der tragenden Schneedecke dahin geschritten bin, mußte nun mühevoll durch das Krummholz kriechen oder ein Latschentarzan sein. Hier helfen die Pfade des Wildes weiter, allerdings heißt es sich so wie Tier auf allen Vieren zu bewegen. Um so schöner war dann die Freinacht am Höhengrat des Krautschwellereckes .
  Eine traumhafte Wanderung am Höhenkamm, ein herrlicher Schönwettertag mit einer Biwak Nächtigung am Hohen Grimming. Das gute Wetter blieb standhaft, auf der Gipfelebene gab es sehr viel zu erkunden. In der nördlichen Umgehung der Erhebungen zog ich dann zum Multereck und stieg gemächlich ab. Das Schönwetter hatte allerdings auch die Quelle, im ersten Felswand Überstieg, zum Versiegen gebracht, der Durst konnte aber dann in der Grimminghütte gelöscht werden
.
  ⇑E-Werk Mittereck Biwak 02. ⇒Längsüberschreitung Grimming Gipfel Biwak 03. ⇓ Multereck 19860804 ⇑ Lärchkogel ⇒ Längsüberschreitung Ost West Gamsspitz Biwak 08. Multereck Hoher Grimming Schartenspitze Kleiner Grimming Zwölfer St. Martiner Scharte ⇓ Krungler Alm 1992-08-09.

TONI
> BIWAKEINWEIHUNG
 
GRIMMINGSCHARTE DAS SPURENKREUZ
  Es sind nicht immer die mächtigen Gipfel, oft gibt es Erlebnisse am Wege zu ihnen die sich einprägen. Ich befinde mich am Morgen auf dem herrlich duftendem Speikboden der St. Martiner Grimming Scharte, neben mir  inselgleiche Krummholzgewächse. Am Rücken liegend, die Hände im Schoß gefaltet wandert mein Blick am Horizont dahin — verliert sich hinter dem Kreise der zu leuchten beginnenden Gipfel.
Die SEHNSUCHT nach dem Vollkommenen
Ist die Bemühung um das Vortreffliche.
Das Nichts ist auch eine vollendete Form.
  Leben und Tod, Tag und Nacht, der Kreislauf der Schöpfungs Vielfalt im Umlauf der Zeit, in ewiger Veränderung. Das Erscheinen der Sonne ist zwar eine Alltäglichkeit, aber trotzdem bleibt es  so wie die Jahreszeiten ein wundersames Geheimnis.  Noch nie habe ich der Berge Anlitz so greifbar nah gesehen – oder vielleicht auch noch nie so genau betrachtet. Es liegt nicht nur daran, dass im Herbst die Sonne tiefer steht und gleich einem Scheinwerfer auf Kulissen – auch die Alpen, mit all ihren versteckten Winkeln, Kanten und Vertiefungen, ausleuchtet. Die Ursache liegt auch darin:
  Dass jedes Bild auch vom Gemütszustand des Betrachters abhängt. Auch im des Lebens Herbst ändert sich der Blickwinkel, die Nahsicht wird durch Kurzsichtigkeit getrübt aber die Nachsicht wächst, die Weitsicht wird schärfer und aufmerksamer doch die Sehkraft schwindet. Nachdem man: – In der Jugendzeit abgehoben hat um nach den Sternen zu greifen, im Mannesalter versucht hat weltbewegende Taten zu vollbringen, führt das Alter immer näher zurück zur Mutter Erde.
Was hinkt ist nicht immer ein  Zitat, nein
Es kann auch ein alter müder WANDERER sein.
  Hier auf der St. Martiner Grimming Scharte habe ich nun mein Spurenkreuz vollendet. Nach einer zweimaligen Längs Überschreitung des Höhengrates, von Osten nach Westen, bin ich heuer entgegengesetzt gewandert und hier von der Scharte aus nördlich abgestiegen.

HÖHEN UND TIEFENÄNGSTE
  Zwischen dem Hohen Grimming und der Schartenspitze, an einigen ausgesetzten Stellen des Grates, hatte ich Empfindungen wie ich sie damals bei meinen ersten Gehversuchen auf schwindelnden Höhen erlebt habe. Es war nicht der klettertechnische Schwierigkeitsgrad im Alleingang ohne Seil, sondern das Schwindelgefühl bei den Tiefblicken in das Schartenkar und in die Jausengrube. Meine Angstvorstellung war der Absturz und die danach folgende Auflösung der Einheit meines Körpers durch den Aufprall. – Das Ergebnis führt ab einer gewissen Fallhöhe immer zum Tod, doch der Zustand der gestorbenen menschlichen Hülle kann dabei sehr unterschiedlich sein.
  Wenn man wie ich, im Leben so wie am Berg den Schwindel nie ganz verkraftet, ist man auch sensibilisiert für die diffizile Wahrnehmung der eventuellen Fallhöhe. Ob der Abgrund aus 30- oder aus 300 Metern und noch mehr zwischen den Füßen zu sehen ist, darin liegt ein gewaltiger Unterschied. Ein eigenartiges Gefühl mit einem kribbeln, einer geschlechtlichen Überreizung ähnlich, steigt dabei von den Füßen am ganzen Körper empor, läßt die Knie schlottern und jagt den Puls in die Höhe, oder aber auch – es führt zur totalen körperlichen und geistigen Lähmung. Erst wenn sich eine Lösung, ein Weg abzeichnet ist der Schock überwunden. Noch einmal davon gekommen, denkt man sich dann, und es sollte eine Warnung bleiben.

MODERNE TODES SCHWADRONEN
  Piloten von Kampfflugzeugen lösen per Knopfdruck, Tod und Zerstörung aus, die neueste Kriegstechnik hat bereits automatische EDV Vernichtungsprogramme. Was fühlen die Verantwortlichen für diese Mordsysteme, was fühlen die Auftraggeber, die Entwickler und die Anwender der Zerstörung und Mordtechnik? Gibt es auch bei Ihnen ein seelisches Trauma? Auftragskiller machen ihre verderbliche Arbeit wegen des Geldes, die von der Waffenindustrie gekaufte Politiker, die Kriege anzetteln, machen es aus Gier, sind schlimmer als die Killer. Die ruchlosesten Täter sind aber die Auftraggeber in den Führungsetagen der global vernetzten Vernichtungs- und Suchtwirtschaft. Gibt es überhaupt noch Verwerflicheres? - Leider ja, die hinter den getarnten Strohmänner stehenden Aktionäre, die Illuminaten und die Banken.
  Mit rein gewaschenen Blut- und Schwarzgeld wollen sie sich auch noch mit großzügigen Spenden die Wohltat kaufen. Einzelne entscheidende Ausnahmen, sind bei den Trägern der Macht nicht die Regel. Trotzdem ist es nicht gerecht, die Gesamtheit der Machtträger zu verteufeln, denn hypothetisch gesehen: - Wäre nur einer davon ehrlich, würde man ihm ein Unrecht tun.
  Solange noch Hoffnung besteht - ein Leben retten zu können ist ein Rettungseinsatz immer motivierend und menschlich aufbauend. Es gibt aber nichts Schlimmeres – wie wenn es nur mehr um das Sammeln von Leichenteilen geht, dies ist immer ein arges Zerren an der seelischen Substanz. – Erzählte mir einmal ein Berg Rettungsmann.


NÄCHTLICHER ENTSCHLUSS
  Eine lang andauernde Schönwetterfront herrschte — ein gutes Omen für eine Bergfahrt. Gestern war ich spät von einem Betriebsausflug nach Wien zurück gekommen und gleich weiter zum Grimming gefahren. Es war mir wie in meinen jungen Jahren gegangen, da hatte ich auch vor Bergfahrten keinen Schlaf gefunden. Was war also näher liegender gewesen — als diese schlaflose Zeit dazu zu nützen um mich der Ursache meiner Schlafstörung, dem Grimming, zu nähern.  Bei dieser nächtlichen Reise war unbewußt der Entschluß in mir gewachsen - noch einmal mein Glück, am Höhengrat des Grimmings, zu versuchen.
Vom Ufer der Salza ausgehend tauchte ich, einen Schatten gleich, in die Dunkelheit der Landschaft ein. Vom milden Licht der Mondsichel begleitete, ging ich auf dem Wiesenweg nach St. Martin. Mein Körper hatte sich im gemächlichen Schreiten, allmählich an den Rhythmus der Bewegung gewöhnt. Die ersten Anzeichen des Tages - die Sterne wurden blässer, meine an die Dunkelheit angepaßten Augen konnten schon Einiges wahrnehmen.  Der Ennsboden schlummerte zwar noch unter einer leichten im Mondlicht matt schimmernden Nebeldecke. Das Paradiese ist auf Erden und nicht im Garten Eden  dachte ich mir. Kurze Zeit danach war auch die Sicht zur Scharte frei, sehnsuchtsvoll blickte ich empor, dann nahm mich wieder der Mischwald, der Buchenwald und später eine nach Harz duftenden Region von Nadelbäumen auf. Der Tag zeichnete sich immer deutlicher ab, ich strebte höher und höher, immer mehr überrascht von den Eindrücken, immer neue faszinierende Wahrnehmungen konfrontierten mich, bald ließ meine Aufnahmefähigkeit nach – mein Körper war zu sehr ermüdet um noch jede Einzelheit zu verkraften.
  Da plötzlich ober mir!  Die ersten Felserhebungen und die Augen der aufnahmebereiten Seele öffnen sich wieder im vollen Ausmaß. Das Mittereck, die Zehnerspitze, das Krautschwellereck, der Zwölfer lauter alte Bekannte. - Dieses augenblickliche auftauchen meiner Bergfreunde überkam mich wie ein momentanes Fieber. Besonders das Märchenreich unter dem Zwölfer, mit einer Anordnung von spitzen Türmen, hatte es mir angetan. Mit Phantasie sieht man darin die hochragenden, spitzen Hüte der Zauberlehrlinge in ihrem Bestreben auch zum großen Meister, dem Zwölfer, empor ragen zu wollen.
  Fast wäre ich dann im einsetzenden Höhentaumel, dem Drang unterlegen dort in diesem Zauberreich aufzusteigen. Eine innere Stimme der Vernunft - hielt mich aber davon ab, der Auftakt allein soll nicht zum Solistenstück ausarten. Es war doch wichtiger am, Sonntag um elf Uhr am Hohen Grimming, bei der Einweihung des Adam Biwak, zu sein. Die Distanz dahin war nicht zu unterschätzen.

  Die Sucht empor zu kommen ist zwar ein gewaltiger Antrieb  sie kann aber nicht ein körperlich mühevolles Ansteigen ersetzen. Ich hatte mich auf die Herausforderung eingelassen die Sonne auf der Scharte begrüßen zu wollen. Jeder Anstieg ist von Anfang an schon ein unwiederbringliches Erlebnis. Wenn man dann dem Wald entstiegen ist, wenn das Blickfeld nach oben und unten langsam fessellos wird, dann spürt man die Freiheit. So ist es mir auch heute beim Aufstieg in der Dämmerung ergangen, mit der zunehmenden Höhe wurde es mir nicht nur leichter ums Herz, sondern ich kam auch leichter und schneller vorwärts.
  Nun hier auf der St. Martiner Scharte habe ich noch etwas Zeit um die Erscheinung der Sonne abzuwarten. Dies ist eine Belohnung - die alle erlittenen Mühen und Plagen, sowohl im Leben, als auch bei dem vorhergegangen Aufstieg, als bedeutungslos erscheinen läßt.
Der SCHÖPFUNGS Freiheit,
Ungebundene Gedanken
Als die ewigen Quellen.
JEDE LANDSCHAFT IST SCHÖN
  Je mehr die Städte wachsen, je mehr der Leistungsdruck steigt um so größer wird das Verlangen; aus den dem Alltag auszubrechen um sich zu assimilieren. Die breite Masse erliegt den Tourismus - Verlockungen in die meditorranen und fernöstlichen Ländern, dort ist ein Urlaub oft auch billiger als im eigenen Land. Menschen die der Norm der Vermarktung von Abenteuer Reisen, den künstlichen Erlebniswelten und den Freizeitzentren mit ihren Animatoren, wegen ihrer eigen Vielseitigkeit eine Absage erteilen, werden immer seltener. Man kann dies sogar noch bei den Wandersleuten fortführen, hier gibt es geführte Seilschaften in großen und kleinen Gruppen oder einfache Berggeher
  Bei den einfachen Berggehern und Wanderern gibt es wieder zu unterscheiden, zwischen solchen mit oder ohne Berg- und Führerliteratur, obwohl hier nicht immer eine Grenze gezogen werden kann. Viele Berge oder Routen wurden auch erstmals von Einheimischen Jägern, Almgehern oder Leuten bestiegen, die sich dessen gar nicht bewußt waren, oder aber die keinen Wert darauf legten in einem Führer verzeichnet zu sein. Nicht zu vergessen dabei sind die örtlichen klassischen Bergführer, Träger und Wegbereiter. Von den kaiserlichen war der Erzherzog Johann ein Gebirgsliebhaber – dies kommt mir beim Blick auf Öblarn, in den Sinn.
  Dort wird ja alle sieben Jahre seine Hochzeit mit der bürgerlichen Plochl, beziehungsweise das Theaterstück Die Hochzeit von P.Grogger aufgeführt. Der Kaiser Hansl war ja auch ein Erstbesteiger und Erstbereiter gewesen, allerdings erst dann wenn die Steige und die Reiterwege dazu angelegt waren. Hochgolling historischer Anstieg
  Für mich ist das Gebirge, das Meer, der Wald und die Wüste, ein unersetzlicher Freiraum. Schädigungen durch Luftverunreinigungen, durch das Ozonloch und durch radioaktive Strahlungen sind, Dank einiger von dem am erfolgreichsten verbreitetsten Lebewesen Mensch, nun leider ohnehin global wirksam.
  Mein Erlebnis ist immer dann am größten, wenn ich im Unbekannten schürfe und fündig werde. – Erst danach, beschäftige ich mich ausführlich mit der vorhandenen Literatur. Eine Wanderung in Freiheit kann nur ohne Voreingenommenheit, nur ohne Erwartungshaltung und unbelastet im gutem- wie im schlechten Sinn stattfinden. Jede Landschaft ist schön, jedes Wetter ist das richtige, es gibt nur Menschen mit einer falschen Ausrüstung, die an falschen Orten unterwegs sind und in deren Seelen die Falschheit dominiert.

DIE FATA MORGANA
  Toni Adam hat nur wenig über den Grimming geschrieben, als Grimming Liebhaber würde er zu sehr befangen sein und wäre nicht objektiv genug, schrieb er mir einmal in einem Brief. Aber ohne ihn würde ich heute nicht hier oben liegen und meine Gedanken vagabundieren lassen können, ohne ihn gäbe es kein Grimming Buch von mir. Der zweite Höhepunkt in seinem Gedenkjahr 1992, nach der Gedenklesung am Grimmingtor, ist Morgen Sonntag die Toni > Biwak Einweihung am Hohen Grimming. Plötzlich nehme ich ein helles Kreuz wahr, da öffne ich gerade noch rechtzeitig die Augen um die neugeborene Sonne zu begrüßen. Das Bild meiner Vision war das Wegkreuz des geschiedenen Bildhauer Carl Hermanns >, am Kreuzungspunkt des Nord Süd und des Ost West Weitwander Weges in Seeberg in der Steiermark gewesen. Wie eine Fata Morgana aber deutlich wie die Wirklichkeit war dieses Kreuz vor meinen halb geschlossenen Augen erschienen. Doch keine Vision, keine Fata Morgana kein Traum kann einen Tag wie er heute begonnen hat kopieren - denke ich mir und setze in freudiger Empfänglichkeit den Weg fort.
Nicht alles ist beschreibbar
Einiges kann man nur ERLEBEN.
DIE VERGESSENE ANGST
   Diesmal ging es auch am Krautschweller Loch vorbei, nach der Umgehung der Zehnerspitze gelangte ich auf den Zwölfer. Vieles hat sich bei mir geändert, seit ich vor acht Jahren hier erstmals am Gipfel stand. Die entscheidenden Stützpunkte meines Lebens waren immer hier am Grimming. Nach den Almwiesen am Steinfeld hatte ich, bei der südlichen Umgehung der Steinfeldspitze, einen ungewohnten schönen Anblick:
  Es war eine Kolonie von Steinböcken, sie waren nicht besonders scheu. Der Kontakt mit Menschen war ihnen noch von ihrer Zeit im Gehege in Erinnerung. Nachdem ich auch die Dame des Hauses, wie Toni Adam die Schartenspitze immer nannte, hinter mir gelassen hatte und nach besonnen Schreiten am Verbindungsgrat am Gipfelaufbau des Hohen Grimmings anlangte, freute ich mich, dass es diesmal alles angstlos abgelaufen war. Zum Gipfel wollte ich nicht mehr hinauf, ich bin zwar kein Menschenfeind, aber ich zog es vor diesen Tag mit niemanden teilen zu müssen, er sollte mir nur allein gehören. Deshalb sah ich mich lieber in der Zinnoberrinne etwas um. Nun schon alte Erinnerungen – an den nicht problemlosen Abstieg mit dem alten Grimming Kaiserkreuz beschäftigten mich. Gemächlich ging ich auch auf Herbergsuche und fand ein leicht abfallendes Rasenstück.

DIE SCHLAFWANDERUNG
  Sonntag ist's! Dieses schöne Lied hatte einst der selige Wanderer Schirmherr Johann > gesungen – nun Lois Strobl > aus Untergrimming ist auch ein begnadeter Musikant und Sänger und unter seinen Schirm zu stehen bedeutet auch sehr viel. Es war eine warme und erholsame Nacht gewesen, der Körper hatte sich den, in der vorherigen Nacht, vernachlässigten Schlaf geholt. Ich staunte nicht schlecht im Schlaf bin ich, mit dem Biwacksack, 15m abwärts gewandert. Das Echo bei gegenüberliegenden Felsenwänden ist immer ein gewaltiges Phänomen, dem auch ich mit meinen bescheidenen Kenntnissen der Musik, vorausgesetzt ich bin allein, nicht widerstehen kann. Nochmals zog es mich zur Zinnoberrinne hin, der heiße Sommer hatte sie gänzlich vom Schnee befreit. Diesmal hätte es keinen Sprung mehr wie einst, in ein vor dem Steinschlag schützendes Schneeloch, geben können.
SONNTAG IST'S  

Sonntag ist's

Auch glänzt von fern schon der dunkle Wald,
Alle Bäche leise fließen,
Alle Vögel wonnig grüßen
Und von fern die Glocke hallt
Und von fern die Glocke hallt.

Sonntag ist's
Am Zaun das Veilchen betet still im Gras dahin,
Wie es hebt die süßen Augen
Und die roten Lippen hauchen
Ein Gebet so inniglich,
Ein Gebet so inniglich.

Sonntag ist's
Ein heiliger Friede liegt auf Erden weit so weit,
Sonntag ist's in allen Herzen,
Sonntag ist's für alle Schmerzen,
Heil'ger Sonntag sei gegrüßt,
Heil'ger Sonntag sei gegrüßt.

DIE ADAM BIWAKEINWEIHUNG > Nachruf von Sigurd Fahringer >
   Zur Bergmesse mit der Einweihung der im Vorjahr neu errichteten Toni Adam, Dr. Obersteiner Biwak Schachtel, heiße ich im Namen des ÖAV Sektion Steinach alle herzlich willkommen. Zwischen dem ÖAV, dem ÖBRD und dem Bundesheer besteht ein gutes Einvernehmen. Wir sind dem Bundesheer zu großem Dank verpflichtet es hilft uns immer, wenn Not am Mann ist. Ich begrüße auch die Tochter des Herrn Adam. Unseren drei Jodlerbläsern mit dem Sänger des Liedes Sonntag ist's: Lois Strobl, Friedel Walcher und Artur Gröll, ein Dankeschön. Seit 1949 hat das alte Biwak seinen Dienst versehen. Nach 200 Arbeitsstunden und in vier Arbeitseinsätzen hier oben, steht das Biwak so wie wir es jetzt sehen, einen besonderen Dank den Ideallisten die dies möglich gemacht haben.  Wir alle die Toni Adam gekannt haben wissen, dass sein Name untrennbar mit dem Grimming verbunden ist. Ich bitte jetzt seinen Freund und Bergkameraden Sigurd Fahringer ein paar Worte des Gedenkens zu sprechen. ÖAV Obmann Sektion Stainach Karl Kronsteiner.
  Die Berge erheben den Menschen, er wird aber auch in der Gewaltigkeit der Masse und in der Wucht dieser Gipfel, wieder ganz klein. Wir denken oft gar nicht daran welchen Wert die Berge, das Wasser und die Luft haben. Daher sind wir auch vom christlichen Standpunkt her verpflichtet die Natur zu schonen und zu schützen. Können, Bemühen, Fleiß und Schweiß stehen im Zeichen des Kreuzes, jedes Kreuz hat den Segen des Allmächtigen. Das Kreuz steht auf vielen Erhebungen unseres Kontinentes aber auch in den Tälern, mit diesem Zeichen bekennen wir uns zum Herrgott.
  Wir beherrschen viel mit unserer Technik und können fast alles bewerkstelligen, aber diese kleine Zunge, dieses kleine Instrument halten wir nicht immer im Zaum. Heraus kommt Haß, Neid, Verleumdung, Desinformation und Lüge und es sind die Gründe für Kriege und Auseinandersetzungen. Mit dieser Zunge können wir aber auch Worte des Trostes, -der Versöhnung, -der Liebe und der Aufmunterung sprechen.
  Als Bergsteiger wissen wir - wie wichtig es ist sich richtig zu verhalten, richtig zu greifen, richtig zu steigen und den Markierungen zu folgen. Wenn wir diese Zunge beherrschen, dann werden wir geordneter und friedlicher leben und auch die Ewigkeit in Gott erkennen.
Amen Pfarrer Rabl Stainach
DIE FÜRBITTE

Herr erhalte uns´re Berge,
Wir holen von Ihren Gipfeln
Kraft und Mut für Körper und Geist.
Laß uns etwas von jenem Frieden
Mit hinab in den Alltag in's Tal bringen.
Denn der wahre Friede der Welt
Beginnt im Herzen des einzelnen Menschen.
Wir bitten dich erhöre uns!  
DIE IDEALE UNFALLVERAUSSETZUNG
  Als Einziger stieg ich am Südostgrat ab, es war mir nach dem Menschengewühl am Gipfel nicht unrecht. Alle anderen haben es verständlicher Weise vorgezogen über das Multereck oder nördlich wieder in das Tal zu gehen. Vom Multereck her hörte ich auch dann noch, leicht verweht den Trompetenklang der drei Jodlerbläser.  Plötzlich traute ich meinen Augen nicht! Ganz aufgeregt kam ein junges, hübsches Mädchen, zu mit herauf gerannt. Ihre Schwester hat am Südostgrat einen Kreislaufkollaps erlitten, sie benötigte dringend Hilfe - stammelte sie. Inzwischen waren auch die vielen Leute, die sie auf dem Gipfel gesehen hat und von denen sie Hilfe erwartet hatte, alle verschwunden. Die Ruhe ist dem Menschen heilig, nur Verrückte haben es eilig. - Heißt es im Volksmund. Die Ruhe bewahren zu können ist eine der wertvollsten Eigenschaften im Leben. – Es heißt nicht umsonst am Grab: Gott gib ihm die ewige Ruhe, bei Belästigungen wird der Ausdruck: Laß mich in Ruhe - verwendet.
  Ich habe mich auch schon oft verstiegen und kenne den Zustand, bei dem jedes Denken und Handeln wie gelähmt ist und nur mehr der Todesabgrund eine magische Anziehungskraft ausübt. Von oben ist keine Hilfe zu erwarten, es sind bereits alle abgestiegen, versuchen wir doch zuerst Selbsthilfe, die Bergrettung kann ich ja immer noch verständigen. – Sagte ich.  Da denke ich an eine Episode von Toni Adam: Eine Sau streikt kurz vor dem Stall, in dieser Notlage holte man den Toni. Er zeigte der Sau die Wanderkarte und konnte sie überzeugen, dass es dumm ist - sich so kurz vor Daheim auszuruhen.
Wonnst woaßt, hiaz bist oft z'haus >
  Der Kreislaufpatientin ging es schon etwas besser, bei den spontanen Aufstieg hatte sie den Luftdruck Unterschied nicht verkraftet. Sie und ihr Begleiter waren auch nicht frei von Schwindel, ich gab ihnen durch die Felspassagen mein Geleit mit der Seilsicherung. Am Schuttkegel der Großen Schneegrube empfahl ich mich, um wie gewöhnt am Geschiebe mit den Schuhen abzufahren. Hier wurden alle idealen Voraussetzungen für einen Bergunfall geschaffen, ein Wettersturz wäre für die rucksacklosen, leichtbekleideten, verantwortungslosen Touristen tödlich gewesen. Als sie dann unversehrt bei der Grimming Hütte eintrafen kam ich in den Genuß, auf ihre Kosten einen Krug Bier zu trinken zu können und dies war kein schlechter Lohn.

DAS SCHNARCHEN KANN EIN SEGEN SEIN

  Vor der Grimming Hütte hatte sich nun eine ansehnliche Gesellschaft eingefunden. Einige Leute davon kannte ich bereits von der Biwak Einweihung am Gipfel her. Die Jodlerbläser spielten auf meinen besonderen Wunsch:
Das Pürgger Grimminglied Text und Noten >
  Der Text davon war mir bereits bekannt, um so neugieriger war ich auf die Melodie - sie hat mich dann auch sehr beeindruckt, denn die Bläser hatten ihr Bestes gegeben. Nach diesem ereignisreichen Tag bin ich den Versuchungen des Alkohols anheim gefallen. Dabei habe ich mich mit einem starkgewichtigen Ausseer Beamten bei der Einnahme von Spirituosen, besonders angefreundet. Es war, oder er ist ein ehrlicher Beamter, er sagte: –
  Er könne niemanden etwas zu Leide tun, denn er tue ohnehin nichts. Wir waren auch die zwei letzten Gäste vom RUDI dem Grimming Hüttenwirt. Die Nacht war rabenschwarze als wir aufbrachen, mein Kamerad mußte nach Trautenfels ich nach Nieder Stuttern. Beide litten wir bereits unter erheblichen Gleichgewichts Störungen. Mein Freund sank öfters nieder, auch ich konnte mich schon schwer auf den Beinen halten. Vor der langen Stiege, die in der totalen Finsternis des Waldes endet, scheiterte mein Versuch den Kameraden wieder aufzurichten. Obwohl wir uns dabei nicht mehr sahen verloren wir uns trotzdem aus den Augen. Es lastete schon ein gewisser Alpdruck auf mir - der angebrochene Montag war ja für mich ein Arbeitstag. Mit Händen und Füßen schaffte ich die Treppe und dann den Abstieg in langsamer Ernüchterung. Auch die Fahrt mit dem Fahrrad von Niederstuttern nach St. Martin und weiter mit dem Auto nach Wien, verlief ohne größere Schwierigkeiten
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  TEILÜBERSCHREITUNG ZUR SCHISUCHE ⇑ Lärchkogel Gamsspitz Multereck Hoher Grimming Gipfel Biwak 20. bei Nebel und teilweise Regen weiter Überschreitung Schartenspitze Scharte Kleiner Grimming ⇓ Nordabstieg Kulm Fr. 1999-08-21.
 
4. Grimming Längsüberschreitung 2004
  Nach vielen Spekulationen und reichlicher Überlegung, zwischen dem Wasserfallweg zur Hesshütte und der Anton Schubert Gedenkhöhle > in der Südwand des Kleinen Östein, entscheide ich mich für den Grimming.  

Ödsteinerinnerungen
  Auf der virtuellen Suche nach dem Wasserfallweg bin ich auf die Hesshütte gelangt. Einst zu Pfingsten am, 1974-06-02 habe ich wegen Überfüllung auf einer Gastzimmerbank dieser Hütte genächtigt.
  Alte Erinnerungen an den »Grossen Ödstein« tauchen auf, fast wäre es in diesem Jahr was geworden aber dann zog ich die Grimming Längsüberschreitung vor. Nun bei dieser Niederschrift bin deshalb eingangs wieder im Gesäuse angelangt- wo auch noch nicht aller meiner Tage Abend sein wird.
  Der Grimming ist nicht nur ein imposanter Berg sondern er bietet auch auch ein weites Feld der Begehungen. Da  ich seillos bin muss ich mich zurückschrauben das heisst: Die Untere Weissrinnspitze, die Kalte Rinne, die Steinfeldrinne, das Feiglkar, die Suche nach dem Grimmingdom und der Nordwandjägersteig scheiden aus.
  Das angesagte herbstliches Traumwetter tritt immer mehr in Erscheinung. Wenn der Morgen dämmert ist allein schon die Fahrt zum Grimming, am  Bösen- und Triebenstein, der Hochhaide und dem Dürrenschöberl  vorbei, beim ersten Blickkontakt mit dem  Altvater ein Erlebnis. Nun der Berg rückt immer näher und wieder ist eine Entscheidung zu treffen und sie ist der Pürgger Lärchkogelweg.

Pürgger Lärchkogelweg
  Nun heisst es den Einstieg mit dem  Markierungsbeginn zu finden, sobald man in den Wald eintaucht ist es mit der Sicht vorbei. Diesmal soll es anderst sein, vor einigen Jahren hatte ein Sturm erstmals im gesamten Bundesgebiet, so auch am Grimming, gewaltige Windbrüche im Forst verursacht und einiges freigelegt. Die entwurzelten oder geborstenen Baumstämme sind bereits entfernt es blieben die Kahlflächen als neues Geländeprofil. Ohne mich länger zu konzentrieren schreite ich, in meiner Ungeduld, mit erstaunlichem Antrieb auf gut Glück auf einer Schneise bergwärts. Ich erreiche bereits eine stattliche Höhe doch die mir vertrauten Geländezeichen vor allen aber die Höhle, tauchen nicht auf. Wo bin ich den nun wieder gelandet? Es sind die Lawinenspaltkeile der, Untergrimmer Schütt wo ich im vergangenen Jahr am ersten Tag bei der Grimmingumrundung geschlafen habe.
  Zu weit links und weit zu hoch hat mich mein Überschwang hinauf getrieben,  dies bedeutet einen Wandfussabstieg und einen beschwerlichen Latschenritt durch Neuland. So wie der Grimming ein nicht für jeden zugänglicher Berg ist, so soll auch der Lärchkogelweg ein nicht für jeden gangbarer Anstieg bleiben. Es ist meine 10. Lärchkogelwegbegehung zur  vierten Längsüberschreitung und blicke ich zurück; so war es mir erst ein paar mal gelungen den Einstieg auf Anhieb zu finden. Im vergangenen Jahr mit dem Grimming Franz und seinen Gästen war ich zu weit recht, wie beim richtigen Anstieg war auch dort eine Höhle und ein ahnliches Terrain, erst nach dem Wandeinstieg bemerkte ich meinen Irrtum.
 
Lärchkogelsteigbuch > Nahe der Ewigkeit
  Die Höllenfahrt in der Weissrinnspitz Südwand> Der sich aufbäumende Hengst im Hamburger Kamin> Der Kreuzweg durch die Zinnoberwandrinne> und zu guter letzt die Schlüsselstelle des Lärchkogelweges, an diesen vier Abschnitten war ich der Ewigkeit schon sehr nahe gekommen. Ein Baum am Abgrund war mein Lebensretter als ich einst am feuchten Felsband der Schlüsselstelle den Halt verloren hatte. Toni Adam schaffte den Lärchkogelweg  in eineinhalb Stunden,  ich aber lasse mir dafür den gesamten Tag Zeit.
Erste Sonnwendfeier 1934 am Grimming >
  Es war Sonntag`s um 5:00 Nachmittag, als wir mit unförmigen Säcken, die angestopft mit Hobelspänen und Rohölflaschen waren, Pürgg verließen und den Steig über den Lärchkogel einschlugen. Sepp der vor mir ging bot einen komischen Anblick. Der Sack stand weit über seinen Kopf und reichte bis zu den Kniekehlen und so schien es, als ob die Füße zum Sack gehörten und dieser sich fortbewegen würde. So keuchten wir die steilen Hänge zum Multereck, das wir nach 3 Stunden erreichten, empor.
  Vom Multereck zum Grimminggipfel ist es ein besinnlicher Spaziergang in der Abenddämmerung, als ich beim Kreuz ankam war es bereits finster. Das > wurde vom neuen Hüttenwirt der Grimminghütte gestiftet. Im Biwak war bereits ein Linzer Bergkamerad.
 
Gämsen und Hirsche
  In der Gesellschaft eines Gams verharrte ich bis zum Sonnenaufgang am Gipfel des Hohen Grimmings. Auch beim Abstieg in die Scharte gibt es einige längere schöne Gämsenanblicke. Bei einer Gemse verharre auch ich länger und imitiere den Gämsenpfiff, die Reaktion ist: Ein wütendes zweimaliges Stampfen mit dem rechten Vorderlauf. Nach den  brenzligen Gratstellen auf des Messers Schneide habe ich eine Rast zum musizieren verdient. Zu den Wänden des Grimminggipfelaufbau's und hinab ins Kar ist ein besonderes Echo. Von oben gesehen laufen, bei diesem schönen Herbstwetter bei dem alles am Horizont sichtbar ist, viele Leute wie die Ameisen dem Grimming hinauf und hinunter. Meine letzte Längsüberschreitung, von der ich annahm sie wäre wirklich die letzte gewesen, war in der entgegengesetzten Richtung zur Adam Biwakeinweihung. Auf der Schartenspitze, der sogenannten "Dame des Hauses Adam" wurde das > von der Familie Adam gestiftet. Ein oder zwei Stunden Rast ich blicke nicht auf die Uhr - doch bei meinem Abgang stosse ich schlaftrunken mit meiner Birne gegen den Querbalken des Gipfelkreuzes.
  Am Zwölfer > bin ich dann der erste Besucher im Jahre 2004. Die Ergründung des Krautschwellerloches wäre auch einmal ein sich lohnendes Unterfangen. Von meiner Trägheit des Vortages habe ich mich gut erholt, bei meiner Rast am Krautschwellereck verabschiedet sich die Sonne, ich aber schreite weiter. Von der St. Martiner Scharte in den Krungler Wald hinunter ist ohnehin Gehgelände, später in der Dunkelheit schalte ich zeitweise die Taschenlampe ein. Zuerst dachte ich an die Rücklichter eines Autos, doch es sind die Lichter eines Hirschen in denen sich der Schein meiner Lampe spiegelte. Es ist für beide Seiten eine ungewöhnliches Zusammentreffen und es wird ein Geheimnis bleiben - wer mehr überrascht war: Der Hirsch oder ich?
  Wenn man einmal in Schwung ist dann geht es durch dick und dünn, wobei mir die Futtertrogtiere das Dickicht durchgänglicher und die Steilhänge durch Steige begehbarer gemacht hatten. Dann kommt noch der Weg von Heilbrunn über Kulm zur Ausgangsstelle der Abzweigung nach Pürgg. Um halbzwölf war ich beim Auto. Wird es diesmal wirklich die letzte Längsüberschreitung gewesen sein? Frage ich mich abschließend.
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G R I M M I N G S A U M
DIE GRIMMING ERKUNDUNGSFAHRT

Den Toten zum GEDÄCHTNIS
Der Jugend zum Vermächtnis
Dem Wanderer zum Bedächtnis
Den Gott tut was recht ist
Bezirksehrenmal Trautenfels

Kommt alle zu mir
Die ihr MÜHSELIG und beladen seid
Ich will euch erquicken
Unterburg Haus Nr. 5

Es ist schon spät, weshalb ich denke,
Dass ich die Schritte HEIMWÄRTS lenke.
Wegschild Untergrimming renoviert 1982
DIE GROSSE SCHNEEGRUBE
  Zwischen St. Martin und Trautenfels heißt der Talboden des Ennstales: Die Ennswiesen. Von der Ennswiesen mit einer Seehöhe von 640 m erhebt sich der Grimming 1711 m hoch zu seiner Gesamthöhe von 2351 m. Er galt lange Zeit als der höchste Berg der Steiermark und die relativ höchste Bergerhebung der grünen Mark ist er ja immer noch geblieben. Dass Außergewöhnliche an diesem Felsmassiv, zwischen dem Dachstein und dem Toten Gebirge ist die hervorragende, ohne Fortsetzung und weithin sichtbare Einzelerscheinung. Im Osten plätschert der am Schönberg entspringende Grimmingbach, am Fuße des Multereckes zum Ennsboden hinunter. Im Westen wird die auf der Ödenalm entspringende Salza durch eine gewaltige Mauer im Pass Stein, zu einem kilometerlangen, einem Fyord ähnlichen, Stausee.
  Ein Grimming - Vorbote der Tressenstein mit seinen streckt seinen Ausläufer einladend bis Trautenfels hin. Ein stummes Willkommen und ein Anerbieten: - Komm doch zu mir herauf! Der Regen hatte nachgelassen, mein Weg war mit Schneeglöckchen gesäumt, Kuckucksrufe erklangen und beflügelnden meine Wanderlust. Beim ersten Kuckucksruf mit Geldmünzen zu rasseln - bringe Reichtum heißt es. Ich mußte mich mit dem Schlüsselbund bescheiden - Was sollte dies aber bewirken? - Vielleicht Reichtum an Schlüssel für verschlossene Türen.
  Auf der Höhe der Grimming Hütte begann neuer Schnee, ab dem Wandeinstieg lag darunter noch der Alte. Es folgte eine mühselige Prozedur der Fortbewegung, die Abzweigung zum Multereck habe ich nicht wahrgenommen, so landete ich ungewollt in der Großen Schneegrube. Bei meinen Alleingängen kommt es mir auch zu Gute, die Grenzen meiner Leistung abschätzen zu können. Das bedeutet, - Umkehr bei Angst oder wenn es ein Sicherheitsgebot erfordert, auch wenn es kurz vor dem Ziel ist. Die Berge, die Natur sind für mich Stätten der geistigen und körperlichen Regenerierung, ohne sie hätte mein Leben weniger Sinn.
So wie ich bin, so wandere ich DAHIN.
  Tief unter mir, aber doch schon über dem Tressenstein, begann im aufwärts Kreisen der Höhenflug eines Adlers. Innerhalb kurzer Zeit schwebte er dann schon über mir, vor den Wänden des Südostgrates gesellte sich sein Weibchen zu ihm - dann verschwanden beide in den niederziehenden Wolken. Was die da oben wohl zu suchen hatten? - Frühlingszeit ist ja auch Paarungszeit, doch hier sah es nach Winter aus.
  Ja fliegen! Ein uralter Traum des Menschen, fliegen war auch der Mittelpunkt von vielen meiner Träume. Ist es den vermessen den Wunsch zu verspüren: - Mit sanften Flügelschlag gleich dem Adler empor schweben zu wollen? Tänzelnde Schneeflocken und die Botschafter der Nacht hüllten mich langsam ein, es war Zeit sich um eine Herberge umzusehen. Weder eine Höhle noch eine Felsnische boten sich dazu an, so begann ich ein Schneeloch zu graben. Diese Arbeit führte ich mit besonderen Fleiß durch, denn je länger ich mich damit beschäftigen würde um so kürzer würde dann auch die Nacht werden, nach Mitternacht stieß ich dann in etwa zwei Meter Tiefe auf den, mit Krummholz bewachsenen, Boden.
  Nachdem ich meine Liegestatt mit Latschen Zweigen gerichtet hatte, begab ich mich, in der Hoffnung auf einen wohlverdienten Schlaf, zur Ruhe. Aber es sollte wie so oft im Leben, alles ganz anders kommen als ich es geplant hatte: Starke Zahnschmerzen begannen mich zu quälen, sie peinigten mich bis zum Wahnsinn. Es blieb mir nichts anders übrig als mein hart erkämpftes Domizil zu verlassenen. Ich war traurig, zu sehr hatte ich mich auf den nächsten Frühlingstag, inmitten eines Wintermärchens, in der Schneegrube, gefreut. Die grausame Qual hielt mich beim Abstieg auf Trapp, sie ließ mich auch auf der Bank vor der Grimminghütte nicht lange ruhen. Der angebrochene Tag brachte Regen, mir bescherte er das Ende meiner Pein durch den Verlust eines Zahnes beim Zahnarzt in Stainach. Trautenfels Große Schneegruben Biwak 19850401.-02
   
 DIE WOLKENGRUBE 3. Station des Schirmherrn August >
  Es war ein schneereicher Winter, mit Lawinenabgängen bis zu den Talböden, der zu Ende ging, oder besser gesagt gehen sollte. Einige Männer waren gerade beschäftigt die kreuz und quer liegenden, von den Lawinen geborstenen Baumstämme zu verarbeiten. In guter Stimmung schritt ich auf einen Forstweg in Richtung Wolkengrube dahin, — Wanderungen brachten immer schöne Erlebnisse warum sollte es nicht auch diesmal so sein? Meine Gedanken gingen ihre eigenen Wege, ermuntert von dem Rhythmus des Gehens. Überall lockt das Abenteuer der Schöpfung, - Schneerosen blühten als die ersten Zeichen des Lenzes, stets wird man innerlich bereichert und sogar die Erinnerung an das Erlebte hat eine beruhigende Nachwirkung. Hurtig huschten zwei grazile Rehe an mir vorbei, mein Blick verfolgte die lieblichen Geschöpfe, — über dem Saum der Wegböschung hinauf wo sie im Wald verschwanden. Dort oben sah ich auch auf einem Baum ein Marterl.
Hier verstarb am 9.Mai 1976
Herr JOHANN LACKNER vulgo Wegmacher
Sein Leben war Arbeit. >
  Allmählich hatte sich ein prächtiges Wetter entwickelt, die Sonne kam zaghaft zum Vorschein, ich wechselte vom Forstweg auf die, von der Wolkengrube herabführende, Lawinenbahn. Nach dem anfänglichen Versinken und dem mühseligen Weiterkommen wurde die Schneedecke später tragend. Je weiter ich nach oben vordrang desto mehr Schnee war vorhanden, nach der letzten überwundenen Anhöhe lag plötzlich das gesamte Kar der Wolkengrube, ganz in Weiß gehüllt, vor mir.  Es war als wäre ich in den tiefsten Winter zurückgesetzt worden. Doch was da!
  Da war ein runder, schwarzer, wie eine Oase erscheinender Fleck, inmitten dieser weißen Schneewüste, er zog mich automatisch an. Es ist ein idyllischer Platz an dem ich das Wanderer Gedenk Buch hinterlegte und auch nächtigte, ein Ort der sicher meinem Freund August Krainer+ auch gefallen hätte. Er sah auch aus wie eine schwarze Insel inmitten eines Schneemeeres. Eine hohe Zwillingstanne mit eineinhalb Meter Stammdurchmesser und einem weit ausladenden Astwerk hatte eine daneben stehende starke Erle umgebogen und um diese Baum Veteranen herum war der Schnee kreisförmig geschmolzen.

  • DER MÄUSE FRÜHLING >
DIE SÜDGRAT HÖHLE
  Mein Vorhaben zur Jausengrube vorzudringen war aussichtslos, statt dessen wollte ich mich etwas am beginnenden Südgrat umsehen und landete schließlich in einer Höhle. Sie zu erforschen erschien mir sinnvoller als im morschen Schnee des steilen Terrain Rückschritte zu erleben.
  Der anfangs mit herrlichen weißen Kalkblüten verzierte Gang, der keine nennenswerten Erweiterungen und Verzweigungen aufweist, führt weit in den Berg hinein. Es gibt einige Enggassen mit einem Durchmesser von einem halben Meter und schlammbedeckten Boden, die auch jeder Höhlenforscher kennt. Doch warum steigt man auf die Berge und warum kriecht man in Löcher? Die Antwort ist spontan: Auch wenn es durch den Dreck geht macht es Spaß, denn es geschieht ja freiwillig.
  Erlebnisreicher ist die Anton Schubert Gedenk Höhle> in der Südwand des Kleinen Ödsteines, in der ich eine Gedenktafel an diesen Bergliteraten errichtet habe. In einer unterirdischen Schlucht Fortführung, beginnt ein über einem Überhang versteckter, senkrecht nach oben und dann, wie über des Messers Schneide gewendet, senkrecht nach unten führender Umkehrkamin, der in den mit Kalkblüten bewachsenen Gedenkraum führt. Von ihm aus gelangt man, nach einem kurzen Gang, in den inmitten der Südwand befindlichen Wintergarten.
 
DER HOMOFAULUS
  Am Eingang der Südgrathöhle hatte ich es mir bequem gemacht, nach dem stundenlangen Aufenthalt in der Finsternis, genoß ich die Wärme der Sonne. Auch dieser Ort wäre für eine Nächtigung, mit dem Vorteil eines gänzlichen Wetterschutzes, bestens geeignet. Doch alles hat einmal ein Ende, nur die Wurst hat zwei, dies allerdings nur solange, bis man in ein Ende beißt. - Dann wird es der Anfang vom Ende der Wurst. Dass Faulheit ein Motiv für Kreativität und Erfindergeist sein kann wird, von den Arbeitgebern, selten anerkannt. Doch, damit unnötige Anstrengungen vermieden werden können, befleißigt sie oft das Denkvermögen erheblich.
  Die dabei entstehenden Ideen können auch in den Betrieben ihren wirtschaftlichen Niederschlag finden. Allerdings unterscheidet sich die intelligente Faulheit von der profanen Faulheit: Im ersten Fall sucht man nach einer Lösung, um sich unnötigen Aufwand zu ersparen. Im zweiten Fall tut man aus Veranlagung nichts. Nichts zu tun, um nichts falsch zu machen ist, wird niemanden befriedigen.
 
  Ich biete Hundert Schilling für den Faulsten von euch. – Sagte ein Herr zu DREI FAULPELZEN die in der Sonne lagen. Zwei davon sprangen auf und riefen: - Ich bin der Faulste geben sie den Hunderter mir! Der Dritte aber sprach: - Stecken Sie ihn in meine Tasche, dann haben sie den Beweis, dass ich der Faulste bin. Er war ein typischer Homofaulus. In meinem Fall hätte ein Homofaulus Verhalten zu einem Hungertod und später zum Skelett geführt. Es lagen ja schon einige Knochen am Höhleneingang herum.

DIE GÖTTER UND KAISER
  Was ist nun zu tun? – Fragte sich auch schon der Göttervater Zeus und schneuzte sich kräftig. Ich fragte mich wie ich den beträchtlichen Höhenunterschied vom Höhlenausgang bis zum Waldrand ohne körperliche Anstrengung überwinden könnte? Der Stein des Weisen war nicht zu finden. Spitze Steine hatten mir allerdings schon in der Höhle beim Kriechen die Hose aufgerissen. Eine Steinplatte die groß genug wäre, um auf ihr sitzend hinabzureiten, fand ich auch nicht, - deshalb blieb nur mehr ein Kunststoff Sack gefüllt mit Schnee als Lösung. Ihn nahm ich zwischen die Beine, setzte mich drauf und schon ging es abwärts. Dabei häufte sich unter mir immer mehr Schnee an, zeitweise saß ich wie auf einem Schneethron. Der Thron erreichte eine stattliche Größe, ich fiel herunter und das Spiel begann wieder von neuen.
  Alles im allen und konkret um nichts, nur um des seligen Kaisers Bart willen, politisch ausgedrückt: —  Es hat mich sehr gefreut. Der Kaiser Franzl, dem das alte Grimming Gipfel Kreuz gewidmet war, hatte einst bei der Eröffnung der Staatsoper in Wien eine derart falsche Bemerkungen ausgesprochen, dass daraufhin der verantwortliche Architekt Selbstmord verübt hatte. Von da an sagte der Franzl bei jeder Gelegenheit nur mehr: Es hat mich sehr gefreut. Doch wer hätte damals gedacht, dass des Kaiser Franzels Bart in der Artikulation der Gehirn Akropaten der Politik, unsterblich zu Ehren kommt. Von den Kaiserlichen hängt, in der Steiermark in manchen Dachböden noch ein Bild vom Erzherzog Hansl. Auch sein Jodler: – Wo ich geh und steh, tut mir mein Herz so weh! Erinnert an ihn aber auch daran, dass Herzkrankheit ein altes Leiden ist.
  Die kleine Frau-, der kleine Mann von der Straße, die Gewöhnlichen und Normalsterblichen, haben zum Unterschied von den Besseren Hohen Tieren das größte Privileg im Leben, sie können auch normal sterben. Was bei Franko, Tito und Breschnev nicht der Fall war und bei Voitilla nicht der Fall sein wird. Jedes Leben auch das Menschliche kann heute durch Maschinen verlängert werden, aber welchen Sinn hat dies? Wer stirbt denn schon gern abnormal, wer hat es gerne wenn seine Überreste sterblich bleiben würden. Von sterblichen Überresten, wird deshalb nur bei dem Tod von gekrönten Häuptern, wie zum Beispiel bei der Überführung der Gebeine der seligen Zita von Rußland in die Kaiserkruft nach Wien, gesprochen. Hier handelt es sich um eine Ente es müßte heißen:
Die Überreste der Sterblichen. Normalsterbliche bleiben allerdings auch bei globalen Gipfeltreffen ausgesperrt um vor den Abnormalen geschützt zu sein.
Auch innerlich erfüllt von meiner Bergfahrt, Schnee war mir durch die Löcher meiner Hose eingedrungen, kam ich zum Stillstand. Nun half mir keine Idee und keine Sänfte mehr weiter ich mußte mich, mit des Schusters Rappen ins Tal befördern.  Was man so alles, auch ohne Gipfel bestiegen zu haben, in nur zwei Tagen in den Bergen erleben kann dachte ich,  bevor ich in meiner gewohnten Umgebung in das Reich der Träume marschierte. Niederstuttern Wolkengruben Biwak 1992-04-11 - 12

DER GRIMMINGBACH
  Ich hatte mir vorgenommen die Herkunft des Grimming Baches zu erkunden. Es war bewölkt mit teilweisen Aufhellungen als ich vom Parkplatz, in dem von Tauplitz weiterführenden Tal, per Schi weiter wanderte. Ein Schneewieserl ist eine motorisierte kleine Raupe, mit der die arrivierten Jäger und die Beschicker der Wildfütterungen heutzutage im Winter unterwegs sind, eine solche Schneewieserl Spur erleichterte mir mein Fortkommen. Eine herrschaftliche Jagdresidenz und dann später Almhütten, die nur mit dem Dach aus dem Schnee hervorragten, stehen vor der nun kommenden Talabzweigung.
  Der unangenehmer Silogeruch ging von der frischen Befüllung einer Hochwild Futteranlage aus. Um dem Geruch auszuweichen ließ ich den Grimmingbach in der linken klammartigen Talverengung liegen, ich wählte die rechte Tal Abzweigung. Dadurch verließ ich auch die Spuren des Schneewieserls und befand mich, außer dem Zuchtwild, in einer unberührten Winterlandschaft. An einer großen, im Talboden alleinstehenden und von Wildlosung umgebenen Standfichte ist ein Marterl angebracht.
Zur Erinnerung an MAX NEUPER
Forstfacharbeiter der Forst und Gutsverwaltung Klachau,
welcher hier am Samstag den 07.10.1963,
in Ausübung seines Berufes tödlich verunglückte.
Nach Sorgen Arbeit Leid hienieden
hat der HERRGOTT mich zu sich beschieden.
Ein stilles Gebet, ein kurzes Bedenken
Kannst du Wanderer mir hier schenken. >
  Nach dem Talschluß erreichte ich eine Bergeinsattelung, dichter Schneefall begann, Nebel fiel ein und der aufkommende Wind trieb mich zurück in das windgeschützte Tal. aus ein Tauplitz Karfr mittelmäßig 1992-04-17

OSTERFEUER AM SÜDOSTGRAT
  Nach dem Aufgang in die Wolkengrube, stieg ich mit Steigeisen in einer Schlucht zum beginnenden Südostgrat. Dort oben ist am Felsenhang, vom Krummholz umgeben, ist eine exponierte Stelle - ein idealer Platz um ein Osterfeuer abzubrennen. Nun war auch für das erforderliche Brennmaterial zu sorgen, dabei leistete mir der mitgenommene Fuchsschwanz wertvolle Dienste. In dem Latschengestrüpp waren viele Dürrlinge, so hatte ich bald einen ansehnlichen Haufen von Brennholz zusammengetragen.
  Es dämmerte und wurde langsam finster aber die Sicht blieb erhalten. Auf der Ennswiesen und auf den Berghängen der Niederen Tauern brannten schon vereinzelt kleine Feuer, sie dürften wohl den Bewachern des angehäuften Feuerholzes zur Erwärmung dienen. Aus purer Bosheit entstanden auch viele Volksbräuche: Wie zum Beispiel das Umschneiden- oder das Köpfen vom Wipfels des Maibaumes, nach seiner Aufstellung in der ersten Maiennacht. Wie zum Beispiel das vorzeitige Abbrennen des Osterfeuers am Karsamstag vor der Dunkelheit. Deshalb werden die Maibäume und die Osterfeuer in diesen bedrohlichen Zeiten sehr streng bewacht. Alle Jahre wieder habe ich in der Kukula Hütte am Maibaum- aufstellen und umschneiden teilgenommen. Einmal haben wir in den Stamm, mit der Hilfe eines früher von den Bauern zum Brunnenrohr - Herstellung verwendeten Holzbohrers, ein drei Meter langes Armierungseisen eingezogen. Zusätzlich haben wir den Stamm auch außen mit Eisen bewährt und überließen den Brauchtumstätern den unbewachten Baum. Sie entfernten die sichtbaren Eisen Sicherungen, haben aber dann mit der Motorsäge eine böse Überraschung erlebt. Vor lauter Wut darüber schafften sie es dann dem Baum einfach auszureisen.
  Alte Bräuche verschwinden kommen aber wieder zum Vorschein. Nach jahrelangen ungetrübten Maibaum Aufstellungen, auf der einsamen im Wald befindlichen Kukula Hütte in Öblarn, wurde die Bewachung des Baumes vernachlässigt. Letztes mal gab es ein freudiges und ein betrübtes Ereignis: Freudig deshalb weil der alte Brauch wieder auflebte, betrübt deshalb weil der Maibaum während unser Festlichkeit vor der Hütte - hinter der Hütte gefällt wurde. Ich hier oben, war vor einer Brandstiftung eines Brauchtums Pyromanen am Osterfeuer sicher. Ganz im Gegenteil ich wäre froh gewesen, wenn mir wer den Stapel angezündet hätte. Die klare Nacht ermöglichte die Sicht auf die vielen Feuerzeichen, auch mir gelang es kurzzeitig die Flammenbrut bis zu vier Metern Höhe zu treiben. Der Widerschein meines Feuers hob sich auch in der noch immer schneebedeckten Wolkengrube ab und wurde auch von den Grubenwänden reflektiert. Ich aber zog mich zur Zwillingstanne, meinem Nachtlager, zurück.
  Meine frühzeitige Auferstehung war ungewollt, starker Regen hatte eingesetzt und die Dichtheit meines Biwak Sackes war auch nicht mehr die, wie sie einst gewesen war. Mein Biwakieren war nicht immer wählerisch gewesen, oft mußte auf spitzigen Steinen geschlafen werden, oft war es eiskalt und ich versuchte mich mittels einer Kerze oder mit dem Feuerzeug zu wärmen. Diese Versuche hatten dann auch Brandlöcher als Spuren hinterlassen. - Einmal bei einem Biwak unter dem Trojani, hatte ich das Zelt mittels Spirituskocher beheizt, dabei bin ich eingeschlafen. Der Kocher ist umgekippt und hat ein gewaltiges Loch in den Zeltboden gebrannt. Ansonsten hatte ich aber mit dieser Zelt Heiztechnik nur gute Erfahrungen gemacht. Eine Ausnahme hatte allerdings andere Ursachen:
  — Im Appelhaus im Toten Gebirge war ein Almabtrieb Hüttenfest mit sechs Geigern, ich biwakierte mit meinem damals dreijährigem Sohn in Hüttennähe und heizte das Zelt. Betrunkene glaubten wir wären ein Liebespaar und rissen das Zelt nieder. Ich hatte mich damals schützend über die Flamme gestellt es passierte nichts, mein Sohn Christian begann jedoch zu schreien und die Betrunkenen verzogen sich in ihrer Peinlichkeit. In letzter Zeit benutze ich, aus Gründen der Flexibilität nur mehr den Biwaksack.
  Nun aber zurück zur Gegenwart, die nun bei der Niederschrift auch schon wieder Vergangenheit ist. Da ich die Schi mit hatte, verließ ich in der bewährten Spitzen Kehrtechnik, die Wolkengrube. Man fährt dabei kreuz und quer hin und her und die Fahrtrichtungsänderung erfolgt durch Umdrehen im Stand. Nieder Stuttern Kars. 1992-04-18/19
  Nach der erfolgloser Suche des > Biwaknacht. Fortsetzung der Suche: Unter der Schneedecke hat ein niedergedrückter Laubwald geschlummert, die Bäume hatten sich alle wieder aufgerichtet und bedeckten die gesamte Wolkengrube. Im Wald einen einzelnen Baum zu suchen ist immer schwierig, erst von einer Anhöhe aus sah ich die Zwillingstanne in der Wolkengrube. Weiterwanderung zur Jausengrube bei Schönwetter.
Jausengruben Anhöhe Wanderer Gedenkbuch Gedenkstation Toni >  1987-08-19 bis 1987-10-26 und 1992-08-12 bis 1992-08-15 Espang Wolkengruben Biwak Di 11 Jausengrube Sonne 19920812

DIE ABWEISUNG
  Bei meinem Abgang hatte die Kulm Bäuerin noch zu mir noch gesagt: - Du willst doch heute nicht noch auf den Grimming gehen? – Das ist ja weit zu gefährlich.   Heutzutage ist ja fast alles gefährlich. Antwortete ich und mit einem Grüß Gott verabschiedete ich mich von ihr. Das war um 14:00 gewesen, nun nur noch einige hundert Meter unter der Biwak Schachtel kehrte ich um.
  Instinktiv hatte ich wahrgenommen – es war nicht die Neugierde der Bäuerin sondern die Sorge gewesen weshalb sie mich angesprochen hatte. In dem Schneesturm war eine Orientierung nicht mehr möglich, es erschien mir deshalb sinnvoll – mich auf meinen schon verwehenden Spuren, schleunigst zurückzuziehen. Beim Wandabstieg tauchten über Bad Mitterndorf zwei eigenartige und bedrohliche schwarze Wolkengebilde auf: Eines mit der Form eines Schwammes, das andere in der Form eines Hammers.
  Unten im Wald hatte ich einst einen Unterstand gerichtet. Eine Felsennische abgedeckt mit den Brettern einer verfallenen Hütte, dort wollte ich nächtigen. In diesem Unterschlupf wurde es aber dann trotz eines Lagerfeuers ungemütlich, ein starker Gußregen drang überall durch. So zog ich mich auch von hier zurück. Nun war überhaupt nichts mehr zu sehen, aus dem Regenguß wurde ein Schneesturm. Nach der Kreuzung mit dem Forstweg hatte ich die größten Probleme - die Wegfortsetzung zu finden.
  Diesmal hatte mich der Berg in meiner Jämmerlichkeit vertrieben, trotzdem war ich froh zwar total durchnäßt aber trotzdem mit heiler Haut davongekommen zu sein. Es war nach langer Zeit für mich trotzdem wieder eine Bereicherung besondere Art, die mir der Allvater, auch in seiner Abweisung, zu Teil kommen lassen hatte. Der Spruch vom Glück im Unglück bleibt aber dem Erblasser vorbehalten. Bevor er verschied sprach er: Glück im Unglück ist:  
Meine ERBEN werden sich um Schulden
die ich Ihnen hinterlasse nicht streiten
Kulm Schlechtwetter Fr. 1996-09-06
DER SALZA STAUSSEE
  Vom Parkplatz ennstalseitig durchwanderte ich den Pass Stein, es war bewölkt, bis auf den Talgrund war Neuschnee gefallen. Bisher habe ich den Stausee immer nur von oben gesehen, wie ein Fjord zieht er sich kilometerweit zwischen den schroffen Abbruchskanten und Ausbuchtungen des Kammgebirges und des Grimmingstockes entlang und endet beim Kurhotel Heilbrunn.
  Der ergiebige Schneefall hatte zur Folge, - dass Almvieh wurde schon frühzeitig vom Kammgebirge, über einen Güterweg in den Pass Stein, abgetrieben. Das war auch die Erklärung von dem, zu hören gewesenen, Gebimmel und Gebrumme. Seitdem der Pass Stein für den öffentlichen Verkehr gesperrt wurde ist er für Füßgänger, Läufer und Radfahrer ein besonderer, landschaftlicher Erholungsraum geworden.
  Mir bot er einen angenehmen Spaziergang, in Heilbrunn löschte ich den Durst am freien Thermenbrunnen und ging dann dorthin zurück woher ich gekommen war. Nach dem Rückweg war es auch an der Zeit mich dem eigentlichen Grund meiner Anwesenheit, dem Umschneiden des Kukula Hütten Maibaumes zu widmen. 1996-09-07
 
OSTERFEUER im SCHNEE
  2003-04-18 Karfreitag: Es ist kein besonderes Wetter – aber es ist trotzdem ein besonderer Tag, denn drei Tage Aufenthalt am Grimming liegen vor mir. Dementsprechend  schwer und umfangreich ist mein Gepäck. Für dieses besonderer Vorhaben habe ich auch mein, seit zehn Jahren nicht mehr benutztes Kuppelzelt  hervor geholt und mitgenommen. Für ein Zelt benötigt man zum Aufstellen immer eine halbwegs ebene Fläche, weiters ist es auch ein Gewichtsproblem, aus diesen Gründen hatte ich den Bewacksack vorgezogen, er ermöglichte mir auch Nächtigungen im unwegsamen Gelände.
  Nun gehe ich von Heilbrunn ab – es ist schon lange her als ich diesen Weg einst erstmals beging. Brav schreite ich wieder schnurstraks über die erste Erhebung und muss, so wie beim ersten mal, wieder weit bergab in die Einsattelung, zu spät kommt mir die Erinnerung. Dabei geht doch der Weg ganz gemächlich auf der linken Seite der Erhebung oberhalb Kurhauses vorbei. Nicht immer sind die Folgen der Vergeßlichkeit so geringfügig: Denke ich. Der markierte Weg führt nun an der Abbruchskante zum Stausee aufwärts, nach der Abzweigung des zum Stausee hinab gehenden Steiges, hört er aber auf. Von einem Stausee kann man wohl zu dieser Jahreszeit nicht sprechen, hier auf der oberen Hinterberger - Seite ist nur das schlammige Bett zu sehen.
  Das angesammelte Wasser wurde wohl im Winter zur Stromerzeugung verwendet
. Nach einer Teilstrecke auf sanften Waldboden stoße ich dann auf den mir schon bekannten Hohlweg. Es ist wohl ein typisches Aprilwetter, kaum scheint einige Minuten die Sonne brennend heiß und ich will sie in ruhender Lage genießen, setzt sofort wieder, wie in tiefsten Winter, ein Schneetreiben mit großen Flocken ein.
  Ähnlich ist es  mit der Aussicht; zwischen dem vollständigem dichten Nebel gibt es immer wieder schöne Tal- und Höhenblicke. Ich habe es nicht eilig und lasse keinen Augenblick der Gegenwart unbeachtet vorüber gehen. Da sich mein Schlafgemach ohnehin im Rucksack befindet – kann ich mir diesen Luxus leisten.
  So bummle ich dahin, setzte oder lege mich nieder und genieße dann wieder jeden Schritt der mich höher bringt. Als erstes Zeichen des Lenzes blühen schon die Schneerosen,  bei der Scheune für die Wildfütterung wende ich mich, zum Unterschied von meiner ersten Wanderung, nach links und stoße auf einen vom Schnee gräumten Forstweg.
  In der Zeit meines bisherigen Lebens hat es derartige Forst – Windbrüchen noch nicht gegeben, Das Außergewöhnliche daran ist; sie sind nicht örtlich begrenzt, der Sturm hatte in der gesamten Steiermark aber auch in anderen Gebieten  gewütet.
  Der Weg geht nun schon sehr lange, ohne besonderer Steigung ostwärts? Ja, ja die Forstwege die haben es schon in sich, nur die Eingeweihten wissen wohin sie führen. Im Gebiet der, Starzenalm bei Öblarn, ist einst ein Pensionist nur mit letzter Kraft dem Labyrinth entronnen, nachdem er die Orentierung verloren hatt landete er im Walchental.
  Auch wir hatten in diesem Wegsystem, bei unser Jubiläums Wanderung  zum Waidhofsee, zwei Vermißte die wir nur mit der Hilfe der Feuerwehr finden konnten, zu verzeichnen.

  Ich folge nun aber, in dem bereits aufgearbeiteten Windbruchgebiet, einer der senkrecht aufwärts führenden Spuren, von den riesigen Forstmaschinen, die heute vorwiegend bei Großforstbesitzern eingesetzt werden. Nachdem sie aus ist setzte ich in dem Tiefschnee mein Firngleiter Patent ein:
Auf die Unterseite dieser Kurzschi ziehe ich ein verknotetes Leinennetz auf  
es wirkt wie ein Steigfell. Mit der Schnurbindung kann ich die Gleiter auch verkehrt, also mit der Spitze nach hinten anlegen – bei Schneesteilstellen steigt man damit stufenähnlich. Dadurch, aber vor allem auch in der Abfahrtsmöglichkeit liegt der gewaltige Vorteil gegenüber den wieder in Mode gekommenen alten Schneeschuhen.
  Später stoße ich allerdings wieder auf den geräumten Weg - er hätte mich anstrengungslos aufwärts geleitet, jedoch genauso gut hätte er mich auch in die Irre leiten können.
Nicht alle WEGE führen nach Rom.
Nicht jeder Weg ist das Ziel.
  Nach dem Ende des Weges beginne ich, durch den sich lichtenden Wald, mit den eigentlichen Aufstieg in das freie Gelände. Das Durchschreiten der Baumgrenze ist immer wieder und bei jeder Witterung ein einzigartiges Erlebnis. Der Tag ist vollständig ausgefüllt, vor dem Zehner finde ich am Höhenkamm eine schneefreie Mulde, schlage das Zelt auf und verbringe die Nacht höchst komfortabel.
Karsamstag:
  Ich traue kaum meinen Augen, mein Zelt ist zur Hälfte eingeschneit ich fühle mich in den tiefsten Winter hinein versetzt.
Es ist schon lange her als ich einst über der Wolkengrube am beginnenden Südostgrat ein Osterfeuer abgebrannt hatte. Diesmal will ich das gleiche Unternehmen aber besser vorbereiten. Aus diesem Grunde hatte ich mir eine geschärfte Hacke mitgenommen, zuerst heißt es aber einen geeigneten Feuerplatz zu suchen. Es ist mir allerdings klar dies konnte nur der Zehner sein, jedoch auf diesem blanken Felsspitz wächst kein Krummholz – das heißt: Der Tagesablauf ist bereits vorgezeichnet.
Der Gipfel des Zehners ist von einer über die senkrechte Südflanke überhängende Schneewächte bedeckt, nach einigem Sondieren finde ich den felsigen Untergrund für das Feuer. Nun gilt es den ganzen Tag genügend Brennmaterial auf den Gipfel zu tragen. Als Zeichen eines einstigen stolzen Baumes stand auch ein einzelner dicker Fichtendürrling in der Nähe meines Zeltes, er lieferte mir Holz für eine länger anhaltender Brenndauer. Das Wetter ist tagsüber so winterlich wie die Landschaft.

  Ich erinnere mich; einmal habe ich in der Osternacht in der Wandfußhöhle der Kleinen Schneegrube verbracht, es war genau so wie heute dichter Nebel und nur einmal hatte ich ganz kurz, einen Talblick.  Wie wird es aber nun heute in der Nacht sein? Selbstverständlich wäre mir an der freien Sicht meines Brauchtumsfeuers viel gelegen. Aber auch wie so viele Schicksalsschläge des Lebens 
soll oder muss man auch das Wetter hinnehmen wie es ist. Letzten Endes wollte ich mir in erster Linie selbst ganz eigennützig mit diesen drei Tagen am Grimming eine große Freude bereiten, was mir aber schon ohnehin ja größten teils gelungen ist. Der Abend beginnt zu dämmern und siehe da:  Auf einmal war das Schneegestöber wie weggeblasen und die Sicht ist rundherum frei, die untergehende Sonne läßt noch kurz die rötlich verblaßende Silhouette des Dachsteinstockes erscheinen, ehe sie sich gänzlich zurückzog.
  Ähnlich wie der Brauch des vorzeitigen boshaftigen Umschneidens des frisch aufgestellten Maibaumes in der ersten Maiennacht, gibt es auch den Brauch des vorzeitigen boshaftigen anzünden eines fremden Osterfeuers. Aus diesem Grunde müssen Osterfeuerhaufen und Maibäume in der fraglichen Zeit immer gut bewacht werden. Hier bei mir oben wird mir ganz sicher niemand mein Feuer vorzeitig abbrennen 
denke ich.
  Nun steht eine harte Geduldsprobe bevor, der Tag ist wie im Flug vergangen doch jetzt zieht sich jede Minute schier endlos dahin. Es brannten bereits die kleinen Feuer der - Bewacher von den großen Feuerstellen, bei mir hier am  Zehnerspitz steht eine etwa zwei Meter hohe Pyramide bereit um entzündet zu werden. Es ist bereits ganz dunkel, im Ennsboden, im Hinterbergtal und auf vielen Berghängen entflammt ein Feuer nach dem anderen. Es ist eigenartig; am Ziel erinnert man sich wehmütig an den zurückgelegten Weg,
man wird nachdenklich. Einem Regenbogen kann man sich nie vollständig nähern – ähnlich ist es auch mit unseren Zielen bestellt. Hinter jeder geöffneten Tür gibt wieder viele verschlossene Pforten. Bevor man sich nun eine weitere Schlüsselsuche als Ziel setzt, sollte man zuerst alle vorhandenen Freiraume ausschöpfen.
  Die Lehre von den vier Elementen Feuer, Erde, Luft und Wasser ist uralt, bereits die alten Griechen ordneten ihnen viel  Mystisches und Seelisches zu. Von der Erde bist du gekommen und zur Erde kehrst du zurück, oder alles Leben kam aus dem Wasser, wird bei gewissen Anlässen immer wieder zitiert. In der Reihung der Grundelemente steht aber das Feuer nicht umsonst an der ersten Stelle. Aus dem Feuer ist alles erstanden, ohne dem Feuerball Sonne gäbe es kein Leben auf unserer Erde, dass einst auch unsere Erde ein Feuerball war, daran erinnert der Vulkanismus.
Ich erinnere mich nun an eine Vorerhebung des Husarentempels dem Phönixberg>
, in dessen Gipfelbuch der Feuervogel Phönix beschrieben wurde.
In Flammen geboren in FLAMMEN gestorben, dies  wäre der hypothetische Kurznachruf für diesen Kimnaras der Unsterblichkeit.
DER FEUERVOGEL PHÖNIX  
  Im Garten des Paradieses, unter dem Baume der Erkenntnis, stand ein Rosenstrauch. Hier, in der ersten Rose, wurde ein Vogel geboren, dessen Flug war wie der des Lichts, herrlich war seine Farbe und herrlich sein Gesang. Als aber Eva die Frucht der Erkenntnis brach und sie und Adam aus dem Garten des Paradieses gejagt wurden, fiel vom flammenden Schwerte des strafenden Engels ein Funken in das Nest des Vogels und zündete es an. Der Vogel starb in den Flammen, aber aus dem glühenden Ei flog ein neuer, der einzige, der stets einzige Vogel Phönix.
Die Sage meldet, daß er in Arabien nistet und sich selbst jedes hundertste Jahr in seinem Neste verbrennt, und ein neuer Phönix, wieder der einzige in der Welt, fliegt aus dem glühenden Ei empor. Der Vogel umflattert uns, schnell wie das Licht, herrlich von Farbe und herrlich klingt sein wundersamer Sang.
  Wenn die Mutter an der Wiege ihres Kindes sitzt, schwebt er über dem Kopfkissen und weht mit den Flügeln einen Glorienschein um des Kindes Haupt. Er fliegt durch die Stuben der Genügsamkeit, und Sonnenglanz breitet sich darüber und die ärmliche Kommode duftet nach Veilchen. Doch der Vogel Phönix ist nicht allein der Vogel Arabiens. Er flattert im Nordlichtschein über die Eisfelder Lapplands, er hüpft zwischen den gelben Blumen in Grönlands kurzem Sommer, er schläft auf der Mitternachtssonne und er schwebt regungslos aber respektvoll über dem Monolith Grimming.
Über Faluns Kupferfelsen ist er zu sehen, er segelt auf dem Lotosblatt mit den heiligen Fluten des Ganges hinab und des Hindumädchens Augen leuchten bei seinem Anblick.
  Den Vogel Phönix, kennst du ihn nicht? Den Vogel des Paradieses, des Gesanges heiligen Schwan. Auf dem Thespiskarren saß er einst wie ein geschwätziger Rabe und schlug mit den schwarzen, hefetriefenden Flügeln umher. Über Islands Sängerharfe glitt des Schwanes roter, klingender Schnabel; auf Shakespeares Schultern saß er wie Odins Rabe und flüsterte ihm Unsterblichkeit ins Ohr. Beim Sängerfeste flog er durch der Wartburg Rittersaal und rastete im goldenen Haar der Loreley.
  Den Vogel Phönix kennst du ihn nicht? Er sang dir die Marsallaise vor, und du küßtest die Feder, die aus seiner Schwinge fiel. Im Paradiesesglanze kam er, und du wandtest dich vielleicht fort und dem Sperling zu, der mit Schaumgold auf den Flügeln dasaß.
  O, du Vogel des Paradieses! In jedem Jahrhundert erneut, in Flammen geboren, in Flammen gestorben, dein Bild hängt in Gold gefaßt in den Sälen der Reichen aber du selbst fliegst einsam und verirrt für die Armen umher - eine Sage nur:
  Du Vogel Phönix in Arabien! Im Garten des Paradieses, da du geboren wurdest unter dem Baume der Erkenntnis in der ersten Rose, küßte dich Gott und gab dir deinen rechten Namen - Poesie. Wann findest du  zurück en die Feuergarten des Etna. Christian Anderson 1805 - 1875 wer sonst noch könnte so von dir erzählen? Quelle 
  Der Freund aller Pyromanen, der gefürchtete Begleiter jedes ungewollten Brandes - der Wind, er hatte mir zuvor die Wolken ausgeräumt, er soll mir aber jetzt nicht den Feuerplatz mit Schnee zuwehen - sondern er soll mir mein Feuer anfachen und zu ungeahnter Höhe peitschen. Im windgeschüztem Bereich, des unter dem Schneeneeniveau liegenden, gut vorbereiteten Feuerstellengrundes, ist die Entzündung problemlos. Das Spiel des Windes, mit den unzählig gespaltenen Feuerzungen übertraf dann auch die ungeahntesten Erwartungen. Die Flammenpracht mit Höhepunkten von geschätzten vier Metern bleibt mir stundenlang erhalten. Nach Mitternacht sehe ich noch, vom Zeltlager aus, die Flammen auf dem Zehner leuchten und der Widerschein färbte die umliegende Schneelandschaft rosa.
  Ostersonntag: Dieser Tag ist zu schön für einen Abstieg; denke ich. Der hart gefrorene Schnee eröffnete mir, in der Spitzenkehrtechnik mit den Firngleitern, einen erstaunlichen Aktionsradius. Diese Fahrweise mit der Umkehrung im Stillstand ist für Anfänger und ältere Leute sehr vorteilhaft. Ich strebe unter den Wänden ostwärts, denn dort bin ich bereits einmal von der Grimmingscharte nordwärts abgestiegen - landete aber dann im Zehnerkar. Hier sehe ich ein schräges Tiefenloch, aber leider ist es ohne Seil unzugänglich. Weiter unten stoße ich auf ein gut in Stand gehaltene alte Hütte – ein willkommener Platz mit Bank und Klapptisch, für eine Rast. Inzwischen war auch die Sonne über den Zwölfer geklettert, ich genoß die wärmenden Strahlen und auch meine letzten Nahrungsmittel. Die unfangreichen Utensilien wie Zelt, Biwacksack, Schlafsack und Isolationsmatte liegen und hängen zum trocknen. Nach einem Windbruchgelände in dem die Bäume noch wie bei einem frisch geworfenen Mikade lagen stieß ich wieder auf den Forstweg.
  Wer mag wohl der Herr Marchner sein der alle Marterl dieser Gegend so sorgsam und fachmännisch restauriert? So auch das
Baum > in der Nahe des Weges, an einen ganz besonder Wild - Einstandplatz unter einer uralten Standfichte. Was bedeuten wohl drei Tage am Grimming? Sie sind wie ein Windhauch der schnell verweht, der aber als einprägsame Erinnerung erhalten bleibt.

GRIMMING RADRUNDFAHRT 2003-06-24 NL0603 Wasserfall Lessern
  Ausgangspunkt Abzweigung Pürgg: Hier beginnt auch der historische Grimming Lärchkogelanstieg > wegen der vielen Windbrüche ist es aber besser weiter westlicher anzusetzen und entlang des Wandfußes bis zur Wandfußhöhle, dem Beginn des Weges, zurückzugehen.
  Sowie der gut in Stand gesetzte Fußweg zum Ende der Schlucht, ist ein ein einzigartiges Naturerlebnis. Der Weg am Berghang parallel zur Bahn ist zwar kein Radweg: Aber wer sein Fahrzeug liebt der schiebt. Auf einer Wiese zwischen dem Bahnhof Tauplitz und der Abzweigung Kulm ist neben der Straße das Marterl der Bergrettungsmänner Franz Meier Karl Resch >, die bei einem Rettungseinsatz am Grimming ihr Leben verloren. Von Klachau fuhr ich zum Pötschen Paul nach Kulm, grimmingseitig neben der Straße sah ich erstmals eine Narzissenwiese Frühling.
  Einem zuerst äsendens dann - durch mein Kommen gemächlich verhoffendes, stolzes Hirschtier, war die Wahrnehmung dieser Blumenpracht zu verdanken. Der Besuch beim Paul in der ehemaligen Jausenstation Grimminganstieg Kulm war sehr erfreulich. Trotz seines Alters und
einigen Infarkten, einen Lungeninfarkt hatte er im Krankenhaus bekommen, ist Paul wohlauf. Die zu hohe  Doppelbesteuerung durch den Säkelwart Adonis Grasser  verhinderte die Weiterführung der Jausenstation.
  Von Kulm ging neben der Schanze steil bergab in den Hinterberg Talboden und weiter und für mich erstmals nach
Krungl. Durch Kungl verläuft auch der Künstlerweg Viaritas von Pichl nach Tauplitz 12km 4-5 Gehstunden. Auch ein Radfahrer muss einmal auftanken, jedoch von einem Most und Schnapsgemisch ist aber abzuraten. In Heilbrunn beginnt der Stausee des Pass Stein. Salzakruzifix > Salza Wallfahrtshöhle >
  Der senkrechte Grimmingaufbau bei der Staumauer ist ein Terrain für Sportkletterer und wagemutige Westost - Überschreiter, für die historischen
ostwest - Höhengrat Begeher war allerdings der Abschluß immer das Durchschwimmen des Stausees. Nach dem Mitterberg gelangt man nach Öblarn der Heimat von Paula > an der Südfront des Grimmings entlang  des Ennsboden kann die Jausengrube mit dem Grimmingtor, die Wolkengrube und die Kleine- und Große  Schneegrube betrachtet werden, wobei die Kleine Schneegrube im Sommer fast gänzlich schneelos wird.
  Mein letzter Plan nach dem Museum Trautenfels 
Ehrenmal Trautenfels^ die Rundfahrt über Unterburg  Haus Unterburg Nr.5^ nach Pürgg Johanneskapelle Pürgg abzuschließen scheiterte, irrtümlich entschied ich mich für den rechten Weg der sich aber als Forstweg erwies. Am Klettergarten vorbei über Untergrimming  Wegschild Untergrimming^ Gedenkstein Untergrimming > gelangte ich schließlich zum Ausgangspunkt meiner erlebnisreichen Tagesreise. Ein weiteres Vorhaben, die Umrundung des Grimmings an den Wandfüßen vorzunehmen, war die Erkenntnis der Fahrt.
  Ein wunderschöner Tagesausflug 50km. Ausgangspunkt dieser Tour ist der Bahnhof Tauplitz im Ortsteil Klachau. Sie folgen dem Salzkammergut-Radweg R19, der zur größten Natur Skiflugschanze der Welt, dem Kulm größte erzielte Weite 209m führt. Unter den Nordabbrüchen des Grimmings geht am Rand einer bizarren Gebirgskulisse der Weg nach Krungl, weiter zum Thermalbad Heilbrunn und Sie erreichen, den Römerweg folgend, den in eine Urlandschaft eingebetteter Salza Stausee. Die Straße entlang des Sees ist für Wanderer und Radfahrer reserviert.
  Am Ende führt ein kurzer Anstieg zum Scheitelpunkt des Überganges vom Salzkammergut in das Ennstal. Das nachfolgende Gefälle bis zu 20% bedarf gute Bremsen. In Tipschern wird die Ennstal-Bundesstraße B320 gekreuzt. Es folgt eine Steigung auf den Mitterberg. Beim Gasthof Häusern im Wald folgen Sie der nach Osten führenden Straße zur höchsten Erhebung 845m dieser Rundfahrt. Nach flotter Fahrt wird Öblarn erreicht. Der R7, Ennstal-Radweg, nach Irdning und Trautenfels und anschließend der R19 bringt den Radler zum Ausgangspunkt Tauplitz zurück.

GRIMMINGUMRUNDUNG JENSEITS DER GRIMMINGPFADE NL1003  Gesamtfuhren>
Die Göttliche Komödie von Dante > ist ein unerschöplicher Lesestoff - jedesmal beim Vertiefen in diese Lektüre gibt es neue  Entdeckungen. Ähnlich geht es mit dem Grimming: Es sind Passagen die man bisher übegangen hatte, deren Sinn  sich wie eine Parabel  in der Unendlichkeit verlor - aber dennoch in Erinnerung blieb.
  • Erbsünde Vergangenheitsbewältigung und Kollektivschuld Vergil > 
  Wozu stehen die Berge und wem gehören sie? Berge sind, dem Menschen ähnlich, in Gruppen entstanden. Einer baut auf den anderen auf und es sind Rücken und Grate die einander verbinden. Das ist die Regel, die Ausnahme davon sind Eremiten, oder die Einzelsteher. Wer unabhängig  und allein - so wie der Grimming für etwas steht, er ist unübersehbar. Bei  Menschen hängt es davon ab wofür einer gerade steht, bei Bergen wiederum ist nur das Erscheinungsbild die Ursache ihrer Existenz.
  Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen ist Wittgenstein Tractatus-logico-philosophicus. Sein oder nicht sein, das ist die Frage die Shakespeare mit Hamlet stellt. In Bachlers Burgtheater war unlängst Hamlet ein blutverschüttendes Monster alias Nitsch mit entblößten Unterkörper. Was Schlimmeres könnte aber diesen Bemühungen wohl nicht begegnen, als wenn Jemand die unerwartete Entdeckung machen würde, dass es überall gar kein Erkenntnis aus Vernunftgründen gibt, bzw. noch geben könne.  Dies stellt  Kant in der Vorrede zu seiner Kritik der Vernunft fest.
Wer nur als Esel in die
Bibel schaut - wird kein Apostel werden. Wer mit sehenden Augen nur blind auf den Grimming geht - bleibt ein Esel. Das sind die Schlußfolgerungen im Jahr 2003, im Jahr der Bibel und im Jahr des Grimming. Es gibt nichts Schöneres, als dem Schweigen eines Dummkopf zuzuhören und ich bin heutzutage so weit, dass ich sagen kann: Ich habe mein Leben größtenteils gelebt. Das sind zwei Aussprüche des seligen Hr. Qualtinger. Das Leben besteht aber nicht nur aus den Abgründen der Seele und nicht nur aus ausgesprochenen Zitaten - sondern auch aus dem ungeplanten Unbekannten.
Jeder,  - auch ein BERG gehört letzten Endes nur sich selber.
2003-09-23 Di, leichten Herzens aber mit schweren Gebäck dringe ich, von Trautenfels kommend, in die Welt des Grimming ein. Mein Vorhaben ist einige mir unbekannte Wandfüße zu erkunden und den Grimming zu umschreiten. Unter dem Tressenstein >  vorbei - durch den Angern- und Buchwald ist noch gutes Gehgelände aber dann in der Untergrimminger Schütt ist es herrlich unwegsamer. Ein andauerndes, spätsommerliches Schönwetter sorgte und sorgt für klare Sternennächte und warme Sonnentage.
  24.Mi.
nach einer erholsamen Nacht am obersten Lawinenspaltkeil der Schütt, mache ich den Seitensprung zum Lärchkogel
Steig > und erlebe den Tagesanbruch von der oberen Kante der östlichen NO Wand. Im Steigbuch sind keine neuen Eintragungen. Von der Stelle an - wo ich im vergangenen Jahr mit dem Grimmingfranz und Pepi Vater und Sohn irrtümlich, statt dem Pürgger Lärchkogelweg > in die östliche NO-Wand  eingestiegen war, beginnt Neuland. Der Grimmingfranz und die beiden Pepi sind, außer mir, auch die seit vielen Jahren einzigen Lärchkogelwegbegeher.
Die Natur, in ihrer Unberührtheit, ist keine Wildnis, sie ist ein Erlebnis. Spärliche Gämsen^ – Erscheinungen zeugen davon, der Urbestand des Wildes stimmt noch einigermaßen. Vor allem aber ist dieses Steilterrain für die heutige Jagdgesellschaft nicht meht attraktiv genug. Nun kommt ein Eintauchen im dichtem Krummholz und das ewige auf und ab an den Wandfüßen und Schuttkegeln ist das erschöpfende Tagesergebnis.
  25.Do, nach einer Nacht hoch über dem Schober kommt ein konzentrierter Abstieg, bei dem mir die mitgeführte Seilausrüstung wertvolle Dienste leistet. Der Schober bei Girtstatt ist ein nördlicher Vorstoß vom Grimming der, wie sonst nur im Pass Stein, bis zur Talsohle reicht. Nordfront 
  Er ist auch eine südwestliche Umbruchkante des Grimmingstockes. Die Fleichhackerriese, die Lahnriese, die Breitriese haben den gewaltigsten Geröllschub. Am dritten Tag der Wanderung stellt sich, wie von selber, eine schnellere Gangart ein. Weit unter den 2. Lärchkogel kreuze ich die Stribing durchschreite die Hirscheben quere das Leistental, den Langstein und den 3. Lärchkogel.
  Irgendwo im Krunglwald auf einer Wildfutterhütte ist ein Marterl angebracht. Grimming Marterl 1v5 Der Weg durch den Krunglwald nach Bad Heilbrun > ist lang aber fast zu bequem für meinen Geschmack. Um mein Ziel rechtzeitig zu erreichen verzichte ich auf die Begehung der linken Stauseeseite und wähle den, tagsüber wegen Sprengarbeiten gesperrte, asphaltierten Stauseeweg^
  26.Fr. In angenehmer Erwartung und ungeduldig kann ich, auf der Bank des ennstalseitigen Parkplatzes liegend den neuen Tag nicht mehr erwarten und tappe bereits im Dunkel los. Nach einem Abschneider hole ich mir, beim durchqueren der Salza, bewußt nasse Füße. Noch eingetaucht in der dämmernden Nacht und im Talnebel der Ennswiesen schlendre ich, ohne einen Menschen zu begegnen, durch St. Martin an der Hubertuskapelle vorbei - an den Waldrändern aber auch teilweise im Wald ostwärts. Der schöne Anblick vieler äsender Rehe erfreut mich, dann geht es an einigen Wildgehegen vorbei, auf Wildsteigen, auf Forstwegen und auch steiglos, bergan und bergab der Endstation zu. In seiner Vielseitigkeit bietet das Gelände immer wieder neue Erlebnisse, aber vor allem Schutz vor der heißen Sonne. Bei einer Pause, als ich mir einen Parasol brate, kommt eine große braune Raupe zweimal angekrochen - jedesmal weise ich sie ab. In Trautenfels angekommen stelle ich fest, dass sie sich trotzdem als blinder Passagier bei mir eingenistet hat.

DER SONNE ABSCHIED   Textauszug aus Bewegter Schnee^ Sonnenuntergänge

  "Das Haupt des Allvaters Grimming verschwand langsam unter einer Wolkenhaube die gegenüber, zum greifen nahe liegende, mit Schnee verhangene, Nordwand der Schartenspitze stand kurzzeitig im goldenen Hauch der Abendsonne. Dieser Hauch glitt langsam höher, bis dann nur mehr der Gipfel ein letztes mal aufflammte. Von Westen her zogen Wolkenbänke auf und verhüllten den Untergang der Sonne."

DAS SONNENGRAB

Geh du für mich in`s Grab,
Oh Sonne! Ich steige dafür nicht
Für dich auf deinen Thron.

Durch licht gewebte Schleier,
Seh'ich die Entschwund`nen,
Wo aller Wesen Urquell ist.

Des Traumes Ewigkeit!
Lächle und warte nicht
Auf das Bestehende.

  "Bald wurde auch ich umhüllt vom Nebel des allgewaltigen Berges, es dunkelte bereits als ich beim Biwak ankam. Doch es war mir kein freundlicher Empfang beschieden, der letzte Besucher hatte die Türe offen gelassen, die Diogenes Stube war voll geweht mit Schnee und mußte geräumt werden."
Textauszug aus Bewegter Schnee^

A   PRÄAMBEL m.bruno@gmx.at Adresse
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