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m.bruno@gmx.at 1120 Wien Anderseng. 23/29/1
 
ÖDSTEINLIED und die Niederschrift aller am Ödstein durchgeführten Bergbegehungen ANTON SCHUBERT^
 
 
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ÖDSTEINLIED Inhalt Vorwort ^
  

VORWORT
  Es stürzen sich nach einem Gewitter, die Wildwasser, mit einer unbändigen, unaufhaltsamen Kraft zu Tal, sie sind bestimmt; im Bach, im Fluss, im Strom nach dem Gesetz der Schwerkraft zum Meer - zu fließen. Die Sonnen - Wärme lässt sie als, feuchten Dunst aufsteigen, des Windes Kraft bringt sie zurück und als Niederschlag schließen sie ihren ewigen Kreislauf. Durch die Umdrehungen der Erde erleben wir die Sonnen auf- und Untergänge, Tag und Nacht, der Umlauf der Erde um die Sonne bewirkt uns die Jahreszeiten. Von den Atomen bis zu den Planeten alles ist Umlauf und auch nur im Kreislauf der Blutbahnen ist Leben möglich.
  Im Ablauf der Jahreszeiten und im Kreislauf der Jahre, so erlebte ich den Zauberberg des Gesäuses; den Großen Ödstein, er wurde mir der Pfad der Freude; zum Lied, zum Gedicht und zur Schöpfung. Die Niederschrift beginnt mit der Erzählung, Der Große Ödstein, nach der Aufzeichnung einer Ödstein Besteigung im Jahre, 1893; von Anton Schubert.
  Anton Schubert, - verdanke ich alle meine Erlebnisse am Ödstein, ohne ihn den unbekannten Wiener, der alle seine Bergfahrten in den Ostalpen, als Zeitzeuge schriftlich überliefert hat, wäre diese Schrift nicht entstanden. Er half mir bei der Überwindung meiner Angst und führte mich zu höchsten, Gipfelfreuden, von seinem Beispiel ermuntert, brachte auch ich meine Empfindungen in der Natur zu Papier.

  Mit der Erzählung,
Der Große Ödstein, dem epischen Gedicht Das Ödsteinlied, mit 20 Strophen in Stanzenform, den Ödsteinerinnerungen, den Briefen, der Historie, und mit dem Bilderbuch versuchte ich, das Interesse der Natur- und Kunst Begeisterten, für den nicht jedem zugänglichen Berg, zu wecken.
Wien, am 1995-02-05 - Neuauflage, am 2004-02-05 >
 
Der ÖDSTEIN "Ein König unter Königen im Gesäuse" 2010-10-21 Vorwort der Autoren^ Bergrettung News^
Ödstein Buch Hasischka
  Buch Neuerscheinung 20100630: Josef Hasitschka >, Ernst Kren, Adolf Mokrejs. Dies ist die Geschichte eines imposanten Gipfels, und seiner Wechselwirkung zwischen ihm und den Menschen, die an seinem Fuß beheimatet sind, und vor allem jenen, denen diese Felsen eine Heimat des Herzens bedeutet. Nach dem unerwarteten Erfolg der biografischen Sammlung „Gesäusepioniere“ (Schall-Verlag,2008) vertiefte nun das Autorentrio Hasitschka/Kren/Mokrejs die alpin historische Bedeutung der Nationalparkregion Gesäuse mit einem neuen Buch.
  Am Beispiel des Großen Ödsteins (Ein König unter Königen, © Paul Preuß) entstand ein umfangreiches Konvolut, das die Entwicklung des Bergsteigens von den Anfängen bis hin zum modernen Alpinismus exemplarisch illustriert. Anlass für dieses Werk war die Erstbegehung der Ödstein Nordwestkante: nachdem ebendort die damalige Alpinelite jahrelang tüftelte – und scheiterte, gelang am 25. August 1910 den italienischen Bergführern Angelo Dibona und Luigi Rizzi die „Lösung des größten Problemes der Alpen“.
  Die „Ödsteinkante“ zählt seitdem zu den Klassikern unter den großen Klettertouren der Alpen. Im Zuge der Recherchen zu diesem denkwürdigen Jubiläum kam unter anderem auch das nie veröffentlichte Manuskript „Erschlossener Gesäusefels“ des Ausnahmebergsteigers Hubert Peterka zum Vorschein. Seine akribisch verfasste, 500 Seiten starke Monografie förderte verschollene Daten und Fakten zutage, die mitunter zu einer Neuschreibung der alpinen Erschließer Geschichte in den Ennstaler Alpen führten.
  Zurecht verneigen sich die Autoren daher am Buchbeginn mit einer Reminiszenz an den „Gesäusepapst“. Geografische Aspekte, geologische Besonderheiten und so manch „Sagenhaftes“ leiten hernach zur detailreichen Besteigungschronik über: in chronologisch gegliederten Kapiteln findet eine kurzweilige Darstellung der bergsteigerischen Entwicklung statt, die mit der Erstbegehung des Kirchengrates im Jahre1850 beginnt und mit Beiträgen der Bergführer Klaus Hoi und Jürgen Reinmüller bis in die Gegenwart führt.
  Berichte aus dem Archiv der Bergrettung und diverse Statistiken runden dieses, mit 200 überwiegend historischen und teils unveröffentlichten Bilddokumenten ausgestattete Buch ab. „Die Geschichte von etwas gänzlich Unnützem“ (© Adi Mokrejs) reiht sich in die im Aufbau befindliche „alpin historische Serie“ des Schall-Verlages als weiteres Standardwerk der Alpinliteratur ein.
  Von den großen Gesäusebergen ist der Ödstein in den Anfangsjahren des Alpinismus als einer der letzten von Menschen betreten worden. Vermutlich um 1850 wurde schon er von einheimischen Jägern bestiegen, 1877 zum ersten Mal von Bergsteigern. 1910 wurde erstmals die auffallende Nordwestkante erklettert. Dabei hat sich erst eine Differenzierung der einzelnen Spitzen ergeben: aus dem schlichten „öden Stein“ der Talbewohner machten die Bergsteiger säuberlich einen Ödsteinkarturm, die Ödsteinkarwand, und den Großen Ödstein. Alpinistische Modeströmungen sind über ihn hinweggezogen, dennoch er ist bis heute ein raues, abweisendes Bergland geblieben, ein einsamer und ursprünglicher Gipfel, der auch auf den einfachsten Anstiegen ernst genommen werden will. dafür sorgen die 1500 Höhenmeter, die ihn von den Talgründen trennen, und der Umstand, dass diese in jedem Fall Kletterei erfordern.
  Der Status des Nationalparks dürfte den Ödstein zudem wohl endgültig vor einer meist fragwürdigen „Erschließung“ bewahren, die über die Erneuerung von ein paar Farbtupfern am Kirchengrat oder einige gebohrte Standhaken hinaus geht - möge er auch für künftige Generationen ein Reservat bleiben, welches noch immer eine Ahnung davon vermittelt, wie man in der Frühzeit des Alpinismus das Bergsteigen erleben konnte. Eineinhalb Kilometer ragt er über dem Tal von Johnsbach in den Himmel, der „öde Stein“: Ein gigantischer Klotz aus winzigen Muscheltierchen, als vorzeitlicher Meeresgrund in Millionen Jahren komprimiert, im Lauf unvorstellbar langsamer Katastrophen gefaltet und empor gehoben. Hundert Jahre Ödsteinkante. Tick! Ein winziges Steinchen kippt auf einen tieferen Absatz.

VORWORT der Autoren 2010-10-21
  Weshalb ein Ödstein - Buch? Ein so wenig besuchter Berg ist doch eigentlich ein Randthema? Unmittelbarer Anstoß war das alpin historisch interessante Jubiläum „Hundert Jahre Erstbegehung der Ödsteinkante“. Von der freundlichen Aufnahme des Werkes uber die „Gesäuse-Pioniere“ ermutigt, hat das Autorenteam den Gedanken aufgegriffen, dieser einst als „schwierigste Tour der Alpen“ gehandelten Route eine Broschüre zu widmen. Diese Idee hat sich aber rasch verselbstständigt, und mit tiefer gehender Beschäftigung fand sich mehr und mehr Material, das mittlerweile zum Volumen eines Buches angewachsen ist. Die Verwendung der Originaltexte bewirkt die unterschiedlichsten Rechtschreibweisen (Veränderungen wurden nur in ganz wenigen Fällen vorgenommen), sowie gelegentlich einen Bruch im chronologischen Ablauf. Eine posthume Danksagung gilt vor allem Hubert Peterka, aus dessen unveröffentlichten Texten hier vieles eingeflossen ist. Dank gebührt auch den Co-Autoren Klaus Hoi und Jürgen Reinmüller, welche die neuere klettersportliche Erschließung des Ödsteins beleuchten, ebenso Willi End, dessen Gesäuseführer als unentbehrliches Nachschlagewerk diente und ohne dessen legendären Wandfotos ein derartiges Werk irgendwie unvollständig wäre. Nicht zuletzt aber auch Kurt Schall, der als Verleger das Risiko eines solchen Minderheitenprogramms zur tragen bereit war, ohne den kommerziellen Ertrag in den Vordergrund seiner Kalkulation zu stellen.
  Es ist einfach die Geschichte von etwas gänzlich Nutzlosem. Und dann noch weiters die penible Auflistung dieses scheinbar Nutzlosen: die Geschichten all der Männer, die hier ihre Passion – in mehrfacher Hinsicht – gelebt hatten, und auch der (wenigen) Frauen, die es ihnen gleichtun wollten: Mühen und Gefahr zu suchen als Gegenentwurf zum ewig gleichen Funktionieren in einer verwalteten Welt, und welche diese damit weder beherrschen noch verbessern wollten – nur einfach nachher ein Hochgefühl empfinden, das eben nicht planbar und käuflich ist.
  Eine einzige berühmte Route war der ursprüngliche Anlass, sich mit diesem eindrucksvollen Berg zu beschäftigen. Und wie ein Kristall in einer Salzlösung zu wachsen beginnt, entwickelte sich daraus eine unerwartet reichhaltige Geschichte immer weiter. Sie wirkt in den Personen, welche diese lebten und schrieben: ohne diese pulsierenden Menschenschicksale, gleich ob drunten vom Tal aufschauend, oder mit den Fingerspitzen im Gestein verklammert, gleich ob es Eroberer der Senkrechten waren oder aber auch Bergfreunde, die schon einen der einfacheren Aufstiege als förmlichen Grenzgang empfanden – ohne sie bliebe diese großartige geologische Ausformung der Erdkruste in der Tat nicht mehr als ein „öder Stein“. Von den großen Gipfeln der Gesäuseberge ist er in den Anfangsjahren des Alpinismus als einer der letzten betreten worden, und er ist bis heute der einsamste und ursprünglichste geblieben. In jener Zeit hat sich dabei erst eine Differenzierung der einzelnen Spitzen ergeben: aus dem schlichten „öden Stein“ der Talbewohner machten die Bergsteiger säuberlich einen Ödsteinkarturm, die Ödsteinkarwand, und den Großen Ödstein. Wenn man Paul Preuß’ poetisches Bild von letzterem als „König unter Königen“ weiter ausmalen darf, ist wohl auch die Analogie erlaubt, dass ein solcher keineswegs der unbedingten Verpflichtung unterliegt, sein Felsenschloss für Busladungen mäßig interessierter, Pommes verzerrender und hinter dem Schlossportal ihr Wasser abschlagender Ausflügler zugänglich zu machen, sondern dass er – großmütig und nach Belieben – Audienzen gewähren kann.
  Dabei ist dieses Privileg auf durchaus demokratische Weise zu erwerben: für alle, die eine Bereitschaft zur Strapaze und einer Prise Ungewissheit mitbringen, was in einer Zeit des postulierten Bergkonsums und des „Spaß-Haben-Müssens“ um jeden Preis sehr Vielen als unerträglich erscheint. Als frühes Wetterleuchten einer solchen Entwicklung wurde 1979 erwogen, im Gipfelbereich eine Biwakschachtel zu errichten, in der lauteren Absicht, allfällig verspäteten oder in Schlechtwetter geratenen Kletterern eine ungemütliche Nacht zu ersparen – ein Argument, das aber für jeden anspruchsvollen Berg gelten müsste. Im Zuge der darauf einsetzenden Diskurse wurde bald das Kontraproduktive dieser Idee klar: dass eine solche Unterkunft im Gegenteil zahlreiche schlecht vorbereitete oder ausgerüstete Bergsteiger verleiten würde, sich auf diese vorgebliche Sicherheit zu verlassen, und letztlich mehr Notsituationen hervorrufen als verhindern würde. Ganz abgesehen von der Müllproblematik, mit der mittlerweile die Erhalter solcher Bauwerke zu kämpfen haben. So ist der Ödstein ein raues, abweisendes Bergland geblieben, ein Gipfel, der auch auf den einfachsten Anstiegen ernst genommen werden will. Die Ausrüstung ist zwar viel besser geworden, aber bei einem Wettersturz kann man hier trotz Mobiltelefon und Flugrettung sehr schnell auf eine existenzielle Ausnahmesituation zurückgeworfen werden, in der es ziemlich nebensächlich ist, ob man mit seinem Handy auch noch fotografieren oder die Börsenkurse abrufen kann. Was einst für die „Elite der Felsensteiger“ bestimmt war, ist ein Ziel für den gehobenen Durchschnitt geworden, doch im Gegenzug hat das allmähliche Aussterben der klassischen Kletterei manchem Winkel unserer angeblich überrannten Alpen wieder eine neue Ursprünglichkeit und Abenteuerlichkeit zurückgegeben, so auch dem Ödstein- Massiv. Nur für gänzlich hirn- und herzlose Alpinbürokraten könnte die Besucherfrequenz einen Wert an sich darstellen.
  Als der österreichische Dichter Josef Weinheber > 1938 nach dem Anschluß an Deutschland von dem vor Eifer platzenden Kultur- und Propagandaminister Goebbels gefragt wurde, wie man denn der „ostmärkischen“ (so hieß damals die österreichische) Kultur am besten dienen könne, antwortete er: „In Ruhe lassen, Herr Minister – in Ruhe lassen!“
  Der Status des Nationalparks dürfte den Ödstein nun wohl endgültig vor einer üblicherweise fragwürdigen „Erschließung“ bewahren, die über die Erneuerung von ein paar Farbtupfern am Kirchengrat oder einige gebohrte Standhaken hinaus geht – möge er auch für künftige Generationen ein Reservat bleiben, welches noch immer eine Ahnung davon vermittelt, wie man in der Frühzeit des Alpinismus das Bergsteigen erleben konnte (also: In RuhE lassen!).

Bergrettung News 2010-08-16
  Neues Buch über den Ödstein: „König unter Königen“ Von Wolfgang Bauer, ORF Salzburg Graz, 13. August 2010 - Er ist nicht der höchste innerhalb der Gebirgsgruppe, auch nicht der wildeste oder gefährlichste, und schon gar nicht der beliebteste. Dennoch wurde dem Ödstein im Gesäuse ein eigenes Buch gewidmet. Dieses ist vor allem für Gesäusekenner und – Liebhaber sowie für alpin historisch Interessierte lesenswert.
  Das historische Zitat vom "König unter Königen" stammt von Dr. Paul Preuß, dem Free Solo-Kletterpionier der Frühzeit. Der Ödstein ist ein wunderschöner Berg, imposant, mit markanten Wänden, Graten, Kanten, abweisenden Schluchten und Tausenden Felstürmchen. Und wie es sich für einen mächtigen Trabanten gehört, umfasst er mehrere Erhebungen: Großer und Kleiner Ödstein, Ödsteinkarturm, Teufelsturm. Er hat also alles, was einen „ordentlichen“ Berg ausmacht.
Und dennoch ist ein Buch über den zweithöchsten Berg im Gesäuse ein gewagtes Unternehmen. Man stelle sich nur ein Buch sagen wir über den Torstein im Dachsteingebirge oder über die Ackerlspitze im Wilden Kaiser vor ...

Ödstein – ein sperriger Name
  Beim Ödstein kommt noch erschwerend hinzu: sein Name ist Programm. Der Ödstein ist nämlich ein stiller Berg, kein Modeberg, wenig besucht, fast ein bisschen abweisend, der westlichste Gipfel der mehr als vier Kilometer langen Kalkmauer hoch über der Enns, der so genannten Hochtorgruppe, die viel bekanntere Highlights aufzuweisen hat: Planspitze, Rosskuppe, Dachl, Hochtor.
  Der Ödstein ist außerdem für Wanderer zu schwierig und für Kletterer zu abgelegen – wie die Autoren des Buches einräumen – allesamt profunde Kenner des Gesäuses und bereits bekannte Schreiber alpinistischer Werke. Warum dann ein Buch über diesen unnahbaren Prachtberg?
Ein Stück Alpingeschichte
  Das Interesse des Paul Preuß für den Ödstein ist bereits ein Teil der Antwort: Wie der große Freeclimber haben auch andere Größen der Alpingeschichte ihre Spuren hier hinterlassen. Ja, seine Nordwestkante galt vor 100 Jahren sogar als „das größte Problem der Alpen“. Und weil sich deren Besteigung 2010 zum 100. Mal jährt (am 25 August), wollte man eine Broschüre über diese alpinistische Großtat an diesem markanten Berg veröffentlichen.
  Die Autoren schafften jedoch so ungeheuer viel Material herbei, sodass es ein Buch mit mehr als 250 Seiten wurde. Die gute Resonanz ihres Werkes „Gesäusepioniere“ aus dem Jahr 2008 hat vielleicht ebenfalls dazu beigetragen, es wiederum mit einem schwarz-weiß bebilderten Werk im gleichen Verlag zu versuchen.
  Bleiben wir noch etwas bei den Großen der Alpingeschichte! Diesbezüglich erfährt man vieles aus dem Ödstein Buch. Denn niemand Geringerer als Johann Grill aus Ramsau bei Berchtesgaden, genannt der „Kederbacher“ (Erstbegeher der Watzmann-Ostwand), gilt als Erstbesteiger des Ödsteins (12. Juni 1877). Oder sagen wir es korrekt: Er gilt als derjenige, dem die erste touristische Ersteigung zuzuschreiben ist (zusammen mit Johann Pöschl).
 Denn bereits Heinrich Heß, Gesäusepionier und Verfasser des ersten alpinen Gebietsführers 1884 über das Gesäuse, vermutete, dass der Johnsbacher Jäger Fe hringer Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vorher schon ganz oben war.
  Heß hat nämlich viel mit dem alten Jäger gesprochen, und als Heß dann 1881 selbst auf den Gipfel gelangte, fand er einige Einzelheiten aus Fehringers „Jägerlatein“ in überraschender Deutlichkeit wieder.

Die Ödsteinkante
  Nach Kederbacher folgte Emil Zsigmondy als derjenige, der als erster den Hochtor-Ödstein-Grat bewältigte. Dann kamen Pfannl, Maischberger, Barth und Pichl über die verschiedenen Grate und Wände. 1910 war die Nordwestkante („Ödsteinkante“) an der Reihe, mit Stellen im V. Schwierigkeitsgrad. Die Erstbegeher: Angelo Dibona, Luigi Rizzi und die Brüder Max und Guido Mayer. 25 seiner 65 Erstbegehungen hat Bergführer Dibona in dieser Konstellation durchgeführt.
  Paul Preuß und Paul Relly schafften ein Jahr später die erste Wiederholung, mit einer kühnen Abweichung von Dibonas Route an der Schlüsselstelle („Preuß-Quergang“). 1919 erlangte die Tour traurige Berühmtheit: da stürzte der akademische Maler und Alpinist Gustav Jahn mit seinem Kletterpartner Michael Kofler mehrere hundert Meter in die Tiefe. Der tödliche Absturz erregte großes mediales Aufsehen. Jahn ist wohl das prominenteste Opfer des Bergsteigerfriedhofes in Johnsbach.
  Es sind gerade die Schilderungen der Pionierleistungen auf dem Ödstein, garniert mit Zitaten der Erstbegeher, mit Kommentaren ihrer Zeitgenossen oder dem medialen Echo, die das Buch sehr abwechslungsreich machen.
  Das gilt vor allem für die Unternehmungen an der Ödsteinkante: die Geschichten über die Erstbegehung, die erste Wiederholung, die erste Winterbegehung, der erste Abstieg an der Kante usw. – lesen sich wie eine Entwicklungsgeschichte des Alpinismus. Zumindest was das Felsklettern betrifft.
  Klaus Hois Ödsteingeschichten (der bekannte Öblarner Bergführer Hoi hat einen guten Teil seiner über 60 Neutouren im Gesäuse am Ödstein absolviert) schließen die Lücke zur Moderne.
Äußerst schwierige Rettungseinsätze
  Ein besonders lesenswertes Kapitel schildert hochalpine Rettungseinsätze im Gebiet des Ödsteins. Die Suche nach den von der Ödsteinkante gestürzten Jahn und Kofler im Sommer 1919 war bei weitem nicht die einzig wirklich extreme Aktion der Ödstein-Retter. Der "Alpine Rettungsdienst Gesäuse" ist noch heute eigenständig und einer der ältesten Bergrettungsdienste der Welt.
  Häufig mussten die Bergretter aufwändige Einsätze nach Unwettern und Wetterstürzen starten. Aus den Riesenmauern oder von den abgelegenen Graten des Ödsteins kann man eben nicht immer schnell genug fliehen, wenn das Wetter umschlägt.
  Selbst die leichtesten Abstiege vom Großen Ödstein nach Johnsbach weisen Stellen im II. Schwierigkeitsgrad auf, so mancher Weg durch eine Schlucht kann bei einem Gewitter in Minutenschnelle zu einem Bachbett werden.

Bewährt sich das Bewährte ?
 So manche Begebenheit kennt man allerdings bereits aus dem Buch „Gesäusepioniere“. Denn die bedeutendsten Pioniere in den Gesäusebergen sind nahezu identisch mit jenen, die sich an den Wänden, Kanten oder Graten des Ödsteins zu schaffen machten.
Vor a llem bei den Schilderungen über die Wiener Alpinisten (Peterka oder Schwanda) hat man als Leser beider Bücher so manches Déjà-vu-Erlebnis. Wollte man das erfolgreiche Konzept des ersten Buches nochmals versuchen? Ob dadurch dem Buch mehr Zugriffe beschieden sind als dem Gipfelbuch des Ödsteins?
Bibliografie
Josef Hasitschka/Ernst Kren/Adolf Mokrejs: Der Ödstein. Ein König unter Königen im Gesäuse. Schall  Verlag, Alland 2010. 24,50.- Euro. ISBN-10: 3-900533-61-X. ISBN-13: 978-3-900533-61-8. EAN: 9783900533618.
Cover des neuen Buches aus dem Schall-Verlag. Der Vater unseres Rezensenten WOLFGANG BAUER, der gebürtige Hieflauer RUDOLF BAUER (1920 - 2004), war in Admont über Jahrzehnte ein Bergrettungsmann für Verunglückte im Gesäuse.
 
GUSTAV JAHN 2009-09-31
  "Der Bergsteiger Maler". Auszüge aus dem Jahresbuch des ÖTK, 1927 von Dr. Karl Leopold Schubert sowie aus "Wiens Bergsteigertum von Ing. Eduard Pichl, Wien 1927. Aus dem Buch "Die Rax Juwel in den Kalkalpen", Seite 54 von Gottfried Brandstätter Höller Verlag ISBN 3-85226-082-5 1999.
Auszüge: "Kritiker nannten ihn 'den Lyriker in der Gebirgsmalerei'".
(Bildanmerkung:
S.g. Hr. Winkler Die Namensgleichheit hatte auch ich in Nachhinein im Raxbuch auf Seite 126 festgestellt. Allerdings scheint dort ein total anderes Hüttenbild auf, wahrscheinlich die Urhütte oder eine Verwechslung jedoch die Höhenangabe stimmt überein. Jahnhütte, Namensgleichheit mit G.Jahn, sie wurde nach F.L.Jahn 1778-1810 Lehrer in Berlin, Werke: 1810 "Deutsches Volkstum", "Runenblätter", 1816 zusammen mit Eiselen " Die Deutsche Turnkunst", um nur einige zu nennen.)  
"Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang."
Ein Mann wie Gustav Jahn
  .......Ein Mann wie Gustav Jahn, der jeden künstlichen Effekt als Maler vermied, um nur der Natur Ehre zu geben, konnte auch im Schnee und Fels nur vollwertiger Tatmensch bleiben. Unberührt von persönlicher Eitelkeit bilden seine bergsteigerischen Erfolge einen mächtigen Ansporn für die Jugend. Eine Unzahl von Gipfeln hatte er bestiegen, davon viele Erstbesteigungen durchgeführt, und einige neue Wege tragen seinen Namen. Mit tiefster Befriedigung erfüllte ihn die Felskletterei, die ihm auf der Rax, in den Gsäusebergen, im Glockner- und Triglavgebiet sowie in den Dolomiten unvergesslichen Ruhm bescherte....... Seite 56
  .....In der zweiten Augustwoche 1919 traf sich Jahn mit Michael Kofler in Gstatterboden zu gemeinsamen Fahrten. Am 16. August hatten sie miteinander Pfannis Weg durch die Hochtor-Nordwand in unglaublich kurzer Zeit begangen. Am Abend äußerte Gustl wiederholt seine Freude darüber, dass er sich so besonders wohl fühle und trotz seiner 40 Jahre so außerordentlich "gut in Form" sei. Darum wurde für den kommenden Tag etwas ganz besonderes, der Aufstieg über die Ödstein - Norwestkante vereinbart. Als am Abend des 17. August die zwei nicht zurückkamen, wurde man im Hotel besorgt und rief, was gerade erreichbar war, zu einer Rettungsunternehmung. Die Rettungsmannschaft brauchte nicht lange zu suchen. Im Ödsteinkar fand man am Fuße der Kante Jahn und Kofler als Leichen. Gustav Jahn wurde im Johnsbacher Friedhof, in dem schon viele abgestürzte Bergsteiger ihre letzte Ruhe gefunden hatten, begraben. Sein Name ist und ein Symbol, und als Mensch ist er uns Vorbild durch seine beispielgebenden Taten und dem Unvergänglichen seiner geschaffenen Kunstwerke.


 Raxbuch 1999-08-22 Gottfried Brandstätter >
  Die auf Seite 57 abgebildete Gedenktafel an den Künstler "Gustav Jahn" befindet sich an seinem Grab, Quelle: "Bergsteigerfriedhof Johnsbach" von Josef Hasitschka> 1997, Grab Nr.: 116.
Zu: "Die Rettungsmannschaft brauchte nicht lange zu suchen". Der Alpinschriftsteller Kurt Maix schreibt in seinem Buch "Bergeschichten" über die Bergung im Ödsteinkar: "Sie fanden die beiden. Es war nicht leicht dieses Finden. Den an mancher Stelle hatte die Kante wie ein steinernes Schwert gewirkt. Man musste östlich und auch westlich des Sockels suchen um alles zu finden – was von den beiden sterblich gewesen war. Der Absturz dürfte an der schwierigsten Stelle, beim Preußenquergang passiert sein. (
Beschreibungs Auszug)
Absturz von Gustav Jahn an der Ödsteinkante 1919
  Einer der bedeutendsten Gesäuse Erschließer aus der "Wiener Schule" stürzte am 17.September 1919 ab: Gustav Jahn. Gemeinsam mit  seinem Freund Michael Kofler stieg er an diesen Herbsttag in die Ödsteinkante ein. Vermutlich in der Höhe des "Preußquerganges" stürzten beide aus ungeklärten Umständen ab. Gustav jahn wurde auf dem Johnsbacher Friedhof begraben. Die Pfarrer von Johnsbach mussten auch später noch oft in das Sterberegister "Tod durch Absturz" eintragen. Auszug aus dem Buch "Licht und Schatten im Gesäuse" 100 Jahre Bergrettung Admont 1997 Seite 62 

A N T O N   S C H U B E R T > SONNENAUFGÄNGE

ADMONTER REICHENSTEIN

  Es war ein prächtiger Morgen, würzig dufteten die taufrischen Gräser und Büsche, nur einige lichte Wölkcken schwebten fast regungslos im blauen Äther, durchleuchtet von der Sonne, die auch die Berghäupter und Berghänge schmückte und hie und da wärmte schon ein goldener Strahl, den morgenkühlen Tag. Ahnungsvolle Vorfreude, schöner Stunden des guten Gelingens durchbebten mich und erfüllte mein Innerstes mit jubelnder Freude.

BUCHSTEIN
  Während ich empor klomm, entstieg die Sonne dem prächtig lohenden Rahmen, des Horizontes und als ich bei dem verwitterten alten Gipfelkreuz stand, auf morgenfrischer einsamer Höhe, umgeben von heiliger Stille und Sonnenschönheit, verspürte ich es, was den Einsamen tief erfasst und in Verehrung versinken lässt.

GAMSECKWAND
  Ein klarer Frühlingsmorgen umschwebte die heilige Bergstimmung, Sonnenschönheit umleuchtete, die nahen Höhen des Gefels, meines steilen Grates. Ihre Strahlen malte silberne Gebilde, in den dämmrigen Schatten der Tiefe.

GRETCHENSTEIG
   Ich betrat das Felsenhaupt, dieser kleinen hübschen Zinne, als die Sonne hell und blendend, dem rosig leuchtenden Horizonte entstieg und ihr erster Strahl das Bergland silbern färbte.

ÖDSTEIN
   Inzwischen war es Tag geworden, die hohen Wolken schimmerten rosig im Widerschein der sich dem feurigem Horizonte nähernden Sonne. Ehe ich den Wald erreichte erglänzten auch die umliegenden Höhen unter den ersten Strahlen des königlichen Tagesgestirnes.

HEXENTURM
   Die laue Sommernacht, war der frischen Kühle des dämmernden Morgen gewichen. Dessen erster Schein von Jubellauten befiederter Waldsänger begrüßt mein Tal matt erhellte und die Höhen rosig färbte.
 
STEINERNER WIRT
  Nach dieser schattenhaften Nebelwanderung war es eine Freude, die hübsche Umgebung zu sehen. Traulich hob sich das schmucke Grün von Wald und Busch vom bleichen Gestein ab, gierig tranken wir, mit den von der Großstadtluft so karg beschickten Lungen, die reine Bergluft mit taufrischen Hauche tausender Kräuter und inmitten sich immer romantischer gestaltenden Szenerien, tönte das silberhell klingende Rieseln der Quelle, zum steinernem WIRT.
 Das gute Wasser, kalt, dass einem beim Berühren desselben, in der Hand fror, war höchst willkommen und gab auch unseren Flaschen erquickenden Inhalt für die nächsten Stunden.

  Wir waren schon ober der Waldgrenze und genossen bereits einen wunderbaren Umblick. Vom Sonnenschein umgossen ruhten die Hallermauern jenseits des weiß glitzernden, von Wind’sstille gebannten Nebelmeeres, rosig schimmerten die Wände und Gipfel des langen Höhenzuges im zarten Morgenduft.
Ein in Unendlichkeit blauendes Firmament, rein und ungetrübt, umwölbte das schöne Bergland. Ich verbarg meine wachsende Freude und befleißigte mich eines Tempos, das keine Plauderei zuließ. Wir strebten schweigend zügig hinauf und brachten schneller, als ich geschätzt hatte, den langen Hang hinter uns. Dann standen wir auf dem mit einem Kreuze geschmückten Gipfel des Kreuzkogels.

  Da erwartete uns ein faszinierender Tiefblick. Der Talnebel war größtenteils verschwunden und die Morgensonne, deren milder Strahl die Höhen schon vom Rauhreif befreit hatte, überflutete auch die tief unten übersichtlich ausgebreitete Niederung. Auszug aus der gestörten Sparafeldtour Sa 1891-09-12
SONNENAUFGANG Schwächer wird der Sternenkranz,
Bunte erwachende Dämmerung,
Stärker wird ein purpurne Glanz,
Weckende Kraft der Erinnerung.
Gedanken sie kommen zurück,
Heller noch erstrahlet das Licht,
Geboren für menschliches Glück,
Am Himmel der Sonne Gesicht.
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UNZUGÄNGLICHER ÖDSTEIN
  Es war ein prächtiger Morgen, würzig dufteten die taufrischen Gräser und Büsche, nur einige lichte Wölkchen schwebten fast regungslos im bläuenden Äther, durchleuchtet von der Sonne, die auch die höchsten Berghäupter und Berghänge schmückte und hie’ und da, - wärmte auch schon ein goldiger Strahl den morgenkühlen Talgrund. Ahnungsvolle Vorfreude, schöner Tage und guten Gelingens, durchbebte mich und erfüllte mein Innerstes mit "Jubelnder Freude". Viel zu langsam für meine Ungeduld rollte der Zug taleinwärts, als wolle er die Schönheiten die infolge der windungsreichen Fahrt bald links, bald rechts oder im Hintergrund kulissenhaft auftauchten besser zur Schau stellen.
 Stumme Andacht umgab mich, als ich in Gstatterboden ausstieg und angesichts der herrlichen Berge Enns aufwärts, dann durch das malerische "Johnsbachtal" nach Johnsbach wanderte. Vor dem Donner - Wirtshaus sitzend stärkte ich mich mit einem Frühstück. Während dessen vernahm ich das Geplauder am Nebentisch, wo der alte Donnerwirt einen gleichfalls gesetzteren Herrn, Ausflügler oder Sommerfrischler, Gesellschaft leistete. Der Herr bewunderte die prächtige Gebirgslandschaft, besonders der "Große Ödstein" war es, der immer wieder seinen Blick fesselte.
 
Hinauf deutend fragte er den Wirt, was das für ein Berg sei? Der "Große Ödstein", erklärte der Wirt. Oh! "Wie schön der ist, da möchte ich einmal hinaufsteigen", äußerte sich der Herr.
 
Ich bemerkte, dass der Donnerwirt seinen Gast fast mitleidig von unten bis oben musterte, erst nach einer Weile meinte er lakonisch: Da kommen's net hinauf!
Dieses brüske Urteil, das der Herr etwas verlegen lächelnd entgegen nahm, packte auch mich. Denn bei meinem ersten Versuche den "Große Ödstein" zu besteigen, gelang es mir, infolge des einbrechenden schlechten Wetters, nur den "Kleinen Ödstein" zu erreichen. Seitdem hatte ich nichts mehr unternommen, um die Tour auf diesen Berg, der mir seit je als Urbild eines wildschönen Berges erschienen war, zu wiederholen.
 
Heute, wo ich meinen Plan schon zurecht gelegt hatte, wollte ich diesen nicht ändern, aber ich nahm mir vor, so bald wie möglich wieder zu kommen.
Dieses überlegend folgte ich dem Weg durch den Wald und über Wiesen hinauf zur Treffneralm.
  Groß und gewaltig eröffneten sich die markanten Felsgestalten des Ödsteins und des Reichensteins, hüben und drüben des Johnsbachtales leuchteten ihre Häupter in den Sonnenhimmel. Deutlich konnte ich drüben das Gelände überschauen wo ich vor einem Jahre vergebens dem Ödstein zustrebte. Auszug aus Reichenstein und Hexenturm 1982 Anton Schubert >

DER GROSSE ÖDSTEIN von Anton Schubert >
Der Große Ödstein Inzwischen war es Tag geworden Verstiegen Minutenlang versank ich Der Bergsteigerfriedhof Da unter den Toten Bergfried Chronik Die Mutter der Bergsteiger Humorvoller Ausklang Aber bitte rasch

  Der GROSSE ÖDSTEIN machte von all den schönen Gipfeln des Gesäuses den größten Eindruck auf mich. Sein allseitig mächtig emporragender Bau, steil und kühn in die Lüfte türmend, erweckte schon bei meiner ersten Gesäusetour, als ich ihn von Johnsbach aus mit seinem sonnverklärten Gipfel in den Abendhimmel tauchen sah, meine Bewunderung. Er wurde mir in seiner naturbelassenen Ureigenheit ein Begriff eines für nicht jeden zugänglichen Berges.
  Auch ich suchte mein Glück bei ihm, wagte mich aber erst an ihn heran nachdem ich alle seine Nachbarn bestiegen hatte. Im September 1892 erreichte ich über den Kirchengrat ansteigend leider nur den KLEINEN ÖDSTEIN, Schlechtwetter wie es im Gebirge oft plötzlich auftritt, hatte meinen Plan durchkreuzt. Ein Jahr später wagte ich den zweiten Besteigungsversuch, mein Vorhaben war:
  "Aufstieg vom Gamssteinsattel und Abstieg über den Kirchengrat", im Falle einer eventuellen Verspätung, wollte ich über einem mir bereits bekannten Weg absteigen.

Der letzte Gesäuse - Vergnügungszug dieses Jahres war bereits eingestellt, und da der Nachtpersonenzug wegen seiner zu späten Ankunft für diese Tour nicht geeignet war, nahm ich mir am Samstag Nachmittag frei und fuhr mit dem Eilzug nach Gstatterboden, um dort die Nacht zu verbringen.

  Sonntag wanderte ich um drei Uhr früh unter dem dunklem mit Sternen bedeckten Himmel nach Johnsbach. Auf einer Bank, vor der geschlossenen Pforte des Donnerwirtes, stärkte ich mich mit einer Morgenjause aus dem Rucksack und trank Wasser vom nahen Brunnen, dabei leuchtete durch Wolkenbreschen des bedeckten Firmamentes das bleiche Licht der schmalen Sichel des abnehmenden Mondes.
  Langsam begannen sich unter der hohen Bewölkung die Konturen der Berge vom dämmrig werdenden Äther abzuzeichnen, die Luft war eher sommerlich lau als herbstlich kühl.

Bald waren die leiblichen Bedürfnisse gestillt und ich schritt auf der steiler werdenden Straße weiter, am Kölbelwirt vorbei und dann auf den Weg hinauf gegen den Koderboden.


  Inzwischen war es Tag geworden, die hohen Wolken schimmerten rosig im Widerschein der sich den feurigem Horizonte nähernden Sonne. Ehe ich den Wald erreichte, erglänzten auch die umliegenden Höhen unter den ersten Strahlen des königlichen Tagesgestirnes.
  Bei der starken Quelle hoch oben im Walde verschnaufte ich, trank und füllte meine Feldflasche mit den erquickenden Wasser für tagsüber. Danach ging ich über den Serpentinenweg des Gamssteinhanges, überquerte den Gamssteinsattel und kam in das von den Wänden des Kleinen - und Großen Ödsteins begrenzten Kar.
Eine großartige, schier unpassierbar erscheinende Felsenwildnis, durchrissen von einer schluchtartigen Rinne, sah ich vor mir emporsteigen. Von der Steinfallgefährlichkeit dieser Route hatte ich schon vernommen, doch bis jetzt blieb alles ruhig.
Von Stille umgeben starrte ich die graue Wand empor.
  Nur das dunkle Grün, der in den unteren Partien wurzelnden Krummholzbestände der Gämsengärten gab, wenn zeitweise die Sonne zwischen den Wolken hervorlugte und die wilde Szenerie grell beleuchtete, der Düsterkeit ein eindrucksvoll entfaltetes Leben.
  Ich hatte mich schon auf ein längeres Suchen des Einstieges eingestellt, jedoch die Abdrücke von Bergschuhnägeln und ein Steinmann leiteten mich zum Wandeinstieg, Rinnen und Kamine bilden natürliche Wege. Ohne mich lange aufzuhalten, klomm ich nach dem übersteigen des Wandfußes in der Wandrinne empor, glatter - wechselte mit brüchigem Fels und wie immer in solchem Terrain achtete ich, dass mir kein loser Stein abging.
  Durch eine Art von Lärmscheuheit war ich heute besonders vorsichtig, zu meiner Genugtuung blieb alles lautlos, doch ich sollte mich dessen nicht mehr lange erfreuen.

Als ich oberhalb der Rinne über mit Rasen durchsetzte Felsen stieg und dabei fest in das Geäst des manchmal aus fast senkrechten Steinfugen ragenden Krummholzes griff, glitt ein ziemlich großer, von einem der Äste gehaltener Stein, dicht an meinem Kopf vorbei. Da ich beide Hände benötigte um mich festzuhalten, konnte ihn nicht erfassen und der Unhold trat seinen Weg in die bereits beträchtliche Tiefe an.
  Unter mir hörte ich ihn noch von Fels zu Fels schmettern und der Lärm wuchs, denn viele von ihm los geschlagenen Steine und das mitgerissene, lose Geschiebe wurde sein prasselndes Gefolge. Erst im Schutt des Kares kam die polternde Gesellschaft langsam zur Ruhe.

  Verärgert durch den von mir verursachten Tumult wollte ich weiter, doch als wäre der Steinfall ein Alarmsignal gewesen, hörte ich hoch oben das nun mir schon bekannte Geknatter von Steinen. Auch Lärm kann in Steinfall gefährdeten Gebieten einen Steinschlag auslösen, dachte ich mir. Schutz suchend kroch ich in eine durch einen kleinen Überhang gedeckte Felsnische und erwartete die gefährlichen Ungetüme.
  Zuerst kamen Gesteinstrümmer von ganz ansehnlicher Größe die alles was nicht fest angewachsen war mit sich reißend, gleich einem Wettersturm vorbei fegten, dann folgten schwirrend und pfeifend wie Geschoße die kleineren Stücke und fast etwas bedächtiger folgte der nach rieselnde Schutt. Es dauerte eine Weile bis sich der wilde Aufruhr der Unholde beruhigte und es trat eine fast unheimliche Stille ein.

  Noch vorsichtiger als bisher setzte ich den Aufstieg fort, bald näher, bald weiter von der unheimlichen Schlucht entfernt. Noch mehr als bisher musste ich während des anstrengenden Klimmens über die steilen Felsen, die Arme betätigen und das Krummholz half mir dabei mit seinen zähen Ranken.

 Meine Freude wuchs, weil ich mich auf den teilweise von Schuhnägeln und Bergstockspitzen eingeprägten Spuren immer zurechtfand, dort wo ich sie nicht sah lenkte mich ein Steinmann oder mein Instinkt.

VERSTIEGEN 
   Plötzlich wurde mein Vordringen immer schwieriger und bald darauf schon gänzlich gehemmt. Glatt und senkrecht ging es vor mir empor, angesichts dieser Ausgesetztheit wurde mir bewusst, "ich hatte mich verstiegen".
 In Erzählungen von Bergfreunden habe ich von solchen peinlichen Vorkommnissen schon gehört, doch nun als Betroffener spürte ich erst was es bedeutet:
"Wenn man weder vorwärts noch rückwärts kann."
  Vielleicht war ich wie so mancher Unachtsame, zu schnell geklettert, von der abgründigen Tiefe eingeschüchtert und von den Anstiegsschwierigkeiten ermüdet, in diese bedrohliche Situation gekommen.
  Zu meinem Glück, es war bei mir nicht ganz so kritisch, denn ich war weder müde noch nervös, einige Minuten entspannte ich mich durch kräftiges Atmen, dann betrachtete ich so lange die Umgebung bis meine Augen ein von Menschenhand zusammengefügtes Steinzeichen entdeckten.
 Es war auf gleicher Höhe, allerdings etwa hundert Meter weiter rechts, dazwischen lag die unbesteigbare glatte Wand. Obwohl es gefährlich war blieb es mir nicht erspart, ich musste einige hundert Meter, bis zum Ausgangspunkt meines Seitensprunges absteigen.

  Nur mehr einige Stellen erwiesen sich dann noch schwieriger, als sie vorher aussahen, doch allmählich ging es besser und schneller vorwärts. Der Gipfelfelsen des "Kleinen Ödsteins" kam zum Vorschein und bald darauf stand ich dort, wo ich im vorigem Jahr umgekehrt war.
  Nach diesem steilen, all meine Sinne höchst beanspruchenden Stiege, erfüllte es mich nun mit großer Freude, von nun an meine gescheiterte Gipfelbesteigung fortsetzen zu können.

  Damals hatte es durch Nebel und Regen trostlos ausgesehen, lange Zeit suchte ich ohne Erfolg die Wegfortsetzung, alles hatte sich gegen mich verschworen und das war Grund genug gewesen, ein weiteres Vordringen aufzugeben.
  Doch nun hinauf, denn der imposante Bau des nach oben hoch in die Lüfte reichende "Große Ödstein" machte den Eindruck, dass er noch eine ganz stramme Steigerei fordert.
 Deutlich sah ich oben den Gipfel hinter einem wilden Gratzacken emporragen, in der Tiefe erblickte ich meine erste nächtliche Unterkunft in den Gesäusebergen; die gänzlich vom Wald umgebenen Hütten der "Unteren Koderalm".

  Nun sind schon vier Jahre vergangen seitdem ich im Heu der Scheune geschlafen hatte, in dieser Zeit habe ich eine Anzahl von Gesäusebergen von denen mir immer einer schöner vorkam als der andere, bestiegen.
 Nun war der mächtigste von allen, der "Große Ödstein" an der Reihe, seinen Gipfel zu erreichen ist heute der Höhepunkt meines Strebens, dachte ich.
Minutenlang versank ich in diese besinnlichen Rückblicke, wie ein angenehmer Traum schwebten sie vorbei.
  In der Scharte zwischen dem Kleinen- und dem Großen Ödstein erhebt sich eine senkrechte glatte Wand, sie kann erst Hundert Meter tiefer in einem Teilabschnitt der etwas überhängig aber niedriger und griffig ist, bestiegen werden.
  Die Plattenschlucht zwischen dem Teufelszahn und dem Hauptgipfel ist für den Weiterweg ein zeitraubendes, schwieriges und offensichtliches Hindernis.
 Etwas von der gewonnenen Höhe wieder verlierend folgte ich einem bandartigen Absatz auf die rechte Seite hinüber. Auf der rechten Seite der Plattenschlucht - Böschung klomm ich über hohe Stufen, durch Risse, kleine Kamine und von Band zu Band bis zum Gipfelgrat.

  Nun ist durch lockeres Geschiebe mit großen wackeligen Blöcken der steile Aufstieg sehr mühsam, fast gefährlich. Die Sonne brannte und ich war froh aus den weiß glitzernden, heißen Reflexen empor in die kühle Luftströmung des freien Grates zu kommen.
  Einige ausgesetzte Stellen, ein luftiger Gang angesichts der um mich allmählich versinkenden Umgebung, dann oh Freude, der Steinmann als Gipfelzeichen des "Große Ödstein".
 Umgeben von ungeheuren Abgründen, die den Berg noch markanter gestalten, ließ ich mich zu einer Rast nieder und entnahm aus den Tiefen des Rucksacks alles Essbare um mich zu stärken. Es dauerte nicht lange und ich war satt, denn zu sehr war mein Innerstes voll Freude, voll des beseelten Gefühl´s, im Glanz und in der Gloria eines Sonntages, nun endlich auf der heißersehnten Zinne zu stehen.

  Es war kein Wunder, wenn das junge, in seinem Glück schwelgende Herz vorläufig stärker war, als der den irdischen Genüssen unterworfene Magen.
"Wer nie allein und nur einem inneren Drang folgend eine Berg erstieg um einsam und zufrieden auf den Gipfel zu stehen,
Dem ist die Stille, frohe und zugleich weihevolle Stimmung unbekannt, welche der Zauber schier Welt entrückter Höhen hervorruft
."
  Bei manchen Bergwanderungen begegneten mir unterwegs sehr viele Touristen, die dann am Gipfel kleine Volksansammlungen bildeten, doch inmitten dieser plaudernden, lachenden und Witze machenden Menschen, hatte ich nie das große Naturerlebnis.
  Nur auf einsamen Höhen empfand ich das große Wunder der Schöpfung und da ergriff es mich manchmal ganz gewaltig.
Ein solcher Idealzustand ist heute und im Anblick der ringsum dicht gescharten Berge und der schwindelnden Tiefen, vergeht die Zeit wie ein schöner Traum, dachte ich.
Als ich wieder einmal hinüber zu meinem kühn geformten Bergnachbarn dem Reichenstein blickte, erwachte ich plötzlich aus meinen Träumereien: Unheilverkündende dunkle Wolken waren mittlerweile am westlichen Horizont aufgezogen und verliehen dem Berg mit seiner bleichen Felsengestalt eine dämonische Wildheit.

  Nun war es höchste Zeit für den Abstieg, so nahm ich meinen Rucksack und verließ eilig den Gipfel. Kaum hatte ich ein Stück des Weges zurückgelegt, da hörte ich auch schon die aus der Ferne eindringlich zur Eile mahnende und dumpf grollende Stimme eines Gewitters.
  Eine besondere Konzentration wegen des lockeren Gesteines und das Suchen nach dem richtigen Abstiegs Ryhtmus, hemmte meine Schnelligkeit, es dauerte deshalb eine gute halbe Stunde bis ich nach dem schwierigsten Teil, wieder das große Couloir betrat.
 Nun donnerte es in kürzer werdenden Zeiträumen immer dröhnender und das Echo grollte in den Wänden, die Wolken über mir wurden bedrohend dunkler. Als ich an der Mündung meines Anstiegsweges vorbei am südlich abdachenden Kamm des "Kleinen Ödsteins", befürchtete ich den Beginn eines Infernos. Gott sei Dank war es nicht so und ich nützte die Frist um möglichst weit unten den kalten Umschlag des Gewitters zu verspüren.

 Im Angesicht der Gefahr und diese war nicht zu unterschätzen, verdoppelte ich die Schnelligkeit meines Abganges, als ich über den allmählich gratartig werdenden Fels abstieg, regnete es zwar noch immer nicht, aber ich fühlte ein durch die elektrisch geladene Luft ausgelöstes unangenehmes Prickeln. Um wegen der erhöhten Blitzgefahr schleunigst vom Grate zu verschwinden, hastete ich abwärts zur Gratscharte und jenseits dieser in die gegen Johnsbach gekehrten Wände.

  Im fahlen Dämmerlichte des grausigen Widerscheines der Blitze vom Reichenstein, sah ich in der Tiefe das jäh versinkende Gefels verschwinden und am leicht verschleierten Grunde des Tales, die Häuser Johnsbachs. -Wie schön wäre es nun da unten zu sein und vom Donnerwirt aus dieses grandiose Naturschauspiel des Gewitters geruhsam bewundern zu können, anstatt inmitten der entfesselnden Elemente, deren gröbsten Widerwärtigkeiten hinnehmen zu müssen!

  Das war beim vollen Anblick des düster gezeichneten Bildes vom herannahenden Unwetter, meine Gedanken. Doch schon bald beschäftigte mich wieder meine bedrohliche Lage, die keine Träumerei duldete sondern die angstlose Tat verlangte, denn die gewaltige Tiefe eines Tausend Meter - Abgrundes lag noch zwischen mir und Johnsbach.

 Diese Erkenntnis machte mich trotz der Notwendigkeit sorgfältig zu schauen um den Weg nicht zu verlieren, vorsichtig zu sein um nicht abzustürzen, noch flinker und während ich abstieg, halfen mir meine aus dem Vorjahr stammende Erinnerung.

 Diese leitete mich durch die unterhalb der Scharte steil verlaufende, immer breiter werdende und schließlich in eine flache, abschüssige Verschneidung übergehende Rinne über teils mit Rasenpolstern bewachsenen Felsabsätze tief im steilen Gehänge, nach anstrengendem langem Klimmen am Kirchengrat hinunter.
 Diesen Namen erhielt der vom KLEINEN ÖDSTEIN absinkende Felsenkamm, wegen seines Verlaufes in Richtung der Kirche von Johnsbach.

 Zufrieden, die Route ohne fehl zu gehen eingehalten zu haben, folgte ich jenseits der deutlicher gewordenen Wegspur und wo sie mir entging half mir mein Gedächtnis weiter.
Dadurch bestens unterstützt ging es ganz flott durch die Wandrinne, die im unteren Teil durch eine Krummholzzone mit vereinzelten Bäumen und schließlich über einen steilen Absatz mit brüchigem Gestein, zur Steilschutthalde führt.
 Der anregende Verlauf des Felsenweges hatte meine Sinne so sehr beansprucht, dass ich mich nicht mehr um das Wetter gekümmert hatte, dieses war inzwischen verzogen und die Sonne lächelte durch leichtes Gewölk; der Ödstein entließ mich gnädig.

  Glücklich über die Gunst des Wetters, stieg ich über die Halde zu dem beginnenden Waldgraben hinunter und wanderte an einer Köhlerei vorbei nach Johnsbach. Nachdem meine hoffnungsvoll begonnene Bergfahrt so wunderbar verlaufen war, spürte ich einen mächtigen Appetit und einen noch mächtigeren Durst.


DER BERGSTEIGERFRIEDHOF
  Schnellen Schrittes eilte ich auf der Straße nach Johnsbach hinunter und saß bald im Gastgarten vor dem Donnerwirtshaus.
Angesichts meines prächtigen Berges stärkte ich mich und überlegte mein weiteres Handeln. Es war fünf Uhr, da mein Personenzug nach Wien erst um elf Uhr abends fuhr, hatte ich noch viel Zeit. Während ich so sann fiel mir ein, dass ich noch nie im Bergsteigerfriedhof von Johnsbach war, um die Gräber der verunglückten Touristen zu besuchen. Deshalb nützte ich den mir vom Wetter, weil es mich so schnell vom Ödstein hinunter getrieben hatte, verschafften Zeitgewinn dazu.
 Mir war nachdem ich nach dem Öffnen des Eisentores den kleinen Friedhof betrat, als würde ich in einer anderen Welt zu der kein Hauch des menschlichen Getriebes mehr dringt, wandeln.

 Ich war allein inmitten der mit bunten Blumen geschmückten, vom düsteren Ernste der erhabenen Majestät des Todes umwitterten Grabhügel. Der Eindruck den diese geheiligte Idylle des ewigen Friedens hervorrief, war mir unerklärbar.
 Was mich so schmerzlich bewegte, wird mir ein Leben lang ein Rätsel bleiben und ich war froh in dieser Verfassung allein zu sein.

Vielleicht war es der krasse Gegensatz, hervorgerufen durch den schnellen Übergang von der sonnigen Gipfelhöhe des Ödensteines, zur tiefen Schwelle des geheimnisvollen Schattenreiches? Oder war es nur ein angstvolles Schaudern ?


Da unter den TOTEN wird auch mein KÖRPER einmal modern
  Obwohl die Namen der stillen Schläfer; teils Einheimische, teils Touristen, nur verschwommen vor meinen Augen zitterten, dass ich sie nur mit großer Mühe lesen konnte, trieb es mich von Grab zu Grab, von Reihe zu Reihe um die Kirche herum.
 Ich habe schon Bergfriedhöfe, in denen viele Bergführer und Bergsteiger in Frieden ruhen aufgesucht, aber immer nur die Pietät des Lebenden gegenüber dem Totem empfunden, noch niemals aber spürte ich diese Ergriffenheit, wie auf diesem von herbstlich bunten Lauben umgebenen, einsamen und kleinem Gottesacker.

In seiner weihevollen Stille hatte er meinem seelischem Empfinden viel zu berichten, von dem fassungslosem Trennungsschmerz und der Trauer.
  Aus der gewaltigen Höhe blickten der vom Abendrot umflutete Kirchengrat mit seinen Türmen und die Wände des "Ödensteins" auf die zu ihrem Füßen liegende letzte Ruhestätte der gefallenen Männer, deren Kreuz - Inschriften mir vom Berg ihres Schicksals, wo die unabwendbare Parze plötzlich ihren Lebensfaden durchschnitten hatte, erzählten.

  Ich wollte mich schon entfernen, da hörte ich draußen Schritte, ein Priester erschien am Eingang, er sah mich und ging wieder. Es war der Pfarrer von Johnsbach ein schon älterer Herr, ich hatte ihn einmal an einem Tisch der Vorstube des Donnerwirtes, im unterhaltlichen und belehrendem Gespräche mit Johnsbacher Bauern, beobachtet.
   Bei den Touristen war er wegen seiner guten Gesinnung zu ihnen und durch sein originelles Wesen, sehr beliebt und bekannt. Gab es an Doppelfeiertagen beim Donnerwirt kein freies Bett mehr, verschaffte er den Schlaf bedürftigen Wanderern bei diversen Einheimischen Quartiere.

 
Ich befürchtete, dass meine Verfassung den Augen des Pfarrers nicht verborgen geblieben war und um eventuellen Fragen die ich nicht beantworten konnte auszuweichen, wartete ich ein Weilchen und verließ dann schnell den kleinen Friedhof.

Der BERGFRIED von JOHNSBACH   Chronik 
 Eine 1958, von den alpinen Vereinen und von Bergrettungsmänner errichtete Gedenkstätte. In einem Kupferbuch und auf Tafeln im Friedhofportal, sind die Namen aller seit dem Jahre 1810, im Gesäuse tödlich abgestürzten Bergsteiger vermerkt. Auch die Grabstätte der Gesäuse Bergsteigermutter KATHARINA DITZ befindet sich im Bergfried.
Mit der Entdeckung des Gesäuses als hochalpines Touristenparadies für Berg begeisterte Wiener bekam der Johnsbacher Friedhof in der Steiermark eine neue Aufgabe. 1885 trug man auf Stangen die ersten Opfer vom Reichenstein herunter und bettete sie zwischen den Johnsbacher Bauern zur letzten Ruhe. Heute sind am Johnsbacher Bergsteigerfriedhof 83 Verunglückte bestattet. Der Friedhof wurde nicht planmäßig angelegt, sondern wuchs nach und nach. Alte Friedhof Pläne belegen, dass bereits vor der Jahrhundertwende auch im rechten Teil des Areals Gräber von Einheimischen wie von Bergtoten angelegt wurden. Der linke, südliche Teil des Friedhofs, war eher den Einheimischen vorbehalten, der rechte, also östliche und nördliche Teil, vornehmlich den Bergtoten. Ab den Fünfzigerjahren wurden die Unfallopfer zwar weiterhin in der alten Johnsbacher Totenkammer aufgebahrt, immer häufiger aber dann in ihre Heimatorte überführt. Das letzte Bergopfer fand Anfang der Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts am Johnsbacher Bergsteigerfriedhof die „ewige“ Ruhe.
Die Mutter der Bergsteiger

Die Geschenke von armen Leuten,
Sind der Inbegriff des Guten.
Sie war eine von vielen,
Und doch in ihrer Art einzigartig.
  • Widmung im >
Grabstätten des Schriftstellers und Malers
GUSTAV JAHN und seines Seilgefährte MICHAEL KOFLER
die im Jahre 1919, bei der Besteigung
 der Nordwestkante des Großen Ödsteines, tödlich abstürzten
 
Den BERGEN treu
Im Jugendglück
Den Weg vollendet Grab Nowotny und Wimmer

Landfahriges HERZ, in Stürmen geprüft,
Im Weltkampf erhärtet und oftmals doch
Zerknittert vom schäbigen Kleinmut,
Du hast eine Ruhe ein Obdach gefunden,
Hier magst du gesunden. Grab Müller

Ach der zu wissen begann und schweigt nun,
Ausgesetzt auf den Bergen des HERZENS. Rilke >
Grab Reifschneider

Zur MUTTER Erde gingst du still nach Haus,
Um auszuruh‘n vom letzten schweren Gang.
Doch jauchzend flog deine Seele hinaus
Ins Sonnenglück hoch über Grat und Hang. Grab Gössnitzer
HUMORVOLLER AUSKLANG
  Während ich im abendlichen Dämmerlicht des scheidenden Herbsttages durch das "Johnsbachtal" wanderte, war ich so besonnen, dass mir auch die faszinierende aus Schluchten Zinnen und Graten bestehende Felsenwildnis, des sich rechts neben dem Bach steil erhebenden "Ödsteines", nichts abgewinnen konnte.
  Erst als die zwischen den Baumwipfeln sichtbar werdenden dunkelpurpur verschimmernden Wände des Großen Buchsteines sichtbar wurden, kam allmählich die Stimmung die eine gelungene Bergtour immer auslöst, wieder zurück.
 Bei meiner Ankunft in Gstatterboden war es schon dunkel, doch begünstigt durch die angenehme fast laue vom Duft des Waldes angereicherte Luft, saßen viele Gäste auf der offenen Terrasse und im anschließenden Waldgarten an den beleuchteten Tischen, des Gasthauses.

 Im Blickfeld der aus schwarzen Bergwäldern dunkel und formverwischt nur mit den obersten Umrissen hervorragenden Silhouetten des Ödstein - Hochtorzuges, machte auch ich es mir da draußen bequem.

 Ich glaubte nun die Zeit bis zur Ankunft meines Zuges in ungestörter, beschaulicher Ruhe verbringen zu können, doch ich sollte noch etwas erleben, was mich anfangs ärgerte, aber dann erheiterte.

Aber bitte rasch
  Bei dem um mein Begehren fragenden Wirt bestellte ich eine Omelette und Wein, gleich darauf kam eine am Nebentisch Platz nehmende Gesellschaft hastig wirkender Menschen. Als ob sie mit dem nächsten Zug abfahren würden, bestellten sie bei der durch ihr geräuschvolles Auftreten rasch herbei geeilten Kellnerin, Getränke und Speisen, ein Mann davon verlangte eine Omelette "aber bitte rasch"!
 Schon nach wenigen Minuten brachte die Kellnerin das Gewünschte, darunter auch wie ich es mit sehr gemischten Gefühlen sah, auch für den ungeduldigen Herrn eine Omelette.
 Dieser lobte die schnelle Erledigung und begann sogleich mit der Verzehr der appetitlichen Speise. Obwohl mir noch genug Zeit zur Verfügung stand, war ich keineswegs damit einverstanden, dass ein später gekommener Gast früher bedient wurde. Da es auch sehr nahe lag, dass man auf mich vergessen hatte, sagte ich meine Bedenken dem unfern von mir sitzenden und mit einem Gast plaudernden Wirte.
 Dieser erinnerte sich des Auftrages und enteilte mit dem Ruf: SOFORT! Nach geraumer Weile erschien er auf der Veranda, mit einem großen ovalen Teller, auf dem sich, wie mir vorkam, ein gebratenes Huhn befand, also wieder nichts für mich! Der Wirt stieg die paar Stufen in den Garten hinab und kam, begleitet von den neugierigen Blicken der Gäste an denen er vorbei gegangen war, direkt zu meinen Tisch. Je näher er kam desto mehr Blicke folgten ihm, an seinem mir zulächelnden Gesicht erkannte ich dass er zu mir kam. Gleichzeitig bemerkte ich, was mir schier ganz unglaublich vorkam, was er trug war kein Huhn sondern eine Omelette, die wegen ihrer enormen Größe die allgemeine Bewunderung ausgelöst hatte.

 
"So bitte hier ist das Bestellte, es ist nur stark gewachsen weil sie solange warten mussten"! sagte schmunzelnd der Wirt und nachdem er mir die köstliche Speise vorsetzte, stand ich im Mittelpunkt aller Blicke.

 Da bleibt sicher was übrig, rief mir ein Herr zu, es war wie bei einem Schauessen, es fehlten nur noch die diesbezüglichen Wettabschlüsse. Mein Appetit war groß, die Riesenomelette war schmackhaft und leicht bekömmlich, so dass schon nach kurzer Zeit das duftige Gebilde der Kochkunst vom Teller spurlos in meinem Magen verschwunden war.
 Es schien als ob nun diese erheiternde Episode beendet sei, sie sollte sich jedoch in geänderter Form und in einer anderen Besetzung zu einem Zwerchfell erschütterten Höhepunkt aufschwingen. Viele Gäste hatten davon bereits die richtige Ahnung, die mir da ich von meiner nahrhaften Beschäftigung voll beansprucht war, noch fehlte.

Als Augenzeugen meiner Riesenomelette und meines verschwenderischen Mahles, hatten zwei Touristen ebenfalls Omeletten bestellt. Sie waren der Meinung ebenfalls die großen Portionen zu bekommen und ihre diesbezüglichen erwartungsvollen Äußerungen, wurden durch den Zuruf eines Gastes! "Eure Omeletten werden noch größer sein", bestärkt.

 Bald verbreitete sich die zu erwartende Schadenfreude wie ein Lauffeuer und alle harrten gespannt auf das kommende Geschehen.

 Bald war es soweit; es wurden Normalportionen serviert, die im Vergleich zu meiner sehr winzig erschienen. Das allseits beginnende Gekicher wuchs an zu schallendem Gelächter, als wegen der geringen Größe der Speise, die Gesichter der Empfänger immer länger wurden. Dieses Mienenspiel geschah unwillkürlich aus dem Innersten heraus und war deswegen so komisch ausdrucksvoll, dass sich niemand mehr das Lachen verhalten konnte.
  Alle lachten, sogar der Wirt und die Kellnerin, die ohne es zu wissen die Urheber
dieser Humoreske geworden waren, die Gesellschaft die es jedoch anfangs so eilig hatte zu ihren Speisen und Getränken zu kommen, war bei meinem Abgang noch immer anwesend.
   So endete mit Heiterkeit meine vom Anfang bis zum Ende gelungene, herrliche Bergfahrt. Ich nahm Abschied von dem mir zu einem Paradiese gewordenen Gesäuse und seinen Bergen, meinen Glücksbringern. Das Gelöbnis eines möglichst baldigen Wiedersehens endete in dem Wunsche, dass ein gütiges Schicksal es mir bescheren möge, die Berge, die mir in der Jugend den Weg wiesen der mein Leben entscheidend geprägt hat, noch viele Jahre besteigen zu können. Sie sollten mir einst im Alter noch immer so sein wie damals, als ich sie als Kind das erste Mal erblickte und so wie ich sie als Jüngling das erste Mal erstieg.

Quelle: Anton Schuberts > handgeschriebenen Aufzeichnungen "Unvergessliche Stunden einsamer Bergfahrten im Zauber des Gesäuses"

Das Entstehen einiger alter Raxsteige Raxbuch Seite 134 Gottfried Brandstätter >
  Viele Wege auf der Raxalpe als Alm- und Jagdsteige schon lange vor dem Beginn der erschließenden Touristik in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Von da ab wurden von den alpinen Vereinen Wege geschaffen und Markierungen angebracht, von erfolgreichen Bergsteigern Pfade ausfindig gemacht und erstmalig durchstiegen, die zur damaligen Zeit als seht gefährlich und schwierig galten.
  Das Gaisloch wurde auf Veranlassung von Herrn Guido von List in Erinnerung seines am 5. Mai 1870 erfolgten Absturzes, wo er wie durch ein Wunder nur kleine Abschürfungen erlitten hatte, im selben Jahre noch vom Österreichischen Touristenclub gangbar gemacht.
  Der Gamsecksteig wurde von Herrn Moritz von Statzer ausfindig gemacht und im Jahre 1876  vom Österreichischen Touristenclub gebahnt und versichert.
  Die Teufelsbadstube ließ um das Jahr 1825 Erzherzog Johann für seine Jagdzwecke steigbar machen. Dieser Steig verfiel im Laufe der Jahre und wurde erst im Jahre 1877 von den Herren Fickeis und Kritschker durch Zufall wiederentdeckt und gleich durchstiegen. Im Einverständnis mit der Jagdverwaltung wurde der Steig vom Österreichischen Touristenclub instandgesetzt, gesichert und rot markiert.
  Der Klobenwandsteig, später Graf Hoyossteig genannt, war einer in den 80er Jahren ebenfalls für die Jagd geschaffener Steig. Auch er verfiel im Laufe der Jahre, so wie die Teufelbadstube. Erst 1912 (12 Jahre später) wird er wieder vom Österreichischen Gebirgsverein hergerichtet, gesichert und rot markiert. Auszüge aus dem "Berggedenken III" von Anton Schuberts >.

DAS ÖDSTEINLIED 1986 Vorstellung Kassette Morgenlied Lied Text Noten Gedicht
 
ÖDSTEINLIED Vorstellung 1986 > ^ >
  Anlässlich des Anton Schubert Gedenkjahres 1986, erlaube ich mir das dazu geschaffene Ödsteinlied vorzustellen. Für diese Melodie hoffe ich ihre Gewogenheit und ihr Interesse hervor zu rufen. Gleichzeitig soll auf diese Weise der Versuch unternommen werden, den Bekanntheitsgrad der Bergpoesie des Schriftstellers Anton Schubert ihren gerechten Stellenwert zu geben. in seinen eindrucksvollsten Werk Der Große Ödstein, hat er dieser Berg Majestät ein unvergängliches Denkmal gesetzt.
  Am 1.051986 wurde aus diesem Grunde in der Weißen Höhle der Südwand des Kleinen Ödsteins eine Gedenktafel enthüllt und zusammen mit dem Anton Schubert Gedenkstättenbuch, den Bestimmungen zugeführt.
  Die Hochtorkette Ödstein - Hochtor - Planspitze, zeigt in geologischer Hinsicht einen Mannigfaltigen Aufbau der nach Südosten  geneigten Schichtfolge, es reicht die dolomitische Basis des Ödsteins am höchsten hervor. Im Schichtwechsel zum Dachsteinkalk entstand die Höhle mit drei Ein- oder Ausgängen, die Begehung wurde mit einer Drahtseilsicherung erleichtert.
  Nach dem Wandeinstieg des Gamssattelweges wird die Wandschlucht unterirdisch fortgesetzt, vor der großen Wandfußhöhle  kann  der Zustieg von unter erfolgen. Nach einen Überhang 4+ und einen 180 Grad Umkehrkamin gelangt man, in den mit weißen Felsblüten, bewachsenen Gedenkraum. Weiterhin führt ein Schlupf in den Wintergarten, eine auch im Winter begrünte Felsnische der Südwand.
Weiterhin wurde das Steigbuch des Abseilturmes restauriert hinterlegt.
^  Tonaufzeichnung  > ^ >
  • A - 01 Symphonie Ausschnitt Franz Schubert> 02 Wie schön ist es wenn i siach di Suan aufgehn Volkslied Kantorei Altmannsdorf 03 Im Frühjahr über die Olm daher Johann Ploder 04 Die Pfeiferl Buam Flötentanz 05 Waldviertler Tänze: Geige Alexandra Wimmer Harmonika Walter Wimmer> 2005 Gitarre > 06  Das Ödsteinlied Bruno Mayer Geige Wimmer Alexandra 06.1 Am Gipfel des Großen Ödstein Melodica > 07 LYRIK Ich hab darüber nachgedacht Frau Silvinger 07.1 Einst wacht ich auf > 08 AVE MARIA  Johann > Ödstein Lied.
  • B - 09 GIPFELGESPRÄCHE  09.1 Die Bergsteigermutter Frau Ditz 10 Berg frei 10.1 Das Gebet des Waldes Stefan > 12 BEIM KÖBLWIRT 12.1 Wohl in der Niederschwing 12.2 Der Alpenbrunnen Öblarner Bergmusik 12.3 Die Steirische Öblarner Bergmusik Johann Galler 13 Gedenken an den Weitwandervater Carl Hermann > Ruhestätte Paulus Kapellen - Urne Weinebene Fürbitten  15 Das Katschatallied Murtaler Sölk Singgruppe Rauch.
 
ÖDSTEINS Morgenlied > >
 
Schon zeichnen Silhouetten

Im Schlummer des Vergessen
Vom Schlafe noch besessen
Auf moos’gen Silberbetten.
  
Das Lied von meinem Leben.
Die Drossel singt vertraut,
Die Wimpern, sie sind betaut
Das Herz beginnt zu beben.
  
Unwiederbringlich ist die Zeit,
Nebel Schleier fallen nieder,
Sie geht und kommt nie wieder
Im Odem der Vergänglichkeit.
  
Unter Wolken ruhet das Tal,
Von ferne rauschen die Bäume,
Mir ist es als ob ich es träume
Das Märchen es war einmal. Steigbuch Abseilturm
 
ÖDSTEINLIED > >
  
Es ragt der Ödstein steil hervor
Im sonn'verklärten Widerschein
Und wieder zieht es mich empor
Zu seinem Felsenschrein.
Jodler                    
Mit ist es als ob ich träume
In herrlich freier Natur,
Umgeben vom Rauschen de Bäume        
Vom Schönem und Gutem nur.
Jodler
Nur du allein du stein’ger Ries‘
In dem Gesäuse Paradies
Mach dass, die Flamme wieder brennt
Und man den Anton Schubert kennt.
Jodler
Ödsteinlied Gedicht 01-28
01
Einsam wandle meine Bahnen

Flinker Schritt nicht lang gefragt,
Einmal loben einmal mahnen,
Finde was mir niemand sagt,
Viel erkennen, vieles ahnen,
Wie das Herz es in mir tragt,
Wandelbar an jeder Stelle
Des Lebens heil´ge Quelle.
02
Wie der Sommervogel singt
Will ich nun den Sang anheben,
Der die Seele tief durchdringt
Und die Töne sollen schweben
Traurig, aber auch beschwingt
Auf und ab so wie das Leben.
Von dem Berg gleich Elfenbein
Von dem Großen Ödenstein.
03
Aus verschwieg´nen Quellen
Die im Verborg'nen fließen,
Wo an den geheimen Stellen
Seltsame Blumen sprießen.
Neben den anderen Gesellen,
Ragt der Gipfel eines Riesen.
In einsamen Stunden
Ein Ort zum Erkunden.
04
Der Ödstein ragt hervor,
Nun endlich allein zu sein
Und er zieht mich empor
Zu seinem Felsenschrein,
Zum seinem Felsentor,
Im fahlen Dämmerschein.
Ferne Silberschwingen
Künden gutes Gelingen.
05
Rauschende Bäume
Schöpfer Skulptur,
Lebendige Träume
Eine Zeit ohne Uhr
Freiheit der Räume,
In der dreien Natur.
Dunkel gebricht
Es werde Licht.
06

Die Berge erhellt
Leuchtende Wand,
Dämmerungs Zelt
Schlafendes Land.
Neu gebor'ne Welt.
Mit sicherer Hand,
Hin zu Dir nur allein
Du mein Ödenstein.
07
Entwichene Nacht
Gefieder Gesang,
Herzlich gelacht,
Verlorener Zwang,
Betörende Pracht
Ein trauter Gang.
Auf alter Spur
Zur Felsenflur.
08
Lauten Schwung
Im Widerhallen
Und als Losung
Ein Lyra Schallen,
Ewige Wanderung
Nebel sie fallen.
Steigender Aar
Im Sonnenklar.
09
Wenn alles beginnt
Leben und sterben,
Ein spielendes Kind
Samen der Erden,
Wenn alles zerrinnt
Vergehen, Werden.
Silberne Flammen
Scheinen zusammen.
10
Im Fluge auf Zeit,
Ein Schmetterling
Vom Kokon befreit,
Flatternder Frühling
Zu schweben bereit,
Wechselnden Ring.
Am Gipfel stehen,
Weilen und Gehen.
11
Latschen ohne Pfad
Stieg mit Wunden,
Ein Gewitter naht,
Den Weg gefunden
Zinnen, Kirchengrat
Müde, zerschunden.
Blitze, Donnerknallen
Hagel, Nebelwallen.
12
Nun zum Verdruss
Purgatoriums Pein
Samuel zum Gruß
Auf dem Ödenstein
Nun zum Schluss
Kämpfen um's Sein.
Hasten und fluchen
Unterstand suchen.
13
Angstvoll getrieben
In dunklem Schlund,
Hängend getrieben,
Angstvoll und wund
Dankend verblieben,
Über den Abgrund.
Auf steinernem Kissen
Dem Tode entrissen.
14
Blitze zucken, Wetterfall
Große Angst kleiner Mut
Hagelschlag, Donnerhall
Stürme tosen Wasserflut.
Sicherheit und Unterstand
Eine Höhle in der Wand.
15
Wenn die Sehnsucht brennt,
Hoch über dem dunklen Land
Rötet sich das Firmament,
Wo Anton Schubert stand.
Nun ein stilles Gedenken,
Die Schritte weiter lenken.
16
Das Herz im Leibe lacht
Licht auf den Türmen,
Blasse Sommernacht,
Zum Gipfel stürmen.
Der graue Nebel wallt
Der Vogelsang schallt.
17
Frei wie ein Vogel im Wind,
Samen schweben zur Erde,
Frei wie die Quelle entspringt,
Frei wie Mähnen der Pferde.
Sehnsucht nach Wahrheit
In der erhellenden Klarheit.
18
Was ich suchte, was ich fand
Manches fühlen, vieles ahnen.
Freier Blick aus steiler Wand
Wandle freudig neue Bahnen
Alles Anfang alles Ende
Und die große Lebenswende.
19
Verschwieg'ne Geistes, Quellen,
Aus der Schöpfung sich ergießen,
An den wundersamen Stellen,
Wo die kühnen Gipfel grüßen.
Herzensschatz, frohe Stunden
Auf dem Ödenstein gefunden.
20

Vergessen sind Zeiten und Räume,
Dem Glücklichen schlägt keine Uhr,
Mir ist es als ob ich noch träume,
Von dem Gutem und Schönen nur.
Strahlen, die schon lange schliefen,
Erwachen aus den heil`gen Tiefen.
21
Trautes Wesen, traute Weise,
Anton Schubert nur du allein
Wie der Flügelschlag so leise
Bei der Sonne letzten Schein
Einen Gruß und eine Bitte:
Lenke weiter die Schritte.
22
Ost es Anfang oder Ende?
Nun auf zu neuen Bahnen,
Einst Neige - nun die Wende
In der Wand auf den Altanen.
Einst Fährnis - nun Legende,
Vieles sehen, vieles ahnen.
Berge sie bleiben stehen
Menschen weiter gehen.
23
Ich steh am Gipfel und träume den Traum:
Der einsamen Berge voll Zauber und Wunder
Leise ganz leise Musik, noch ich höre sie kaum,
Ein Klingen, ein Schweben herauf und hinunter.
Gedanken entschweben ohne Zeit, ohne Raum
Scheinbar entrückt und doch wieder munter.
Entschwebt in ein Schweigen
Um noch länger zu Verbleiben.
24
Schäumende Enns, Gesäusetor
Auf grüner Flut der Sonne Glanz,
Immer noch schöner als zuvor
Mit Saus, Braus und Wassertanz.
Aus dem stein'gen Bett hervor
Gischt, Dunst und Wellenkranz.
Zauberberg Du Ödenstein
Gesäusekönig bist allein.
25
Gedanken wandern verweilen,
Traute Wesen, traute Weisen,
Getragen wie von flinken Pfeilen
Und Sie fliegen und sie kreisen.
Erste Schritte und erste Zeilen,
Alle nun den Frühlings preisen.
Eroberer - Forscherträume,
Blauer Himmel und Bäume.
26
Frei der Sinn und frei das Denken,
Geführt die Feder mit Verstand,
Halte stille nun zum Gedenken
Frei der Blick von steiler Wand,
Nicht zu kaufen und schenken
Ist ein Stück vom Heimatland.
Die stille Andacht um mich blickt
Was ich erträumt es ist geglückt.
27
Im Geiste will ich bei ihm sein
Zum Gedenken noch ein Halt,
Für Anton Schubert ganz allein
Ade du schöner grüner Wald,
Ade du letzter Sonnenschein
Des Abschied´s Lied erschallt.
Im Herzen schließe ich Dich ein,
Nun Ade Du mein Lieb Ödenstein.
28
Einsam wand`le meine Bahnen
Flinker Schritt nicht lang gefragt,
Einmal loben einmal mahnen,
Finde was mir niemand sagt,
Viel erkennen, vieles ahnen,
Wie das Herz es in mir tragt,
Wandelbar mit bunter Welle
Ist des Lebens heil'ge Quelle.
>
 
ÖSTEIN ERINNERUNGEN
RÜCKBLICK
  Samstag: Nach dem Aufstieg vom Koderboden, beobachteten wir eine sich gemächlich in die Gämsengärten des Ödsteines zurückziehende, Gämsenherde. Am Wandeinstieg, Gamsstein begann es zu regnen, verständlicherweise wurde unser Tatendrang gehemmt:
  Eine seltsame Naturerscheinung begann; knapp über uns vor  der Südwand hatte sich aus Nebelschwaden eine einzelne Regenwolke gebildet. Oh wie schade, alles ist ins Wasser gefallen! hörte ich rufen. Doch! So plötzlich wie der Regen gekommen war hörte er auf'.

  Nach dem Übersteigen des Wandfußrücken beendeten in der Südwandschlucht, Rudolf Bernhardt und Johann Glavanovits, die Ödsteinbegehung. Nur wer das Echo in den Felswänden kennt, der wird auch unsere Freude verstehen, als wir vom Gamssattel herauf, die Weisen der Oblarner Bergmusik erklangen.
  Das erste Frühlicht der Morgensonne beleuchtete bereits die höchsten Zinnen und Spitzen ein neuer Tag, mit all seiner Bergschönheit, eröffnete sich uns.
So wie sich langsam die letzten Nebelschleier um den Gipfel des Großen Ödsteins auflösten, so kamen mir, damals alle meine Vorerlebnisse am Zauberberg Ödstein traumähnlich
in den Sinn......
  
ERlNNERUNGEN 
  1974 PFingsten, Zinödl: Bei meiner ersten Fahrt durch das Johnbachtal faszinierten mich die wildromantischen Türme und Zinnen, die wilden Schluchten und die zerklüfteten Wände des westlichen Ödsteinfußes. Kurz vor der Ortschaft, Johnsbach, führt ein Felsentor durch den letzten Ausläufer des Kirchengrates. Ich schlief damals in der Heßhütte, die geplante Hochtorbesteigung war mir wegen des noch vorhandenen Altschnee  zu schwierig, deshalb bestieg ich Zinödl und die Gsuchmauer.
Er war unser,
Mag das stolze Wort
Den lauten Schmerz,
Gewaltig übertönen.
Gipfelkreuzinschrift
Die gewaltige FELSSZENERlE 
  Irgendwo in einem Bücherbasar der UNICEF in Wien lagen zwei Stöße handgeschriebene Hefte und Bücher, es waren lauter sorgfältige Niederschriften von Bergfabrten in den OstaIpe, geschrieben von dem  Wiener Anton Schubert >. Einen kleinen Teil davon habe ich erworben. Davon ist der "Große Ödstein", eine außergewöhnliche Schilderung einer Ödstein Besteigung, im Jahre 1893. Angeregt von dieser Schrift, als einer der sich bisher von schwierigeren Kletterfuhren enthalten hatte, wagte auch ich mich an an den "Großen Ödstein" heran. Mein erster Besteigungs Versuch des Ödsteines,  im Jahre 1982; war sehr mühselig, die Idee; den Kirchengrat vom Felsentor vor Johnsbach zu begehen, war reizvoll aber sehr abenteuerlich.
  Ungewollt geriet ich in eine gewaltige Felsenszenerie, des
West seitigen Bergaufbaues. Ein unüberwindliches Bollwerk von Türmen zwangen mich dabei wieder teilweise abzusteigen, mein zweiter Vorstoß scheiterte an dem Überhang einer Steilschlucht. Ein Gewitter zwang mich am "Kleinen Ödstein" umzukehren, ich wählte dazu den Gamsstein Abstieg. Es goss in Strömen um der Nässe zu entgehen suchte und fand ich in einer Schluchtwand Höhle Schutz und Unterschlupf für die Nacht.

Meine erste ÖSTEINBEGEHUNG 
  Eine Woche später, erfüllt von der Vorahnung des guten Gelingen meines Vorhabens, ich bin noch im Dunkel Nacht in die Südwand eingestiegen. Nach dem Überstieg des Wanddfuß Rücken's  zur Wandschlucht, erweckte sofort der eigenartige Schluchtauslauf mein besonderes Interesse. Zufrieden mit meiner bereits erbrachten Leistung wollte ich ruhend den Tagesbeginn erwarten. Jedoch von der Neugierde getrieben, stieg ich nach einer Stärkung zum Grund der Schlucht hinab. Nun kam die große Überraschung. Die  Schlucht abschließende Gamsgarten Erhöhung war nicht das Ende, ein Loch geht unterirdisch nach unten weiter.
  Der Kletterhelm: Etwas anorganisches, Rotes? – War ganz unten, wo der Schrund wieder zu Tage kam, zu sehen. Es kann  nur von einem Menschen stammen, dachte ich, nun war es das Gebot der Stunde der Sache auf den Grund zu gehen. Nach einer Seillänge, fand ich schon den völlig intakten Kletterhelm und Gott sei Dank, ansonsten aber keinerlei Utensilien oder Spuren eines Menschen.
  Die Erklärung war logisch; das gesamte Fallgut der Wandschlucht muss durch dieses Nadelöhr und so war es auch mit dem vermutlich hoch oben verlorenen Helm. Nun - nach diesem Abstecher setzte ich durch meinen Fundus geschützt, den Aufstieg fort.
  Sonnenaufgang: Es war! ein prächtiger Morgen, würzig dufteten die taufrischen Gräser und Latschen, nur einige silberne Wölcken schwebten fast regunslos im purpurnen Äther, durchleuchtet von der Sonne, die die.höchsten Berghäupter golden überzog, hie und da wärmte auch mich schon manch goldener Strahl. Ahnungsvolle Vorfreude! Von schönen Stunden des guten Gelingen, durchbebte michund erfüllte mein Innerstes mit jubelnder Freude.
  Ein wundersamer Bergtag mit einer mehrstündigen Gipfelrast, war nrir dann beschieden. Allerdings war ich am Gipfel nicht lange allein denn, bald erschienen Kameraden der Berge.

Die grüne HÖHLE
  Wegen meiner frühzeitigen Gipfelankunft konnte ich auch das Gebiet abseits des Weges, erkunden. Das ist immer ein großer Vorteil, denn dadurch lernt man den Berg besser kennen, meistens findet man dabei auch für eventuelle Biwakierungen geeignete Unterschlüpfe oder man stoßt auf besonders idyllische Plätze, wo man zu einer Freinacht verführt wird. Der Tag war ereignisreich; wenn man nach der Plattenschlucht zwischen dem, Teufelszahn und dem, Großen Ödstein, auf einem Rasenband etwa hundert Meter nach rechts wandert, erreicht man die mit Moos bewachsene "Grüne Höhle".
  Die Straße zur Echokanzel ist ein breites nordseitiges Felsenband mit einer Verengung und führt schräg nach oben zu einer Stelle die gegenüber der Teufelszahnwand liegt. Dem besonderen Echo an dieser Stelle verdanke ich eine Harmonielehre und eine einprägsame Fehlerrückmeldung und letzten Endes auch die Entstehung des Ödstein Liedes.


  • <1>1982-10-19.-20. Kirchengrat Kleiner Ödstein Höhlen Biwak Gamssattel.
  Am späten Nachmittag, beim Abstieg zum Gamssattel  braute sich, wie es in den Bergen öfters vorkommt, plötzlich ein Gewitter zusammen. Um den Auswirkungen des Unwetters zu entgehen, seilte ich mich wieder durch das Nadelöhr  in die am Morgen entdeckten Kluft hinab.
  Draußen wütete das Unwetter und zog alle Register mit Donner- und Hagelschlägen sowie später mit gefrierenden Regen alle Register eines Wettersturzes.  Wehe dem! der solchen Gewalten in der Wand schutzlos ausgeliefert ist. Drinnen  im Berg war bald ein Feuer entfacht und wärmte den zwar nicht idealen, aber trockenen Schlafplatz. Eigenartig, ich beobachtete wie der Rauch oberhalb eines Überhanges, wie bei einem Kamin abzog. Der Abend und die ganze Nacht lagen noch vor mir und meine Kraftreserven erlaubten es noch die Ursache der Abzugsströmung zu ergründen. Der Anfang war zwar, mit der Überwindung des Überhanges, sehr knifflig - doch unter Verwendung der Nothaken  möglich.
   Die Kaminumkehr: Nun stand ich vor einem runden Kamin, je höher ich stieg umso eigenartig wundersamer, wurde mir zumute. Der kahle Fels wurde immer mehr von den weißen Kalkblüten durchsetzt, an einer Stelle gleich einer Messerkante kam es zur, senkrechten Kaminumkehr. Auch die Luftströmung zischte in den nun gänzlich weiß bewachsenen Kamin hinab von Neugierde geplagt und ohne zu zögern auch ich.  Am Seil mit voller Ausrüstung und landete freischwebend in einen ebenerdigen trockenen Raum der von mit sogenannten "Weißen Höhle".
  Ein Platz zur Nachtruhe und ein Ort wie geschaffen für eine Gedenkstätte an den Dichter
Anton Schubert >, dessen Werk "Einsame Stunden im Gesäuse Zauber" mich auf den Ödstein geführt hat. Dort hatte ich auch meine Liegestätte gefunden und bald schon wandelte ich; im weiten Lande der Träume.
  Nur einige Stunden Schlaf iim Gämsengarten, in einer Wandnischen, in einem Schneeloch oder am Gipfel, regenerieren schon die körperliche Strapazen. Es gibt zwar immer Leute, oder richtig gesehen sind es Gewohnheitstiere, die behaupten sie könnten nur im eigenen Bett gut schlafen.

TRAUM 
  Gleichzeitig mit der Natur, an einem Morgen mit Schönwetter zu erwachen, bleibt ein unvergessliches Erlebnis, man fühlt sich wie neu geboren und voll Tatendrang. Manchmal ist eine Traumdeutung schwierig obwohl nur die Fragmente in Erinnerung bleiben, empfindet man von allen Epochen und zeitlos von Lebenden und Toten, geträumt zu haben.
  Wie ein Mondsüchtiger oder ein Geist, wandelte ich in einem Friedhof von Grab zu Grab und suche meine Eltern, doch! - Plötzlich höre ich Stimmen sprechen.
MUTTER
Was die Mutter ist gewesen,
Ist am Grabstein nicht zu lesen,
Eingebettet wie im Berg das Erz,
Ist es in der Kinder Herz.
Der Schöpfer aller Welten,
Wird es Ihr  vergelten.

VATER
Mein liebes Kind wo gehst du hin,
Bedenk' das ich dein Vater bin,
So bleib doch steh 'n und grüße mich,
Denn über alles lieb' ich dich.
  Nun war der Zeitpunkt eines weiteren Vorstoßes gekommen. Durch ein horizontales, hufeisenförmiges und halb mit Geröll gefülltes Loch, kam ich an einem wundersamen Ort ans Tageslicht. Inmitten der senkrechten Nordwand ist eine grünbewachsene Nische dem von mir sogenannten Wintergarten. Für mich, der aus dem Dunklen gekrochen kam, war er ein Paradies. Viele Kräuter, Sträucher ja sogar Pflanzen mit Blüten in all ihrer Pracht, hatten hier ein fruchtbares Gedeihen und den Schutz vor den Frösten in dem durch ein Felsendach geschützten Raum gefunden.
 Mit dem GAMS AUG im AUG
  Ich hatte verschlafen, die Sonne stand schon hoch, der Vormittag war bereits angebrochen. Auch ich wollte vom Sonnenglanz umflutet sein, deshalb ging ich auf die vorgelagerte Felsenkanzel. Dann stand ich, das erste mal und wahrscheinlich auch das letzte mal in meinem Leben, Aug im Aug mit dem Gams. Dieser schöne Anblick prägte sich mir unauslöschlich ein:
  Es war das Haupt mit seinen großen, runden, braunen Augen, den Losern, den Hörnern und dem Äser aus dem, ein verlegenes Räuspern drang, beide waren wir sehr überrascht von unserer Erscheinung und starrten uns eine Zeit lang wie gelähmt an.
  Das Tier verhoffte, es war wie die Fortsetzung einer meiner nächtlichen Träume, im wechselvollen Licht des jungen Morgen fielen die ersten Sonnenstrahlen auf den unten gegenüberliegenden Gamsstein.
  Tief unter mir im Kar des Gamsstein Sattels liegt die Maischgrube, eine Mulde gefüllt mit riesigen Felsblöcken die von oben wie Kieselsteine aussahen. Unter mir lagen, im Kar des Gamsstein Sattels, die haushohen Felsblöcke wie kleine Kieselsteine herum. Bald erreichte auch mich der wärmende Sonnenschein als Auftakt zu einem hoffnungsvollen, erwachenden Bergtag.
  Einen Tag nach der Berglesung am Grimminggipfel, erfüllte ich einen lang gehegten Wunsch meines Freundes, Herrn Johann > 1902 - 89, Sänger mit 500 Lieder im Gedächtnis, Musikant, Almvater und Wanderer - Schirmherr, durch eine gemeinsame Fahrt nach Johnsbach und dem Besuch des, Bergsteiger - Friedhofes.
  • <2>1982-10-26.-27. Gamssattel  05:00 Weiße Höhle Grosser Ödstein Südwand Biwak Kölbl.
  • <3>1985-11-01.-02. Kölbl Gamssattel Höhlen Biwak  Erkundung des Loches am Ende der Wandschlucht, eine unterirdische wieder an Tag führende Schlucht Fortsetzung. Über einen Überhang geht ein Schacht nach oben, dann in der Umkehrung wieder nach unten in einen Raum mit weißen Kalkblüten. Von hier führt ein waagrechter Schlupf auf eine Felsenkanzel mit Wintergarten in der Südwand.
HÖHLENWEIHNACHT
  • <4>1985-12-25.-26.-27. Christtag 06:30 Kölbl Gamssattel Höhlenbiwak bei teilweisen sonnigen Wetter.
 Eine überhängende Schneewechte vor dem unteren Kluftausgang und eine Vereisung im unteren aufsteigenden Kaminteil bereiteten, mir erhebliche Schwierigkeiten. 26. Stefanitag: Schlechtwetter mit Schneefall, frei schaufeln des Wandausganges, Anbringung einer Aluseil - Sicherung an den exponierten Stellen des Kamines. Gedenkraum Boden ebnen Wintergartenausgang vom Schnee befreit und Vergrößerung Nachtlawinen haben den Wintergartenausgang wieder verschlossen, der Schluchtausgang nach oben zum Gamssattel Anstieg ist noch zu geeist Höhlenbiwak  27. Schlechtwetter mit Schneefall, der Wandausgang war wegen der ständig abgehenden Lawinen nicht mehr freizuhalten. Hinterlegung des "Anton Schubert > Gedenkstätten Buches". Gamssattel Kölbl.
  1985 Christtag: Aufstieg Ost. Es ist mir in letzter Zeit ein Bedürfnis, für die vielen unbekannten Gipfelbuch- und Marterlspruch Weisheiten, eine Lanze im Kampf gegen die Windmühlen der Banausität zu brechen. Solche Sentenzen lösen bei mir, vor allem an Stellen wo Menschen verunglückt sind, immer intuitive Gedankenanstöße aus.
Gams zu jagen war sein letzter Wille, da stand sein Herz plötzlich stille 
Zum ewigen Gedenken an den Revier Jäger SEPP WERL,
denn an dieser Stelle, am 1945-11-17 der Tod ereilte Bildmarterl Gamssattel Ost
  Es war winterliches Schönwetter, am Wandfuß war ein bis zum unteren Kluftausgang reichender Schneekegel, fast problemlos erreichte ich die Weiße Höhle. Am Nachmittag sammelte - und transportierte ich Brennholzvorräte in die Höhle.
 Stefanitag: Vergrößerung des Wandausganges, Ebnung des Gedenkstättenraumes und Schaffung eines Tropfwasser - Sammelbeckens. Meine Freude war groß; im Wintergarten der Südwand hatten einige Farne und Pflanzen die Kälte überdauert.
  Den ganzen Tag fiel Schnee, um die Mittagszeit gab es kurzen Sonnenschein, am Abend versuchte ich vergeblich den, vom Schnee verschlossenen, oberen Klufteingang, zu öffnen. Es war die Nacht der Lawinen, sie donnerten über die Wandnische hinweg. Durch den Druck wurde dabei feiner Schneestaub durch den Wandausgang zu meiner Schlafstätte im Gedenkraum geweht. Am nächsten Tag war auch dieser Ausgang verschlossen, ich verließ die Weiße Höhle.
  • GAMSSTEIN NATURSCHAUSPIEL > 
MONDLICHT  SCHNEEKRISTALLE
  • <4.1>1986-02-25.-26. Kölbl Gamssattel Wandfuß Biwak starker Schneefall verhinderte den Anstieg zur Höhle.
  Seit meinem Weihnachtsaufenthalt in der Weißen Höhle, habe ich mich mit dem Ödsteinlied beschäftigt, in der Nacht vor der Abfahrt, hatte ich die Melodie und den Text in das Anton Schubert > Gedenkstättenbuch eingetragen. Dieses Buch wollte ich in nun der Weißen Höhle hinterlegen.  Es war Schlechtwetter mit Talnebeln, in den vergangenen Tagen waren großen Mengen Schnee gefallen. Bis zum Abend schaffte ich die Wegstrecke bis zu den ersten Felsen des Gamssattel - Anstieges.
  Die Nacht eines Winterbiwaks kann eine Ewigkeit dauern, als sich der Himmel aufhellte und der Halbmond und die Sterne sichtbar wurden, setzte ich meinen Weg fort.
"Das beste Mittel gegen die Kälte ist die Bewegung."
  Mit den Steigfellen auf den Schiern im glitzernden und klirrenden Pulverschnee zu schreiten, war ein traumhaftes Erlebnis. Mühsam aber kam ich im Kampf gegen meine Müdigkeit und mit dem tiefen Schnee vorwärts, in dem Skiidepot, einer Wandfußnische der Südwand, verbrachte ich die Nacht. Schlechtwetter mit Schneefall verhinderte am nächsten Tag den Aufstieg zur Weißen Höhle.
Fehlt den MENSCHEN die Qualität,
Herrscht Falschheit und Brutalität 
 
Über die Lüfte fliegt der Mensch wie nichts
An FREIHEIT, Frieden und Brot da gebricht`s.
Am Schirm sieht er die ganze Welt von zu Haus
Vergeblich strecken Hungernde die Hände aus.
  • <5>1986-03-24.-25. Kölbl Gamsstein links Gamssattel Wandfußhöhle Biwak Seilsicherungen Umkehrkamin angebracht und Wintergartenausgang vom Schnee befreit, der Wintergartenausgang war wegen ständigen Lawinen nicht mehr freizuhalten Höhlenbiwak 25. Gamssteinbesteigung.
  • <6>1986-05-01.-02.-03. 05:00 Kölbl Gamssattel Weiße Höhle Südwand Biwak 02. Jahreserstbesteigung Kleiner Ödstein Grüne Höhle Grosser Ödstein Gamssattel Rinnerstein Biwak 03. Festkogel.

    FRÜHLING am ÖDSTEIN 
  • <7>1986-05-01.-02 Kölbl Gamssattel Weiße Höhle Anton Schubert > Gedenktafel Anbringung und Enthüllung Höhlen Biwak 1. Gamssattel Festkogel Kölbl.
      Aufstieg, weglos links vom Gamsstein durch die Maischgrube und den Unteren Kluftausgang. Während des Anstieges; hörte ich öfters die Klänge der Johnsbacher Blasmusik, dieser musikalische Weckruf am ersten Mai, ist ein alter steirischer Brauch.
      Anbringung der, Anton Schubert > Gedenktafel in der Weißen Höhle und Erweiterungsarbeiten am Südwandausgang. Am Abend klarte das Wetter auf, das war Grund genug um durch den Oberen Klufteingang die Höhle zu verlassen und in der sternhellen Nacht, in den Gämsengärten ein Nachtlager zu suchen.
      Nach dem Aufstehen beobachtete ich eine Maus, ohne zu flüchten lief sie verstört herum. Jahreserstbesteigung des Große Ödstein, nach anfänglichen Vernebelungen kam wie bestellt Schönwetter.
  • <8>1986-05-17.-18.  Kölbl Gamssattel Weiße Höhle Kleiner Ödstein Grüne Höhle Großer Ödstein Gipfelbiwak Pfingstsamstag 18. Jahreserstüberschreitung Gipfelgrat Hochtor Hesshütte  Kölbl.
  • <9>1986-06-27.-28. Freitag: Schönwetter Gamssattel Ost, Besuch der "Weißen Höhle" durch den "Unteren Klufteingang", Gamsgarten Nächtigung.
    GIPFELGRAT - SCHARTENBUCH HINTERLEGUNG Zum Gedenken an Franz Lanner tödlich abgestürzt, am 19840613 im 35. Lebensjahr. Geht man am Südwandfuß der Gamssattelwand in Richtung Westen, gelangt man zur geräumigen "Spaltenhöhle28. Samstag: Schönwetter, Besteigung des "Kleinen Ödsteins" über die "Straße" mit der "Echokanzel", Besteigung des "Großen Ödsteines", Abstieg in die Scharte, Hinterlegung des instand gesetzten Gipfelgrat - Schartenbuches. Abstieg in der "Großen Ödstein Ostwand - Verschneidung" links neben der "Großen Höhle" dann in Richtung "Festkogel" in der Umgehung der Abschlusswand Kölbl. 
  • <10>1989-09-22.-23. Weiße Gedenkhöhle 9:40 Kölbl. "Es gibt viel Lärm aber nur eine STILLE."
  • <11>1991-07-23 Kölbl Festkogel  Östeinüberschreitung Kölbl.
  • <12>1998-04-03 Kölbl Überschreitung Ödstein Festkogel Hochtor Heßhütte Peternpfad Biwak Haindlkar Gesenbkscharte  Johnsbach. Tour zur Besichtigung des Steinernen Bergrettungsmannes eine bisher noch unbekannte Plastik von Carl Hermann vor der Bergrettungshütte Haindelkar.  
Schwer ist der Kampf ehe man begreift,
Um ein Blatt PAPIER in Stürmen gereift.
  Alle Voraussetzungen dafür, dass diesem "Anton Schubert > Gedenkbuch" eine entwürdigende menschliche Behandlung erspart bleibt, sind hier in der Gedenkstätte gegeben.
WO ANDERE VORÜBER GEH´N

Ich hab darüber nachgedacht,
Was wohl den Menschen glücklich macht;
Ein netter Blick, ein liebes Wort,
Hilft dir im Alltag immer fort.
Ist dein Herz manchmal schwer,
Bedaure dich nicht allzu sehr.

Wo andere vorüber geh´n,
Da bleibe du ein Weilchen steh´n.
Oft ist es nur ein Stein ein Falter,
Schenk' ihnen ein Stückchen Leben,
Man lernt es auch noch im Alter,
Dem Auge Grund zur Freude geben. Frau Silvinger Wien

DAS HÖCHSTE
Reine Herzens zu sein Das ist das Höchste,
Was Weise ersannen Weisere aber waren.
Hölderlin > an Diotima
 
Anstiegsversuch nach 25 Jahren  2009-08-20
  • <12.1>2009-08-20 Kölbl Gamssattel Schlucht und Wandeinstiegsversuch gescheitert Maischgrube und Gamsspitz rechts.
  Günter wollte in seinem Urlaub auch wieder einen Alpenspaziergang> mit mir unternehmen, so landen wir im Johnsbachtal beim Kölblparkplatz. Wir schlendern gemächlich bergan, einer der wenigen Schönwettertage dieses Sommers ist angebrochen, eine kleine Völkerwanderung belebt den Weg zur Heßhütte. Richtige Bergsteiger brechen allerdings schon vor oder bei der Dämmerung auf - Nachzügler haben es bekanntlich, wir ausgenommen, immer eilig. Oberhalb des Wasserfalles im Koderalmboden finden wir auf einem Stein des Baches einen idyllischen Platz zum Rasten und Jausnen. In gewisser Entfernung ziehen die Wandersleute, mit und ohne Rucksack oft auch nur mit Tragtaschen, vorbei einer war besonders originell; er trug eine standesgemäße kurze Lederhose und hatte dazu das modische Männerkopftuch auf. Eine ständige Gesichtsverhüllung ist menschenunwürdig, aber ein Kopftuchverbot ist doch die größte aller zivilisierten Peinlichkeiten, denke ich mir. Am Festkogel - und Hochtorweg sind wir dem Trubel entkommen und  finden dann auch den Gewohnheitssteig zum Gamssattel. Am Rand des ersten Schneefeldes ziehen wir eine sitzende Verschnaufpause in die Länge, Günter der Jäger widmet sich einen schönen Anblick einer Gämse, die durch unser ruhiges Verhalten weder verhofft noch flüchtet.
  Die Besteigung der Anton Schubert > Schlucht breche ich beim letzten Überhang vor dem Höhleneingang ab. "Ein Seil ohne Haken" ist immer ein Haken in der Sache. Es bleibt ja noch der Höhleneinstieg von oben, der alte Haken über dem Eingangsloch ist noch vertrauenswürdig. Nun stehen wir beide beim Überhang zum Umkehrschacht und auch am Ende unseres Seiles. Der Überhang hat noch die Doppelhakensicherung mit einem kurzen Aluseil, doch ich vermisse meine Fähigkeit für den Spreizschritt, auch hier ist die Tageslosung wieder Umkehr. Heute nach genau 25 Jahren> weiß ich es nicht mehr wie es mir damals möglich war diese gefährliche ausgesetzte Stelle zu überwinden. Ob die Gedenkhöhle mit dem Wintergarten, außer von mir, jemals besucht wurde?  Wäre im Gedenkbuch> gestanden, die Felsnische Wintergarten hat auch in der kalten Jahreszeit immer grünen Bewuchs. Der Wandabstieg hat einen  etwas kribbeligen Abschnitt, der mir auch schon in der Vergangenheit immer im Magen gelegen war, so auch wieder heute.  Letzten Endes habe ich bei dieser Tour nicht Günter eine Angst eingejagt, damit er von meiner Bergpartnerschaft geheilt ist, sondern mir selber.
  Der Durst treibt uns in die Randkluft zu plätschernden Wasser, Günter schwingt sich mühelos in die herzförmige Ausschmelzung mit Fenstern und wir stillen unseren großen Durst. Eine Person quert vom Gamssattel Kirchengrat zum Gamssattel Gamsspitz und verweilt auf halber Höhe des Gamsspitzes. Wir queren das romantische,  von Latschen bewachsene Gamssattelkar "die Maischgrube", mit den kreuz und quer durcheinander gewürfelten, liegenden und stehenden Felsblöcken, ich finde ein waidmännisches Andenken für Günter von einem Lawinengams. Dieser ist ganz im Banne der Gämsen Beobachtung die zahlreich äsend auftauchen. Der wilde Abstieg rechts vom Gamsspitz hat es in sich, zumindest ist es ein Landschaftsteil der zwangsläufig vom Menscheneingriff verschont ist.
  Trotzdem sind wir froh als wir einen Forstweg erreichen und später einen vorbildlichen Wandersteig finden, der uns am Berg zurück hinein zum Kölbl führt. Unterwegs hatte sich Günter noch eingehend mit der Beobachtung einer Blindschleiche beschäftigt. Es ist bereits dunkel und wir stolpern fast über die vielen braunen eingewanderten Nacktschnecken auf der Wiese hinter dem Kölbwirtshaus. Dieses hat im Vergleich zu einst wesentlich vergrößert und viele, auch in Freien sitzende, Gäste geben ein Zeichen von guter Bewirtschaftung. Am Nebentisch sind Gesprächsfetzen von der begangenen "Jahn-Zimmer" Fuhre der Nordwand und vom Tod des Grogger Verwandten> am Grimming zu hören. Der Wert des Lebens oder der Gesundheit zeigt sich meistens erst bei Gefahr oder Krankheit. Um sein nacktes Leben zu zittern jedoch gleicht den Stumpfsinn vom: "Letzten Lebewohl der toten, aber  trotzdem oft mit sterblich bezeichneten, menschlichen Überreste".
"Mit Geist und Leben vorwärts streben"?
Und wieder dringt diese Frage an mein Ohr,
Doch wieder ist und bleibt alles wie zuvor.
Und wieder dringt die Frage an das Lied,
Warum Amtenorias Schatten es nicht mied?
Weiße Höhle  Ende Anfang

GIPFELKREUZ GROSSER ÖDSTEIN 
  Es wurde, am 1965-08-22 von der ÖAV - Sekt. ÖGV Jugend aufgestellt, die zum gleichen Zeitpunkt das Steigbuch des Hochtor - Ödsteingrates hinterlegte. GIPFELBUCH GROSSER ÖDSTEIN Es wurde, am 19800820 von Herman Maunz aus Weng hinterlegt. Es ist ein Taschenkalender und wegen der geringen Gipfelfrequenz ist dieser erst halb voll geschrieben. 1982-10-20 Mein erster Besteigungsversuch des schwer zugänglichen Zauberberg und König des Gesäuses mit über 1700 m relativer Höhe.
Leben heißt wandern und nicht in Stille stehen,
Von einem GIPFEL sind viele andere zu sehen. 
  ⇑ Gamssattel 26. 05:00 Weiße Höhle Großer Ödstein Südwand Biwak Kölbl 1982-10-27<1> Jahreserstbesteigung Gamssattel Kleiner Ödstein Grüne Höhle Großer Ödstein Gamssattel weiter Rinnerstein Biwak 02. Festkogel ab Kölbl 1986-05-03<2>
Unter dem Zeichen des KREUZES, habe ich hier oben eine
einsame aber wunderbare Sternennacht verbracht.
  NACH EINER GIPFELNACHT AM ÖDSTEIN Ein Bett zwischen Himmel und Erde. > 

 Kölbl Gamssattel Weiße Höhle Kleiner Ödstein Grüne Höhle Großer Ödstein Gipfelbiwak Pfingstsamstag 17. Jahreserstüberschreitung Gipfelgrat Ödstein Hochtor Hesshütte Kölbl 19860518<3> Gamssattel 1986-06-28<4>

Anton Schubert > Berggedenken Öblarner Berg Musik Euphorionwanderung 1986-08-06<5>

  ⇑ Kölbl Schneekarturm Festkogel Ödstein Anton Schubert > Gedenkhöhle Gamssattel Kölbl 1991-07-23<6> Kölbl Jahreserstüberschreitung Gipfelgrat Ödstein Hochtor Hesshütte zur Besichtigung der bisher unbekannten Steinernen Bergretter von Carl Hermann vor der ÖBR Diensthütte Haindelkar.
 
Das neue beschädigte Ödsteinkreuz
  Ein neues Holzkreuz lag bereit zur Austellung am Gipfel. Peternpfad Wandverschneidung Biwak, Wolkenbruch, aus der Felsnische kam ein Bach, von der Wand kam die Traufe 03. Haindlkarhütte Gsenkscharte 1998-06-04<7> Es wurde ungewollt eine Jahreserst Überschreitung^ mit all ihrer Landschafts- und Wetterschönheit, am Ödstein lag ein neues Holzkreuz zur Aufstellung bereit am Gipfel.
  Bei der Suche nach Willi End, von ihm sind alle Aufnahmen im
AV Führer
>,  stieß ich auf das neue Ödstein Gipfelkreuz. Das alte Gipfelkreuz war aus Metall und somit auch gleichzeitig  ein natürlicher Blitzableiter. Das neue Holzkreuz wurde zwar mit dem Hubschrauber auf den Großen Ödstein transportiert, doch an den Blitzableiter hat man nicht gedacht.
ÖDSTEINKANTE 2002
Am Eckpfeiler des Gesäusekamms: Eine Begehung der Nordwestkante des Großen Ödsteins.
  Manche Träume brauchen länger, um wahr zu werden. Die Ödsteinkante war für mich so ein Traum. Doch auf den Großen Ödstein trifft zu, was auch über manch größeres Ziel schon gesagt wurde: an diesem Berg gibt es nichts zum Nulltarif. Und im Bewusstsein der Länge dieser Unternehmung hat es auch bis zum Entschluss etwas gedauert. Ende August 2002 war es dann soweit.
  Kurz nach 6h morgens verlassen Rudi und ich das im unteren Johnsbachtal abgestellte Auto und begeben uns auf die Suche nach den spärlichen roten Markierungspunkten, die uns ins Ödsteinkar leiten. Wir steigen zuerst durch Wald, dann ein Bachbett nutzend, zwischen Latschen und schließlich mühsam über lockere Schuttströme in den entlegenen, rinnenartigen Winkel unter der düsteren, 700m hohen Ödstein - Nordwand. Den Einstieg markiert ein herabhängendes Seilstück, welches die Stelle vermutlich auch bei Schneelage gut kenntlich macht. Diesmal ist der Wandfuß jedoch trocken. Während wir die Seile durchziehen, entdecken wir im Kar weitere Kletterer, die rasch näherkommen. Für die nächsten Stunden übernehmen wir beide die Routensuche, die anderen folgen uns dicht; an den Standplätzen rennt der Schmäh auf wienerisch, nieder- und oberösterreichisch, nicht unangenehm angesichts der großartig - ernsten Umgebung.

  Die Kletterschwierigkeiten sind vorerst moderat. Vor den beiden wesentlich schwierigeren Schlüsselseillängen, etwa in der Hälfte der Tour, befindet sich ein schöner Gratsattel, in dem wir kurz Pause machen. Der Ausblick ist hier schon überwältigend, vor allem auf die gegenüberliegende Westwand des Ödsteinkarturms.

  Dann kommt bald der härtere Teil: Rudi führt zunächst eine Seillänge über dachartig abwärts geschichtete Platten bis zu einer Stelle, von der mehrere Varianten weiterführen, die auf unterschiedliche Weise versuchen, mit einem etwas größeren Überhang fertig zu werden.
  Nun bin ich dran, quere nach links über raue Platten, lege einen Klemmkeil, finde einen neuen Zwischenhaken, weiß dann aber fürs erste nicht mehr weiter. Einige Minuten vergehen mit Herumprobieren. Rudi hat mir später einiges über meine verbalen Äußerungen an dieser Stelle mitgeteilt... Schließlich ist es klar: weit nach links auf einen Trittbrett artigen, rissigen Vorsprung gespreizt, dann schwierig entlang mehrerer alter Haken gerade hoch, und über einen Spalt in leichteres Gelände und zum nächsten Stand.

  Was dann noch folgt, ist ein langwieriges sich - Heranarbeiten an ein schräges breites Ausstiegsband, aber die Hauptschwierigkeiten liegen hinter uns. Bald haben wir Sonne. Der Ausstieg führt auf den obersten Kirchengrat, wenige Minuten vom Gipfel entfernt! Es ist 3h nachmittags. Wir ziehen die Bergschuhe an, verstauen die Klettersachen, fallen über unsere restlichen Ess- und Trinkvorräte her.

  Auf dem Gipfelkreuz sitzen zwei Kolkraben dicht nebeneinander. Bei unserem Näherkommen gleiten sie lautlos ins Ödsteinkar hinaus, elegant, mit gespreizten, glänzend schwarzen Federn, als wollten sie allen Kletterern zeigen, wie man sich in den Bergen bewegt. Kolkraben unterscheiden sich von Alpendohlen durch ihre Größe sowie durch die schwarzen Schnäbel und Füße, und sie sind perfekte Kunstflieger.

  Wir machen eine ausgiebige Gipfelrast, warten noch auf die nächste Seilschaft, plaudernd, fotografierend, sitzend und stehend auf der wunderschönen Gipfelplatte. Das Wetter scheint uns Zeit zu lassen, doch die Bewölkung nimmt langsam zu.

  Als wir uns gegen 4h an den Abstieg über den Kirchengrat machen, freue ich mich eine Zeitlang über die gute Markierung und über allerlei nette Stellen, die wir in ziemlichem Tempo abklettern. Wir passieren den blau markierten Abstieg zum Gamssteinsattel und queren den kleinen Ödstein. Dann jedoch wird der Abstieg zusehends mühsamer. Hunderte Meter Schroffengelände werden abgeklettert und der Höhenmesser belehrt uns unerbittlich darüber, wie langsam wir an Höhe verlieren.

  Es folgt ein etwas einfacheres Stück bis zur Johnsbacher Scharte, dann geht es nach Süden hinunter. In einer endlos scheinenden, trockenen Felsrinne wird steil hinuntergelaufen und abgeklettert, dann wechselt die Markierung in eine noch weitaus unangenehmere Nachbarrinne, wo wir mit Steilstufen, Geröll und Steinschlag noch einige Zeit herum raufen. Aber schließlich nimmt uns im Wald ein netter Weg auf.

  Nach 1500 Höhenmetern wilden Abstiegs landen wir gegen 7h abends am Talboden. Der Himmel hat sich mittlerweile stark verfinstert, das Farbenspiel zwischen fahlem rosa und dunkelviolett könnte einen Maler begeistern, verheißt aber nichts Gutes. Erster Donner knattert in den Wolken. Geschwind mache ich mein beim "Ödsteinblick" abgestelltes Fahrrad flott und flitze die immer steiler werdende Strasse talauswärts, um das Auto zurückzuholen, und das möglichst noch vor dem Gewitter.

  Während ich unter den ersten Regentropfen durch Johnsbach rolle, löst sich von einem der Häuser schräg vor mir die dunkle Gestalt eines schlappohrigen fetten Hundes, dessen Jagdinstinkt plötzlich erwacht ist und der Anstalten macht, mich seitlich anzuspringen. Das hat mir noch gefehlt, unmöglich, bei dem Tempo auszuweichen, kein Helm auf dem Kopf, die Straße schon feucht, verfluchtes Vieh! Wild entschlossen trete ich noch kräftig durch und lenke dabei stur geradeaus, der Hund ändert im letzten Augenblick die Richtung und ich bin vorbei, Krankenhaus ade!

  Das Auto ist erreicht, und während ich das Rad hinein lade, bricht das Wetter so richtig los. Einigermaßen durchnässt bin ich bald darauf wieder beim "Ödsteinblick", wo Rudi schon beim Bier sitzt. Forelle essen, Bier trinken, einer nebenan lärmenden und qualmenden Raftinggruppe ausgeliefert, überdreht, aber glücklich verbringen wir den Abend und wanken dann zu Bett.

  Um 3h morgens wachen wir unvermittelt auf. Meine Beine schmerzen. Rudi schaut a
us dem Fenster.
  "Was ist?" "Es regnet." "Na, passt ja!" Gelächter.
  Ende. Schönwetter am nächsten Tag wäre doch schlimm. Man müsste in dem Zustand glatt noch eine Tour gehen...

Textanfang Ödsteinkante
INFO
  Die Ödstein-NW-Kante (erstmals begangen auf etwas anderer Route von Angelo Dibona 1910, weiteres siehe [1]) wurde neulich saniert, was eine beachtliche und dankenswerte Arbeit darstellt. Die sanierte Routenführung ist in [2] dokumentiert.
  Beim Einstieg dürfte es sich nach den Beschreibungen in [1] um die Einstiegsvariante "Preuss/Relly" handeln. Die Standplätze sind durchwegs mit je einem Bühlerhaken saniert und nicht immer leicht zu finden, denn an Zwischenhaken gibt es nur einen weiteren Bühler in der 2. Schlüsselseillänge (nach [1] ist dies die Variante "Redlich/Stefansky") und ein paar Normalhaken, fast alle recht ehrwürdig.
  Die beiden Schlüsselseillängen sind im Topo [2] für freie Kletterei mit 5 bzw. 6- bewertet. Ansonsten liegen die Schwierigkeiten nicht über 3+, dazwischen gibt es auch etwas Gehgelände.

  Das Topo in [2] ist brauchbar, wenn man berücksichtigt, dass mehrere Seillängen in der Darstellung ausgelassen wurden, und zwar: eine Seillänge im Bereich der dargestellten 3. Seillänge "50m, 1" (letztere ist entweder wesentlich länger als 50m, oder wir haben einen Standhaken übersehen - gleichviel, es ist praktisch ein Band mit Gehgelände) eine Seillänge im Bereich der direkt an der Kante verlaufenden Wegführung in der unteren Routenhälfte eine kurze Seillänge nach dem darauffolgenden Linksquergang und Kamin "3, 50m" (dieser Linksquergang dient nur dazu, einige Gratbuckel zu umgehen, hinter denen sich der "gr. Absatz" verbirgt - nicht zu früh nach links queren!)
eine Seillänge im Bereich der schräg links aufwärts weisenden Wegführung nach den beiden Schlüsselseillängen. (Hier nach eineinhalb Seillängen die Rinne verlassen und auf ihrem linken Begrenzungsrücken weitergehen. Dann keinesfalls zu früh nach rechts abbiegen - mehrere Verhauer Möglichkeiten - am besten nach dem Bild auf S.395 in [1] orientieren!!)
  Der von uns im Abstieg begangene Kirchengrat [3] (das ist der Normalweg auf den grossen Ödstein) ist sehr mühsam, reicht stellenweise an Schwierigkeitsgrad 3 heran und sollte in keiner Weise unterschätzt werden. Textanfang Ödsteinkante
 
LITERATUR  Willi End
  • [1] Willi End: "Alpenvereinsführer Gesäuseberge", Rother Verlag, 1988
  • [2] Reinmüller, Hollinger, Mikofei: "XEIS-Auslese", herausgegeben vom Alpinen Rettungsdienst Gesäuse, Mai 2002
  • [3] Willi End in "Der Gebirgsfreund" Jg.113, Nr.1, S.8-9, Feb./März 2002
Willi End Werkverzeichnis Rother Verlag
  Alpenvereinsführer (AVF) Gesäuseberge - Ennstaler Alpen Glockner- und Granatspitzgruppe Venedigergruppe Neuauflage im März '06. Gebiets- und Auswahlführer (GF) Glockner-, Granatspitz-, Venedigergruppe - mit angrenzenden Berggebieten Neuauflage im Juli '07 vergriffen GF Dachsteingebirge vergriffen AVF Lienzer Dolomiten
  Anmerkung: Wie kam ich zu diesen Bericht?
Bei der Suche nach Willi End, von ihm sind alle Aufnahmen im AV Führer >,  stieß ich auf das neue Ödstein Gipfelkreuz. Das alte Gipfelkreuz war aus Metall und somit auch gleichzeitig  ein natürlicher Blitzableiter. Das neue Holzkreuz wurde zwar mit dem Hubschrauber auf den Großen Ödstein transportiert, doch an den Blitzableiter hat man nicht gedacht. Von > hat nach meinem Wissensstand nur der Ofensetzer Gruber Rudolf die Östeinkante begangen.
 
KLEINER ÖDSTEIN
  GIPFELBUCH Bei der Besteigung des Kleinen Ödsteines über die Straße mit der Echokanzel, erfreute mich ein flirtendes Dohlenpaar. Seit Oktober 1985, gibt es ein neues Gipfelkreuz, das Gipfelbuch wurde am, 29.09.1985; von Manfred Üblacker und Johann Zacharias, hinterlegt, es ist anzunehmen das sie auch die Gipfelkreuzaufsteller sind. Nach dem Abstieg über die, Gamssteinroute", fand ich zur Nächtigung einen Baum: Seine unteren Astreihen waren vom Tiefschnee zeltartig zu Boden gedrückt, dadurch war um den Stamm, ein von Süden zugänglicher schneefreier und windgeschützter Hohlraum entstanden.
REICH ist jener Mann
Der auch verzichten kann.
  Kirchengrat Höhlen Biwak 19. Gamssattel 1982-10-27<1> Jahreserstbesteigung 1986-05-02<2> jeweils am Gipfel 1986-05-17<3> 1986-06-28<4>
 
KLEINER ÖDSTEIN SÜDOSTWAND 2005  
  Südostwand Waidhofner Weg, 4 - 5 17 Seillängen. Abstieg: 400 bis 500m abklettern zum Gamssteinsattel, 2.Grad. Diese Eintragung in unserer Tourenpartnerbörse hat anscheinend nicht allzu verlockend geklungen.
  Die kurze Bemerkung über den (leider notwendigen) Abstieg war wohl eher abschreckend und wurde durch ein verheißungsvolles Foto einer bildschönen Wasserrillenplatte aus dem Xeis - Führer nicht aufgewogen.
  Aber Christian war fest entschlossen, diese Tour im Frühjahr 2005 an Land zu ziehen, und blieb beharrlich, wenn auch mit Hintergedanken ("na ihr seids ma Alpinisten...").
  Nach der Bereinigung von Wetter- und Terminproblemen blieben nur noch drei Unentwegte übrig, Bärbel, Hans und Christian, und sie bildeten eine Dreierpartie an einem wolkenlosen Samstag Mitte Juni. (Unentwegte = Die sich den Weg nicht nehmen lassen)
 Abends beim Johnsbacher Kölblwirt beschlossen, um 5h aufzustehen, abendgegessen, im Bett geräkelt, tramhappert aufgestanden, ansatzweise gefrühstückt, den Wald hinaufgewankt, den "Mini - Gletscher" samt Randkluft am Wandfuß beäugt, eine schon anwesende Seilschaft abgewartet, grasige Felsbuckel hochgestiegen und gequert, schließlich mit zunehmender Munterkeit die sich langsam aufsteilende Wand hochgeturnt, dann Wasserrillen, Wasserrillen, Wasserr...
  Wunderschön und etwas schmerzhaft: Wasserrillen. Teils seicht, gerade für die Finger- und die Zehenspitzen. Dann wadltief, O-beinig zu gehen, Rille links, Rille rechts, den scharfkantigen Steg dazwischen zum Krallen. Und plötzlich geht gar nichts mehr. Der Schuh steckt fest, die Wasserrille hat sich darin verbissen wie ein Hund. Beim Versuch, sich loszureißen, läuft man Gefahr, rücklings aus der Platte zu kippen.
  Glücklicherweise gibts einen Haken, halt dich fest (reine Notwehr - hat mit technischem Klettern nichts zu tun) und reiß ihr den Schuh gewaltsam aus dem Maul. Er sieht schlimm aus. (Heisst nicht die Nachbarroute "Gummikiller"?) Je höher, desto toller, die Kletterei ist nun wirklich traumhaft! Die beiden Männer vermissen bei Bärbel ein wenig die erwartete Begeisterung:

(12. Seillänge:) "Ja, mir gefällts eh gut" -- "des klingt aber net ganz überzeugend..."
(13. Seillänge:) "Also Christian, jetzt werd ich aber richtig euphorisch!" -- "na liab, hast des öfter...?"
(15. Seillänge:) "Das is ja richtig toll!" -- "na endlich..." Gutmütiges Geblödel.

  Eine bildschöne, steile Fünfer-Seillänge, wandig, mit nur mehr angedeuteten Rillen, und noch eine Länge, dann ist der Ausstieg erreicht. Christian, wie immer gipfelhungrig, braucht dringend den Blick hinüber ins Ennstal und gibt sichs noch bis zum Gipfelkreuz des Kleinen Ödsteins. Alles endet irgendwann, auch die Gipfelrast fällt schließlich dem Abstieg zum Opfer. Blaue Markierungen, wie gut! Abklettern, abklettern, ab- -wo? Ganz nach vor gehen, senkrecht runterschauen, tatsächlich, da geht er weiter, dieser "Zweier", traut sich was! Die ersten paar mal lachen wir noch. Bis der Zweier dann durch eine Steinschlagrinne "sickert", in der alle Trümmer unabhängig von ihrer Größe nicht nur locker sind, sondern auch wirklich abgehen. Bis er eine Gras und Fels Kanzel nicht nur senkrecht nach unten verlässt, sondern in einzelnen Metern sogar ein bisschen hängt. (Zitat Oliver König: "überhängendes Zweiergelände!" - mit verhaltener Abscheu ausgesprochen) Am coolsten bleibt noch Hans: "I kenn de Gsäus - Schluchten, de schaun halt net besser aus..."
  Der Abstieg zum Gamssteinsattel wird nach unten immer schlimmer, hat aber gegenüber dem "Kirchengrat" den Vorteil, dass wegen der Steilheit "was weitergeht", dass er einfach früher endet. Bei Nässe wärs allerdings grimmig. (Zitat Willi End: "mehr gefährlich als schwierig")
  Beim Kölblwirt werden noch diverse Köstlichkeiten durchprobiert, für die es gestern wegen der späten Stunde nicht mehr gereicht hat, und nachdem Hans einen ordentlichen Kaffee getrunken hat, fährt er ruhig und sicher nach Hause, während Christian vor sich hin döst und Bärbel hinten auf der Bank einschläft. Ein wunderschöner Aufstieg, ein grauslicher Abstieg, zum Glück wars net umgekehrt! Quelle Gebirgsverein Christian Faltin Update 18.9.2005 Textanfang Ödsteinkante

DIE KREUZOTTER UND DIE NATTER 
   Der Schönwettertag begann mit einem, schönen Anblick von Gemsen, ich unternahm einen wilden Anstieg links vom Schneekarturm, dabei erschreckte mich eine von mir aufgeschreckte, zischende Kreuzotter.  Auf einem typischen Gämsenstandplatz, am zum Schneekarturm hinführenden Felsengrat, verweilte ich einige Stunden.
  Gämsenstandplätze sind immer an landschaftlich schönen und markanten Stellen. Ich atmete im Gleichklang mit der ringsherum in der Frühlingstimmung pulsierenden Natur, musizierte und beobachtete die, zum Festkogel wandernden, Skitourengänger. Während ich so gedankenversunken vor mich hin sann, erschreckte mich plötzlich ein lautes Plumb! - mit einem folgenden Wasser platschen, von der Schneekarturm - Südwand her. Dort schoss durch die Sonneneinstrahlung plötzlich befreit der Inhalt; einer zugefrorenen Felsenquelle oder eines Schmelzwasser - Einschluss, hervor und stürzte kurze Zeit als Wasserfall von der Wand.

  Nachmittags beim Abstieg; suchte ich unterhalb der Koderalm eine Route in der Nähe des Wasserfalls. Da dies nicht möglich war, umging ich die Wand taleinwärts. Oberhalb dieser Wand beobachtete ich eine große Natter: Zuerst bewegte sie sich langsam auf einem flachen, von der Sonne erwärmten Felsen, dann bei meiner Ankunft stellte sie sich tot.

  Der Ödstein, der mir in den drei vergangenen Frühlingstagen viele unvergessliche Erlebnisse beschert hatte, verabschiedete sich mit einem in der Abendsonne aufflammenden Gipfel, ich aber wanderte talauswärts zu meinem Fahrzeug. Dass ich aber trotz der Atomstrahlungs - Gefahr - Warnungen, wegen der Reaktorzerstörung in Tschernobyl, eine Gesäusebergfahrt unternommen hatte, war vielleicht unvernünftig, aber was wäre das Leben noch wert, wenn man auf solche Freuden verzichten müsste?


ANGST ALS UMKEHRSIGNAL 
  Christihimmelfahrtstag: Anstieg; Gamssattel Ost Oberer Klufteingang, Schlechtwetter mit späteren Übergang des Regens in Schnee, Anbringen einer Stahlseilsicherung beim Oberen Klufteingang, Erweiterung des Südwandausganges, Ebnung des Wintergartens, Höhlennächtigung.
  Schlechtes Wetter mit Nebel und teilweisen Aufhellungen unterhalb der Südwände querte ich zum Schneekarturm, dieser Turm hatte es mir angetan. Vom Westgrat her bestieg ich seine letzte Vorhutspitze und sah schon deutlich den Gipfelbuchbehälter, doch die einsetzende Angst ließ mich umkehren.

 
GIPFELGRAT ÖDSTEIN HOCHTOR JAHRESERSTBESCHREITUNG 
  Anstieg Gamssattel - Ost, Besuch der Weißen Höhle durch den Oberen Klufteingang, Besteigung des Kleinen Ödsteins über die Straße mit der Echokanzel, Erforschung der Grünen Höhle: Sie besteht aus Spalten und Nischen und hat kein weiterführendes System.
  Gipfelnacht auf dem Großen Ödstein, das Gipfelkreuz mit einem grünen Schutzanstrich versehen.  Von der Felsenkanzel des Wintergartens der Weißen Höhle und während des Aufstieges im Nebel hatte ich, schöne Gämsen - Anblicke. Am Abend löste sich der Nebel auf und das im Wetterbericht vorhergesagte Schönwetter, trat ein.

  Mit ihrem goldenen Scheine färbte die Sonne zum Abschied den Gipfel des Großen Ödsteines, fasziniert blickte ich auf den Trojani Hochweberspitze, auf den Grimming, auf das Schießeck und auf die zahlreichen anderen, mir bekannten und unbekannten Berghäupter.  Ein Gipfelfreilager bei Schönwetter, ist stets ein Erlebnis von bleibenden Erinnerungswert. Die Stelle rechts vom Trojani, am Wölzer Tauernkamm wo die Sonne untergetaucht war, leuchtete noch einige Zeit im Flammenschimmer und war dann bald am lohenden Horizont nicht mehr zu erkennen.

DAS LEBENSABLAUFDATUM 
  Wenn man im Leben die Gnade besaß die Wunder der Schöpfung erleben zu können, dann wird man auch dem Übergang in die ewige Nacht, gelassen entgegensehen. Das Leben ist unser wertvollster Besitz, wir bekommen es geschenkt und verlieren es wieder. Doch bereits in die Wiege wird uns ein Blankototenschein gelegt, nach dem Gesetz nach dem wir alle angetreten sind, müssen wir auch abtreten. Das Lebensablaufdatum, bestimmt einerseits das Schicksal, andererseits im wesentlichen wir selber. Was aber wird bleiben, von dem was wir schreiben? Es ist wie bei den Sonnenauf - oder Untergängen, die Außergewöhnlichen vergisst man nicht.
STILLE ANDACHT

Ist deine Seele einmal voll Leid,
Ist dein Herz einmal zu Tode betrübt,

Verzage nicht es kommt die Zeit,
Wo neues Leben in dir blüht
Such deinen Trost nicht im Gewühl
Kehr ein nur in dein eig´nes Herz,
Kein Mensch versteht dein Gefühl,
Kein Mensch fühlt deinen Schmerz.
Schrei´ ihn nicht in die Welt hinaus
Und wein´ dir nicht die Augen wund,
Menschen machen sich nichts d`raus,
Nur durch dich selbst wirst du gesund.
Drum geh auf einen Berg hinauf,
Wo stille Andacht um dich blickt,
Der Friede richtet wieder auf,
Was deine Seele hat bedrückt.
GIPFELGRAT  SCHARTENBUCH
  In der Scharte zwischen dem Großen Ödstein und dem "Abseilturm" ist seit dem, 22.08.1965 ein kleines Heft hinterlegt. Es war mir eine ehrenvolle Aufgabe dieses Heft, zur Instandsetzung und zur Erneuerung des Heftbehälters, mitzunehmen. Der "Große Ödstein" ein seltener besuchter Berg, aber noch seltener wird der Höhengrat vom "Großen Ödstein" zum "Festkogel" oder weiter zum "Hochtor", begangen.
  Steigbuch
Historie Für den am 15.071942 abgestürzten Bergkameraden Robert Recher von den Städtischen Bühnen Graz, wurde hier eine Gedenkstätte von seinem Bergfreund Otto Schärf errichtet. Es war ein, am 22.08.1965 hinterlegtes nun aber verschlissenes Steigbuch vorhanden. Es wurde, am 18.05.86 zur Instandsetzung vom Verfasser mitgenommen und im Kopierverfahren erneuert. Das Original ist im Archiv Hasitschka > Admont, am 28.06.86 auf wurde es wieder hinterlegt.
  Steigbuch 1965 hinterlegt erste Eintagung F. Dibl. Von 1965 bis 1984 haben sich 460 Personen eingetragen, dies ergibt einen Jahresdurchschnitt von ungefähr 23 Personen. Die letzte Eintragung 10.07.84 Andreas Porman AV Leoben 1986 Buch restauriert und erweitert, die vorhandenen Eintragungen blieben durch Ablichtungen erhalten. Das Originalbuch wurde dem Archiv
Josef Hasitschka > in Admont zur Verfügung gestellt.
Zur Erinnerung an meinen lieben Bergkameraden
ROBERT RECHER von den städtischen Bühnen in Graz,
der hier, am 15.07.1942 tödlich abgestürzt ist.
Dein Bergfreund Otto Schärf
Höhengrat Ödstein Hochtor Jahreserstüberschreitung 19860518<1>

Ich stand noch halb im Zelt - als plötzlich knapp an
mir ein GAMS, wie ein Pfeil, vorbeischoss.

Vergebliches Warten auf Schönwetter unter der Ödstein Südwand Verschneidung, zum Versuch einer
Abseilturm Steigbuch Hinterlegung ⇑⇓ Kölbl Fronleichnam Biwak 29. Neuschnee 1986-05-30
GIPFELGRAT - SCHARTENBUCH HINTERLEGUNG
  27. Freitag: Schönwetter, Gamssattel - Ost, Besuch der "Weißen Höhle" durch den "unteren Klufteingang", Gamsgarten Nächtigung. Geht man am Südwandfuß der Gamssattelwand in Richtung Westen, gelangt man zur geräumigen "Spaltenhöhle". 19860628. Samstag: Schönwetter, Besteigung des "Kleinen Ödsteins" über die "Straße" mit der "Echokanzel", Besteigung des "Großen Ödsteines", Abstieg in die Scharte, Hinterlegung des instand gesetzten Gipfelgrat - Schartenbuches. Abstieg in der "Großen Ödsteinostwand - Verschneidung" links neben der "Großen Höhle" dann in Richtung "Festkogel" in der Umgehung der Abschlußwand.<2>
Ein loses BLATT
In Stürmen gereift.
Die Farben sind matt
Bis man begreift.

   Kölbl Schneekarturm Festkogel Ödstein Höhengrat Überschreitung  Anton Schubert > Gedenkhöhle
   Gamssattel 19910723<3> Jahreserstüberschreitung Gipfelgrat Ödstein Hochtor 1998-04-03<4>

Wenn wir sind, ist der Tod nicht
Wenn er ist, sind wir nicht.Cicero
GIPFELBUCH FESTKOGEL 
  Es wurde, am 1981-08-02 hinterlegt. Besitzt die ältesten N-Wandanstiege im Hochtor Ödsteinzug. Nach fünf Stunden vergeblichen Suchens nach der Südost-kante über möglicherweise neue Route den Gipfel erreicht. Verlauf zwischen Südostkante und Pichelweg, Anstieg an linker Begrenzungswand der Schlucht, zwischen Großen Ödstein und Ödsteinkar, 90% IV, 3 Stellen V. 1986-06-21
Es war ein berauschender Anblick unten rauschte die grüne Enns, rundherum
als Felsengarten Eden die Gesäuseformation wie eine zu Stein erstarrte SYMPHONIE.
  05:00 Kölbl Gamssattel Weiße Höhle Südwand Biwak 01. Jahreserstbesteigung Kleiner Ödstein Grüne Höhle Großer Ödstein Gamssattel weiter Rinnerstein Biwak 02. Festkogel Kölbl 03.05.19860503.<1>  1986-05-09  Normalanstieg<2>
  Am Gipfel 19860518 Jahreserstbesteigung Gipfelgrat Ödstein Hochtor Hesshütte<4>
 ⇑ Kölbl Ödstein Festkogel Südschluchtverschneidung Festkogel Hochtor Gewitternacht Biwak 25. Hesshütte Sulzkar Lugauer Radmer 1986-07-26<5>
 
 ⇒ Überschreitung Gipfelgrat Festkogel Ödstein  19910723<6>  Jahreserst Überschreitung Gipfelgrat Ödstein Hochtor 1998-04-03<6>
 
SCHNEEKARTURM GIPFELBUCH angebracht Hemut Abel 1979-10-10 
Südwandriss V plus Erstbegehung Helmut Abel TVN Weng, Karl Kröll TVN Hieflau.
Menschen, Tier und NATUR  gehören zusammen
Aber wir besitzen uns nicht gegenseitig.
   Kölbl Schneekarturm Festkogel Ödstein Anton Schubert > Gedenkhöhle   Gamssattel Kölbl 1991-07-23
 
HOCHTOR GIPFELBUCH
Unter dem Zeichen des Kreuzes, habe ich hier oben
eine einsame, aber wunderbare Nacht verbracht.
Reinhard Maurer 1985-09-28.-29.
vielbesuchte Höchsterhebung   Kreuzaufschrift
Hier ist FREIHEIT ewige Pracht
Treue Kamaradschaft hält wacht.

  ⇒ Jahreserstüberschreitung Gipfelgrat Ödstein Hochtor Hesshütte 1986-05-18<1> Kölbl Ödstein Festkogel Südschlucht Verschneidung Festkogel Hochtor Gewitternacht stehend im Biwak 25. Hesshütte Zinödl Sulzkar Lugauer Radmer 19860726.<2> Gipfelgrat Ödstein Hochtor Jahreserst Überschreitung 1998-04-03<3>

Dem Gedenken der Bergkameraden
Franz Wegscheider Stud. Phil.
und Ernst Glatta Bankbeamter gewidmet,
welche auf der Jahn Zimmer Route der Hochtor Nordwand,
 mit ihren Gefährten Otto Margulies und Hans Spiegler
am 28. Juni 1928; den Bergtod fanden.
Gedenktafel westlich vom Hochtorgipfel

 
VOM GAMS ERSCHRECKT 
  29. Donnerstag - Fronleichnamstag: Anstieg im Regen, mein Vorhaben war die Verschneidung der "Großen Ödsteinostwand" zu besteigen, um das in Stand gesetzte "Gipfelgrat - Schartenbuch" zu hinterlegen.  Den ganzen Tag und die Nacht verbrachte ich im Biwak, in der Nacht war der Regen in Schneefall übergegangen.
  1986-05-30. Freitag: Am Morgen waren fünfzehn Zentimeter Neuschnee gefallen, auf Grund von Fährten sah ich, dass sich Gämsen in der unmittelbaren Nähe meines Zeltes aufgehalten hatten. Es war dichter Nebel, ich stand halb im Zelt und halb im Freien, als ein "Gams" unmittelbar neben mir vorbeischoss, blitzschnell wie ein Pfeil tauchte er auf und verschwand im Nebel. Zuerst war ich zu Tode erschrocken, aber dann habe ich fast zu Tode gelacht. Da das schlechte Wetter anhielt brach ich die Bergfahrt ab.

ZINÖDL  2191 m GIPFELBUCH 
  Kreuzaufschrift
Er war unser!
Mag das stolze WORT
Den lauten Schmerz
Gewaltig übertönen
  ⇑Johnsbach Gsuchmauer 2114m Pfingsten 1974-06-02<1> Kölbl Ödstein Festkogel Südschlucht Verschneidung Festkogel Hochtor Gewitternacht stehend im Biwak 25. Hesshütte Zinödl Sulzkar Lugauer Radmer 19860726<2>
 
DER LUGAUER Weit hervorragender und sichtbarer Fels Koloß
  25. in der linken Festkogel - Südwand Verschneidung, zum "Festkogel" und zum "Hochtor". Die Nacht verbrachte ich, bei einem Gewitter, im Biwaksack auf dem "Hochtorgipfel". 1986-07-26. Abstieg zur "Heßhütte" Sulzenkar "Lugauergipfel Ost und West" Radmer.
GIPFELBUCH LUGAUER OST
Selig ist wer im Sonnenschein über Höhen schreiten kann,
Selig ist wen um das Haupt der reine Bergwind weht.
Glücklich ist der an dessen Seite stumm der zweite geht,
Der im Herzen die gleiche Liebe zu den Bergen trägt
Sepp Bacher Göstling, 1981-08-01
GIPFELBUCH LUGAUER WEST
Lass dich nicht von Bergen schrecken,
Schau ihnen stolz ins Angesicht,
Wenn sie sich auch mutig recken,
So schlecht wie Menschen sind sie nicht.
Gudrun und Dietmar Plakalmer, 1985-07-13
 
Steht dir der Schweiß auf der Stirn,
Dann wanderst du ohne Hirn.
Manfred Pichler Mooslandl, 1985-07-20
BERGLESUNG GROSSER ÖDSTEIN  
  1986 Samstag: Nach dem Aufstieg vom Koderboden, beobachteten wir eine sich gemächlich in die Gämsengärten des Ödsteines zurückhiehende, Gämsenherde. Am Wandeinstieg, Gamsstein begann es zu regnen, verständlicherweise wurde unser Tatendrang gehemmt:
 
DIE REGENWOLKE
  Eine seltsame Naturerscheinung begann; knapp über uns vor  der Südwand hatte sich aus Nebelschwaden eine einzelne Regenwolke gebildet. Oh wie schade, alles ist ins Wasser gefallen! hörte ich rufen. Doch! So plötzlich wie der Regen gekommen war hörte er auf'.
  UMKEHR Nach dem Übersteigen des Wandfußrücken beendeten in der Südwandschlucht, Rudolf Bernhardt und Johann Glavanovits, die Ödsteinbegehung. Nur wer das Echo in den Felswänden kennt, der wird auch unsere Freude verstehen, als wir vom Gamssattel herauf, die Weisen der Oblarner Bergmusik erklangen. Das erste Frühlicht der Morgensonne beleuchtete bereits die höchsten Zinnen und Spitzen ein neuer Tag, mit all seiner Bergschönheit, eröffnete sich uns.

  So wie sich langsam die letzten Nebelschleier um den Gipfel des Großen Ödsteins auflösten, so kamen mir, damals alle meine Vorerlebnisse am Zauberberg Ödstein
traumähnlich in den Sinn.
  Wieder hörte ich Töne von Stefan Kukula und seinen Musikgefährten, in Erwiderung spielte ich auf der Melodica das Ödsteinlied. Die Nebelschleier gaben den Gipfel des Kleinen Ödsteins und den scharfen Teufelszahn frei.
  Es war wie bei einer Denkmalenthüllung, der weiße Nebelvorhang zog sich am Gipfelgrat empor und gab auch den im Glanze der Morgensonne glänzenden Gipfel des "Großen Ödsteines", frei.  Was nun passierte war sehr unvernünftig, entgegen jeder S
icherheitsregel, stürmten wir alle den Gipfel. Dementsprechend, leistungsmäßig gestaffelt war auch unsere, Gipfelankunft. Der Senior, Stefan > traf als Letzter am Gipfel ein, doch dies hatte seine besondere Ursache.
 
AM GIPFEL 
  Nach dem Wand Überstieg zum Gipfelaufbau des "Großen Ödsteins", hatte sich Stefan, bei dem nach unten führenden Quergang verirrt und kam ungewollt auf den Teufelzahn. Dieser ungewollte, aber nicht ungefährliche Seitensprung, hat einige Stunden gedauert. "Beim Abstieg vom Teufelzahn hatte er einen Abrutscher gehabt und hatte sich dabei beim Festhalten die Hände aufgerissen".  "Das Zusammenbleiben einer Gruppe am Berg ist eine der wichtigsten Sicherheitsregeln in den Bergen". Wir alle: Karl Minhard, Stefan Schefberger, Johann Trimmel, Hans Wiesnegger Ottensheim vulgo Geiger und meine Wenigkeit  waren froh dass, kein Bergunfall passiert war.
ÖDSTEINS MORGENLIED

Einst wacht ich auf aus tiefen Schlaf
Und Tau lag auf den Matten,
 Es fielen blaue Schatten
Als mich der Hauch des Morgens traf.

Ich fühlt´ mein Herz erbeben,
 Auch meine Wimper war betaut
Und eine Drossel sang vertraut
Da musst´ ich mich erheben.

Unwiederbringlich ist die Zeit,
Sie geht und kommt nie wieder
Die Schleier fielen nieder,
Im Pulsschlag der Vergänglichkeit.

Im sonnverklärten Widerschein,
Da ragt der Ödstein steil hervor
Und wieder zieht es mich empor,
Zu seinem Felsenschrein.

Bei dem Gefels dem grauen,
Ging ich bald am alten Steig
Und sah dann durchs Gezweig,
Der Sonne Antlitz schauen.

Blaue Schatten ruhten noch im Tal,
Mir war es als ob ich träume
Und ferne rauschten die Bäume,
Das Märchen es war einmal. > 
  DIE BERGSTEIGERMUTTER
  Liebe Bergfreunde! Herzlich willkommen, auf der "Ödsteinmajestät" und seinem Gefolge, im Zauber des Gesäuses. Es freut das ihr die Mühen des Aufstieg` nicht gescheut habt, um hier oben eine Feierstunde, im Gedenken an den Wiener Alpinisten, "Anton Schubert >", zu feiern.
  Zuerst wollen auch an die die Bergsteigermutter  Frau Katharina Ditz, aus Gstatterboden, - in Stille Gedenken.

  "Carl Hermann >", der Vater der Weitwander Bewegung, ist in seiner Studienzeit in Graz, oft von dort aus mit dem Fahrrad zu Gesäuse - Wanderungen, nach Gstatterboden gefahren. So kam es, dass der Student die gütige, "Mutter Ditz" kennen und schätzen lernte. Gestern nach der Weitwanderer Messe in der Pauluskapelle, auf der Weinebene, hat er mir von davon erzählt.
  Wer weiß heute noch; dass "Carl Hermann", einmal "Kletterlehrer im Gesäuse war" oder, dass er einmal nach einem Bergunglück am Ödstein, "den örtlichen Totengräber im Bergsteigerfriedhof Johnsbach ersetzte".
  Obwohl, "Mutter Ditz", selbst nicht mit Reichtümern gesegnet war, schenkte sie so manchen armen Bergsteiger, ein Stück Brot und einen Schluck Milch. So wie "Maria" der Inbegriff der Gottesmutter im Volk ist, so galt "Frau Katharina" als die Mutter der Bergsteiger. Sie ruht in Frieden im Bergsteigerfriedhof in Johnsbach.
Die Geschenke von armen Leuten,
Sind der Inbegriff des Guten.
Sie war eine von vielen,
Und doch in ihrer Art einzigartig.
Widmung des Weitwander Buches
VOM BASAR ZUM ÖDSTEIN 
  Es war einmal im Palais Lichtenstein in Wien, ein Bücherbasar der UNICEF für die Missionen, dort erstand ich unter anderen auch, "Die Laute des Hochlandes", des albanischen Homeriden "Gjergj Fishta >" und die handgeschriebenen Hefte von "Anton Schubert >" . Vor zwei Jahren hatte ich auf dem "Trojani" Hochweberspitze, anlässlich meiner Gipfelkreuzaufstellung zu Ehren von "Gjergj Fishta", meine erste Gipfellesung. Dann war die Karl Reiterer Gedenklesung am Grimming >, die heutige Bergfeier ist dem unbekannten "Anton Schubert >", gewidmet. Von ihm weiß ich nur, dass er im 18.- und im 19. Jahrhundert in Wien gelebt hat.
  Seine Schriften jedoch zeugen davon er war,
mit Leib und Seele, ein literarisch gebildeter Bergwanderer.  Seine Erzählung, "Der große Ödstein", ist die Ursache unser heutigen Gipfel - Zusammenkunft. Mit seiner Notiz; die er hier bei seinem Gipfelaufenthalt gemacht hat, soll er nun posthum zu Wort kommen.
  Wer nie allein und nur einem inneren Drange folgend, einen Berg erstieg um einsam und zufrieden auf dem Gipfel zu stehen, dem ist die stille, frohe und zugleich weihevolle Stimmung unbekannt, welche der Zauber schier Welt entrückten Höhen, hervorruft.
 
PANORAMA 
  Von diesem Panorama bin ich begeistert. Nie! hätte ich es mir jemals träumen lassen, dass ich es einmal so von hier oben sehe werde. Auch wir Burgenländer können die Berge besteigen und brauchen uns deshalb nicht als Flachlandindianer, abstempeln lassen. Zum Aufstieg möchte ist zu sagen; er zerrt natürlich, das ist nur ein Anstieg für durchtrainierte Sportler. Der Ödstein trifft eine harte Auslese und es ist daher verständlich wenn so mancher, aus Angst oder aus Erschöpfung, umkehrt. Wir haben heute einen herrlichen Tag, was kann man sich, außer einen guten Abstieg, noch mehr wünschen. Berg frei! "Hans Trimmel"  geb. 1939; aus Schattendorf Burgenland.
 
WEICHE KNIE 
  Ein paar mal, ist es mir schon momentan vor lauter Schwindel in den Knien weich geworden, fast wäre ich beim Rudolf und Johann unten geblieben. Dann aber nach diesen kritischen Stellen, zog es mich auf den Gipfel hinauf und ich bereue es nicht, dass ich heute hier heraufgegangen bin. Von Selztal her fließt die Enns gemächlich dahin, doch ab dem Gesäuse - Eingangstor wird sie ein "schäumendes Wildwasser". Deshalb der Name, "Gesäuse"; weil oft der Wind zusammen mit der brausenden Enns, durch das Felsental saust. Berg Heil!  "Karl Minhard" aus Schwechat NÖ
 
BENJAMIN 
  Unser altersmäßiger Benjamin, "H. Wiesnegger >" vulgo Geiger im Zeiringgraben ist in der unwahrscheinlich kurzen Zeit, von 2¾ Stunden, von Johnsbach über den Kirchengrat her, aufgestiegen. Noch vor kurzen bist Du noch vom "Kleinen Ödstein" zur Scharte gegangen, wir haben uns gewundert wie schnell Du auf den Gipfel gekommen bist.
  Von meinem Elternhaus "Geiger", in unserer Heimatgemeinde "Oberzeiring", gehe ich zwei Stunden auf das "Schießeck". Vom "Schießeck" her sah ich mir den,"Großen Ödstein" schon genau an, im Gesäuse war ich, außer auf dem "Großen Ödstein" schon auf allen Bergen. In dem Gipfelbuch der "Hochweberspitze" habe ich von Deinen Aktivitäten gelesen und im vorigem Jahr am "Grimming" war ich irrtümlich einen Tag zu spät dran, aber heute klappte es mit meiner Ankunft und mit dem dem Wetter.
Berg Heil! "Hans Wiesnegger"  geb. 1941; Ottensheim OÖ
 
SENJOR 
  Unser ältester Bergfreund ist, "Stefan >" , er hat heute hier am Ödstein eine hervorragende Leistung vollbracht. Sein Gipfelkampf war am härtesten, denn einen Teil seiner Energie hat er vorher ungewollt in den Teufelszahn investiert.
  Eine besondere Leistung möchte ich gerade nicht sagen, aber als der Älteste der Gruppe ist es klar, dass man schon etwas an den Kräften zerrt. Ich hatte Pech; als die Burschen schon weit voraus waren, da bin ich vom Weg abgekommen und habe mich auf einen wilden Turm hinauf verstiegen.

  Eine Stunde bin ich dort herumgestiegen und nur ganz schwer wieder hinabgekommen. Beim Abstieg habe ich mir die Finger aufgerissen, deswegen das Blut an meinen Händen. Meine Anstiegszeit beträgt nun einschließlich der Pausen; "sechs Stunden", das ist keine hervorragende Zeit, trotzdem war ich bei meiner Ankunft sehr erschöpft. Aber nun habe ich mich schon etwas erholt und bin glücklich, dass ich trotz meines Fehltrittes, noch geschafft habe den Gipfel des"Großen Ödsteines" zu besteigen. Berg Frei!, heißt mein Beitrag, zu dieser Feierstunde.  Im Jahre 1981; ist mir einmal etwas über das Bergwandern eingefallen und daraus wurde ein Gedicht:

BERG FREI

Berg frei! Das heißt wandern durch Wald und Flur,
Von einem Ort zum and'ren in freier Natur.
Berg frei! Über Täler und Hügel hinaus in die Welt,
Lass schießen die Zügel wohin´s dir gefällt.
Berg frei! Steig auf bewaldete Höh´n frei ist die Luft,
Wirst seh´n er ist schön der harzige Duft.

Berg frei! Und hinauf zu den Almen und Wiesen,
Vorbei am springenden Quell.
Das sollst du genießen sei ein froher Gesell´.
Berg frei! Und weiter steige, weiter bergan,
Wo noch gedeihen Flechten und Moos
Und Bergfreund das Glück dann,
Dass dir winkt das ist groß.

Berg frei! Und bist du dann oben schon im Urgestein
Wird Sturm dich umtoben
Doch frei wirst du sein. Berg frei!
Im ewigen Eise und im Gletscherschnee
Vollend´t sich die Reise
Der seelische Druck ist passe.
Berg frei! Die Krönung der Freiheit
Der Gipfelsieg zum Schluss
Unvergessen für alle Zeit
Durch den Bergsteigergruß Berg frei!
  Der Ödstein ist wunderbar, wenn ich es gesundheitlich und leistungsmäßig schaffe, besteige ich ihn vielleicht noch einmal, aber dann etwas weniger unter Zwang ruhiger und eventuell mit einer Biwakierung. Berg frei! >" Schattendorf 1929 - 2005 Wienerneudorf
 
UMKEHR 
  Auch die "Öblarner Bergmusik >" hatte sich in der "Wandschlucht" zur "Umkehr" entschlossen. Mit Rudolf und Johann, wurden sie vom"Erich", des Österreichischen Bergrettungsdienstes Johnsbach, durch die unterirdische Kluft der Weißen Höhle und die fortlaufende Schlucht, abgeseilt.
  Herr "
>" hatte unsere Begehung von Johnsbach aus mit dem Fernglas beobachtet. Bei unserer Abschlussgeselligkeit im Gasthof Ödsteinblick, waren wir zum Abschied wieder alle vereint. Ein schöner Bergtag am Ödstein, bei dem der Berg auch seine Gefährlichkeit zeigte hatte, ging mit Musik und Freude zu Ende. Der Ödstein hatte uns alle, dank des Rettungseinsatzes von, "Erich", wieder gnädig entlassen.

ÖDSTEIN - ABSCHIED 
  1991-07-23, Dienstag: In diesem Urlaub hatte ich mir vorgenommen; alle Berge auf denen ich bisher eine Berglesung abgehalten hatte, zu besteigen. Vormittag war ich am "Schießeck", dann bei der Grimming - Besteigung habe ich in der Nordwand; eine ">" Gedenkstelle, in den Gämsengärten auf einem Plateau vor einer kleinen Felswand, errichtet. Den "Trojani" (Hochweberspitze) bestieg über den historischen Ostgrat vom "Glattjoch" Glattjochkapelle mit Trojani Ostgrat.
  Nach der Gipfelbucherneuerung, verließ ich ihn auf dem Südgrat und in einer Höhenwanderung nach Oberwölz. Dann nach einer Autonächtigung, bestieg ich als vierten Berg den "Großen Ödstein". Aufstieg bei Schönwetter links vom Schneekarturm, Besteigung des "Schneekarturmes" über den Westgrat. An derselben Stelle wie vor fünf Jahren, sah ich wieder eine Kreuzotter.
  Damals hatte ich aus Angst, die Besteigung des "Schneekarturmes" auf dem Westgrat abgebrochen. Inzwischen wurde ich Berg erfahrener, die Begehung des Westgrates und Turmbesteigung war problemlos. Vor der Besteigung des südostseitigen Gipfelwand des "Festkogels", machte ich eine Pause.

  Durch eine Unachtsamkeit verlor dabei, meinen roten Kletterhelm. Diesen Helm hatte ich vor acht Jahren in der "Kleinen Ödstein" - Südwandkluft gefunden, er hatte mir damals den Weg in die "Weiße Höhle" gezeigt. Acht Jahre war er mein treuer schützender Begleiter gewesen, der auch meinen Kopf beim Abtransport des alten Grimming - Kaiser Gipfelkreuzes, durch die Zinnoberwandrinne vor Steinschlag - Schäden, bewahrte.
Wie gefunden so verschwunden.
  Die Suche nach dem Helm war aussichtslos, deshalb fand ich mich betrübt mit seinen Verlust ab. Das "GIPFELGRAT - SCHARTENBUCH" in der Scharte zwischen dem "Großen Ödstein" und dem Abseilturm und das Gipfelbuch am "Großen Ödstein", waren außer einigen Eintragungen, unverändert geblieben. Bei dem Besuch der "Weißen Höhle", stellte ich im "Anton Schubert >" Gedenkbuch fest, dass noch kein Mensch diesen Ort betreten hat. Später  habe ich dann erfahren "Erich" aus Johnsbach hatte die Gedenkstätte schon besucht – er hatte sich aber nicht in das Buch eingetragen.
  Gämsen, Gämsen und nichts als Gämsen war die Losung des Tages, sie waren mir nah und sie waren ferne von mir, um 22 Uhr war ich bei meinem Fahrzeug. Der Nachklang des schönen Bergtages und der Zauber der angebrochenen Nacht, spiegelte sich in meinem Geiste wieder.  Im Mondschatten des "Großen Ödsteines", wurden Erinnerungen aufgewühlt, dieser Berg hat mir unvergessliche Erlebnisse geschenkt, die meiner Neigung zur Natur einen tieferen Sinn gegeben haben und all dies verdankte ich "
Anton Schubert >".  Allmählich spürte ich die Strapazen des Tages, in einer bleiernen Müdigkeit, man kann es kaum fassen was man an einem Bergtag alles erleben kann, war mein letzter Gedanke bevor in einem traumlosen Tiefschlaf versank. Als ich munter wurde war es noch stockdunkel und das war gut so, denn dadurch wurde mir der Abschied vom Ödstein leichter.  Bei der Fahrt am Grimming vorbei durch das Ennstal, wurde mir wieder leichter ums Herz, ich freute mich auf die geplante Besteigung des "Großen Knallsteins", von der Tuchmooralm aus.
  "Der Wanderer"
Hölderlin >", "
>" durch die Hölle zum Knallstein und vieles andere entstand. Doch niemals mehr hat mich je eine Lektüre, wie die von "Anton Schubert >" so sehr wie damals verändert und seitdem wurde mir erst richtig bewusst, wie groß die Macht von "Geschriebenen" sein kann. Gedächtnisaufzeichnung 1995

NASS VON UNTEN UND OBEN  Carl Hermanns Bergrettungsmann
  Als Dank für das alte Gipfelgratschartenbuch Ödstein Hochtor widmete mir Herr Josef Hasitschka > Admont das, für Gesäuse Freunde unentbehrliche Buch: Licht und Schatten im Gesäuse 100 Jahre ÖBRD Gesäuse, von Gschwandtner, Hasitschka, Scheb. In dieser Lektüre fand ich eine Abbildung des Steinernen Bergretters eine mir bisher noch unbekannte Plastik von Carl Hermann. Sie ist  vor der ÖBRD Diensthütte Haindlkar aufgestellt und aus örtlichen Konglomerat gemeißelt. Zur Besichtigung wählte ich den Weg über den Ödstein - Hochtor Gipfelgrat zur Hesshütte und über den Peternpfad ins Haindlkar. Es wurde ungewollt eine Jahreserst Überschreitung^ 1998-06-04<07> mit all ihrer Landschafts- und Wetterschönheit, am Ödstein lag ein neues Holzkreuz zur Aufstellung bereit am Gipfel.
  In der Hesshütte hatte ich vor zu nächtigen und betrat die gute Stube. Außer mir war noch zwei Leute in der Hütte  aber sie waren auch nur Eintagsfliegen gewesen. So blieb ich allein über, allein
– dachte ich in einer Hütte ? Dann doch lieber eine Freinacht. Schon lange ist es her als ich hier, zu Pfingsten im Jahre 1974, die Nacht verbracht hatte. Das ist aber gelinde ausgedrückt, die Hütte war damals so gerammelt voll, dass nur mehr das Gastzimmer zur Hüttenruhe zur Verfügung stand. Vom Peternpfad habe ich schon sehr viel gehört und war der Meinung er würde sich für einen Abendspaziergang gut eigenen. Es kommt aber immer alles anderst und vor allem anderst als man sich es gedacht hat. Es kam die Dämmerung es kam die Nacht und ich kam auf den Neuschneefeldern von der Markierung ab. Weiter zu gehen wäre wohl nicht klug gewesen - so suchte und fand ich einen idealen Biwakplatz.
  Es war eine Wandnischenhöhle in der Nähe der Schlucht Verschneidung. Reste von Sardinen Dosen und ähnliche Relikte zeugten davon, dass ich nicht der Erstbenützer dieses Gemaches gewesen war. Kaum war ich am Einschlafen da kam ein Wolkenbruch, der ganze Wasserschwall sammelte sich in der Schlucht und wurde zum fallenden Strom, der einige Meter von mir entfernt vorbeischoß und immer größer wurde. In meinem sicheren Raum fühlte ich mich geschützt und war froh jetzt nicht im Bereich der Schlucht weggespült zu werden. Doch dies währte nicht lange, in meiner Behausung gab es eine unterirdische Verbindung und aus sickerte Wasser hervor und schwoll zu einem Bach, fürwahr keine angenehme Schlafsituation!

  Ich musste hinaus aus dem Loch und draußen bekam ich die Traufe voll von oben von der Wand. Hinterher erfuhr ich, dass dieses
Gesäuse - Gewitter große Schäden verursacht hatte, doch ein Gewitter geht wieder vorbei – nach einigen Stunden kam der Mond zum Vorschein und alles sah wieder friedlich aus. Nur der Sturzbach in der Schlucht erinnerte an das Unbill. Es war keine feuchtfröhliche - sondern eine nasse Nacht doch der kommende Tag trotzte wieder voll Sonnenschein.
  Ich kam zum Besichtigungsziel dem Steinernen Bergretter von Carl Hermann - hatte aber noch immer nicht genug von den Flüssigkeiten und tröstete mich mit einigen Bierkrügen. Erstmals überschritt ich dann die Gsenkscharte und wanderte gemächlich durch das romantische Jonsbachtal zu meinem Ausgangspunkt dem Kölblwirt zurück. Ob es nun der letzte Abschied vom Ödstein war stand oder steht in den Sternen, doch gewiss ist: Zwei Tage in der Natur können ein ganzes Leben ausfüllen und bei mir war es Gott sei Dank mit erbauenden Sinn. 1998
 
   
SCHUBERT LEGENDE
  Anton Schubert >: Wien, Quelle, wie gestochen handgeschriebene Bergprosa, erstanden am Missionsbassar im Jahre 1982. Aus den mehreren aufgelegen Stößen dieser Literatur, wurde eine kleine Auswahl getroffen, die Qualität der Schriften wurde leider erst später festgestellt. Auszüge aus den Tourenbüchern, von den unvergessenen Stunden einsamer Wanderungen.
  Suchkriterien: 12.09.1891 Samstag Die gestörte Sparafeldtour, mit dem damals 19 Jahre alten Bruder Franz.
  1994-10-31 Herrn Dr. Braun Alpenkurhotel Knappenhof A2651 Reichenau a. d. Rax. Entschuldigen Sie bitte mein langes Schweigen und, dass ich erst jetzt ihrem Wunsche entspreche, etwas vom Ödstein und Franz Schubert zu senden.

  Bei der Durchsicht des alten Exemplars des Östeinprofiles, entschloss ich mich es neu für eine Sonderausgabe zu gestalten und Ihnen mit der Tondokumentation Ödstein und dem WGB zu senden.
  Die Qualität des Tones hat im Laufe der Jahre etwas gelitten, der Schirmherr Johann Ploder, der Bildhauer Karl Hermann, der Bauer Rauch, sind bereits in die Ewigkeit eingegangen. In der
Anton Schubert > Forschung kam ich noch nicht weiter, die Suchkriterien sind auch sehr gering.
  Anmerkung: Zu seiner freien Verwendung, wurden dem Autor des „Rax Hüttenwirtbuches,“ Herrn Dr. Braun
, alle Raxberichte von Anton Schubert > zur Verfügung gestellt.

HISTORIE
  
DAS GESÄUSE 
  Es besitzt einige stolze Gipfel, die nur mittels Kletterkunst bezwungen werden können. Auch die schwierigsten Kletteranstiege haben ihre Berechtigung, sie vermitteln das Erlebnis - von gewaltigen Wandfluchten mit Türmen und Graten, davon kann der Bergwanderer auf den markierten Wegen, keine Vorstellung gewinnen. Andererseits kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, als ob im Gesäuse bereits eine Übererschließung stattgefunden hätte. Hier kann nur jeder für sich selbst eine exakte Grenze, des Sinnvollen ziehen und ein vergleichendes Urteil, über die Bedeutung all der schwierigen Neutouren, soll den Besteigern vorbehalten bleiben.

DER GROSSE ÖDSTEIN 2355 m 
  Er ist der eindrucksvollste und aussichtsreichste Gipfel des Gesäuses, mit einer relativen Höhe von 1700 m ist er besonders von Westen her imposant anzusehen. Der nach Osten hinziehende Verbindungskamm mit dem Hochtor ermöglicht einer der herrlichsten Gratwanderungen im Gesäuse.
  ANSTIEGE: Kirchengrat, 5½ Std., Gamssteinsattel, 5½ Std. Südgrat: Pichl- Panzer und Peterka - Kofler Südwand:1899; F. Panzer - E. Pichl Peterka - Kofler - Weg Südostwand:1919; O. Friedmann - G. Mayer Südostkante: Fischer - Peterka Nordwestkante: Horoschowsky

  Aus dem Ödsteinkar:1910; L. Rizzi - A. Dibona - G. und M. Mayer H. Püchler - H. Schneller - L. Magyar - Weg Preuß - Relly - Weg Redlich - Stefansky - Weg Südost- Ödsteinkarwand: Kolb Verschneidung zwischen Ödstein und Ödsteinkarwand: Poppinger Nordwest- Ödsteinkarwand:1897; Pfannl - Maischberger-Weg 1900; Gams - E. Pichl - Weg, Langsteiner - Phillapitsch - Rössel - Weg Gipfelfallinie; Gerlich - Lindenbach Nordwestverschneidung; Knebl - Peterka.
  TEUFELSZAHN 2120m: Felsenturm nach der Scharte zwischen Kleinen- und Großen Ödstein, der Einstieg befindet sich etwa 50 m südöstlich unter der Scharte.


DAS JOHNSBACHTAL 
  Bei der von der Bahnstation beginnenden Wanderung auf der Fahrweg in das Johnsbachtal, entrollt sich dem Betrachter ein Gebirgspanorama, das im Bezug auf Seltsamkeit der Bergformation und der überraschenden Lichteffekte einzigartig ist. Man ist entzückt von den reichen Wechsel an lieblichen und wahrhaft großartigen Szenerien, und ich übertreibe gewiß nicht, wenn ich sage, dass es geradezu unmöglich ist, die überwältigende Fülle von Eindrücken wiederzugeben, welche wir auf dieser Wanderung empfangen.
  Eine Felsenwildnis schauerlich schöner Art ist es, die uns da umfängt: Die vielzackigen, ausgewaschenen Berggipfel, die bizarren Felsgebilde, die teils senkrechten und teils überhängenden reichdurchfurchten hohen Steinwände. Zügellos über mächtigen, zum Absturz bereiten Felstrümmern und entwurzelnden Baumstrünken, über riesige Lager von Schutt und Geröll, herunterdosende Alpenbäche, geben tiefe Einblicke in die geheimnisvolle Werkstätte der ewig schaffenden Natur; Die hier den Anlass zu allerlei Sagen, wie zum Beispiel der vom "Amtmanngalgen", gegeben hat.
Nach F. A. Kienast, Quelle: Ennstalführer 1905; von Karl Reiterer

JOHNSBACHTALER AMTMANNGALGEN
   Im Dorfe Krumau wirkte im Dienste des Stiftes Admont ein Amtmann, er war sehr unverlässlich, trank kegelte und ergab sich dem Kartenspiel. Seine Frau Elisabeth verwaltete mit einem strengen Regiment das Hauswesen, es kam oft vor, dass sie dem Amtmann, wenn er wieder einmal betrunken nach Hause kam, handgreiflich die Leviten las.  Als er sich, wieder einmal, vor lauter Schulden nicht mehr zu helfen wusste, wanderte er ennsaufwärts und dann in die Wildnis des "Johnsbachtales". Von einem alten Kohlenbrenner hatte er einmal gehört, dass sich dort in der wüsten Einsamkeit der Teufel, von dem man leicht viel Geld bekommen könne, herumtreibe.
  Um Mitternacht - erschien "Luzifer", er sprach: "Ein Jahr lang will ich als dein Diener sorgen, dass du alles was du willst bekommen sollst". Daraufhin unterschrieb der Amtmann den Vertrag des Seelenkäufers..  Von nun an lebte der Amtmann im Überfluss, nichts war ihm zu teuer, alles war ihm nicht gut genug und wenn er betrunken war, ließ er den Teufel auf dem Tisch tanzen.
  Eines Tages befahl er dem Teufel: "Du besuchst jetzt, in meiner Gestalt meine Frau und entschuldigst dich für das lange Fernbleiben". Als der Teufel die Stube der Amtmannsfrau betrat, empfing ihn diese; mit einer wahren Flut ärgster Beschimpfungen. Mit gellender Stimme schrie sie in höchster Wut: "Du Lump, du Gauner! Wo warst du so lang? Warte, ich werde dir helfen!" Und schon fuhr sie mit allen zehn Fingern ihrem vermeintlichen Gatten ins Gesicht und zerkratzte es jämmerlich.

   Dann riss sie ihm büschelweise die Haare aus, ergriff den langen Besenstiel und drosch mit solcher Gewalt auf ihn ein, dass ihm Hören und Sehen verging und er winselnd zur Tür eilte. Da erhielt er noch einen gewaltigen Tritt in die runde Hinterseite und flog in einem weitem Bogen, auf die kotige Straße hinaus.
  An einen anderen Tage befahl der Amtmann dem Teufel: "Gehe in meiner Gestalt nach Hall und schlichte den Streit der Bauern". Mit zwei Löchern im Kopf, mit einem schmerzhaft verrenktem Arm und mit blutendem Rücken, humpelte der Teufel mit geschwollenen Füßen zu seinem Herrn zurück.
  "Amtmann!" - schrie der Teufel in höchster Wut; du bist schuld, dass mich die Bauern so zugerichtet haben als ich Frieden stiften wollte   "Warum schreist du so"? erwiderte der Amtmann, geh nach Admont zum Hofrichter, dort wird dir die volle Gerechtigkeit zuteil werden".

 
Bescheiden betrat der Teufel in der Gestalt des Amtmannes, die Kanzlei des gestrengen Herrn Hofrichters.- Dieser den Amtmann erkennend, sprang sogleich so heftig von seinem Stuhl auf, dass dieser krachend umkippte. Mit zornbebender Stimme - krebsrot in Gesicht - schrie der Richter!: "Du Schurke, du Erzlump, du Spitzbube, du Saufbruder! Wo sind deine Abrechnungen? - Wo ist der Zehent der Bauern? - Na warte ich will´s dir schon besorgen! - Schani, Toni! - Bringt die lange Bank.
  Sie warfen den Armen bäuchlings auf die Bank und spannten die Eisenbänder um seinen Körper. Mit einen gekonnten Ruck, der auf eine gute Übung schließen ließ, riß ihm der Gerichtsdiener Schani auch noch die Hose herab.

"Fünfzig mit den Haslinger Stöcken" schrie der Richter und schon klatschten die fünfzig wohlgezielten und gar kräftig mit den astigen Haselnussstecken geführten Hiebe, auf die entblößte Rundhinterseite des armen Teufels nieder.
  So arg, wie du mir mitgespielt hast, ist es bestimmt noch keinen Teufel ergangen. In diesem Augenblick stand der Teufel in seiner wahren Gestalt vor dem erschrockenen Amtmann, packte ihn und fuhr mit ihm durch die Luft in die Johnsbacher Schlucht. Hier warf er ihn an der Stelle nieder, wo noch heute die beiden hohen Felssäulen knapp neben der Straße, stehen.

  "Ein Jahr ist vorbei, wähle jetzt als letzte Gnade, auf welche Art und Weise ich dich umbringen soll", schrie der Teufel.
"Wenn ich schon sterben soll lieber Luzifer, so kannst du mich da oben zwischen den beiden Säulen aufhängen".  In der ganzen Umgebung stand aber jedoch kein Baum, der für das Querholz lang genug gewesen wäre. "Schurke"! Schrie der Teufel voll Grimm und Zorn und seine Augen sprühten wie Feuer, ich armer Teufel, du bist sogar für die Hölle zu schlecht, scher dich doch zum ......!

  Nein das geht nicht! Bevor du in die ewige Verdammnis eingehst, lebe zur Strafe mit deiner eigenen Frau, sie wird besser wie ich dafür sorgen, dass du "die Hölle bereits auf Erden hast".   Mit diesen wutschnaubenden Worten, gab der Teufel dem Amtmann eine fürchterliche Ohrfeige, spuckte Feuer und Schwefel aus und - war im nächsten Augenblick verschwunden.   Der Amtmann erschauderte in Mark und Bein, der kalte Angstschweiß stand ihm auf der Stirne, er kniete nieder bekreuzigte sich und seine Seele war, von allem Bösen, befreit. Unweit des Bachlwirtshauses, am Eingang zum Johnsbachtale, stehen noch heute die zwei hochaufragenden Felssäulen, den der Volksmund den Namen "Amtsmanngalgen" gegeben hat. Nach F. A. Brauner, Quelle: Steir. Bauernkalender 1955
ÖDSTEIN TONDOKUMENT  WANDERER 1986
A
  • 00 - 04    Sinfonie Nr. 9 Franz Schubert Auszug
  • 04 - 05    Wie schön ist es Kantorei Altmannsdorf
  • 05 - 07    Im Frühjahr  1. Schirmherr >
  • 08 - 20    Alte Volkstänze Walter Wimmer Akkordeon, Alexander Wimmer Violine, > Gitarre
  • 20 - 26    Das Ödsteinlied >
  • 26 - 30    Am Gipfel des Großen Ödsteins
B
  • 00 - 09    Der Gesäusekönig in der Steiermark
  • 09 - 15    Die Öblarner Bergmusik
  • 15 - 26    Bergmesse Weinebene Steiermark, mit >
  • 26 - 30    Das Katschatallied, (Tal zum Schrein steirische Sölkpass - Seite)  Bauer Rauch mit Familie 
SONNENUNTERGANG
 
ÖDSTEIN
  Der Tag neigte sich allmählich seinem Ende zu, schön wie er begonnen, und verklärt mit mildem Scheine, die im ersten Abendrot schimmerten Berge und die gegen das Tal versinkenden Wälder. Schmuck stellten sich diese dar mit ihren, schon vom Herbst buntfärbig geschmückten Lauben, farbenprächtig zwischen dem Dunkelgrün der Nadelbäume glänzend. Sonnenschein lag auf den hochschlanken Stämmen, rötete die Rinden und vergoldete die leicht vom Wind bewegten Wipfeln.
  Anderseits des malerischen Kammes erblickte ich in beträchtlicher Tiefe einige Häuser Johnsbachs. Friedlich ruhte das dämmernde Tal inmitten der hohen Berge. Und jenseits dieser Idylle türmte sich hoch über den Waldrahmen der wildeste Berg des Gesäuses, der als gewaltige Felsenpyramide erscheinende "Große Ödstein".

  Der Schein der tieferstehenden Sonne überflutete die zerklüfteten und prallen Felsen seiner Wände und Grate, die schier wie glühend, rot bis hellfeurig, in das ewige Blau leuchteten.
Angesichts dieser Herrlichkeit lenkten wir unsere Schritte talwärts. Bald schimmerte das schöne Bild nur zeitweise zwischen den Bäumen, deren immer dichter sich zusammen schließenden Scharen es allmählich ganz verdeckten.
Auszug die gestörte Sparafeldtour 
Anton Schubert > 1891-09-12

SONNENUNTERGANG
  Mensch komm! – Erlebe einen späten Sommernachmittag in Gstatterboden. Hoch in den Lüften in dem über den Wänden ausgebreiteten Himmel, kreiste ein Adler. Gesäuse! - Eine zu Fels erstarrte Symphonie der Schöpfung, mit Höhen und Tiefen, Türme und Spitzen, Scharten und Lucken, Kuppen und Kogeln - im sonnverklärten Abendlicht, begleitet vom harmonischem Rauschen und Toben der Enns und dem Brausen und Sausen des Windes durch das enge Felsental. Ich habe in meinem ganzen Leben, noch kein schöneres Naturbild gesehen als die Nordwandflucht des "Ödstein - Hochtor - Höhenzuges", im Glanze eines Sonnenunterganges, nach einem aufklärenden Gewitter.
  Geist und Gemüt empfinden was nur wenige Menschen verstehen: die Natur, den Wert unseres steirischen Heimatboden, die Schönheit und die Laute des Hochlandes und alles zusammen als die Allmacht Gottes. Gott hat alle Menschen gern, besonders sind ihm aber die wenigen ans Herz gewachsen; die dies in Demut empfinden - oder durch Kunst, darstellen können. Sie haben die Gnade; uns alles Gemeine, alle Niedertracht die sich bei den Menschen leider zu oft breitmachen, ertragen und vergessen lassen zu können.

  Ich habe in meinem Leben nie mehr einen so schönen Sonnenuntergang im magischen Lichte gesehen, wie damals im Gesäuse, mein Auge war von lauter Schönheit geblendet. Ich dachte mir: Gott! - die Bergwelt ist schön! Ein feuriger, glutroter Ball versank strahlenlos, die Kugel schien größer zu sein als sonst. In den Augenblicken, wenn er mit dem Auge Gottes sieht, wird der Mensch erhöht.  Wenn meine Erinnerung mir dieses wundersame Ereignis zurückruft, empfinde ich es heute noch als Gnade. Wer ein Empfinden für die Schönheiten der Schöpfung hat, wird mit großer Freude der Stunden gedenken, in denen er, die Herrlichkeiten von "einzigartigen Landschaftsbildern", empfunden hat.
Quellen: Hochlandsbilder und Mein goldenes Steirerland Graz 1921 von Karl Reiterer
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DAS HIMMLISCHE FEUER VERGLÜHT
  Der "Große Ödstein", das "Hochtor", der "Lugauer", der gesamte Gesäuse Höhenzug war sichtbar und ich erkannte alle markanten Details, die ich von meiner vorjährigen Höhengrat Beschreitung dieser drei Gipfel, in Erinnerung hatte. Ihre schneebedeckten Spitzen lohten wie Flammen in der scheidenden Sonne. Langsam verglühte das himmlische Feuer, doch in der Dämmerung verblieb ein Glanz der Herrlichkeit am Horizont, der Mond mit seiner aufnehmenden Sichel machte mit beginnender Leuchtkraft, auf sich aufmerksam und vereinzelt wurden Sterne sichtbar. G. B. Bösenstein > 1987-02-03

IN ASCHE FÄLLT DER TAG
  Es brennt der Tag ab! Seine rote Lohe schlägt in die Wolken und sie glühen vom Feuer. In Asche fällt der Tag, rings wird es düster, die Wolken weinen große Tropfen, von Purpurglut gebeizt, so rot wie Blut. Oh Seele, ist es Torheit, ist es Frevel zu fragen, wohin ist das Vergangene?
  Wo werden all die Schätze, die Wunder, all die herrlichen Gestalten einmal sein? Sie werden wie wir alle, dagewesen und Vergangenheit sein. Solange aber die Erinnerungskraft die Gestalten und die Wunder der Vergangenheit bewahren vermag, werden gewisse Ereignisse, werden sie in der Seele ein Heim haben.
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SONNENUNTERGANG

Ich fürchte ihn nicht den Tod,
Es sei mein letztes Bittgebet:

Auf einem Gipfel lichtumloht,
Wenn es mit mir zu Ende geht,
Möcht ich beim letzten Abendrot,