Tschernobyl Journal (Band 5)
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Fukushima

Sehen wir den Tatsachen ins Auge; durch den Informationsmangel der japanischen Behörden und so viele Dinge, die hinter den Kulissen stattfinden sind wir wie die Gefangenen in Platos Höhlengleichnis, die nur die Schatten der Bilder sehen können, die die Realität an die Wand wirft. Diese Ausgabe zu verfassen, ist wie das Zusammensetzen eines Puzzles. Ein Puzzle, in dem viele Teile fehlen, denn das Desaster ist immer noch nicht vollständig. Vielleicht sind diese Notizen genauso chaotisch, wie die Tage, in denen sie entstanden sind.

Als ich die Explosionen an dem Atomkraftwerk in Japan sah, war mir sofort klar, dass es sich um eine große Katastrophe handelt und dass Informationen in unvorstellbarem Maße zurückgehalten werden. Ein Vorfall dieser Größenordnung muss bedeuten, dass wir uns von der Atomkraft abwenden und uns den erneuerbaren und nachhaltigen Energien zuwenden sollten. Aber wieder einmal wird uns die Wahrheit gestohlen. Wie viele Quadratkilometer unbewohnbaren Landes, wie viele Krebsfälle und wie viele Tote braucht es denn noch, um zu realisieren, dass dieses nicht der beste Weg der Energiegewinnung ist?

Ein Vergleich mit Tschernobyl ist nicht leicht, da dieses ein Desaster mit ganz anderen Eigenschaften ist. In Tschernobyl gab es eine einzige große Explosion, die radioaktives Material weit verteilte, die aber gleichzeitig auch die Möglichkeit weitergehender Strahlungsemission durch fortdauernde Kernspaltung wirksam beendete. Wir können sagen, dass in Tschernobyl mit der Explosion des Reaktors der schlimmste Punkt der Krise schon erreicht war. Radioaktiver Müll ist in der ganzen Gegend verteilt worden, die Kernspaltung wurde sofort beendet und nach zwei Wochen gab es weder Feuer noch Rauch. Die ersten Wochen waren ein Albtraum, aber danach ging es langsam besser. Nachdem der Reaktor umschlossen worden war, zeigte sich keine signifikante Freisetzung von Radioaktivität. In Fukushima gibt es hingegen sechs strahlende Reaktordruckbehälter und viele Tonnen heißer, verbrauchter Brennstäbe, die möglicherweise noch monatelang weiter heiß bleiben und gefährliche Mengen radioaktiver Isotope in die Landschaft schleudern. Es ist gut möglich, dass in der Hälfte der zerstörten Reaktoren eine Kernschmelze stattfindet. Die Menge der von den betroffenen Reaktoren freigesetzten Strahlung kann bereits jetzt mit Tschernobyl verglichen werden und hat das Potential zukünftig noch viel schlimmer als Tschernobyl zu werden.

Obwohl die von der betroffenen Firma und von der Regierung gesteuerten Medien die astronomischen Strahlungswerte in Fukushima ignorieren, können wir trotzdem sogar in den offiziellen Berichten interessante Informationshäppchen finden... wie etwa vor ein paar Tagen dieses hier: "Strahlung beträgt das 1.600-Fache des Normalwertes in 19,3 Kilometer Entfernung vom Fukushima Kraftwerk." (IAEA Bericht- Kyodo News). Nun ja, hinter diesen neunzehn Kilometern beginnt eine sichere Zone und der Strahlungspegel beträgt 160 Milliröntgen pro Stunde! Den Leuten an solchen Orten wird geraten, drinnen zu bleiben. Ich wünsche mir, dass die Behörden diese Leute retten würden, aber stattdessen rettet die japanische Regierung nur die Märkte.

März, 2011

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Sehen Sie Sich das Foto von Reaktor #3 an. Er ist zerstört, es sieht aus -nur Schutt- als ob eine Bombe eingeschlagen wäre und was sagen die Behörden? Zwei Wochen nach der Explosion behaupten sie immer noch, dass der Reaktordruckbehälter nicht beschädigt worden ist. Es ist komisch, dass die Behörden denken, sie können mit Worten übertönen, was die Augen sehen.

Man sagt, dass auch ein düsterer Horizont einen Silberstreifen hat. Allerdings ist wohl der Horizont der Massenmedien von der Wolke eines Atompilzes zerstörter Reaktoren verdunkelt. Sie redeten von Stromkabeln und ihrer wichtigen Rolle. Die Bevölkerung wurde mit Meldungen über das Verlegen von Leitungen gefüttert, aber was nützt ein Stromkabel an einem zerstörten Reaktor? Es ist in etwas dasselbe, wie ein Auto mit geladener Batterie, dessen Kolben mit Seewasser verstopft sind und an dem die Elektronik nicht nur verbrannt, sondern ebenfalls patschnass ist. Dazu kommt noch, dass der Motor explodiert ist, die Hälfte davon fehlt und man schließlich möglicherweise stirbt, sollte man länger als drei Minuten am Motor arbeiten...

All denen, die sich um die Stromversorgung der zerstörten Reaktoren sorgen, möchte ich mit Chamforts Sprichwort sagen: "Bevor man Rüschen an die Hemdsärmel nähen kann, muss man erst einmal ein Hemd haben" ("Avant d'ajouter des boutons aux manches de sa chemise, il faut déjà avoir une chemise.")

March, 2011

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Zweieinhalb Wochen nach dem Unglück erzählen uns die Nachrichtensprecher, dass Plutonium außerhalb des Atomkraftwerkes gefunden wurde. Wirklich interessant ist, dass alle drei Plutoniumisotope 238, 239 und 240 am selben Tag entdeckt wurden. Ich sollte vielleicht besser sagen 'aufgedeckt', weil alle Elemente von Anfang an da waren und sie es gewusst haben. Aber die Informationen werden uns halt nur in kleinen homöopathischen Dosen verabreicht.

Zuerst erzählen sie uns von Jod-131, als ob keine anderen Elemente freigesetzt wurden, dabei wird immer erwähnt, dass Jod-131 eine Halbwertszeit von nur acht Tagen besitzt. Das tun sie, um etwas Zeit zu gewinnen, denn die Allgemeinheit denkt, dass die Halbwertszeit die Zeit ist, die ein chemisches Element benötigt, um ganz zu verschwinden. Als nächstes werden uns Cäsium, Ruthenium und Strontium vorgestellt, alle in einer Reihe, wie bei einer Parade, mit Plutonium an deren Ende. Der Ehrenplatz dieser Isotopenparade ist fest für einen König reserviert. Die Halbwertszeit von Plutonium-239 ist länger als 24.000 Jahre. Leider wird diese Information erst öffentlich gemacht, wenn die Geschichte nicht mehr in den aktuellen Nachrichten ist.

Aus einem Interview mit der Zeitung "IT-TORCA" (Malta)

Fragen an Elena:

Wie ist deine Meinung, wie vergleichst Du die Tschernobyl - Katastrophe mit Fukushima? Denkst Du, dass Fukushima noch ernster ist?

Tschernobyl mit Fukushima zu vergleichen ist, als ob man ein Gangrän mit Krebs vergleicht. Für uns ist Tschernobyl wie ein abgetrenntes Glied. Ukrainer, Weißrussen und Russen besitzen große Territorien und haben sich aus Tschernobyl zurückgezogen, aber Japan scheint zusammen mit einem Tiger in einen Käfig geperrt worden zu sein. Sie sind komplett vom Meer umgeben. Sie können nirgendwo hin... Fukushima trifft mehr Leute, es ist wie Krebs. Ich kann die großen Flecken metastasierender Fäulnis schon sehen, die die japanischen Beamten fleißig reinzuwaschen versuchen.

Die Parallelen zwischen Japans Bürokraten und denen der Sowjetunion sind offensichtlich. Ich denke aber, es ist schlimmer. Die Japaner scheinen ein fast schon genetisch eingepflanztes Verlangen zu haben, unterwürfig an der Bürokratie festzuhalten. Dieses Verlangen der japanischen Bevölkerung scheint stärker zu sein, als der Selbsterhaltungstrieb. Sie verehren Ihre Obrigkeiten, ganz egal, wie unsicher die Aktionen der Verantwortlichen waren.

Es tut mir sehr Leid, das zu sagen, aber in ein paar wenigen kurzen Jahren wird sich Japan, das für Langlebigkeit bekannt ist, in eine kranke Nation mit vielen Geburtsfehlern, vielen Krüppeln und vielen Begräbnissen wandeln.

Zum Wohle der Börse verheimlichen japanische Beamte die Wahrheit und verwahren Teile der Bevölkerung in deren verstrahlten Wohnungen und Häusern. Nun, ich bezweifle, dass sie die TEPCO-Aktien retten können und ich weiß nicht, wie es um die Elektronik-Konzerne steht, aber ich weiß ganz sicher, dass es den Pharmakonzernen im zukünftigen Japan hervorragend gehen wird.

Wie sehen jetzt -25 Jahre später- die Auswirkungen der Katastrophe aus?

Wir reden über die Auswirkungen von Tschernobyl in großem Maßstab, also sollten wir einen Blick auf die Statistik werfen. 1986 lebten in der Ukraine 52 Millionen Menschen, jetzt -25 Jahre später- sind es weniger als 46 Millionen.

In einem kleineren Maßstab kann ich sagen, dass drei Mitglieder meiner Familie an Krebs und Leukämie gestorben sind. Unsere Familie lebt 130 km vom Reaktor entfernt. Auch in den Familien von Freunden und Nachbarn hat es viele Krebstote gegeben, aber wir haben keine wirkliche Statistik. Jegliche offizielle Statistik stammt von Seiten der Atomindustrie und kann nicht ernst genommen werden.

Welchen Schwierigkeiten stehen diejenigen heutzutage gegenüber, die in der Region um Tschernobyl leben? (Ich meine ist es ihnen möglich Ackerbau zu betreiben, haben sie genug zu Essen, gibt es Arbeitsplätze...)

Wer abseits der Hauptstraße lebt, hat keinen Strom. Sie pflanzen ein wenig Gemüse für den Eigenbedarf an. Die Geschäfte haben sich aus dem verseuchten Gebiet zurückgezogen. Investoren rennen vor der Strahlung davon. Jeder Versuch, Projekte in das Gebiet zu ziehen, scheitert.

Trotzdem kann die Regierung eine schöne Show bieten. Beispielsweise gibt es an der Straße zwischen Kiew und Tschernobyl, also die Straße, auf der die offiziellen Delegationen reisen, Extra-Prämien für Leute, deren Häuser an dieser Straße liegen. Also bleiben dort Dutzende von Familien wohnen. Die Regierung versorgt sie mit Strom. Das beeindruckt Reisende und läßt sie glauben, dass das Dorf lebendig und das Leben normal ist, aber wenn man um die Ecke schaut, sieht man totale Verwüstung. Um die Frage nach Arbeit zu beantworten... Nun ja in der ganzen Region um Tschernobyl ist es das, was man am ehesten so nennen könnte. Die Mission dieser Leute ist, eine normale Fassade für Tschernobyl zu bieten, eine "façade de Tshernobyl".

Was für eine Botschaft hast Du heutzutage bezüglich dieser Tragödie?

Am Beispiel Fukushima haben wir alle gesehen, wie schnell Reaktoren aus dem Ruder laufen, wenn das Kühlungssystem unterbrochen wird, dann folgt eine Wasserstoffexplosion und das Land um den Reaktor ist für Jahrhunderte verseucht. (In Tschernobyl gab es dieselbe Art Explosion wie in Fukushima.) Jetzt können wir uns in etwa vorstellen, was für eine Situation entsteht, wenn ein Reaktor bombardiert wird.

Wir leben in der Abenddämmerung des Ölzeitalters. Die billige Ölparty mit der wir die letzten 50 Jahre Spaß hatten, geht zu Ende. Rohstoffe werden rar und um die verbleibenden Reste wird es große Kriege geben und in diesen zukünftigen Kriegen werden Atomkraftwerke Hauptangriffsziele sein. Ich weiß nicht, wieviel Zeit wir noch haben, bevor die Hölle losbricht... Jetzt müssen wir die Schließung nuklearer Anlagen in der Nähe großer Städte einfordern. Atomreaktoren sind nichts weiter als eingepflanzte Zeitbomben.

Victor Vella/ IT-TORCA (Malta)/April 2011

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Es ist erschütternd mit anzusehen, wie für einen gewissen Teil der Gesellschaft unverblümter Diebstahl und Plünderei zum Lebensstil wird... wie einige wenige ihren Vorteil aus einem System ziehen, das Gewinne für eine private Elite vorbehält, aber Verluste und Schäden auf die Schultern der Bevölkerung ablädt. Frederic Bastiat, ein Wirtschaftswissenschaftler des 19. Jahrhunderts, sagte einmal:"Wenn Plünderei zum Lebensstil einer Gruppe innerhalb der Gesellschaft wird, wird diese Gruppe im Laufe der Zeit ein Rechtssystem hervorbringen, welches das Vorgehen autorisiert, sowie ein Moralcodex entwickelt, der es glorifiziert.

Bei näherer Betrachtung Fukushimas sehen wir ein derartiges System bei der Arbeit. Es erlaubt einer gesunden Elite gigantische Profite zu ernten, den Genpool einer Nation zu verwüsten und im Moment der Katastrophe die Verantwortung auf die betroffene Bevölkerung abzuwerfen, die dann Verluste und Schäden begleichen muss. Es ist offensichtlich, dass das japanische Rechtssystem hoffnungslos wenig mit Gerechtigkeit zu tun hat. Tepco und andere wohlhabende Konzerne verursachen Massenmord sowie die Zerstörung gegenwärtiger und zukünftiger Generationen ohne von Rechts wegen behelligt werden zu können.

2012

Viele Jahre lang ist uns erzählt worden, dass es sicher wäre, in der Nähe von Kernkraftwerken zu leben. Das scheint sich ja nun wohl zu bewahrheiten. Menschen die weniger als 30km von Fukushima-Reaktoren entfernt wohnten, wurden sofort evakuiert, wohingegen Millionen Menschen, die in einer Entfernung von 40-80 Kilometern wohnen, zurückgelassen wurden, um krank zu werden und zu sterben.

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La Rochefoucauld hatte den Gedanken, dass man weder die Sonne, noch den Tod ständig betrachten kann. Die Welt hat das Interesse an Fukushima schon gegen Ende Mai 2011 größtenteils verloren. Ermüdet von der eigenen Hilflosigkeit wandte man der fortlaufenden Tragödie den Rücken zu, als klar wurde, dass die radioaktive Vergiftung ein Tod auf Zeit ist.

Ich denke, dass es sich dabei um irgendeinen Abwehrmechanismus unseres Hirns handeln muss.

Anmerkung zum zweieinhalbsten Jahrestag.

Es ist zweieinhalb Jahre her, dass die Atomreaktoren in Fukushima in die Luft geflogen sind. Ich habe mich zu einem Update meines Journals entschlossen und fand alles unverändert vor. Es gibt keine Vergangenheit für Kernkraft-GAUs. Tschernobyl ist eines dieser Dinge, über die Heinrich Heine sagte: "Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu."

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Die Explosion bei Mayak/Russland, 3-Mile-Island, Tschernobyl, Fukushima... wie lang muss die Liste noch werden, bis die Bevölkerung begreift, dass im Umgang mit Nuklearenergie zwar jedes einzelne Vorkommnis ein außergewöhnlicher und besonderer Vorfall ist, aber trotzdem in der Regel zur Katastrophe wird.

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Zweieinhalb Jahre sind vergangen und was machen die? Sie erhöhen einfach die Grenze der ungefährlichen Strahlungsbelastungen und schon sind wir alle wieder sicher.

Wir haben gedacht, die Kommunisten wären grausame Bastarde und haben sie kritisiert, weil sie die Evakuierung der Region um Tschernobyl ein paar wenige Tage verzögert haben. Doch nun müssen wir mit ansehen, wie die japanische Zivilbevölkerung leise und langsam von korporativen Nukleokraten niedergemacht wird. Das wird noch Jahre andauern, bis Nordjapan schließlich zu einer Geisterinsel kranker und sterbender Schwächlinge wird. Klever genug, um Panasonics, Toyotas und Hondas zu bauen, aber nicht klever genug, um die Büchse der Pandora wieder zu verschließen. Fukushima lässt unsere guten, alten kommunistischen Führer in einem freundlichen Licht erstrahlen. Sie erscheinen geradezu als Engel der Barmherzigkeit, wenn man sie den völkermordenden Soziopathen aus Tokyo gegenüberstellt. Ich denke, dass die japanische 'Führung' keine Wahl hat, da sie das 'Business' repräsentiert. Die Evakuierung der Region Tschernobyl wurde fast sofort vollzogen. Warum? weil es in einem kommunistischen Staat kein 'Business' gibt, das hätte unterbrochen werden müssen.

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Die Vernichtung allen Lebens in Zeitlupe. Eine ganze Regierung, deren höchste Priorität es ist, Arbeitsplätz in Japan zu sichern, die -nach dem März 2011- anstatt die Kinder der Nation zu retten, lieber Märkte rettet oder darum besorgt ist, dass Autoteile rechtzeitig beim Kunden eintreffen. Es gibt in der gesamten Geschichte unseres Planeten nichts vergleichbares. Dieses ist ein absolutes Novum. Nicht in den schlimmsten Träumen hätte man sich so etwas ausmalen können und nun sehen wir es auf unseren Flachbild-Fernsehern in Farbe und HD!!

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Die Leute, die meine Artikel lesen, werden bemerkt haben, dass ich niemals mit den Statistiken von Tepco arbeite. Die sagen uns nur das, was sie uns sagen möchten. Die drucken ihre Lügen so dick, dass kein Platz bleibt, um zwischen den Zeilen zu lesen. Ich glaube deren Berichten einfach kein Wort. Mit diesen nuklearen Beamten ein ehrliches Gespräch zu führen, ist genauso unmöglich, wie mit Falschspielern ehrlich Karten zu spielen. Unsere gemeinsame Zukunft liegt nun in den Händen von Leuten, die berufsmäßig betrügen.

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Warum hinkt Japan so hinterher, wenn es darum geht entsprechende Ressourcen bereitzustellen und warum haben sie noch keinen Weg gefunden, ausreichende Einsatzkräfte zusammenzustellen? Ich glaube, wir müssen den Sowjets für ihren eisernen Griff, die Sklavenarbeit und für die schnelle Mobilisierung massiver Manpower danken. Der große Erfolg der Sowjets bei der Rekrutierung der 'Liquidatoren' in Tschernobyl ist ein Hinweis, dass nur ein auf Sklavenarbeit basierender, totalitärer Staat effektiv mit einer nuklearen Katastrophe umgehen kann.

Atomkraft ist zu Demokratie und freier Marktwirtschaft nicht kompatibel. Wenn die Leute Eigentum besitzen, angemessene Löhne erhalten und etwas zu verlieren haben, opfern sie Ihr Leben nicht so bereitwillig, wie Sklaven das tun. Atomkraft ist nicht kompatibel zu Freiheit. Denn wo es Entscheidungsfreiheit gibt, entscheiden sich die Leute für das Leben und dafür, Jobs in explodierten Kernkraftwerken fern zu bleiben. ***********************

Nun wissen wir auch, was der Trick mit der 'Kaltabschaltung' war. Im Mai 2011 hat Tepco angekündigt, die Reaktoren bis zum Dezember 2011 in den Zustand der Kaltabschaltung zu bringen. In der Zwischenzeit schmolzen die Kernbrennelemente die Reaktorbehälter und brannten sich durch die Betonwände in den Boden. Als dann schließlich die Kaltabschaltung verkündet wurde, befanden sich die Brennstäbe bereits unterhalb der Reaktoren. Kein Wunder, dass die Temperaturen in den Reaktorbehältern stabil waren - sie waren leer. Wenn sich in ferner Zukunft die Forscher dieser Geschichte widmen werden, werden sie an die Tür eines zerfallenen Konstrukts aus Fälschung und Betrug klopfen und es völlig leer vorfinden. Sie werden ein paar dampfende Löcher erblicken, die Tepco Reaktoren nennt.

September 2013

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Seit Anfang des Einundzwanzigsten Jahrhunderts haben alle wahrheitsliebenden Leute und alle mit einem Urteilsvermögen versehenen und des Denkens fähigen Menschen, zwei Rückschläge erlitten. Der erste war die kontrollierte Zerstörung des World Trade Centers am 11. September 2001 und der zweite fand am 21 März 2011 statt. In den Zeiten des Goldenen Optimismus der 1990er Jahre dachten wir alle, dass das Internet uns einfacheren Informationszugriff bieten und damit das Leben der Gesellschaft verbessern wird. Wir dachten, dass eine gut informierte Öffentlichkeit sich stärker einmischt und krumme Wege korrupter Institutionen und Regierungen begradigt. Heute ist von diesem Optimismus nichts übrig. Wir erleben, dass wir -obwohl wir besser informiert sind als jemals zuvor- auch passiver sind als das jemals zuvor der Fall war. Beachtenswerter weise fanden die zwei Ereignisse biblischen Ausmaßes am 11.9.2001 und 11.3.2011 in der Epoche des Internet-Zeitalters statt und beide sind eine Niederlage für alle Menschen guten Willens. Bevor es das Internet gab, gab es mehr Leidenschaft und Hingabe zu sozialen und politischen Angelegenheiten. Tschernobyl sorgte beispielsweise dafür, dass die meisten Nuklearprojekte auf dem Planeten eingefroren wurden; es wurde zwei lange Jahrzehnte zu einer Gräte im Schlund der Atomlobby. Fukushima dagegen hat bisher gar nichts bewirkt, aber die Optimistin in mir möchte hoffen, dass die Menschheit sich nun erhebt und beginnt, anständig zu kämpfen..., denn wenn wir es nicht tun, könnte uns das nächste Ereignis biblischen Ausmaßes für immer ins Koma befördern ***********************

Ich möchte jedermann zu ein bisschen Action ermutigen, tut etwas! Informiert Freunde und Nachbarn über die reale Situation in Japan. Wenn die nächste Katastrophe hereinbricht fühlt Ihr Euch dann wenigstens nicht wie einer von diesen unterwürfigen Sklaven, zu denen die Menschheit offensichtlich geworden ist.

October 2, 2013