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Erlebnisse im B&B

Do it yourself


Da man die Privatwohnung der Gastgeberfamilie teilt, teilt man auch deren Begabung zur Improvisation. Dies bedeutet in vielen Fällen ein für deutsche Verhältnisse sehr ungewöhnliches Arrangement von Übergangsregelungen, Provisorien und nicht immer fachgerecht ausgeführten Heimarbeiten. In den 10 Jahren, die ich nun Irland bereise, hatte ich vielfach die Gelegenheit, Kostproben der in Irland mit großer Begeisterung ausgeführten Hobbybasteleien zu erhalten.
Anpassungsfähigkeit muß der deutsche Gast schon beim Bedienen der üblicherweise nachträglich im Gästezimmer eingebauten Dusche beweisen: Die meist elektrisch betriebenen Duschen sind immer wieder ein Test für die eigene Experimentierfreudigkeit und Geduld: Kleine Kästen an der Wand regeln Wasserlauf und Wärme - aber welcher Knopf und welcher Schalter wie eingestellt werden müssen, um einen einigermaßen gleichmäßigen Warmwasserstrahl zu erhalten, ist bei jeder Dusche neu und aufregend. Manchmal nützt alles Experimentieren nichts, weil man dummerweise übersehen hat, daß vor der Badezimmertür ein Hauptschalter ist, der überhaupt erst mal den Strom einschaltet...
Für die Funktionsweise des Durchlauferhitzers ist natürlich allein die Herstellerfirma verantwortlich, aber es gibt in vielen B&Bs Zeugnisse fröhlicher Heimwerker, die erfrischend wenig vom in Deutschland weit verbreiteten Perfektionismus aufweisen:
Wurde beispielsweise übersehen, daß die in die selbst eingezogene Wand eingesetzte Schiebetür zum Badezimmer gar nicht schließen kann, weil das Heizungsrohr im Weg ist, dann ist das noch lange kein Grund, die lästige Arbeit auszudehnen. Schließlich ist der Sichtschutz ja auch ausreichend vorhanden, wenn die Schiebetür halt nicht auf die letzten 5 cm schließt - und auch die dümmsten Gäste (wie ich) merken spätestens beim vierten Versuch, daß es kein persönliches Scheitern ist, wenn die Tür eben nicht schließt!

Raum ist in der kleinsten Hütte

Welche Blüten das Beschaffen von Raum für Gästebetten treiben kann, stellten wir in Dublin fest:
Hier wurde vermutlich ein Innenhof oder Ähnliches zu einem Gästezimmer umfunktioniert. Telefonisch gebucht, konnten wir das Zimmer nicht wie üblich erst besichtigen, bevor wir mit dem Vermieter handelseinig wurden - es wäre eh zu spät gewesen, noch anderswo zu suchen.
Verblüfft stand ich im Raum: Kein Fenster??? Ich schaute nach rechts, nach links, vor und hinter mich - tatsächlich: Ein französiches Bett an einer Wand, ein schmaler Schrank an der anderen, ein Tisch an der dritten, die Tür in der vierten - allesamt fensterlos. Das konnte doch nicht möglich sein? Selbst in einem 12 m² großen Zimmerchen muß es doch Platz für ein Fenster geben?!
Bevor mich der erste Anflug von Panik packen konnte, deutete mein Gefährte grinsend nach oben: da war ein Oberlicht, direkt über dem Bett. Gut - wenigstens konnte Luft und Licht herein - oder? Beunruhigt schaute ich mir das Oberlicht an: ziemlich hoch, dieses Zimmer. Ich streifte die Schuhe ab, kletterte aufs Bett, streckte mich nach dem Öffnungsmechanismus: Mist, zu hoch. „Uli, mach du mal!“ Immerhin ist er mit 1,76m noch volle 8 cm größer als ich - aber auch er kam so grade eben dran. Egal, es reichte zum Öffnen und kühl strömte die frische Januarluft in das etwas stickige Zimmerchen. Wir brachten unsre Rucksäcke unter und beschlossen, gleich noch etwas zu Abend zu essen.
Das „Fenster“ machen wir vielleicht besser zu, falls es regnet, oder? Au weia - aufstoßen ist eine Sache, runterziehen eine andere. „Ich komm nicht dran.“ Ja, und nun? Wir können das doch nicht die ganze Zeit offen lassen, oder? Ratlos sahen wir uns an. Ein zweiter Versuch, wir suchten nach einem Hilfsmittel, fanden keins - schließlich gaben wir auf, leicht entnervt: Ist ja auch eine bescheuerte Idee, direkt über dem Bett ein Oberlicht als einzige Frischluftzufuhr! Stell dir mal vor, wenn’s hier schneit - dann kommt nicht mal mehr Licht ins Zimmer! Jetzt ist es egal, ob’s Fenster offen ist oder nicht, wird schon nicht regnen. Wir gingen Abendessen und hatten Glück mit dem Wetter.
Nachts schlief ich trotzdem gut, dachte nur beim Einschlafen leicht beunruhigt drüber nach, was wäre, wenn es anfinge zu regnen. Schließlich lagen wir direkt drunter!
Am nächsten Morgen, als ich aus dem Bad kam (wir mußten das Bad mit anderen teilen), fiel mir im Flur neben der Badezimmertür ein länglicher Gegenstand auf: ein Leichtmetallstab, etwa 80 cm lang, mit einer Art Öse am einen Ende - was mochte das sein?
Erst, als Uli laut drüber nachdachte, ob wir jetzt den ganzen Tag in Dublins Museen und Läden verbringen könnten, ohne das Fenster irgendwie wieder zu schließen, sah ich die Verwendungsmöglichkeit... zum Glück regnet’s nicht immer in Irland!

Ballyshannon Folk Festival

Tja, Fenster...
In Ballyshannon hatten wir drei davon: eine ganze Wand bestand nur aus Fenstern. Schön, zumal in jenem Sommer, wo es so untypisch heiß war für irische Verhältnisse! Ich langte nach dem Griff, drehte ihn nach oben, um das Fenster zu kippen - und stieß einen schrillen Schrei aus: geistesgegenwärtig hatte ich grade noch die andre Hand nach oben gerissen, sonst wäre mir das ganze große Fenster auf den Kopf gefallen! Uli kam herangesprungen: Spinnst du? Was machst du da? Er half mir, das Fenster wieder in den Rahmen zu drücken und zu zweit untersuchten wir Fenster und Rahmen. Verblüfft stellten wir fest, daß in den Scharnieren die Schrauben fehlten: das Einzige, was dieses Fenster an seinem Platz hielt, war der Griff, wenn er bei geschlossenem Fenster eingerastet war. Wir lachten, typisch Irland, und beschlossen, dann eben eines der anderen Fenster zu benutzen.
Tja, vermutlich hätten wir’s uns denken können: auch beim zweiten Fenster waren die Scharniere nicht aneinander befestigt - und woher der Sprung in der Glasscheibe des dritten Fensters stammte, war dann auch kein größeres Rätsel mehr. Hier half also nur ganz oder gar nicht: entweder mußten wir das Fenster aushängen und gegen die Wand lehnen oder eben geschlossen halten. Aber damit kann man leben...
Nach dem Folkkonzert kamen wir sehr spät zum B&B zurück, fröhlich, etwas beschwipst und müde. Wir schlichen uns auf Zehenspitzen ins Haus, wollten nachts um 1 nicht alle aufwecken. Als erstes wollte ich aufs Klo, ging also am Zimmer vorbei, zwei Türen weiter zum Bad, das man uns gezeigt hatte: besetzt. Naja, dann halt doch erst Zähne putzen. Zum Glück war ein Waschbecken im Zimmer. Danach zweiter Versuch: wieder besetzt.
Ok, zieh ich halt schon mal mein Nachthemd an und lese noch eine Runde. Die Zimmertür laß’ ich offen, damit ich mitkriege, wenn das Bad frei wird. Es vergingen fünf Minuten, zehn - im Gang rührte sich nichts. Konnte das sein? Uli war schon draußen im Hof, dunkel genug ist es ja und die Rosensträucher sahen so trocken aus.
Ich wußte, ich würde nicht schlafen können, wenn ich jetzt nicht aufs Klo käme. Also noch mal ans Badezimmer: abgeschlossen. Ich klopfte, erst leise, dann fester: „Anybody in there?“ Keine Reaktion. Ich hängte im Zimmer das Fenster aus und lehnte mich hinaus: im Bad nebenan brannte Licht. Also mußte doch jemand drin sein?! Wieder klopfte ich, diesmal energischer, mit der ganzen Hand. Ich rief nochmals. Kein Mucks aus dem Bad.
Schließlich wurde es mir zu lange. Ich zog mich wieder an, schlich mich aus dem Haus - Rosenbüsche sind niedrig, die Straße führte direkt vorbei - das ging nicht. Also ums Haus herum, mondlose Nächte sind dunkel - was war das? Eine Hecke. Ich ging an ihr entlang, bis ich zu einem Gatter kam, kletterte drüber und hoffte, während ich in die Hocke ging, daß keine nachtaktive Kuh über mich stolperte. Auf dem Rückweg sah ich, daß noch immer Licht im Bad brannte. Ich ging zu Bett, wunderte mich, was da los sein mochte.
Früh um sechse wachte ich auf, die Blase drückte ein wenig, vielleicht war es einen weiteren Versuch wert. Besetzt. Mist. Also wenig bewegen und weiterschlafen. Um neun wurde ich erneut wach und zu meinem Entzücken war die Badezimmertür jetzt nur noch angelehnt. Nach dem Duschen bemerkte ich am Ende des langen Ganges eine halb offene Türe. Ich bin sehr neugierig, also drückte ich die Tür vollends auf und erspähte... eine Toilette!
Die landlady, die am Vortag leider nichts vom Vorhandensein einer zweiten Toilette erwähnt hatte, erzählte beim Frühstück immerhin, daß einer ihrer Gäste so betrunken heimkam, daß er die ganze Nacht im Badezimmer geschlafen habe...

Eingängliches

Nach diesem Erlebnis schworen wir uns, nie mehr ein Zimmer ohne eigenes WC zu nehmen - lieber 5 Pfund mehr zahlen als nochmal nachts zur Kuhweide tapsen!
Daß auch so etwas seine Tücken hat, erlebten wir jedoch in Rosslare: In der Nacht weckte mich ein Rufen und Pochen, das ich nicht gleich einordnen konnte. Nanu, wo war mein Reisegefährte? Schlaftrunken versuchte ich, seine Abwesenheit und die Geräusche irgendwie einzuordnen. Tatsächlich: er klopfte von innen gegen die Badezimmertüre und rief nach mir. Was war los? „Ich krieg die verdammte Tür nicht mehr auf, die Klinke klemmt!“ Ich stand auf und drückte auf meiner Seite der Tür die Klinke nieder: keine Bewegung. Das konnte doch nicht sein? Noch ein Versuch, nichts rührte sich. „Ja, wie bist du denn reingekommen?“ - „Die Tür war doch den ganzen Abend nur angelehnt, ich wollte dich mit dem Licht nicht wecken, deshalb hab ich sie zugezogen.“ - Lieb von ihm, aber es mußte doch zu öffnen sein?! Plötzlich durchzuckte mich ein Geistesblitz, genährt von vielen Erlebnissen individueller Heimwerkerkunst auf dieser Insel der Individualisten: ich drückte die Klinke nach oben und - voilà - die Tür öffnete sich ganz leicht...
In Clones dagegen war unser erstes Problem, daß sich die Zimmertür nicht schließen ließ. Nicht abschließen, heißt das. Da wir zwei Nächte bleiben, in der Zeit durch die Pubs und zum Fußballfeld ziehen wollten und uns in einem relativ großen und völlig ausgebuchten Hotel aufhielten, legten wir schon Wert darauf, daß wir unser Zimmer verschließen konnten. Also bat ich den jungen Mann an der Rezeption um Hilfe.
Während Uli unsere Fahrräder versorgte, abschloß und die Packtaschen herbeitrug, ging ich mit dem leicht schuldbewußt dreinschauenden Mann („Well, yes, I know, we haven’t let this room for quite a while, so I really forgot about it...“) zu unserem Zimmer. Er kam mit mir rein, schloß die Tür, probierte den Schließmechanismus - kein Erfolg. Noch einmal, mit Gefühl und kleinen Wacklern nach rechts und links und nochmal einem Ruck nach links - KLICK. Schön, mit ein paar Tricks geht das also. Auch recht, wenn man’s weiß.
Er strahlte mich an und wollte das Zimmer verlassen. Er ruckelte an der Tür, drehte den Griff, zog, ruckte, schob, drehte... genau: es war zugeschlossen. Fest verschlossen, nicht zu öffnen und Uli, der mittlerweile mit zwei Packtaschen vor der verschlossenen Tür auftauchte, wunderte sich nicht wenig, warum ich mich mit einem Unbekannten da eingeschlossen hatte. Er wurde erst wortreich beruhigt, es sei wirklich nur ein Versehen, und er möge bitte nichts Schlimmes denken - aber ob er bitte so gut wäre und den Bruder hole? Der sei sicher hinterm Tresen oder vielleicht in der Küche und solle doch den Werkzeugkasten mitbringen. Nach wenigen Minuten kamen die beiden wieder. Man hörte von innen, wie sich jemand mit dem Werkzeugkasten an der Tür zu schaffen machte - ohne Erfolg. Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis auch der zweite Hotelmanager mit einer Leiter unser Zimmer durchs Fenster betreten und dann gemeinsam mit seinem Bruder das Schloß wieder geöffnet hatte. Wir bekamen unter vielen Entschuldigungen einen Sonderpreis, überließen unsre Wertgegenstände dem Hotelsafe und schlossen halt nicht ab.
Gerne wüßte ich, ob heute, drei Jahre später, alle Zimmer im „Lennart’s Arms“ abschließbar sind - wer kann Auskunft geben? Ich bitte um eMail!

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