"Empfehlung [...]"

mit Bezug zu: Quexit, "The European Graduate School", 2024

 

(1) Emails an einige Religionswissenschaftler*innen, 09.02.2024.

"Liebe[r] [...],

entsetzt musste ich heute feststellen, dass bei dem Relaunch der Webseite alle meine Arbeiten zu Antisemitismus und Islamkritik entfernt wurden. Stattdessen gibt es einen neuen Text über Antisemitismus, der ihn mit Rassismus gleichsetzt. Angesichts der aktuellen Debatten und Kriege empfinde ich das sehr verhängnisvoll und habe eben eine bitterböse Email an das Team verfasst. Ich möchte daher allen [...], die ich noch ereichen kann, den sofortigen Austritt empfehlen.

Herzliche Grüße
[...]"

 

(2) Facebook, 10.02.2024:

"[...] Tatsächlich etwas ungenau war der Ausdruck 'Islamkritik', die auch verschwunden war, denn natürlich hatte REMID keine Islamkritik betrieben, sondern in kritischen Interviews mit zB Islamwissenschaftler*innen ging es dann um die Thesen mancher Islamkritiker*innen wie Ahmad Mansour oder eben auch um islamistische Strömungen [...].

Abb. "Dominoes falling" von Kurt:S unter Creative-Commons-Lizenz CC BY 2.0 (modifiziert).

 

(3) Xxxxxxxxx, eine Mailingliste des Faches Religionswissenschaft, ein*e Empfänger*in der Emails vom 09.02.2024 schreibt am 13.02.2024:

"[A]ls [...] möchte ich auf die Debatte um die Definitionen von Antisemitismus und die Wissenschaftsfreiheit [!] hinweisen, die in den letzten Monaten entbrandt [!] sind [!]. [...]".

 

(4) Facebook, 05.03.2024:

"Es ist so seltsam unwirklich. Wie Urlaub. Endlich können meine inneren Entzündungen heilen. Es war sehr zermürbend, keinen safe place gehabt zu haben. Körperlich zermürbend. Und ein wenig habe ich Wehmut, dass es so gekommen war. Der alte Vermieter war dieser Typ, früher SPD, diese alten nicht renovierbaren Bruchbuden erstand er vor ca. zehn Jahren. Es gab einen Zwischenbesitzer, aber auch der hatte das Schild 'Flamigos 24h offen' nicht entfernt. Es war auch kaum noch zu lesen. Die Wohnung im Erdeschoss zuletzt hieß auf dem Stromzähler 'Der Laden'. Die im 2. Stockwerk war zumindest seltsam geschnitten und es war eben schon das Problem, dass es so hellhörig war, dass du sofort gehört hättest, wenn wer in einem Nachbarzimmer Probleme hat. Er vermietete ursprünglich auch an Studis, ging aber dazu über, nur noch an (arbeitende! Das war ihm wichtig) Geflüchtete zu vermieten. Das war auch im 2. Stock ganz gut gelaufen. Da waren es Menschys aus Eritrea. Doch nach einer Heirat war es aus, X. zog in eine größere Wohnung, Y. wollte eh gerade fort, und so kam ich ins Erdgeschoss, dass er oben mal etwas renovieren kann. Ein kleines Bisschen. Ja und so kam es zu der Situation, die bis vorgestern andauerte. Zwei Menschys aus dem Irak und dem Sudan, die mich aus wahrscheinlich religiösen Gründen völlig ablehnten...".

 

(5) In der Mailingliste folgt eine Reihe von Bekenntnissen gegen die IHRA-Definition von Antisemitismus, unter Bezugnahme auf die gegen die IHRA initiierte, insbesondere israelbezogenen und strukturellen Antisemitismus ausklammernde und in antizionistischen Kreisen beliebte Jerusalem Declaration on Antisemitism, u.a. von Markus Dreßler, zu dieser Zeit "Heisenberg-Professor für Moderne Türkeiforschung am Religionswissenschaftlichen Institut der Univ[ersität] Leipzig", der darauf am 26.03.2024 auf counterpointknowledge.org, "a global research center and information hub, located at the interface of academic and non-academic knowledge practices and traditions", einen Essay "Kritik jenseits polarisierender Selbstvergewisserung: Hamas, Israel und die deutsche Diskussionskultur" veröffentlicht:

"[...] Als Biodeutscher mit familiären Wurzeln in Nazideutschland kann ich die Rede von der besonderen Verantwortung und daraus abgeleiteten Handlungsmaximen unterschreiben - sie sind Teil meiner Familienbiographie und damit meines Erfahrungsschatzes. Es ist absurd, dies von Migrant:innen ohne diesen historischen Hintergrund in gleichem Maße einzufordern.

[...]

Allerdings: ob die jüngere deutsche Diskussionskultur bei politisch sensiblen Themen wie der Corona- und Impfdebatte, dem russischen Ukrainekrieg und jüngst dem Israel-Palästinakonflikt den Stresstest einer offenen pluralen [!] Streitkultur erfüllt, kann man sicher in Frage stellen. Wer bei einem dieser Themen eine, im öffentlichen Diskurs zumeist sehr klar erkennbare, Minderheitenposition [!] vertritt, unterliegt schnell der Gefahr einer moralischen Verurteilung durch sich in diesen Debatten etablierende Mainstream[!]-Positionen [...]".

 

(6) Am Ostersonntag, 31.03.2024, ruft ein Polizeibeamter an. Am Vortag habe sich der Stalker J.W. Zutritt zu einer meiner früheren Adressen verschafft, die von damals 2011/12. Er trug dabei schwarze Kleidung und eine Sturmhaube. Die Studierende, die 2024 das Zimmer bewohnt, springt vor Angst aus dem Fenster im 2. Stock und wurde schwer verletzt. Die Oberhessische Presse berichtet am Dienstag, 2. April. Aber dort wurde von einem Einbrecher berichtet, nicht davon, dass er bei der Verhaftung sagte, er suche mich. Seit dem 5. Mai ist er "untergebracht" (Emailnachricht, Polizei).

Das Foto zeigt das betroffene Gebäude aus der Perspektive einer gegenüberliegenden Filiale der Sparkasse.

 

(7) "Revolutionäre Linke Hessen", Instagram, 25.05.2024, offene Rechtfertigung des Hamas-Terrors:

"Das ist Sabrina. Sie wurde bei einem Luftangriff der israelischen Besatzung. [!] [...]

Und in Marburg stellen sich @[...], @[...], @[...], @[...] auf die Seite ihrer Mörder. [...]

Schaut sie Euch genau an & verurteilt nicht diejenigen, die ihr Bild sehen, in die Tunnel steigen und sich dem Widerstand anschließen. [...]"

 

(8) 14.06.2024: "[...], in der Philfak [Philosophische Fakultät Marburg] wurden wohl systematisch [israelsolidarische] Sticker abgekratzt und einer ['Gegen jeden Antisemitismus'] mit einem Hakenkreuz beschmiert".

Abb. "Plakatieren [überklebt: Lügen] verboten", Tunnel vor der "Philfak", 14.06.2024. Am 17. Mai fragte der Stadtverordnete Jan Schalauske, Fraktion "Die Linke": "Wer hat aus welchem Grund veranlasst, dass Anfang März im Tunnel zur Philosophischen Fakultät [...] Schilder mit der Aufschrift 'Plakatieren verboten' angebracht worden sind". Im Telegramkanal der Stadtverordnetenversammlung heißt es dazu: "Das Schild war schon immer da, es wird nur immer wieder überklebt oder anderweitig unkenntlich gemacht und gelegentlich erneuert. Für die Reinigung der Unterführung ist das Land Hessen zuständig".

 

(9) Antonio Guterres, UN-Generalsekretär, Live-Blog, tagesschau.de, 21.06.2024, 17:29, die Aufgabe der Umwegkommunikation im Antisemitismus: "Die Menschen in der Region und die Menschen in der Welt können es sich nicht leisten, dass der Libanon zu einem zweiten Gazastreifen wird."

 

(10) Notiz, 26.07.2024. Eine Werbetafel des Ça ira Verlages erinnerte kürzlich an den Begriff des Rackets in der Kritischen Theorie. "Die Grundform der Herrschaft ist das Racket", das ist der erste Satz von Max Horkheimer: "Die Rackets und der Geist" [geschrieben 1939/40], in: "Gesammelte Schriften", hrsg. von Alfred Schmidt und Gunzelin Schmid Noerr, Band 12, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1985, S. 287-291, hier S. 287. In "Zur Soziologie der Klassenverhältnisse" (1943) beschreibt er, dass Gruppen von Menschen, die keinem Racket angehören oder einem Racket, das in der Konkurrenz des Monopolisierungsprozesses nicht erfolgreich ist, aus der Verteilung der "Beute" ausgeschlossen werden. Er nennt dies "repressive Kollektivierung des Menschen". Was ein Mensch erreichen könne, sei einzig durch Nachahmung, als ein Glied von Organisationen möglich, also "durch Mimikry". Der Mensch, "sofern er keinem Racket angehörte, war draußen in einem radikalen Sinn, der Mensch als solcher war verloren" (Max Horkheimer: "Zur Soziologie der Klassenverhältnisse", in: "Gesammelte Schriften", a.a.O., Band 12, S. 75-104, hier S. 91f.).

WhatsApp, 26.07.24 10:41, an Xxxxxx

"Meine Vermieterin hat mir eröffnet, dass sie die Wohnung verkaufen will. Ich brauche leider etwas Neues, so grob bis November. Falls du etwas weißt, gerne weitersagen. Meine letzte Suche war sehr langwierig."

WhatsApp, 26.07.24 10:43, von Xxxxxx

"Ach nein!!!! O.k ".

WhatsApp, 26.07.24 12:45, an Xxxxxx

"Die Story ist ja beinahe sweet. Es fing damit an, dass sie mir einen Schamanen anbot. Es wäre eine Fernheilung und sie würde die einigen hundert Euro für mich sogar bezahlen. Sie zeigte mir ein Profil auf Facebook. Jemand mit Runen im Gesicht tätowiert. Ich lehnte ab. Wochen später präzisierte sie noch einmal ihre Sicht. Ich hätte mir einen Energievampir eingefangen und deshalb würden mich alle meiden. Aber sie sei stark und so. Und nunja, eben ganz beiläufig auf meine Sorge hin, obdachlos zu werden, kam dann, sie hätte mir ja ihren Schamanen angeboten und ihn sogar bezahlt, aber ich hätte ja abgelehnt....

Dieses Land ".

"Etwas anders sieht es beim grinsenden Smiley aus, der nicht lächelt, sondern die Zähne zusammenbeißt. Hier hängt die Bedeutung vom Kontext und Absender ab" (giga.de). Die Aufnahme mit den Aufklebern rechts ist vom 13.07.2024. Zu sehen sind Ausschnitte zweier Aufkleber, auf denen eine israelische Geisel mit Gesicht und Namen abgebildet ist, ergänzt um "wurde ermordet". Über diesen wurde ein propalästinensischer Sticker geklebt, der ikonenhaft ein Augenpaar in einer Kufiya zeigt, die die runde Form des Aufklebers ausfüllt.

 

(11) יואכים מרדכי, Facebook, 01.08.2024, nach der Tötung von Hamas-Führer Ismail Haniyya (auch Haniyeh, Hanija; إسماعيل هنية) am 31. Juli und Hisbollah-Kommandeur Fouad Shaker (auch Schukr; فؤاد شكر) am 30. Juli:

"Wären die westlichen Pressehäuser dieser Tage durch ein Wurmloch in den September 1939 zurückkatapultiert, sie würden unablässig vor einem 'Flächenbrand' und der 'Gefahr einer Eskalation' warnen und zur 'Mäßigung und Verhandlungsbereitschaft' aufrufen, stets damit Polen adressierend, das alle Hände voll damit zu tun hat das in seinem Vernichtungswahn völlig enthemmte Deutschland vom Morden abzuhalten.

Wir sind in einer Epoche angekommen, in der aufklärerische Werte - Zurückhaltung, Mäßigung, kritische Einordnung etc. - nicht nur zu sinnentleerten, pseudovernü[n]ftigen Worthülsen verkommen[,] sondern Instrumente der Beliebigkeit und damit der Unterdrückung geworden sind.

Nur so lässt sich erklären, weshalb der Tod islamofaschistische[r] Mordbrenner in einem irregulären Krieg als 'Rückschlag im Friedensprozess' (sic!) gewertet werden [kann]".

Meldung, "Jüdische Allgemeine", 03.08.2024, 21:54 Uhr:

"Die Aufnahmen sind nicht auszuhalten. Die 'Jerusalem Post' berichtet, dass Angehörige der israelischen Geisel Eitan Levi ein Video veröffentlicht haben, das zeigt, wie dessen Leiche in Gaza geschändet wird. Nachdem Hamas-Terroristen den Taxifahrer am 7. Oktober 2023 ermordet haben, verschleppten sie seine Leiche nach Gaza, wo offensichtlich Menschen aus der Zivilbevölkerung seinen leblosen Körper misshandelten [...]".

Abb. Plakate Demonstration in Marburg am 29.07.2924 gegen Martin Sellner, Führungsfigur der "Identitären Bewegung Österreich", Initiator des Potsdam-Treffens diverser Rechtsextremer November 2023, Autor der Hetzschrift "Remigration. Ein Vorschlag" (Schnellroda: Antaios 2024), für diese auf einer Lesereise, Foto vom 04.08.2024. Die Demonstrierenden verhinderten die Lesung in Marburg, die dann allerdings in einem Lokal in Gladenbach, einer kleineren Stadt im Landkreis Marburg-Biedenkopf, stattfand.

 

(12) Ron Prosor, Instagram, 03. September: "In der Nacht zu Sonntag [1. September] wurden die Leichen von sechs ermordeten Israelis nach Hause gebracht. Es waren unschuldige Geiseln, die von der Terrororganisation Hamas brutal entführt, gefoltert, vergewaltigt und dann hingerichtet wurden. Während Israel unter Druck gesetzt werden soll, sei eines klar gesagt: Wer glaubt, die Hamas wolle einen Deal, irrt sich gewaltig. Wer ein[e] Übereinkunft will, richtet keine Geiseln hin".

Tagesschau, 03.09.2024, 19.54 Uhr: "Die am Montag veröffentlichten Aufnahmen zeigen die 24-jährige Eden Yerushalmi, deren Leiche am Wochenende vom israelischen Militär geborgen worden war. In dem zwei Minuten langen Video drängt Yerushalmi die israelische Regierung, die Freilassung aller im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln sicherzustellen".

Tagesschau, 03.09.2024, 19.40 Uhr: "Die Lage in Nahost und die Tötung von sechs israelischen Geiseln soll am Mittwoch den Weltsicherheitsrat in New York beschäftigen. [...] Es sei 'traurig, dass der Rat dafür elf Monate brauchte', schrieb Danon [der israelische Botschafter Danny Danon] auf X".

Tagesschau, 02.09.2024, 19:38 Uhr: "Am Abend sendet Das Erste einen Brennpunkt zu den Ergebnissen der Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Als Gäste sind unter anderem Sahra Wagenknecht (BSW [Bündnis Sahra Wagenknecht]) und Tino Chrupalla (AfD) eingeladen, deren Parteien nun besonders im Fokus stehen: Mit der AfD ist erstmals eine als erwiesen rechtsextrem eingestufte Partei stärkste Kraft in einem Landesparlament geworden [...]".

Monty Ott: "Unsere Uhren laufen anders", Jüdische Allgemeine, 03.09.2024: "Ich sehe sie vor meinem inneren Auge. So klar und deutlich, dass ich das Gefühl habe, sie anfassen zu können: die Uhr. Der Sekundenzeiger scheint immer langsamer zu werden, bis er nahezu ganz zum Stehen kommt. Dann scheint er immer wieder Anlauf zu nehmen, doch ein Ereignis wirft ihn zurück, an die Stelle, wo er zum Stehen gekommen war. So fühlt sich die Zeit seit dem 7. Oktober 2023 an. Die Zeit steht still. Sie nimmt immer wieder Anlauf, aber wir kommen nicht weiter. Wir werden immer wieder auf diese Unterbrechung zurückgeworfen. [...]

Da gibt es die Zeit der Angehörigen der Geiseln. Mir fehlen die Worte, um beschreiben zu können, wie die Sorge, die Trauer, die Angst und die Hoffnung ihre Zeit auf den Kopf stellen. Da gibt es die Zeit der Jüdinnen und Juden in der Diaspora, die ebenfalls die »genozidale Botschaft« der Hamas, wie der Historiker Dan Diner es nennt, vernommen haben und ein neues Ausmaß an antisemitischer Bedrohung erleben mussten. [...]

Unsere Uhren wurden zurückgestellt. Und das ist die Macht des Terrorismus: Er zerschneidet die Zeit. Er will diejenigen, die er meint, von allen anderen trennen. Das ist die wahre Spaltung der Gesellschaft. Und leider, so muss man es elf Monate nach dem größten Massaker an Jüdinnen und Juden seit der Schoa sagen, hat er sein Ziel zum Teil erreicht. Denn viele Menschen sind zur Tagesordnung übergegangen".

Foto Marburg, 19.04.2024. Zu sehen ist eine Ampel, auf der ein Sticker klebt, der eine Israelflagge zeigt. Teilweise über diesen wurde ein händisch beschriebener zweiter Sticker geklebt, mit der Aufforderung "Stop Occupying Stuff". Das ist insofern eine verräterische Verwendung von "to occupy", etwas illegitim zu besetzen, als dass hier deutlich ein Recht aberkannt wird, das zugleich sich selbst eingeräumt bleibt - nämlich über Aufkleber sichtbar zu sein im öffentlichen Raum.

 

(13) Amadeus-Antonio-Stiftung, Instagram, 06. September 2024, 13:00 Uhr: "Eine weitere ganz normale Woche in Deutschland... / 27. August: NS-Parole, Hitlergruß und Körperverletzung [...] in Braunschweig (Niedersachsen) [...] 28. August: Denkmal mit antisemitischen Parolen geschändet [, i]n Berlin-Mitte [...] das Denkmal 'Frauenprotest 1943' [...] 31. August: Verfassungsfeindliche Schmierereien [i]n Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) [...] 31. August: Queerfeindliche Tat [i]n Burgdorf (Niedersachsen) [...] 31. August: Verfassungsfeindliche Parolen und Morddrohung [i]m Hauptbahnhof von Halle (Sachsen-Anhalt) [...] 01. September: Rassistischer Angriff [w]ährend einer Tramfahrt in Dresden (Sachsen) [...] 02.September: Hakenkreuz und versuchte Brandstiftung [...in] einer Kindertagesstätte in Odenthal (Nordrhein-Westfalen) [...] 03. September: Rechtsextreme Raumgestaltung [i]n Ducherow (Mecklenburg-Vorpommern) [...] 03. September 2024: Rechte Parolen und Hitlergruß [auf e]in[em] Dorffest in Potsdam (Brandenburg) [...] zur Melodie von 'L'Amour Toujours' des Sängers Gigi D'Agostino [...] 04. September: Hitlergruß und rechte Parole [i]n einer Gaststätte in Murr (Baden-Württemberg) [...] 04. September: Antisemitische Schmierereien [a]n einer Mauer des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof [...] 04. September: Israelbezogener Antisemitismus. In Heidelberg (Baden-Württemberg) werden eine israelische Touristin und ihr Begleiter von zwei Personen angegriffen. Die Israelin trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Bring them Home Now'. Als die Angreifer versuchen, der Frau das T-Shirt auszuziehen, greift ihr Begleiter ein. Daraufhin prügeln die Aggressoren auf ihn ein. 04. September: Hakenkreuz gelegt [...] auf einem Gehweg in Frankfurt am Main (Hessen) [...] aus Pflastersteinen und Metallstangen. 05. September: Schüsse vor dem israelischen Generalkonsulat. Zwischen dem NS-Dokumentationszentrum und dem israelischen Generalkonsulat in München-Maxvorstadt fallen Schüsse. Nach mehreren Schussabgaben wird die verdächtige Person von der Polizei niedergeschossen. Es ist der Jahrestag des Olympia-Attentats von 1972".

Oliver Stock: "Nach den Landtagswahlen. Keine AfD-Brandmauer? Herr Merz lesen Sie mal Ihren eigenen Satz", 06. September 2024, 13:01 Uhr, "Focus online": "Wie sehr sie [die CDU] sich windet, belegen die Äußerungen ihres Vorsitzenden und möglichen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz. Der hatte vor knapp drei Jahren, als es darum gegangen war, den CDU-Vorsitz zu erringen, klipp und klar in einem Interview mit dem 'Spiegel' gesagt [23.12.2021]: 'Mit mir wird es eine Brandmauer zur AfD geben. Die Landesverbände, vor allem im Osten, bekommen von uns eine glasklare Ansage: Wenn irgendjemand von uns die Hand hebt, um mit der AfD zusammenzuarbeiten, dann steht am nächsten Tag ein Parteiausschlussverfahren an'.

Daran will sich Merz heute nach den Erdrutsch-Wahlen in zwei ostdeutschen Bundesländern nicht mehr recht erinnern. 'Das Wort ›Brandmauer‹ hat nie zu unserem Sprachgebrauch gehört. Das ist uns immer von außen aufgenötigt worden', sagte er jetzt der Deutschen Presseagentur. 'Ich brauche mich', fügte er hinzu, 'nicht von einem Begriff distanzieren, den ich selbst nicht eingebracht habe.' Hintergrund dieser Kehrtwende war die Empfehlung von Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer, vom Begriff der 'Brandmauer' gegenüber der AfD Abstand zu nehmen".

Abb. links Aufkleber an Laternenpfahl, Marburg, 15. September 2024: "Die Katastrophe ist nicht das was kommt, sondern das was ist. Noch zu warten ist Wahnsinn".

Am Tag der Offenen Tür der Kreisverwaltung, erweitert zu einem Festival mit rund siebzig Ständen, am 07. September 2024, stellte ich, als Volontärin im Fachdienst Kreisorgane, zwei Poster auf der sogenannten "Projektmesse" aus. Sie zeigten anlässlich des Jubiläums der Gebietsreform von 1974, bei der der Landkreis Marburg-Biedenkopf entstanden war, die Kreitagsgeschichte von 1974 bis 2003, also derjenigen Jahrgänge vor der bereits erfolgten Digitalisierung einer Gegenwart. Dadurch dass insbesondere die kleinen Anfragen, in Tendenz ein Instrument der Opposition, zurate gezogen wurden, ergab sich eine Art Kaleidoskop der Entwicklung. Eine Sprechblase zitierte einen Abgeordneten der Grünen, der Anfang der 1990er nach Vorkommnissen mit Skinheads fragte. Eine andere die in den Neunzigern zweimal in den Kreistag gewählte rechtsradikale Fraktion der Republikaner - in diesem Fall mit der Antwort eines Kreisbeigeordneten. Ansonsten allerdings war eine der Erkenntnisse, dass Umwelt- und Klimapolitik von Anfang an Thema waren - Photovoltaik bereits in den 1980ern, Windkraftanlagen in den 1990ern. Und ähnlich wie heute wurden diese Maßnahmen eigentlich nie mit Bewusstsein der Exponentialität der Krisenbewegungen konzipiert, und wahrscheinlich wurde dann im Laufe der Jahrzehnte einfach von vielen vergessen, dass es sie je gegeben hatte, obwohl sie begrenzt wirksam waren. Was nicht auf den Postern abgebildet wurde, war ein bestimmter Eindruck, den gerade die ersten Jahrgänge machten, nämlich als ob die Welt jener damals noch vornehmlich Herren von Gott erst mit der Gebietsreform erschaffen worden wäre.

Tagesschau, 11. September 2024, 08:53 Uhr: "90 Minuten hatten [Kamala] Harris und [Donald] Trump [im TV-Duell vor der US-Wahl 2024], um vor dfer Fernsehkamera gegeneinander auszuteilen und den Zuschauer von sich zu überzeugen. [...] Während Harris [Democrats] ihre Positionen zur Wirtschaftspolitik, zur Einwanderung, Demokratie oder Außenpolitik skizzierte, vergaß sie nie, auch eine Stichelei unterzubringen, die Trump [Republicans] wütend machen sollte. Internationale Staats- und Regierungschefs würden Trump auslachen, sagte sie, die Militärs würden ihn eine 'Schande' nennen. Auch NATO-Verbündete seien dankbar, dass Trump nicht mehr Präsident sei. 'Andernfalls würde [Wladimir] Putin in Kiew sitzen und den Rest Europas im Visier haben, angefangen mit Polen', sagte sie".

Tagesschau, 13. September 2024, 18:47 Uhr: "Unter Verweis auf seine Atomwaffen warnt Russland die Vereinigten Staaten und die NATO vor einem möglichen ukrainischen Einsatz weitreichender westlicher Präzisionswaffen gegen Ziele tief im russischen Territorium. 'Das hier ist kein Spiel. Tatsache ist, dass die NATO direkt an Feindseligkeiten gegen eine Atommacht beteiligt sein wird. Ich denke, Sie sollten das nicht vergessen und über die Konsequenzen nachdenken', sagte der russische Botschafter Wassili Nebensja im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen".

Tomasz Konicz, Facebook, 14. September 2024: "Die USA nehmen die russischen Kriegsdrohungen ernst. Es wird - vorerst - keine Ausweitung der ukrainsichen Angriffe mit westlichen Raketensystemen auf das russische Hinterland geben", mit Screenshot von Majid Sataar: "Washington. Kein Strategiewechsel bei Raketen mit großer Reichweite für Ukraine", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. September 2024.

Elisa Aseva, Facebook, 21. September 2024, mit Repost von Leo Fischer, Screenshot eines Beitrags des SWR: "Gutachten: Obergrenze für Dönerläden in Heilbronn wäre rechtlich möglich": "mir ist gestern der ausdruck zivilisationsrückbau eingefallen + nun ja, er passt auf fast alles gegenwärtige".

Abb. Plakat, das zu einer Kundgebung am 06. August 2024 aufruft, aufgenommen in München, Montag, 29. Juli 2024: "Hiroshima / Nagasaki / Nie wieder!", in der Mitte die Abbildung eines Atompilzes.

 

(14) "ZusammenHalt", Facebook, 09.11.2024: "Alexander Dugin, russischer Ultranationalist, gleichermaßen hochgeschätzt von Putin, der europäischen 'Neuen Rechten', der deutschen AfD und Donald Trump zur Wahl Trumps zum US-Präsidenten: 'So we have won. That is decisive. The world will never ever like before. Globalist have lost their final combat. The future is finally open. I am really happy.' Auf deutsch: 'Wir haben gewonnen. Das ist entscheidend. Die Welt wird nie wieder so sein wie zuvor. Die Globalisten haben ihr letztes Gefecht verloren. Die Zukunft ist endlich offen. Ich bin wirklich glücklich.'

Wenn mensch bedenkt, dass auch hochrangiges Personal der Unionsparteien, wie z.B. Jens Spahn, dafür plädiert, die Gemeinsamkeiten zu Trump und den US-Republikanern zu betonen und solche wie der sächsische MP Kretschmer, der schon länger für einen Ausgleich mit Russland plädiert, unlängst sogar Gespräche mit der sächsischen AfD geführt hat, dem Menschen kann nur angst und bange werden".

Amadeu Antonio Stiftung: "Begriffe, Trends und Dauerbrenner der Verschwörungsideologien", amadeu-antonio-stiftung.de, 2021: "'Globalisten' ist ein Code für eine ominöse internationale, 'wurzellose' Elite, deren vermeintliches Ziel es sein soll, Nationalstaaten und deren 'Völker' zu zersetzen. Diese 'Völker' werden im Gegensatz zu den 'Globalisten' als verwurzelt, als organisch gewachsene vorgestellt. Die Geschichte hat gezeigt, dass diese wurzellose Elite, genannt 'Globalisten', ein Code für 'die Juden' ist".

"@shalommarburg", Instagram, 08.11.2024: "'Nie wieder' - was ist davon übrig geblieben? Die sogenannte 'Erinnerungskultur' hat kläglich versagt. Der 9. November, ein Datum, das einst für das Versprechen stand, dass so etwas nie wieder geschehen würde, ist heute von einer Realität überschattet, die uns das Gegenteil beweist. Wir befinden uns in einer Zeit, in der 'Nie wieder' nichts weiter als eine hohle Floskel zu sein scheint. Heute erleben wir einen Anstieg der Bedrohung und Gewalt gegen jüdische Menschen weltweit - ein gefährlicher, ja tödlicher Trend, der uns zeigen müsste, dass die Gesellschaft ihre Lektionen offenbar nicht gelernt hat. Was wir uns in diesem Moment wünschen? Spart euch die heuchlerischen Statements und die leeren Versprechen zum 9. November! Es ist Zeit, das Problem beim Namen zu nennen: Als Zivilgesellschaft haben wir versagt. Wir sind Zeugen eines schleichenden Rückfalls in Zeiten, von denen wir glaubten, sie lägen hinter uns. Heute finden Pogrome statt - und wirr dürfen nicht länger[] schweigen".

Joshua Schultheis: "Was über die Gewaltszenen in Amsterdam bekannt ist", in: Jüdische Allgemeine, 08.11.2024, 14:28 Uhr: "Die Bilder aus Amsterdam sind schockierend. In den sozialen Medien kursieren Videos, auf denen Menschen durch Straßen gehetzt werden, auf eine leblos am Boden liegende Person getreten oder ein Fußgänger überfahren wird. In einem Clip sagt ein Mann angsterfüllt 'ich bin kein Jude' und wird anschließend bewusstlos geschlagen [Einblendung eines Tweets von X.com: 'The pogrom in Amsterdam: people saying ‹I'm not Jewish› to try and save their lives from being lynched by the mob. Europe, 2024', Hen Mazzig (@HenMazzig) November 8, 2024]. [...] Ein Video zeigt eine leblos am Boden liegende Person, die von drei arabisch sprechenden Männern wiederholt getreten wird. Mehrere Clips zeigen, wie männliche Angreifer ihre Opfer zwingen, 'Free Palestine' zu rufen".

Das war "im Nachgang eines Fußballspiels zwischen Ajax Amsterdam und Maccabi Tel Aviv am Donnerstagabend", 07.11.2024, einen Tag, nachdem "[d]ie Ampel [..] sich selbst zerlegt" hat (Titelzeile Frankfurter Allgemeine Zeitung, Artikel von Robert Maus, Jochen Remmert und Mechthild Hartling, 07.11.2024, 19:05 Uhr), zwei Tage nach der US-Wahl.

Ralf Borchard: "USA erlauben Einsatz von Waffen mit großer Reichweite", in: Tagesschau, 18. November 2024, 04:29 Uhr: "US-Präsident Biden hat der Ukraine laut Medienberichten den Einsatz von US-Waffen mit großer Reichweite in der Region Kursk erlaubt".

Hussam Al Zaher: "Sy­re­r*in­nen nach dem Sturz Assads. Auf der Suche nach der Heimat", taz.de, Kolumne "Hamburger, aber halal", 1.1.2025, 9:00 Uhr: "Am 8. Dezember 2024 hat sich für mich viel verändert - die Herrschaft der Familie Assad über Syrien endete und in meinem Kopf fielen Mauern. [...] Auch Syrien hat sich verändert. Ich kann nicht in ein Flugzeug steigen und es ist wieder 2011".

Gabriel Wirth: "Naturkatastrophenbilanz der Munich Re. Drittteuerstes Jahr seit 1980", tagesschau.de, 09.01.2025, 11:19 Uhr: "Die Welt werde heißer, starke Wirbelstürme, Schwergewitter und Überschwemmungen seien die Folge. Der Klimawandel zeige seine Krallen, heißt es bei der Munich Re. Die Folgen der Hitzerekorde seien verheerend, wird der zuständige Konzern-Vorstand Thomas Blunck zitiert. So deutlich hat man sich beim Rückversicherer bisher noch nie zu den möglichen Ursachen der Naturkatastrophen geäußert. Seit Jahrzehnten erfasst und veröffentlicht der Konzern entsprechende Daten und Bilanzen. Bisher sprach man von 'hohen Wahrscheinlichkeiten, dass hier der Klimawandel mit eine Rolle spielt'. Der Chef-Klimatologe des Konzerns Tobias Grimm sagt zur Änderung der Wortwahl, dass man sich eben immer sicherer sei. Der Klimawandel sei nicht mehr etwas Abstraktes, er sei 'hier'".

Abb. Fotografie eines Fernsehers, auf dem Bildschirm die Nachrichten des Senders "n-tv" der RTL-Gruppe bzw. von Bertelsmann, "[d]er Sender hat einen hohen Live-Anteil und nutzt den Einsatz von Eilmeldungen (breaking news)" (WP), 03.01.2025, 14:20 Uhr, "Der Konjunkturmotor stockt - Zahl der Arbeitslosenlosen[!] steigt im Dezember. Konjunturflaute bremst Jobmarkt - mehr Kurz...".

 

E-Mail: kriswagenseil [at] gmx [point] de