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MUSTERBRIEF :

Sehr geehrter «Anrede» «Position» «Name»,

mit grosser Betroffenheit habe ich die Pressemeldungen der juengsten
Vergangenheit ueber die zum Teil wirklich schrecklichen Beissunfaelle mit
Hunden gelesen.
Mit nicht geringerer Betroffenheit musste ich die Reaktionen von Teilen
einer aufgeputschten und hysterisch reagierenden Oeffentlichkeit und die
nicht ausreichend koordinierten und undifferenzierten Erlasse der
verschiedenen Bundeslaender des BM des Innern zur Kenntnis nehmen.
Selbstverstaendlich bin auch ich gegen Hundehalter, die, aus welchen Gruenden
auch immer, nicht willens oder nicht in der Lage sind, ihr Tier zu einem
wertvollen Partner des Menschen zu machen. Wenn ein Tier so missbraucht oder
nicht artgerecht gehalten und erzogen wird, dass es zu einer Gefahr fuer
andere Menschen wird, kann dies nicht tatenlos hingenommen werden.
Die in der letzten Zeit verabschiedeten Erlasse und Verordnungen zu dem
Problem der gefaehrlichen Hunde richten sich allerdings nicht gegen einzelne
gefaehrlich gewordene Tiere, sondern gegen ganze Rassen sogenannter
Kampfhunde. Insbesondere die Haltung, die Zucht und die Einfuhr von
Pitbull-Terriern, Amerikanischen Staffordshire-Terriern,
Staffordshire-Bullterriern und Bullterriern soll verboten sein. Die Haltung
zahlreicher anderer Hunderassen, darunter auch Rottweiler und Dobermann wird
durch verschiedene Massnahmen nicht nur erschwert, sondern praktisch
unmoeglich gemacht. Erklaertes Ziel ist es, diese Hunderassen in Zukunft in
den entsprechenden Bundeslaendern ganz auszurotten.
So verstaendlich eine harte Reaktion der verantwortlichen Politiker vor dem
Hintergrund der in jeder Hinsicht "eindrucksvollen" Berichterstattung der
Medien zu diesem Thema ist, so klar und eindeutig gehen diese Regelungen
jedoch an der Beseitigung des eigentlichen Problems vorbei.
Wer Hundekaempfe veranstalten oder Hunde als Waffen missbrauchen will, wird
dies auch in Zukunft tun, dann aber mit anderen Rassen oder mit obskuren
Mischlingen.
Hauptleidtragende der getroffenen und der zukuenftigen Massnahmen der Laender
und des Bundes sind verantwortungsvolle deutsche Hundehalter. Sie sehen sich
ploetzlich per Verordnung genoetigt, gegen das derzeit geltende
Tierschutzgesetz zu verstossen, indem sie ihre harmlosen,
menschenfreundlichen und gut erzogenen Tiere ohne Grund zwingen, beim
Verlassen des Hauses oder des Grundstuecks einen Maulkorb zu tragen, obwohl
die ueberwiegende Mehrheit der Amerikanischen Staffordshire-Terrier, der
Bullterrier, der Staffordshire-Bullterrier und all der anderen genannten
Rassen treue und kinderliebe Familienhunde sind.
Das generelle Tragen von Maulkoerben schliesst artgerechte Haltung aus.
Im Gegenteil, es macht bislang harmlose Hunde erst recht aggressiv, weil sie
sich gegen Angriffe oder Belaestigungen anderer Hunde nicht artgerecht wehren
koennen.
Besitzer von Tieren der zur Diskussion stehenden Rassen oder von anderen
grossen Hunden sehen sich in der Oeffentlichkeit einer Woge von Ressentiments
gegenueber, die sich zum Teil bis zum offenen Hass steigern. Wo der Mob,
durch Gesetzeskraft und Pressearbeit gestaerkt, sich ueberwindet, werden
Hundehalter grundlos beschimpft, provoziert und sogar mit Steinen beworfen.
Selbst die Tiere werden misshandelt und Autos demoliert.
Reisserische Berichterstattung und ein ploetzliches ueberstuerztes politisches
Handeln, dessen Ursache wohl eher im Streben nach politischem Erfolg und
Stimmengewinnen zu suchen ist, als im Bemuehen um die Beseitigung des
Problems der gefaehrlich gewordenen Hunde, haben vielerorts zu einer
regelrechten Pogromstimmung gefuehrt, die viele Hundebesitzer bereits
ernsthaft darueber nachdenken laesst, das Land zu verlassen.
Doch an dieser Stelle sei angebracht, dass zu jedem Hund auch mindestens
zwei Waehlerstimmen gehoeren.
Eine Statistik der Kleinen Anfrage 1238 der CDU des Landtages
Nordrhein-Westfalen und eine Statistik des Statistischen Bundesamtes belegen
folgendes:

In Deutschland gab es im Jahre 1998
411400 Menschen, die an Kreislauferkrankungen gestorben sind,
212700 Menschen, die an Krebs gestorben sind,
49100 Menschen, die an Lungenkrankheiten gestorben sind,
40500 Menschen, die an Darmkrankheiten gestorben sind,
11600 Menschen, die sich selbst umgebracht haben,
8000 Menschen, die bei einem Transportmittelunfall starben und
1107 Menschen, die durch Alkohol im Strassenverkehr den Tod fanden.

Demgegenueber stehen im Zeitraum von 3 (drei) Jahren (1995 bis 1998) im Lande
Nordrhein-Westfalen ganze 57 (fuenf-sieben) Hunde, die wegen eines Angriffs
gegenueber Menschen als gefaehrlich im Sinne der Gefahrhundeverordnung
eingestuft wurden.

Der Hund ist seit 12.000 Jahren Beschuetzer und Begleiter, aber auch Gefaehrte
und Jagdhelfer des Menschen. Eine derartige Behandlung, aber auch eine zu
starke Vermenschlichung hat er nicht verdient. Es gibt keine
"Kampfhunderassen" - ein Hund als in der Evolution hochstehendes Individuum
ist sehr lernfaehig und kann von Menschen stark geformt werden. Ich setze
mich dafuer ein, dass ein Missbrauch der Hunde verhindert wird und dass
Halter jedweder Rasse zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie sich falsch
verhalten. Nur geeignete Halter sollen Hunde bei serioesen Zuechtern kaufen
koennen.
Ich habe nun gehoert, dass nach dem Willen des Deutschen Bundestages u.a. die
Importeure und Zuechter von vier Hunderassen und anderer Hunderassen, die
durch das Bundeslandwirtschaftsministerium oder die Bundeslaender auf den
Index gesetzt werden, kriminalisiert werden sollen. Darueber hinaus moechte
der Bundesrat auch die Halter solcher Hunde diskriminieren. Ueber diesen
Antrag will der Vermittlungsausschuss entscheiden.
Da Sie als «Position» dem Vermittlungsausschuss angehoeren, bitte ich Sie,
dieser Rassendiskriminierung durch Ihren persoenlichen Einfluss und die ganze
Autoritaet Ihres Amtes, Einhalt zu gebieten. Zumindest solange, bis sich die
Innenminister der Laender auf eine vernuenftige Definition des "gefaehrlichen
Hundes" (ohne Rasselisten) geeinigt haben. So dass nicht wahllos alle Hunde
und deren Halter bestimmter Rassen diskriminiert werden, sondern nur
tatsaechlich gefaehrlich gewordene Hunde und deren zum Teil verantwortungslose
Halter mit haertesten Restriktionen belegt werden.

Mit vorzueglicher Hochachtung