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Autorin : Birgit Lehnen
E-mail: Beta-Dog@gmx.de

Warum und wie hechelt ein Hund ?

Das Gehirn ist sehr wärmeempfindlich. Schon ein Temperaturanstieg von wenigen Grad
beeinträchtigen seine Funktion. Deshalb sitzt im Gehirn (im Hypothalamus) eine Art
Thermostat. Dieses Gebiet im Gehirn nennt man auch das "Kühlzentrum", durch das bei
Wärmezunahme im Gehirn beim Hund das Hecheln auslöst wird.
Jeder weiß, daß der Hund hechelt um sich abzukühlen. Aber wie geht das vor sich? Der
Hund atmet bei heraushängender Zunge durch die Nase ein und durch das Maul wieder
aus. Dadurch entsteht ein starker Luftzug der die Verdunstung begünstigt. Die
Atemfrequenz erhöht sich von normalerweise 10 - 30 Atemzüge/Minute auf bis zu 400
Atemzüge/Minute.
Jetzt versuchen Sie einmal ganz schnell auf diese Art zu hecheln. Sie merken zwar
schnell, daß die Zunge kühler wird - die Verdunstung klappt. Aber ihr Mund und die
Nase trocknen schon nach kurzer Zeit aus. Beim Hund wird dieses Austrocknen durch
eine vermehrte Sekretion der Speichel- sowie der Nasendrüsen verhindert - dem
Menschen fehlt diese Anpassung.
Hecheln Sie aber trotz trockenem Mund einmal weiter. Es wird nicht lange dauern bis
Ihnen schwindelig wird und wenn Sie jetzt noch nicht aufhören entsteht eine leichte
Übelkeit und ev. Kopfschmerzen. Spätestens jetzt sollten Sie den Test beenden denn
sie zeigen schon die Anfangssymptome einer "Hyperventilation". Eine Steigerung der
Atemtätigkeit (z.B. bei großem Streß, großer Anstrengung, Schockerlebnissen uvm.)
führt bei Menschen dazu, daß vermehrt Kohlendioxid ausgeschieden wird und so ein
Ungleichgewicht zwischen Sauerstoffpartialdruck und Kohlensäurepartialdruck
entsteht. Bei stärkerer Hyperventilation kommt es zu Krampfanfällen, Störungen der
Hirndurchblutung und daraus entsteht Benommenheit bis zu Bewußtseinsstörungen,
Wahnvorstellungen und Ohnmachtsanfällen.
Auch hier ist uns unser Hund überlegen. Er schafft es über lange Zeit zu hecheln ohne
in Ohnmacht zu fallen. Aber wie?

1.Je schneller ein Hund atmet, desto flacher atmet er. Das heißt, er atmet pro
    Atemzug nicht so viel Luft ein wie ein "hechelnder" Mensch.
2.Während beim "hechelnden" Menschen alle eingeatmete Luft in die Lungen gelangt,
    erreicht beim Hund nur ein geringer Teil der eingeatmeten Luft die Lungen. Der
    Großteil der eingeatmeten Luft verbleibt im sogenannten "Totraum", d.h. er zieht in
    einer Art Einbahnstraße von der Oberfläche der Nase, über die Luftröhre, durch
    die Bronchien bis zur Maulschleimhaut und der Zunge ohne überhaupt zur Lunge
    gelangt zu sein und sorgt unterwegs für Kühlung durch Wasserverdunstung.
    Der normale Gasaustausch über die Lungenbläschen bleibt durch die
    Totraumventilation weitgehend unbeeinflußt.
    Nur bei ganz extremer Beanspruchung oder bei Bewegung in extremer Hitze kann
    es passieren, daß auch unser Hund die Anfangssymptome einer Hyperventilation
    zeigt und benommen bzw. abwesend wirkt.

Weshalb hechelt unser Hund aber manchmal auch dann, wenn es außen kühl ist?

Auch "innere Wärme" muß abgebaut werden. Die "innere Wärme" entsteht insbesondere
durch Muskelkontraktionen. Für jedes Kilojoule chemischer Energie, die in mechanische
Energie umgesetzt wird, werden 3 Kilojoule als Wärme frei. Auf Deutsch gesagt: die
Energie die z.B. mit der Nahrung aufgenommen wird, wird bei Bewegung, Aufregung,
Streß aber auch bei der Verdauung usw. also immer dann, wenn sich Muskeln anspannen,
in Wärme umgewandelt.
Das Hecheln hat neben der Abkühlung durch Verdunstung noch einen weiteren Effekt:
Im Gehirn des Hundes gibt es ein Kühlsystem, das Carotidenrete. Dieses System
funktioniert so: Das Gehirn wird durch eine Arterie mit Blut versorgt, die sich an der
Schädelbasis zu einem Gefäßnetz (=Rete) aus hunderten kleinen Arterien (=Carotiden)
verzweigt. Erst kurz vor dem Eintritt ins Gehirn vereinigen sie sich wieder. Dieses
System wird von venösem Blut umflossen, das aus den Wänden der feuchten
Nasenhöhlen stammt, wo es durch die eingeatmete Luft stark abgekühlt worden ist. Das
warme Blut in den Carotiden kann also etwas Wärme an das kältere venöse Blut abgeben
bevor es ins Gehirn eintritt. Je stärker ein Hund hechelt, desto kühler ist das venöse
Blut rund um die Carotiden und desto kühler erreicht das Blut das Gehirn. Dieses
System gibt es übrigens noch bei Katzen, Schafen und Ziegen - der Mensch hat es
nicht.
Besitzer von kurznasigen Hunden sollte bewußt sein, daß die Atmung ihrer Tiere im
Vergleich zu langnasigen Hunden eingeschränkt ist und deshalb auch der Wärmetausch
nicht so gut funktionieren kann. Deshalb sind besonders Möpse, Bulldoggen, Pekinesen,
Boxer u.ä. Rassen besonders hitzeempfindlich.