Urlaubsreisen in tropische und subtropische Länder erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Immer häufiger begleiten Haustiere ihre Besitzer auf solchen Reisen. Aber nicht nur von Fernreisen kann ein Hund mit unerfreulichen "Reise-Mitbringseln" zurückkehren, sondern auch in beliebten, nicht allzu weit entfernten Urlaubsländern lauern Krankheiten auf den Vierbeiner. Das Risiko einer Infektion ist dem Tierbesitzer oft nicht bewußt. Informationsbedarf besteht in der Tierarztpraxis über mögliche Ansteckungsgefahren, vorbeugende Maßnahmen sowie notwendige Nachuntersuchungen zur Früherkennung von Infektionen.
1. Dirofilariose - Herzwurmerkankung
Dirofilaria immitis, auch Herzwurm genannt, ist ein Parasit, der sich
vor allem in der rechten Herzkammer und den von dort in die Lunge führenden
Arterien ansiedelt. Das Vorkommen erstreckt sich auf tropische und subtropische
Gebiete einschließlich der Mittelmeerregion. Als Überträger
werden bis zu 70 Arten von Stechmücken verantwortlich gemacht. Es
dauert mindestens ein halbes Jahr bis die Dirofilariose nach erfolgter
Infektion nachgewiesen werden kann.
Klinik:
Die Entwicklung der Mikrofilarien über verschiedene Larvenstadien
findet teilweise in der Stechmücke statt. 70-110 Tage nach Infektion
gelangen die adulten Herzwürmer in die Pulmonalarterien, nach 3 Monaten
entsteht eine neue Generation von Herzwürmern. 6-7 Monate nach erfolgter
Infektion sind erneut Larvenstadien im Blut nachweisbar. Länger andauernder
Befall führt zu Gewichtsverlust, schlechter Kondition, produktivem
Husten und Ascites, Herz-, Leber- und Niereninsuffizienz.
Entzündliche Veränderungen und absterbende Parasiten können
zu Thrombosen führen.
Massiver Befall kann zu Blutrückstau in die Leber führen
mit Leberinsuffizienz infolge einer fortschreitenden Zerstörung der
Leberzellen. Es kann zu hämolytischen Anämien kommen, sowie Glomerulonephritiden
mit Proteinurie, Urämie bis hin zu Nierenversagen können durch
Ablagerung von Immunkomplexen in der Niere entstehen.
Diagnose:
Der mikroskopische Nachweis der Mikrofilarien ist von peripherem Blut
über einen Ausstrich möglich. Die Blutentnahme sollte hierbei
in den Morgen- oder Abendstunden erfolgen, da sich die Mikrofilarien dann
in den Blutgefäßen dicht unter der Haut aufhalten. Zum Nachweis
wird 1 Tropfen Blut mit 1 Tropfen Kochsalzlösung gemischt. Bewegliche
Mikrofilarien sind mikroskopisch nachweisbar. Mit venösem Blut kann
auch der Knott-Test durchgeführt werden (1 Tropfen EDTA-Blut mit 9ml
2% Formaldehyd mischen, zentrifugieren, Sediment mit Methylenblau gegenfärben
und mikroskopieren).
Aber: Bei ca. ¼ der infizierten Hunde findet man keine Mikrofilarien.
Dieser Zustand wird als okkulte Dirofilariose bezeichnet.
In der Regel wird der (Antigen-)Nachweis der adulten Herzwürmer
im Labor aus Serum über einen ELISA durchgeführt. Dieser Test
ist jedoch erst 4-6 Monate nach einer möglichen Infektion aussagekräftig.
Therapie:
Alle Mittel gegen adulte Würmer sind relativ toxisch! Wichtig
ist daher die Vorbeugung!
Prophylaxe:
Für endemische Gebiete ist eine Chemoprophylaxe mit Mikrofilariziden
angebracht. Z.B. Strongholdâ , Heartgard 30â . Vorsicht: Collies
und Bobtails!
2. Babesiose (Piroplasmose)
Bei Babesia canis handelt es sich um Protozoen, die in Erythrozyten
leben. Sie treten weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten wie
z.B. im Mittelmeerraum, aber auch in Ungarn auf. Neueste Untersuchungen
haben ergeben, daß auch in Deutschland und in Luxemburg endemische
Gebiete vorliegen. Überträger sind verschiedene Zeckenarten.
Klinik:
Man unterscheidet je nach Schweregrad verschiedene Verlaufsformen.
Der akute Krankheitsverlauf ist charakterisiert durch intravaskuläre
Hämolyse. Symptome können sein: Mattigkeit, Schwäche, Fieber
(bis 42°C), blasse bis gelbliche Schleimhäute, rot- bis grünbrauner
Harn sowie Nierenversagen. Besonders bei jungen Hunden mit massiver Infektion
kann es zu einem perakuten Verlauf mit plötzlichen Todesfällen
kommen. Daneben sind chronische Verläufe beschrieben, bei denen wechselndes
Fieber und Verlust an Körperkondition die Hauptsymptome darstellen.
Es können aber auch Aszites, asymmetrische periphere Ödeme, respiratorische
Symptome, ZNS-Störungen, Verdauungs- und Kreislaufstörungen auftreten.
Diagnose:
Der Babesien-Nachweis erfolgt im Giemsa-gefärbten Blutausstrich.
Am aussage-kräftigsten ist Kapillarblut, das am Nagelbett oder Ohrspitze
abgenommen wird. Babesien sind hierbei in den Erythrozyten liegend nachweisbar.
Serologisch kann eine Infektion labordiagnostisch durch den Nachweis
von Antikörpern mittels eines indirekten Immunfluoreszenz-Tests festgestellt
werden.
Prophylaxe:
Eine Zeckenprophylaxe ist in endemischen Gebieten empfehlenswert.
3. Leishmaniose
Leishmanien sind Protozoen, die sich vor allem im retikuloendothelialen
System vermehren. L. donovani gilt als Erreger der viszeralen Leishmaniose,
während L. tropica für die Hautleishmaniose verantwortlich ist.
Beide Arten lassen sich morphologisch nicht unterscheiden. Das Vorkommen
erstreckt sich auf tropische und subtropische Gebiete einschließlich
der Mittelmeerländer. Die Erreger werden in den endemischen Gebieten
durch Sandfliegen übertragen. Kutane Schmierinfektionen mit Sekreten
von Ulzera und Fisteln können unter Umständen direkt, also ohne
Zwischenwirt, auch beim Menschen zu Infektionen führen.
Klinik:
Latente Formen können gerade im Anfangsstadium unbemerkt bleiben.
In 90 % der Fälle kommt es zu nicht juckenden Hautveränderungen
mit Schuppen, Borken- und Knötchenbildung, Alopezie und Depigmentierung
im Bereich der Augen (Brillenbildung), Ohrmuscheln, Lidrändern und
Nasenrücken. Die Hautveränderungen können auf Hals und Gliedmaßen
übergehen. Zwischenzehengeschwüre und übermäßiges
Krallenwachstum als Folge von Entzündungen im Krallenbereich werden
häufig beobachtet. Lymphknotenschwellungen, Schmerzempfinden im Bauchbereich
sind weitere Symptome. Zeitweise wird Fieber und Anämie diagnostiziert.
Die viszerale Form, bei uns sehr selten, zeichnet sich durch eine eher
unspezifische Symptomatik aus. Beschrieben werden u.a. Gewichtsverlust
bei erhaltenem Appetit, Polyurie, Polydypsie und Erbrechen. Bei abnehmender
physischer Aktivität kann es zu Bewegungsstörungen kommen. Hautveränderungen
fehlen oft völlig.
Diagnose:
Der direkte Erregernachweis erfolgt am günstigsten über die
zytologische Untersuchung eines Lymphknoten- oder eines Knochenmarkpunktats
mit Hilfe einer Giemsafärbung. In Hautbiopsien sind die Erreger weit
seltener nachweisbar. Als indirekter Nachweis dient der Antikörpertiter
im Serum mittels indirekter Immunfluoreszenz.
Prophylaxe:
Auf peinlichste Hygiene sollte geachtet werden, da eine direkte Ansteckung
des Praxispersonals und des Hundehalters via Hautwunden möglich ist.
Besondere Vorsicht ist bei Kindern und immungeschwächten Personen
geboten. Hunde, die mit Ihren Besitzern in betroffene Gebiete verreisen,
sollten in der Zeit zwischen 1 Std. vor Dämmerung und 1 Std. nach
Sonnenaufgang im Haus gehalten werden, um die Hauptflugzeit der Mücken
zu vermeiden.
4. Ehrlichiose
Bei Ehrlichia canis handelt es sich um Protozoen, die intraplasmazellulär
vor allem in den Monozyten vorkommen. Die Verbreitung erstreckt sich auf
tropische und subtropische Regionen einschließlich der Mittelmeerländer.
Es wird auch von endemischen Gebieten in Flußniederungen Deutschlands
berichtet. Überträger sind, wie bei den Babesien, vor allem Zecken.
Es kommt relativ häufig zu Doppelinfektionen mit Babesien.
Klinik:
Die akute Phase, die 1-3 Wochen nach der Infektion beginnt und 2-3
Wochen dauert, ist meistens mild und wird oft übersehen. Symptome
können sein: Fieberschübe bis 41°C, Lethargie, Anorexie,
eitriger Nasen- und Augenausfluß, Krampfanfälle und Lähmungen
der Hinterhand. Die subklinische Phase beginnt 6-9 Wochen nach der Infektion
und kann Monate bis Jahre anhalten. Einige Tiere zeigen dabei milde Symptome,
während andere ernsthafte Komplikationen, wie Anämie, Gewichtsverlust
und Blutungen aufweisen. Die chronische Phase zeichnet sich in 50% der
Fälle durch Blutungen in die Schleimhäute sowie durch innere
Blutungen aus, die sich in Form von blassen Schleimhäuten und blutigem
Stuhl äußern.
Diagnose:
Der direkte Nachweis gelingt nur selten. Methode der Wahl für
die Diagnostik ist der indirekte Nachweis in Form eines Antikörpertiters
über einen indirekten Immunfluoreszenz-Test. Positive Antikörper-Titer
lassen sich erst 20 Tage nach Infektion nachweisen.
Prophylaxe:
Eine Zeckenprophylaxe ist empfehlenswert.