Warum und wie hechelt ein Hund
Das Gehirn ist sehr wärmeempfindlich. Schon ein Temperaturanstieg
von wenigen Grad
beeinträchtigen seine Funktion. Deshalb sitzt im Gehirn (im Hypothalamus)
eine Art
Thermostat. Dieses Gebiet im Gehirn nennt man auch das "Kühlzentrum",
durch das bei
Wärmezunahme im Gehirn beim Hund das Hecheln auslöst wird.
Jeder weiß, daß der Hund hechelt um sich abzukühlen.
Aber wie geht das vor sich? Der
Hund atmet bei heraushängender Zunge durch die Nase ein und durch
das Maul wieder
aus. Dadurch entsteht ein starker Luftzug der die Verdunstung begünstigt.
Die
Atemfrequenz erhöht sich von normalerweise 10 - 30 Atemzüge/Minute
auf bis zu 400
Atemzüge/Minute.
Jetzt versuchen Sie einmal ganz schnell auf diese Art zu hecheln. Sie
merken zwar
schnell, daß die Zunge kühler wird - die Verdunstung klappt.
Aber ihr Mund und die
Nase trocknen schon nach kurzer Zeit aus. Beim Hund wird dieses Austrocknen
durch
eine vermehrte Sekretion der Speichel- sowie der Nasendrüsen verhindert
- dem
Menschen fehlt diese Anpassung.
Hecheln Sie aber trotz trockenem Mund einmal weiter. Es wird nicht lange
dauern bis
Ihnen schwindelig wird und wenn Sie jetzt noch nicht aufhören
entsteht eine leichte
Übelkeit und ev. Kopfschmerzen. Spätestens jetzt sollten
Sie den Test beenden denn
sie zeigen schon die Anfangssymptome einer "Hyperventilation". Eine
Steigerung der
Atemtätigkeit (z.B. bei großem Streß, großer
Anstrengung, Schockerlebnissen uvm.)
führt bei Menschen dazu, daß vermehrt Kohlendioxid ausgeschieden
wird und so ein
Ungleichgewicht zwischen Sauerstoffpartialdruck und Kohlensäurepartialdruck
entsteht. Bei stärkerer Hyperventilation kommt es zu Krampfanfällen,
Störungen der
Hirndurchblutung und daraus entsteht Benommenheit bis zu Bewußtseinsstörungen,
Wahnvorstellungen und Ohnmachtsanfällen.
Auch hier ist uns unser Hund überlegen. Er schafft es
über lange Zeit zu hecheln ohne
in Ohnmacht zu fallen. Aber wie?
1.Je schneller ein Hund atmet, desto flacher atmet er. Das heißt,
er atmet pro
Atemzug nicht so viel Luft ein wie ein "hechelnder"
Mensch.
2.Während beim "hechelnden" Menschen alle eingeatmete Luft
in die Lungen gelangt,
erreicht beim Hund nur ein geringer Teil der eingeatmeten
Luft die Lungen. Der
Großteil der eingeatmeten Luft verbleibt im
sogenannten "Totraum", d.h. er zieht in
einer Art Einbahnstraße von der Oberfläche
der Nase, über die Luftröhre, durch
die Bronchien bis zur Maulschleimhaut und der Zunge
ohne überhaupt zur Lunge
gelangt zu sein und sorgt unterwegs für Kühlung
durch Wasserverdunstung.
Der normale Gasaustausch über die Lungenbläschen
bleibt durch die
Totraumventilation weitgehend unbeeinflußt.
Nur bei ganz extremer Beanspruchung oder bei Bewegung
in extremer Hitze kann
es passieren, daß auch unser Hund die Anfangssymptome
einer Hyperventilation
zeigt und benommen bzw. abwesend wirkt.
Weshalb hechelt unser Hund aber manchmal auch dann, wenn es außen kühl ist?
Auch "innere Wärme" muß abgebaut werden. Die "innere Wärme"
entsteht insbesondere
durch Muskelkontraktionen. Für jedes Kilojoule chemischer Energie,
die in mechanische
Energie umgesetzt wird, werden 3 Kilojoule als Wärme frei. Auf
Deutsch gesagt: die
Energie die z.B. mit der Nahrung aufgenommen wird, wird bei Bewegung,
Aufregung,
Streß aber auch bei der Verdauung usw. also immer dann, wenn
sich Muskeln anspannen,
in Wärme umgewandelt.
Das Hecheln hat neben der Abkühlung durch Verdunstung noch einen
weiteren Effekt:
Im Gehirn des Hundes gibt es ein Kühlsystem, das Carotidenrete.
Dieses System
funktioniert so: Das Gehirn wird durch eine Arterie mit Blut versorgt,
die sich an der
Schädelbasis zu einem Gefäßnetz (=Rete) aus hunderten
kleinen Arterien (=Carotiden)
verzweigt. Erst kurz vor dem Eintritt ins Gehirn vereinigen sie sich
wieder. Dieses
System wird von venösem Blut umflossen, das aus den Wänden
der feuchten
Nasenhöhlen stammt, wo es durch die eingeatmete Luft stark abgekühlt
worden ist. Das
warme Blut in den Carotiden kann also etwas Wärme an das kältere
venöse Blut abgeben
bevor es ins Gehirn eintritt. Je stärker ein Hund hechelt, desto
kühler ist das venöse
Blut rund um die Carotiden und desto kühler erreicht das Blut
das Gehirn. Dieses
System gibt es übrigens noch bei Katzen, Schafen und Ziegen -
der Mensch hat es
nicht.
Besitzer von kurznasigen Hunden sollte bewußt sein, daß
die Atmung ihrer Tiere im
Vergleich zu langnasigen Hunden eingeschränkt ist und deshalb
auch der Wärmetausch
nicht so gut funktionieren kann. Deshalb sind besonders Möpse,
Bulldoggen, Pekinesen,
Boxer u.ä. Rassen besonders hitzeempfindlich.