Grundregeln
Der Notfall tritt fast immer unerwartet ein, und dann kann der
Besitzer oder die Besitzerin eines Hundes, der zusammengebrochen, verletzt
oder behindert ist, leicht in Panik ausbrechen. Die überträgt
sich dann auch noch auf den Patienten. Alles verständlich. Dennoch
kann man
sich einige Regeln einprägen:
Ruhe bewahren und kühlen Kopf behalten, besonnenes Handeln
helfen. Leicht gesagt, aber man kann das trainieren - zum Beispiel in
Erste-Hilfe-Kursen in guten Hundeschulen oder durch Angebote
von Tierärzten.
Bei einem Unfall mit dem Auto ist es sehr hilfreich, wenn in
einem relativ zugänglichen und schnell zu entdeckenden Platz ein Blatt
mit
ersten Hinweisen auf den oder die Hunde vorzufinden sind. Namen
zum Anrufen, Alter, Geschlecht, Eigenarten sind gut für das Auffinden
oder das Sichern eines Hundes, wenn der Fahrer verhindert oder
verletzt ist.
Für einem Heckauffahrunfall ist es sicherer, wenn die Heckklappe
stets verschlossen wird, damit sie nicht zu leicht aufspringt. Dann springt
bei einem Schock durch Eindringen eines anderen Objektes der
Hund - wenn er nur kann - sofort aus dem Laderaum und flüchtet. Er
bringt sich erst mal nach der Bedrohung in Sicherheit - weit
weg von dem Unglücksort. Meist passiert dies auch noch nachts. Der
Hund
verschwindet, weil er sich ängstigt. Finden Sie mal einen
Hund nachts bei Regen in unbekanntem Areal! Wenn Sie noch gehen können!
Für solche Panikfluchten ist im Auto - wenn der Fahrer auch
noch verletzt ist - ein Info- Blatt gut, damit die Helfer überhaupt
wissen, dass
da ein Hund drin war - und wie der ist und aussieht. Wichtig
ist auch die Frage, ob kastriert oder nicht, ob mit anderen Tieren verträglich,
welche Eigenarten er hat. Damit ein zeitweiliges Zusammenleben
ausserhalb seiner gewohnten Situation erleichtert wird. Der Hund ist
gestresst genug.
Atmung
Die Atemwege müssen freigehalten werden. Die Zunge darf
nicht verschluckt werden: aus dem Maul ziehen und zwischen den Fang- und
Backenzähnen seitlich herauslegen.
Erbrochenes oder Fremdkörper aus der Fanghöhle entfernen,
dabei beachten, dass der Hund nicht vor Schmerz oder Angst beisst.
Blut nach aussen abfliessen lassen.
Setzt die Atmung aus, mit dem künstlichen Beatmen beginnen:
Mund-zu-Nase-Beatmung (nur bei verletzungslosem Maul- und Nasenbereich!):
Den Fang fest schliessen, durch die Nasenlöcher in die Lunge
des Hundes ruhig und lange einblasen. Wenn sich der Brustkorb des Hundes
aufbläht, war die Beatmung richtig. Acht- bis zehmal pro
Minute ist korrekt. Bis zum Eintreffen des Tierarztes eventuell fortsetzen.
Brustkorb-Kompression
Ist der Nasenbereich aber verletzt, muss der Hund auf die Seite
gelegt werden. Der Brustkorb des Hundes wird mit beiden Händen
mehrmals kräftig zusammengedrückt und dann aber schnell
wieder losgelassen.
Herz-Kreislauf-System
Um das Herz-Kreislauf-System zu überprüfen, sollten
erst die Schleimhäute überprüft und der Puls gefühlt
werden.
Sind die Schleimhäute im Gaumen blass (nur noch ein Hauch
von Rosa, fast weiss), der Puls nicht zu fühlen, kann man mit einer
Herzmassage anfangen. Dazu wird der Hund auf die rechte Seite
gelegt und der Brustkorb in der Herzgegend (hinter dem linken
Ellenbogen- Gelenk) mit kurzen Abständen oftmals kräftig
zusammengedrückt.
Herzmassage und künstliche Beatmung sollten dann abwechseln.
Dabei ist zu beobachten, ob sich der Brustkorb wieder selber
hebt, die Atmung wieder einsetzt. Gelingt dies, muss man sofort zum
Tierarzt.
Blutungen
Wenn Blut aus Arterien in Schwallen herausschiesst, kann man
sie damit von den Blutungen aus Venen unterscheiden. Aus Venen fliesst
das Blut gleichmässig ab. An den Läufen kann man dann
einen Druckverband anlegen. Wenn dies nicht möglich ist, weil die
Verletzung
am Kopf oder am Rumpf blutet, dann kann eine zweite Person mit
der Hand ohne Unterbrechung die Blutung abdrücken, bis der Tierarzt
übernimmt.
Schock
Wenn auch keine äusseren Blutungen festzustellen sind, können
schwere innere Blutungen einen Schock beim Hund auslösen. Schon
deshalb sich hier wieder die Schleimhäute zu kontrollieren,
ob sie extrem blass sind oder normal gut durchblutet.
Der Hund beginnt beim Schock zu zittern, hat Schwierigkeiten,
sich aufzurichten. Die Atemfrequenz wird schneller und die Atemzüge
flacher. Dann endet dieser Zustand meist in einer Ohnmacht.
Auf dem Weg zum Tierarzt in eine warme Decke hüllen und
Atmung wie Puls kontrollieren.
Transport / Biss-Verletzungen
Es geht nichts über eine professionelle Erstversorgung -
die eines Tierarztes!
Beim Transport zum Tierarzt oder in die Klinik ist immer zu beachten:
Ein verletzter Hund hat Schmerzen, er kann daher beissen, er weiss
sich auch aus Angst keinen anderen "Rat".
Ein leicht lädierter Hund kann eventuell noch zum Auto laufen
oder humpeln. Eine kleine Art kann man in eine Decke wickeln und sicher
in den Armen tragen, einen schweren kann nur ein starker Mensch
oder müssen schon zwei Menschen tragen.
Dabei sollen keine ruckartigen Bewegungen erfolgen, bei Wirbelsäulen-Verletzungen
kann dies tödlich sein.
Dazu legt man eine reissfeste Decke unter den Rücken des
Hundes und zieht ihn daran vorsichtig mit zwei Personen hoch. Dabei führen
die Personen ihre Arme unter den Hund und heben ihn hoch.
Der Hund soll auf dem Rücksitz des Autos oder auf der ebenen
Ladefläche des Kombis oder Vans - mit dem Rücken zur Rückenlehne
gelegt werden. Eine zweite Decke soll ihn warmhalten.
Bei eventuellen Rückenverletzungen ist eine stabile Unterlage
(Brett oder Karton), bei kleineren Hunden eine feste Decke einzuziehen.
Gurte oder Bänder sollen den Hund beim Fahren stabilisieren
und sind beim Herausholen beim Tierarzt oder zur Klinik auf dem Brett
schon zur Sicherung des Hundes angebracht.
Verletzungen durch Verkehrsunfälle
Das Anleinen mit durchschlupf-sicherem Halsband ist in unserer
verkehrsreichen Umgebung die beste Vorsorge. Aber nicht nur schlecht
oder nicht grundausgebildete - auch ein gut erzogener Hund kann
erschrecken und auf die Fahrbahn rennen. Bei einem Auffahr-Unfall
kann die Heckklappe aufspringen - und der Hund durch diesen Lärm-Schock
und Bedrohung ist auf und davon. Daher die Heckklappe
immer verschliessen.
Ein verunfallter Hund steht unter Schock! Auch bei leichten Verletzungen
(Prellungen) kann er daher verstört sein und flüchten wollen.
Der Halter muss versuchen, ihn zu sich zu locken - ja nie schreien
aus Angst oder ihm nachlaufen!, sondern von ihm lockend weglaufen -
dann anleinen.
Bei schweren Verletzen ist mit einer Abwehrreaktion des Hundes
zu rechnen: er beisst eventuell. Also ummäntelt man eine Hand oder
Arm mit einer Jacke oder Decke.
Dann sind Schleimhäute zu kontrollieren (siehe auch zweite
Folge: Schock) oder äussere Blutungen. Und ab zum Tierarzt!
Der Hund ist auf dem Transport weich zu polstern, denn er kann
Knochenbrücke, Verrenkungen oder Prellungen haben.
Wenn man ein Knochenteil in der Haut entdeckt, dazu mit starker
Blutung, dann muss die Stelle mit steriler Gazestreifen (den hat man im
Erste-Hilfe-Kasten - den speziell für Hunde gibt es im Tierhandel)
bedeckt und mit einem lockeren Verband stabilisiert werden.
Laien sollten nicht schienen, denn durch eine falsche Schienung
erhöhen sich vielleicht die Schmerzen des Hundes oder sie verdreht
den
Bruch noch.
Verletzungen des Brustkorbs sind schwierig. Spitze Gegenstände
können die Brustwand verletzt haben. Mit einer Mullkompresse kann
man
so lange auf die Wunde drücken, bis das zischende Geräusch
aufhört. Dann legt man einen Druckverband mit einer möglichst
breiten
elastischen Binde um die Brust an. Zwischen den Vorderbeinen
und spiralförmig angelegt.
Biss-Verletzungen
Nach dem Ernstkampf werden die Kämpfer untersucht. Es können
natürlich Keime in losgelöste Unterhaut eingedrungen sein und
durchaus zu einer schweren Infektion führen. Die Wunden
kann man mit einer Jodlösung (Achtung, das tut dem Hund weh!) oder
- besser
- mit
dreiprozentigem Wasserstoff-Superoxyd reinigen.
Bei langhaarigen Hunden oder Hunden mit dicker Unterwolle sind
Verletzungen schwer festzustellen. Manche Hunde (Herdenschutzhunde
und Molosser) haben auch eine lose Halswamme, die schützt
vor Bissverletzungen im gefährlichen Bereich des Kehlkopfes.
Zahn-Verletzungen können auch durch Schlösser an den
Halsbändern hervorgerufen werden. Das bedingt den sofortigen Besuch
beim Tierarzt.
Quelle: http://www.hundezeitung.de
Erstickungen
Besonders verspielte junge Hunde nehmen Geräte auf, die
alles andere als gesund oder gar verdaulich sind - oft auch gefährlichen
Kunststoff, weil sie allerlei untersuchen, ob es zum Spielen
als "Beute" taugt.
Behindert ein solcher Fremdkörper die Atemwege, merkt man
dies an den Abwehrreaktionen des Hundes, wenn er sich mit den Pfoten
direkt am oder gar in den Fang kratzt oder den Kopf am Boden
reibt, um den Fremdkörper loszuwerden.
Gelingt ihm dies nicht, wird er schneller und stossweise atmen,
eine blau gefärbte Zunge zeigt uns, dass der Hund zu ersticken droht.
Sofort aber ruhig den Fang öffnen, nicht nach oben und hinten
drücken, und den Gegenstand mit den Fingern aus dem Rachen
herausholen.
Falls das nicht möglich ist, wenn der Gegenstand weiter
nach hinten gerutscht ist oder gar in der Luftröhre steckt: Kleine
Hunde können an
den Hinterbeinen über dem Kniegelenk gepackt und hin- und
hergeschwenkt werden. Oder eine andere Person klopft ihm auf den Rücken
- wie bei Menschen, die zu ersticken drohen.
Ist der Hund dafür zu gross und schwer, legt man ihn seitlich
ab und drückt mit beiden Handballen kurz und kräftig - ähnlich
wie beim
Beatmen - hinter dem Rippenbogen auf den Bauch. Die Richtung
des Drückens soll aber nach vorn gehen, damit durch das Pressen des
Zwerchfells die Luft aus der Lunge und damit der Fremdkörper
aus der Luftröhre gedrückt wird.
Ist alles erfolglos - sofort zum Tierarzt!
Krämpfe
Für Krampfanfälle gibt es die unterschiedlichsten Ursachen
wie etwa Epilepsie, Tumore oder Vergiftungen. Der Hund zuckt unkontrolliert
(und nicht die gewöhnliche Muskelkontraktion, wenn er träumt),
bricht zusammen, sackt seitlich weg, rudert mit den Läufen, um wieder
auf die Beine zu kommen. Er kaut, dabei kann er sich die Zunge
blutig beissen. Er speichelt, uriniert oder kotet aus Todesangst, wird
vielleicht bewusstlos.
Hier ist es wichtig, darauf aufzupassen, dass der Hund sich nicht
selber verletzt. Man muss ihn während des Krampfes von Gegenständen
wegziehen, die er beim Krampfen umstossen kann.
Sofort den Tierarzt alarmieren. Dem Tierarzt kann man für
eine vorläufige Diagnose helfen, indem man die Art und den Verlauf
der
Krämpfe genau beschreibt. Und der Hund muss von jedem Stress
ferngehalten werden!
Insektenstiche
Stiche von Bienen, Wespen oder gar Hornissen können lebensgefährlich
sein - gerade für unerfahrene Hunde. Vor allem, wenn der Stich
im Kopfbereich, dort an Augen oder im Rachen abgesetzt wurde.
Diese Stelle schwillt meist schnell an, dabei werden die Atemwege
eingeengt.
Stachel mit einer Pinzette entfernen. Wenn vorhanden, soll dem
Hund eine Calcium-Trinkampulle mit einer Wasserkanüle in den Rachen
eingespritzt werden. Die Stichstelle ist dann zu kühlen.
Dann sofort zum Tierarzt.
Vergiftungen
Vorsorge ist auch hier angesagt - gerade für neugierige
junge Hunde. Haushalts-Putzmittel und sonstige Chemikalien oder gar
Medikamente sind vor ihm zu schützen.
Wenn er doch mal etwas frisst, was Gift für ihn ist, muss
man ihn sofort dabei hindern, weiter zu fressen. Und zwar rabiat, wenn
es sein
muss.
Als Notmassnahme sind die Atmung und der Blutkreislauf aufrecht
zu erhalten (siehe auch Erste Hilfe in den vorherigen Kapiteln).
Sofort den Tierarzt anrufen, der weitere Massnahmen einleitet.
Zur Untersuchung, welches Gift das war, kann man eine Probe des
Erbrochenen aufbewahren.
Notruf Giftzentralen (die Adressen auch ins Auto legen) neben den ortsansässigen oder -nahen Tierkliniken:
Allgemeiner Notruf 112
Tag- und Nacht-Beratungsstelle: 030-19240
Berlin-Weissensee: Zentraler Toxikologischer Auskunftsdienst am
Institut für Arzneimittelwesen, 13086 Berlin, Grosse Seestrasse 4,
Telefon 030-9669418 und -9653353.
Berlin-Charlottenburg: Reanimationszentrum im Universitätsklinikum
Rudolf Virchow, 14050 Berlin, Spandauer Damm 130, Telefon
030-3035-0, Durchwahlen -3035-3466, -3050-2215 und -3050-3436.
Bonn: Informationszentrale gegen Vergiftungen, 53113 Bonn 1, Adenauerallee
119, Telefon 0228-2873211 und -2873333.
Österreich: Vergiftungsinformationszentrale, A-1090 Wien, Spitalgasse
23, Telefon 0222-40400-2222, Notruf -434343.
Schweiz: Schweizerisches Toxikologisches Informationszentrum, CH-8030
Zürich, Klosterbachstrasse 107, Telefon 0041-1/2515151.
Im Internet mit allen ortsnahen Adressen: http://giftnotruf.de
Quelle: http://www.hundejo.de
http://www.bullandterriers.de/pages/erste.htm