Damals vor vierzig Jahren, wenn ich meine erste Wohnung bezogen
habe, da war ich noch jung und
unerfahren. Damit ich mich in meiner neuen Wohnung so richtig
wohl fuehle, dachte ich, dass es nicht
reicht, wenn ich sie nur mit Bett, Tisch und zwei Stuehlen
einrichte. Etwas schoenes und etwas was
mir
Freude macht muss her.
Also kaufte ich mir ein Gemaelde mit Darstellung eines roehrenden
Hirsch und ein Nagel zum anhaengen.
Zu Hause angekommen, stellte ich aber fest, dass ich noch ein
Hammer brauche, um diesen verfluchten
Nagel in die Wand einzuschlagen.
In meiner jugendlichen Naivitaet, und ohne zu ahnen was so alles
auf mich noch zukommt, kaufte ich mir
einfach einen Hammer.
Wie schon gesagt, da war ich aber noch jung und unerfahren.
Seit dem haengt aber das Bild bei mir an der Wand und der Hammer,
der hat sich in laufe der Zeit auch
schon oft als sehr nuetzlich erwiesen.
Vor einigen Wochen, kaufte ich mir eine bebilderte Zeitung und
auf der Titelseite las ich folgende
Schlagzeile.:
"GELIEBTE VON EINEM MEHRMALS VORBESTRAFTEN ZUHAeLTER MIT HAMMER
ERSCHLAGEN."
Ich war entsetzt und mit mir die ganze Nation. Weil die
Regierenden zur dieser Zeit Probleme hatten
mit
Steuerreform, Renten, und mit verwirrten rechtsorientierten
Jugendlichen die am Haarausfall leiden,
fuehlten sie sich dem Volk verpflichtet, etwas zu unternehmen, um
wieder Recht und Ordnung fuer unser
Land zu schaffen.
Also handelten sie. Und sie handelten so, wie wir es von unseren
Politikern gewohnt sind. Sie handelten
schnell.
Prompt bekam ich eine freundliche Einladung von unseren
Ordnungsamt, um eine Genehmigung zum
Halten des Hammers das sich seit 40 Jahren in meinem Besitz
befindet zu beantragen. Zu erst muesste
ich ein Polizeiliches Fuehrungszeugnis vorlegen um zu beweisen,
dass ich nicht ein mehrmals
vorbestrafter Zuhaelter bin.
Ob ich auch eine Geliebte habe, darauf wurde ich nicht gefragt.
Na ja - die 20.- DM die ich dafuer
bezahlen musste, die habe ich schnell verschmerzt.
Dann musste ich nur noch nachweisen, dass ich mit meinem Hammer
umgehen kann, und dass ich mein
Hammer ordnungsgemaess in einem dafuer vorgesehenem
Werkzeugskasten
aufbewahre.
Dann wurde ich nur angehalten mein Hammer bei einer dafuer
zustaendigen Behoerde Registrieren und
mit einer Nummer zu kennzeichnen lassen. Dies geschah ohne
Probleme und war recht guenstig. Nur
laecherliche 60.- DM hat es mich gekostet.
Es waere aber viel zu einfach, wenn damit wirklich alles erledigt
waere. Um meine Frau, und eventuell
meine zukuenftige Geliebte vor meinem Hammer zu schuetzen, musste
ein Fachmann pruefen, ob es sich
nicht um ein gefaehrlichen Hammer aus Stahl handelt. Der Fachmann
pruefte sorgfaeltig mein Hammer und
hat es fuer lumpige 60.- DM zu einem Gummihammer deklariert.
Mir ist klar, dass ich jetzt mein Hammer schoen pflegen und
schonen muss, denn einen neuen Hammer
darf ich mir anschaffen nur bei Nachweis eines ueberwiegend
besonderen Interesse.
Wie soll ich aber ein ueberwiegend besondere Interesse nachweisen
? Mein Gemaelde mit dem
roehrenden Hirsch sieht immer noch wie neu aus und ich
beabsichtige nicht, mir noch so ein Kunstwerk
zu kaufen.
So - und jetzt soll mir jemand sagen, dass unsere Behoerden
langsam arbeiten. Zwei Tage, nachdem
mein Hammer zu Gummihammer deklariert wurde, erhielt ich gegen
eine kleinen Spende von 100.- DM
die ersehnte Erlaubnis zum halten eines Hammers.
Es handelt sich allerdings nur ein vorlaeufiges Erlaubnis, das
nur
ein Jahr Gueltigkeit hat. Es ist doch ganz
verstaendlich, den wer kann dafuer garantieren, dass sich mein
Gummihammer in diesen einem Jahr,
nicht zu einer gefaehrlichen Waffe aus Stahl mausert.
Und unter uns gesagt, den Behoerden geht es nur um die Sicherheit
meiner zukuenftigen Geliebten, und
die soll mir die 100.- DM, die ich dafuer im naechsten Jahr
wieder
bezahlen muss wert sein
Nun bin ich seit einigen Tagen ein stolzer Besitzer einer
Amtlichen Erlaubnis und brauche mein
Hammer nicht mehr verstecken.
Doch etwas habe ich noch mit Sicherheit falsch gemacht. Ich
wollte zwei Holzlatten zusammennageln
um damit ein Ast zu stuetzen, der durch die Last der darauf
haengenden Pfirsiche zu brechen drohte.
Mit einem habe ich aber nicht gerechnet. Die besorgten Passanten
die an unseren Haus vorbei gingen
und die sahen wie ich da so unverschaemt den Hammer schwenke, die
konnten doch nicht wissen, dass
es sich nur um ein Gummihammer handelt womit ich da hantiere, und
dass ich zuhause, in einer
Schublade ein amtliches Erlaubnis im Gesamtwert von 240.- DM
aufbewahre. Wen wundert es daher,
dass sie mich als einen asozialen, mehrmals vorbestraften
Zuhaelter beschimpften.
Es gab aber auch freundliche Buerger in unserer Stadt, die mich
nur gefragt haben, ob ich nicht weis,
dass ich mein Hammer in einem dazu vorgeschriebenen
Handwerkzeugskasten zu bewahren verpflichtet
bin.
Apropos Zuhaelter ! Ich habe erfahren, dass es tatsaechlich in
Deutschland Zuhaelter gibt, die trotz dieser
Verordnung illegal ein Hammer besitzen. Doch angeblich sollen sie
auch illegal Rauschgifthandel
betreiben, Prostitution fordern und verbotene Gluecksspiele
veranstalten.
Ob sie die neue Verordnung ueber das Halten von gefaehrlichen
Haemmern davon abhalten kann, sich
auch illegal immer neue Haemmer zu beschaffen ?
Seit einigen Tagen hat sich die Situation - was meinen Hammer
betrifft - beruhigt. Jetzt beschaeftigt
unsere Politiker ein anderes Problem.
Es sind diese verwirrte Jugendliche, die an Haarausfall leiden.
Dass diese Burschen ihre Glatzen in
Zukunft nur mit amtlicher Genehmigung zur Schau stellen duerfen,
das scheint mir sehr
unwahrscheinlich, denn es gibt auch glatzkoepfige Politiker. Aber
die tarnen ihre Glatze geschickt mit
einer Peruecke