Todesurteil: "weiß" lautete der Bericht, in dem wir über
das Schicksal weiß-geborener Boxer berichteten, die von vielen Züchtern
wegen dieses "Mangels" in der Fellfarbe "aussortiert" wurden. Der von uns
geschilderte brutale und zugleich gesetzeswidrige Welpenmord erweckte ein
unerwartet großes Interesse bei den Medien.
Der Initiator der Kampagne, unser Vorsitzender Wilhelm Klein, schildert
jetzt Einzelheiten über die Reaktionen in der Bevölkerung, die
Erfahrung mit Medien, Züchtern, dem Boxerclub sowie unsere weiteren
Zielen.
" Ich wollte auf einen Skandal aufmerksam machen und habe unbewußt eine Lawine losgetreten"
Die Hinweise auf die Praxis vieler Boxerzüchter, alle Boxer mit
der "Fehlfarbe" weiß, sofort nach der Geburt zu töten, hat neben
einem Medieninteresse große Betroffenheit bei Tierfreunden in ganz
Deutschland ausgelöst.
Und in der Tat, unser Tierschutzverein erhielt weit über 100 Briefe
und Anrufe, in denen Tierfreunde ihre Entrüstung über das brutale
Welpenmorden zum Ausdruck brachten.
Viele erklärten sich spontan bereit, einen weißen Boxer
zu nehmen. So gerne wir auch alle Nachfragen befriedigt hätten, die
Vermittlung scheiterte - von wenigen Ausnahmen abgesehen - einfach an der
Tatsache, daß nicht genügend dieser Fabeltiere zur Verfügung
standen; zu viele werden immer noch getötet.
"Hilfe kam auch von unerwarteten Stellen "
Dass wir Tierschützer nicht alleine auf weiterer Flur stehen, bewiesen
auch die Schreiben und Anrufe von mehreren Züchtern.
" Wir können es schon lange nicht mehr mit unserem Gewissen vereinbaren
" war überwiegend der Tenor. Dank erreichte uns auch für den
Mut, dieses Thema in die Öffentlichkeit gebracht zu haben.
Die Tatsache, daß sich nach der Medienkampagne überhaupt
Züchter "outeten", kann aus der Sicht der Tierschützer nicht
hoch genug bewertet werden.
Ein interessanter Brief erreichte uns in diesem Zusammenhang von einer
Tierfreundin aus Hengstlage. Sie ist Besitzerin von zwei weißen Boxern.
Die Hunde hätte sie im Welpenalter von einem Tierarzt erhalten, der
sie für einen Boxerzüchter wegen des " schwerwiegenden Mangels
weiß" einschläfern sollte. Die Frau besaß, wie sie uns
schilderte, die Courage, mit ihren zwei Hunden eine Rassehundeausstellung
in Cloppenburg zu besuchen.
Was sie danach niederschrieb ist symptomatisch für das Verhalten
der selbsternannten Rassewächter des Boxer-Klubs
" Bei den Boxerleuten betretenes Schweigen, bis dann ein adrett gekleideter
Herr auf uns zukam und fragte, ob die beiden weißen Boxer denn Papiere
hätten. Ich verneinte, versicherte ihm aber, daß sie ordnungsgemäß
geboren wären und daß ich im übrigen keinen Wert auf Papiere
lege. Daraufhin wurden wir drei wie Exoten gemustert und folgendermaßen
aufgeklärt:
"Die weißen Boxer sind extrem krankheitsanfällig und lebensschwach.
Voraussichtlich bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres werden sie blind
und taub sein. Sie müssen in Zukunft mit einer Menge von Problemen
rechnen. Übrigens, die Behauptung einiger Unwissenden, weiße
Boxer werden vom Züchter getötet, ist nachweislich falsch, ihre
Hunde sind ja der lebende Beweis."
Das hier offenbarte Verhalten sogenannter Boxerfreunde ist an Zynismus
kaum mehr zu überbieten.
Nicht nur diese Behauptung des korrekt gekleideten Herrn blieb ein
untauglicher Versuch die Wahrheit zu verschleiern. Ähnlich ist auch
eine Verlautbarung des Boxer-Klubs München zu werten, der bestreitet,
irgendwelchen Druck oder Restriktionen gegen Züchter und Besitzer
von weißen Boxer auszuüben.
Laut Zuchtordnung seien - so der Klub - die Mitglieder sogar verpflichtet,
sich an das Tierschutzgesetzt zu halten. Um die Glaubwürdigkeit dieser
Aussage zu unterstreichen, setzt man noch einen drauf und erklärt,
daß er gegen jegliche Unterstellung in Richtung "offizieller Druck
zur Tötung von weißen Boxern" gerichtlich vorgehen wird.
Die Androhung von gerichtlichen Schritten basiert demnach wohlweislich
auf solche Behauptungen, die einen " offiziellen Druck" zum Töten
unterstellen.
Der Richtigkeit halber ist, soweit wir Einblick hatten, festzustellen,
daß der Boxer-Klub ein offizielles Tötungsgebot nicht mehr heraus
gibt. Dies kann er auch nicht, denn es wäre ein Verstoß gegen
die Rechtsordung.
Nicht das Emotionale, die Realität zwingt uns zum Handeln
Weil uns Tierschützern immer ein gewisser Hang zum Emotionalen
unterstellt wird, haben wir uns um fachliche Quellen zu diesem Thema bemüht.
Wir wollten uns damit von vorneherein den Vorwurf einer nur subjektiven
Betrachtungsweise ersparen. Unstrittig bei den uns jetzt Vorliegenden Ergebnissen
war das Problem selbst.
Das, was der Boxer-Klub negiert und schönredet existiert: Weiße
Boxer werden nach der Geburt überwiegend getötet.
Der ehemalige Präsident des französischen Boxerklubs Michel
Pionchon schrieb im Boxerblatt zu diesem Thema u.a. folgendes:
"Aber ist denn die weiße Fellfarbe allein das einzige charakteristische
dieser Außenseiter? Bei den selten belassenen Weißen stellt
man unglücklicherweise fest, daß die beim Boxer angestrebten
Eigenschaften bei diesen Tieren besonders ausgeprägt sind.
Zum Beispiel sind sie immer von besonders gutem Formwert, mit einem
gut gewinkelten Gebäude. Die Köpfe sind besonders typvoll mit
gutem Oberkopf und Fang, die Augen dunkel (mit unausgefärbter Nickhaut),
der Zahnstand kräftig und gerade.
Es waren vielleicht all die Eigenschaften beim (ursprünglich auch
weißen) Boxer, die mir den Anlaß gaben, zur Zucht dieser Rasse.
Es schien mir unerläßlich, den Schleier zu lüften und
offen über eine Situation zu reden, mit der jeder Züchter konfrontiert
werden kann. Diese Auskunft, die aufrichtig und ehrlich gegeben wurde,
zeigt dem Verantwortlichen eine Grundlage auf und sie können daraus
Schlüsse für die Zukunft ziehen"
Unser Tierschutzverein hat eine Interessengemeinschaft gegründet,
in der Mitglieder des Vereins, Besitzer weißer Boxer, Züchter
und Tiermediziner gemeinsam für diese liebenswerten und lebensfähigen
Tiere eintreten.
Quelle: Auszug aus "Tierschutzheft des Tierheims Kaiserslautern"