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Gewohntes Leben

 

Vortrag am Mietertag, 05.06.2009, in Leipzig 

 

Berlin zur Zeit des Mauerfalls: „Was für eine besänftigende Stadt, mit Häusern so grau, dass kein Neid darauf entstehen kann, einem Himmel so einerlei bedeckt und verhangen, dass kein Neid darauf entstehen kann, mit blassen Menschen, so still und trüb, dass kein Neid auf sie entstehen kann, mit Autos so ernst und schwer, mit Wochenmärkten so verregnet und verhüllt, dass kein Neid auf sie entstehen kann, mit nassem, märkischem Sand darunter und verrußten Backsteingebäuden darauf, um die sie niemand beneidet, mit schmierigen Kanälen und triefenden Büschen, mit verdreckten Schwänen und zertretenen Schnecken, mit grobschlächtigen Senatoren und teigigen Schauspielern, mit tumben Tenören und welken Ballerinen aus Russland, um die sie niemand beneidet, mit geteerten Umfahrungsstrassen, mit denkmalgeschützten Steuerämtern und glitzernden Schrottplätzen, die ihr jeder gerne gönnt, mit auswurfsgrünen Kontaktbereichsbeamten, die einsam, nass und ohne Neid zu erwecken durch Ausfallstrassen streunen, was für eine friedfertige Stadt, die uns jeder gerne lässt, die auch wir jedem gern überlassen, um die es keinen Zank und keinen Streit gibt, die jeder jedem gerne lässt, wo jeder selig träumt und gedankenverloren seiner Wege geht, wo die Einwohner Freude haben, einander jeden Morgen wiederzusehen, und glücklich sind über jeden, der am nächsten Morgen noch da ist, der nicht weggezogen ist über Nacht, wo wir über endlose Industriestrassen wandern, Heidestrassen, staunend über die Ausmaße der Verlorenheit, über das öde Monument, wo wir die triefende Wüste ins Herz schließen, die niemandes Eifersucht weckt, die ewig flache Stadt, die keinen Anfang hat und kein Ende, so großporig, so einfach, so geradeaus …“

Sie entschuldigen, dass ich mich selbst aus einer früheren Veröffentlichung zitiert habe. Es liegt daran, dass ich schon seit dreißig Jahren als Mieter in Berlin lebe und dabei realisiert habe, wie wenig sich so ein Ort, trotz gewaltiger historischer Umbrüche, in seiner Grundstruktur verändert. Die Öffentlichkeitsarbeiter der Berlin-Tourismus GmbH bemühen sich zwar, weltweit ein anderes Image von der Stadt zu vermitteln als das, welches ich Ihnen eben ausmalte – doch können Sie mir vertrauen: Im Kern entspricht meines eher der Wahrheit.

Aufgewachsen bin ich in einem Schweizer Bauerndorf. Es lag am Ufer eines Flusses. Alle paar Jahre einmal wurde eine Leiche angeschwemmt. Das bot Gesprächsstoff für die langen Abende. Es gab einen Bach mit Blutegeln drin, Wiesen mit Kühen, Apfel- und Kirschbäumen drauf, es gab Schweine, Hühner und Schafe, und im Frühling, das war fast das schönste, gab es manchmal eine Maikäferinvasion.

Wenn man einander begegnete, grüsste man, möglichst mit Namen. Der Gruß klang wie eine Art Muhen (grüessech). Im Winter lag Schnee, der Feuerwehrteich fror zu, manchmal sogar der Fluss, wir liefen darauf Schlittschuh, im Sommer war es heiß, im Nachbardorf gab es eine Badeanstalt, die Bremsen stachen.

1979 zog ich nach Berlin. Das war ein Schock. Bleigraue Strassen zogen sich endlos hin, geradeaus, flach. Mietskasernen standen links und rechts, große Lücken klafften dazwischen. Da und dort funselte das Reklameschild einer Eckkneipe, „Zum Magendoktor“, „Gießkanne“, „Traditionsgasthaus Kaputter Heinrich“, „Kaffeeklappe“ oder „Trümmerlotte“ hießen sie. Aus den Türen roch es vergoren und klang dumpf heraus. Die Distanzen von einem Bezirk zum nächsten waren schier unüberwindbar, riesige Brachen lagen dazwischen.

Eine Attraktion ist Berlin auch heute noch nicht. Zwar haben sich da und dort urbane Zellen gebildet. Elegante Menschen halten Handys ans Ohr, reden im Laufen, mit wehenden Mänteln, und trinken dazu heißen Kaffee aus Pappbechern. Doch kaum biegen sie um die Ecke, verlieren sie sich in der Leere. Die Stadt trägt im Sommer nach wie vor lieber kurze Hosen, fleischwurstfarbene Socken und Sandalen. Ihre Beine sind lang, weiß und teigig. Im Winter trägt sie einen senfgelb gesprenkelten Anorak. Nach dem Fall der Mauer ist sie zudem noch ausgelaufen. Sie fängt überhaupt nirgends mehr an, hört nirgends mehr auf, und eine Mitte, ein Zentrum hat sie schon gar nicht. Ein Covent Garden fehlt ebenso wie eine Scala oder ein Louvre. Die Häuser mit Geschichte wurden zerbombt oder abgerissen, andere nach dem Krieg neugestaltet. Man schlendert deswegen ohne großen Respekt in die Kulturstätten hinein – und wird dafür von der gebotenen Kunst inzwischen manchmal umso mehr überrascht. Was für Abende! Schauspieler wie Diamanten, Sängerinnen wie Mondsteine, herrlich! Oder eine Ausstellung im Hamburger Bahnhof, das verstaubte Naturkunde-, das Bode-, das Pergamonmuseum, die ganze Museumsinsel überhaupt, alles ist einfach so da, geöffnet, ohne langes Anstehen und Vorbuchen zu haben; parallel dirigieren berühmte Maestros herausragende Orchester, der eine in der Philharmonie, der andere im Konzerthaus – und das Tollste daran ist: Nichts von alledem muss man gesehen oder gehört haben. Allein die Tatsache, dass man es könnte, erfüllt einen mit Zuversicht.

Auf der Suche nach einem Ort, an dem ich mich wohl fühlte, zog ich innerhalb der Stadt mehrmals um. Seit über zwanzig Jahren wohne ich in einem Charlottenburger Mietshaus aus der Gründerzeit. Als ich einzog, gehörte es einer Frau, die in Westdeutschland lebte. Nachdem sie sich aus Altersgründen nicht mehr darum kümmern mochte, schenkte sie es ihrem Sohn, der es gleich nach dem Mauerfall an einen Spekulanten verkaufte. Von dem Moment an stieg der Mietzins kontinuierlich, allein innerhalb der letzten zehn Jahre um achtzig Prozent. Von den früheren Nachbarn lebt außer mir nur noch eine Frau darin. Die anderen zogen nach und nach weg oder starben, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen konnten. Auch ich suche seit einiger Zeit nach etwas kleinerem, preiswerterem. Obwohl ich keinerlei Kosten verursacht habe in den zwanzig Jahren – nicht eine einzige Reparatur oder Instandsetzung verlangte ich vom Hausbesitzer –, muss ich inzwischen dreieinhalb mal mehr für die Wohnung bezahlen als bei meinem Einzug, was für mich schwer zu kapieren ist. Neuerdings stehen im Haus Wohnungen leer. Sie werden nicht mehr vermietet, sondern verkauft.

Angenehm ist, dass die neu eingezogenen Nachbarn tagsüber selten zu Hause sind, da sie dann in Anwaltskanzleien, Kliniken und an Hochschulen das Geld für die Miete oder für die Tilgung des Kaufpreises verdienen. Abends, wenn sie nach Hause kommen, sind sie müde und machen wenig Lärm. Sie gehen früh zu Bett und stehen zeitig auf. Das Treppenhaus halten sie sauber.

Vorher war das zugegebenermaßen anders. Da lebten Arbeitslose in den Wohnungen, ewige Studenten, Taxifahrer, die Nachtschicht schoben, Teilzeitlehrer, eine Blumenhändlerin … Einer wurde manchmal laut und fluchte unflätig, ein anderer schlug seine Frau, die oft Schweinebraten und Kohlrouladen zubereitete. Im Treppenhaus roch es meistens garstig. In den Wohnungen wurden Katzen und Hunde gehalten. Manchmal lag ein Betrunkener im Flur. Manchmal übernachtete auf dem Dachboden ein Obdachloser.

Wir hatten einen Hauswart, der sich recht und schlecht um all das kümmerte. Eines Tages wurde er ersetzt durch eine Firma namens Cityclean. Kurz danach starb er an Kummer und übermäßigem Alkoholgenuss. Seine Wohnung wurde renoviert und zum doppelten Preis an ein junges Ehepaar vermietet. Einmal in der Woche kommt seither ein sehr groß gewachsener Ukrainer und saugt mit einem sehr kleinen Staubsauger das Treppenhaus sauber. Nicht nur in unserem Haus wurde diese Mieterbereinigung durchgeführt, sondern überall in der Strasse. Gerade wieder ist ein ganzes Gebäude entmietet worden und wird momentan saniert. Es ist ruhiger geworden um den Block. Da tagsüber kaum noch Menschen in den Häusern und auf der Strasse sind, trauen sich neuerdings seltene Vögel ins Revier und setzen sich vor meinem Fenster aufs Balkongeländer.

Am Straßenrand parken seit einem halben Jahr zwei Jaguars. Der eine gehört einem neuen Mieter aus unserem Haus. Als ich ihn einmal aussteigen sah, sagte ich lachend, seit meiner Jugend träume ich davon, einmal in einem Jaguar zu sitzen. Er versprach mir, ebenfalls lachend, mich am Wochenende auf eine Spritztour mitzunehmen. Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen.

Es macht Freude, unten in unser Haus zu treten und über die gesaugte Treppe zur Wohnung empor zu schreiten. Wer einem begegnet, grüsst. Die Gesichter sind mir fremd; die Mieter wechseln häufig. Doch alle sehen gepflegt aus und riechen gut. An einer Eingangstür nach der anderen wurden Sicherheitsschlösser mit Querstangen und Riegeln montiert. Auch ich ließ mir – angesteckt von den anderen – so ein Stangenschloss einbauen und wohne jetzt somit in einem rundum ordentlichen, sicheren, gepflegten Haus.

Wenn irgendwo auf einer Geburtstagsfeier oder bei einer Vernissage die Sprache auf die steigenden Mieten in Berlin kommt, erklärt man mir, dass sie in London, Paris oder Zürich sehr viel höher seien und deswegen selbstverständlich auch in Berlin drastisch angehoben werden müssten. Niemals ist mir in London, Paris oder Zürich passiert, dass man dort auf einer Geburtstagsfeier oder bei einer Vernissage sagte, die Mieten in Berlin seien sehr viel niedriger, weswegen sie nun in London, Paris oder Zürich ebenfalls drastisch gesenkt werden müssten.

Leute wie ich, die nicht genug Geld verdienen, um in ordentlichen, sicheren, gepflegten Häusern leben zu können, ziehen in Außenbezirke mit dunklen, feuchten Wohnungen und schlechter Infrastruktur. Noch sträube ich mich dagegen zu akzeptieren, dass mein zukünftiges Umfeld so aussehen soll. Ich schaue mir die Wohnungen dort zwar an, wende mich aber vorläufig noch empört von ihnen ab.

Arbeiten tue ich in einem alten Weddinger Fabrikgebäude am Nettelbeckplatz. Es sollte in den achtziger Jahren abgerissen werden. Man behauptete, es sei einsturzgefährdet. Mit diversen Gegengutachten schafften es wir drei letzten, übriggebliebenen Mieter, den Abriss zu verhindern. Das Gebäude wurde instand gesetzt und steht heute noch felsenfest auf seinem Fundament.

Der Wedding ist ein Bezirk, dem besonders übel mitgespielt wurde. Früher war er unter dem Namen der Rote Wedding ein Begriff. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von den westlichen Alliierten planiert, weil man die übriggebliebenen Kommunisten mit Stumpf und Stiel ausrotten wollte. Das ist gelungen. Heute ist der Bezirk eine Einöde. Keine stolze, selbstbewusste oder pittoreske Armut, kein multikultureller Charme herrscht in den Strassen; Ausländer wie Deutsche leben von derselben Sozialhilfe und scheinen gleich wenig Grund zum Lachen zu haben.

Ich schreibe seit 1980 in dieser Fabrik. Als jungem Neuzuzügler aus der Schweiz kam mir die Armut abenteuerlich vor. Es regnete in die Räume hinein, die Türken waren exotische Gastarbeiter und glaubten an eine Zukunft im reichen Deutschland. Sie mieteten heruntergekommene Ladengeschäfte und verkauften Kebab vor wandhohen Fototapeten mit Tiroler Gebirgslandschaften drauf. Alles war improvisiert. Die Westberliner Boheme mied das Quartier. Anstatt dort hinzufahren könne man sich ja gleich aufhängen, hieß es; „Wedding?!“ rief man und gab dazu Würggeräusche von sich.

In der Fabrik war schon damals eine Moschee untergebracht und ein türkischer Gemüsegroßmarkt. Die Moschee stand im Verdacht, von den Grauen Wölfen betrieben zu werden, einer fundamentalistischen Organisation, die vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Die Türken, die sie aufsuchten, ignorierten mich. Nur wenn es sich gar nicht vermeiden ließ, grüssten sie, dann aber mit einer irritierenden Mischung aus Untertänigkeit, Misstrauen und Herablassung. Das hat sich bis heute nicht geändert. Der Gemüsehändler grüsst mich nur in unausweichlichen Situationen – wenn wir aufeinander zugehen in der Tordurchfahrt zum Beispiel. Dann sagt er mit einem provokant süßlichen Unterton „Hallo Chef“, dazu schaut er mich an, als würde er mir am liebsten eine reinhauen. Ich antworte mit maskenhaftem Lächeln „Guten Tag“ und würde ihm am liebsten ebenfalls eine reinhauen. Ich weiß nicht, warum das so ist. Wir sind niemals aneinander geraten und könnten uns eigentlich längst miteinander solidarisieren gegen Mieterhöhungen und andere Anfeindungen des Alltags.

Davon unabhängig ist das Klima am Nettelbeckplatz inzwischen – ich bilde mir ein, unter anderem dank meiner langjährigen Anwesenheit – so ausgeglichen, dass Neuberliner durchaus mit dem Gedanken spielen, dahin zu ziehen. Im Grunde genommen ist die Adresse nämlich gar nicht so schlecht, seitdem die Mauer weg ist. Die Anbindung an U- und S-Bahn ist gut. Die Immobilienpreise haben vor der Krise kräftig angezogen. Das Fabrikgebäude, das vor zwanzig Jahren abgerissen werden sollte, wurde, als die Prognosen in jüngster Vergangenheit besonders kräftig ins Kraut schossen, von einem Hamburger Investor erworben. Tausendzweihundert Quadratmeter stehen inzwischen leer und werden als „attraktive Gewerberäume in zentraler Lage“ zur Miete angeboten. (Eine aktuelle Pointe am Rand: Der Traum von den hohen Gewinnen, die man zuletzt selbst im Wedding meinte einfahren zu können, ist in Folge der sogenannten Krise wie so viele zerplatzt. Trotzdem wird panisch weiter entmietet, in der Hoffnung, mit Hilfe neuer Verträge doch noch plus minus null aus der Sache rauszukommen. Auch ich habe inzwischen die fristlose Kündigung zugeschickt bekommen.)

Ich werde den Wedding nach dreißig Jahren also gezwungenermaßen verlassen, so wie ich wohl auch aus der Charlottenburger Wohnung bald ausziehen werde, weil ich mir die immer neu ausgeheckten Annehmlichkeiten, die mein Leben als Mieter angeblich erleichtern sollen, nicht länger leisten kann. Eine ultimative Gegensprechanlage wurde gerade angekündigt, die das Türöffnen vereinfachen soll – wonach kein Mensch verlangt hat –, was Kosten erzeugt, die auf die Miete umgelegt werden können. Funkgesteuerte Heizverbrauchsablesegeräte wurden eingebaut – was das Ablesen verteuerte. Man legte einen roten Läufer auf die hundert Jahre alte Holztreppe, auf der nie ein Läufer lag, hängte zwei Spiegel in den Hausflur und bezeichnete die bordellartige Installation von Stund an als „repräsentativen Eingangsbereich“, welcher selbstverständlich  wohnwerterhöhend in Rechnung gestellt wurde. Man zwängte eine Gartenbank in den Lichtschacht, um – wie es hieß – „eine wohnliche Atmosphäre im Hofbereich“ zu erzeugen – was eine Mieterhöhung zur Folge hatte. Nicht ein einziges Mal wurde irgendetwas angekündigt, das meine Miete eingefroren oder gar gesenkt hätte. Ich bin überzeugt davon, dass es –zig Möglichkeiten dafür gäbe. Doch ganz offensichtlich wird nicht nach ihnen geforscht. Seitdem die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt zielstrebig dazu führt, mich aus der Stadt zu drängen und zurück aufs Land zu jagen – und es nicht nur mir so ergeht –, fange ich an, mich zu fragen, ob sie (diese Entwicklung) nicht aufgehalten oder gar umgedreht werden sollte und könnte.

Ich habe nichts gegen das Leben auf dem Land. Ich werde mich bestimmt freuen, an schönen Frühlingsabenden wieder einmal die Maikäfer aus dem Boden kriechen und in die Luft steigen zu sehen, dieses Schwirren und Knattern zu hören, dieses ferne, nahe Meer, das über den Wiesen braust, dieses unbeholfene Krabbeln in der Faust zu spüren, wenn man einen von ihnen darin gefangen hält, sein ausgeliefertes, zärtliches Knabbern an der Handinnenfläche zu fühlen, sein Leiden daran zu ahnen, dass er nicht selten ist wie ein Hirschkäfer, obwohl doch beinahe ebenso schön wie dieser, nur brummen da eben Tausende von Artgenossen neben ihm her, die ihn zu einem Allerweltskäfer machen, einem zerbrechlichen Schädling, den keiner mag. Diesem Spektakel wieder einmal beizuwohnen, würde mich vielleicht erheitern, nur mag ich es nicht, wenn der Markt für mich entscheidet, wann die Zeit dafür reif ist. Ich möchte frei wählen können, ob ich lieber in Berlin lebe oder lieber auf dem Land.

Vorläufig mag ich das Leben in dieser Stadt nämlich ganz eindeutig noch. Sie ist ein monumentales, zerrupftes, während der letzten zweihundert Jahre pausenlos hin und her geschleudertes Ding. Schichten brachen weg, neue wurden darüber geklatscht. Die einzelnen Teile sind auseinandergerissen und verkehrt wieder zusammengeflickt worden – an allen Ecken und Enden schlägt einem die Wucht der Vergeblichkeit entgegen und drückt einen nieder. Doch, unten angelangt, wird man von der Einsicht überrascht, dass man seine Zeit ebenso gut zwischen solchen Trümmern und verwehten Steppen falsch verbringen kann wie woanders, dass man sie so oder so nie richtig verbracht haben wird, und ein Gefühl grenzenloser Offenheit und tiefen Glücks breitet sich aus.