
Warum verbringe ich bei jedem Heimspieltag meine seltene Freizeit damit,
mit rund 20.000 meist Fremden ein Lied mit fragwürdigem Text zu grölen?
Warum stehe ich mir 120 Minuten vor einem Spiel schon die Beine in
den Bauch, nur um von der ersten Reihe aus zu beobachten, wie 22 Männer
mit kurzen Hosen einem Ball nachlaufen?
Warum fahre ich außerhalb von Geschäftszeiten am Wochenende in
Städte wie Hamburg, Stuttgart, Dortmund, Kaiserslautern, aber eben
auch schon Mainz oder Nürnberg, um dort kaum mehr als ein Fußballstadion
zu besichtigen?
Warum gebe ich jeden Sommer mehr als 150 € dafür aus, bei
Gluthitze, Nieselregen oder Eiseskälte auf einer Betonstufe zu zittern
und möglicherweise völlig gefrustet den Heimweg anzutreten?
Warum ist es mir nicht zu albern, mir ein Nylonhemdchen mit dem merkwürdigen
Aufdruck "Frontzek" und der kryptischen Zahl 35 anzuziehen, mir einen Schal umzubinden, farbige Bändel
an Handgelenk und Hut zu binden und damit durch meine Kleinstadt zum Bahnhof
zu tippeln?
Zur Einstimmung ins Thema hier eine Zusammenstellung der Definitionen von Lebensqualität, wie wir sie in unserem Fahrradurlaub in der Schweiz vor rund 10 Jahren festgestellt haben:
"Diese eine Frechheit hat er sich noch erlauben müssen, ehe er seinen kleinen, runden Freund beiseite legte und die Tanzstiefel abstreifte: den Ball mit der Hacke über den Gegner gelupft, vorbeigerannt und das fliegende Objekt wieder auf dem Spann landen lassen. Denn es war einer dieser Tage, an der sein Freund ihm überallhin folgte, jedes Kunststück, jede Drehung mitmachte, was ja nicht immer der Fall ist, wie Zoubaier Baya, der Tunesier in Diensten des SC Freiburg, aus leidvoller Erfahrung weiß. So ein Fußball kann auch störrisch sein, verspringen oder dorthin fliegen wo man ihn nicht haben will, und dann hilft auch dem anmutigsten Dribbler alles Talent nichts. Baya hat das erlebt und weiß es deshalb zu schätzen, wenn es anders ist. (Er gab) den Primo Ballerino in einem hinreißenden Ensemble, fuhrwerkte mit Raffinesse und war dann auch der Mann, dem die meisten Ovationen galten. (...) Allein hätte er die Sache trotzdem nicht reißen können: Baya hat lauter hoch begabte Nebenleute. Fehlerfrei sind sie nicht, aber mit der Freude am Spielen gesegnet; und wenn die sich erst mal richtig entfaltet, entsteht ein Sturm, der Widersacher gehörig zerzausen kann.Ja, das sind die Freiburger Ballkünstler, wie wir sie lieben und auch aus manchen Spielen kennen. Allein Baya ("unser" wahrer Fußballgott) war mehr wert, als ihm der SC je hätte zahlen können (wenn er denn gewollt hätte) - aber was das Liebenswerteste an ihm war: Er entfaltete eine Spielfreude, die ansteckte und wirkte immer bescheiden und einfach begeistert vom Spielen. (Oder warum sonst rast einer beim Spielstand von 5:0 für den SC in der 86. Minute wie ein Wilder hinter einem Ball her, der sich auf die gegnerische Eckfahne zubewegt? Das muss er doch nicht, oder?)
Hier noch ein paar Links nach außerhalb, bis es auf meiner page
mal noch mehr zu sehen gibt:
Offizielle Homepage des SC Freiburg
Inoffizielle Fanpage
Bundeliga-Spielplan