My Short Stories

Here are a few of my short stories. There are more to come, but it's a start. I hope you enjoy.

Cool, Papa hat grüne Augen

Nasbak liebte es per Anhalter zu fahren und man konnte ohne die Wahrheit zuüberdehnen behaupten, dass es sein am meisten gefröntes Hobby war. Zwar waren seine Eltern nicht immer einverstanden mit seiner liebsten Beschäftigung, aber sie konnten schliesslich Nasbaks oft nächtlichen Ausflüge, die er vor ihnen geheim zu halten suchte, nicht verhindern. Da seine Eltern ihn ziemlich streng überwachten (wie er es nannte) musste er jede Chance wahrnehmen und heute war so eine Gelegenheit, denn seine Eltern waren ausser Haus. Kegeln, vermutete er. Es war die Art von Nacht, die ihm besonders geeignet für das Ausüben seines Vergnügens schienen: eine schwarze, regnerische Winternacht. Ein Wetter bei dem man keinen Hund vor die Tür setzen würde, war ihm in der Tat das ersehnteste. Menschen, dachte er, die zu dieser Stunde, bei derartig miserablen Verkehrsbedingungen Anhalter mitnehmen, müssten die nettesten Leute der Welt sein und vor überschwenglicher Gutherzigkeit gerade zu platzen. So weit die Theorie, die sich auch schon ein paar mal als richtig erweisen durfte, aber jeder Statistiker weiss, dass sich diese Treffer als blosse Zufälle oder Anomalien, deren gehäuftes Auftreten durchaus möglich ist, herausstellen können...

Nasbak war froh ausgerechnet heute ausbüchsen zu können, denn diese Nacht war dunkel und erfüllt von dem Donner näherrückender Gewitter, deren Blitze gelegentlich die trübe Eintönigkeit der Grossstadt in weisses Licht tauchten. Also ganz nach seinem Geschmack. Mit jedem Blitz erflammte in Nasbak die Hoffnung, dass er ein näherkommmendes Fahrzeug erblicken könnte, aber sowie der helle Schein des Blitzes erloschen war, tat es auch seine Hoffnung, die mit jeder Stunde abnahm. Schliesslich hörte er ganz damit auf Handzeichen zu geben. Es muss ein äusserst böser Wille sein, der mir heute keine Mitfahrgelegenheit beschehrt, glaubte Nasbak zu wissen, aber genau das Gegenteil war der Fall. Ein kopfschmerzenerzeugendes Gequietsche ließ Nasbak herumfahren, so dass er einer schwarzen, in der Nacht kaum sichtbaren Limosine gewahr wurde, die unbeleuchtet und scheinbar führerlos auf ihn zukam. Obwohl er schon längst keine Handzeichen mehr gab, hielt die Limosine, als wolle sie ihn mitnehmen. Etwas besseres konnte Nasbak sich gar nicht wünschen und so war es war es ein leichtes für ihn das Blut an den Reifen und die Skellete, die der Wagen an langen Seilen hinter sich herschleifte, zu übersehen. Die mit Knochen verzierte Tuer schwang wie von selbst auf und offenbarte den Eingang in eine modrigriechende Gruft, der ein übler Gestank innewohnte. Durch diesen dichten, Übelkeit erregenden Nebel starte ihn ein Paar giftiggrüner Augen an. Einer plötzlichen Eingebung folgend, stieg Nasbak in das Auto. Ruhig nahm er das in Menschenleder gebundene Buch entgegen, das ihm von sehnigen Fingern, deren Ursprung irgendwo unter den glühenden Augen lag, angereicht wurde. Dann tauchte Nasbak die goldene Feder in den mit Blut gefüllten Totenkopf und trug sich in das Gästebuch ein. Da aber Nasbak nur der erste seiner vielen Namen war, hatte er das Tintenfass schon nach fünf Minuten aufgebraucht. Um die verbleibenden sechsundzwanzig Namen schreiben zu können, zapfte er sich kurzerhand ausreichend Blut ab. Als er das Buch zuklappte und es irgendwo in die Dunkelheit reichte, bis die sehnigen Fingen es ihm abnahmen, merkte er, dass der Wagen anfuhr. In der nun verbleibenden Stille, waren nur er, ein stossartiges Atmen, der Gestank und ein paar giftigrüne Augen, sowie, nunmehr leise, das Quietschen. Als Nasbak dort angelangt ear, wo er hinwollte, hielt der Wagen und die knochigen Finger reichten ihm einen Fragebogen, in dem er gefragt wurde, wie es ihm gefallen hätte und andere Fragen den Service betreffend. Nachdem er den Bogen ausgefüllt hatte (er war ja an einer Verbesserung der Dienstleistungen interessiert´.), stieg er aus und ging nach Hause, wo er seinen Eltern gestehen musste, dass er wieder per Anhalter gefahren war. Auch musste er ihnen einen exakten Bericht geben über das, was er so getrieben hatte, mit wem er gefahren war und so weiter. Am nächsten Tag lasen seine Eltern in der Zeitung, dass es tatsächlich Monster, schwarze Magie, Vampire und den Teufel gab, der übrigens grüne Augen haben soll, wie neuste Studien bewiesen. Ausserdem beherrschte er die hälfte der Welt und trachtete danach auch den Rest der Menschheit zu versklaven. Kurzentschlossen kauften die Eltern eine schwarze Limosine, statteten sie aus mit Knochen und Gestank; der Vater ließ sich sehnige Hände wachsen und grünleuchtende Augen einpflanzen. Auf diese Weise verändert, brachten sie ihren Sohn zur Schule oder sonstwohin. Während der Fahrt enthüllten die Eltern dem Sohn, dass sie den Wagen verkörperten, der ihn gestern mitgenommen hatte, was natürlich nicht stimmte. Das einzige, was der gläubige Sohn dazu sagte, war: "Geil, Papa hat grüne Augen!" copyright by Ingo Witt


More to come soon, very soon.

© by Ingo Witt, 1998

Sauce im Kaffe

Ich trete vor die Tür.

Und das nicht ohne Grund, denn ich tue nichts grundlos. Zwar könnte man behaupten, daß alles einen Grund hat, aber ich meine einen wirklichen Grund.

Ich will also zur Arbeit, und in der Kantine gibe es Erdbeerkonfitüre zum Brötchen und Kaffee. Einen Fuß vor den anderen setzendd bewege ich mich auf die Straße und blicke sie hinunter. Gegen das Licht der niedrigstehenden Sonne sehe ich einen Mann, und der Mann rennt. Er strengt sich geradezu an und läuft dabei über die vielen kaffeebraunen Schachbretter, die seinen Weg pflastern.

Läufer von A6 nach C6. Schach; aber kein Matt, denn er läuft noch. Warum wohl? Er kommt vielleicht zu spät zur Arbeit oder verpaßt seinen Zug. Es könnte sein, dass er gehetzt wird oder was auch immer, aber warum? Ich werde mich höchstens so beeilen, wenn es Brötchen in der Kantine gibt; es indes die letzten sind und drohen auszugehen. Dann habe ich kein Mittagessen und muss bis heute abend hungern. Ich sag denen ja immer wieder, sie sollen lieber ein paar mehr Brötchen bestreichen als zu wenige.

Der Mann rennt noch andauernd und schreit dabei die lautesten Rufe, die seine erschöpfte Lunge hervorbringen kann; fast panisch.

Er meint wohl mich, denn sonst ist niemand auf der Straße, außer den Männern, die ihn mit gezogenen Revolvern verfolgen. Der Mann hat ihnen bestimmt das letzte Brötchen gestohlen, das noch übrig war.

Die Revolver schießen und das dutzend Schüsse, das ihn trifft, zerreißt die Luft. Der Donner verhallt mit dem Geräusch zuschlagender Fensterläden, die von innen verriegelt werden. Dann hört man nichts mehr.

Der Mann ist direkt bei einem der kaffebraunen Schachbretter gestürzt; die Männer nehmen ihm das Brötchen ab und verschwinden.

Ja, auf ein Brötchen habe ich jetzt auch Lust bekommen. Eins mit Erdbeerkonfitüre, solche wie die, die gerade übers kaffebraune Schachbrett läuft. Aber ich hätte sie lieber woanders als im Kaffee. © by Ingo Witt 1998


Die Berührung

Es gibt Tage da fühlt man sich nach Koma und Herzinfakt. So wie man einen Schnaps trinkt, um es dem schlechten Gefühl im Magen zu geben, so will man Koma und Herzinfakt, um es dem Leben zu geben.

Da rennen wir zum psychater und alle sagen dieses und jenes, keiner versteht mich und wenn doch, dann falsch. Die Behandlung hat schon begonnen, und alle sichern mir Verständnis zu für eine Tat, die ich nie begangen habe.

Da springe ich aus dem Fenster. Hundertster Stock. Das sind hundert Stöcke zu viel für das Leben. Ich gebe dem Leben hundert Stockschläge. Hundert zu viel für ein Rückrad, das man nur leihweise besaß und für das man mit den Gebühren hundert Jahre im Rückstand war.

Dann der Aufprall: Knacks!

Und noch einmal in Zeitlupe: Knnaaackss! Das Bild ist hunderte wert. Auf allen Kanälen. Hunderte Tränen ist es wert für Eltern und Geschwistern. Auf hundert Tränenekanälen. Hundert wehklagender Überrschungsgesichter in der Schule ist es wert.

Da schießen mir die Tränen in die Augen. Durch hundert Kanäle.

Ja, für hundert Sekunden hatte ich es dem Leben gegeben. Mit hundert Stockschlägen, daß mir die Tränen in die Augen schossen.


© by Ingo Witt 1998

Zwei Wochen.

Das war eine lange Zeit. Und alles wegen eines Unfalls.

500 Credits.

Das war eine Menge Geld. Aber Arbo hatte es gebraucht, um den Arzt im Krankenhaus zu bestechen, damit der ihn gehen ließ. Und nun saß er untätig hier in seinem Wagen. Es war eine Ironie des Schicksals, daß er jetzt diese frühzeitige Entlassung bedauerte, denn seine große Leidenschaft, wegen der er nicht ruhig auf dem Krankenbett liegen wollte, war in Frage gestellt worden. Es war schon seltsam, im Hospital war er nur darauf ausgewesen so bald wie möglich wieder auf die Piste zu können. Jetzt aber, da er dieses Ziel erreicht hatte, war es ihm auf einmal gar nicht mehr so wichtig seinem liebsten Sport nach zu gehen. Mehr noch: er zweifelte an der Legitimität seines Vergnügens.

Er, er selbst, stellte es in Frage und wagte zum erste Mal seine Gedanken zu Ende zu führen. Verstört folgte Arbo ihnen, als kämen sie nicht von ihm selbst, sondern als sein sie die Ausgeburt einer Logik, die seinem ersten Gedanken entsprungen waren: Was war Mord und verübte er ihn täglich...?

Es war als hätte er einen Damm eingerissen und die Flut der Erkenntnisse, deren Bedeutung er nur erahnen konnte, drohte ihn zu ersticken.

Hoffentlich würde sein bester Freund ihn verstehen. Aber der trup sich nicht mit solchen Gedanken und betrachtete prüfend Arbos Auto, bis er endlich den im Wagen sitzenden ansprach:

"Ey, das Blut an deinem Kotflügel ist ja mindestens zehn Tage alt. Ich hätte gedacht, dass so ein Mordskerl wie du alle zwei Tage jemanden umnietet. Aber ich muss mich in dir wohl getäuscht haben."

Arbos Gesicht misinterpretierend, das mittlerweile Zeichen der Angst und Verzweiflung erkennen ließ, fuhr er fort:

"Hey, sei doch nicht gleich beleidigt. Ich hatte bloß Spaß gemacht, verstehe schon, daß du einige Zeit unpäßlich warst. Aber heute können wir alles wieder aufholen. Laß uns auf den Highway fahren; viele Leute wandern dort. Er ist bestimmt möglich zwanzig von ihnen in zwei Stunden zu..."

"Sei bloß still!" schrie Arbo, in Agonie auf die Kühlerhaube starrend. Hautfetzen hingen an der Kühlerfigur.

"Mensch, Arbo! Du zitterst js am ganzen Körper. So kannst du kein Auto führen, geschweige denn Leute umfahren."

Arbo sagte nichts, dann eröffnette er doch etwas.

"Bist du dir bewußt, dass das Mord sein könnte?" brach er bebend hervor. "Mord?" stutzte Arbos Freund Emil, "Was ist das? -- Ah, wenn das etwas ist, dass dir im Krankenhaus eingetrichtert worden ist, vergiß es schnell wieder. Dort wird nur Schwachsinn verzapft. Erinnerst du dich noch an Predar? Ihm haben sie weis gemacht, dass sich die Erde um die Sonne dreht. So ein Unsinn. Und nun setzt dich auf den Beifahrersitzt; ich werde fahren."

So fuhren sie los.

"Du wirst schon sehen; es wird dir wieder genau soviel Spaß machen wie früher und dann vergessen wir all diese Gedanken an Mord; alles klar?"

"Emil, wenn es nun aber so etwas wie eine Hölle gäbe? -- Gewiss, das sind Märchen --, Aber was ist, wenn wir nun doch Schuld hätten, auch wenn der Schamane tausendmal behauptet, der Fetisch am Kühlergrill würde es verhindern. Werden wir dann bestraft, oder besitzen wir eine Seele? -- Nein, wir besitzen keine, sonst hätten wir eine Moral. Ja, so etwas brauchen wir; eine Seele damit wir eine Moral haben können, die uns hindert derartiges zu tun."

Emil hatte nur halb zugehört un nahm Kurs aud den nächstbesten Opa, der in Reichweite war. Dann schwengte er aber ab und sagte ruhig:

"Ich werde diesen Opa nicht überfahren."

Mit ungerührter Stimme, aber dennoch innerlich bewegt, sprach Arbo:

"Es tut gut zu wissen, dass du nun auch eine Seele besitzt."

"Aber nein, " widersprach Emil, "dieser Opa hat einen Haltungsschaden und trägt ein Metallkorsett. Er würde das Auto beschädigen und die Rasiermesser am Kotflügel abwetzen."

Ehe Arbo recht begriffen hatte, peilte Emil schon den nächsten Passanten an und erhöhte die Geschwindigkeit. Arbo fixierte mit seinem Blick das Tachometer. Der Zeiger schnellte nach oben, nur um mit einem dumpfen Aufprall zum stehen zu kommen. Erst als Arbo das eintönige Quietschen der Scheibenwaschanlage vernahm, sah er auf; blutige Schlieren bildeten sich auf der Frontscheibe.

"Du musst sie auswechseln oder wenigstens deine Sprengler in Stand setzen, " bemerkte Emil, während er erneut beschleunigte.

"Du Schwein, du Mörder; wir Schweine, wir Mörder!" wimmerte Arbo und dann gefaßt: "Fahr dort an die Mauer; ich glaub' ich muss mich übergeben."

"Du," entrüstet sich Emil, "hast mir gegenüber keine Anschuldigungen zu erheben. Bei aller Freundschaft; das geht zu weit. Selbst wenn sie dich vielleicht einer Gehirnwäsche unterzogen haben, reiß dich zusammen. Halt an dich und sorge dafür, dass das Auto sauber bleibt, klar? So, steig aus; ich halt an der Mauer!"

Arbo stieß die Tür auf und rannte vors Auto um sich dort zu übergeben. Über die Kühlerfigur hinweg konnte Emil die gebückte Gestallt Arbos erkennen, wie er ihr immer näher kam und sie scheinbar immer größer wurde. Jetzt bemerkte Arbo den Wagen. Sich zu Flucht wendend, erreichte er nie sein Ziel. Der Wagen quetschte ihn an die Wand. Titanknochen brachen, Drähte zerrissen, Sicherungen brannten durch, Maschinenöl spritzte, das Neutronengehirn gab den Geist auf, Arbo starb.

Ihr blöden Androiden, dass ihr immer anfangen müßt zu philosophieren. Damit könnt ihr einem dem ganzen Spaß verderben. Nie wieder lass ich mich mit einem von euch ein."

© by Ingo Witt 1998


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