Site hosted by Angelfire.com: Build your free website today!

Wagenseil'sche Koinzidenzen in Kunst und Literatur:

[ Inhaltsverzeichnis ]
Biblisches
Genealogisch noch nicht Eingeordnetes
Etymologisches zum "Wagenseil"
Wagenseile in Literatur und Kino

Bereits im Alten Testament (Jesaja) wird vor Wagenseils gewarnt:

Vergleiche mit Beiträge zur Geschichte der Familien Wagenseil.

Im hebräischen Tenach handelt es sich um die Zeichen chet beth lamed;
Strick (vgl. Sirach 31,6, n. Smend: die vom Golde in der Schlinge gefangen sind), Fallstrick.

Die Zeichen heißen auch: pfänden, Vergeltung (viele Belegstellen); Geburtsschmerzen, Wehen haben, empfangen (Ps 7,15; Ct 8,5).

Mit diakritischen Zeichen: CHAEBEL

1. Seil, Strick Jos 2,15; Hos 11,4, u.ö. Zeltstrick Jes 33,20; Schiffstau 33,23, Wagenseil 5,18, Angelschnur Hi 40,24, Fransen Esth 1,6; unklar Ez 27,24; die Silberschnur Koh 12,6, bildliche Bezeichnung für den Lebensfaden, n.a. spez. für das Rückenmark
2. Meßschnur Am 7,17; Mi 2,5; Sach 2,5
a) das Abgemessene, bes. abgemessener Landbesitz Jos 17,14; 19,9; Dt 32,9. 1 Ch 16,18; Ps 78,55. Ez 47,13.
Zufallen Jos 17,5; Ps 16,6.
Daher überhaupt: Los, Geschick Hi 27,17.
b) Landstrich, Gegend: Dt 3,4 u. 13f.
Landstrich am Meere, Seeküste: Zeph 25,6
3. Schlinge, Fangstrick Ps 140,5; Pr 5,22; Hi 18,10 (vgl. Sirach 6,29).
Die Schlingen des Todes, des Totenreichs Ps 18,5; 116,3, vgl. 119,61; Pr 5,22.
4. Haufe von Menschen 1 S 10,5 u. 10; Mi 2,10 (= unklar).

Als CHEHBEL: Jes 66,7 - Schmerzen, Wehen; Jes 13,8; 26,17; 66,7; Jer 13,21; 22,23; 49,24; Hos 13,13; Hi 39,3.

In Jos 19,19 wurde dies z.B. in der Septuaginta als Eigenname gelesen.

Bsp: Psalm 16,6
Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche; mir ist ein schön Erbteil geworden.

Bisher noch nicht einzuordnen

"W a g e n s e i l, ein Freyherrl. Geschlecht, davon ein Baron Wagenseil in Venetianischen Diensten [...] als General-Major" stand; 1691 erhielt er den Titel eines Grafen "Muric", 1692 den des General-Majors. [Grosses Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, 52. Band Wa, Zedler: Leipzig und Halle 1747, S. 622]

Deutsches Namenlexikon, Gorndrom Verlag (2004), S. 530:

1367 Wagenseil ist in Augsburg als Umgangsname des Fuhrmanns oder Seilers aktenkundig.

Fußnote: Kapff ~ "Schwäbische Geschlechtsnamen", Stuttgart 1927 sowie Nied ~ Südwestdeutsche Familiennamen, Freiburg 1938.

Beide Werke wiesen trotz mehrfacher Durchsicht allerdings keinen entsprechenden Nachweis auf, der auch - wenn er vorhanden gewesen wäre - keinerlei wissenschaftlichen Anspruch hätte, denn beide Autoren legen ihre Quellen nicht offen. Aber dem wird andersweitig nachgegangen.

Zur Geschichte der Wagenseils in Amerika:

Etymologisches zum "Wagenseil"

Eintrag aus Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960; Band 27, Spalten 473 - 481:

WAGENSEIL, n. derber strick, wie er an wagen, besonders zum anspannen der pferde gebraucht wird. das wort ist seit mhd. zeit belegt, wird aber von den wörterbüchern nur bis in die mitte des 18. jahrh. verzeichnet, indem strang an seine stelle trat: antemne, wagenseil. DIEFENBACH gl. 37c; wagenseyl, funis aurigarius. EMMELIUS nomencl. 345; wagenstränge, wagenseile, les cordes du chariot. RÄDLEIN 1025; wagenseil, funis plaustrarius. STEINBACH 2, 574. den plur. wagenseiler verzeichnet KRÄMER 1204. in vergleichen:

ir lîp hienc ir als ein sac
gerunzelt und gevalten;
dar under wârn behalten
âder sam ein wagenseil.

H. V. D. TÜRLIN Diu crône 9407;

weh denen die sich zusamen koppeln mit losen stricken, unrecht zu thun, und mit wagenseilen, zu sündigen. Jes. 5, 18.

Aus dem Freisinger Rechtsbuch (1328): 128. Von der Notzucht.

Wird aber der Vergewaltiger wegen der Notzucht flüchtig, wenn er danach wegen der Notzucht gefangen wird, so kann ihn die Frau doch wohl wegen der Notzucht verklagen; das kommt davon, weil er deswegen flüchtig geworden war. Ist die Frau keine Jungfrau gewesen, so muß sie ihn mit einem Zweikampf verklagen oder mit den Leuten, es seien Frauen oder Männer, die auf den Ruf hin gekommen sind, als jener die Notzucht begangen hat. Und kann die Frau selbdritt gegenüber dem Vergewaltiger wahrmachen, daß er sie in ihrer Ehre vergewaltigt habe, so soll man über ihn richten derart, daß man ihn enthaupten soll. Wird ihr aber ein Zweikampf bestimmt, so soll man den Vergewaltiger in die Erde bis an den Nabel eingraben derart, daß zwischen ihm und der Erde ein Wagenseil durchgezogen werden kann, sodaß er sich umdrehen kann, und man soll ihm die linke Hand auf den Rücken binden. Und man soll ihm einen Kampfkolben in die Hand geben und soll einen Ring mit Stroh um ihn streuen in der Weite, wie er mit dem Kolben langen kann. Und man soll der Frau einen Stein in ihr Kopftuch geben, der ein Pfund des Gewichts hat, das eine Mark heißt, und (man) soll ihr das Kopftuch unterhalb des Handgelenks um die Hand winden, sodaß es locker hängt. Und wenn sie das Kopftuch hängen läßt, so soll der Stein darin eine aufgesetzte Hand hoch über der Erde schweben. Man soll ihnen beiden Kampfwärter gemäß dem Kampfrecht geben. Siegt die Frau, so soll man dem Mann das Haupt abschlagen; siegt aber der Mann, so soll man der Frau nur die Hand abschlagen.

Neuhochdt. Übs. des Textes von Ruprecht von Freising, übermittelt in den Handschriften München, Staatsbibl., Cgm 236 (2. Hälfte 15., u.a. 1473) sowie München, Stadtarchiv, Zimelie 1. Es existieren auch spätere Abschriften wie Gießen, UB, Hs. 1013 und Hs. 1064 aus dem 16. Jh..

Lippersreuter Blättle - Bäuerliche Arbeiten früher: Die Getreideernte

Waren sämtliche Garben auf dem Wagen verstaut, wurde dem Lader das Spannseil hinaufgereicht, das sogenannte "Wagenseil". Mit diesem und mit Hilfe des Spannbengels wurde die Ladung zusammengehalten. Abgekämpft und müde, mit zerstochenen Armen und Beinen, ließ sich dann der Lader an der eingesteckten langen Gabel vom vollen Wagen heruntergleiten. Wer glaubt, nun wär’s geschafft, der hatte sich getäuscht. Mit "Hü und Hot und Wischt" ging’s dann gemächlich nach Hause. Nicht selten geschah es, dass der Getreidewagen auf einem unebenen Feldweg umkippte oder ein Teil der Ladung auseinander rutschte und damit sämtliche Garben noch einmal aufgeladen werden mussten.

Wagenseile in Literatur und Kino

In einer Tatort-Folge wird ein "Wagenseil" zum Mordopfer:

Friedrich Torberg, 1942: "Mein ist die Rache"

1942 schrieb Friedrich Torberg die Erzählung "Mein ist die Rache", die Geschichte des Rabbinatskandidaten Joseph Aschkenasy", die der Binnenerzähler dem Rahmenerzähler im Hafen von New York erzählt, der im Konzentrationslager Heidenburg den Lagerkommandanten [Hermann] Wagenseil, der durch unmenschliche Torturen jüdische Häftlinge in den Selbstmord trieb, erschießen und danach fliehen konnte. Die Erzählung schildert auch die Diskussionen im Lager über die Frage, ob der Mensch das Recht zur Rache habe oder ob er sie, wie es in der Torah heißt, Gott überlassen müsse. Voller Schuldgefühle wartet Aschkenasy, der weiß, daß durch seine Tat keiner seiner Kameraden überleben konnte, in New York darauf, ob es nicht vielleicht doch einem von ihnen gelungen sei, nach Amerika zu entkommen. Im Häftling Landauer, der nach furchtbaren Folterungen starb und Wagenseils Befehl, Selbstmord zu begehen, verweigerte schildert Torberg den von seiner Tradition entfremdeten Juden. Landauer war nahe daran, Wagenseil umzubringen, und Aschkenasy sagte über ihn nach seinem Tod:

"Es ist gut, daß er es nicht getan hat. Es ist gut, daß sein Opfer rein geblieben ist vor dem Herrn. Mein ist die Rache und die Vergeltung, spricht der Herr." 35 Wagenseil war ein Antisemit im engsten Sinn des Wortes, der alle Phrasen von der jüdischen Weltverschwörung doch, aber auch sagte, daß die Juden gar keine Wahl hätten, gut oder böse zu sein. Ebenso sprach Aschkenasy wiederholt davon, "wie auswegslos wir auf die göttliche Rache angewiesen wären? Und daß wir nur um ihretwillen noch lebten? Nur weil wir keine Wahl hatten - das war es: keine Wahl zwischen unsrer Rache und der Rache des Herrn? Und also dem Herrn die Rache überließen, und also 'gut' waren, ob wir wollten oder nicht?" 36 Einer der Höhepunkte der Erzählung ist das innere Ringen zwischen dem Icherzähler und Aschkenasy um die Gültigkeit dieses Prinzipes der jüdischen Ethik und Geschichte auch in dieser Situation:

"Man muß sich entscheiden, werde ich ihnen sagen. Es ist nicht so, wie Aschkenasy gesagt hat: daß wir keine Wahl haben. Nur unsere Feinde glauben das und unsere Verfolger, ich weiß es, einer von ihnen hat es mir selbst gesagt. Und das ist es auch, was sie so sicher macht: daß wir immer nur auf die göttliche Rache vertrauen, immer nur, immer wieder, im-mer noch, seit Jahrtausenden. Aschkenasy hat euch gesagt: dies ist unser Sieg, und darumsind wir noch am Leben. Gut, wir sind am Leben, es läßt sich nicht leugnen. Aber woher wissen wir, daß wir anders nicht mehr am Leben wären?" 37 Der Icherzähler setzte fort, daß sei-ne letzten klaren Gedanken, bevor er auf Wagenseil schoß, waren: Ich habe die Wahl und Mein ist die Rache." 38 Und danach kommentierte er: "Ich hätte mich ja nachher sofort selbst erschießen müssen. So war es ja nicht gemeint: daß ich nachher fliehe. Ich wollte ja nur die Wahl nachholen, die von Landauer auf mich übergegangen war. Ich wollte Selbstmord begehen, und vorher noch jenen umbringen. So war es ja nicht gemeint: daß ich ihn umbringe, um mein Leben zu retten...Ich hatte die Wahl, und ich habe falsch gewählt. Ich habe Rache genommen, und meine Rache wird gerächt werden. Denn Mein ist die Rache, spricht der Herr...Der Rabbinatskandidat Joseph Aschkenasy hat es gewußt. Und er hat auch gewußt, daß es auf das Opfer ankommt. Ich aber habe dem Herrn die Rache entwunden, und habe Ihm nicht einmal das Opfer gebracht, das Ihm gebührt. Das, sehen Sie, das hätte Ihn vielleicht besänftigt. Ihn, und die Geißeln, die Er über uns geschickt hat. Wenn ich mich umgebracht hätte - das hätte meine Gefährten vielleicht gerettet." Der letzte Satz der Erzählung lautet: " 'Ich bin Joseph Aschkenasy', sagte er". 39 Damit enthüllt sich das Ringen um Rache und Widerstand zwischen dem Icherzähler und Aschkenasy als ein Selbstgespräch und als die Skrupel und Zerrissenheit eines einzigen Menschen, der sowohl als religiöser Jude als auch als Häftling in einem Konzentrationslager handelte.

Hans Zengeler: AbLeben = AUFZEICHNUNGEN AUS EINER ERDFERNEN WELT (2005)

Sie ist eben nicht ganz richtig im Kopf, denkst du. Wie alle hier, die auf diesem erdfernen Planeten dahinvegetieren und ihr Restleben ableben, entweder täglich aufs neue resignieren oder schon vollkommen hoffnungsleer sind, die Erlösung herbeisehnen, vor sich hinstarren, wie zum Beispiel Herr Wagenseil, der den Platz neben mir hat, kopfhoher Rollstuhl, und von morgens bis abends auf ein und denselben Punkt starrt, auf einen gelben Fleck an der Tapete. Er wirkt wie eingefroren in dieser Haltung. Er rührt sich nicht. Man sieht nicht einmal, ob er noch atmet. Der Brustkorb bleibt flach, da hebt und senkt sich nichts. Man könnte auch den Eindruck gewinnen, er übermittle seine Gedanken (oder was auch immer) an den gelben Fleck oder er horche in diesen hinein, als nehme einzig der gelbe Fleck noch Anteil an seinem Leben. Zu den Mahlzeiten jedoch öffnet Herr Wagenseil wie automatisch den Mund, läßt sich füttern, ohne dabei den gelben Fleck aus den Augen zu lassen. Wenn er genug gegessen hat, schließt er den Mund wieder, preßt die Lippen fest aufeinander, die ganze Zeit, als dürfe jetzt nichts mehr hinein-, nichts mehr herauskommen, weder Nahrung noch Wort, so erstarrt er wieder, und manchmal drängt es mich, seinen Puls zu fühlen, ob er überhaupt noch lebt ...

Weitere Fundstücke:

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

E-Mail: carrope@gmx.de