"Sein Porträt haben J.J. Haid und J Sandrart (4), M. Fennitzer (kl.Fol.) gestochen" (Wurzbach, Wien 1885, Bd. 52, S. 73)
Kupferstich: J[akob] (von) Sandrart sculpsit / A[nno] 1680.
Nachweis : Diepenbroick, 27288; Hollstein, XXXIX, S. 58, Nr. 340; Singer, 94349, 94352, 94353; Wolfenbüttel, A 23119, A 23120;
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Hypothese: Großvater(?) Jacob Wagenseil (gest. 1605)
Vater: Nürnberger Kaufmann Georg Christoph 1610-1653.
Mutter: Sabine Nürnbergerin, Geschwister Maria Magdalena und Lorenz
Heirat mit Jacob Hausens (Kaufmann zu Nürnberg) hinterlassener Witwe Maria Barbara (21. 8. 1667), geb. Praun (+ 1701)
Tochter: die sehr gebildete Helena Sibilla 16.6.1669-29.9.1735
Sohn: Gabriel 1.9.1670-1735 ("wurde zu Memel in Preußen königl. Secretair und Advocat") -> Werke
Zudem: Ferdinand (1.6.1668-26.8.1669), Barbara Sabina (17.1.1673-Juni 1674)
1701 Heirat mit der Witwe des Diaconus George Chr. Langens (Nürnberg) Susanna Barbara geb. Löscher
Dadurch Stiefsohn: Johann Michael Lang (lutherischer Theologe; 9.3.1664 bis 10.1.1731), vgl. ADB 17 (1883), 601f.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Band XIII (1998), Spalten 146-147, Autor: Paul Gerhard Aring:
WAGENSEIL, Johann Christoph, * 26.11. 1633 in Nürnberg, + 9.11. 1705 in Altdorf. Rechtsgelehrter, Orientalist, Wegbereiter eines neuen Verhältnisses
zwischen Christen und Juden. - W. studierte an der 1580 als Akademie begründeten und 1622 kaiserlich anerkannten Universität der Reichsstadt Nürnberg in
Altdorf. Von 1654 bis 1667 war er Hauslehrer in verschiedenen Familien des bayerischen und österreichischen Adels; mit seinen Zöglingen unternahm er
ausgedehnte Bildungsreisen durch Europa bis in das nördliche Afrika. In Italien und Frankreich wählte man ihn zum Mitglied akademischer Gesellschaften. Die
Universität Orleans promovierte ihn zum Doktor der Rechte. 1667 wurde er als ordentlicher Professor für öffentliches Recht und Geschichte an die Altdorfer
Universität und gleichzeitig zum Mitglied des Größeren Rates von Nürnberg berufen. 1674 übernahm er zusätzlich den Lehrstuhl für Orientalistik in Altdorf. Für die
Vielfalt seiner Gaben zeugt die Erfindung des »Hydraspis«, eines Gerätes zur Rettung aus Seenot; ihretwegen wurde er zum Vortrag am kaiserlichen Hof in Wien
empfangen. 1697 übertrug man ihm den Lehrstuhl für Kanonisches Recht in Altdorf. Zweimal war er Rektor der Universität. Seine umfangreiche Bibliothek mit
judaistischen und ethnographischen Kostbarkeiten vermachte er der Universität Altdorf (seine Bücher sind heute in die Erlanger Universitätsbibliothek integriert) und
der Rathsbibliothek der Stadt Leipzig (wo nur noch Reste vorhanden sind). - W. hat zeitlebens versucht, unter verschiedenen Gesichtspunkten (linguistischen,
historischen, traditionell-lutherischen, rechtlichen und vor allem aufgeklärt-humanen) die Christenheit seiner Zeit darauf hinzuweisen, daß sie um Gottes und der
Menschlichkeit willen endlich ein neues Verhältnis zu Israel und den Juden suchen sollte. W. tat dies zwar immer noch unter gewohnt-missionarischen Vorzeichen,
aber in einer Dialogbereitschaft, die ihrer Offenheit wegen zu den seltenen Ausnahmen in Kirche und Theologie seiner Zeit gehört. Es ist nicht zufällig, daß W. in der
Literatur zur protestantischen Kirchen- und Missionsgeschichte bis heute kaum erwähnt wird.
Werke: Sotah (Lateinische Übersetzung des Talmudtraktats »Sotah«), Altdorf 1675; Tela Ignea Satanae (Sammelwerk mit verschiedenen Arbeiten zum Gespräch
zwischen Christen und Juden), 2 Bände, Altdorf 1681, Nachdruck (fotomechanisch) Farnborough/England 1970; De civitate Noribergensi Commentati, Altdorf
1697 (darin »Buch von der Meistersinger Holdseligen Kunst«), Altdorf 1697, Nachdruck (fotomechanisch) Göppingen 1975; Belehrung der Jüdisch-Teutschen
Red- und Schreibart, Königsberg 1699; An alle hohen Regenten und Obrigkeiten, welche Juden unter ihrer Botmäßigkeit haben, 2. Aufl. Berlin 1704;
Benachrichtigung wegen einigen die Juden angehenden wichtigen Sachen, Leipzig 1705; Hoffnung der Erlösung Israels oder Klarer Beweis der bevorstehenden
Judenbekehrung, Leipzig (posthum) 1707.
Lit.: Jüdisches Lexikon, Berlin 1927, Band IV/2, 1275; - Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971, Band 16, 239 f. (Lit.); - H. Graetz, Geschichte der Juden von
den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, Band 10, Leipzig 1868, 302 ff.; - H.J. Schoeps, Philosemitismus im Barock, Tübingen 1952; - O.Rankin, Jewish
Religious Polemic of Early Later Centuries, Edinburgh 1956; - G.A. Will, Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon, Band 4, Nürnberg/Altdorf 1758, 142 ff.; - P.G.
Aring, Wage du zu irren und zu träumen. Juden und Christen unterwegs, Leipzig / Köln 1992, 12 ff. (Lit.)."
22.11. 1678: Aufnahme Wagenseils in die Accdemia dei Ricovrati (Societas Recuperatorum) zu Padua
Grosses Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, 52. Band Wa, Zedler: Leipzig und Halle 1747, S. 622ff.: Vergleiche Zedler-Original-Seiten: S. 623/4, S. 625/6,S. 627/8.
Lipowsky, Felix J.: Baierisches Musik-Lexikon München 1811, S. 365, 366.
Allgemeine Deutsche Biographie, Historische Commission bei der Königl. Akademie der Wissenschaften, Leipzig, 1896, Bd. 40:
S. 481, S. 482, S. 483
Studentenlied von 1700, Weimarisches Jahrbuch für deutsche Sprache, Litteratur und Kunst, 1854 bei C. Rümpler, S. 472, 473.
Leibniz schreibt am 25. 3. 1700 an JOHANN MICHAEL HEINECCIUS über Wagenseils "Exercitationes sex varii argumenti" und die "sympathetischen Eigenschaften des Bluts".
Hamaxoschoenomnema sive Memoria Wagenseiliana cultus et officii supremi causa celebrata a Patronis, Collegis, Fautoribus, Auditoribus, Filia, Filio, Generoque. Additus est circa finem indiculus omnium a beato autore editorum scriptorum [Trauerreden auf Johann Christoph Wagenseil, + 9. Okt. 1705]. - Altdorfi
Vita et consignatio scriptorum Joh. Christophori Wagenseilii / recensita & annotationibus illustrata a Fridericus Roth-Scholtzius, Silez. - Norimbergae ; Altdorffii : Tauber, 1719
E.T.A. Hoffmann: Kampf der Sänger (Geist-Erscheinung des Professor Wagenseilius als Autor des Buches der holdseligen Meistersingerkunst)
Jean Paul: Hesperus / 18. Hundposttag (3) : Flüchtiges Extrablättchen, worin der närrische
Charakter der Flachsenfinger skizziert wird - oder perspektivischer
Aufriß der Stadt Klein-Wien. (Wagenseil als der mit den langen Schuhen, in seiner »Erziehung eines jungen Prinzen« 1705).
Paul zitiert ihn auch im Siebenkäs als Gewährsmann für "Erde im Apfel". In Palingenesien, 6. Reise-Anzeiger zitiert er die Meistersinger-Kunst.
Ludwig Tieck bezieht sich auf Wagenseils Darstellung der Meistersinger in dem von ihm 1803 herausgegebenen Band "Minnelieder aus dem Schwäbischen Zeitalter".
Heinrich Heine in "Die Harzreise": "Nürnberg war der Damen Vaterstadt; doch von dessen altertümlicher Herrlichkeit wußten sie mir wenig zu sagen. Die holdselige Kunst des Meistergesangs, wovon uns der gute Wagenseil die letzten Klänge erhalten, ist erloschen, und die Bürgerinnen Nürnbergs erbauen sich an welschem Stegreifunsinn und Kapaunengesang. O Sankt Sebaldus, was bist du jetzt für ein armer Patron!"
Zur Vorbildfunktion von Wagenseils holdseliger Meistersingerkunst für Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg"
vergleiche "Book of Operas
Their Histories, Their Plots, and Their Music",
by Henry Edward Krehbiel, May 2004. Bzw. Cosima Wagner unter dem 6. Januar 1873 in ihren Tagebüchern: "Gestern abend las uns R.[ichard] im alten Wagenseil die Geschichte der Meistersinger-Kunst, merkwürdig, wie R. alles Wesentliche für sein Werk aufgenommen, das Seltsamste ausgelassen, nur das Charakteristische benutzt".
Erwähnungen der Tela ignea Satanae in Alfred Edersheim: The life and times of Jesus the Messiah;
Blavatsky, Helena P. : Isis unveiled - A Master-Key to the Mysteries of Ancient and Modern Science and Theology; Purucker: Word Wisdom in the Esoteric Tradition;
Antisemitism: Its History and Causes, 1894 by Bernard Lazare;
Nesta Webster: Secret Societies and Subversive Movements, Boswell Publishing Co., Ltd., London, 1924;
Eliphas Lévi, La Science des Esprits etc. sowie auch in der Religionskritik bei Voltaire und Lessing.
Zur Rolle Wagenseils in der Literatur um die Golemlegende:
1674 Johann Christoph Wagenseil published a letter from Christoph Arnold who wrote end of his "Sota hoc est Liber Mischnicus de uxore adulterii suspecta," Altdorf, 1674, p118-9., retranslated by Johann Jakob Schudt, in Frankfort, 1714, which was taken from W.E. Tentzel, 1689, p145, deutsch von Gershom Scholem "Zur Kabbala und ihrer Symbolik", Frankfurt 1973; S. 255f.:
Christoph Arnold nennt als vorläufig ältesten Zeugen der Golemsage in Polen den polnischen Rabbi Elija:
«Sie machen nach gewissen gesprochenen Gebeten und einigen Fasttagen die Gestalt eines Menschen aus Lehm, und wenn sie das schem hamephorasch darüber sprechen, wird das Bild lebendig. Und ob es wohl selbst nicht reden kann, versteht es doch, was man redet und ihm befiehlt, verrichtet auch bei den polnischen Juden allerei Hausarbeit, darf aber nicht aus dem Hause gehen. An die Stirn des Bildes schreiben sie: emeth, das ist Wahrheit. Es wächst aber ein solch Bild täglich, und da es anfänglich gar klein, wird es endlich größer als alle Hausgenossen. Damit sie ihm aber seine Kraft, vor der sich endlich alle im Haus fürchten müssen, benehmen mögen, so löschen sie geschwind den ersten Buchstaben, aleph, an dem Wort emeth an seiner Stirn aus, daß nur das Wort meth, das ist tot, übrigbbleibt. Wo dieses geschehen, fällt der Golem über einen Haufen und wird in den vorigen Ton oder Leim resolviret. ... Sie erzählen, daß ein solcher Baal Schem in Polen, mit Namen R. Elias, einen Golem gemacht, der zu solcher Größe gekommen, daß der Rabbi nicht mehr an seine Stirn reichen und den Buchstaben e auslöschen können. Da habe er diesen Fund erdacht, daß der Golem als ein Knecht ihm die Stiefel ausziehen sollte; da vermeinte er, wenn der Golem sich bücken würde, den Buchstaben an der Stirn auszulöschen, so auch angieng; aber da der Golem wieder zu Leim ward, fiel die ganze Last über den auf der Bank sitzenden Rabbi und erdrückte ihn.»
Für Interessierte sei angemerkt, daß Gershom Scholem die polnische Variante - verbunden mit dem Namen des Chelmer Rabbi Elija Baalschem (gestorben 1583), der diese Geschichte 1700 an seinen Sohn Jakob Emden weitererzählte - für die ursprünglichere einstuft, die erst allmählich auf den Prager Rabbi Löw (1520-1609) übertragen worden sei (eb., S. 257).
Neuerdings fand sich auch ein Quellenbezug im Kontext der Geschichte des Spiritismus: "Ein Brief von Chr. Arnold und Joh. Chr. Wagenseil 1674 erzählt von einem durch Steine im Gewicht von 4 Zentnern beschwerten Tisch, der sich in die Höhe hob, als jüdische Studenten heilige Namen sprachen".
Morgen-Glantz (Zeitschrift der Knorr v. Rosenroth-Gesellschaft) 12/2002, Bern/Berlin/Bruxelles/Frankfurt/N.Y./Wien S. 377-402:
Wanda G. Klee und Sabine Koloch: Kann man auf Deutsch schreiben? Ein Gespräch zwischen Madeleine de Scudéry und Johann Christoph Wagenseil über deutsche Sprache,
Dicht- und Übersetzungskunst. Das Treffen war wohl in Paris 1665; S. 401f.: "Er zeigt sie als umfassend gebildete Intellektuelle, die mit ihm auf gleichem, wenn nicht gar überlegenen
Niveau diskutiert. [...] Sie führt ein themenzentriertes 'Männergespräch'. Intellektueller Austausch auf diesem Niveau findet sich in der Korrespondenz zwischen Madeleine de Scudéry und ihren
deutschen Partnern nicht. Allenfalls der Briefwechsel zwischen Elisabeth von der Pfalz (1618-1680) und Descartes wäre in diesem Punkt vergleichbar".
Stand laut Berns, "Naturwissenschaft und Literatur im Barock" (Morgen-Glantz 5/1995, S. 131ff.), mit dem Sulzbacher Hof und Christian Knorr von Rosenroth ("guter Freund") in engem Kontakt, genauso wie die Altdorfer Professoren Daniel Schwenter (1585-1636), Wilhelm Ludwell (1589-1663).
Vg. auch Allison P. Coudert, "Christliche Hebraisten des 17. Jahrhunderts: Philosemiten oder Antisemiten? Zu Johann Jacob Schudt, Johann Christoph Wagenseil und Franciscus Mercurius van Helmont" (Morgen-Glantz 6/1996, S. 99-132). Dort, [S. 119] "Wagenseil wurde vor allem als Philosemit und Judenverteidiger bezeichnet, da er die Anschuldigung der 'Blutverleumdung' zurückwies. [... S. 120f...aus den 'Benachrichtigungen wegen einiger die Judenschafft angehende wichtigen Sachen...', 1705, Kap.7,, S. 128-31]":
"Hilf lieber Gott! Wie kan die Warheit bey so widrigen Beschuldigungen / deren immer eine die andere aufhebt / statt finden? Wer siehet nicht alsobalden / daß alle diese Händel / wozu die Juden das Christen-Blut gebrauchen sollen / ein faules Geschwätz seyn / so aus keines Christen Mund gehen solte? Und möchte es endlich hingehen / wann es bey den blossen Geschwätz bliebe / daß aber wegen dieser vermaledeyten Unwarheit die Juden sind geplagt / gepeinigt und deren viel tausend auf grausame Weise hingerichtet worden / hätte auch die Steine zum Mitleiden bewegen / und schreyen machen sollen."
Die Schlußfolgerung der Autorin könnte als "bedingte Sympathie" bezeichnet werden: "[S. 123]Wagenseils Sympathie muß demnach als sehr ungewöhnlich betrachtet werden. Worin hat sie ihren Grund? [...] Wagenseil sympathiert mit den Juden, solange er deren Bekehrung für möglich hielt. Wenn er keine Bekehrungsmöglichkeit mehr sieht, offenbart auch er eine antisemitische [Anmerkung: die Autorin hält die Bezeichnung 'antijüdisch', wie sie sonst des öfteren für Autoren dieser Epoche verwandt wird, um einen Unterschied zu 'antisemitisch' zu betonen, für heuchlerisch] Einstellung, was den offensichtlichen Tonfallwechsel von Abhandlung zu Abhandlung erklärt. In seinem bezeichnenderweise Die Hoffnung der Erlösung Israels oder der Juden Bekehrung betitelten Buch, welches erstmals 1705 in Leipzig erschien, nimmt er sich offen der Juden an. Die andere Seite seines Janusgesichts gegenüber den Juden wird dagegen in seiner Tela Ignea Satanae sichtbar, in der er eifrig jüdische Texte, die Christus und das Christentum verleumnden, sammelte, übersetzte und widerlegte. Dadurch verbreitete Wagenseil [...] den Vorwurf des Gottesmordes. [...] Daß selbst ein so aufgeschlossener Gelehrter wie Johann Christoph Wagenseil nicht vom Vorwurf des Antisemitismus freizusprechen ist, [S. 124] hat sicher einen seiner Gründe in den entschieden antisemitischen Äußerungen des Religionsstifters Martin Luther".
Andere Autoren betonen, daß Wagenseil bereits im 17. Jh. die Echtheit der Anschuldigungen und die Seriösität des Prozesses um die Ermordung des Simon von Trient anzweifelte. Es handelt sich um eine Ritualmordlegende, dessen "Opfer" als San Simonino von Angehörigen des katholischen Christentums verehrt wird (vgl. Maria Ventura / Daniel Karl Mescher: Simon von Trient. In einem zivilisierten Land?. In: F.G. Melichar / D.K. Mascher (Hgg.): Quer Denken. Tirol im 20. Jahrhundert. Materialien und Anregungen. Wien 2004, S. 38-45. Projekt für Geschichtsbewusstsein).
Bis Ende des 18. Jahrhunderts waren sowohl Herkunft als auch Sprache der "Zigeuner" Thema wildester Spekulationen. So beschreibt Johann Christoph Wagenseil in seiner 1697 erschienenen Schrift "De civitate Norimbergensis commentario" das Romani als Gemisch aus deutschen, jiddischen, hebräischen und phantastischen Wörtern und behauptet:
"Die ersten Ziegeiner sind aus Teutschland gebürtige Juden gewesen." (zit. n. Ruch 1986: 77, RUCH, Martin (1986) Zur Wissenschaftsgeschichte der deutschsprachigen "Zigeunerforschung" von den Anfängen bis 1900, Freiburg i. Br. (phil. Diss.).) Anzumerken hierbei ist, daß Wagenseil sich gegen ältere Theorien stellte, welche in den "Zigeunern" Nachfahren Kains sah.
Im Jahr 1697 erwähnt der Altdorfer Universitätsprofessor Christoph Wagenseil den Nürnberger Christkindlesmarkt in seiner lateinischen Stadtgeschichte Nürnbergs. Er nennt ihn "Kindleins-Marck" und "Christkindleins-Marck" und bringt damit zum Ausdruck, daß der Markt zu dieser Zeit sowohl unter dem Zeichen Christi stand, und speziell auf die Bedürfnisse der Kinderbescherung ausgelegt war.
Weiterhin berichtet der Gelehrte von dem "damaligen Glauben der Kinder, daß das Christkind seine Weihnachtsgeschenke selbst auf diesem Markt einkaufe und sie in eine Schüssel lege, die sie am Weihnachtsmorgen beschert erhalten, und von dem durch diesen Brauch verursachten Lerneifer der Nürnberger Schulkinder im Dezember."
Diese Aussage reflektiert den pädagogischen Gehalt der Kinderbescherung. Den Kindern wurde gesagt, daß das Christkind nur den Kindern Geschenke bringt, die sich artig verhalten hatten. Damit wurde ein Wohlverhalten der Kleinen, insbesondere in der Vorweihnachtszeit, hervorgerufen.
(Anja Kußka : Chronik des Nürnberger Christkindlesmarktes).
The Golden Age of Waterskiing by Kevin Desmond, 2001: "Johannes Christoph Wagenseil, of Nuremberg, who had been carefully observing the swimming of geese and and ducks, decided that it should be possible ...", mit einem Wasserschild über das Wasser zu gleiten, [...on Page 3] Abbildungstext: BELOW LEFT JOHANNES CHRISTOPHER WAGENSEIL OF NUREMBURG USES HIS HYDRAPSIS TO RETURN FROM A WILDFOWL HUNTING SESSION SOMETIME IN THE 1690S.
Zum Hydraspis siehe auch: The Nic-nac: Or, Literary Cabinet (1823), S. 113, 114, 115.
Eine Rezension des Buches "Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim" von Dr. F. W. Ghillany im Literarischen Centralblatt für Deutschland, Ausgabe vom 2. Juli 1853 (Nr. 27, veröffentlicht im Band des Jahrgangs, gedruckt in Leipzig bei Avenarius & Mendelsohn 1853), erwähnt die Behauptung Wagenseils, Behaim habe vor Kolumbus Amerika entdeckt. Ausführlicher wird auf Alexander von Humboldts Untersuchung eingegangen, wie es dazu kam, daß Martin Waldseemüller in seiner Karte zur Cosmographiae introductio 1509 in Amerigo Vespucci den Entdecker Amerikas sah (und nach ihm America nannte).
Der Nürnberger Trichter: Der Ausdruck bezieht sich auf Johann Christoph WAGENSEILs Pera librorum iuvenilium (fünf Bände, 1695; frei übersetzt: Rucksack mit Büchern für die Jugend). In der Stadtbibliothek Nürnberg befindet sich wohl die älteste Darstellung des
Nürnberger Trichters. Auf einem Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert sind
drei Männer abgebildet, die einem auf dem Boden Liegenden die gesamte Weisheit mit einem großen Trichter eingießen. Man kann auf diesem Kupferstich alle möglichen Gegenstände erkennen, die in diesen
Trichter hineingeschüttet wurden. Das Bild trägt die Überschrift: »Seht liebe Leut hie steht der Mann, so alle Kunst eingießen kann.« Eduard Duller erzählt in den 1834 erschienenen »Geschichten und Märchen
für jung und alt«, dass der Schneidersohn Hans Wurst von Tripsdrill nach Nürnberg wanderte, um dort den überall so begehrten Wundertrichter zu suchen. Angeblich wäre er in den Werkstätten der Rußigen, wie die
Nürnberger Feuerarbeiter genannt wurden, geschmiedet worden. In der Werkstatt des Altmeisters der Rußigen erfuhr er aber von einem Feuersalamander, dass der Himmelskundige des Königs von Utopien vor zwanzig Jahren den Trichter erworben habe. Hans Wurst wanderte also
unverdrossen weiter zum Schloss des Königs von Utopien. Dort sah er zwar den geheimnisvollen Trichter, bekam ihn aber nicht, sondern wurde zu seinem Entsetzen in ein Gefängnis geworfen. Nach seiner Flucht traf er den Zwerg des Hörselberges. Der erzählte ihm freimütig viele wunderliche Dinge. So hatte er am Schluss seiner Wanderung zwar nicht den begehrten
Nürnberger Trichter erworben, den er nun gar nicht mehr wollte, aber er hatte viel erfahren und war dadurch klüger geworden, so dass er den Nürnberger Trichter gar nicht mehr brauchte.
Wagenseil, Johann Christoph:
Buch von der Meister-Singer Holdseligen Kunst : (aus: de civitate Noribergensi commentation. Altdorf 1697) / Johann Christoph Wagenseil. Hrsg. von Horst Brunner. - Faks.-Nachdr.. -
Göppingen : Kümmerle, 1975. - S. 436 - 576, 25 S.
J. C. Wagenseil, Tela ignea Satanae, Hoc est: arcani, et horribiles Judaeorum adversus Christum Deum et Christianam religionem libri (Altdorf,
1681). The only English language version available when Browning was writing the poem was The Gospel According to the Jews, Called Toldoth Jesu, The
Generations of Jesus (London, 1823).
Joh. Christoph Wagenseilii De Hydraspide sua sive adversus extrema pericula aquarum munimento ac praesidie ad Petrum Valckienierium ... epistola / add. Johannis Lemovicensis Morale somnium Pharaonis & ab interitu vindicatur. - [Nürnberg] ; Altdorfii : Hofmann ; Meyer, 1660
Derin Franckreich neu-auffgerichteten Ost-Indianischen Compagnie Absehen, Gesätze, vnd Freyheiten ; Auß dem Frantzösischen in vnsere deutsche Muttersprache übersetzet / François Charpentier. Johann Christof Wagenseil [Übers.]. - [o.O.], 1665
Tractatus politico historicus, moribus, ritibus ac ceremoniis in aulis regum et principum legationibus congressibus et conventibus magnatum, usitatis omnibus aulicis legatis ac peregrinantibus utilissimus, ex MSS. incerti auctoris collectus per Curiosum Aletophilum (i.e. Johann Christoph Wagenseil). - Cosmopoli, 1687
Vergleiche zur Verwendung des Pseudonyms "Aletophilus", Zedler Supplement, 1747, S. 1033 (rechts).
J. C. Wagenseil, Exercitationes sex varii argumenti, 1687
Theses des principes du blason ou de l'art heraldique / sous la presidende de ... Jean Christoffle Wagenseill ... soutiendra JeanJacques Sturm , [Altdorfii Noricum]: Schönnerstädt, 1690
Pera librorum iuvenilium / Wagenseil, Johann Christoph. Altdorfium, 1695
J.C. Wagenseil, De fabulis Muhammedicis, Nürnberg 1697.
Vgl. Lange, Johann Michael: Ad Virvm in orbe literato svmmvm Joh. Christophorum Wagenseilivm, J.V.D.P.P. & Polyhistorem Altdorfinum, Dissertatio theologica ... De fabvlis Mohhammaedicis circa SS. Trinitatis mysterivm
et generationem in divinis ... Nürnberg: Otto; Altdorf: Meyerus, 1696 (Altd. Diss. 1238)
Belehrung Der Jüdisch-Teutschen Red- und Schreibart
: Durch welche/ Alle so des wahren Teutschen Lesens kundig/ für sich selbsten/ innerhalb wenig Stunden/ zu sothaner Wissenschafft gelangen können ... Unter andern Jüdischen Büchern/ wird dargestellet/ ... Oder Das Talmudische Buch von dem Aussatz ...
Zur Zugabe Wird ein Bedencken beygefüget/ wodurch die ... Frage: Ob die Heil. Schrifft einem Mann erlaube zwey Schwestern nacheinander zu heyrathen? Dermaleins zu bescheiden/ und die Bejahung allerdings fest zu setzen gesucht wird
VD1712:128428W,
Königsberg : Paul Friedrich Rhode, 1699 (334, 56 S.; 4°; 8 Ex.)
Daraus: dray peysekh-lider arum 1400 ("Drey Lieder/ welche die Juden/ sonderlich die Weibsbilder unter denselben/ sowol sonsten/ als sonderlich an dem Oster-Fest zu singen pflegen"; Neuabdruck in: Helmut Dinse, Die Entwicklung des jiddischen Schrifttums im deutschen Sprachgebiet, Stuttgart 1974)
De Anno Iubileo, Secundum Disciplinam Hebraeorum Circularis Disputatio
/ Quam, In Altdorfina Academia Praeside Joh. Christophoro Wagenseilio ... a.d. VII. Februarii Defendet Joannes Steuchius [Johannes Steuch, 1676-1742], Angermannia Suecus
VD1712:163066B,
[Altdorf] : Jobst Wilhelm Kohles, 1700 (32 S.; 4°; 2 Ex.)
VD1712:135839X,
[Altdorf] : Jobst Wilhelm Kohles, 1700 (32 S.; 4°; abweichende Titelfassung, dort mit Widmungsempfänger auf Rückseite des Titelblatts; 9 Ex.)
Wagenseil, Johann Christoph:
Von Erziehung eines Jungen Prinzen, der vor allen Studiren einen Abscheu hat, daß er dennoch gelehrt und geschickt werde : es werden Gedancken beygefügt: Welcher Gestalt ein ieder
Mensch zu einer seinem Geschlecht, Alter und Lebens-Beschaffenheit wohl-anstehenden Wissenschaft in geistlichen und weltlichen Sachen leicht anzuführen / von Johann Christof
Wagenseilen entworfen. - Leipzig : Heinichen, 1705. - [5] Bl., 331 S. : Ill. (Kupferst.)
Der Denen Juden fälschlich beygemessene Gebrauch Des Christen-Bluts, Das ist, Unwidersprechliche Widerlegung der entsetzlichen Unwarheit, Daß die Juden zu ihrer Bedürffnis Christen-Blut haben müssen, Welche so viel tausend dieser unschuldigen Leute, um Haab, Gut, Leib und Leben gebracht.
Enthalten in: [Hofnung der Erlösung Israelis, oder Klarer Beweiß der annoch bevorstehenden, und, wie es scheinet, allgemach-herannahenden grossen Jüden-Bekehrung] Joh. Christophori Wagenseilii, J.U.D. Juris Canonici & Publici, nec non LL. Oriental. Prof. Publici Altdorfini, Hofnung der Erlösung Israelis, oder Klarer Beweiß der annoch bevorstehenden, und, wie es scheinet, allgemach-herannahenden grossen Jüden-Bekehrung : sammt unvorgreifflichen Gedancken, wie solche nächst Verleihung Göttlicher Hülffe zu befördern / Wagenseil, Johann Christoph. - Editio altera, priore in 8. multò correctior, & octo aliis rarioribus Beati Autoris Opusculis, quorum conspectum sequens pagina exhibebit, adaucta. - Nürnberg : Kohles, 1707
Christiani, Friedrich Albert & Wagenseil, Johann Christoph & Reineccius, Christian [Hrsg.] :
Der Jüden Glaube und Aberglaube. Mit e. Vorr. J. C. Wagenseils. Hrsg. von C. Reineccio ; Leipzig, Lanck, 1713.
¬Der¬ adriatische Löw, das ist, kurze Anzeigung von des Venetianischen Adels gesammter Geschlechte Ursprung, und Aufnahm ... Stamm-Wappen ... / Wagenseil, Johann Christoph. Altdorf, 1738
J.C. Wagenseil, Nachricht von der Secte der Gewissener und deren Autore (Ohne Jahresangabe entnommen dem Zedler, s.o.)
Seine private Bibliothek vermachten seine Erben 1708 der Universität Altdorf. Der 1981 wiederentdeckte Verkaufskatalog ermöglichte die Rekonstruktion der Sammlung. Beim Harald Fischer Verlag ist eine Mikrofiche-Edition käuflich zu erwerben. Katalag und genauere historische Informationen zu der Sammlung gibt es auf der Homepage des Harald Fischer Verlages. Das rechts abgebildete Inlibris der Bücher der Sammlung Wagenseil benutzt als Motto Psalm 16,6 ("Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche; mir ist ein schön Erbteil geworden."), wo die hebräische Vokabel für "Los" identisch ist mit den "Wagenseilen" aus Jesaja 5,18.
Bereits vor 1708 wurde eine Teilsammlung islamischer Handschriften 1699 an die Universität Leipzig vermacht. Der historische Katalog erwähnt die Provenienz eindeutig bei Hs. XLVI [354], einem Qur’an: "Johann Christoph Wagenseil (1633-1705) added the page numbers of the Hinkelmann Qur’an edition", und bei Teil C der Hs. LXXXI [358-359], einem weiteren Qur'an, aus vier Stücken zusammengesetzt. (H.O. Fleischer: CODICES
ORIENTALIUM LINGUARUM QUI IN BIBLIOTHECA SENATORIA CIVITATIS LIPSIENSIS ASSERVANTUR, translated by Boris Liebrenz, Leipzig 2008).
Ernst Manker gelang es 1938, die im Besitz des Müchner Museums für Völkerkunde befindliche "lappländische Zaubertrommel" (Sign. 5783) als diejenige Trommel zu identifizieren, die im 18. Jahrhundert in der Universität Altdorf ausgestellt wurde, und von Wagenseil geschenkt war. Der Schwede Martin Kammecker erwähnt sie in seinem Tagebucheintrag vom 8.4.1727: "An der Tür zu einem Schrank waren noch allerhand Curiosa, u.a. eine Lappentrommel" (zitiert nach Sainio). Matti A. Sainio argumentiert, daß diese Trommel über den Schweden Johannes Steuchius, der 1701 vor Wagenseils Tod Altdorf besuchte und in einer Schrift "Anmärkningar til Schefferi Lapponia" seine Kenntnis der Trommeln dieses Typs namens "Tornio" zeige (Sainio: Studio Altdorphina III. Über den Ursprung der Münchner Zaubertrommel, Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, 10 (1958), p. 243f.). Das ist nicht ganz korrekt, wie Blastenbrei anhand der Quellen nachweist, die "lappländische Zaubertrummmel" wurde durch den Vater Mathias Steuchius, Bischof von Lund in Schweden, übersand: Blastenbrei, Stellung zum Judentum, Erlangen 2004, S. 96. Blastenbrei bezieht sich dabei auf eine Stelle aus Wagenseils Werk über die Prinzenerziehung (S. 235, 236) und UB, Erlangen-Nürnberg, Ms. Cod. phor. 444,1.
Erlangen-Nürnberg, UB, Ms. 738 (Irm. 891): Attestate (eines von Wagenseil) für Johann Michael Lang (alle von 1703), in Betreff dessen Anschluß "in Altdorf an den pietistisch schwärmerischern Sporer-Gesellen [Johann Georg] Rosenbach" (vgl. FISCHER, Hans: Katalog der Handschriften der Universitätsbibliothek Erlangen. 2. Band: Die Lateinischen Papierhandschriften. Erlangen 1936, S. 457)
Wolfenbüttel, Blankenburg 226 (früher 205): Stammbaum des Andreas Arnold (Sohn des Dichters Christoph Arnold, verstarb 1694; V + 393 Bll., Eintragungen bis 1689, auf Bl. 105r Wagenseil am 23. 12. 1679, vgl. BUTZMANN, Hans: Die Blankenburger Handschriften. - Frankfurt am Main: Klostermann, 1966, S. 217)