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„Angst ignorieren, durchatmen und Pflicht erfüllen.“ sagte sie zu sich selbst, so wie Mr Giles es ihr schon hundertmal in den letzten Tagen eingetrichtert hatte.

Sie schloss ihre Finger fest um den Pflock und machte sich bemerkbar. „Hey, du hässlicher Möchtegernrocker! Nimm doch lieber mit der Jägerin vorlieb!“

Der Vampir grinste und schleuderte sein Opfer zur Seite. Wie bei dem letzten Vampir, den Mr Giles getötet hatte, lief das Mädchen weg.

Der Vampir griff sie an. Mit einer Hand umfasste er ihre Kehle und grinste sie mit seiner hässlichen Fratze an.

Sie trat ihm zwischen die Beine und verpasste ihm einen Kinnhaken. Der Vampir flog nach hinten und Buffy stürzte sich auf ihn, um ihm den Pflock ins Herz zu rammen.

Buffy fiel nach vorne, als der Vampir zu Staub zerfiel und landete mit ihrem hellen Kleid in der Asche.

„Verflucht!“ rief sie äußerst unmädchenhaft und versuchte sich die Asche vom Kleid zu klopfen. „Ich sollte das nächste Mal wohl doch Jeans einpacken.“

Mr Giles hatte ihr empfohlen, beim Training und auf der Jagd Hosen zu tragen, um beweglicher zu sein.

Spike hatte die Jägerin im Schatten eines Baumes beobachtet. Sie hatte noch nicht oft gejagt, das konnte er an der Angst in ihrem Blick sehen, als sie Enzo getötet hatte. Doch sie war verflucht stark. Wenn die Zeit gekommen war, würde sie eine ebenbürtige Gegnerin für ihn sein.

Er ging schnell zu seinem Motorrad zurück und erwartete sie dort.

„Ist was passiert?“ fragte er sie und machte ein besorgtes Gesicht.

„Nein, alles in Ordnung. Ich musste nur…ich musste mal für kleine Mädchen.“

Er nickte nur.

Gemeinsam brachen sie auf. Zurück nach Hause.



Buffy wies ihm auf den letzten Metern den Weg zu ihrem Haus. Ein paar Meter davor hielt Spike an und stellte den Motor ab. Er begleitete sie zu ihrem Haus und steckte verlegen die Hände in seine Hosentaschen.

„Also dann…“

„Es war toll, heute Abend, die Motorradfahrt meine ich.“ flüsterte Buffy verlegen.

„Ja, mal was Anderes als die Stadt unsicher zu machen und kleinen Mädchen Angst einzujagen.“ antwortete er ihr und lächelte spitzbübisch.


„Oh, na dann werde ich mal…“ Buffy wandte sich zum Gehen, weil sie sich wohl doch geirrt hatte. Sie war nichts Besonderes für ihn. Nur ein kleines Mädchen, dem er gezeigt hatte, was große Jungs nachts tun, wenn alles schläft.

Doch er hielt sie auf, schob einen Finger unter ihr Kinn und sah sie an. Er verlor sich in ihren Augen.

Sie war die Jägerin, doch jedes Mal, wenn er ihren Duft wahrnahm oder in ihre Augen sah, vergaß er die Welt um sich herum. Sie hatte die Macht, ihn vergessen zu lassen, was er war. Er zog sie an sich. Vergrub seine Finger in ihrem Haar und genoss die Wärme, die ihr Körper ausstrahlte.

Er hörte das Blut in ihren Adern rauschen und sein Gameface kam für einen kurzen Moment zum Vorschein, doch er schaffte es, seinen Dämon zu unterdrücken.

Er löste sich ein wenig von ihr.

Sie war die Jägerin und es gab nur einen Weg für sie.

Doch als er in ihre Augen sah, das Kribbeln in jeder Faser seines toten Körpers spürte, war ihm klar, dass er nicht mehr zurück konnte. Etwas besonders hatte an diesem Abend begonnen. Vorsichtig näherte er sich ihren roten Lippen.

Buffy war wie erstarrt. Nie gekannte Gefühle stürmten durch ihren Körper und entfachten ein Feuer. Wie von einer höheren Macht gelenkt, leckte sie sich über die Lippen und führte ihren Mund näher zu seinem.

Als ihre Lippen sich berührten, spürte Buffy wie ihr Herz einen Satz machte und doppelt so schnell schlug. Ihr Unterleib pochte verdächtig und die Hitze, die ihren Körper erfasste schien ihr unerträglich.

Spike glaubte zu verbrennen, als er ihre Lippen auf seinen spürte. Ihre süßen Lippen machten ihn wahnsinnig und er konnte nicht umhin, mit seiner Zunge, ihre Lippen zu kosten. Das Kribbeln in seinem Körper schien in einen Vulkanausbruch überzugehen, der ihn fast überrollte. Schnell löste er sich von ihr.

Einen klaren Gedanken konnte er zwar noch nicht fassen, aber er war hungrig und jetzt war nicht der Zeitpunkt für diese Dinge.

Sie stand schwer atmend vor ihm und ihre Wangen waren gerötet. Sicher würde ihr Jägerinnenblut jetzt nach Lust und Adrenalin schmecken.

„Wir sehen uns wieder!“ sagte er nur zu ihr und ließ Buffy stehen.

Buffy sah mit offenem Mund zu, wie er auf seine Maschine stieg und davonbrauste. Verwirrt schlich sie sich ins Haus. Ihre Mum schlief zum Glück schon. Eine Diskussion um ihr nächtliches Fortbleiben blieb ihr so zum Glück erspart.



Auch diese Nacht blieb für Buffy schlaflos. Der erste Kampf mit einem Vampir, die Motorradfahrt - übrigens auch die erste- dann dieser komische Schuppen, in den Spike sie geschleppt hatte. Ob sich dort noch mehr Vampire herumtrieben? Vielleicht sollte sie ihrem Wächter davon berichten, damit er sich bei Tageslicht einmal dort umsah.

Aber das, was sie am meisten verwirrte, war der Kuss.

Buffy wurde schon öfter nach Dates geküsst, aber nie hatte sie sich so dabei gefühlt. In ihrem Bauch schienen immer noch Schmetterlinge Twist zu tanzen und ihre Hände hatten nur langsam aufgehört, zu zittern. Sie hatte das Gefühl gehabt, wegzufliegen, auf den Mond. Nein, zur Venus. Ja, sie war mit ihm zur Venus und zurück geflogen.

Doch eine Sache war ihr immer noch unheimlich. Sein kalter Körper. Seine Lippen, seine Hände und wahrscheinlich auch der Rest seines Körpers erschienen ihr unnatürlich kalt. Aber vielleicht lag das auch an der Hitze, die ihr Körper jedes Mal entwickelte, sobald er in ihre Nähe kam.

Irgendwann war sie des Grübelns müde geworden und schlief ein.

Sie träumte von ihm. Sie fuhren auf einer Landstraße durch die Nacht. Weit weg von Zuhause. Ins Nirgendwo mit ihm.



Am nächsten Tag schleppte sich Buffy mit halboffenen Augen durch die Schule. Ein paar Leute aus der Schule hatten sie auf dem Rücksitz von Spikes Motorrad gesehen und es ihren Freundinnen erzählt. Anya ließ ihr seitdem keine Ruhe.

„Wo seid ihr hingefahren?“

„Was habt ihr gemacht?“

„Habt ihr Alkohol getrunken?“

„War er gemein zu dir?“

Buffy hatte keine Lust, sich zu unterhalten. Sie war viel zu müde dazu.


„Hm..? Nein! Er hat mich nicht belästigt. Alles war super.“

Willow spürte, dass Buffy nicht darüber reden wollte und wies Anya auf Xander hin, der gerade die Kantine der Schule betrat. Anya sprang sofort auf und eilte zu ihm.

Willow stellte nur eine einzige Frage. „Und? Bist du verliebt in ihn?“

Buffy sah auf und stockte. War sie, Buffy Summers tatsächlich zum ersten Mal verliebt? In einen Motorradrocker, dessen Nachnamen sie nicht einmal kannte?

Doch zum Glück musste sie diese Frage weder Willow, noch sich selbst beantworten, denn in diesem Moment kam Harmony angelaufen und setzte sich zu ihnen an den Tisch.

Harmony war wohl die hinterhältigste, gesprächigste und leider auch hübscheste Nervensäge der ganzen Schule. Sie scharte meistens einige Jungs aus der Oberstufe und Mädchen aus ihrer Stufe um sich. Buffy nannte sie immer Wölfe und Hyänen. Die Wölfe jagten nach Harmony und die Hyänen nahmen, was übrig blieb.

Buffy grinste bei dem Gedanken an ihre ganz persönliche Harmony Theorie und wartete ab, welches Gerücht sie heute verbreiten wollte.

„Habt ihr es schon gehört? Die Sache mit Kimberly meine ich.“

„Nein“ Buffy gab sich betont lässig. „Was ist denn mit ihr?“

Sie wurde heute Morgen tot aufgefunden. Völlig Blutleer! Könnt ihr euch das vorstellen? Und Michelle hat gesagt, dass ihr Vater ihr verraten hat, dass kein Tropfen Blut am Fundort zu finden war. Ist das nicht schrecklich?“

Buffy bekam ein unmissverständlich ungutes Gefühl im Bauch. „Wo, sagtest du, wurde sie gefunden?“

Harmony sah sie verwirrt an. „Hmmm? Achso, soweit ich weiß, wurde sie am Revello Drive gefunden. Ganz in deiner Nähe also, Buffy.“

Buffy sprang auf. „Ich..ähm.. also, mir ist schlecht! Das ist bestimmt ein Schock. Ich fahr dann mal besser nach Hause. Willow, könntest du mich bei Mrs Gellar abmelden?“

Willow nickte und sah Buffy misstrauisch an.

Buffy sah nach unten, murmelte ein „Ich ruf dich nachher an.“ und verschwand. Schnurstracks in Mr Giles Bücherladen.



Mr Giles?“ rief sie quer durch den Laden.

Ein ihr unbekannter Mann kam um die Ecke. „Es tut mir leid, junges Fräulein, aber Giles ist heute nicht da. Er hat seinen freien Tag, aber vielleicht kann ich ihnen helfen?“

„Nein…nein, eher nicht, aber Moment! Sie haben nicht zufällig seine Privatadresse? Ich muss ihn dringend sprechen.“

Der Mann war so nett, ihr die Adresse aufzuschreiben und Buffy beschloss, ihn zuhause zu „überfallen“. Doch vorher wollte sie sich noch den Fundort der Leiche ansehen….

Sie ging zuerst nach Hause, erzählte ihrer Mum von der Übelkeit in der Schule, die aber schon wieder vorbei war. „Und jetzt wollte ich zu Willow. Sie will mir ihre Notizen aus dem Geschichtsunterricht geben. Ist das OK, Mum?“

„Klar, geh nur. Und grüß Mr Giles von mir.“

Buffy stand schon an der Tür, als sie diese Worte hörte und wandte sich überrascht um.

Doch ihre Mum lächelte. „Ja, Schätzchen. Ich weiß, dass du nebenbei bei Mr Giles im Bücherladen arbeitest, damit wir finanziell besser über die Runden kommen. Dein Boss hat mich heute angerufen und mir davon erzählt. Er wunderte sich nur, dass du gestern Abend nicht da warst. Aber als ich ihm gesagt habe, dass du mit deinen Freundinnen aus bist, hat er es verstanden.“

Buffy fiel ihrer Mum um den Hals. „Ich hab dich lieb Mum!“ Dann schnappte sie sich ihre Tasche und ging. Das war ja gerade noch mal gutgegangen.



Der Fundort der Leiche lag nur ca. 200 Meter von ihrem Haus entfernt. Buffy konnte nicht wirklich nach Hinweisen suchen, denn der Tatort war abgesperrt und die Leiche war bereits zur Authopsie in die Gerichtsmedizin gebracht worden.

Das Einzige, was Buffy stutzig werden ließ, war die Tatsache, dass keine Kampfspuren zu sehen waren. Keine abgebrochenen Äste oder Schleifspuren auf dem Boden. Nichts!

Deprimiert machte sie sich auf den Weg zu ihrem Wächter.

Mr Giles wohnte in einer Pension in der West Street. Die Frau am Empfang beäugte sie kritisch und murmelte etwas von jungen Dingern, die lieber mit Puppen spielen sollten, als alleinstehende Männer zu besuchen und wandte sich wieder ihrem Strickzeug zu.

Gut, dass sie bereits wusste, dass Giles sich ein Haus in Sunnydale gemietet hatte, dass zurzeit noch renoviert wurde, denn sonst hätte sie spätestens jetzt ernsthaft an ihrem Wächter gezweifelt.

Sie fand Apartment 12b zum Glück recht schnell und klopfte an die Tür.

„ Ja, bitte?“ tönte es aus dem Inneren des Apartments.

„Ich bin’s, Mr Giles, Buffy.“

Mr Giles öffnete sofort die Tür und deutete Buffy hereinzukommen. „Buffy. Du hier? Ich meine…woher?“

Buffy verdrehte die Augen. „Ihr Chef oder Kollege oder was auch immer hat mir diese Adresse hier gegeben.“ Sie rümpfte die Nase. „Sie sollten mal wieder Staub wischen.“

Mr Giles öffnete seinen Mund, um zu antworten, doch Buffy fiel ihm ins Wort. „Aber ich bin nicht grundlos hier. Haben sie es schon gehört?“

Mr Giles nahm seine Brille ab, um sie zu reinigen. „Ähm, was..?

„Also, ein paar Meter von unserem Haus entfernt wurde eine Mitschülerin von mir tot aufgefunden.“ unterbrach sie den zweiten Kommunikationsversuch ihres Wächters. „Ach ja. Die Leiche war übrigens blutleer. Und es war kein Tropfen Blut am Tatort zu sehen. Kampfspuren übrigens auch nicht. Interessiert sie das eigentlich gar nicht? Sie sagen ja gar nichts!“

Giles schickte genervt ein Stoßgebet gen Himmel und beschloss, nicht aus der Haut zu fahren. „Hört sich nach einem Vampir an. Ist dir gestern Abend irgendetwas Ungewöhnliches aufgefallen, auf deinem Heimweg?“

„Nein, Sp..“

Beinahe hätte sie dem Wächter erzählt, mit wem sie den Abend verbracht hatte. Er wäre sicher nicht begeistert davon gewesen, also ließ sie es lieber. „Ich meine, nein Mr Spencer. Der Vater von Tracy hat uns alle heimgefahren.“ Es gab zwar weder einen Mr Spencer, noch eine Tracy, aber sie glaubte nicht, dass ihr Wächter das tatsächlich nachprüfen würde.

„Gut. Ich werde mal sehen, ob ich bei der Polizei etwas herausfinden kann.“

„Und was soll ich tun?“

Er gab ihr ein altes Buch aus einem Karton auf dem Regal. „Du informierst dich in diesem Buch mal ganz genau über Vampire. Ich denke, du wirst in nächster Zeit einigen begegnen.“


Buffy nickte und nahm das Buch.

Sie verabredeten sich für den nächsten Tag wieder im Buchladen und dann machte sie sich auf den Weg nach Hause.



Ein paar Meilen weiter wartete Spike mit seinen Gangmitgliedern auf den Sonnenuntergang. Er saß an eine Säule gelehnt, auf dem Dachboden des Schuppens und dachte über diese Jägerin nach.

Was war in ihn gefahren? Er wollte möglichst viel über sie herausfinden, um sich dem Kampf mit ihr nicht unvorbereitet zu stellen. Doch die Gefühle, die ihm schon durch den Körper rasten, wenn er nur an sie dachte, machten klare Gedanken verdammt schwer.

Vielleicht sollte er sie einfach bei der nächsten Gelegenheit in einen Hinterhalt locken und ihr das Genick brechen. Das würde dem Spuk ein für alle mal ein Ende bereiten.

Die Sonne war jetzt endlich untergegangen. Jetzt war es erst einmal wichtiger, sich zu stärken. Allerdings sollte er heute Nacht besser außerhalb essen.

Gestern war er so hungrig gewesen, dass er sich das erstbeste Mädchen geschnappt hatte, dass ihm auf der Straße begegnet war. Und die Jägerin hatte sicher schon vom Fund der Leiche gehört. Sie war also sicher in Alarmbereitschaft.

Er stieg auf sein Motorrad und fuhr los.



Inzwischen war Buffy zuhause angekommen und holte das Buch aus ihrer Tasche. Sie beschloss, heute nicht mehr zu Willow zu gehen und zog sich ihren hellblauen Hausanzug an.

Der Wälzer hieß Chronik der Unterwelt und enthielt alles Wissenswerte über Dämonen aller Art.



Vampir

Sie leben in der Dunkelheit.

Allein ein Holzpflock ins Herz oder direktes Sonnenlicht können sie töten.

Sie nähren sich vom Blut ihrer Opfer, die erst im Moment des Todes das wahre Gesicht des Dämons sehen.

Einzig die Kälte ihrer Haut und das Fehlen ihres Herzschlags weisen auf den Dämon in ihnen hin.

Doch die Fähigkeit ihre Opfer zu hypnotisieren lässt sie meist immer ohne Aufsehen jagen.




Darunter war eine Skizze, die die Fratze eines Vampirs zeigte. So, wie die des Vampirs, den Buffy gestern Abend gepfählt hatte. Buffy versuchte, sich alles genau einzuprägen und stolperte dabei immer wieder über einen Satz.



Einzig die Kälte ihrer Haut und das Fehlen ihres Herzschlags weisen auf den Dämon in ihnen hin.



Kälte? Spike? Nein, er konnte doch kein Dämon sein. So, wie er sie…



Doch die Fähigkeit ihre Opfer zu hypnotisieren lässt sie meist immer ohne Aufsehen jagen.



Er hatte sie doch nicht hypnotisiert? Hatte er einen Herzschlag?

Buffy war sich nicht sicher, ob sie sein Herz hatte schlagen hören, aber er konnte unmöglich ein Vampir sein. Er hatte sie schließlich nicht angegriffen. Sein Gesicht war direkt neben ihrem Hals gewesen und er hatte sie nicht gebissen.

„Verdammt“ fluchte Buffy, zog sich schnell eine Jacke über und kletterte aus dem Fenster.

Es war fast Mitternacht, also war es auch egal, was sie trug. Nur ihren Holzpflock nahm sie noch schnell mit. Sie würde ihn schon finden und dann?

Was dann war, wusste sie noch nicht, aber vielleicht wollte sie das auch nicht wissen.



Sie lief eine Weile ziellos durch die Straßen, als sie wieder an dem Pub vorbeikam. Diesmal stand ein anderes Motorrad davor und Buffy hoffte insgeheim, Spike trotzdem dort zu finden. Doch als sie durch das Fenster schauen wollte, wurde sie enttäuscht. Die Rollläden waren heruntergezogen und der Pub war geschlossen. Buffy wurde zwar misstrauisch, aber sie hörte auch keine Geräusche aus dem Pub.

Mit hängenden Schultern lief Buffy weiter. Sie bog in die Main Street ein, um im Pink Heaven nach dem Rechten zu sehen, als aus dem Hauseingang eine Gestalt sprang und sich auf sie stürzte.

Buffy war wie gelähmt.

Es war wieder einer von diesen Bikern. Sie versuchte, sich zu befreien, indem sie dem Angreifer ihren Ellbogen in den Magen rammte, doch dieser lachte nur dreckig und zog Buffy an den Haaren, um ihren Kopf zur Seite zu ziehen und sich so freien Zugang zu ihrer Halsschlagader zu verschaffen.

Dieser Vampir war weitaus stärker als der letzte und Buffys Versuche, freizukommen, waren eher halbherzig, weil sie einfach zu große Angst hatte.



Zeitgleich fuhr Spike am Pink Heaven vorbei. Er war frisch gestärkt und hatte die Reste gründlich beseitigt. Jetzt wurde es Zeit, sich mal wieder der Jägerin zuzuwenden. Wo sie wohnte, wusste er ja. Und gegen ein bisschen Small talk am Fenster war ja nichts einzuwenden.

Da sah er Richy. Er war gerade damit beschäftigt, sich eine hübsche, kleine, Blondine einzuverleiben. Spike grinste und hob seine Hand, um ihn zu begrüßen.

Die Kleine sah fast so niedlich aus wie seine Jägerin. Nur trug sie nicht diese wuscheligen Petticoats, die er an dieser Zeit so mochte, sondern einen himmelblauen… Schlafanzug???

Er fuhr langsamer, um zu sehen, ob das Mädchen tatsächlich einen Schlafanzug trug.

„Verdammt“ fluchte er, als er sah, wen Richy da gerade aussaugen wollte.



Buffy spürte die Reißzähne des Vampirs an ihrem Hals. Als Jägerin hatte sie sich nicht wirklich bewährt und kaum hatte sie mal Spaß an ihrem Leben, war es auch schon fast vorbei.

„Hey!“ rief Spike böse, sprang von seinem Motorrad und verpasste Richy, der Buffy vor Schreck losgelassen hatte einen Schlag in sein Gameface, wie er die Vampirfratze immer nannte.

„Spike, was?...Ah!“ Er sah Spike fassungslos an, als Buffy ihm von hinten einen Pflock ins Herz jagte und Richy zu Staub zerfiel.

Buffy, wieso?...Ach, egal!“ Er konnte nicht anders. Er nahm sie in seine Arme und küsste sie.

Er wusste nicht, was mit ihm los war, aber er hatte zum ersten Mal in seinem Unleben Angst gehabt.

Angst um sie.

Um seine Jägerin.

Sie schmiegte sich an ihn und weinte. Zum einen, weil sie Angst um ihr Leben gehabt hatte, zum anderen, weil sie so froh war, dass ihr Spike sie gerettet hatte. Also konnte er schon mal kein Vampir sein. Oder?

Sie schmiegte sich so eng an ihn, wie es nur ging und versuchte, seinem Herzschlag zu lauschen. Doch sie hörte nichts.

Nichts.

Kein Herzschlag und kein Atem.

Also doch ein Vampir? Aber warum hatte er sie dann gerettet?

Sie löste sich von ihm und sah ihn an.

Spike spürte, dass Buffys Körper sich in seinen Armen wieder anspannte. Jetzt sah sie ihn mit tränenverhangenen Augen an. Er ahnte es. Sie wusste, was er war, verstand aber nicht, warum er sie gerettet hatte. Das wusste er zwar selbst nicht so genau, aber auch das würde er noch herausfinden.

„Du, du bist…?“

„Ja, ein Vampir. William der Blutige. Heutzutage Spike. Der Name klingt einfach besser.“ Er lächelte sie traurig an und wartete auf ihre Reaktion.


Sie sagte nichts, starrte ihn nur ungläubig an.

„Wenn du´s nicht glaubst…in den dicken Wälzern von deinem Wächter dürfte mit Sicherheit was stehen. Schließlich hab ich um die Jahrhundertwende…“ begann er stolz zu erzählen, doch dann stockte er. „Aber das gehört jetzt sicher nicht hierher.“ Jetzt war nun wirklich nicht der Zeitpunkt, voller Stolz von der Jägerin zu berichten, die er getötet hatte.

Sie fand jetzt endlich ihre Sprache wieder. „Du bist so alt?“

Spike grinste „Hab mich gut gehalten, was?“

Sie schmollte und vergaß mal schnell, was er war, um zu kontern: „Naja, deine Haare sind schon ziemlich weiß“

Er verdrehte die Augen „Sie sind gebleicht!“

„Ach, machen das nicht nur Frauen?“

„Hey, ich hab dich gerade vorm Tod durch extremen Blutverlust gerettet und du willst andeuten, ich wäre ne Schwuchtel? Also, wenn du nicht die Jägerin wärst, dann..“

„Was dann?“ Sie konnte nicht anders, sie musste einfach grinsen, denn sie konnte sich im Moment einfach nicht bedroht von ihm fühlen. Sie sollte es eigentlich, aber es war eben nicht so. Ihre Augen blitzten, als ob kleine Diamanten darin wären.

Seine Sinne konzentrierten sich auf ihren Duft, den regelmäßigen Schlag ihres Herzens. Sein Gameface trat hervor.

Buffys Lächeln erstarb und sie sah ihn ungläubig an.

Was würde er jetzt machen? Hatte er sie gerettet, um sie selbst zu töten? Hatte er vorhin ihre Gedanken manipuliert, damit sie die Gefahr, die von ihm ausging nicht spürte?

Ihre Finger machten sich selbstständig und strichen über die Wölbungen seines veränderten Gesichts. Sie fühlten sich genauso zart an, wie seine Lippen, als er sie geküsst hatte.

Seine gelben Augen leuchteten und Buffy versuchte etwas darin zu sehen.

Er packte sie und küsste sie. Buffy zuckte überrascht zusammen, als sie seine Lippen auf ihren spürte, doch das Kribbeln, das ihren Körper eroberte, war genau wie beim letzten Mal.

Aber dieser Kuss war anders. Leidenschaftlicher, fordernder.

Er drängte seine Zunge in ihren Mund.

Buffy ließ es zu, dass seine Zunge mit ihrer spielte und stöhnte in seinen Mund hinein, als einer seiner Reißzähne eine kleine Wunde in ihre Zunge riss.

Buffy wurde von neuen Gefühlen überwältigt. Gefühle, die ein junges Mädchen nicht haben sollte, aber sie waren da.

Lust, Verlangen und die unglaubliche Gier nach mehr.

Sie schmeckte das Blut auf ihrer Zunge und erschrak. Sie stieß ihn von sich. Er hatte wieder sein menschliches Gesicht und schaute sie fragend an.

Eben waren sie sich so nah gewesen und jetzt?

„Ich…“ stammelte sie „Ich muss nach Hause.“

Und bevor Spike irgendetwas sagen konnte, lief sie weg.