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Sunnydale, August 1958

 

Die Sonne war gerade untergegangen. Buffy saß mit ihren Freundinnen Willow und Anya im Pink Heaven und kaute gelangweilt an dem Strohhalm, der aus ihrem Milchshake herausragte, herum.

Anya schwärmte in höchsten Tönen von dem Ballkleid, dass sie heute zusammen mit ihrer Mum für den Abschlussball gekauft hatte. Willow hörte ihr neidisch zu, denn sie traf sich seit ein paar Wochen mit Oz, einem Musiker vom College, der von Bällen und anderem Kinderkram, wie er es nannte, nicht viel hielt.

Buffy hatte ebenfalls noch keine Verabredung für den Abschlussball, aber da Liam sie schon seit Monaten anschmachtete, machte sie sich darüber keine Sorgen. Er war zwar nicht ihre erste Wahl, aber wenn sich ihr Traumtyp bis dahin nicht in Sunnydale zeigen würde, konnte sie sich immer noch von ihm fragen lassen.

Die Typen in der High School waren alle schrecklich langweilig. Sie hatten nichts als Football und Grabschereien im Kopf. Buffy hatte keine Ahnung, wie ihr Traumtyp aussehen sollte, doch sie wusste eins sicher: ER sollte anders sein, als alles, was hier im Pink Heaven und in der Sunnydale High zu finden war.

Sie seufzte laut. So laut, dass ihre Freundinnen erschrocken ihr Getratsche unterbrachen und sie anstarrten.

„Stimmt was nicht, Buffy? Ist dein Milchshake nicht in Ordnung?“

„Was? Doch doch, alles OK! Ich war nur gerade etwas abwesend.“

Willow nickte verständnisvoll. Buffys Vater war vor einem Jahr an einem Herzinfarkt gestorben. Deshalb war ihre Mutter auch mit ihr nach Sunnydale gezogen, weil es hier viel ruhiger war als in Los Angeles. Sicher war sie deshalb so seltsam in den letzten Wochen.

Buffy wollte sich gerade wieder ihrem Milchshake zuwenden, als ein lautes Brummen auf der Straße zu hören war. Sie wollte zum Fenster laufen, aber da sah sie auch schon die Motorräder, die vor der Milchbar hielten. Wer auch immer das war, musste sich im Ort vertan haben. Biker gab es hier in Sunnydale nicht. Die einheimischen Jugendlichen fuhren gerade mal die Autos ihrer Väter, einige wenige hatten einen eigenen Wagen.

Die Tür ging auf und mehrere junge Männer mit schwarzen Lederjacken und schweren Motorradstiefeln betraten den Laden.

Mittlerweile herrschte Stille im Raum. Jeder starrte auf die mittlerweile mindestens zwanzig Typen, die sich provokativ an der Bar verteilten.

Buffys Blick klebte an einem von ihnen fest. Er schien der Anführer zu sein. Er trug als Einziger kein weißes Shirt unter seiner Jacke, sondern ein schwarzes. Seine Haare waren weißblond und streng zurückgekämmt.

Sie starrte auf seine stahlblauen Augen. Doch seine vollen Lippen, die gemeinsam mit seiner Zunge ein Streichholz bändigten, machten den Eindruck, den er bei ihr machte, perfekt.

Er nickte einem seiner Gangmitglieder zu. Dieser warf eine Münze in die Jukebox und ein Song von Jerry Lee Lewis ertönte.

Seine Leute zogen einige Mädchen auf die Tanzfläche und zwangen sie, zu tanzen. Zuerst versuchten sie sich zu wehren, doch nach ein paar Minuten  schien ihnen die rohe Art dieser Typen tatsächlich zu gefallen.

Buffy war nicht imstande, ihren Blick von IHM abzuwenden.

Willow und Anya saßen ängstlich neben ihr und starrten auf den Ausgang, der von zwei Rockern blockiert wurde.

Buffy? Mir ist das Ganze nicht geheuer!“ sagte Anya zu ihr. Willow’s Unterlippe zitterte verdächtig. Wenn auch nur einer dieser Kerle sie ansehen würde, brach sie wahrscheinlich in Tränen aus.

Obwohl Buffy den blonden Gott an der Theke noch stundenlang hätte anschmachten können, musste sie etwas unternehmen. Sie stand auf und deutete Anya und Willow, ihr zu folgen. Buffy steuerte direkt auf den Ausgang zu.

„Wohin des Weges, Ladies?“

Die Kerle, die die Tür blockierten, standen jetzt mit verschränkten Armen vor den drei Mädchen und funkelten sie böse an.

„War `ne nette Party!“ gab Buffy frech zurück „aber jetzt wird´s uns zu langweilig. Schönen Abend noch!“ Buffy versuchte, den Kerl zur Seite zu drücken, doch er packte sie grob am Arm.

„Die Nacht ist doch noch jung, Süße! Willst du so schnell zurück in Mamis Schoß?“

Doch Buffy griff nach dem anderen Arm des Rockers und drehte ihn um, so, dass er gezwungen war, sie loszulassen. Dann verpasste sie ihm einen Hieb in den Magen.

Doch der andere Kerl an der Tür packte sie von hinten und legte seinen Arm um ihre Kehle. „So nicht, Kleines! Hat dir Papi das beigebracht?“

Er wollte ihr die Kehle noch ein wenig fester zudrücken, als ein Schlag von der Seite ihn zu Boden fallen ließ.

„Hey, wenn sie gehen will, dann geht sie, Ist das klar, Jungs?“

„Klar Chef“ murmelte der Größere von beiden. Sein Kumpel lag immer noch bewusstlos auf dem Boden.

Er hielt den Mädchen die Tür auf.

Willow und Anya liefen schnell die Straße herunter und warteten in einem sicheren Abstand zum Pink Heaven auf Buffy.

Doch Buffy hatte erst einmal tief durchatmen müssen, um ihre Puddingbeine in den Griff zu bekommen.

„Soll ich dich nach Hause bringen?“ fragte sie ihr Retter.

Ähm, nein. Danke, aber ich schaff den Weg auch alleine.“ Sie fluchte innerlich. Jetzt würde sie ihn wohl nie wiedersehen. Sie war manchmal aber auch zu dämlich.

Ok, dann mach’s mal gut!“ sagte er laut. Doch als sie an ihm vorbeiging hörte sie ihn flüstern: „Man sieht sich im Leben immer zwei Mal, Pet!“

Sie drehte sich um, um etwas zu entgegnen, doch die Tür war schon zugefallen.

 

Der Anführer der Gang ging zurück an die Theke und holte seinen kleinen silbernen Flachmann aus der Tasche.

„Mann, warum hast du die Schnallen abzwitschern lassen, Spike?“

Sein Kumpel rieb sich immer noch das Kinn.

„Sie ist die verdammte Jägerin, klar?“

„Und woher weis...“

„Eine hab ich bekanntlich schon gekillt, also hab ich da wohl ein Gespür für.“ Er setzte den Flachmann an und trank. Er hatte die Jägerin schon gewittert, bevor sie das Lokal betraten.

 

Draußen liefen Anya und Willow auf Buffy zu, um sich zu vergewissern, dass sie in Ordnung war.

„Ja, ist schon OK, mir geht´s gut!“ beruhigte sie ihre Freundinnen.  Doch tief in ihrem Inneren wusste sie, dass einige Dinge gar nicht OK waren. Wie hatte sie sich gegen den großen Kerl wehren können? Und warum hatte ihr der Anführer der Gang geholfen? Seine Leute schienen jedenfalls nicht damit gerechnet zu haben.

Sie lief noch gemeinsam mit Anya und Willow die Straße entlang, bis sie sich trennen mussten, weil Buffy abbiegen musste. Sie verabschiedeten sich und die beiden verschwanden in der Dunkelheit.

Buffy war ca. einhundert Meter von ihrem Haus entfernt, als sie ein Knacken im Gebüsch hörte. Buffy lief schneller, doch mit einem Satz stand ein Mann vor ihr.

„Was wollen sie von mir? Gehen sie weg oder ich schreie!“ rief Buffy erschrocken.

„Hey, bleib ruhig, ich tu dir nichts.“ Er hob seine Hände, um ihr seine Friedfertigkeit zu beweisen und schaute sie von oben bis unten an. Das Mädchen, das da im Blauweiß gepunkteten Kleid mit einem extrem großen Petticoat darunter vor ihm stand und Kaugummi kaute, sah ihm so gar nicht nach der Jägerin aus. Ihre Lippen glänzten rosa und ein lustig wippender Pferdeschwanz perfektionierte das Outfit.

Alles in allem hatte er den Eindruck ein kleines Mädchen vor sich zu haben, an dem er noch verdammt hart arbeiten musste, um eine gute Jägerin aus ihr zu machen.

„Sicher, darum springen sie auch nach Sonnenuntergang aus dem Gebüsch und erschrecken, kleine, unschuldige Mädchen.“ Sie stand lässig vor ihm und machte Blasen mit ihrem Kaugummi.

Der Mann verzog angewidert das Gesicht und beschloss, das eben Gesehene zu vergessen, so schnell es ging. Diese jungen Amerikanerinnen waren einfach schrecklich unerzogen.

Ähm … also… du willst sicher wissen, wer ich bin und warum ich dich angesprochen habe.“ Jetzt wischte der Typ sich auch noch den Schweiß von der Stirn und putzte dann auch noch mit seiner Jacke an seiner Brille herum. Er war bestimmt Ausländer. „ Engländer oder so“ sagte Buffy laut.

Buffy spürte das Blut, das in ihre Wangen schoss und sie mit Sicherheit dunkelrot anlaufen ließ. „Oh, hab ich das laut gesagt? Tut mir leid, ich wollte nicht…“

Er konnte das Lächeln, das sich auf seine Lippen schlich, nicht aufhalten. „Nein, Buffy ist schon OK, aber du hast Recht. Ich wurde vom Rat der Wächter in England geschickt, um mich um dich zu kümmern.

Buffy runzelte die Stirn. Ihre Mum sagte zwar immer, davon bekäme man Falten, aber die Sache hier wurde immer seltsamer. „Super! Ein Wächter, also. Sie sollen mich also bewachen, hab ich das richtig verstanden?“

In dem Moment hörte sie einen schrillen Schrei. Der Engländer reagierte sofort und zog einen Holzpflock aus seiner Tasche bevor er in die Richtung loslief, aus der Buffy den Schrei gehört hatte.

Buffy sah ein Mädchen aus der Stufe unter ihr, das von einem der Typen in Lederjacke angegriffen wurde. Als sie näher kam, sah sie auch, dass der Typ entweder einen schlimmen Unfall gehabt haben musste, oder alles andere als menschlich war. Seine langen Eckzähne blitzen im Mondlicht auf und seine Augenpartie war seltsam verzerrt. Er sah auf und ließ von dem Mädchen ab, um sie anzusehen. Erst jetzt konnte Buffy ihn genau sehen.

Sie wollte schreien, doch der Schrei blieb ihr im Halse stecken, als er etwas zu ihr sagte.

„Sieh mal einer an, die Jägerin höchstpersönlich. Dann ist mein Mitter…“

Der Wächter hatte den unaufmerksamen Moment des Monsters genutzt, um sich von hinten anzuschleichen und ihm den Holzpflock ins Herz zu treiben.

Buffys Mund blieb offen stehen, als sie sah, wie das Wesen von einem Moment zum nächsten zu Staub zerfallen war. Nichts war mehr von ihm übrig.

Das Mädchen war inzwischen weggelaufen und Buffy war eigentlich auch sehr nach rennen. Doch vielleicht konnte ein Gespräch mit dem Wächter, oder wie er sich nannte ja doch von Nutzen sein, denn schließlich schienen außer ihr immer mehr Leute beziehungsweise Monster, zu wissen, wer oder was sie angeblich sein sollte.

Er schlug ihr vor, sie nach Hause zu begleiten und ihr auf dem Weg dorthin alles in Ruhe zu erklären.

„Also...“ begann er „ Punkt eins, ich bin Rupert Giles, dein persönlicher Wächter. Das bedeutet, ich bin nur für dich zuständig. Ich bringe dir alles bei, was du wissen musst, um deine Aufgabe zu erfüllen. DU bist die Jägerin. Das eben war ein Vampir. Du bist auserwählt, gegen Vampire und andere Wesen aus dem Höllenschlund zu kämpfen und wenn du erst einmal ein wenig Übung hast, wirst du sie mit Leichtigkeit vernichten…“

Irgendwann zwischen Übung und Vernichten verlor Buffy den Faden. Sie sollte also die EINE sein, von der in Sunnydale schon des Öfteren gemunkelt wurde, dass es sie gab?

Unerklärliche Dinge gab es in Sunnydale ziemlich oft. Das hatte Xander, Anyas Freund, ihr schon erzählt. Aber wie sollte ein junges Mädchen wie sie gegen diese Monster ankommen?

„Hab ich Superkräfte? So, wie Supermann?“ rief sie aufgeregt. „Da war dieser Kerl. Im Pink Heaven. Ich hab ihn fast umgehauen. Bin ich Supergirl?“

Giles schmunzelte. „Dazu wollte ich eigentlich gleich noch kommen, aber: Ja, du bist stärker als jeder normale Mensch. Aber das heißt nicht, dass du nicht auf dich aufpassen musst, denn du bist nicht unsterblich.“

„Schade!“ antwortete Buffy und zuckte mit den Schultern. „Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Und wie geht´s jetzt weiter. Ich bin nämlich hier Zuhause. Und meine Mum wäre sicher überrascht, wenn ich hier einen verstaubten...ähm, ich meine einen netten Engländer anschleppe und ihn dann auch noch mit ins Haus nehme.“

„Nein, Buffy. Außer dir und mir sollte möglichst niemand von deiner Berufung erfahren. Ich arbeite in dem Bücherladen gegenüber der Schule. Da können wir uns nach deiner Schulzeit treffen.“ Er drehte sich ohne ein Abschiedswort um und ging weg.

 

In dieser Nacht schlief Buffy schlecht. Zu viele Bilder schwirrten Buffy im Kopf herum.

Der Vampir.. Mr.Giles…und nicht zu vergessen, der platinblonde Rocker, der mit seinen Leuten das Pink Heaven belagert hatte.

„Man sieht sich im Leben immer zweimal“ hatte er zu ihr gesagt.

Buffy war sich sicher, dass er mit dieser Behauptung völlig richtig gelegen hatte. Und wenn sie ganz ehrlich war, konnte sie es kaum erwarten, ihren ganz persönlichen Helden wiederzusehen.

 

 

Wenige Tage später

 

„Nein, Willow. Ich kann jetzt noch nicht ins Pink Heaven kommen. Ich muss noch den Aufsatz für Geschichte zu Ende schreiben und meiner Mum beim Abwasch helfen. Wenn es noch nicht zu spät ist, komme ich nach, OK?“

Buffy gefiel es nicht, dass sie ihre Freundin belügen musste, doch wenn sie ihr Geheimnis für sich behalten wollte, blieb ihr wohl nichts anderes übrig. „OK, wenn ich vor acht Uhr fertig bin, hole ich dich ab. Ja, versprochen. Bis dann, Willow und grüß Anya von mir, falls wir uns heute Abend nicht mehr sehen.“

Buffy legte den Hörer auf und ging zu ihrer Mutter in die Küche. „Mum? Ich gehe jetzt zu Willow. Wir wollen noch zusammen lernen und dann ins Pink Heaven. Ist das OK?“

Ihre Mutter sah sie kritisch an. „Deine Hausarbeiten hast du erledigt?“

„Alles fertig, Mum.“

Buffy setzte ihr bestes IchbineinebraveTochterLächeln auf und hoffte, dass ihre Mutter nicht misstrauisch werden würde.

„Gut, dann kannst du gehen. Um elf bist du zuhause. Verstanden.“

Sie gab ihrer Mum einen Kuss auf die Wange. „Klar, Mum.“

Dann schnappte sie noch schnell ihre Tasche und lief aus dem Haus.

Es dämmerte bereits. Buffy hoffte, dass sie noch vor Sonnenuntergang im Bücherladen ankommen würde, denn seit  Mr Giles ihr von den vielen Vampiren und Dämonen berichtet hatte, die hier am Höllenschlund in Sunnydale hausten, lief sie nicht mehr so unbeschwert durch die Dunkelheit.

Ein paar Meter vom Pink Heaven entfernt, war ein alter, englischer Pub. Viele Engländer gingen dort hin, um ein Ale zu trinken, oder einfach nur mit ihren britischen Freunden zu reden oder zu feiern.

Eigentlich wäre Buffy wie immer schnell vorbeigegangen. Doch heute stand eins von den Motorrädern vor dem Pub.

Buffys Herz begann zu klopfen. Vorsichtig schaute sie durch das gelblich schimmernde Fenster. Sie wollte es sich selbst nicht eingestehen, doch sie hoffte insgeheim, dass ER dort war. Sie wusste ja selbst nicht genau, warum, aber sie konnte ihn nicht vergessen.

Doch an der Theke saßen nur ein paar alte Männer. Ansonsten war der Pub so leer wie immer, um diese Zeit. Sie seufzte leise und ging langsam weiter.

Wie konnte sie nur so dumm sein und ihn direkt um die Ecke vermuten. Sicher war er schon längst weiter gezogen und das Motorrad gehörte einem durchreisenden Touristen.

„Hey, Kleines!“

Buffy zuckte zusammen.  Sie drehte sich um und da stand er.

Lässig an sein Motorrad gelehnt. Den Kragen seiner Lederjacke hochgeschlagen und ein Streichholz im Mund.

Er lächelte süffisant und nahm das Streichholz aus dem Mund, um es dann lässig mit dem Finger wegzuschnipsen.

„Lust auf `ne kleine Runde?“ Er deutete auf das Motorrad.

Buffy wäre am liebsten sofort aufgestiegen. Doch da dachte sie an Mr. Giles, der im Bücherladen auf sie wartete, um weiter mit ihr zu trainieren. Danach wollte sie ins Pink Heaven, um ihre Freundinnen wieder zu treffen, die sie schon seit mehreren Tagen nur noch in der Schule sah. Und heute Nacht sollte sie die erste Patroullie über den Friedhof gehen.

Alles sprach dagegen.

„Klar!“ sagte sie und näherte sich ihm ein Stück.

Sie wollte diese Chance nicht verpassen. Es war schließlich ihr Leben.

Zögernd blieb sie vor dem Motorrad stehen. EIN echtes Problem war da aber noch. Wie zum Teufel sollte sie mit ihrem dreischichtigen Petticoat auf das Motorrad kommen?

Doch im selben Moment hoben sie zwei starke Arme auf den Rücksitz der Triumph. Das stand jedenfalls in silbernen Buchstaben an der Seite des Tanks.

Sie ordnete so gut es ging, ihre Röcke und ohne, dass sie es bemerkt hatte, saß er vor ihr.

„Ich bin übrigens Spike!“ sagte er und ließ die Maschine an. Buffy schlang schnell ihre Arme fest um seinen Körper, um einen peinlichen Fall von der Höllenmaschine unter ihr zu verhindern.

Nach ein paar Metern Fahrt war sie sich nicht mehr sicher, woher das Kribbeln, das sie seit der Abfahrt in ihrem Unterleib spürte, kam.

Entweder von den Vibrationen des PS-starken Motors unter ihr oder es war der betörende Duft des aufregenden Mannes, an dessen muskulösen Körper sie sich mit wachsendem Tempo der Maschine immer enger presste.

 

Buffy wusste nicht genau, wie lange sie schon unterwegs waren. Sie genoss die kühle Nachtluft und ließ sich von ihrem Retter in eine andere Welt entführen.

Nachdem sie ein paar Meilen den Highway entlang gefahren waren, bog Spike in einen kleinen Feldweg ein. Sie sah eine alte Scheune, die mit Laternen dekoriert war.

Spike fuhr darauf zu und hielt vor dem Eingang.

Buffy war enttäuscht, als er den Motor abstellte und ihr half, abzusteigen.

Ihre Beine waren wie Pudding, nach der langen Fahrt und ihre Haare. Erschrocken zog sie den kleinen, silbernen Kosmetikspiegel aus ihrer Handtasche und versuchte ihre Sturmfrisur zu ordnen. Doch ihr Begleiter nahm ihr den Spiegel aus der Hand und klappte ihn zu.

Buffy sah ihn fragend an, als er ihr den Spiegel zurückgab.

„Den brauchst du nicht.“ sagte er kurz und knapp.

„Hä?“ Sie ärgerte sich. Das war wohl die Nummer eins der dümmsten Antworten, die sie je gegeben hatte.

Er lächelte sie an und Buffy war sich hundertprozentig sicher, einen Anflug von Verlegenheit in seinem Blick gesehen zu haben.

„Du siehst toll aus.“ sagte er leise und nahm ihre Hand, um mit ihr in den Schuppen zu gehen.

Der Schuppen war wohl so eine Art Club für die Rocker aus der Umgebung. Buffy kannte einige aus der Oberstufe ihrer Schule. Doch sie hatte sie nie in diesen Klamotten gesehen.

Spikes Leute konnte sie nur zum Teil entdecken. Vielleicht machten sie wieder das Pink Heaven unsicher. Buffy hoffte, dass Willow und Anya Zuhause in Sicherheit waren.

Im Hinterteil des Schuppens war ein Hühnerkäfig, in dem eine Band spielte. Buffy überlegte einen Moment, doch dann erkannte sie den Song. Red hot von…genau, Bob Luman hieß der Typ.

Buffy kannte den Song von einer Party, auf der sie gewesen war, als sie noch in LA gewohnt hatte. Doch sie war damals früh gegangen, weil es ihr dort ein wenig zu hoch her gegangen war.

Sie lief mit Spike weiter durch den verrauchten Raum und warf immer wieder einen Blick zu der Band. Warum sie wohl in diesem Käfig spielten? Da flog ca. zwei Zentimeter neben ihr eine leere Bierflasche genau gegen den Maschendrahtzaun des Hühnerkäfigs.

Sie zuckte zusammen und sah einen Mann in Engeneering Boots dreckig lachen, als sie sich umsah, um den „Schützen“ ausfindig zu machen.

An der Theke bestellte Spike zwei Bier und drückte Buffy eine Flasche Budweiser in die Hand.

Gefällt`s dir hier?“ fragte Spike, obwohl er die Antwort eigentlich schon kannte. Er war nur gespannt, wie sie sich rausreden würde.

Buffy nahm einen Schluck von dem Bier und versuchte die bittere Flüssigkeit herunterzuschlucken, ohne ihr Gesicht zu verziehen.

Zu ihrem Geburtstag und Sylvester durfte Buffy immer ein Glas Sekt mit den anderen Erwachsenen trinken. Wenn Buffy einen Schluck Bier von ihrem Dad probieren wollte, hatte sie ihr immer eine Standpauke gehalten. Sie sollte die Finger von diesem „billigen Männergesöff“ lassen, wie sie es immer nannte. Und jetzt war Buffy auch klar warum.

Spike sah sie immer noch fragend an. Er hatte seinen Kopf schief gelegt und ein feines Grinsen spielte in seinen Mundwinkeln.

Ähm…“ Na gut, er wollte es wohl nicht anders. „Klar gefällt es mir hier. Es ist laut, verraucht, deine Kumpels sehen mich an wie ein Steak, dass ihnen frisch serviert wurde und ich bin hier wohl die einzige Frau, die erstens unter fünfundzwanzig ist und zweitens  keine durchsichtige Bluse trägt. Also, warum sollte ich mich hier nicht wohlfühlen?“ Sie setzte ein strahlendes Lächeln auf und wartete auf seine Reaktion.

Spike schmunzelte. Es war ihm spätestens jetzt egal, ob sie wusste, wer SIE war, oder ob ihr klar war, was ER war. Sie war anders als alle anderen Mädchen, die er je getroffen hatte. Und bevor er sich Gedanken darüber machen konnte, wie er sie am besten aus dem Weg räumen würde, wollte er ihre Anwesenheit noch eine Weile genießen.

Er deutete auf die Tanzfläche. „Tanzt du?“ fragte er und bevor Buffy etwas erwidern konnte, zog er sie mit sich auf die Tanzfläche. Er hatte immer noch genauso kalte Hände wie vorhin und Buffy fragte sich, ob er vielleicht Durchblutungsprobleme hatte.

Die Band begann zu Buffys Freude einen langsamen Song zu spielen. Sie hatte die anderen Tänzer vorhin beobachtet und ihre Art Rock´n Roll zu tanzen, erschien ihr eher lebensgefährlich als spaßig.

Doch als Spike sie mit seinen durchdringenden Augen ansah und seine Hände um ihre Taille legte, vergaß Buffy alles um sich herum. Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und ließ sich mit ihm in eine andere Welt entführen.

„Only you…can make the Darkness brite..“ ertönte es vom Leadsänger der Band und Spike lächelte ein wenig. Wer wusste schon, was heute Nacht noch passieren würde. Heute Nacht war alles möglich.

Er zog Buffy ein wenig näher an sich heran und hörte ihr Herz schnell klopfen. Was würde es doch ein Vergnügen sein, jetzt seine Zähne in ihren Hals zu rammen….doch dann hätte er von diesem Abend nicht mehr viel. Seine Begleitung gefiel ihm lebendig viel besser als tot.

Voller Vertrauen lehnte sie ihren Kopf an seine Schulter. Irgendetwas in der Art, wie er sie hielt gab ihr das Gefühl, genau hier her zu gehören. Sie wusste nicht warum. Eigentlich sollte ihr Instinkt ihr sagen, dass sie aus diesem miesen Rockerschuppen verschwinden sollte, wenn ihr Leben ihr etwas wert war, doch nichts in der Welt würde sie dazu bringen, diesen Moment zu zerstören.

Aber leider holte die Realität die beiden schneller wieder ein, als ihnen lieb war. Im Hinteren Teil des Schuppens brach eine wilde Schlägerei los. Jetzt flogen nicht nur Bierflaschen, sondern auch schwere Bierkrüge und die alten Messingteller, die eigentlich zur Dekoration an der Wand hingen, durch die Luft.

Spike versuchte kurz, die Situation zu überblicken und wandte sich dann an Buffy. „Zeit, nach Hause zu fahren, kleine Lady.“

Buffy nickte erleichtert und lief mit ihm nach draußen.

„Ich heiße übrigens Buffy“ rief sie ihm unterwegs noch zu.

Spike war froh, dass er sie grade nicht ansehen musste, denn sein breites Grinsen hätte die Tatsache, dass er ihren Namen mehr als albern fand, sofort verraten. Gab es diesen Namen überhaupt?

Draußen atmete Buffy erleichtert die saubere Nachtluft ein. Es war sicher schon ziemlich spät und sie hoffte, dass ihre Mum wie immer früh schlafen gegangen war, denn darum bemerkte sie meistens gar nicht, dass Buffy oft die halbe Nacht unterwegs war. Sie gingen zu seinem Motorrad und Spike half ihr aufzusteigen.

Buffy war wieder beeindruckt von seiner Stärke. Er hatte sie mit solch einer Leichtigkeit hochgehoben. Als wäre sie nicht schwerer als eine Feder. Sport machte er sicher nicht, aber vielleicht war er einer dieser Boxer, die man auf der Kirmes immer ansehen konnte.

Doch seine blasse Haut machte nicht den Eindruck als würde er viel an der frischen Luft sein. Es war zwar nicht gerade gut für ein junges Mädchen, sich mit einem Mann dieser Sorte abzugeben, aber er hatte etwas Mystisches an sich, dass sie auf eine unerklärliche Art anzog.

Spike wollte gerade das Motorrad anlassen, als sie ein Mädchen schreien hörte. Schnell sprang sie ab und holte den Pflock aus ihrer Handtasche.

„Bin gleich wieder da!“ rief sie Spike noch schnell zu und lief los. Jetzt würde sich zeigen, ob die Trainingsstunden mit Mr Giles ihr schon genutzt hatten.

Wie erwartet fand sie hinter dem Schuppen einen von diesen Rockern, der seine Zähne in den Hals einer der Frauen aus dem Schuppen schlug.

„Angst ignorieren, durchatmen und Pflicht erfüllen.“ sagte sie zu sich selbst, so wie Mr Giles es ihr schon hundertmal in den letzten Tagen eingetrichtert hatte.