"Gud dai" - Friesisch für Anfänger
Der Online-Kurs von Andrea Hölscher
   

Lektion 11: Hüsem, Bräist an Naibel
-> und zum Abschied ein Rezept.

Gud dai, leew Surfer!

Bisher konnten Sie schon viel über Amring lernen. Wie kommen Sie aber jetzt nach Amrum, um Ihre Sprachkenntnisse vor Ort auszuprobieren?

Fahren wir mal in Gedanken von Hamborag (Hamburg) aus los. Diese Stadt findet sich auf jeder Landkarte. Mit dem Auto könnte man drei Routen bequem nehmen. Die eine führt über die Autobahn A 7 nach Flensborag (Flensburg) und dann zum Fährhafen Doogebal (Dagebüll) an der Westküste.

Die andere Strecke führt nur ein Stück über die A 7 bis nach Schleswig/Schuby, dann über die lunstruat (Landstraße) gemächlich an die Küste, vorbei an viele Bauernhäusern mit Storchen-Nestern und hinter Traktoren her, an Hüsem, Bräist an Naibel (Husum, Bredstedt und Niebüll) vorbei. Für dieses Stück sollte man immer etwas mehr Zeit einplanen. Das lun (Land) wird immer bäuerlicher, flacher und offener.

Hinter Niebüll legt man dann einen Endspurt ein: Von hier sind es nur noch 14 Kilometer durch die Kööge (Koog, Kööge = eingedeichtes Marschland) bis zur Fähre in Dagebüll. Jedesmal kommt man dann in den Genuß des erhebenden Momentes, wenn man den ersten Blick auf das Meer hinter den Deichen erhascht.

Will man die ganze Zeit Küstenluft schnuppern, empfiehlt sich die dritte Route, ab Hamburg auf der A 23, entlang der Küste.

Oder - noch bequemer - mä a iisenboon (mit der Eisenbahn). Auch das ist ein Abenteuer für sich, denn in Niebüll werden die Kurswagen vom Zug nach Sylt abgehängt, auf ein Nebengleich geschoben und dann an die Kleinbahn angehängt, die nach rund 20 Minuten Fahrt die Hafen-Mole in Dagebüll erreicht. Jetzt sind es nur noch ein paar Schritte bis zur Fähre und zwei Stunden mä a damper (mit dem Dampfer) nach Amrum. Üüb Feer (Auf Föhr) wird kurz angelegt. Auf der Fahrt sieht man am Horizont wie Perlen an einer Schnur die Halligen. Und dann heißt es schon wellkimmen üüb Oomram - Willkommen auf Amrum!


... und zum Abschied ein Rezept.

Zum Schluß dieses Kurses und für die kalten Tage noch ein leckeres, wärmendes Getränk - der legendäre "Pharisäer":

Man nehme 1 Tasse Kaffee und verrühre nach Geschmack Zucker darin. Danach nicht mehr umrühren, das ist sehr wichtig!
Nun geben Sie 2 bis 5 Teelöffel Rum dazu (pro Tasse) und decken es mit einer reichlichen Schicht geschlagener Sahne ab.
Genießen Sie den heißen Kaffee durch die Sahne hindurch.

Seinen Namen erhielt der "Pharisäer" übrigens 1872 auf der Insel Nordstrand. Ein gewitzter Bauer versuchte während der Tauffeier für seine Tochter der Festgesellschaft ihren gewohnten "Schluck" zu servieren - ohne daß der gestrenge Pastor es merken sollte. Die Sahne bildete dabei die Geruchsbarriere (der Pastor wurde mit reinem Kaffee aus einer anderen Kanne bedient). Als der Pastor zu später Stunde denn doch merkte, was gespielt wurde, soll er in den Saal gerufen haben: "Oh, Ihr Pharisäer!" So erzählt man es sich jedenfalls bis heute.

Adjis an sünjhaid!
Tschüß und Prost!


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