Schau auf dein Verlangen
Wenn sich ein Begehren meldet, betrachte es.
Kehr dich dann plötzlich ab.
Du verspürst einen Wunsch - einen Wunsch nach Sex, einen Wunsch nach Liebe, einen Wunsch nach Essen, egal was. Du hast einen Wunsch: Betrachte ihn. Wenn das Sutra sagt "Betrachte", heißt das: "Denk nicht darüber nach, sei weder dafür noch dagegen". Schau dir nur das Verlangen an - was es ist.
Ein sexuelles Verlangen kommt dir in den Sinn. Du sagst: "Das ist schlecht." Das ist kein Betrachten. Man hat dich gelehrt, dass dies schlecht sei, also betrachtest du dieses Verlangen gar nicht erst. Du konsultierst die Heilige Schrift, du konsultierst die Vergangenheit - die Lehrer, die Rishis, die Weisen der Vergangenheit. Dem Verlangen selbst schenkst du keinerlei Beachtung, du beachtest etwas anderes. Und wegen dieses "anderen" - deiner Konditionierung, deiner Erziehung, deiner Ausbildung, deiner Kultur, deiner Zivilisation, deiner Religion - ziehst du viele Dinge in Betracht, nur nicht das Verlangen.
Dies einfache Verlangen ist aufgetaucht. Schalte nicht den Verstand, die Vergangenheit, die Erziehung, die Konditionierung dazwischen; schalte keine Werte dazwischen. Schau dir einfach nur dieses Verlangen an - was es ist.
Wenn ein Verlangen kommt, betrachte es. Schau dir nur die Tatsache an - das, was es ist. Unglücklicherweise gehört das zu den Dingen, die am schwersten fallen. Verglichen hiermit ist es nicht so schwer, zum Mond zu gelangen oder nicht so schwer, den Mount Everest zu besteigen.
Erstens: Bleib bei der Tatsache - wach, aufmerksam für das, was geschieht. Wenn du ein sexuelles Verlangen verspürst, was geht in dir vor? Sieh, wie du fiebrig wirst, wie dein Körper zu zittern beginnt, wie dich ein plötzlicher Wahn überkommt, wie du das Gefühl hast, von etwas Fremdem besessen zu sein. Fühle es, betrachte es, komm zu keinerlei Urteil - lass dich einfach auf diese Tatsache ein - die Tatsache des sexuellen Verlangens.
Und dann der zweite Teil: Das ist wirklich schön. Shiva sagt: "Dann plötzlich kehre dich ab." "Plötzlich" - nicht vergessen! Sag nicht: "Das ist schlecht, also werde ich das lassen. Ich werde mich nicht auf diese Vorstellung, dieses Verlangen einlassen. Das ist schlecht, das ist Sünde, also werde ich es abwürgen, werde ich es unterdrücken." Dann ist Verdrängung das Resultat, aber kein meditativer Geisteszustand. Und Verdrängung heißt in Wirklichkeit, mit eigenen Händen ein irregeleitetes Wesen und Denken in dir zu kreieren.
"Kehr dich ab" - Was wird geschehen? Ein Verlangen ist da. Du hast es nicht unterdrückt und es ist auf dem Wege nach draußen, es steigt auf, es hat dein ganzes Wesen in Aufruhr versetzt. Wirklich, wenn du ein Verlangen ohne Deutung betrachtest, wird dein ganzes Sein zum Verlangen.
Was wird geschehen? Sobald du einfach sagen kannst: "Ich lass es", kommt es zur Trennung. Dein Körper, dein entflammter Körper, dein von sexuellem Verlangen erfüllter Körper und du - ihr werdet zweierlei. Plötzlich, im Handumdrehn, liegen Welten dazwischen. Der Körper wand sich eben noch vor Leidenschaft und Sex und das Zentrum ist still, schaut zu. Kein Kampf ist da - nur eine Trennung; denke daran. Im Kampf bist du nicht getrennt. Wenn du kämpfst, bist du eins mit dem Objekt. Wenn du dich gerade abgekehrt hast, bist du getrennt. Jetzt kannst du es dir anschauen, als wäre da jemand anderes, nicht du.
Osho
Osho-Talks - Themenübersicht
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