Osho: Der Weg zur Erleuchtung



Ich werde harte Worte ertragen,
so wie der Elefant die Speere des Schlachtfeldes erträgt;
denn viele Leute wissen ihre Zunge nicht im Zaum zu halten.
Der gezähmte Elefant wirft sich in die Schlacht:
Der König reitet ihn.
Der gezähmte Mensch ist überall Herr.
Er kann harte Worte gelassen ertragen.
Besser als jedes Maultier oder die edlen Rosse von Sindh
oder die gewaltigen Kriegselefanten ist der Mensch,
der jetzt Herr seiner selbst ist.
Zum nie betretenen Reich gelangt er nicht
auf dem Rücken all jener, sondern nur auf sich selbst gestellt.
Der mächtige Elefant Dhanapalaka wütet,
wenn er brünstig ist
und in Fesseln wird er nicht fressen:
Er sehnt sich nach dem Elefantenhain.
Der Narr faulenzt
Er isst und wälzt sich im Schlaf
wie ein Schwein im Koben.
Und er muss immer von neuem ins Leben zurück.
Mein eigener Geist schweifte immer nur aus,
wohin ihn Vergnügen oder Verlangen oder Wollust lockten.
Nun aber habe ich ihn gezähmt:
Ich lenke ihn so, wie der Hüter den wilden Elefant lenkt.
Wach auf.
Werde zum Zeugen deiner Gedanken.
Der Elefant hievt sich heraus aus dem Schlamm.
Raff auch du dich auf aus deinem Schlendrian.
Buddha

Das Grundproblem ist kein metaphysisches, hat überhaupt nichts zu tun mit der endgültigen Wirklichkeit, sondern hat etwas mit dir zu tun – mit deinem Geist, deiner Art zu denken, deinem Schlaf und deinem Schlafwandler-Zustand.
Der Mensch fristet gemeinhin nur ein mechanisches Leben. Er ist nicht bewusst, auch wenn er sich für bewusst hält. Vielmehr hält ihn dieser Glaube davon ab, bewusst zu werden. Der Mensch schläft fest, nicht nur nachts, sondern auch am Tage. Er träumt unentwegt. Ihr könnt es an euch selber beobachten. Schließt einfach irgendwann einmal die Augen; entspannt euch ein wenig und ihr werdet überrascht sein: Da laufen ja Träume! Sie liefen auch eben schon, wie eine Unterströmung. Du warst mit der äußeren Realität beschäftigt, daher hast du nicht auf sie geachtet, aber sie waren die ganze Zeit über da … Du hattest ihnen nur den Rücken zugekehrt. Schaut einfach nur einmal in euch nach und ihr werdet sehen: zu tausenden wuseln Träume in euch – mögliche, unmögliche, sinnvolle, absurde.

Wenn ihr diesen Zustand erkennt, werdet ihr verstehen, warum die Menschheit keine Notiz von den Erwachten genommen hat. Ein Erwachter hat keine Traumschicht mehr in sich. Er ist voll bei Sinnen, bewusst. Er spricht die Sprache der Bewusstheit, ihr dagegen schlaft. Zwischen euch und dem Erwachten kann es zu keinerlei Kommunikation kommen. Er brüllt und gibt sich jede erdenkliche Mühe, euch zu erreichen, in euch zu dringen, euren Schlaf und eure Unbewusstheit zu durchdringen, aber die ist dick, dicht und sehr tief. Nur selten hört ihr ihn, ganz selten, und selbst dann, wenn ihr ihn hören könnt, missversteht ihr ihn. Selbst wenn ihr ihn hören könnt, höt ihr nicht hin. Ihr seid wie ein Betrunkener, der zwar zuzuhören scheint, aber trotzdem alles nur mit den Ohren des Suffs versteht. Die gesamte Menschheit müsste der AA-Organisation angehören – „Anonyme Alkoholiker“. Ihr mögt keine Alkoholiker sein, ihr mögt keine Rauschmittel nehmen, ihr mögt weder Drogen nehmen oder an der Spritze hängen, aber die Gesellschaft spritzt euch immerzu lauter Gifte ins Blut, in euer tiefstes Wesen.

Jedes Kind zum Beispiel wird durch die Gesellschaft vergiftet, indem sie ihm Ehrgeiz einimpft. Ehrgeiz ist ein Gift – weit gefährlicher als jeder Alkohol jemals sein könnte, weit gefährlicher als Marijuana oder LSD, weil der Ehrgeiz euer ganzes Leben ruiniert. Er hält euch immerzu auf Trab – in die falsche Richtung. Er gaukelt euch alles Mögliche vor, macht euch scharf darauf, lässt euch träumen und euer ganzes Leben darauf verschwenden. Ehrgeiz ist eine subtile Erziehung zum Egoismus und sobald das Ego auf den Plan tritt, hat euch das Dunkel in seinen Klauen. Dabei ruht die gesamte Gesellschaftsstruktur auf dem Ehrgeiz: Sei der Erste! Wo immer du bist, was immer du tust – steh ganz vorn! So als hätte es etwas Göttliches, der Erste zu sein. Wie du es schaffst, der Erste zu werden, spielt überhaupt keine Rolle. Ob mit sauberen oder unsauberen Mitteln – Hauptsache Erfolg! So als wäre schon der bloße Erfolg gleichbedeutend mit Leben geworden – ein Synonym für Leben.
Leben hat nichts mit Erfolg zu tun. Erfolg hält dich nur auf Trab in Richtung Zukunft und das wird dann zu deinem Doping: Immer nur hoffend, auf das Morgen hoffend, und darüber das vergeudend, was du hast … oder nicht einmal hast und auch nie haben wirst.

Rabinowitz betritt die Theateragentur Gold mit einem Hündchen unterm Arm. „Ich hab hier was für Sie – eine Sensation! Das wird sie zum Millionär machen: Dieser kleine Hund spielt Pianola und singt "Oh mein Papa …‘ "Ich glaub kein Wort", antwortet Gold. Rabinowitz macht einen Koffer auf, holt ein winziges Piano raus, setzt das Hündchen davor und schon fängt der Hund an zu spielen und zu singen. Der Theateragent springt auf und kreischt: „Oh mein Gott!!! Damit machen wir auf der ganzen Welt die dicke Absahne!“ Im selben Moment geht die Tür auf und ein Riesenhund kommt rein, packtt den Kleinen am Kragen und verschwindet mit ihm. „Was zum Teufel war das jetzt?", fragt Gold. "Das ist die Mutter des Kleinen", antwortet Rabinowitz. "Sie will, dass er Arzt wird!"

Und so ergeht’s jedem Kind. Deine Mutter will, dass du Arzt wirst, dein Vater will, dass du Ingenieur wirst, dein Onkel möchte einen Wissenschaftler aus dir machen und so weiter und so fort. Und niemand fragt auch nur, wozu du vielleicht von Natur aus bestimmt sein könntest. Alle braten dir nur ihre eigenen Vorstellungen über. Ihre eigenen Ambitionen haben sich nicht erfüllt, jetzt projizieren sie sie auf dich, wollen sie, dass du ihnen ihre Ambitionen und ihre Egos erfüllst. Und so werden sie weiterhin unerfüllt bleiben und so wirst du denselben Schaden wieder mit deinen eigenen Kindern anrichten. Von einer Generation zur nächsten wird so das Gift immer weiter gereicht. Seit Jahrhunderten lebt der Mensch nun schon in diesem Irrwitz. Inzwischen hat man das so auf die Spitze getrieben, dass die ganze Erde praktisch ein einziges Irrenhaus ist.

Wenn man Buddha schon vor fünfundzwanzig Jahrhunderten nicht verstanden hat, wird es erst recht schwer sein, ihn heutzutage zu verstehen; denn die unerfüllten Ambitionen von zweitausendfünfhundert Jahren stehen riesengroß da und verstellen euch den Weg. Ihr erstickt in ihnen. Alle Menschen, die seither gelebt haben und gestorben sind, haben euch ihre Ambitionen vermacht, als ihr Erbe. Eure Augen sind blind, eure Ohren sind taub, eure Herzen sind nur noch Blutpumpen, sie fühlen nichts mehr. (…)
Ihr seid nicht bei Sinnen. Folglich sind alle Buddhas unverstanden geblieben und ist es immer schwerer geworden, sie noch zu verstehen. Vergesst das nicht, wenn ihr über diese wunderschönen Worte meditiert … einfache Worte, denn alle Buddhas haben sich einfacher Worte bedient – nur: mit welcher Bedeutung!
Der Buddha sagt: "Ich werde harte Worte ertragen,
so wie der Elefant die Speere des Schlachtfeldes erträgt;
denn viele Leute wissen ihre Zunge nicht im Zaum zu halten.
Ich werde harte Worte ertragen."

Buddha erwartet nichts anderes zum Lohn als dies. Er wird euch mit Liebe und Mitgefühl überschütten und euch fällt nichts Besseres ein, als ihn zu beleidigen, ihn mit harten Worten oder gar Steinen zu drangsalieren. Jedenfalls vergeltet ihr es ihm damit, dass ihr ihm irgendwie Schaden zufügt: Ihr werdet ihn verletzen. Also sagt er von vornherein: Ich werde harte Worte ertragen. Er erwartet das; und jeder Buddha hat das von Anbeginn an erwartet.

Einmal nahm ein Schüler Buddhas, der erleuchtet worden war, Abschied, um Buddhas Wort unter den Menschen zu verbreiten; und Buddha sagte zu ihm: „Jetzt, da du gehen kannst, brauchst du mich nicht mehr zu begleiten. Ab und zu kannst du mich noch besuchen kommen, ansonsten aber hilf den Menschen auf dich gestellt. Geh hin und hilf den Leuten, bewusster und meditativer zu werden.“ Und er fügte hinzu: „Nur eine Frage beantworte mir: In welchen Teil des Landes gedenkst du zu gehen?“ Es gab einen Teil von Bihar – des Heimatlandes von Buddha – wo keiner von Buddhas Sannyasins je hingekommen war. Die Gegend hieß Suka. Dieser frisch erleuchtete Sannyasins sagte nun: „Ich möchte nach Suka gehen.“
Buddha antwortete: "Bitte geh nicht dorthin. Niemand ist bisher nach Suka gegangen und aus gutem Grund. Die Menschen dort sind sehr wild, unzivilisiert, dumm, bösartig, mörderisch und blutgierig. Geh da nicht hin."
Aber der Jünger sagte: „Wenn sie in so schlimmer Verfassung sind, brauchen sie uns mehr als irgendwer sonst. Der Arzt wird nur da gebraucht, wo die Menschen krank sind.“ Buddha sagte: „Da hast du Recht, aber ehe du losziehst, ehe ich dir meinen Segen erteile, möchte ich dir drei Fragen stellen. Die erste: Wenn sie dich beleidigen, was wird deine Antwort sein?“
Der junge Mann sagte: „Ich werde ihnen danken. Ich werde mich dafür bedanken, dass sie es dabei belassen, mich nur zu beleidigen. Sie hätten mich auch verprügeln können. Sie sind gute Menschen. Sie verprügeln mich nicht, sie beleidigen mich nur. Und was sind schon Worte? Worte sind Worte, sie können mir nichts anhaben.“
Buddha sagte: „Die zweite Frage: Wenn sie dich verprügeln, was wird deine Antwort sein?“
Der junge Mann darauf: „Ich werde ihnen danken; ich werde ihnen dafür dankbar sein, dass sie mich verprügeln. Sie hätten mich ja auch umbringen können. Aber sie verprügeln mich nur – das ist sehr mitfühlend, ja freundlich von ihnen. Sie hätten mich ohne weiteres auch töten können.“
Buddha sagte: „Nun die letzte Frage: Wenn sie dich nun töten, was wird in deinen letzten Sekunden, wenn du im Sterben liegst, deine Antwort sein?“
Der junge Mann sagte: "Ich werde ihnen immer noch dankbar sein, denn sie nehmen mir ja nur ein Leben weg, in dem ich mich hätte vergehen können. Hätte ich auch nur einen Tag länger gelebt, hätte ich ein Verbrechen, eine Sünde begehen können, hätte ich vom Gipfel meiner Bewusstheit abstürzen können. Sie nehmen mir einfach nur ein Leben weg, das mir nichts mehr bedeutet. Ich habe den Schatz gefunden. Ich brauche nicht mehr zu leben. Sie nehmen mir etwas Nutzloses weg und ich werde es ihnen danken. Denn … wer weiß, hätte ich länger gelebt, hätte ich in die Irre gehen können.“
Buddha schloss: "Nun kannst du hingehen, wo du willst – mit meinem Segen. Du bist nicht nur erleuchtet worden, du hast jetzt sogar das Zeug dazu, ein Meister zu sein."

Merkt euch den Unterschied: Nicht jeder Erleuchtete ist zwangsläufig schon ein Meister – auch wenn jeder Meister erleuchtet sein muss. Es hat schon viele Erleuchtete auf Erden gegeben, die niemals Meister geworden sind, aus dem einfachen Grunde, dass zum Meistersein ein paar Eigenschaften erforderlich sind, die nicht zur Erleuchtung erforderlich sind. Erleuchtung heißt: ein individueller Prozess, heißt etwas Innerliches, Subjektives – etwas, wozu es in dir kommen kann. Ein Meister sein heißt, die Fähigkeit haben zu kommunizieren, und nicht nur zu kommunizieren, sondern in Kommunion mit anderen zu sein – anderen, die nahezu wahnsinnig sind, anderen, die fast überhaupt nichts sehen können. (…)

Mit dem Unbekannten zu kommunizieren, mit ihm – mit dem Unsichtbaren, mit dem Geheimnisvollen in Kommunion zu sein, ist eine der größten Künste überhaupt: Menschen dabei zu helfen, Dinge zu sehen, die sie noch nie zuvor gesehen haben – obwohl man praktisch ständig über sie stolpert! – kurz, Menschen dabei zu helfen, still zu werden, meditativ zu sein. Das ist deshalb eine der größten Künste, weil die Menschen wahnsinnig sind. Sie haben keine Ahnung, was Stille ist. Sie aus ihrem Schlaf wachzurütteln, grenzt an ein Wunder.

Ein Tauber kam einen Freund besuchen, dessen Hund ihn wie wahnsinnig anbellte. Da er ja nichts hören konnte, sagte er zu seinem Freund, nachdem sie einander begrüßt hatten: „Dein Hund hat offenbar schlecht geschlafen.“ „Wie kommst du denn darauf?“ „Er hat mich angesehen und dauernd gegähnt.“
Ein Tauber kann nichts hören, kann den Hund nicht bellen hören; er kann nur die Bewegung sehen, die Geste – wie der Mund sich bewegt, auf und zu geht, und deutet das so, wie er’s versteht. Er sagt: „Er hat mich angesehen und dauernd gegähnt."

Auf dieselbe Art haben wir den Buddhas zugehört. Wir haben überhaupt nicht hingehört; wir haben zwar ihre Worte vernommen, gewiss. Hätten wir aber hingehört, dann hätten wir keinen Jesus zu kreuzigen brauchen und keinen Sokrates zu vergiften und keinen Al-Hillaj Mansur zu lynchen brauchen.

Buddha sagt – und man sollte sich dies als Erstes merken: Ich werde harte Worte ertragen, so wie der Elefant die Speere des Schlachtfeldes erträgt …
Was sich zwischen dem Erwachten und der unerwachten Menge abspielt, ist eine Schlacht. Es ist tatsächlich eine Riesenschlacht, es ist ein Krieg und der Unerwachten sind viele und der Erwachte ist allein. Und alle Unerwachten fühlen sich durch die Gegenwart des Erwachten irgendwie gedemütigt. Sie haben das Gefühl, als beweise die bloße Anwesenheit des Erwachten bereits, dass sie ihre wirklichen Höhen noch nicht erklommen haben, dass sie ihr Leben vertan haben. Statt nun aber ihre Höhen zu erklimmen, beseitigen sie lieber die Anwesenheit des Erwachten, damit sie sich wieder wohl fühlen können. Mit Leuten, die genauso sind wie ihr selbst, fühlt ihr euch immer wohl. Deren Anwesenheit macht euch nicht die geringsten Minderwertigkeitsgefühle. Die Anwesenheit eines Buddhas lässt euch minderwertig fühlen und dafür rächt ihr euch zwangsläufig. Es ist eine Schlacht und ein Buddha muss wie ein Elefant sein, der die Speere des Schlachtfelds erträgt.
… denn viele Leute wissen ihre Zunge nicht im Zaum zu halten.
Nicht nur werden ihre Worte hart sein, sie werden regelrecht wildes Zeug reden, mit Schaum vor dem Mund. Ich kenne das aus eigener Erfahrung.

Zwanzig Jahre lang bin ich kreuz und quer durch Indien gereist. Ich bin allen möglichen Wilden begegnet. Ich konnte nicht umhin, sie zu mir zu bitten, ich musste es tun, um mir aus der Masse meine Leute auszusuchen, also musste ich zu ihnen sprechen. Aber die Art und Weise, wie sie sich aufführten, war wirklich seltsam. Ich tat ihnen nichts zuleide. Ich gab ihnen lediglich tausend und einen Tipp, wie sie erwachen könnten; aber was machten sie? – bewarfen mich mit Steinen, störten meine Versammlungen, verwehrten mir den Zutritt zu ihrer Stadt. Schon am Bahnhof hinderten sie mich, in ihrer Stadt auszusteigen. Sie ließen sich alle möglichen Dinge einfallen … sie wurden wirklich wild, ohne jeden ersichtlichen Grund. Sie werden es heute noch, obwohl ich gar nicht mehr in ihre Städte gehe. Obwohl ich heute nicht einmal mehr vor die Haustür gehe, gebärden sie sich nach wie vor wie die Wilden. Sie sagen die merkwürdigsten Dinge – sagen sie nicht nur, sondern glauben sie auch. Und inzwischen geschieht es nicht nur in Indien, dass sie harte Worte für mich finden, sondern praktisch überall auf der Welt. (…)
Erst neulich erfuhr ich Folgendes aus Bombay: Ein Sannyasin war auf ein paar Fotos in einem Fotogeschäft gestoßen. Auf den Fotos konnte er jemanden erkennen, der aussieht wie ich. Auf den ersten Blick war er schockiert; dann sah er genauer hin und konnte erkennen, dass es sich um einen anderen handelte, der mir nur ähnlich sah. Diesen Mann also hat man bestochen, nackt unter nackten Frauen zu posieren und hat ihn so abgelichtet und jetzt werden sie diese Bilder in aller Welt verbreiten. Großartige Idee! Fand ich wirklich toll. Da muss man erstmal drauf kommen.

Aber so hat man es seit jeher gehalten. Womit ich nicht einmal sage, dass sie es wissentlich tun. Nein, sie stellen sich vor, der Menschheit damit einen Dienst zu erweisen, dass sie die Leute lediglich auf die Gefahr aufmerksam machen, die ich darstelle. Sie mögen diese Dinge in der besten Absicht tun; das macht es noch vertrackter: Sie tun es doch nur zum Schutze der Menschheit!
Buddha sagt: … denn viele Leute wissen ihre Zunge nicht im Zaum zu halten.

Wer also als Erleuchteter auf dieser Erde leben möchte, wird ihre harten Worte, ihre wilden Aktionen geduldig und still hinnehmen müssen in der tiefen Einsicht, dass sie nicht wissen, was sie da tun. Und sie tun alles, was in ihrer Macht steht. Es ist nicht ihr Fehler, sie schlafen einfach nur fest und reden in ihrem Schlaf wirres Zeug.
Wenn jemand betrunken ist und wirres Zeug redet, schenkt ihr dem nicht viel Beachtung, sondern sagt: „Er ist ein Säufer“ – aber genau so sind die Menschen alle.

Der gezähmte Elefant wirft sich in die Schlacht: Der König reitet ihn. Der gezähmte Mensch ist überall Herr. Er kann harte Worte gelassen ertragen.
Der gezähmte Elefant wirft sich in die Schlacht …

Mit dem „gezähmten Elefanten“ meint Buddha den disziplinierten. Der Ausdruck „gezähmter Elefant“ trifft es nicht genau, es hieße besser „der disziplinierte“. Denn zwischen Zähmung und Disziplin besteht ein großer Unterschied. Zähmen kann man durch Zwang, Unterwerfung, Gewalt, aber Disziplinieren kann man nicht durch Unterwerfung. Disziplin kommt aus Einsicht. Du kannst anderen helfen ihren eigenen Verstand und ihre Denkweise, ihren Schlafzustand, ihre Marionettenhaftigkeit zu verstehen. Aus diesem Verstehen heraus findet dann Veränderung statt – eine radikale Veränderung: Sie werden sanft, mitfühlend, still, friedlich, verständnisvoller, weniger borniert, offener.

Der gezähmte Elefant wirft sich in die Schlacht: Der König reitet ihn. Der gezähmte Mensch ist überall Herr. Er kann harte Worte gelassen ertragen. Der disziplinierte Mensch wird ebenfalls zum Herrn, wird ebenfalls König. Er reitet auf seiner eigenen Disziplin, auf seiner Einsicht. Er lebt in der Welt unter Wilden, Unzivilisierten, Ungebildeten im wahren Sinne von Bildung, denn sie wissen nicht, wer sie sind. Das sollte der Grundstein zu wahrer Bildung sein; sie kennen sich in ihrem eigenen Innern nicht aus. Und so etwas nennt sich dann Bildung – die sie nicht einmal auf ihr inneres Königreich aufmerksam macht, die sie nur vollstopft mit Unsinn, nutzlosen Informationen? – Geografie! Geschichte! Was sollt ihr denn mit Dschingis Khan und Tamurlan anfangen? Was soll das Ganze?
Aber wir stopfen die Leute mit unnötigen Informationen voll. Warum muss man wissen, wo Timbuktu liegt? Es ruhe in Frieden, wo immer es liegt. Selbst wenn es das gar nicht gäbe, würde es nichts ausmachen. Und dann die Geschichten von lauter Mördern, Könige genannt, Mörder, die „große Eroberer“ genannt werden – Alexander der Große oder Napoleon … Und in Zukunft werden die Menschen lesen von Adolf Hitler, Benito Mussolini, Josef Stalin, Mao Zedong, Ayatollah Khomaniker … alles völlig nutzloses Zeug.

Der Grundstein aller Bildung aber fehlt. Als Allererstes sollte Meditation gelehrt werden, die Kunst des Insichgehens. Denn nur aus ihr ergibt sich jegliche Disziplin. Das Wort „Disziplin“ ist wunderschön – es bedeutet „die Fähigkeit zu lernen“. Ein „disziplinierter Mensch“ ist jemand, der stets bereit ist hinzuzulernen. Er ist niemals verschlossen, er behauptet niemals alles zu wissen. Er weiß, was er weiß, und er weiß auch, was er nicht weiß – und dass das, was er weiß, nur sehr wenig ist, und dass das, was er noch nicht weiß, unerschöpflich ist. Er kann sich seines Wissens nicht rühmen. Ja, je mehr er weiß, desto mehr wird ihm klar, wie viel Unvermessenes, Unerfasstes, Unbekanntes noch vor ihm liegt. Und nicht nur Unbekanntes, sondern schier Unerkennbares. Je mehr und mehr er das Mysterium der Existenz spürt, desto mehr gerät er ins Staunen. Das ist wahres Wissen, wahre Bildung, wahre Kultur.

Dann wird der Mensch zum Meister, zum Herrn, zum König. Nur dann kann er sich darum bemühen, auch andere zu erreichen. Nur dann kann er seine Liebe, seine Einsicht, sein Wissen, sein Sehen vermitteln.
Besser als jedes Maultier oder die edlen Rosse von Sindh oder die gewaltigen Kriegselefanten ist der Mensch, der jetzt Herr seiner selbst ist.
Buddha geht es nicht um Gott. Buddha geht es um euch. Seine Religion ist auf den Menschen ausgerichtet, nicht auf Gott ausgerichtet. Chandidas, der einer der größten indischen Dichter war, hat Buddhas ganzes Lehren einmal in einem schlichten Satz zusammengefasst: Sabar upar manus satya – „Die Wahrheit des Menschen ist die höchste Wahrheit, es gibt keine höhere Wahrheit als diese“; tahar upar nahin: „Es gibt einfach nichts Höheres.“

Buddha hat dem Menschen eine Würde verliehen wie sonst keiner. Alle anderen Religionen verdammen den Menschen, verdammen ihn zu dem Zweck, Gott zu erhöhen. Dabei ist ihr „Gott“ nichts weiter als eine Ausgeburt ihrer Fantasie. Darum gibt es so viele Götter, wie es Religionen gibt. Es gibt mindestens dreihundert Religionen auf Erden und dreitausend Sekten von diesen Religionen und vermutlich noch dreißigtausend Splittergruppen davon. Und es gibt so viele Götter, wie es Sekten auf Erden gibt. Jede Sekte hat ihre eigene Gottesvorstellung – und dabei gibt es überhaupt keinen Gott!

Was es gibt, ist eine göttliche Existenz, eine himmlische Existenz. Gott nicht als Person, sondern als Präsenz – die freilich gibt es. Aber um diese Präsenz verstehen zu können, musst du erst einmal deine innere Präsenz verstanden haben. Denn du kannst nur von da aus abheben, kannst nur von da aus überhaupt erahnen, was „Göttlichkeit“ eigentlich ist. Wer sich selbst nicht erkannt hat, wird niemals Gott erkennen.
Ihr könnt euren Gott gern weiter in euren Tempeln, in euren Moscheen, in euren Kirchen anbeten, aber euer Gott ist kindisch. Verglichen mit Buddhas Lehren wirken die Götter, die ihr anbetet, idiotisch. Die Anbeter wirken idiotisch und ihre Götter wirken, weil von idiotischen Anbetern erfunden, ebenfalls albern. Eure Götter sind nichts als eure Projektionen; sie können nicht über euren eigenen Horizont hinausgehen. Beobachtet einfach: Verschiedene Menschen erfinden verschiedene Götter. Wenn Pferde eine Religion erfinden könnten, dann wäre ihr Gott ein oberstes Pferd. Jedenfalls könnte er kein Mensch sein, so viel steht fest. Kein Pferd kann glauben, dass der Mensch etwas Göttliches habe. Der Mensch scheint das barbarischste Tier überhaupt zu sein. Hätten Pferde Fantasie, würden sie sich den Teufel in Gestalt eines Menschen vorstellen. Der Mensch stellt sich Gott nach seinem Ebenbilde vor. Darum stellen sich Neger ihren Gott als Neger vor. Seht euch das Haar von Negergottheiten an: Alle haben sie negroides Haar. Seht euch die Lippen von Negergottheiten an und sie sind dick. Hindugötter sind hinduistisch, chinesische Götter sehen chinesisch aus, mit hohen Backenknochen und natürlich chinesischen Nasen.

Jedes Land, jede Rasse, jede Religion stellt sich Gott gemäß ihrem eigenen Idealbild vom Menschen vor. Aber das alles sind unsere Projektionen. Um die schert Buddha sich überhaupt nicht. Buddha möchte, dass du zu einem Gott wirst. Er möchte dich göttlich werden sehen. Du bist göttlich; er möchte, dass du diese Tatsache anerkennst. Es gibt niemanden über dir. Diese Unabhängigkeitserklärung ist etwas Unerhörtes, etwas Einmaliges. Niemand vor Buddha hatte es je gewagt, dem Menschen so viel Achtung zu erweisen.

Vater O’Reilly hatte mit dem Golfspielen begonnen und übte auf dem Rasen der Kirche. Schwester McCarthy schaute ihm zu. Vater O’Reilly hob den Schläger und nahm den Ball aufs Korn.
„Oh, Scheiße! Vorbeigeschlagen!“, entfuhr es ihm. „Vater O’Reilly?“, hob Schwester McCarthy warnend den Zeigefinger, „Gott wird Ihnen Ihre Ausdrucksweise verübeln!“ „Ja, Schwester“, antwortete Vater O’Reilly, „ich werde meine Zunge im Zaum halten.“ Hob den Schläger und schlug wieder zu. „Oh, Scheiße! Vorbei!“, entfuhr es ihm. „Vater O’Reilly!“, schoss der Zeigefinger der Schwester wieder empor, „Gott wird Sie schwer bestrafen, wenn Sie das noch einmal sagen!“
„Danke, diesmal reiß ich mich aber wirklich zusammen, Schwester McCarthy“, verspricht Vater O’Reilly und schlägt erneut zu. „Oh, Scheiße! Vorbei!“, entfuhr es ihm zum dritten Male. Im selben Augenblick kracht ein Blitz nieder – und kreischend geht Schwester McCarthy in einem Wirbel gleißender Flammen unter.
„Oh, Scheiße! Vorbei!“ erdröhnt eine Stimme vom Himmel.

Unsere Götter können nicht viel anders sein. Sie sind unsere Götter, sie werden uns wiederspiegeln. Darum ja sagt Buddha: „Schafft alle Götter ab! Was ihr da in euren Tempeln anbetet, ist nichts als euer eigenes Ebenbild. Da stellt ihr euch besser einen Spiegel hin und betet euer Spiegelbild darin an. Das wäre weit besser, wenigstens sehr viel ehrlicher, weniger Schmuh!“
Buddha legt nur auf eines Wert: den Menschen. Seine Religion ist die einzige auf der Welt, die auf den Menschen zugeschnitten ist. Und natürlich transformiert sie den Menschen, sie macht euch nicht abergläubisch, sie schreibt euch keinerlei Glauben vor. Sie gibt euch einen Schlüssel, mit dem ihr die Türen eures eigenen Seins aufschließen könnt. Und wenn du weißt, wer du bist, wirst du wissen, was es mit dieser ganzen Existenz auf sich hat und mit all ihrer Schönheit und ihrer Gnade und ihrem Glanz.

Zum nie betretenen Reich gelangt er nicht
auf dem Rücken all jener,
sondern nur auf sich selbst gestellt.

Merkt es euch: Zum nie betretenen Reich kommst du nicht auf dem Rücken anderer. Das musst du schon selber besorgen. Die letzten Worte Buddhas waren: „Sei dir selbst ein Licht – denn ein anderes Licht gibt es nicht.“ Er gibt dir völlige Freiheit, er möchte dich frei sehen von jeglicher Versklavung. Er will dich nicht zum Gefolgsmenschen, zum Nachahmer machen; er möchte dich authentisch so haben, wie du nun einmal bist.

Der mächtige Elefant Dhanapalaka wütet, wenn er brünstig ist, und in Fesseln wird er nicht fressen: Er sehnt sich nach dem Elefantenhain.

Obwohl dieser Elefant nur eine Legende ist, soll Dhanapalaka der großartigste Elefant gewesen sein, den es je auf Erden gegeben hat – der weiseste Elefant. Das ist nur eine schöne Geschichte. Aber selbst Dhanapalaka in all seiner Macht, all seiner Weisheit, beginnt zu wüten, wenn die Brunstzeit kommt. Ist er sexuell in Fahrt, dann ist er von Sinnen, dreht er durch.
Sex ist im Grunde ein Vorgang innerer Selbstvergiftung. Sex ist Chemie, er hat nichts mit euch zu tun. Eure Körperchemie, eure Physiologie will es so, dass bestimmte Chemikalien in eure Blutbahn gelangen, die euch in den sexuellen Zustand versetzen und euch Dinge zu tun anstiftet, die ihr später bereuen werdet. Später werdet ihr sagen: „Ich kann nicht fassen, wie mir das passieren konnte. Es ist trotz meiner passiert.“ Und das ist nicht nur beim Sex so. Vieles spielt sich in euch ab aufgrund eurer Physiologie. Wenn ihr wütend werdet, seid das nicht ihr. Auch da werden bestimmte Gifte in euer Blut entlassen und dann steht ihr in der Gewalt dieser Gifte.
Buddha sagt: Wenn du darauf achtest, was sich genau in deiner Sexualität, Wut, Habgier abspielt, wirst du erkennen können, dass all diese Dinge nicht aus dir kommen. Du bist nur Zeuge davon. Diese Dinge kommen in deinem Körper zustande, in deiner Vorstellungswelt. Und Körper und Vorstellungswelt sind nicht zweierlei, sondern ein und dasselbe. Ihr seid psychosomatisch. Eure Vorstellungswelt ist euer innerer Körper und euer Körper ist eure äußere Vorstellungswelt. Daher beinflussen sich beide wechselseitig, der Körper den Geist und der Geist den Körper. Du aber bist eine dritte Kraft.

Diese dritte Kraft lernt man nur durch Meditation kennen. Man kann sie auf keinem anderen Wege kennen lernen. Denn nur durch Meditieren lernt man, sich von seiner Identifizierung mit dem Körper-Geist-Komplex zu lösen. Ansonsten mag man noch so mächtig, noch so gelehrt, ja manchmal sogar noch so weise sein, aber all das kann im Nu wieder verschwinden. Dein Körper kann dich in seine Gewalt bekommen, deine Physiologie kann eine solche Macht über dich entfalten, dass du ihr Sklave wirst, all deine Herrschaft verlierst. Wann immer du wütend wirst, wann immer du sexuell erregt bist, bist du nicht mehr Herr deiner selbst, bist einfach nur ein Sklave.
Buddha hat nichts gegen Sex, denkt daran. Buddha ist nicht gegen Wut oder Gier, sondern gegen Versklavung. Und er möchte nur, dass ihr alles, was in euch zur Versklavung führt, transzendiert. Merkt euch den Unterschied. Es gibt nämlich Leute, die etwas gegen Sex haben; ihnen zufolge sind sie gegen den Sex, weil Sex hedonistisch ist, den Genuss bejaht; sie sind gegen Sex, weil Sex euch glücklich macht. Sie sind gegen Glück. Sie können einfach nirgendwo Glück ertragen. Sie sind Sadisten, sie möchten die gesamte Welt leiden sehen. Sie genießen es zu leiden. Sie wollen nicht nur andere leiden sehen, sie fügen sich auch selber Leid zu. Leiden ist ihre Freude. Das ist ein perverser Zustand, ein pathologischer Zustand.
Buddha ist nicht deshalb gegen den Sex, weil er Spaß macht. Er will euch nur die Tatsache bewusst machen, dass es Dinge gibt, die euch an eine Art von Versklavung gekettet halten: Ihr werdet zum Sklaven eurer eigenen Chemie, zum Sklaven eurer eigenen Physiologie – und diese Versklavung muss man transzendieren.

Der mächtige Elefant Dhanapalaka wütet,
wenn er brünstig ist, und in Fesseln wird er nicht fressen:
Er sehnt sich nach dem Elefantenhain.

Wenn er in der Macht seiner Sexualität steht, kann er nicht fressen; dann kann er nur an den Elefantenhain denken, nur an Elefantenweibchen denken. Seine ganze Vorstellungwelt ist im Delirium – und euch ergeht es genauso. Wann immer man unter dem Einfluss chemischer Prozesse steht, ist man nicht mehr man selbst, wird man von seinem wahren Sein abgelenkt. Man ist nicht mehr in seiner Mitte, zentriert. Man wird ex-zentrisch. Genau das bedeutet das Wort „exzentrisch“: Man verliert seine Mitte, wird aus seiner Mitte geworfen.

Der Narr faulenzt.
Er isst und wälzt sich im Schlaf
wie ein Schwein im Koben.
Und er muss immer von neuem ins Leben zurück.
Buddha möchte dich daran gemahnen, dass du, wenn du lebst wie ein Narr – faul, bequem, ohne jedes Bestreben dein Dasein zu transformieren, ohne jedes Bestreben, über deine Sklavesein hinaus zu wachsen, ohne jedes Bestreben dein eigener Herr zu werden – dass du, wenn du lebst wie ein Narr, einfach nur immerzu isst und dich im Schlaf wälzt, wie ein Schwein im Koben, immer wieder dasselbe idiotische Leben wirst führen müssen. Du wirst es wiederholen müssen.
Genau genommen habt ihr es schon zigmal wiederholt, aber ihr habt noch immer nicht begriffen, warum ihr es immerzu wiederholt. Ihr habt eure Lektion nicht gelernt und müsst einfach „nachsitzen“! Die Lektion heißt „Freiheit“. Wer sie nicht lernt, der muss in dieselbe Schule, in dieselbe Klasse zurückgeschickt werden – wieder und immer wieder.
Dies ist eine der größten Erkenntnisse, die die Welt der indischen Spiritualität verdankt. Indien hat so manchen Beitrag geleistet – dieser Beitrag jedoch ist von höchster Bedeutung. Die Idee ist, dass die Existenz uns die Gelegenheit dazu bietet zu verstehen, zu transzendieren, eine radikale Veränderung durchzumachen. Sie ist eine Schule. Das Leben ist eine Schule. Wenn du richtig lernst, wenn du dich richtig disziplinierst, brauchst du nicht wieder zurückzukommen, wirst du im Universellen existieren, wirst du nie wieder ein vereinzeltes Individuum werden – gleich einer Welle, die im Ozean aufgegangen ist.

Hierin haben die Mystiker seit jeher ihr höchstes Ziel gesehen: sich im Universellen aufzulösen, nie mehr abgetrennt zu sein, mit dem Universellen zu verschmelzen, eins zu werden. Vereinzelung führt zu Angst, Vereinzelung führt zum Tod, Vereinzelung führt zu Unglück. Wir sind deshalb so unglücklich, weil wir uns losgelöst fühlen von Gott oder vom Universum. Zu Seligkeit kommt es immer nur dann, wenn man sich eins mit dem Universum fühlt. Wenn du in Harmonie mit dem All bist, kommt Seligkeit auf, kommt riesige Freude auf, jubelst du. In einer Hinsicht verschwindest du, stirbst du dann, aber du wirst wiedergeboren. Wiedergeboren werden wirst du als Ozean; sterben wirst du als Wassertropfen.
Aber solange du diese Lektion nicht gelernt hast, wirst du wieder zurückkommen müssen. Solange du nicht lernst, wirst du den gleichen Vorgang wiederholen müssen. (…)

Lernen fällt uns verdammt schwer. Wir machen immer wieder dieselben Fehler – vielleicht ein bisschen abgeändert, etwas umgemodelt, aber es ist derselbe Fehler. Nehmt mal euer Leben unter die Lupe: Ihr habt nicht viele Fehler begangen, ihr habt nur dieselben Fehler wieder und wieder begangen. Ihr dreht euch im Kreise herum. Wie wollt ihr da je dazulernen? Ich bin nicht gegen das Fehlermachen. Macht so viele Fehler wie ihr nur könnt, aber bitte macht nicht ein und denselben Fehler zweimal. Dann wird euch zweifellos eine tiefe Einsicht zuteil werden. Man wird nur aus Fehlern klug, am Fehlermachen als solchem ist also nichts verkehrt. Verkehrt wird’s erst, wenn man sie immer und immerzu wiederholt. Denn das heißt, dass du nichts dazulernst.
Dein ganzes Leben lang bist du nun schon immer wütend geworden. Was hast du daraus gelernt? Dein ganzes Leben lang bist du nun immer eifersüchtig geworden. Was hast du daraus gelernt? Wenn du aus diesen Erfahrungen nichts lernst, wirst du dein Leben wiederholen müssen. Lerne aus jeder Erfahrung, klein oder groß. Jedes Mal, wenn du eifersüchtig bist, brennst du bei lebendigem Leibe, lodert dein Herz auf – und du weißt genau, was du dir damit antust. Du weißt, wie verkehrt das ist, aber du weißt es nur, weil andere das immer sagen. Es ist nicht auf deinem Mist gewachsen, du hast das bisher noch nicht erkannt. Erkenn es erst einmal selbst, damit du, wenn sich das nächste Mal die Gelegenheit bietet, wieder eifersüchtig zu werden, darüber lachen kannst, sodass du bei der nächsten Gelegenheit nicht in das alte Verhaltensmuster zurückzufallen brauchst, aus der alten Zwangsjacke aussteigen kannst.

Das heißt für mich „Sannyas“: immerzu alte Häute abstreifen, immerzu neu werden, immerzu frisch, jung, ein Lernender bleiben. Dann wird dich dein ganzes Leben etwas von ungeheurem Wert lehren und du wirst einst in der Lage sein, in tiefer Stille, in Frieden und Freuden zu sterben. Dann brauchst du nie mehr zurückzukommen. Dann wirst du ein Teil des Ganzen werden. Das heißt „Nirvana“, das heißt „Moksha“.
In den Religionen des Westens gibt es kein Wort, mit dem sich moksha oder nirvana übersetzen ließe. Die Religionen des Westens – das Christentum, der Islam sind nur Ableger ein und derselben Religion, des Judentums – kennen nur zwei Wörter, Hölle und Himmel. Die indischen Religionen kennen drei Wörter: Hölle, Himmel und Moksha. Hölle heißt ewiges Elend, ist ein seelischer Unglückszustand, ein Zustand des Neinsagens, ein Zustand der Finsternis, der absoluten Einsamkeit. Und Himmel heißt Freude, Glück, Gesundheit, Licht. Aber da ist noch ein Drittes – Moksha. Moksha heißt Freiheit – Freiheit sowohl von Himmel wie Hölle, Freiheit von Schmerz und Genuss – denn Schmerz bindet euch ebenso sehr wie Genuss euch bindet. Schmerz mag eine hässliche Kette sein und Genuss mag eine herrliche Kette sein, reich verziert, gar aus Gold, aber eben doch Kette. Die Hölle mag ein armseliger Ort sein und der Himmel mag ein sehr prächtiger Ort sein, aber Armut und Reichtum sind nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Man muss sich von beidem frei machen.

Wenn man beides los ist, ist man seinen Geist los, weil der Geist sein Leben nur aus der Dualität von Himmel und Hölle, von Unglück und Glück, von Tag und Nacht, von Leben und Tod bezieht. Wer alles beides transzendiert und beim Dritten angekommen ist, das jenseits davon liegt, das beides transzendiert, ist im Moksha. Moksha bedeutet Nirvana; bedeutet das Verlöschen des Ego und das Verschmelzen und Vermischen mit dem All. Das war von jeher das Ziel des östlichen Mystikers.
So wie die Naturwissenschaft im Westen zu ihren höchstmöglichen Gipfeln gelangt ist, hat die Religion ihre höchstmöglichen Gipfel im Osten erreicht. Sollten sich Ost und West je begegnen, wann auch immer, wird es zu einer großartigen Vereinigung von Naturwissenschaft und Religion kommen. Und das wird einer der größten Augenblicke der gesamten Menschheitsgeschichte sein, denn von da an kann der Mensch äußerlich ein reiches Leben und innerlich ein erfülltes Leben führen. Dann braucht kein Land mehr so arm zu sein, wie es Indien ist, und keines mehr innerlich so hohl zu sein, wie es Amerika ist; dann kann man außen reich sein sein und zugleich innen reich sein.

Der Narr faulenzt.
Er isst und wälzt sich im Schlaf
wie ein Schwein im Koben.
Und er muss immer von neuem ins Leben zurück.


Ein trauriger Alter sitzt vorm Kamin und unterhält sich nachdenklich mit seinem Hund. „Du bist nur ein Hund, aber ich wollt, ich wär du. Wenn du zu Bett gehst, drehst du dich einfach nur dreimal um die eigene Achse und schon pennst du ein. Wenn ich zu Bett geh, muss ich hier erst alles abschließen, den Wecker aufziehen, die Katze rauslassen, mich ausziehen und dann wacht meine Frau auf und meckert rum und dann wacht das Enkelchen auf und brüllt und dann muss ich mit ihm treppauf und treppab rennen, bis es wieder einschläft, und wenn ich dann endlich ins Bett komme, kann ich eigentlich gleich wieder aufstehn.
Wenn du aufstehst, streckst du dich nur, schüttelst dich mal kurz durch und schon bist du da. Ich muss erst das Feuer anmachen, den Kessel aufsetzen, ne Runde mit der Frau streiten und dann das Frühstück machen. Du lungerst hier nur den ganzen Tag rum und genießt das Leben. Ich muss den ganzen Tag schuften und hab nix davon. Wenn du stirbst, biste tot. Wenn ich sterb, muss ich wieder sonst wohin.“
Musst du nicht, wenn du lernst. Wenn du deine Lektion gelernt hast, brauchst du nirgenwo mehr hin. Dann verschwindest du im All, bist du überall und nirgends. Dann bist du kein fest umrissenes Wesen mehr.

Mein eigener Geist schweifte immer nur aus,
wohin ihn Vergnügen oder Verlangen oder Wollust lockten.
Nun aber habe ich ihn gezähmt:
Ich lenke ihn so, wie der Hüter den wilden Elefant lenkt.


Dies kommt ebenfalls erst durch Buddha zum Vorschein. Die Christen halten Jesus für etwas Besonderes: Er ist der „eingeborene Sohn Gottes“. Für die Hindus ist Krishna etwas Besonderes: Er ist die vollendete Inkarnation Gottes. Für die Moslems ist Mohammed etwas Besonderes: Er ist Gottes einziger Prophet, sein einziger Botschafter. Für die Jainas ist Mahavir etwas Besonderes: Er ist der letzte, der vierundzwanzigste Tirthankara, der letzte Prophet des Jainisnus. Einmalig sind sie alle, diese Leute, nicht gewöhnliche Sterbliche wie du und ich. Buddha ist hier wieder anders. Er sagt: „Ich bin ein gewöhnlicher Sterblicher.“ Er sagt: „Mein eigener Geist schweifte immer nur …“

In keinem Evangelium ist so etwas zu finden! In keiner hinduistischen Schrift würde je so etwas über Krishna oder Rama stehen, denn dadurch würden sie so gewöhnlich wie ihr. Sie sind geborene Götter! Buddha sagt schlicht: „Ich war ein Sterblicher wie ihr alle. Auch ich tappte im Dunkeln, genau wie ihr. Ich habe denselben Unfug getrieben wie ihr. Ich bin keine Ausnahme. Alles, was mir widerfahren ist, kann auch euch widerfahren. Und noch etwas ist mir widerfahren, das auch euch widerfahren kann – wenn ihr es denn zulasst. Ich war so gewöhnlich, wie ihr es seid. Nur ein Einziges ist mit mir geschehen, aber das hat den ganzen Unterschied ausgemacht: Ich bin bewusst geworden, und ihr seid es nicht. Ihr habt die Wahrheit genauso gut in euch wie ich. Ich bin mir dessen bewusst; ihr seid euch dessen nicht bewusst.

„Aber vergesst nicht, ob ihr die Wahrheit wisst oder nicht wisst, macht für die Wahrheit keinen Unterschied. Die Wahrheit bleibt wahr. Sie zu wissen oder nicht zu wissen, macht keinen Unterschied. Wahrheit ist Wahrheit. Ihr habt sie im Rücken“, sagt Buddha, „ich habe sie vor Augen. Ich bin nach innen gegangen. Ihr könnt das auch.“

Auch das ist wieder etwas ganz Besonderes an Buddha: Er beansprucht niemals, einmalig zu sein. Folglich ist er für die Menschheit eine größere Hilfe als irgendwer sonst. Weil er sagt: „Ich war genau wie ihr … Mein eigener Geist schweifte immer nur aus,
wohin ihn Vergnügen oder Verlangen oder Wollust lockten.
Er leugnet nicht, dass er von Anfang an voll Wollust war, er leugnet nicht sein Verlangen, er behauptet nicht, eine unbefleckte Empfängnis zu sein. Er sagt ganz einfach: „Wie ihr hatte ich nichts als Vergnügen im Sinn. Wie ihr war ich voller Verlangen, war ich voller Wollust. Es ist also nichts verkehrt an Wollust, Verlangen und Vergnügen; wenn überhaupt etwas verkehrt ist, dann ist es eure Unbewusstheit. Werdet bewuss, und die Wollust verfliegt und das Verlangen verfliegt und die ständige Gier nach Vergnügen verfliegt.“

Der bewusst wird, der ist so entspannt, so selig – wen schert da noch Vergnügen? Wenn du Diamanten hast, was scheren dich Kieselsteine? Wenn dir unerschöpfliche Quellen innerer Seligkeit offen stehen, wer geht dann noch Betteln um kleine Vergnügungen, billige Vergnügungen? – die lösen sich einfach auf.

Buddha sagt:
Nun aber habe ich ihn gezähmt, habe ich meinen Geist diszipliniert, habe ich meditiert, habe ich untersucht, wie der Geist funktioniert, habe ich ihn durchschaut bis auf den Grund. Jetzt bin ich hier Herr im Hause. Ich brauchte es nur zu sehen und schon war ich der Herr, brauchte es nur zu erkennen und schon war ich der Herr. Verstehen gibt dir das Heft in die Hand. Jetzt … lenke ihn so, wie der Hüter den wilden Elefant lenkt.
Fühlt euch also nicht schuldig – das will Buddha damit sagen – habt keine Schuldgefühle wegen eurer Gier, habt keine Schuldgefühle wegen eurer Wut, habt keine Schuldgefühle wegen eurer Wollust. Ihr braucht nur eines zu tun, nämlich euch eure Gier bewusst machen, eure Wut bewusst machen, euch eure Wollust bewusst machen, euch euer Verlangen bewusst machen und vor euren Augen wird ein Wunder geschehen. Genau wie wenn ihr in einem Zimmer Licht macht und die Dunkelheit verschwindet – genauso, ganz genau so verschwindet ganz einfach all euer Verlangen, eure Gier, eure Wut, eure Wollust – im selben Moment, da ihr Bewusstheit hineinbringt. So als hätte es das alles nie gegeben. Versucht nicht davonzulaufen, versucht nicht zu entsagen, denn indem ihr entsagt, entsagt ihr einfach nur eurer Chance.

Ein Mann entsagt seiner Frau und zieht sich in den Himalaja oder ein Kloster zurück … Es gibt Klöster, die noch keine Frau hat betreten dürfen; es gibt Klöster, die man nur betreten und dann nie wieder verlassen darf, sein ganzes Leben lang. Nun, das bedeutet keine Transformation; das bedeutet einfach nur, vor seiner Chance davonzulaufen. (…)
Seine Chance … Du kannst sie dir entgehen lassen, aber das wird dein Sein nicht verändern.
Äußerlich magst du Mönch werden, innerlich bleibst du derselbe. Äußerlich magst du Nonne werden, innerlich bleibst du dieselbe. Aber worauf es wirklich ankommt, ist dein inneres Bewusstsein, nicht deine äußeren Umstände. Dein Verstand ist nicht schlecht, wenn er als Werkzeug genutzt wird, das du in der Hand hast. Als Diener ist dein Verstand wunderbar. Wenn er sich aber als Hausherr aufspielt, dann ist er hässlich. Überlass die Herrschaft, die Führung deinem Bewusstsein und sieh zu, dass dein Verstand sich wie ein gezähmter Elefant verhält – diszipliniert. Wie du das schaffst?

Buddha sagt:
Wach auf. Werde zum Zeugen deiner Gedanken.
Mit diesen einfachen Worten hat er der Welt die größte Meditation geschenkt, die es gibt: Vipassana. Es sind mehr Menschen durch Vipassana zur Erleuchtung gelangt als durch irgendeine andere Methode. Methoden gibt es tausendfach, aber Vipassana scheint die leichteste zu sein, die vollkommenste – und dazu ganz natürlich. Sie verlangt einem nichts Unnatürliches ab.

Reverend Bush, ein alter schwarzer Prediger, warnt seine Schäflein vor den Tücken der Sünde. „Die Sünde“, sagt er, „ist wie ein großer Hund. Da gibt es z.B. den grossen Hund des Hochmuts, den großen Hund des Neides und den großen Hund der Völlerei und nicht zuletzt den riesigen Hund des Sex. Also Leute, erstmal müsst ihr diese großen Hunde um die Ecke bringen, wenn ihr jemals den Himmel zu Gesicht bekommen wollt. Und das geht auch – ich weiss es aus eigener Erfahrung. Ich hab sie allesamt erledigt - den grossen Hund des Neids und den großen Hund des Hochmuts und den großen Hund der Völlerei – ja, ob ihr’s mir glaubt oder nicht, meine Brüder, sogar noch einen hab ich erledigt – den grossen Hund des Sex!“
„Bruder!“, ertönt jetzt eine weibliche Stimme aus der hintersten Kirchenbank, „bist du sicher, dass dieser letzte Hund nicht eines natürlichen Todes gestorben ist?“

Ihr könnt diese großen Hunde nicht „erledigen“. Entweder sterben sie eines natürlichen Todes – aber das trägt euch keine Transformation ein –, oder ihr müsst sie zähmen. Umbringen müsst ihr sie nicht … Buddha käme nie auf die Idee, so etwas von euch zu verlangen. Wozu etwas töten? Wer seine Wut tötet, wird im Leben nie mitfühlend werden; denn Mitgefühl besteht aus Wut – und aus der Energie, die in der Wut steckt. Wer seinen Sex abtötet, wird dadurch einfach nur impotent, mehr nicht; zur Liebe gelangt er jedenfalls nicht. Erst der transformierte Sex erzeugt Liebesenergie. Liebesenergie ist an den Sex gebunden. Du brauchst nur deine Bewusstheit darauf zu richten und der Sex verschwindet und setzt Liebesenergie frei. Die Wut verschwindet und setzt dafür Mitgefühl frei. Die Gier verschwindet und wird durch Großmut ersetzt.

Es geht nicht darum, etwas abzutöten. Es geht um Energien. Sei kein Narr und töte da etwas ab, denn wenn du es tötest, wird deinem Leben dann etwas sehr Wesentliches fehlen. Transformiere lieber! Aus Religion muss die echte Alchemie werden – die Wissenschaft der Transformation. Und die ist nicht mörderisch.
Aber die religiösen Fanatiker in ihrem Wahn wollen immer nur morden, zerstören. Sie sind zerstörerisch, selbstzerstörerisch. Daher werden sie nicht einmal dann anmutig, wenn sie nicht mehr wütend werden – weder entwickeln sie dann Kreativität, noch steuern sie etwas zur Welt und zu ihrer Schönheit bei. Sie sind nur eine Last, sie sind in keiner Weise eine Hilfe. Sie sind ein Hemmschuh im Fortschritt der Menschheit.
Nein, Buddha würde euch niemals empfehlen, irgendetwas abzutöten. Er sagt: Seid einfach wach! Werde zum Zeugen deiner Gedanken. Wut ist ein Gedanke, Sex ist ein Gedanke. Beobachtet, seid auf der Hut, lasst sie auf eurem inneren Bildschirm an euch vorbeiziehen … die Wut, die Gier, die Wollust … ihr aber haltet Abstand, bleibt kühl, einfach nur Zeuge. Anfangs ist das sehr schwer, aber nur anfangs. Wenn ihr durchhaltet, werdet ihr binnen drei bis neun Monaten in der Lage sein, das Unmögliche zu vollbringen.

Eines Tages ist es plötzlich so weit, dass euer Zeuge so makellos geworden ist, dass der Bildschirm leer bleibt, nichts mehr vorbeikommt – kein Gedanke, kein Wunsch. An dem Tage habt ihr die erste Stufe des Samadhi erreicht, euer erstes Satori. Und das erste Satori ist nur der Anfang; es löst viele Satoris in euch aus, bis hin zum letztmöglichen Höhepunkt – zum Samadhi, zum Nirvana.
Und dann ist der Verstand für euch nur noch ein Apparat … wenn ihr ihn benutzen wollt, benutzt ihr ihn, wenn ihr ihn nicht benutzen wollt, bleibt er ausgeschaltet.

Der Elefant hievt sich heraus aus dem Schlamm.
Raff auch du dich auf aus deinem Schlendrian.


Buddha unterstreicht es noch einmal: Niemand kann dich aus deinem Schlamm herausziehen, niemand kann dir helfen. Glaubt also nicht, dass Jesus kommen wird und dann alle Probleme gelöst sein werden. Jesus gibt es seit langem und nichts ist gelöst. Glaubt nicht an eine Erlösung durch irgendwen – kein Messias kann euch helfen. Buddhas weisen euch nur den Weg. Gehen müsst ihr ihn dann schon selber. Niemand kann euch das abnehmen. Ich kann nicht für euch sehen, ich kann nicht für euch hören; ihr müsst alles auf euch selbst gestellt tun.
Es gibt ein paar Dinge, die kein Mensch euch abnehmen kann, für euch tun kann, und zwar sind das die allerkostbarsten Dinge, die nur du allein tun kannst. Bewusstheit ist eine dieser Kostbarkeiten.

Buddha sagt: Der Elefant hievt sich heraus aus dem Schlamm.
Und genau so … Raff auch du dich auf aus deinem Schlendrian.
Mit „Bewusstheit“ meint Buddha nicht Geistesgegenwart. Viele missverstehen es so. Jedes Mal, wenn Buddha von „Wachheit“, „Aufmerksamkeit“ spricht, glauben die Leute, er spräche von Geistesgegenwart. Geistesgegenwart ist die Anwesenheit des Verstandes; Aufmerksamkeit hat überhaupt nichts mit dem Verstand zu tun. Aufmerksamkeit ist etwas jenseits des Verstandes.
Geistesgegenwart ist etwas sehr Gewöhnliches. In jeder Gefahr kommt sie euch zu. Wenn jemand im Begriff ist auf dich zu schießen, wirst du im selben Moment Geistesgegenwart besitzen. Wenn dich plötzlich ein Tiger anspringt, wirst du Geistesgegenwart besitzen – wirst du etwas tun können, was du noch nie geschafft hast.

Herbert und Karl kippen ein paar Halbe in der Eckkneipe.
„Jesses, letzte Nacht bin ich meiner Liesl noch grad mal entwischt!“ seufzt Herbert .„Was war denn los?“ will Karl wissen.
„Na ja, war ja schon mächtig spät, als ich nach Hause kam. Aber ich hab die Schuh ausgezogen und bin auf Zehenspitzen die Treppe hoch, hab die Schlafzimmertür aufgemacht, mich reingeschlichen und die Tür wieder zugemacht – alles mucksmäuschenstill. Nur just als ich ins Bett schlüpfen will, wacht die Frau auf und sagt: „Bist du das, Rex?‘
„Und was haste gemacht?“ „Manchmal kann ich ja wirklich ein schlaues Kerlchen sein“, freut sich Herbert. „Ich hab ihre Hand abgeschleckt!“

Das ist Geistesgegenwart. Sie glaubt, er wäre ihr Hund Rex. Aber Geistesgegenwart ist nicht Bewusstheit. Das ist etwas Geringfügiges, ohne Tragweite – etwas für den Verstand.
Bewusstheit ist etwas jenseits des Verstandes. Ihr müsst den Verstand beobachten – seine Gegenwart ebenso sehr wie seine Abwesenheit; ihr müsst beides beobachten und müsst beides hinter euch lassen. Sie kommt, sie kommt mit Sicherheit und wenn sie dann kommt, nimmt sie euch alles, was euer Elend, euer Ego, eure Gefühllosigkeit, eure Grausamkeit ausmacht. Sie wäscht euch rein von all eurem Schlamm … und dann entfaltet sich, aus diesem Schlamm heraus, in eurem Innern die Lotusblüte, der tausendblättrige Lotus des Samadhi.

Aus: The Dhammapada: The Way of the Buddha, # 9

Osho

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