San Francisco

20. September - 25. September

 Wir lassen sie alle an uns vorbeiziehen an diesem kühlen Morgen. Astrid und Sheila gehen wieder ihre eigenen Wege. Die beiden schwäbischen Fahrradfahrer, die am letzten Abend eingetroffen waren, radeln weiter südlich. Jetzt ist das Hostel wieder leer und wir stehen mit Grete zusammen an der Straße und warten auf den Bus nach San Francisco. Nur hat der leider über drei Stunden Verspätung, wie wir nach endlosem Warten am Telefon erfahren. Der Fahrer ist einfach nicht erschienen und da dauert es eben seine Zeit, ehe man einen neuen auftreiben kann. So gegen 12 erscheint er dann tatsächlich noch und wir machen uns auf eine achtstündige Fahrt  gefaßt, wird wohl schwierig werden, so spät noch in San Francisco Quartier zu finden.

 

Greyhound-Reisen sind immer etwas abenteuerlich. So steigt diesmal ein Penner ein, der mitten am Tag entweder ziemlich betrunken ist, oder unter Drogen steht. Jedenfalls sitzt er ganz vorn und schwankt alle fünf Minuten durch den Bus nach hinten zur Toilette. Mit den hinten Sitzenden fängt er Streit an. Das steigert sich immer mehr, bis er schon durch den Bus brüllt und Drohgebärden macht, als wolle er sie erschießen. Die Ermahnung des Fahrers hilft nicht viel, als er wieder aufsteht und in seiner Tasche  kramt, wird es einem Mexikaner zu bunt, er greift ihn an und es kommt zu einer handfesten Keilerei im fahrenden Bus. Der Fahrer muß jetzt notgedrungen anhalten und läßt ihn nach einem wenig höflichen „get off the bus“ einfach draußen auf der Strecke stehen - Ende der Reise.

 

Um neun Uhr abends sind wir in Sausolito angekommen, dem nördlichen Vorort von San Francisco, direkt an der Golden Gate Bridge. Grete hat für uns drei hier in einer Jugendherberge reserviert (sie hat eine Kreditkarte, was in Amerika fast schon lebensnotwendig ist), da in San Francisco alles voll ist. Allerdings liegt diese ziemlich abseits und so finden wir uns eine Stunde Fußmarsch später am anderen Ende des Golden Gate Reservats wieder, nur von einer Jugendherberge ist weit und breit nichts zu sehen, alles was es hier gibt, sind verlassene Baracken und wilde Tiere. Zum Glück  sehen wir eine Feuerwache und dort kann man uns auch erklären, daß wir an dem Schild, wo Jugendherberge geradeaus steht, links abbiegen müssen. Dieser kleine  falsch gesetzte Pfeil bescherte uns über eine Stunde Umweg und das mit dem ganzen Gepäck. Wir sind jedenfalls überglücklich, unseren Platz im 10-Bett-Zimmer sicher zu haben. Als wir kurz nach 11 dort ankommen, wollen sie die Jugendherberge gerade schließen, nochmal Glück gehabt

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Eigentlich ist es eine ganz gute Idee, hier vor den Toren von San Francisco  abzusteigen, wir erklimmen den Hügel und hätten jetzt eigentlich den reinsten Postkartenblick auf die Golden Gate mit der Stadt im Hintergrund, nur leider ist da  noch der allgegenwärtige Nebel dazwischen. Ab und zu blitzt mal ein Teil eines Pfeilers durch, mehr bekommen wir von dem guten Stück aber nicht zu sehen. So  machen wir uns mittags etwas enttäuscht auf den Weg in die City, diesmal mit einer Lesbe und einem Transvestiten, die uns an der Brücke absetzen. Dort nimmt uns dann ein junger (ganz normaler) Mann in seinem Jeep mit, der gleich noch mit seinem Handy bei der Jugendherberge anruft und uns fast vor der Tür absetzt. Daß Trampen in Amerika so einfach ist, hätte ich vorher nicht gedacht, allerdings sind die Leute, die man da so kennenlernt wohl nicht die typischen Amerikaner. Wir erwischen die letzten beiden Plätze im Fort Mason, der schönsten Jugendherberge der Bay Area.

 

Wir schlendern am Fisherman's Wharf entlang, der vielgescholtenen Touristenmeile, wo es eher unwahrscheinlich ist, einen „Fisherman“ zu sehen. Aber die Atmosphäre ist trotzdem einmalig, die Bucht mit den Holzpiers und der Blick auf die Gefängnisinsel Alkatraz, nur die Golden Gate liegt mal wieder im Nebel. Hier werden die Touris zu Hafenrundfahrten verschifft, hier ißt man so teuer wie sonst wohl nirgends in der Stadt und hier kann man die Seelöwen sehen am Pier 39. Die haben sich zu Hunderten auf den ehemaligen Bootsstegen breitgemacht, sie sind schon durch Geruch und Lautstärke nicht zu übertreffen und deshalb die Attraktion Nr.1 an der Fisherman's Wharf. Weiter führt unsere erste Tour durch San Francisco in den Financial District, den man eigentlich auch nicht verfehlen kann. In den 70er Jahren wurden hier wie in  vielen amerikanischen Großstädten Wolkenkratzer aus dem Boden gestampft, nur daß es wohl nirgends so viel Widerstand dagegen gab wie hier. Die „Manhattanisierung“  der Hafenstadt hat ihr dann aber doch nicht geschadet, sie wird noch heute jedes Jahr zur beliebtesten Stadt Amerikas gewählt

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Was San Francisco von den anderen Straßengittern mit Häusern dazwischen  unterscheidet, ist die unglaublich schöne Lage auf den Hügeln der San Francisco Bay. Die Straßen hier mußten ja schon für viele Verfolgungsjagden im Film herhalten, so gesehen ist mir der Anblick fast schon vertraut. Und dann gibt es einige wirklich schöne Plätze und ältere Häuser, nicht zu vergessen natürlich die Cable Car, die nicht unwesentlich zum eigentümlichen Charakter der Stadt beiträgt. Doch den wirklich guten Blick auf die City muß man von oben haben, auf den Tip eines Rollstuhlfahrers  hin betreten wir das Westin St. Francis Hotel am Union Square, die Top-Adresse der Stadt. Das ist das einzige Hotel mit Außenglasliften, die wir nach einer Weile auch  finden und in den 31. Stock hinaufgleiten. Die Geschwindigkeit, mit der dieses Höllengerät loslegt ist genauso atemberaubend wie der Blick durch und über die Wolkenkratzer. Der ganze Financial District liegt vor uns - unglaublich. Dummerweise löst nur der Fahrstuhl Alarm aus, als ich am 31. Stock in der Tür stehe, um den Blick  noch etwas länger zu genießen, es hat uns aber dann wider Erwarten doch keiner verhaftet.

Abends spielt Megan Mc Laughlin im Café der Jugendherberge, vor etwa 7-10  Zuhörern. Das ist wohl entweder Idealismus oder einfach nur Mangel an besseren Gelegenheiten. Früh werden wir 7.30 Uhr aus unseren Träumen gerissen - Feueralarm! Die meisten nehmen es nicht ganz für voll und packen erst noch ihre Sachen zusammen, zum Anziehen reicht's schon noch. Nun stehen also 200 Leute auf der  Wiese vor dem Haus, die Feuerwehrleute stürmen rein, um dann festzustellen, daß wohl mit dem Alarmgeber was nicht stimmt. Das hätte uns nicht davon abgehalten,  noch eine Nacht zu bleiben, aber heute geht gar nichts, d.h. wir müssen nach Downtown umziehen. Das geht am Besten mit der Cable Car, auch wenn man da manchmal mit Laufen schneller kommt

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 Die folgenden Tage wohnen wir also mitten im Zentrum und sehen innerhalb dieser Zeit sehr viel von San Francisco: Chinatown, City Hall, Alamo Square, Twin Peaks und Coit Tower, um nur Einiges zu nennen. Es würde hier zu lange dauern, darauf im Detail einzugehen, jedenfalls sind 5 Tage bei weitem nicht ausreichend, um die Stadt richtig  kennenzulernen. Sogar ein bißchen Kultur haben wir uns gegönnt und uns das bekannte Museum für moderne Kunst (SF MOMA) angeschaut. Und nach den ersten  beiden Wochen unserer Reise stand der Besuch eines Waschsalons auf dem Programm, den wir auch „überlebt“ haben, ich weiß jetzt wenigstens, daß man Socken möglichst nicht „cold“ wäscht...

 Das „believe it or not“ sollte ich noch erwähnen, in diesem Museum gibt es die unglaublichsten Sachen zu sehen, so z.B. eine voll spielbare Harfe ohne Saiten oder  einen Erdbebentunnel, der den Gleichgewichtssinn auf den Kopf stellt. Am witzigsten waren aber drei Spiegel, vor denen man versuchen sollte, seine Nase mit der Zunge zu erreichen. Etwas später kam man dann wieder an diesen  halbdurchlässigen Spiegeln vorbei, diesmal allerdings von der anderen Seite und konnte den nichtsahnenden Besuchern mitten ins Gesicht sehen.

  

 Am Samstag wollen wir endlich über die Golden Gate laufen. Wir haben so lange damit gewartet, da sie bis jetzt immer im Nebel lag. Doch auch diesmal haben wir kein Glück, auf der Brücke kann man nur etwa 50 Meter weit sehen - ziemlich enttäuschend. Aber schon diese gigantische Konstruktion aus der Nähe zu betrachten ist beeindruckend.  Man kann die riesigen Metallseile anfassen und glaubt es gar nicht, daß die Brücke tatsächlich davon getragen wird. Nur am Schwanken merkt man dann, daß die  Brückenpfeiler fehlen. Ein ausgewanderter Deutscher war der Chefingenieur - 11 Menschen mußten beim Bau ihr Leben lassen. Ansonsten ist es bei 6-spurigem Dauerverkehr nicht besonders schön auf der Brücke und trotzdem ist sie nunmal ein Muß für jeden Besucher von San Francisco.

Den legendären Golden Gate Park wollen wir noch sehen und hätten das aber besser bleiben lassen, da wir ziemlich spät dran sind, unser Bus fährt 17 Uhr. Also hetzen wir quer durch die schöne Stadt, diesmal zum Glück noch rechtzeitig am Bus. Wir wollen in den äußersten Süden von Kalifornien, nach San Diego. Diese längste Einzelstrecke unserer Tour fahren wir über Nacht.

[ 6. Redwoods ]  [ 8. San Diego ]