Los Angeles

30. September - 5. Oktober

 Unsere letzte Greyhound-Fahrt mit dem Express-Bus nach LA ist auch ein recht versöhnlicher Abschluß: für nicht mal 12 Dollar erreichen wir nach 3 Stunden die größte Metropole des Westens, wo wir unsere Reise beenden  werden. Aber noch ist es nicht so weit, wir haben noch viel vor die letzten Tage. Als ich aus der Tür des klimatisierten Busses trete, laufe ich wie gegen eine Wand: 43°C sind es hier, des guten Wetters fast schon zuviel. Das sorgt dann auch dafür, daß ich noch etwas von der kalifornischen Bräune abbekomme, schließlich kann man nicht käseweiß aus dem „Golden State“ zurückkehren.

Bei der Herbergssuche werden wir von einem jungen Amerikaner übers Ohr gehauen, der uns das Blaue vom Himmel verspricht, wenn wir ins Hollywood-Hostel gehen. Da wir uns aber ohnehin dieses Hostel rausgesucht hatten, gehen wir darauf ein, nur läßt das  versprochene Shuttle eine Stunde auf sich warten. Wir wohnen zwar direkt am Hollywood Boulevard, dem berühmten Walk of Fame, aber bei Kakerlaken in der viel zu kleinen Küche und auch sonst wenig Platz wollen wir nicht länger als eine Nacht bleiben. Zum Glück finden wir nur 50 Meter weiter an der selben Straße ein Studenten-Hostel, in dem wir 5 Nächte mit Frühstück für zusammen 50 Dollar bekommen - für diese Lage echt ein Hammerpreis.  Die Ausstattung ist zwar nicht gerade nobel, aber viel mehr als schlafen wollen wir dort ja auch nicht.

Quasi vor unserer Haustür werden wir von einem Fernsehmensch angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, bei einer Talkshow als Publikum dabei zu sein. Natürlich nehmen wir diese Gelegenheit wahr und finden uns nachmittags um drei vor dem CBS-Gebäude ein, wo jeder eine Nummer und Farbe zugeteilt bekommt, alles geht  sehr gesittet zu. Nach diversen Sicherheitskontrollen sitzen wir dann sogar in der ersten Reihe, können die ganze Show bestens mitverfolgen. Zwei Ausgaben von „politically incorrect“ mit Bill Maher werden aufgezeichnet,  für diese zweimal 25 Minuten Show sind wir etwa drei Stunden im Studio. Es geht um Ronald Reagans Biographie und das politische Tagesgeschehen, ich komme allerdings hier mit meinen Englischkenntnissen an die Grenze, von den Gags habe ich nur wenige wirklich verstanden. Aber das ist nicht so wichtig, durch Applaus-Schilder wird immer gezeigt, wo zu lachen ist, ein „Anheizer“ unterhält uns in den Werbepausen und probt die verschiedenen  Arten der Publikumsreaktion mit uns: einfaches, kurzes Lachen, längeres Lachen, spontaner Applaus, Lachen, das in Applaus übergeht, usw. Außer einem kleinen Stück Schokolade bekommt man für diese Anstrengung allerdings  nichts, von den Gästen kenne ich außer Brian Mc Knight eigentlich auch keinen. Man muß das allerdings einmal miterleben, um wirklich zu verstehen, wie man im Fernsehen nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt wird. Alles ist eine einzige Inszenierung und soll dann auf dem Bildschirm möglichst spontan wirken.

Am nächsten Tag stehen die Universal Studios auf dem Programm. Eine ganze Stadt  hat sich diese Firma hier nördlich von Hollywood aufgebaut, der große Vergnügungspark ist nur ein Teil des gesamten Komplexes, in den Studios entstehen  die millionenschweren Kinofilme der Traumfabrik. Was man hier geboten bekommt, ist sogar die 36 Dollar Tageseintritt wert, umwerfende Shows wie Terminator 3D oder  Waterworld mit Schauspielern und Stuntmen, eine Tiershow mit Beethoven und nicht zuletzt die diversen Erlebnisbahnen. Da kann man sich dann in einem hydraulischen  Flugsimulator herumschleudern lassen oder bei der Jurrasic-Park-Wasserrutsche den Magenboden spüren. Bei Letzterer wurden wir beide von oben bis unten naß, man  sollte vielleicht doch nicht immer in der ersten Reihe sitzen...

Die Hauptattraktion ist aber immer noch die Rundfahrt durch die echten Studios, mit  einem kleinen Autozug fährt man durch die Kulissen der großen Kinofilme, so haben wir z.B. auch den See und die dahinter liegende Pappwand aus der Truman Show gesehen. Alle möglichen Spezialeffekte darf man hautnah erleben, man ist in einem U-Bahn-Tunnel, plötzlich bricht Wasser ein, das dann aber kurz vor dem Wagen wieder verschwindet. Oder ein Truck kommt angerutscht und explodiert. Nachdem der Park dann geschlossen wird, strömen die Menschen in die Universal City, eine künstliche Fußgängerzone mit allem, was dazugehört.

 

 Durch unsere zentrale Lage können wir uns alles erlaufen: Beverly Hills, mit den Häusern der Stars. Diese sind auf Karten eingezeichnet, die es an jedem Kiosk gibt.  Natürlich auch das Hollywood-Zeichen, an das wir auf 20 Meter rankommen, näher sollte man allerdings nicht, da es überall Überwachungskameras gibt und empfindliche Bußgelder verlangt werden. Der Hollywood-Schriftzug lautete erst Hollywoodland und war eine Werbung für das gleichnamige Siedlungsgebiet in den Hügeln nördlich von Hollywood. Dort steht heute alles voll mit Luxusvillen in exklusiver Lage, nirgends sonst auf der Welt gibt es soviel Reichtum auf einen Haufen. Und die  Melrose Avenue, die Top-Adresse für Shopping in LA ist nur ein paar Meter von uns entfernt. So ist es dann auch kein Problem die letzten Dollar noch irgendwie unter die Leute zu bringen.

 

Am Montag steht Disneyland auf dem Programm. Leider liegt aber Anaheim nur theoretisch in LA, es ist eine eigene Stadt, zu der wir 3 Stunden unterwegs sind, die aber von der Metropole geschluckt wurde. So ist es schon Mittag, als wir endlich vor den Toren der Kindertraumfabrik stehen, irgendwie ist es trotzdem keine Frage, hier muß man gewesen sein, koste es, was es wolle. Der Park ist trotz der Massen ein  Erlebnis, alles ist bestens organisiert, es gibt für jeden Geschmack etwas. Wir haben es dann auch fertig gebracht, in den 6 Stunden mit fast jeder von den schnelleren  Achterbahnen zu fahren. Genau gezählt habe ich nicht, es waren aber sicher mehr als zehn und am Ende hatte ich nur noch Kompfschmerzen davon. Am schlimmsten ist Space Mountain - eine Achterbahn in einer unterirdischen Betonkugel, mit einem Affenzahn rast man durch die Dunkelheit, ist dann wirklich froh, diese Fahrt überlebt  zu haben. Für ein Bild mit Micky Mouse muß man sich anstellen, dann wird einer nach dem anderen auf ein schnelles Foto zu ihm hereingelassen, ganz so hatten wir uns das   auch nicht vorgestellt. Die perfekte Illusion ist trotzdem faszinierend, jeder weiß, daß die Berge nur aus Pappe sind, aber alles ist bis ins Detail nachgebildet - einfach schön.

 

Unseren letzten Tag unter der Sonne Kaliforniens wollen wir am Malibu Beach  verbringen, jener legendäre Strand, der allerdings bei Baywatch gar nicht zu sehen ist, da das in Australien gedreht wird. Im Bus dorthin spricht uns ein chinesischer Einwanderer an, wo wir herkommen und als er es erfährt, redet er in ziemlich gutem Deutsch weiter. Er hat an einer Universität in China Deutsch studiert und wohnt nun  schon lange in Malibu. Das eigentliche Erlebnis daran  ist aber, daß er plötzlich anfängt, die Lorelei zu singen. Die anderen Leute im Bus wissen nicht so richtig, was  sie denken sollen, wir finden's ziemlich lustig, er läßt es sich auch nicht nehmen, die Strophe bis zum Ende darzubieten. Er zeigt uns dann gleich noch eine schöne Stelle am Strand, wo wir aussteigen können. Ein einziger Rettungsschwimmer ist im Dienst, ganze vier Leute gehen um diese Jahreszeit noch zum Sonnenbaden. Es ist wieder so  einmalig schön wie in San Diego, wir bleiben bis zum Sonnenuntergang, den wir als letzten Eindruck mit in unsere Jugendherberge nehmen.

[ 8. San Diego[10. Rückreise ]