Die ART- und GERAC-Akupunktur-Studien: solide Grundlagen für eine GBA-Entscheidung?

 

Akupunktur & Traditionelle Chinesische Medizin (ISSN 1614-6891), AKU 34. Jahrgang, 1 (März 2006), S. 8-11

 

Dieter Wettig


In der Ausgabe 3/2005, S. 163 f, der Zeitschrift „Akupunktur & Traditionelle Chinesische Medizin", heben die Autoren der ART-Studie in einer Replik auf meinen Artikel in der Ausgabe 2/2005, S. 188 ff der gleichen Zeitschrift die „hohen wissenschaftlichen Standards" ihrer Akupunkturstudien hervor und fordern die Leser auf, sich doch selbst ein Bild darüber zu machen. Sie empfehlen die Lektüre der detaillierten Prüfplanveröffentlichungen in der „Forschenden Komplementärmedizin" (Karger Verlag). Ich hatte in meinem Artikel gerügt, dass diese Veröffentlichungen (in der Print-und Onlineausgabe des Karger Verlags) vor oder während der laufenden ART-Studien erfolgten und sich Probanden dort über das eigentlich streng geheim zu haltende Studiendesign eingehend informieren konnten, mit der Folge ihrer Entblindung. Die Autoren der Studie bestätigten nun in ihrer Replik, dass meine Feststellungen grundsätzlich richtig seien, auch dass es zu Entblin-dungen gekommen sein könne. Sie meinen, dies sei allerdings extrem unwahrscheinlich, ohne diese Vermutung begründen zu können. Die Autoren selbst haben den Karger Verlag wohl damals bevollmächtigt, die Prüfpläne auch vor den Studienenden zu veröffentlichen, teilweise sogar vor Studienbeginn, und sie erlaubten dem Verlag wohl auch, alles (ohne Doc-Check Zugangsschutz) ins Internet zu stellen (http://oper1.karger.com/xpress-track/submissions/copyright_trans-fer_statement_fkm.pdf, alle Links finden Sie in der Tabelle). Dieses Vorgehen bei diesen vier großen und sehr teuren Blindstudien war ungewöhnlich und schädlich.


Meine entsprechende Kritik an dieser Vorgehensweise wurde in der Online-Ausgabe des „British Medical Journal" im August 2005 (Link siehe Tabelle) ungekürzt wiedergegeben. Die in Heft 3/2005 von den ART-Autoren angekündigte Veröffentlichung der LWS-Studie erschien dann auch bisher nicht (Stand: 18.1.2006).


Teile der ART-Studie mögen als nicht entblindet gelten können und ggf. vom GBA in seiner für Februar oder März 2006 („Kassenvertreter für Akupunktur auf Rezept", Ärzte Zeitung, 11.01. 2006) anstehenden Entscheidung zur Aufnahme der Akupunktur in die GKV verwertet werden können. Allerdings nur, wenn dort nicht mehr als einige wenige Patienten mit Akupunktur-Vorerfah-rung teilgenommen hatten. Die restlichen - entblindeten - Teile der ART-Studie und alle Ergebnisse der GERAC-Studie taugen für eine GBA-Entscheidung auf hohem Evidenzniveau allerdings nicht.


Die Geldgeber beider Studien, also die Primär- und Ersatzkassen, sollten für die nicht verwertbaren Studienteile Schadenersatzforderungen stellen, denn wenn das, was bestellt worden war (Blindstudien), nicht geliefert wurde, sollte auch die Bezahlung dafür nicht erfolgen. Es geht nach meiner Schätzung bei den nicht verwertbaren Studienanteilen um Forderungen von etwas über 10 Mio. Euro. Dieses Geld stammt m. W. aus Kassenbeiträgen der Versicherten.


Irnich und Weinschütz schreiben im Heft 3/2005 der AKU, S. 158 ff. in ihrer Übersicht zu den Modellvereinbarungen Akupunktur und deren Ergebnissen, dass die mehrfach öffentlich formulierte Kritik an den GERAC-Studien (u. a. Entblindung) von ihnen nicht beurteilt werden könne und sie diese Kritik deshalb in ihrer Übersicht außer Acht gelassen hatten.


Allerdings gibt es sehr wohl Aussagen von kompetenter Stelle zum Entblindungsproblem. Führende GERAC-Mitarbeiter haben sich dazu nämlich bereits in eidesstattlichen Erklärungen vor Gericht geäußert und genau festgelegt:


Sie bezeugten sinngemäß: „Alle Informationen zu laufenden kontrollierten, randomisierten Studien (RCT) dürfen erst nach Abschluss der Studie öffentlich bekannt gegeben werden. Der Grund hierfür ist, dass bekannt werdende Informationen zu Studien sowohl auf das Verhalten der Prüfärzte als auch der Patienten oder der Telefoninterviewer Ein-fluss haben können. So kann z. B. ein Hinweis auf unerwünschte Wirkungen in laufenden RCTs dazu führen, dass Patienten nicht mehr in derselben Weise Hinweise des Arztes werten und z. B. die Prüfung vorzeitig abbrechen oder die Behandlung anders werten oder empfinden." ... „Eine Vorabveröffentlichung könnte sogar insgesamt das Studienergebnis gefährden." (Tabelle).


Sie bezeugten auch: „... dass keine Prüfsystematiken und Vorabergebnisse von autorisierten Personen, die die GERAC-Studie betreiben, zur Veröffentlichung freigegeben waren noch seitens der Betreiber der GERAC-Studie selber öffentlich zugänglich gemacht worden waren und daher bereits allgemein bekannt waren." Diese Behauptung halte ich für nachweislich falsch.


Deshalb schaltete ich die Staatsanwaltschaft ein: V. a. Meineid oder fahrlässige oder leichtfertige Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung.

 


Der Fachanwalt für Sozialrecht Herr Rechtsanwalt Welter gibt folgende Erklärung ab:


Im Zusammenhang mit der sog. GERAC-Studie wurde ich von Herrn Dr. Wettig beauftragt, nachdem sein Artikel im „Allgemeinarzt", Heft 6/2004, erschienen war. Die fachliche Kritik hat Beteiligte der Studie dazu veranlasst, Herrn Dr. Wettig mit zwei Klagen und einer einstweiligen Verfügung zu überziehen. Da der Streitwert jeweils mit 100.000- EUR angegeben war, drohte Herrn Dr. Wettig ein Kostenrisiko von über 30.000 EUR. Ich persönlich hatte den Eindruck, dass man versuchte einen engagierten Arzt damit einzuschüchtern.


Im Rahmen der Prozessverfahren gaben Mitarbeiter der GERAC-Studie im Mai 2004 so genannte eidesstattliche Versicherungen ab, die von einem Anwalt vorformuliert waren und in denen angegeben war, dass „... Prüfsystematiken und Vorab-Ergebnisse weder von autorisierten Personen, die die GERAC-Studie betreiben, zur Veröffentlichung freigegeben sind, noch seitens der Betreiber der GERAC-Studie selber öffentlich zugänglich gemacht worden und daher allgemein bekannt sind." Es waren aber nachweislich bereits detailreiche Prüfpläne und ein noch ausführlicherer Masterplan veröffentlicht. Besonders befremdlich ist, dass auch ein Hochschulprofessor an Eides statt versicherte, noch keine Veröffentlichungen zu der Studie getätigt zu haben, obwohl er im Februar 2004 und Ende 2003 Fachartikel mit Einzelheiten zu der Studie veröffentlichte. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren sind noch nicht abgeschlossen.

 

(Von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Sozialrecht Christian Welter, In der Dalheimer Wiese 1, 55120 Mainz, 16.1.2006.)


Dass es bei GERAC entblindete Probanden gibt, wird nun selbst von dort zugegeben (16.11.2005). Auch ART-Autoren geben zu, dass es zu Entblindungen gekommen sein kann, meinen aber, das sei höchst unwahrscheinlich (15.9.2005). Die letztere Annahme blieb völlig unbegründet. Außerdem: Sowohl bei ART als auch bei GERAC durften unter bestimmen Umständen Probanden mit Akupunktur-Vorerfahrung teilnehmen. Diese Patienten konnten wohl leicht deshalb zwischen Sham- und Verum-Akupunktur unterscheiden und wurden dadurch m. E. sofort entblindet.


Wenn nur 5 bis 10 % Patienten teilnahmen, die überwiegend aufgrund ihrer Akupunkturvorerfah-rung merkten, ob sie Sham- oder Verum-Akupunktur erhielten, mithin entblindet wurden, und sich diese entblindeten Sham-Proban-den unerlaubte Zusatztherapie holten, musste sich dies positiv auf die Beurteilung der vermeintlichen Wirksamkeit der Sham-Akupunktur auswirken. Mit vali-den Resultaten kann dann nicht mehr gerechnet werden. Das gilt natürlich auch, wenn weitere 10 bis 20 % der Patienten durch ihre Kenntnis der Prüf- und Studienpläne entblindet wurden.

Anschrift des Verfassers:

 

Dr. med. Dieter Wettig Facharzt für Allgemeinmedizin Erlkönigweg 8
D-65199 Wiesbaden-Dotzheim www.wettig.de 

 

Anhang:

 

GERAC-Akupunkturstudien: Eine Chronologie. (Kurzform)

Von Dieter Wettig

 (Stand: 28.01.2006)

Die gesamte, ausführliche Tabelle (einschl. ART-Studien) ist im Internet zu finden:

 

http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/Zi/Chrono2.htm  

           

            1 .         Oktober 2000          GBA wünscht Akupunkturblindstudien      http://www.g-ba.de/cms/upload/pdf/abs5/beschluesse/2000-10-16-BUB-Akupunktur.pdf

            2.         2001  GERAC veröffentlicht Masterplan V9.0. Öffentlich im Internet.            http://www.gerac.de/deu/download/Masternplan_V9.0_BK.doc Dort wurde unter Punkt 9 erklärt, was Kontroll-Akupunkturpunkte sind ("Die Scheinakupunktur wird für jede Indikation einzeln festgelegt. Hier erfolgen Nadelungen an Nicht-Akupunkturpunkten (Sham-Akupunktur).") Kein Doc-Check Zugangsschutz (http://www2.doccheck.com/) im Internet eingerichtet. Durchgef. Änderungen im Masterplan werden der Öffentlichkeit mitgeteilt

            3.         Juni 2002      GERAC Design im Deutschen Ärzteblatt            http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=32190 „....In der Sham-Akupunktur werden Nadeln oberflächlich an definierten Nicht-Akupunkturpunkten gesetzt...." (Trampisch etal.,). Das DÄB hat eine riesige Auflage (http://www.aerzteblatt.de/v4/mediadaten/md_charakteristik.asp) von über 370.000 Exemplaren pro Woche, die Online-Ausgabe hat etwa 2.080.010 Pageimpressions pro Monat (http://www.aerzteblatt.de/v4/mediadaten/md_supplements.asp ). Kein Doc-Check Zugangsschutz eingerichtet.

            4.         2002  GERAC veröffentlicht Studienplan V4.2   http://www.amib.ruhr-uni-bochum.de/download/Studienplan_V4.2.pdf Dort gibt Kapitel 4 Auskunft, dass in der Shamgruppe Nicht-Akupunkturpunkte zum Einsatz kommen. Impressum: Ansprechpartner/in: (Hans.J.Trampisch@ruhr-uni-bochum.de ). Kein Doc-Check Zugangsschutz eingerichtet.

            5.          Ab 2002       GERAC verlinkt zu den Studienplänen     GERAC selbst hatte auf seiner Website umfangreiche links angebracht, die auf vielfältige Weise zu den bekannten Studien- und Masterplänen führen (http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/cgi-bin/GERACV.html ).

            6.          Ab 2002       Prüfpläne für Probanden zu finden Die Information konnte jeder Patient sehr leicht finden z. B. durch eine google-Suche: http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/cgi-bin/google.html

            7.          2003 GERAC veröffentlicht Gonarthrose-Prüfplan, auch für Probanden zugänglich gemacht            1. Prüfplan GERAC - Wirksamkeit und Sicherheit von Akupunktur bei gonarthrosebedingten chronischen Schmerzen, Heidelberg, Februar 2003, Scharf, Witte, Streitberger, Mansmann, Wollermann, Krämer, Victor 2. Badische Landesbibliothek , Signatur #103 B 51 009 3. Deutsche Bücherei, Signatur #2002 B 27 627 4. ZBMED http://www.zbmed.de („Signatur : erscheint als elektronische Ressource"). (9): Siehe die Katalogauszüge: http://www.angelfire,com/sc/naturheilverfahren/Katalogausz_ge.htm

            8.         Februar 2003           GERAC veröffentlicht LWS-Design          http://www.ncbi. nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db= PubMed&list_uids=12647733&dopt=Citation (in: Z. Orthop u. Ihre Grenzgeb.) Ein Doc-Check Zugangsschutz dafür im Internet wurde nicht eingerichtet.

            9.         Oktober 2003           GERAC veröffentlicht LWS-Prüfplan im Internet:            http://www.liebertonline.eom/doi/abs/1 0.1 089%2F1 0755530332252461 6 (zunächst kostenlos). Ein Doc-Check Zugangsschutz dafür im Internet wurde nicht eingerichtet. „....Obligatory points are Üb 23, 40, 60, and Ki3 for dorsal pain or Üb 23, Gb 34, 41 and Ki3 for lateral pain.... selected from Üb 24-34.... For sham acupuncture, six needles on either side of the lateral part of the back and two needles on the lower limb are applied superficially (depth of needle insertion ,0.5 cm) at acknowledged nonacupuncture points....". Akup.-Punkte finden Laien z. B. unter http://www.acuxo.com/meridianPictures.asp?point=PC1&meridian=Pericardium

            10.       Oktober 2003           Veröffentlichung von GERAC-Prüfplan (LWS) ein Novum?            http://www.liebertonline.eom/doi/abs/1 0. 1 089/1 07555303322524436 Offenbar ist die Veröffentlichung eines Prüfplanes ein Novum und ein Editorial wert. Falsch ist die Behauptung aus Kreisen von GERAC, so etwas sei gang und gäbe.

            11.        Februar 2004          GERAC veröffentlicht Details  Damals kostenlos als Download auch für Patienten weltweit erhältlich: und Ergebnisse                      1 .http://www.liebertonline.eom/doi/pdf/1 0.1 089/1 075553043228491 83 2. http://www.liebertonline.com/doi/pdfplus/10.1089/107555304322849183. Kein Doc-Check Zugangsschutz eingerichtet. 

            12.       Ab März 2004          Screening-Ende GERAC-Gonarthrose    Die Einbringung (Screening) von Patienten wurde am 27.2.2004 gestoppt, so dass die Studie mit einem Nachlauf von einem halben Jahr oder länger etwa Ende 2004 beendet wurde. Vor diesem Studienende war erstaunlicherweise der Entwurf des Masterplans V9.0BK der Gonarthrosestudie in einer nicht finalen Fassung für jeden - auch für die zu verbündenden Patienten und zu verbündenden Telefoninterviewer - von der Gerac-Seite www.gerac.de frei abrufbar. Er nannte sich dort "Leitfaden der Studie herunterladen - Word Format 41 1 kb": http://www.gerac.de/deu/download/Masternplan_V9.0„BK.doc (s. o.).

            13.       2004  GERAC veröffentlicht Gonarthrose-Prüfplan im Internet.           Vor dem Studienende wurden alle geheimen Details öffentlich gemacht: http://www.biometrie.uni-heidelberg.de/pubükationen/44_gerac.pdf. Kein Doc-Check Zugangsschutz eingerichtet.

            14.        24.3.2004    GERAC veröffentlicht Gonarthrose-Prüfplan im Internet Vor dem Studienende wurden alle geheimen Details öffentlich gemacht: „Efficacy and safety of acupuncture for chronic pain caused by gonarthrosis: A study protocol of an ongoing multi-centre randomised controlled clinical trial" von Konrad Streitberger, Steffen Witte, Ulrich Mansmann, Christine Knauer, Jürgen Krämer, Hanns-Peter Scharf and Norbert Victor, http://www.biomedcentral.eom/1472-6882/4/6. Kein Zugangsschutz.

            15.        10.4.2004    Die GERAC-LWS Studie: Gravierende Design-Probleme ?    Schon am 10.4.2004 war im "Der Allgemeinarzt" zu lesen, dass bei der GERAC-LWS-Studie die Protokolle fehlerhaft erschienen: "....Es leuchtet ein, dass dadurch ein Vergleich der Wirksamkeit zwischen den beiden ersten (Akupunktur-) und der letzten (KG-) Gruppe nicht erfolgen kann. Denn man kann nicht Patienten, die 10 oder 15 Sitzungen Verum- oder Plazebo-Akupunktur erhielten, vergleichen mit Patienten, die nur 6 Sitzungen KG erhielten.

16.      Mai 2004       Prozesse werden angestrengt       U. a. wegen meiner als konstruktive Kritik gemeinten Äußerungen im Allgemeinarzt werden 4 Klagen aus dem GERAC-Kreis zu je 100.000 Euro Streitwert gegen mich eingereicht. Vorwurf: Potenzielle Entblindung von Patienten.

17.      Mai 2004       Führende GERAC-Beteiligte geben Eidesst. Versicherungen ab       In zwei eidesstattlichen Versicherungen, u. a. in einem öffentlichen Verfahren vor dem LG Wiesbaden (2 0 .../04), versichern an der GERAC-Studie Beteiligte sinngemäß, „....dass keine Prüfsystematiken und Vorabergebnisse von autorisierten Personen, die die Gerac-Studie betreiben, zur Veröffentlichung freigegeben waren, noch seitens der Betreiber der Gerac-Studie selber öffentlich zugänglich gemacht worden waren und daher bereits allgemein bekannt waren."

18.      Mai 2004       Führende GERAC-Beteiligte   In diesen öffentlichen Prozessen wurde von Kennern der GERAC-Gonarthrose-Studie schriftlich und teils an Eides statt erklärt, dass vorzeitige potentiell geben Erklärungen in einem    entblindende Veröffentlichungen eine solche Studie gefährden können, weil nach Lektüre solcher Informationen zu verbündende Personen (Patienten oder öffentlichen Gerichtsverfahren Telefoninterviewer), aber auch teilnehmende Prüfärzte, u.U. nicht mehr unvoreingenommen Effekte wahrnehmen oder agieren oder antworten. Es sollte doch hier ab                                       sinngemäß gelten: „Alle Informationen zu laufenden kontrollierten, randomisierten Studien (RCT) dürfen erst nach Abschluss der Studie öffentlich bekannt gegeben werden. Der Grund hierfür ist, das bekannt werdende Informationen zu Studien sowohl auf das Verhalten der Prüfärzte als auch der Patienten oder der Telefoninterviewer Einfluss haben können. So kann z. B. ein Hinweis auf unerwünschte Wirkungen in laufenden RCTs dazu führen, dass Patienten nicht mehr in derselben Weise Hinweise des Arztes werten und z. B. die Prüfung vorzeitig abbrechen oder die Behandlung anders werten oder empfinden." .... „Eine Vorabveröffentlichung könnte sogar insgesamt das Studienergebnis gefährden."      

19.      Nach Mai 2004         Kein Prozess von GERAC gewonnen      Ich konnte vor Gericht belegen, dass aus dem GERAC-Kreis selbst bereits jede Menge entblindende Informationen vor meiner Veröffentlichung an die Öffentlichkeit kamen.

20.      Nach Mai 2004         Publikationen werden kostenpflichtig        Einige der o.g. Publikationen von GERAC können nicht mehr kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Ein Doc-Check Zugangsschutz dafür im Internet wurde aber immer noch nicht eingerichtet.

21.      24.6.2004      Weitere Design-Mängel bei GERAC?     Die Dt. Ztschr. F. Akup., 47, 2/2004, S. 60, berichtet über einige Probleme zur LWS-Studie, so u. a.: „....so werden z. B. in den Protokollen zur Sham-Akupunktur 8 Einstiche (je 8 Einstiche bds.) gefordert, jedoch in der Verum-Akupunktur 8 Einstiche (je 4 Einstiche bds.) gefordert. Es werden somit von den durchführenden Akupunkteuren bei der Sham-Akupunktur statt 16 nur 8 Punkte genadelt, dadurch sind diese beiden Gruppen nicht vergleichbar...."

22.      Oktober 2004           Studienende GERAC-Gonarthrose           Erst jetzt ist Studienende. Bereits vorher war das Design öffentlich gemacht worden: http://www.gerac.de/deu/download/Masternplan_V9. 0_BK.doc (s. o.)., http://www.biometrie.uni-heidelberg.de/publikationen/44_gerac.pdf (s. o.), http://www.biomedcentral.eom/1472-6882/4/6

23.      Bis Studienende       GERAC-Telefoninterviewer            Den Telefoninterviewern wurde anscheinend keine Entblindungsfrage gestellt. http://www.angelfire.com/sc/naturheilverfahren/cgi-bin/Blinding„and_Randomisation.htm Gerade die Telefoninterviewer konnten sich wahrscheinlich alle problemlos aus dem Internet und Bibliotheken über das GERAC/Studiendesign informieren.

24.      2004   GERAC veröffentlicht einige Resultate zur LWS- und Gonarthrosestudie      1 , http://www.aok-bv.de/imperia/md/content/aokbundesverband/dokumente/pdf/gesundheitsversorgung/gerac_haake.pdf (offenbar wurde gegen Standardtherapie getestet (also 6 x KG ?) , 2. http://www.aok-bv.de/imperia/md/content/aokbundesverband/dokumente/pdf/gesundheitsversorgung/gerac_molsberger.pdf. Es finden sich keine oder nur wenig bedeutsame Unterschiede zwischen Verum- und Sham-Akupunktur.

25.      18.1.2005      Kritik an GERAC      http://www.biomedcentral.eom/1472-6882/4/6/comments Die GERAC-Gonarthrosestudie wird als entblindet kritisiert

26.      Nach Mai 2005         Staatsanwaltschaft ermittelt...         ... gegen o. g. GERAC-Beteiligte wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung oder deren leichtfertige Abgabe.

27.      6.7.2005        Ärzte Zeitung berichtet über potentielle Entblindung der GERAC-LWS-Studie         Ärzte Zeitung vom 6.7.2005, S. 1 1 : "Akupunktur hilft Patienten mit LWS-Beschwerden": „. . .TCM- und Sham-Akupunktur waren in Studie wirksamer als die Standardtherapie. Eine Akupunktur-Behandlung hilft Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen besser als eine leitlinienbasierte Standardtherapie. Dies hat die gerac-cLPB-Studie (German Acupuncture Trials, chronic Low Back Pain) ergeben, die unter Schmerzexperten zu vielen Diskussionen, auch kontroversen, geführt hat.

28.      25.9.2005      GERAC: „Stechen egal wohin?"    „....Ärzte können sich die teuren Akupunkturkurse sparen. Sie können die Nadeln einfach irgendwohin stechen", kommentierte Prof. Dr. Diener das Ergebnis..." (Prof. Diener): u. a. http://morgenpost.berlin1.de/content/2005/09/25/wissenschaft/781689.html

29.      August 2005  GERAC: „Prüfpläne vorher voröffentlichen: Richtig und informativ"      Dr. Endres in der "Der Schmerz" (4, 2005, S. 331 f.) als Replik auf meine GERAC-Methodenkritik bzgl. der Gonarthrose-Studie: So war er dort u. a. der Meinung, dass es u. a. deswegen richtig sei, Prüfpläne klinischer Studien frühzeitig zu veröffentlichen, damit sich interessierte Patienten über Design und Ziele einer Studie informieren können. ...Mit anderen Worten: Probanden sollen das Design vorher erfahren! Das ist dann aber das Gegenteil einer Blindstudie !

30.      Oktober 2005           Dr. Egger vom AOK-BV:            http://www.lexonline.info/lexonline2/live/professional/index_0.php?lid=90&productActiveArtnr=293129&xid=78863&link=ar „... Dabei sollte die Vergütung so bemessen sein, dass Fehlanreize vermieden werden...." ....Zwar konnten nicht alle Fragen geklärt werden, aber eins ist klar, die Akupunktur nach den Regeln der traditionellen chinesischen Medizin ist nicht wesentlich wirksamer als andere Akupunkturverfahren ...

31.      November 2005       GERAC veröffentlicht Resultate zur Kopfschmerz-und Migränestudie 1 . http://www.gerac.de/deu/pdf/2Trampisch1 .pdf ; 2. http://www.gerac.de/deu/pdf/3Molsberger2.pdf ; 3. http://www.gerac.de/deu/pdf/4Diener.pdf Es finden sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen Verum- und Sham-Akupunktur.

32.      16.11.2005    GERAC gibt Entblindungen zu       ... So wurden zusätzlich zu allen Patienten, ..... auch alle diejenigen Patienten als Misserfolg gewertet, die entblindet worden sind, ... unter http://www.gerac.de/deu/pdf/3Molsberger2.pdf

33.      1.12.2005      Ärzte Zeitung berichtet erneut über potentielle Entblindung von GERAC        „... Kritisiert wird bei GERAC-Studien etwa, dass Patienten das Studiendesign hätten kennen können, weil es im Internet einsehbar war ..."