• WAS LESER SAGEN

Große Vorbehalte gegen Therapeuten

Zum Leserbrief von Heiner Melchinger: „Noch mehr Psychotherapeuten wären kontraproduktiv", (ÄZ 150). In allen Punkten will ich Kollege Melchinger Recht geben: Psychotherapeuten schaffen sich ihren Bedarf selbst, sie behandeln hauptsächlich junge und leicht Erkrankte, viele arbeiten nur Teilzeit, sie bieten fast nie Gruppentherapien an, schöpfen fast immer das erlaubte Stundenkontingent aus, Bewilligungsanträge werden fast immer durchge\vunken. Ergänzen will ich: Viele Therapeuten fordern vom Haus- oder Facharzt oder der psychosomatischen Rehaklinik weder Befunde an. noch schreiben sie Quartalsberichte (Arztbriefe), sie betreiben eine Parallelbehandlung, sind oft nur wenige Minuten am Tag erreichbar, überlassen die Notfallbehandlung dem Hausarzt oder der Klinikambulanz und nehmen am Notdienst nicht teil. Um eine Stunde Zuwendung durch eine Therapeutin zu finanzieren, müssen drei Beitragszahler je eine Stunde arbeiten gehen (...). Eine Stunde Psychotherapie (80 Euro) entspricht ungefähr der Quartalskopfpauschale für die Psychosomatische Grundversorgung durch den Hausarzt für 80 Patienten.

Dr. Dieter Wettig,

Allgemeinarzt aus Wiesbaden