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Viva Ecuador - versteh' nur spanisch!
Friday, 28 January 2005
Mas
Mood:  accident prone
Topic: Computer...
Jetzt moechte ich noch schnell meine Versprechungen erfuellen...dazu wieder Zwischenueberschriften, die dem regelmaessigen Leser Querverbingungen in und durch diesen Weblog erleichtern sollen...

"Robo im Supermarkt - Robo im Bus"
Es ist war, in Quito und auch an den Orten, die ich gegenwaertig besuche ist es nicht ungefaehrlich. Mittlerweile gehoeren die Menschen, die noch nie ueberfallen oder bestohlen wurden zur Minderheit - zumindest die Kamera o.ae. kam fast jedem weg. Einmal schlenderten wir Profesores y Estudiantes von der Altstadt nach Hause, als wir eine Tiefgarageneinfahrt passierten, in die der Besitzer eines Geschaeftes und der Mob einen Dieb getrieben hatten, offenbar bewaffnet. In dem Moment ueberlegte die Polizei, ob sie hereingehen sollte - wir entschieden uns fuers Weitergehen... Ich habe mich allerdings noch nie wirklich unsicher gefuehlt und sicherlich gibt es eine Korrelation mit Aufmerksamkeit und einer gewissen Grundspannung. Einzig eines Morgens um 7.15 Uhr in Sucre/Bolivien hatte ich ein ungutes Gefuehl. Zunaechst wurde ich von einem dubiosen Argentinier angesprochen, dann setzte sich ein komischer Bolivianer auf die andere Bankseite - wobei doch fast alle Baenke auf der Plaza frei waren...gerade, als ich den Ort wechseln wollte, kurz nachdem der Argentinier verschwunden war, wurden wir beiden Verbliebenen von einem Zivilpolizisten kontrolliert. Als dieser ausserdem jeweils unser Geld ableuchten wollte, reagierte ich indem ich ihm mitteilte, dass ich dies fuer komisch hielte, aber wir gerne zu einem Uniformierten Polizisten gehen koennten. Er winkte ab, warnte mich nochmal und nam mit einer weiteren, bulligen Zivilperson die Verfolgung des mittlerweile nervoes enteilten Bolivianer auf...wie sich spaeter herausstellte, war es tatsaechlich ein "echter" Polizist, der auf Drogen ermittelte. Anschliessend an diese Situation nahm ich erstmals die Kirche als "Zufluchtsort" war und hielt mich bis zur Oeffnungszeit von den Fruehstueckscafes eine Weile in der Kathedrale Sucres auf...dort herrschte absoluter Frieden.

"Quitos schwule Friseure"
Mittlerweile war ich zweimal bei Friseur. Nach kurzer Zeit in Quito, wo ich die Attraktion war...noch nie wurden mir so liebevoll die Haare aus dem Nacken gehaucht und noch nie hat sich ein weiterer Friseur neben mich gesetzt, um mich 10 Minuten anzuschauen. Und obwohl ich zu der Zeit praktisch noch kein Spanisch konnte kam eine ordentlich Frisur heraus...und die Erkenntnis, dass Quitos Friseure stockschwul und "supersuess" sind. Das "I-Tuepfelchen" war, dass "er" zwar kein Wort Englisch, dafuer ein wenig franzoesisch konnte...alle Klischees wurden also bestaetigt. Vor einigen Tagen in La Paz hingegen wurde ich von erfahrenen Maennern geschoren, die fuer 1 $ leider mehr als nur die Nackenhaare und Kotteletten stutzten...wenn, dann habe ich mich auch dort mit irgendetwas infiziert - glaube aber nicht. :-)

"Cuarenta - 15$ Gewinn und warum keiner mehr mit mir spielt"
Ich hatte bereits von den Anfaengen erzaehlt...allerdings noch nicht davon, dass ich auch weiterhin jedes Spiel gewann und mittlerweile eine ordentlich Summe erspielte, ergaenzt um einige Biere und Kleinpreise. Der Hoehepunkt war der Gewinn des Cuarenta-Turnieres in der Sprachschule - zum Aergernis der Ecuadorianer. Der Ordnung halber sei erwaehnt, dass Matthias zwar nie wieder mit mir spielte, jedoch in seiner Praktikumsfirma das dortige Cuarenta-Turnier gewann...

Da mir gerade der Computer abstuerzte und diverse Zeilen samt dazugehoerigen 45 Minuten Lebenszeit den "Bach hinuntergingen", gehe ich jetzt etwas essen, dann schlafen und fahre morgen mit dem Zug nach Cusco...chuta!

Posted by poetry/diariosdemartin at 20:10 EST
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Schokolade und Obst
Mood:  don't ask
Topic: a si no mas
Staendig kuendige ich an, dies sei der letzte Eintrag...nun gut, seit ca. 5 Stunden warte ich darauf, dass der Hostalbesitzer zurueckkommt und mir den Schrank aufschliesst, in dem sich alle meine Wertsachen befinden...denn nur er hat den Schluessel und das liebenswuerdige Personal ist recht ratlos. Einerseits bin ich von dem Sicherheitslevel schwer beeindruckt, andererseits waere ich theoretisch in 30 Minuten in Cusco, wo ich bedeutend lieber sein wuerde, als hier in Puno. Zwar umspuehlt mich eine laue Seebrise vom Titicaca See her, insgesamt ist diese Stadt jedoch trostlos, wenn man nicht gerade Ausfluege macht...aber alle Stunde schaue ich ja nach, ob der Chef wieder da ist.

Jetzt habe ich meinem Frust freien Lauf gelassen und mich in das teuerste und beste Cafe von Puno gesetzt und fuer 3 $ (Das ist viel!) einen Fruchtsalat, "die" Schokotorte des Hause (verdammt gut) und eine Limo bestellt - bei dieser Masse an Konsum ist eine Stunde Internet inklusive...und da mein E-Mail nicht das benoetigte Applet laden kann - jetzt wisst ihr es also.

Und ich war so stolz, dass ich gestern einen halben Tag herausgeholt hatte. Wobei mir die vergangenen Tage ein wenig an "In 80 Tagen um die Welt" erinnerten. Fogg haette es sicherlich nicht geschafft, waere er - statt bequem mit der Eisenbahn durch die USA zu dampfen - durch Lateinamerika gereist. Jedenfalls haette ich dann auch gegen ihn gewettet!

...oh, jetzt betreten gerade die einzigen anderen Gaeste die Staette, die aufgrund ihres Preisniveaus offenbar nicht ueberlaufen wird...und die Schokotorte war echt gut...jaja claro, die Schweizer Schoggi ist besser...

Eindrueckliche Tage liegen hinter mir, in denen ich die Minen von Potosi besuchte, wo immernoch unter unvorstellbaren Bedingungen gearbeitet wird. Man nimmt nicht nur Metall anschliessend anders und dankbarer war, sondern fragt sich erneut, was den Menschen bisweilen (an-)treibt. Europa und unsere - wenn auch vielleicht nicht "nine-to-five", sondern "eight-to-seven" - "jobs" sind dort so weit weg und die Qualen der Kolonialzeit waren so unverstellbar nah und fuehlbar. Am naechsten Tag dann der Kontrast, als ich einen Tag lang in strahlender Sonne die Salzwueste von Uyuni kennenlernte. Ein Naturerlebnis, welches alleine eine Reise wert ist - besser waeren vier Tage. Die Lippen trocknen und das Weiss des Salzes schafft eine wunderschoene und eigentlich doch so todbringende Umgebung, deren Horizont von teilweise schneebedeckten Vulkanen und Bergmassiven gezeichnet wird.

...uih, jetzt habe ich aber mit dem Fruchtsalat ein wenig Schweinkram angerichtet, naja...

Und unglaublich, aber eben in dieser Wueste, die an diesem Tag von vielleicht 40 weiteren Menschen besucht wurde, treffe ich wieder auf Pipo, meinen "Bruder" aus Quito, der die ersten Tage mit in der Familie verbrachte und dem die Fotos zu verdanken sind. Ein freudiges Wiedersehen.

Nach der Weiterreise an den Titicacasee, verbrachte ich den gestrigen Tag auf dem Wasser und mit dem Besuch der Sonneninsel und somit dem ersten Kontakt mit den Zeugnissen der Inkakultur. Sie erinnern an die Hochkulturen des Mittelmeers, wobei mir hingegen die Entwicklungsstufe nicht ebenbuertig erscheint...aber Machu Picchu kommt noch. An die Bootstour schloss sich die coolste Taxifahrt meines Lebens an, bis zur Grenze nach Peru: 15 Minuten in einem uralten, riesigen Amicruiser. 'Sind schon nette Autos, wenn sie nicht >20 Liter schlucken wuerden. Auf der anderen Seite dann die billigste Taxifahrt. Ich war wohl der Letzte, der vor Toresschluss die Grenze passierte und so bot mir ein Taxifahrer aus Puno, der zuvor eine Frau an die Grenze brachte, zum - nein unter dem - Selbstkostenpreis von 3 $ eine zweieinhalbstuendige Taxifahrt nach Puno an. Das war schneller und billiger als der Bus - super! A propos: Und in Potosi fand die Taxifahrt mit dem uebelsten Auto statt - da funktionierte eigentlich nichts mehr. Auto und Fahrer gemeinsam zaehlen sicherlich gute 150 Jahre, zur Bedienung der "Bordelektronik", wie bspw. der Hupe wurden jeweils waehrend der Fahrt verschiedene Draehte kurzgeschlossen...aber keine Sorge, das Ding fuhr sowieso nur ca. 15 km/h, insofern fuehlte ich mich fast zu jedem Zeitpunkt sicher und habe eher ueberlegt, auszusteigen und zu Fuss weiterzugehen um Zeit zu gewinnen...bergauf haben wir jeweils einen kleinen Stau verursacht, samt Hupkonzert - aber letzteres ist ohnehin ein Lateinamerikaklassiker und ich weiss nicht, wie ich in St. Gallen oder geschweige denn in Hamburg ohne ein solches schlafen werden kann. Dabei faellt mir ein: Unglaublich, aber allen drei Laendern sind voellig planlose, ueberforderte und staendig herumpfeifende Strassenpolizisten gemein. Ich frage mich, welcher Ausbildungsweg zu dieser Taetigkeit fuehrt. Es gibt sicher Pfeifschulen, bei deren Abschlussfeiern feierlich die Pfeifen ausgegeben werden, um ab diesem Moment an in Dauerbenutzung zu sein - ohne erkennbaren Bezug zu den Realitaeten im Strassenverkehr - der grundsaetzlich die Pfiffe ignoriert...was wiederum neue Pfiffe ausloest...

Ich gehe 'mal Schauen, was in meinem Hostal passiert.

Posted by poetry/diariosdemartin at 16:03 EST
Updated: Friday, 28 January 2005 18:20 EST
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Sunday, 23 January 2005
Und nochmal 10 Minuten...
Mood:  chillin'
Topic: on the road
Da ich den vorherigen Eintrag noch zu Ende bringen wollte: Also, `bisweilen melancholisch, da mein Gehirn gewoehnlich Gedanken produziert, sobald ich wach bin. Da gegenwaertig keine Ablenkung durch Reden stattfindet, geht mir also vieles durch den Kopf...nicht zuletzt viele Erinnerungen von vergangenen Reisen, Begegnungen und Erfahrungen.

Jedoch kam es, wie es kommen musste: Ich werde zum Traveller, zumindest fuer einen Tag. Hat mir doch der Zufall heute im Bus zwei Spanier und einen Italiener an die Brust gespuehlt, mit denen ich das Zimmer, die Nacht und den morgigen Tag teile...und momentan sind wir gemeinsam im Web, nach dem obligatorischen Pollo und vor dem Cerveza...nette Jungs, die gerade ihr Austauschsemester in Buenos Aires abgeschlossen haben und herumreisen.

¿Qué mas?

Klar, immer wieder die Ueberlegungen: Wie funktioniert das hier, wo bewegen sich diese Gesellschaften hin...zumindest in Ecuador will ja fast jeder oder fast jede nach Europa oder in die USA...wer koennte hier was aendern - und warum?

Otra vez...una buena noche - suerte para todos!

Posted by poetry/diariosdemartin at 21:23 EST
Updated: Friday, 28 January 2005 15:24 EST
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Travelling
Mood:  bright
Topic: on the road
Tja, dieser Eintrag ist meiner knappen Kalkulation geschuldet...ausserdem fahren die Busse hier tatsaechlich ausserst puenktlich und die Fahrer schauen bei der Abfahrt auch nicht in den Rueckspiegel...so dass der hinterhersprintende Tourist sicherlich zur Unterhaltung der Einheimischen beitragen konnte. Allerdings fahren staendig Busse, so dass ich in 45 Min. von Sucre nach Potosi aufbreche...nein, in 25 Min.!!!

Letzten Freitag musste ich einerseits an Vale denken, als ich mit einem Mountainbike von 4700 M. auf 1300 M. herunter"geradelt" bin. Coole Sache...waere ich juenger (haha) wuerde ich doch glatt mit Downhillbiking anfangen. Obwohl ich mich immer in der Spitzengruppe halten konnte, unterliess ich es zu stuerzen, was nicht alle Teilnehmer auf die Reihe bekamen...besondere Genugtuung (das muss hier mal gesagt werden) hat mir bereitet, dass ich bei einem kleinen Anstieg unseren zweiten Fuehrer auf Distanz halten konnte...;-)...Leser: Bitte bedenke die Hoehe! ;-)

Gestern bin ich durch La Paz geschlendert und hebe gegenwaertig meinen Museumsbesuchsschnitt an...im Sonnenschein ein faszinierend gelegene Stadt.

Und tatsaechlich wurde ich gestern wieder einmal ein wenig melancholisch, sieht man doch schneebedeckte Berggipfel, die sehr an die Schweiz erinnern...an die eine Heimat sozusagen...ich habe richtig Lust bekommen Skizufahren, wie frueher mit der Familie oder mit den lieben und teils irren (WoValle) Freunden...chuta, jetzt sollte ich mal los!

Posted by poetry/diariosdemartin at 12:38 EST
Updated: Sunday, 23 January 2005 21:11 EST
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Thursday, 20 January 2005
La Paz
Mood:  special
Topic: Frieden, dann Aktion
Jaja, die Geschichten vom schwulen Frisoer und aehnliche Quito Erlebnisse werden vermutlich erst im Februar ihren Weg ins Netz finden...mit einem Mal verflog die Zeit nicht nur - sie war schlichtweg nicht mehr vorhanden. Immerhin kann ich jetzt halbwegs brauchbar Spanisch, d.h. theoretisch habe ich sogar mit dem Subjuntivo die Grammatik groesstenteils abgeschlossen...wenn es auch ein heisser Ritt war.

Also, let's focus (A propos, Florian, den Start-Up Bericht werde ich dir muendlich geben muessen, duerfen, wollen):

Nach einem ruhigen Jahreswechsel, den ich in der groessten Stadt Ecuadors Guayaquil verbrachte, hatte ich noch schoene Tage in Quito, wie durch ein Wunder mit noch besserem Wetter als zuvor. Vergangenen Mittwoch schloss ich dann mit der Sprachschule ab und habe vorgestern noch den Test im Nivel Superior gemacht und mit ein wenig "Kreativitaet" vermutlich auch bestanden, was mir dann ein Zertifikat des ecuadorianischen Bildungsministeriums einbringen wird - wenn das nichts ist! ;-) Dazwischen bin ich noch die halbe Kueste Ecuadors abgefahren und habe mich fast im Nebelwald erkaeltet...aber viel wichtiger: Jetzt sitze ich in La Paz!

Es ist schon ein komisches Gefuehl, nach acht guten Wochen in Quito, in denen man Stadt und Menschen kennen- und schaetzenlernte, nach einem schoenen Abschiedsabend, gestern an einem Sonnentag wieder aufzubrechen, um alleine weiterzureisen. Natuerlich bin ich dann gestern Nacht um 24 h in La Paz angekommen, die ersten beiden Hostals, in die ich wollte hatten geschlossen und kein Mensch weit und breit...heute Vormittag hat es dann geregnet und ausserdem ist es hier auf ca. 3600 m.ue.M. auch nicht gerade heimelig warm. Habe ich eigentlich Lust? Naja, neugierig bin ich schon und im Folgenden findet ihr mein Programm, dass gar nicht viel Zeit zum Nachdenken laesst...oder, um ehrlich zu sein - doch, und zwar ca. 24h am Tag. Ich habe naemlich wenig Lust, mich an irgendwelche Traveller anzuhaengen, oder diese mitzunehmen - die Geschichten sind bekannt...falls man dann doch kurze Zeit mit netten Menschen unterwegs sein sollte, umso besser. Ausserdem ist mein Programm ziemlich kompakt...;-)

Heute, Donnerstag der 20. Januar 2005:
La Paz, Kommunikation mit Europa :-) & Uebernachtung in La Paz

Freitag der 21. Januar 2005:
Downhill Mountainbiking in die Yungas, d.h. ca. 2500 Hoehenmeter & Uebernachtung in La Paz

Samstag der 22. Januar 2005:
La Paz & Abend-/Nachtbus nach Sucre

Sontag der 23. Januar 2005:
ca. 4h Aufenthalt in Sucre, dann weiter nach Potosi & Uebernachtung in Potosi

Montag der 24. Januar 2005:
Potosi, Bahnfahrt nach Uyuni & Uebernachtung in Uyuni

Dienstag der 25. Januar 2005:
Salzwueste von Uyuni, jedoch keine Tour, da z.Z. ueberflutet, Eisenbahnfriedhof & Nachtbus nach La Paz

Mittwoch der 26. Januar 2005:
Kurzer Aufenthalt in La Paz und weiter mit dem Bus nach Copacabana am Titicacasee & Uebernachtung in Copacabana

Donnerstag der 27. Januar 2005:
Tagesausflug auf die Isla del Sol & Uebernachtung in Copacabana oder Puno - ab jetzt Peru

Freitag der 28. Januar 2005:
Bus, ev. Bahn nach Cusco & Uebernachtung in Cusco

Samstag der 29. Januar 2005:
Cusco/Machu Picchu & Uebernachtung in Cusco

Sontag der 30. Januar 2005:
Cusco/Machu Picchu & Uebernachtung in Cusco

Montag der 31. Januar 2005:
Cusco/Machu Picchu & Uebernachtung in Cusco

Dienstag der 1. Februar 2005:
Busfahrt von Cusco nach Arequipa (zweitgroesste Stast Perus) & Uebernachtung in Arequipa

Mittwoch der 2. Februar 2005:
Colca Canyon & Nachtbus nach Lima

Donnerstag der 3. Februar 2005:
Lima und gegen 22h zum Flughafen

Freitag der 4. Februar 2005:
Abflug Lima gegen 2h morgens, 7h Aufenthalt in Dallas...auch noch Texas...

Samstag der 5. Februar 2005:
Gegen 8h zurueck in Zuerich!

Freue mich auf euch!

Posted by poetry/diariosdemartin at 15:35 EST
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Monday, 27 December 2004
Feliz Navidad
Mood:  irritated
Topic: Vamos a Paluz
Euch allen froehliche Weihnachten und vielmehr noch eine schoene Zeit. Moege sie auch besinnlich sein - zumindest ich konnte immer an diesen Tagen der vergangenen Jahre etwas mit diesem Wort anfangen.

Erneut umgehe ich die Fortsetzung und springe zu dem kuerzlich erlebtem Weihnachtsfest hier vor Ort.
Vorab: Fuer mich hatte das ganze herzlich wenig mit Weihnachten zu tun und ich fuehle mich eher, als ob September oder April sei und ich gerade ein weiteres Fest in Quito mitgefeiert haette. Einerseits hat uns das Wetter schoene 20 Grad und mehr beschert und seit drei Tagen ist es trocken und sonnig - andererseits steht meine Gastfamilie derart auf US-Weihnachtskitsch, dass mir meine geliebte "Deutsche (Hamburger) Weihnacht" beinahe anachronistisch vorkommt. ...ausserdem gibt es hier keine Tannenbaeume, echte Kerzen und schon gar nicht Mamis leckere Kekse...und statt Gans Truthahn, naja. Interessant ist aber auch, dass ich gar nicht richtig traurig bin - Weihnachten ist einfach nicht vorhanden. Nur bei dem Telefonat mit meiner Heimat, waehrenddem ich mir vorzustellen begann, was gerade im verregneten Hamburg passiert, wurde ich fuer einen Moment lang nachdenklich. Aber hier ereignet sich so viel und mittlerweile kennt man so viele Menschen, dass kaum Zeit fuer Melancholie bleibt - oder fuer Weblogeintraege...wenn man jedoch an zu Hause denkt, wird einem bewusst, was fuer tolle Menschen mich umgeben und dafuer ist man dann sehr dankbar und freut sich auf das Wiedersehen...

Ich habe bisher noch relativ wenig zu einer etwas nervigen Eigenschaft von meiner Gastmutter und durchaus noch einigen anderen EcuadorianerInnen geschrieben...das voellig sinnlose Erzaehlen von Unsinn und Geschichten - das jedoch mit voller Imbrunst und Ueberzeugung -, das Ausmachen von Dingen und Verabredungen, die nicht eingehalten werden oder schlichtweg das stillschweigende Uebereinkommen, das im Zweifel gelogen werden darf, solange dies gut gemacht wird...vielleicht noch: Nicht alle sind so, logisch! Mittlerweile wurde dafuer in unserer Familie der Begriff "Vamos a Paluz" eingebuergert, wollen wir doch seit Wochen mit Gastvater/ und -mutter zu einem offenbar wunderschoenen Wasserfall, ca. 3h von Quito entfernt. Eben: "Wollen"! Die Realisation des Planes steht aus und wird wohl auch nichts mehr...dafuer haben Matthias und ich nun ein schoenes Synomym. Letzte Woche war dann der Hoehepunt der Geschichten erreicht, als zuvor fuer ca. eine Woche davon gesprochen (!) wurde, dass wir mit der Gastmutter zu "DEM Almacen" (Laden, Kaufhaus) im Sueden Quitos fahren wuerden, um Geschenke und aehnliches einzukaufen und um einfach einen Ausflug zu machen...am Montag wurde das ganze von Dienstag auf Mittwoch verschoben und am Dienstag war es dann soweit und Susana teilte uns mit, dass wir nicht gehen koennten, da ihre 72jaehrige Mutter meinte, es sei gegenwaertig viel zu gefaehrlich...haeh? Schwachsinn. Egal, als Mattheo und ich meinten, wir werden dennoch aufbrechen, war es zumindest nicht mehr so gefaehrlich, als dass man uns davon abhielt...im Gegenteil versorgte uns Susana noch mit Informationen, wo dieser Almacen sich denn befaende..."Endstation" vom Trolleybus, blabla...schlussendlich waren wir einen halben Tag in Quito Sued unterwegs, weit und breit nicht ansatzweise etwas dem angekuendigten Laden aehnliches, einzig Industrie und maessige Wohnquartiere. Aber wir haben dazu gelernt! Nach der Rueckkehr erzaehlten wir davon, dass der Almacen (Der grosse, tolle, schoene...) leider geschlossen hatte, weil es gefaehrlich sei, vor Weihnachten geoeffnet zu haben und dass es ja sowieso keine gute Zeit fuer Geschaefte und zum Einkaufen sei. Stattdessen haetten wir die Zeit in den wunderschoenen Parklandschaften verbracht und waeren beeindruckt gewesen, was fuer riesige Bauwerke im Sueden von Quito im entstehen seien...und siehe da: Uns wurde restlos zugestimmt, es sei logisch, dass der Almacen geschlossen haette und ja, die Parks seien in der Tat schoen...welche Parks??? Insofern liegt fuer uns der Almacen nahe Paluz und wir spielen dieses Spiel mit.

...A propos Spiel: Ich habe bis heute noch kein Spiel hier verloren und am Dienstag meine Lehrerin vernichtend im Scrabble (Spanisch!) geschlagen, was aber zu guten Teilen an meinem Buchstabenglueck lag...aber auch daran, dass ich bereits bessere Lehrerinnen hatte - Spanisch schreitet voran...

Allerdings hatte es uns durchaus ein wenig genervt und in Erwartung eines ach so schoen-falschen Weihnachtsfestes, haben wir noch am Donnerstag ernsthaft durchgespielt, mit welcher Geschichte wir unsere Flucht fuer den 24./25. vorbereiten koennten...der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt und umso abstruser desto glaubwuerdiger. Schliesslich hat das Praktisch-Rationale gesiegt und wir haben uns auf Teilfluchten verstaendig...

Einschub: Wenn ich hier ausgiebig "wir", "uns", etc. nutze, dann nicht weil ich von mir in der ersten Person Plural spreche - ich weiss, der Verdacht laege nahe, daher auch dieser Einschub... -, sondern da in der Regel Matthias mit eingeschlossen ist, der nette Kulturwissenschaftler von nebenan, der Gold wert ist, nicht nur um auf intelligente Art und Weise Zeit miteinander zu verbringen, sondern auch, um meinen Sarkasmus und Zynismus zu teilen, mit dem ich im Spanischen doch noch an Grenzen oder zumindest auf Unverstaendnis stosse...

Am 24. Dezember ...war ich - genauso, wie offenbar diese Woche - der einzige aktive Schueler in meiner Sprachschule... haben sich zunaechst mittags alle LehrerInnen der Schule samt drei Ex-Schuelern und meiner versammelt um kollektiv einen Truthahn zu schlachten...naja, da die Directora nicht nur beliebt ist, war die ganze Veranstaltung von Doppelzuengigkeit gepraegt. Eigentlich sollte es um 13h losgehen, jedoch habe ich mir hier einen gesunden Bios eingebaut und bin um 14.45 Uhr aufgetaucht, exakt zu dem Zeitpunkt zu dem es dann auch tatsaechlich losging. Zwischen dem Essen und dem abendlichen Kirchgang mit Gastmutter, Lieblingsschwester Susan und Mattheo samt anschliessendem nochmaligem Essen, besorgten Mattheo und ich noch Weihnachtsgeschenke, mit denen wir schliesslich auf ganzer Linie den moralischen Sieg davontragen sollten - hatten wir doch selbst an Susan gedacht, was sie ganz offenbar nicht gedacht haette...waehrend dem Kirchbesuch wurde mir dann abschliessend klar, dass ich gegenwaertig nicht glauben kann, erst recht nicht an eine wie auch immer geartete Kirche - aber das wuerde zu weit fuehren... Im Anschluss an den Kirchbesuch und das Essen habe ich dann zwischen 0.00 und 2.00 Uhr Kekse gebacken und hatte somit als einziger tagsdarauf ein selbstgemachtes "Geschenk" fuer jeden...:-) Einzig Mattheo ist erneut zu Gute zu halten, dass er ebenfalls Kreativitaet bewiesen hat.

Am Samstag fanden sich dann allerlei Frauen und somit helle, aufgeregte Stimmen bei uns in der Kueche ein. Da "unser" Beitrag zum Weihnachtsessen in Wein bestand, haben wir in weiser Voraussicht den Einkaufszeitpunkt auf Samstagvormittag gelegt. (s.a. -> "Teilflucht"...) So konnten wir also mit gutem Grund die Wohnung und das Gelaber verlassen und durchs sonnige Quito ziehen - ein wenig "Schatz, ich hole nochmal schnell Zigaretten"-Stimmung. ;-) Irgendwie waren jedoch die Frauen schneller fertig, als gedacht und wir hatten uns bei unserem Kneipenbesuch (Bier in der Sonne) auch mehr Zeit gelassen, so dass wir zu spaet zum (erneuten) Truthahn kamen...tja...dann wurde gegessen, getrunken und gesungen (denn zu reden gab es nichts) und ich sogar fuer meinen plattdeutschen Beitrag "An der Eck stait n Jung mit nem Tueddelband..." (?) gelobt...hier wird man halt fuer alles gelobt...irgendwann war der Spuk dann vorueber.

Gestern dann ein netter Besuch bei einer Freundin und ihrer Familie, die endlich 'mal normal und nett waren...ach ja, und wieder super gutes sowie ausgiebiges Essen.

Bei aller (Naechsten-)liebe: Was ist mir doch stringente Kommunikation wert - mit euch lieben Freunden...von denen es mittlerweile auch welche in Ecuador gibt.

Demnaechst dann endlich zu den schwulen Frisoeren und mehr...

Posted by poetry/diariosdemartin at 17:43 EST
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Wednesday, 15 December 2004
Iliniza Norte
Mood:  don't ask
Topic: mal de altura
Die versprochene Fortsetzung meiner nicht alltaeglichen Alltagsgeschichten wird durch einen "Abenteuerbericht" unterbrochen.

Den Rat meines Ex-Skilanglauflehrers folgend, habe ich mich vergangenes Wochenende aufgemacht, um - statt mich im Fitnessstudio fitzuhalten - durch die Anden zu wandern...klar, dass ein gemuetlicher Spanziergang zu wenig waere, daher sollte der erste 5000er her...und eigentlich komme ich doch aus Hamburg, das ist gleich hinterm Deich - ungefaehr 6 Meter ueber Null!

Die Ilinizas gehoeren zu den 10 hoechsten Bergen Ecuadors, stellen einen erloschenen Vulkan dar und haben sich zu Zeiten, als selbst mein Gastvater noch nicht lebte, so weit voneinander entfernt, dass sie mittlerweile zwei Bergmassive ausmachen. Der Suedgipfel ist ueber 5200m hoch, vereist und nur mit Equipment und von erfahrenen Schweizern zu besteigen. Der "Iliniza Norte", mit seinen ca. 5126m wird in Fuehrern so beschrieben, als ob man in kurzer Zeit, praktisch wie von alleine gemuetlich hinauflatscht...richtige Wochenendausflugsstimmung, nicht anstrengender als der Weg auf die Weieren oder - fuer die Hamburger - auf den (M)Suellberg...

Es war eine der fiesesten Naechte meines Lebens! Die Hoehenkrankheit hatte mich offenbar ziemlich erwischt. Am Samstag frueh sind zwei Lehrer meiner Schule, Lucho unser Fuehrer und zwei CH-Maedels samt mir aus Quito aufgebrochen. Nach einer Fahrt mit Lucho (Keine Ahnung, ob er eigentlich einen Fuehrerschein hat...'faehrt so aehnlich, wie ein ehemaliger Mitbewohner von mir...), almuerzo und dem Schlussstueck con camioneta (hinten auf dem Pick-Up) sind wir bei 3900m losgelaufen, zum Refugio auf 4650m...wie ein anderer Bergfuehrer es beschreibt "...ziemlich heruntergekommen..." - stimmt! Diese kurze Wanderung war tatsaechlich friedlich, wenn auch schon zu erahnen war, dass die beiden schweizer Maedels bergauf nicht die fittesten waren...aber ich sitze im Glashaus. Der Abend war entspannt, wir haben gekocht und ich habe mit meinem Partner Vinicio alle Cuarentapartien gewonnen...dann ging es los: Ich habe die komplette Nacht nicht geschlafen, bin zweimal aufgesprungen, um mich zu uebergeben (was ich aber nicht tat, da ich dachte, das entkraeftet gaenzlich...), hatte Kopf- und Magenschmerzen - und neben mir lag der einzige von 12 Huettenmitbewohnern, der geschnarcht hat. In der Huette stank es nach Gas und nach...es war kalt und nass und waeh! Um 5.30 Uhr sind wir dann aufgestanden und ich habe draussen festgestellt, dass es mir ein klein wenig besser ging. Nach kurzer Ruecksprache mit Lucho und der Gruppe habe ich mich fuers Mitgehen entschieden, (nicht nochmal) da man noch nach 1h umkehren konnte...so war ich schliesslich auf dem Gipfel. Hinter mir lagen Kletterabschnitte, die nicht ungefaehrlich waren...gute 4h statt 3h (Ich schiebe das mal auf zwei andere) und die Feststellung, dass ich wohl auch ein klein wenig Hoehenangst von meinem Vater geerbt habe. Das Panorama war zwar gigantisch, wir sahen am Morgen praktisch alle moeglichen Andengipfel, darunter auf den Papa Chimborazo, und nach Westen hin konnte man in die Halbhochebene schauen...aber um ehrlich zu sein, geniessen konnte ich es kaum.

...5h spaeter waren wir wieder am Parkplatz und ich mit mir und der Welt am Ende. Zwar lag ich zuvor am Donnerstag auch einen Tag mit Magenkraempfen im Bett, 'bin demnach schon ein wenig vorgeschwaecht gewesen, aber diese Erfahrung war fuer mich wahrlich eine Grenzerfahrung. Davon abgesehen spinnen wir Menschen doch ein bisschen, muessen wir als einzige zum Spass solche Ziele anstreben...:-)

Als ich in Quito ankam, war ich zwar muede, aber Magen und Kopf wieder in Ordnung - krass, was Hoehe bedeuten kann.

Schoen waren die 1,5h vom Refugio zur Camioneta, die ich wie in Trance marschiert bin, bewusst alleine - denn auf dem Abstieg musste ich feststellen, dass unser Fuehrer zwar gut die Leute sichert, allerdings ueber wenig Ortssinn verfuegt und auch einige andere, v.a. weibliche Gruppenteilnehmer hatten meinen Zorn auf sich gezogen...bitte, zumindest keine grosse Klappe haben!!! Mein Solomarsch war speziell, konnte ich ueber Gott und die Welt und auch ueber diesen Beitrag nachdenken...zu dem Zeitpunkt wollte ich noch etwas sehr, sehr demutsvolles (fuer meine Verhaeltnisse) abfassen und einzig erwaehnen, dass zumindest meine Beine roboterartig funktionierten - der Sommer war gut.

Die weitere "Abfahrt" war dann noch recht relaxt, wurden die Maedels doch nach vorne ins Auto verfrachtet und ich konnte gemuetlich mit den drei Ecuadorianern den Fahrtwind und meine Erstarkung samt lustiger Gespreache geniessen...

Nichts Neues fuer die Bergfuechse unter euch...aber schaut euch immer eure Gruppe zuvor gut an und viel Glueck mit dem Fuehrer...ach, und es schadet nicht, gesund loszulaufen...

Aber, Mami, keine Sorge, dein Sohn ist wieder gesund und munter und hatte zu 98% auch alles im Griff...

Es kommen noch ein, zwei Fotos...

Posted by poetry/diariosdemartin at 16:11 EST
Updated: Wednesday, 15 December 2004 16:25 EST
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Monday, 6 December 2004
Chevere
Mood:  celebratory
Topic: a si no mas
Geneigter Leser, koch dir erst einmal einen Tee, nimm' dir Zeit und dann liess, was in einer Woche passiert, die mehr Stunden als Zeit hat. Nachdem mittlerweile meine Erkaeltung auf ein ertraegliches Mass zusammengestaucht wurde - neue Taktik: Ich ignoriere sie einfach - und meine Toxilogesvorraete sich dem Ende zuneigen, ausserdem mit meiner Diplomarbeit alles geklaert ist, muss ich festhalten, was hier so passiert, sonst verliere ich die Uebersicht.

Ich arbeite diesmal mit Unterkapitelueberschriften! :-)

Zunaechst der Einschub: Auch wenn meine E-Mails und viele Eintraege zurecht von ungetruebten Erlebnissen und einer schoenen, spannenden Zeit berichten, bewege ich mich in einer anderen Kultur, in einem Land mit grossen sozialen Unterschieden. Arm und Reich prallen aufeinander, Rassismus und viel Ungerechtigkeit sind mehr als alltaeglich. Ecuador "fuehrt" bei einer Umfrage, die in den Laendern danach fragte, ob man den Politikern glauben, Vertrauen schenken koenne, mit 96% - m.a.W. 96% der Ecuadorianer misstrauen ihrer politischen Fuehrung. Muss vor diesem Hintergrund nicht jeder Verbesserungsansatz sofort scheitern. Dies nur als Einschub...wie gesagt, alltaeglicher Rassismus und die ungeloeste "Indigena-Frage" und viel mehr werfen immer wieder Fragen auf. Aber man sollte durchaus anfangen nachzudenken...Patric, auch wenn die Zeitspanne kurz erscheint, ich verstehe jetzt nocheinmal ein ganzes Stueck mehr - wenn auch unsere Reaktion vermutlich eine verschiedene ist.

Quito Nord
Willkommen in Amerika. Hier in den Einkaufscentren und Fastfoodketten und Kinos amuesieren sich die reichen Quitenos. Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht, dass es so etwas, wie Quito Nord hier gibt. Volkssport Nummer 1 ist es, am Wochenende Hand in Hand durch die Geschaefte zu schlendern...naja. Kennengelernt habe ich die Ecke, als ich Mattheo zum Turnschuhkauf begleitete. Wie auch immer, es regt wieder zum Nachdenken an. Nochmal Patric: Wie dankbar bin ich dir, fuer die knapp vier Wochen vor drei Jahren!

Maedels. Blond. Gross.
Endlich kann ich mich zurecht wie ein ganz Grosser fuehlen. Mit ca. 1,80 Meter Koerpergroesse ist man hier ein "Thomas Herrmann" (Gross!). Nicht das man alle ueberragt, aber man kann in der Diskoteka seine amigos lokalisieren und stoesst regelmaessig im Bus an den Vordersitz - ein schoenes Gefuehl. :-) Blond und ansatzweise blaue Augen fuehren unweigerlich dazu, dass man offenbar interessant erscheint...was ich natuerlich nie wahrnehme, sondern worauf mich meine Umgebung immer wieder aufmerksam macht. Bisweilen hilft nur die Flucht im Bus. :-) Mmh, ja!

Mattheo. Nachdem wir uns heute morgen um 4h ueber sozialpolitische Fragen in Haare gekriegt haben, konnten wir uns mittlerweile zusammenraufen. Wie gesagt, zu seinen Erlebnissen nur soviel: ...! In jedem Fall macht es uns Spass, gemeinsam Quito zu erleben. Noch sind wir nicht ins Spanische gewechselt - doch, beim Essen -, allerdings rede (wenn man das so nennen kann) ich auch ausserhalb der Schule spanisch...Ueberleitung...nicht nur in St. Gallen sind ja meine Gruppen-Menschen-Konfliktloesungskompetenzen gleichermassen bekannt wie beliebt ('Wuensche bei der Gelegenheit allen nochmal ein schoenes Weihnachtsessen und den Uebrigen Lieben eine schoene Adventszeit :-))...kurzum: Heute morgen habe ich es hinbekommen, dass meine ca. 50jaehrige (?) amerikanische "Schwester" in Traenen aufgeloest am Esstisch sass. Von vorne:

Familiensituation: Mutter Susanna, gute Koechin/gute Mutter, ca. Mitte 50; Vater Alejandro - korrekte 76jaehrige Stimmungskanone, ausser wenn er - wie gegenwaertig - einen Hexenschuss hat...dann aber immernoch so cool, abzuwegen, ob er sich jetzt fuer eine zweite Spritze oder ordentlich Canelazo entscheiden soll. Wenn ich richtig verstanden habe, fuer letzteres...; Mattheo, bekannt beruechtigter Mitbewohner (Nein, so schlimm ist er auch nicht), der nicht mehr die Sprachschule, sondern ein Praktikum absolviert; Susan, leicht esoterisch angehauchte US-Amerikanerin, die gegen die Uno ist, allerdings ohne sinnvolle Begruendung - Bush hat sie aber vermutlich nicht gewaehlt, Sprachschuelerin; Martin...netter, junger, dynamischer und aufgeschlossener Typ, der sich immer mit...claro, soy aleman pero vivo in Suiza...Aufmerksamkeit verschafft. Dazu gesellen sich von Zeit zu Zeit noch Dario, Freund der Familie, Rolle unklar - kann singen und ist nett; Lolita (Der Name taeuscht, denn es handelt sich hier um die undefinierbar alte Hausangestellte, die gerne unsere Waesche mischt); eine alte Frau, Rolle und Name unklar, nuschelt auch ein wenig; Die Schwester von Susana, mit der ich noch nicht viel gesprochen habe und die einem Ballon aehnelt und zuletzt noch Pipo und Nadja, Ex-Gastkinder aus CH. Pipo jedoch heute zum letzten Mal, dann reist er weiter.
Also: Die gute Susan hat sich bei unserer Gastmutter beschwert, dass Mattheo und ich immer wieder deutsch reden wuerden und sie deswegen (!) kein Spanisch lernen wuerde...am Rande erwaehnt: Ich bin kuerzer da und spreche spuerbar mehr Spanisch (Jetzt erst recht, gestern Abend wurde sie regelrecht an die Wand geredet). Naja, ihr kennt meine direkte Art Konflikte zu loesen, m.a.W. ich habe ihr erklaert (todo en español!), dass es halt nun so ist, wie es ist, d.h. klar rede ich in meinem Zimmer 'mal Deutsch mit M., allerdings bin ich gerne bereit, den Kompromiss einzugehen, dass am Tisch nur Spanisch gesprochen wird und ansonsten die Stimme gesenkt wird...ausserdem habe ich angefuegt, dass ich es besser faende, Probleme, die man hat offen anzusprechen - anders liessen sie sich naemlich nicht loesen...alles mit einer ausserst freundlichen und verstaendnisvollen Stimme...dass Wort "Kompromis" scheint Amerikaner allerdings sehr zu erschrecken, denn daraufhin brach sie in Traenen aus. Naja, ich habe ihr fuenf Minuten Pause zugestanden und dann haben wir den Kompromiss besiegelt, nachdem sie nochmal vorschlug, dass in der ganzen Wohnung nur Spanisch gesprochen wird und wir, um Deutsch zu reden auf die Strasse gehen koennten. (Auch in meinem Zimmer...schon tolerant diese Amis...jetzt kann ich zumindest Woerter, wie individueller Frieden und Freiheit, Kompromiss, etc.) Ergebnis: Die Eltern, Mattheo und ich unterhalten uns jetzt auf Spanisch und sie traut sich kaum mehr Englisch zu sprechen, was ihre Kommunikation gegen Null tendieren laesst - Eigentor.
Noch ein Nachtrag zu dem Vater: Mattheo und ich (also ich habe die Gebrauchsanleitung ausgelegt) behandeln seinen Hexenschuss jetzt mit den Schmerzmitteln, die Mattheo dabei hat...seitdem hat er kaum noch Schmerzen, schlaeft allerdings recht viel und laeuft ansonsten etwas verstoert und abwesend durch die Wohnung...ich glaube, wir steigen heute auf die schwaechere Variante um...jedenfalls ist er dankbar. :-)

Nur in wenigen Worten, da dieser Eintrag sonst nie online gehen wird (Eventuell schreibe ich spaeter zu diesem Part noch mehr...das mehrfache Lesen lohnt sich also :-))

Letzte Woche habe ich Cuy gegessen - naja, relativ teuer und nichts besonderes. Wer schon einmal darueber nachgedacht hat, kann es getrost sein lassen...das Rezept verrate ich aber gerne. (Anne, ich hoffe, du hast deinen Bruder dennoch lieb...?!)

Im naechsten Eintrag erfaehrt der interessierte Leser mehr ueber "Robo im Supermarkt - Robo im Bus", "Quitos schwule Friseure", "Cuarenta - 15$ Gewinn und warum keiner mehr mit mir spielt", "Busfahren in Quito", "Der Schrank des Schreckens", "Wie man in Ecuador Wege bastelt", "Konzerte", "Von Hexen und Schamanen", "mas español", "vier-mal-vier und vier gewinnt", "Surpresas", "Ecu-Verkaufideen"!

Ich hoffe, ihr hattet eure Schuhe herausgestellt...!



Hier nochmal die Familie...Susan fehlt, stattdessen eine Schweizerin, die zum Abendessen kam

Posted by poetry/diariosdemartin at 00:01 EST
Updated: Wednesday, 15 December 2004 16:09 EST
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Tuesday, 30 November 2004
Kultur-Pur-Tour...a si no mas...
Mood:  lyrical
Guayasamin - der Picasso Suedamerikas?!? Gerade hatten wir unseren kulturellen Anfall und Mattheo, Pipo - dem ich die Fotos zu verdanken habe!!! - sowie ich waren in dem Museum und der Casa von dem Ecuadorianischen Maler des 20. Jahrhunderts. Ein Besuch lohnt sich, zumal wir waehrend den zwei Stunden die einzigen Besucher waren und sich ca. 10 Angestellte um einen kuemmern. In doppelter Hinsicht Spass und Kultur, haben doch meine beiden hermanos - nachdem sie anfaenglich Probleme mit der Wahrnehmung hatten :-) - den Museumsbesuch mit einem regen Nummerntausch abgeschlossen. Ich schwanke hin- und her, wie ausfuehrlich ich an dieser Stelle von Ihren Erfahrungen mit den Quitenas und anderen Ecuadorianerinen erzaehlen soll, besonders Mattheos Lebenstil reizt mich, einige Worte darueber zu verlieren...andererseits koennte das auch ein anderes Licht auf mich werfen - wobei ich tatsaechlich die Rolle des Kommentators einnehme. Zudem haben die beiden auch Zugriff auf diesen Weblog, daher bleibt mir nur mit einem Augenzwinkern das Diffuse...vielleicht noch soviel: Die Kueste und besonders Canao (Eingeweihte wissen dies eh...) sind reiz voll.

Im Uebrigen bin ich immernoch ein wenig krank, das Wochenende war dementsprechend unspektakulaer. Gestern haben Pipo und ich noch Carmenita aus Neuchatel verabschiedet - ein nettes Junges Wesen...da reist man also so weit, um nette Neuchatelerinnen kennenzulernen...! Auf Nachfrage erzaehle ich dem geneigten Leser auch noch die Pretty Women Story dieser Woche...Pipo ist halt ein grosser Romancier!

Spanisch wird weiter gelernt, ich habe eine neue Lehrerin, die behauptet eine Hexe zu sein. Seitdem ich ihr klar machen konnte, dass ich ein Schamane sei, kommen wir ganz gut zurecht.


Hier in Ecuador hat man noch ein unverkrampftes Verhaeltnis zu Kunstgegenstaenden...


...wir hingegen wurden zum Nachdenken angeregt.


...chicos...

Posted by poetry/diariosdemartin at 20:52 EST
Updated: Sunday, 5 December 2004 17:09 EST
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Sunday, 28 November 2004
Viva Quito
Mood:  special
Topic: 80%
Mein Nacken ist verspannt - 13h Bett ist ganz offenbar zuviel - ich bin leicht erkaeltet und ueberhaupt...Eigentlich alles wie daheim, es regnet Nachmittags und ich habe bereits 1,50$ im Cuarenta gewonnen und Mattheo den Abend verdorben. :-) Mittlerweile sind mir auch diverse Ecuadorianer ueber den Weg gelaufen und irgendwie kann man sich verstaendigen. Letzten Dienstag haben es Mattheo und ich bereits unter die letzten Gaeste in der "No Bar" Diskoteka geschafft, als wir um 3.00 Uhr mit ca. 20 EcuadorianerInnen herauskomplimentiert wurden. In der Tat, Kontakt zu finden ist kein Problem...zumal als einigermassen Blonder Mensch. Habe ich mich noch norddeutsch distanziert praesentiert, war fuer Mattheo der Mittwoch gelaufen. :-)

Seit Gestern ist nun die Strasse vor unserem Haus abgesperrt und man stolpert in eine Musikbuehne und zwei Staende, bei denen mir noch nicht klar ist, was sie bedeuten...m.a.W. unverhofft sind wir im Zentrum der Feiern und koennten gar vom Balkon die Szenerie betrachten, ganz den Muppetsopas nacheifernd. Da wir dieses Alter allerdings noch nicht erreicht haben und um Kommentare vor Ort nicht verlegen sind, haben wir uns 100 Meter bewegt und unters Volk gemischt. Dabei wurden wir Zeuge der speziellsten Strassenkuenstleraktion seit Bath 2000 - eine Mischung aus modernem Theater (Man kann alles hineininterpretieren) und Wahnsinn...zwei Frauen und ein Mann sind ca. 30 Min. bei unter 10 Grad durch ein Wasserspiel gesprungen und ver- und entkleideten sich dabei samt dramatischer Mimik und Musik. Die Menge schwankte zwischen Bewunderung, Mitleid und Ratlosigkeit - geklatscht haben aber alle. Den Tag ueber "trainierten" wir in der Sprachschule Cuarenta, meine Quote liegt bei ca. 80% - im Uebrigen kann man sich an Canelazo gewoehnen. Jedoch auch ohne Canelazo kann mich mittlerweile auf Spanisch verstaendigen. Einzig, als mich (...und vor allem sich!) meine Sprachlehrerin in eine sozio-oekonomisch-politische Rassismusdiskussion verwickelte, wurden mir die Grenzen dieser neuen Sprache bewusst - abgesehen davon, dass ich mich noch im Praesens bewege. Zudem muss ich immer mit ernster Miene anfuegen, wenn ich Dinge ironisch meine. Jedenfalls war sie freudig erschrocken und meinte, sonst bekaeme sie auf Fragen z.B. nach der Ausbildungssituation in D und CH eher Antworten wie gut oder schlecht - tja, Pech: Ich hatte mir vor einiger Zeit 'mal die Pisastudie "gedownloaded" und kenne nun die spanische Abkuerzung fuer OECD. Auch Patrics Indigena-Ansatz floss bereits in unsere Dialoge ein...wenn es ihr zu viel wird, haut sie mir dann Grammatik um die Ohren - naja, ist nur fair!

Gerade komme ich von der Parade im Rahmen der Fiestas de Quito. Einfach schoen! Bunt, lebendig...diverse Reinas werden dabei an einem vorbeigefahren, dazu Musik und tanzende Menschen. Mein Haus ist nach wie vor umlagert von Menschen und Zauberern. Leute, kommt 'raus aus euren Haeusern und Wohnungen und tanzt auf der Strasse!!! Ausreden gibt es nicht, hier ist es auch nicht warm. Nun laufen alle Leute mehr oder weniger ziellos durch die Mariscal - demnach kein Problem, sich darunter zu mischen. Gerade habe ich zum ersten Mal Leute wiedergetroffen - Ein Ecuadorianisches Paaerchen aus dem Kino, dass die Maedels kannten und noch Quitenas aus der No Bar - m.a.W. das Dorf ist eine Welt und ich mittendrin. Da fragt sich: Warum setze ich mich ueberhaupt an den Computer. Nun, statt Notizen zu machen, tippe ich dies doch gleich hier hinein und zudem wollte ich noch kurz einen Text fuer meine Diplomarbeit lesen...

Etwas fuer die VWL'ler: Wahnsinn, hier in der Mariscal funktioniert noch der Markt. Taeglich wird irgendwo das Kommunizieren preiswerter, aktuell 8,9 Cent fuer eine Minute Telefonieren und 70 Cent fuer eine Stunde Internet - die Informationskosten sind halt auch gering. A propos: Man kann ja der Bushregierung vieles nachsagen, aber ihre Dollarpolitik ist aeussert Reisefreundlich!


Blick aus meinem Zimmer I


Blick aus meinem Zimmer II

Posted by poetry/diariosdemartin at 00:01 EST
Updated: Sunday, 28 November 2004 21:20 EST
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