Chevere
Mood:
celebratory
Topic: a si no mas
Geneigter Leser, koch dir erst einmal einen Tee, nimm' dir Zeit und dann liess, was in einer Woche passiert, die mehr Stunden als Zeit hat. Nachdem mittlerweile meine Erkaeltung auf ein ertraegliches Mass zusammengestaucht wurde - neue Taktik: Ich ignoriere sie einfach - und meine Toxilogesvorraete sich dem Ende zuneigen, ausserdem mit meiner Diplomarbeit alles geklaert ist, muss ich festhalten, was hier so passiert, sonst verliere ich die Uebersicht.
Ich arbeite diesmal mit Unterkapitelueberschriften! :-)
Zunaechst der Einschub: Auch wenn meine E-Mails und viele Eintraege zurecht von ungetruebten Erlebnissen und einer schoenen, spannenden Zeit berichten, bewege ich mich in einer anderen Kultur, in einem Land mit grossen sozialen Unterschieden. Arm und Reich prallen aufeinander, Rassismus und viel Ungerechtigkeit sind mehr als alltaeglich. Ecuador "fuehrt" bei einer Umfrage, die in den Laendern danach fragte, ob man den Politikern glauben, Vertrauen schenken koenne, mit 96% - m.a.W. 96% der Ecuadorianer misstrauen ihrer politischen Fuehrung. Muss vor diesem Hintergrund nicht jeder Verbesserungsansatz sofort scheitern. Dies nur als Einschub...wie gesagt, alltaeglicher Rassismus und die ungeloeste "Indigena-Frage" und viel mehr werfen immer wieder Fragen auf. Aber man sollte durchaus anfangen nachzudenken...Patric, auch wenn die Zeitspanne kurz erscheint, ich verstehe jetzt nocheinmal ein ganzes Stueck mehr - wenn auch unsere Reaktion vermutlich eine verschiedene ist.
Quito Nord
Willkommen in Amerika. Hier in den Einkaufscentren und Fastfoodketten und Kinos amuesieren sich die reichen Quitenos. Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht, dass es so etwas, wie Quito Nord hier gibt. Volkssport Nummer 1 ist es, am Wochenende Hand in Hand durch die Geschaefte zu schlendern...naja. Kennengelernt habe ich die Ecke, als ich Mattheo zum Turnschuhkauf begleitete. Wie auch immer, es regt wieder zum Nachdenken an. Nochmal Patric: Wie dankbar bin ich dir, fuer die knapp vier Wochen vor drei Jahren!
Maedels. Blond. Gross.
Endlich kann ich mich zurecht wie ein ganz Grosser fuehlen. Mit ca. 1,80 Meter Koerpergroesse ist man hier ein "Thomas Herrmann" (Gross!). Nicht das man alle ueberragt, aber man kann in der Diskoteka seine amigos lokalisieren und stoesst regelmaessig im Bus an den Vordersitz - ein schoenes Gefuehl. :-) Blond und ansatzweise blaue Augen fuehren unweigerlich dazu, dass man offenbar interessant erscheint...was ich natuerlich nie wahrnehme, sondern worauf mich meine Umgebung immer wieder aufmerksam macht. Bisweilen hilft nur die Flucht im Bus. :-) Mmh, ja!
Mattheo. Nachdem wir uns heute morgen um 4h ueber sozialpolitische Fragen in Haare gekriegt haben, konnten wir uns mittlerweile zusammenraufen. Wie gesagt, zu seinen Erlebnissen nur soviel: ...! In jedem Fall macht es uns Spass, gemeinsam Quito zu erleben. Noch sind wir nicht ins Spanische gewechselt - doch, beim Essen -, allerdings rede (wenn man das so nennen kann) ich auch ausserhalb der Schule spanisch...Ueberleitung...nicht nur in St. Gallen sind ja meine Gruppen-Menschen-Konfliktloesungskompetenzen gleichermassen bekannt wie beliebt ('Wuensche bei der Gelegenheit allen nochmal ein schoenes Weihnachtsessen und den Uebrigen Lieben eine schoene Adventszeit :-))...kurzum: Heute morgen habe ich es hinbekommen, dass meine ca. 50jaehrige (?) amerikanische "Schwester" in Traenen aufgeloest am Esstisch sass. Von vorne:
Familiensituation: Mutter Susanna, gute Koechin/gute Mutter, ca. Mitte 50; Vater Alejandro - korrekte 76jaehrige Stimmungskanone, ausser wenn er - wie gegenwaertig - einen Hexenschuss hat...dann aber immernoch so cool, abzuwegen, ob er sich jetzt fuer eine zweite Spritze oder ordentlich Canelazo entscheiden soll. Wenn ich richtig verstanden habe, fuer letzteres...; Mattheo, bekannt beruechtigter Mitbewohner (Nein, so schlimm ist er auch nicht), der nicht mehr die Sprachschule, sondern ein Praktikum absolviert; Susan, leicht esoterisch angehauchte US-Amerikanerin, die gegen die Uno ist, allerdings ohne sinnvolle Begruendung - Bush hat sie aber vermutlich nicht gewaehlt, Sprachschuelerin; Martin...netter, junger, dynamischer und aufgeschlossener Typ, der sich immer mit...claro, soy aleman pero vivo in Suiza...Aufmerksamkeit verschafft. Dazu gesellen sich von Zeit zu Zeit noch Dario, Freund der Familie, Rolle unklar - kann singen und ist nett; Lolita (Der Name taeuscht, denn es handelt sich hier um die undefinierbar alte Hausangestellte, die gerne unsere Waesche mischt); eine alte Frau, Rolle und Name unklar, nuschelt auch ein wenig; Die Schwester von Susana, mit der ich noch nicht viel gesprochen habe und die einem Ballon aehnelt und zuletzt noch Pipo und Nadja, Ex-Gastkinder aus CH. Pipo jedoch heute zum letzten Mal, dann reist er weiter.
Also: Die gute Susan hat sich bei unserer Gastmutter beschwert, dass Mattheo und ich immer wieder deutsch reden wuerden und sie deswegen (!) kein Spanisch lernen wuerde...am Rande erwaehnt: Ich bin kuerzer da und spreche spuerbar mehr Spanisch (Jetzt erst recht, gestern Abend wurde sie regelrecht an die Wand geredet). Naja, ihr kennt meine direkte Art Konflikte zu loesen, m.a.W. ich habe ihr erklaert (todo en español!), dass es halt nun so ist, wie es ist, d.h. klar rede ich in meinem Zimmer 'mal Deutsch mit M., allerdings bin ich gerne bereit, den Kompromiss einzugehen, dass am Tisch nur Spanisch gesprochen wird und ansonsten die Stimme gesenkt wird...ausserdem habe ich angefuegt, dass ich es besser faende, Probleme, die man hat offen anzusprechen - anders liessen sie sich naemlich nicht loesen...alles mit einer ausserst freundlichen und verstaendnisvollen Stimme...dass Wort "Kompromis" scheint Amerikaner allerdings sehr zu erschrecken, denn daraufhin brach sie in Traenen aus. Naja, ich habe ihr fuenf Minuten Pause zugestanden und dann haben wir den Kompromiss besiegelt, nachdem sie nochmal vorschlug, dass in der ganzen Wohnung nur Spanisch gesprochen wird und wir, um Deutsch zu reden auf die Strasse gehen koennten. (Auch in meinem Zimmer...schon tolerant diese Amis...jetzt kann ich zumindest Woerter, wie individueller Frieden und Freiheit, Kompromiss, etc.) Ergebnis: Die Eltern, Mattheo und ich unterhalten uns jetzt auf Spanisch und sie traut sich kaum mehr Englisch zu sprechen, was ihre Kommunikation gegen Null tendieren laesst - Eigentor.
Noch ein Nachtrag zu dem Vater: Mattheo und ich (also ich habe die Gebrauchsanleitung ausgelegt) behandeln seinen Hexenschuss jetzt mit den Schmerzmitteln, die Mattheo dabei hat...seitdem hat er kaum noch Schmerzen, schlaeft allerdings recht viel und laeuft ansonsten etwas verstoert und abwesend durch die Wohnung...ich glaube, wir steigen heute auf die schwaechere Variante um...jedenfalls ist er dankbar. :-)
Nur in wenigen Worten, da dieser Eintrag sonst nie online gehen wird (Eventuell schreibe ich spaeter zu diesem Part noch mehr...das mehrfache Lesen lohnt sich also :-))
Letzte Woche habe ich Cuy gegessen - naja, relativ teuer und nichts besonderes. Wer schon einmal darueber nachgedacht hat, kann es getrost sein lassen...das Rezept verrate ich aber gerne. (Anne, ich hoffe, du hast deinen Bruder dennoch lieb...?!)
Im naechsten Eintrag erfaehrt der interessierte Leser mehr ueber "Robo im Supermarkt - Robo im Bus", "Quitos schwule Friseure", "Cuarenta - 15$ Gewinn und warum keiner mehr mit mir spielt", "Busfahren in Quito", "Der Schrank des Schreckens", "Wie man in Ecuador Wege bastelt", "Konzerte", "Von Hexen und Schamanen", "mas español", "vier-mal-vier und vier gewinnt", "Surpresas", "Ecu-Verkaufideen"!
Ich hoffe, ihr hattet eure Schuhe herausgestellt...!

Hier nochmal die Familie...Susan fehlt, stattdessen eine Schweizerin, die zum Abendessen kam