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Sport und Freizeit


27.04.2007

Die Heimkehr

Die Urlauber hörten mit tiefer Sorge von den Auswirkungen des Klimawandels auf Paulenäsien und beschlossen, ihre Ferien abzubrechen, um nach dem Rechten zu sehen.

Schließlich müssten die Pflanzen, auch die wildwuchernden Tulpen, gegossen werden, die Kater bräuchten wieder regelmäßig ihr Futter und Zuwendung, ja, vielleicht vermisste sogar eine in den paulenäsischen Wäldern umher irrende Zigge die Urlauber.
Schweren Herzens wurden also die Koffer gepackt und  die Heimreise angetreten ...
 




16.04.2007

Fahrt ins Blaue

Der Paulenäsien Observer lädt alle die, denen das Klima zu rauh auf den Inseln ist, zu einer kostenlosen Ferienfreizeit ein.
Die Fahrt geht ins Blaue, die Dauer ist bis jetzt noch nicht begrenzt.

Der voraussichtliche Abfahrtstermin ist
heute, es ist aber für die jetzt noch Unentschlossenen möglich, täglich zuzusteigen.

Garantiert werden saubere Luft, gemäßigtes Klima, eine tolle Umgebung, Erholung, Spaß  und genug Liegestühle für alle.

Weitere Einzelheiten werden auf Anfrage per PN mitgeteilt bzw. durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Besonders angesprochen sollen sich diejenigen fühlen, denen der Aufmarsch der Zustell- und Kickerbrigaden zum Hals raushängt.

Dieses Angebot  gilt nicht für sämtliche Zusteller und Kicker!




2006

Von einigen, die auszogen, das Fürchten nicht zu lernen

Unter diesem Motto plante das 5-Sterne-Hotel Abgrund wieder mal einen Wandertag. Dieses Mal sollte es durchs Hattersheimer Moor, weiter über den Elends-Kamm und hinab ins Tal zum Örtchen Maria-Hilf gehen, mit anschließender Einkehr ins "Prollige Eck" – angeblich DAS erlebnisgastronomische Highlight weit und breit!

An einem sonnigen Tag im Februar machten wir uns auf den Weg, wobei Leopold darauf bestanden hatte, schlammresistente Bekleidung zu wählen: man könne ja nie wissen, was einem widerfahren würde. Dies war ein goldrichtiger Tipp von Leopold, denn vor der Tür des "Prolligen Eck" floss ein breiter, aber flacher Schlammbach, der erst einmal durchwatet werden musste, bevor man Einlass begehren konnte.

Nachdem wir mehrmals vergeblich geklopft hatten, wurde die Tür endlich von einer äußerst resolut aussehenden Frau aufgerissen. Die vor ihr stehende Gesellschaft von oben bis unten abschätzig musternd, knurrte sie unfreundlich: "Wohl schon wieder blöde, eingebildete Intelligent-Schwätzer, die nix raffen!", ließ uns aber schließlich doch höchst ungnädig eintreten.

Sie stellte sich uns als Gefährtin und rechte Hand des Managers vor und geleitete uns lustlos zu unserem reservierten Tisch, der allerdings äußerst liebevoll eingedeckt war. Auf der optimal voicegebügelten, schlammgrünen Tischdecke wiesen uns sorgfältig gestaltete Tischkärtchen mit den Aufschriften "Arschloch", "Arschgeige", "Chatschlampe", "Dumme Sau", "Blöde Kuh", "Loser", "Wichser", "Alt-Outingschwein", "Neu-Outingschwein" unsere Plätze zu. Wir waren sehr gerührt, mit welchem Engagement die Gäste hier umsorgt werden.

Aber das waren längst nicht alle Überraschungen, die uns hier erwarteten. Mit einem weichen Lächeln um die Lippen und einem selig gemurmelten "Er ist immer bei mir!" schloss die Assistentin den überdimensionierten Schrankkoffer auf, der mitten im Restaurant stand. Wir zuckten zusammen, als sie sodann unvermittelt brüllte: "Rrrrrrrraaauuuuuuussssss mit dir!" Verblüfft sahen wir, wie augenblicklich ein imposanter Herr leichtfüßig heraussprang und sich uns als Manager des Etablissements vorstellte. Die Assistentin oder – wie sie sich selbst bezeichnet hatte – "seine rechte Hand" legte derweil ihre linke Hand besitzergreifend auf seinen Po ..., ihre rechte massierte höchst intensiv sein linkes Knie.

Leicht amüsiert darüber, dass da wohl jemand die Liebe gefunden hatte, wandten wir unsere Blicke von den beiden ab und ließen sie stattdessen durchs Lokal schweifen. Die Wände zierten diverse Kettensägen, dezent von Strahlern in Szene gesetzt. In einer Vitrine war eine antike Giftbechersammlung zu bewundern und auf den Tischen standen Spucktüten mit lustig-bunten Aufdrucken wie "kotz doch", "kotz mal wieder" oder "heute schon gekotzt". Wir waren beeindruckt: Das ist doch mal Erlebnisgastronomie, wie sie nicht im Buche steht!

Auf unsere verwunderte Frage, warum denn so wenige Gäste anwesend seien und es trotzdem so lange dauere, bis man eingelassen werde, wurde uns vom Manager erklärt, es sei üblich, dass ein Gast mindestens 3 Plätze reserviere, und man müsse natürlich abwarten, ob derjenige dann einen reservierten Platz freigebe. Dies sei eben der besondere "Kick" hier. Das leuchtete uns selbstverständlich ein.

Ungewöhnlich auch, dass offensichtlich eine Putzfrau rund um die Uhr in diesem Lokal im Einsatz war. Die Assistentin des Managers sprach von ihr überkorrekt als "Raumperle" und verwies darauf, dass jede andere Bezeichnung menschenverachtend und nicht konform zu den Menschenrechtsorganisationen wäre.

Die Raumperle wuselte derweil ständig um uns herum, starrte uns unverhohlen neugierig an und wirbelte bei ihrem Tun derart viel Staub auf, dass einige Gäste Reizhusten bekamen. Als sie sich auch noch anschickte, unauffällig Schmutz unter den Tisch zu kehren, bemerkte der Manager endlich unsere indignierten Blicke. Seine Kommentare ließen nur einen Schluss zu: Auch der Chef dieses Gourmet-Tempels litt unter Mangel an gutem Personal. Nur so waren seine Entschuldigungen zu deuten, dass die Raumperle zwar auf einem Auge blind sei, dazu äußerst schnell aufbrausend, wenn man ihr was sage, zudem auch gerne ihre Nase in alles stecke – aber Personal für die Drecksarbeit sei nun mal so gut wie gar nicht zu haben. Die Raumperle dagegen sei stets verfügbar, wohne praktischerweise sogar hier im Haus ...

Aber wir sollten uns doch bitteschön nicht durch solche Kleinigkeiten unsere gute Laune vermiesen lassen, denn sie wären alle bemüht, uns einen 1-A-Service zu bieten.
Dann schnippte er kurz mit den Fingern. Es ertönten augenblicklich aus dem kleinen Pianola in der Ecke die Trompeten von Jericho. Diese locker übertönend, bellte er gleichzeitig eine Kellnerin an: "Los, bedienen, aber dalli!" Die eilte aufgeschreckt an unseren Tisch, reichte uns die Speisekarte und servierte eine Runde abgestanden-lauwarmes Paulaner ohne Schaum, was allerdings ausdrücklich auf Kosten des Hauses ging. Der auf den ersten Blick Etepetete-Eindruck der Serviererin litt jedoch durch ein paar hässliche Flecken auf ihrer sonst blütenweißen Schürze.

Die Speisekarte war klar und einfach, denn sie enthielt nur ein Menü und versprach solide Hausmannskost mit einem Hauch kleiner Finessen, die sich uns erst beim Genuss offenbaren sollten.
Plötzlich ertönte schon wieder ein markerschütterndes "RRRRausssss hier!", und wir sahen die Aushilfskellnerin Böse_Öse ziemlich verwirrt durchs Restaurant eilen, auf dem Arm etliche Teller Suppe balancierend. Wahrscheinlich hatte man ihr nicht gesagt, dass dieses köstliche Mahl extra für uns zubereitet worden war. Der Manager, der uns mittlerweile angeboten hatte, ihn doch einfach "Baulchen" zu nennen, rettete die Situation, indem er ihr sagte, die "Intriegensuppe" sei für die "Arschlöcher dort hinten". Er entschuldigte sich aber sofort bei uns für die Unprofessionalität seiner Mitarbeiterin. Sie sei eben neu in seiner Truppe und könne nicht wissen, dass gerade diese Suppe für uns neu kreiert worden war – wir sollten uns doch besonders die hausgemachten Spätzle mit einer Prise gemahlenem Klatschmohn darin munden lassen.

Gesagt, getan! Der erste Löffel mundete noch, beim zweiten trieb uns die ungewohnte Würze bereits die Tränen in die Augen. Verstohlen schoben wir unsere Teller zurück und fächelten uns mit den Servietten Luft zu. Unauffällig nach einem WC Ausschau zu halten war nicht nötig, geleitet vom Gestank fanden Almut und Ina das Klo mit Niveau – zwei Kabinen, eine davon besetzt.
Ina stürmte ohne Rücksicht auf Almuts dringendes Bedürfnis in die freie Kabine. Almut war alles vergangen und so erkundigte sie sich besorgt bei Baulchen, was es denn mit der Kabine 1 auf sich habe. "Ach, in der ist nur unser Verhaltensforscher", lächelte er, "der macht seine Fallstudien dort und würde die Kabine nie freigeben. Wir tolerieren das und haben ihm den VIP-Status eingeräumt, denn letztendlich ist die Veröffentlichung der Ergebnisse fest für den St. Nimmerleinstag geplant."

Almut war tief beeindruckt und folgte der inzwischen ziemlich grün aussehenden Ina wieder zum Tisch, an dem gerade das Hauptgericht – gefüllte Gans im Schlafrock, umlegt mit unausgegorenem Krauskopfgemüse und moralinsauren Erbsen der Saison, sowie Wurfgeschossknödeln auf einer Platte – gereicht wurde. Leider hatte die Platte einen Sprung.
Wir wurden ermahnt, dass es sich bei diesem alten Stück um ein Andenken aus goldenen Zeiten handele, man könne sich wirklich nicht einfach davon trennen. Bei der Gelegenheit mache man auch gleich darauf aufmerksam, dass sämtliche Sachbeschädigungen unweigerlich die Einleitung eines Rechtsverfahren nach sich ziehen würden ...

Der Duft der Speisen stieg uns in die Nase, er machte Appetit. Der Geschmack hielt aber nicht, was der Duft versprach. Ina flitzte schon wieder zum Klo mit Niveau. Für uns blieb nur der Weg nach draußen, der Schlammbach direkt vorm Haus nahm das auf, was wir abgaben.

Sollten wir etwa alle eine S-Störung haben? Betroffen sahen wir uns an. Nein, es konnte nicht sein, was nicht sein darf! Das Restaurant war uns als Gourmet-Tempel mit bekömmlicher Kost empfohlen worden – sicher lag es an uns! Wir sind selber schuld, wenn wir nur die Schonkost im Hotel Abgrund zu uns nehmen!
Reumütig setzten wir uns wieder an den Tisch, auf dem inzwischen schon das Dessert stand. Wieder hatte das Personal äußerste Sorgfalt verwendet und penibel auf jede Kleinigkeit geachtet. Es gab Pflaume an Östrogensauce, verfeinert mit Bananensplittern, flambiert mit geeistem Gesülze. Serviert wurde das Ganze auf feuerfesten Rasierklingenblättchen.

Gleichzeitig wurde eine Voicebombe hereingerollt, der auf das Kommando "Aber dalli!!" eine Tänzerin entstieg. Sie sah in ihrem Bananenröckchen ganz reizend aus, jedoch erschloss sich uns nicht gleich, was die dort eingesteckten falschen Fuffziger zu bedeuten hatten. Die Vorführung, eine Art Schlangentanz, war jedenfalls überaus gekonnt und überzeugend dargeboten. Begeistert klatschen wir dieser Show Beifall und erwarteten eine Zugabe.

Dazu sollte es nicht mehr kommen. Die Dame vermisste plötzlich ihre wertvollen Creolen und verdächtigte hysterisch kreischend Leopold, der während der Vorstellung äußerst interessiert am nächsten herangerückt war, des Diebstahls und drohte, ihm ihren Bodyguard auf den Hals zu hetzen!
Die heikle Lage drohte vollends aus dem Ruder zu laufen, als glücklicherweise Manager Baule regulierend eingriff und meinte, es wäre zwar prinzipiell richtig, erst draufzuhauen und dann nachzufragen – aber in diesem Falle lägen die Creolen nun mal auf seiner Hand ... und vorher auf dem Boden.

Wir hatten danach das dringende Bedürfnis, so schnell wie möglich die Rechnung zu begleichen. Zu unserem Erstaunen erfuhren wir, dass jeder zahlt, was er will. Baule überlasse stets seinen Gästen, die Leistung zu bewerten. Eine ausgediente Tabacdose diene dabei als Kasse des Vertrauens. Zusätzlich würde er aber darum bitten, unsere ehrliche Meinung in seinem neu eingerichteten Gästebuch zu hinterlassen.
Gerne wollten wir dieser Sitte nachkommen, stellten aber fest, dass die Dose des Vertrauens gar keinen Boden besaß – und die Einsicht in das Gästebuch des Hauses zeigte deutlich: Hier hatte schon jemand für uns das Eintragen übernommen. Auf unsere Nachfrage erklärte man uns, das Fälschen sei so Sitte, und an guten alten Bräuchen, die sich nie bewährt hatten, solle man nicht rütteln. Außerdem hätten sie das volle Programm ihres Hauses aufgeführt, man sei also mit seinem Latein am Ende.

Unser Besuch im "Prolligen Eck" neigte sich dem Ende zu und wir waren geradezu überwältigt , als sich das gesamte Personal mit einem aufrichtigen und kollektiven "piss off" höflich dienernd von uns verabschiedete.