Mein Urlaub 2002 - Ungarn, Rumänien

Ein paar Sätze zur Vorgeschichte: Das Haus, in dem ich aufgewachsen bin, steht keine 5 Meter entfernt von der Ostrach, einem Zufluss der Iller, welche auch durch unser Städtchen fließt. Die Mündung der beiden Flüsse hatte für mich immer etwas faszinierendes: Ein kleines Stück des grossen Systems: Flüsse fliessen immer in grössere Flüsse, und irgendwann ins Meer. Bald konnte ich auch meine Nase in Landkarten stecken und erfuhr: man könnte ja von der Haustür direkt ins Schwarze Meer...

Natürlich hatte ich zu der Zeit noch keine Vorstellung, wie weit das ist. Aber ich stellte mir den Weg oft vor dem einschlafen vor: Über die 5 Wehre zur Iller, dann am Baggersee vorbei, durch Immenstadt, in die Donau und ins Schwarze Meer...so schnell geht das.

Mit zunehmenden Alter wurde der Traum erstmal an den Nagel gehängt: die grosse Weite und vor allem der eiserne Vorhang mussten mich eingestehen lassen, dass dies nur ein naiver Kindheitstraum war.

Doch plötzlich änderte sich etwas: Der eiserne Vorhang war Vergangenheit. Doch leider gab es keine guten Neuigkeiten aus dem Land der Donau und des Schwarzen Meeres: Armut, Hunger und schaurige Kinderheime - nicht das, was ich meinen Eltern in Verbindung mit der Frage "fahren wir da in den Urlaub hin?" präsentieren wollte...

Parallel dazu kam bald die schöne Jugendzeit: man entdeckte die vorzüge des Zugfahrens (und die Leidenschaft dafür) und bald begann man auch, alleine in den Urlaub zu Reisen.

Und dann: plötzlich brauchte man nur noch einen Reisepass für die Reise, kein Visum mehr. Und meine Reisen nach Prag und Budapest entfesselten eine ware Liebe zu den Ländern Osteuropas. Ausserdem: In Budapest stehen schon durchgehende Züge nach Bukarest - die grosse Weite relativierte sich.

2001 wurde es das erste mal konkret: Ich hatte jemand gefunden den man für die Tour begeistern konnte. Leider verursachten die - immernoch - schlimmen Gerüchte über die "Ostblockländer" eine gewisse Skepsis, die wir dadurch kompensieren wollten, noch mehr Leute mitzunehmen - ein schier aussichtsloses Unterfangen. Ein verlockendes Angebot, dass ein interessantes Projekt in Estland (s. Narvabeere) versprach, machte der Reise dann endgültig den Gar aus.

2002 hat es dann endlich geklappt! Leider ohne die Traummitfahrerin vom letzten Jahr. Dafür mit einer anderen netten Reisebegleitung, die sich als viel "reisetauglicher" erwies, als vorher angenommen.

Jetzt aber los mit der Reise...

Übersicht Route

Nürnberg (Regensburg, München, Salzburg, Wien, Budapest) Balatonakali (Tapolca), Budapest (Oradea), Cluj (Medias), Brasov, Sinaia, Bran (Ploiesti, Bukarest , Constanta), Eforie (Mangalia) (Buzau, Brasov), Sigishoara (Clui, Budapest, Wien, Linz, Passau) Nürnberg.

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Nürnberg - (München - Wien - Budapest) Balatonakali

Als es am Abend des 14.08 losging hat uns besonders gefreut, dass die Eisenbahnbrücke (vor Salzburg) gerade wieder freigegeben worden ist (Hochwasser) (die andere Strecke, über Passau, wäre auch nicht trockener gewesen...*g*). Weniger hat uns gefreut, dass unser erster Zug (Re Nürnberg - München) schon gar nicht erst ankommen wollte: in Freilassing war plötzlich Schluss: "wegen eines Personenschadens fährt der Zug nicht weiter"...immer diese blöden Selbstmörder! Aber mit Bus und S-Bahn schaffen wir es gerade noch, unseren Zug, in den wir in Salzburg einsteigen wollten, in München zu erwischen. Dank eines leicht genervten Schaffners ("macht doch was ihr wollt...") müssen wir nichtmal was dazuzahlen, obwohl unser Ticket im EN ungültig ist...

Viel Schlaf gibt es nicht, bis der Zug morgens gegen 9.00 Uhr in Budapest ankommt. In dieser Nacht habe ich das erstemal seit April richtiggehend bereut, dass Rauchen aufgegeben zu haben.

Glücklicherweise kenn ich mich in Budapest gut aus: Straight zum Frühstück, in die U-Bahn zum Südbahnhof, Fahrkarten rausgelassen und ab Richtung Balaton.

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Balatonakali

Völlig fertig und übernächtigt kommen wir am Campingplatz an. Aber die nächsten vier Tage entschädigen für die Strapazen: Sonne, See, Wind um die Nase, Rotwein (Erzeugerabfüllung), frisches Obst, Gemüse und Brot (und "Hirn in Dosen" *fg*) für fast nix - Plattensee eben.

Ein paar Probleme: das neue Zelt ist zwar leicht zu tragen, aber wirklich mini! Unsere Rucksäcke übernachten vor dem Zelt und selbst dann hat man gerade so Platz. Ausserdem packt die Kristina die übliche "post-Praktikum" Erkältung. Naja, wo kann man sich besser auskurieren, als gemütlich am Plattensee?

Nur ein Ausflug: nach Tapolca (Sprich: Tapolza). Da gibt es nicht wirklich viel zu sehen (Basaltkegel auf dem Hinweg, Höhle, Mühlensee mit Parkanlage) aber eine nette Abwechslung ist es trotzdem...wenn da nicht die blöde Schaffnerin gewesen wäre, die meint, unser Zug fahre gar nicht dahin, wo wir hinwollen! Also steigen wir in den falschen ein. Wir merken dies aber recht bald, steigen in Usza aus (3 Häuser...) und finden einen Bus zurück nach Tapolca und dann den richtigen Zug zurück...

Einen Tag früher als geplant (unsere Rücken schreien nach einem richtigen Bett...), brechen wir dann auf nach...

photo1: der see

photo2: frühstücksbuffet auf isomatte

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Budapest

...mein fünfter Besuch in dieser Stadt. Deshalb möchte ich garnicht viel zu den Sehenswürdigkeiten und anderen unveränderlichen Sachen (z.B. die Schönheit der Stadt...) sagen, sondern nur die Dinge die neu oder anders waren. Z.B. ist das Preisniveau, v.a. was die Übernachtung angeht, ordentlich angestiegen, genau wie die Anzahl der Menschen, die einem am Bahnhof ein Zimmer andrehen wollen. Ein Tip für alle, die sich in Budapest nicht auskennen: man entfliehe so schnell wie möglich dem Bahnhof, begebe sich auf die andere Strassenseite, steige in den Bus Nr 7, fahre bis zum St.Gellert Ter (eine Haltestelle nach der Donaubrücke), laufe die halblinke Strasse (in Fahrtrichtung) entlang und die dritte links. Hier befindet sich das Hostel Martos, wo man gut für (Stand Aug.02) 10€ pp unterkommt (nur im Sommer).

Was sonst noch anders war: das Hochwasser! War aber nur zu erkennen, wenn man Budapest kennt: es fehlte halt die eine Strasse. Zum Glück drang das Wasser nur an einer Stelle in die Stadt ein (s. Photo) und man hat ausser Sandsäcken (s. Photo) nicht viel bedrohliches vom Hochwasser mitbekommen.

Sich am 7.8. in Ungarn aufzuhalten, ist sehr zu empfehlen: Da ist nämlich Nationalfeiertag! Zwar kann man der Befestigungen auf dem Gellert Berg da nicht besuchen weil abgesperrt (umsonst da hoch - so´n mist *g*), dafür ist abends voll der Bär los in der Stadt: überall viele Menschen und live Musik. Ganz besonders toll: Die Band Padödö, alte "bekannte" von mir (man erinnere sich an ihren 96er Sommerhit "Usgadunk" - oder so ähnlich) waren dort auch anzutreffen.

photo1: Budapest an, ne, in der schönen braunen Donau

photo2: Held am Heldenplatz (Hösök Ter)

photo3: Sandsackberge auf der Margaretheninsel

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Übersicht Route Rumänien

rot: unsere Route

grünes kreuz: da waren wir richtig (nicht nur ein paar Std am Bahnhof sitzend, etc...)

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Budapest - (Oradea) Cluj

nur 8 Stunden Fahrt - man sollte an die Zeitverschiebung denken!

In Oradea wird der Zug plötzlich voll. Unter anderem steigt eine Theaterstudentin in unser Abteil ein (osteuropatypisch: 8, nicht 6 Plätze in einem Abteil...). Im gespräch mit Ihr werden alle Sicherheitsbedenken die wir bis jetzt noch hatten über Bord geworfen und auch die extreme Freundlichkeit aus dem Reiseführer glauben wir jetzt!

Und endlich hört das furchtbar flache Land auf: gleich nach der Einreise nach Rumänien lassen sich die ersten Hügel blicken...

Merken sollte man sich: nach all dem, was ich erkennen konnte, eignet sich die Strecke Oradea - Cluj (das "j" ist ein stimmhaftes sch, spricht man wie das "g" in Garage.) vorzüglich für eine Radtour. (Nur, wie bekommt man das Fahrrad dorthin?)

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Cluj

Kurz gesagt: Cluj besteht hauptsächlich aus Kirchen. Nein, das stimmt nicht *fg*.

Die zwei besonders an Cluj erwähnenswerten Dinge sind die Lage abseits der internationalen Zugstrecke Budapest - Bukarest und die Geprägtheit von jungen Menschen.

Ersteres macht sich z.B. dadurch bemerkbar, dass es längst nicht so viele Traveller und touristische Angebote gibt wie in Brasov, Bukarest etc. So gibt es auch das Youthhostel dort erst seit diesem Jahr. Hostel "Retro" ist gerade erst von 2 jungen Leuten eröffnet worden und damit das einzige Hostel in Rumänien, das Rumänen gehört. Das bereits ist unterstützenswert. Desweiteren ist es super schnuckellig und einen solchen Service habe ich noch nie erlebt! (Wo bekommt man schon erstmal einen Kaffee gekocht, noch bevor man eincheckt?) (Retro Youth Hostel besuchen)

Das Cluj so von jungen Menschen geprägt ist, liegt wohl daran, dass Cluj eine Universitätsstadt ist. Überall trifft man Anschläge an den Häusern, die verraten, dass hier eine Fakultät für sonstwas ist. Man merkt ausserdem im Stadtbild viele junge Menschen und es gibt einiges an Nightlife - was man z.B. in Brasov vergeblich sucht. Tip: Ein Bier im "Musicpub" oder einen Cocktail vor dem "Diesel".

Ansonsten lohnt es sich in Cluj Bilder für einen Bildband über Kirchen zu machen (entwickelt sich langsam zum Running Gag...), den Blick über die Stadt vom Haushügel aus zu geniessen, das ethnographische Museum (nur nicht zu Fuß!) zu besuchen und im botanischen Garten lustzuwandeln.

Auf keinen Fall entgehen lassen: Pizza "Bunny" im Restaurant "Hungry Bunny" (am Hauptplatz) essen!!!

photo 1: Im "Retro"

photo 2: Kirche, Denkmal und Nationalfarben im Stadtbild

photo 3: Nationalfarben im Stadtbild 2

photo 4: der "spooky tree", tagsüber nicht spooky

photo 5: Nationalfarben im Stadtbild 3

photo 6: krass grosse Seerosenblätter im Botanischen Garten

photo 7: "Hungry Bunny"

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Brasov (Sinaia, Bran)

Brasov [Braschow] ist ein nettes Städtchen, in dem es wirklich viel zu sehen gibt. Man sollte sich aber einen warmen Pulli mitnehmen: durch seine Lage am Fusse der Südkarpaten (Höhe ca. 600m über N.N.) kann es ganz schön kühl sein - auch im August.

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt kann man an ein oder zwei (lohnenswertes Museum im Rathaus...!) Tagen "abhandeln". Besonders eignet sich Brasov als Basis für Tagesausflüge: Die Königsschlösser in Sinaia [Sinaja] oder Draculas Burg in Bran sind bequem mit Zug/Bus zu erreichen, die Bergbahn fährt einen auf den Hausberg, von dort geht es direkt in die Karpaten...

Essenstip: mal richtig feudal speisen im Carmel...

photo 1: zwischen Cluj und Brasov 1

photo 2: zwischen Cluj und Brasov 2

photo 3: Nikoleikirche Brasov

photo 4: Blick auf den Hausberg, im Vordergrund Sportmuseum und Stadtbefestigung

photo 5: Blick vom Hausberg

photo 6: vom Hausberg aus schaut man in den Hauptkamm der Südkarpaten

photo 7: Rathaus in Brasov

photo 8: Bran: Vlad "Dracula" Tepes´ Burg: geheimer Gang

photo 9: Bran: Vlad Tepes Burg

photo 10: Bran: ethnographisches Museum

photo 11: Bran: Karte im Zollmuseum

photo 12: Brasov Nightlife: Kristina, Diana und Michi im Saloon

photo 13: der Omul vom Zug aus

photo 14: Sinaia: Klosterkirche

photo 15: Sinaia: Schloss Peles

photo 16: Sinaia: Schloss Pelisor

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Brasov - (Ploiesti - Bukarest - Constanta) Eforie

Die 10 Stunden Fahrt nimmt man doch gern in Kauf: schon ist man am Meer. Und das schwarze Meer ist wirklich ein Meer, nicht so ein ruhiger Teich wie z.B. das Mittelmeer!

Wer´s ruhig und nicht zu touristisch mag, sollte in Eforie absteigen. Ein nettes kleines Dorf. Vor allem lohnt sich ein kleiner Spaziergang an die Peripherie des Ortes oder, na klar, entlang des Meeeeeeres...

photo 1: Meer sehen?

photo 2: noch Meer sehen?

photo 3: die Wellen können 2 m schon mal überragen...

photo 4: Hafen von Mangalia

photo 5: Leuchtturm in Mangalia

photo 6: Blick aus unserem Zimmer (Eforie)

photo 7: "unser Haus": Villa Saxonia

photo 8: Traumhaus

photo 9: wenn diese Einrichtung nicht touristisch ist...

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Sigishoara

Einzige rumänische Stadt, die zum Weltkulturerbe gehört ... naja, ganz nett aber warum gehört gerade die dazu? Ist halt eine Mittelalterliche Stadt wie viele andere...

photo 1: Blick vom Turm...

photo 2: Turm...

photo 3: ja sind wir denn in Prag???

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Heimfahrt

...laaaaaaaang! aber bemerkenswert: kaum sitzt man 10 Minuten in einem deutschen Zug, hat man zwei Toiletten, in denen dass Wasser nicht abläuft. Kaum in Deutschland, hat man einen Lockschaden (...und das in Bayern, mensch Edmund!) Also, in Rumänien ist uns sowas nie passiert...

photo: Abschied von Freunden (so sehen Trekkingsandalen nach ca. 10 000 km und dreieinhalb Meeren aus...ca.30% Gewebeband...)

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