Alice - Salomon - Fachhochschule Berlin
- University of Applied Sciences -

Diplomarbeit im Fach Sozialarbeit/Sozialpädagogik

Ideologie einer Jugendkultur am Beispiel der Gothic- und Darkwave- Szene

Vorgelegt im April 2000 von Oliver Zimmermann

Erstkorrektor: Dipl. Pol. Michael Moreitz
Zweitkorrektorin: Prof. Dr. Birgit Rommelspacher
Vielen Dank an: Steffi Friedrich (wo immer sie auch steckt) - für´s zeigen, wie ein Gothic aussieht (lange her!); Dirk Heinke - für die schwarzen (!) Striche und Kringel; Peter Winkler - für das dicke Paket; Marén Börner - für die wunderbaren Fotos; das Cafe Schwarz- und das Darkstore- Team - für den vortrefflichen Gerstensaft; das Archiv der Jugendkulturen - für seine Arbeit; die Grufties gegen Rechts - für die Informationen; gruftieland.de (der Name war schöner!), die Pagans Against Fascism und alle meine Interviewpartner - für die Beanwortung von meinen dummen Fragen und Zoe Rothberg für ihre Existenz.

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung 5
2. Einordnung und Geschichte 8
2.1. Ideologie 8
2.2. Jugendkultur und Subkultur 10
2.2.1. Die Subkulturtheorie des "Centre for Contemporary Cultural Studies" 10
2.2.2. Theorie der Subkultur nach Rolf Schwendter 11
2.2.3. Soziologie jugendlicher Subkulturen 12
2.2.4. Jugendkultur 13
2.2.5. Zusammenfassung 14
2.2.6. Das Individuum in der Jugendkultur 15
2.2.7. Stil als Merkmal von Jugendkultur 17
2.2.8. Die Bricolage- Technik 18
2.3. Geschichte der Gothic- und Wave- Szene 19
2.3.1. Punk 19
2.3.2. Entstehung der Gothic- und Darkwave- Szene 22
3. Die Gothic- Szene heute 28
3.1. Musik 28
3.1.1. Gothic- Rock 28
3.1.2. Electronic Body Music (EBM), Industrial und Industrial Noise 29
3.1.3. Dark Wave und Synth(ie)pop 30
3.1.4. Neo- Folk oder Dark- Folk, Mittelalter und Ritual 31
3.2. Kultur und Sexualität 32
3.2.1. Die Gothic- Kultur 32
3.2.2. Mode und Styling 35
3.2.3. Die Funktion der Bricolage in der Gothic- Szene 39
3.2.4. Symbolik und Gefühlswelt 40
3.2.4.1. Suizid und Tod 43
3.2.4.2. Weltflucht 47
3.2.4.3. Religiöse und okkulte Systeme 53
3.2.5. Gothic- Szene und Sexualität 57
3.2.6. Drogen 62
3.3. Rechtsextremistisches und Völkisches 63
3.3.1. Theosophie und Ariosophie 64
3.3.2. Der Armanen- Orden 68
3.3.3. Wicca 70
3.3.4. Gothics und Neue Rechte 72
4. Interviews 96
4.1. Vera 96
4.2. Christian 101
4.3. Benjamin 108
4.4. Nico 114
5. Jugendarbeit und Gothic- Szene 120
Literaturverzeichnis 122

1. Einleitung

Jedem, der eine Arbeit, die sich "Ideologie einer Jugendkultur" nennt zur Hand nimmt, muss von Anfang an klar sein, dass letztlich der Anspruch, wirklich die Ideen- und Lebenswelt einer ganzen Jugendkultur zu beschreiben, scheitern muss. Dieses Scheitern betrifft auch naturgemäß die vorliegende Arbeit. Hier konnte nur versucht werden, einige Aspekte der vielfältigen Gothic- und Darkwave- Szene aufzuzeigen und Schwerpunkte zu setzen. Diese Schwerpunkte wurden nach zwei Gesichtspunkten ausgesucht. Der erste Schwerpunkt soll bei dem liegen, was denjenigen interessieren könnte, der wenig bis nichts über die hier behandelte Jugendkultur weiß. Der erste Schwerpunkt ist für denjenigen Leser gedacht, der, ob nun zufällig oder aus beruflichen Gründen, mit Menschen aus der Gothic- und Darkwaveszene zu tun hat. Der zweite Schwerpunkt besteht in der Betrachtung von Aspekten, die die Szene selbst interessiert und in Themen, die in der Jugendkultur selbst diskutiert werden. Da ich mich selbst (genau wie die meisten Personen, die ich interviewt habe), als Sympathisant dieser Jugendkultur verstehe (Menschen die von sich selbst sagen, dass sie Gothics oder Dark- Waver sind trifft man anscheinend höchst selten), glaube ich beurteilen zu können, dass ich mit dem Thema "Völkische und Rechtsextremistische Tendenzen" der Szene, das im Moment "heißeste Eisen" der Szene angepackt zu haben. Ich erwarte dafür nicht unbedingt positive Reaktionen aus der Szene selber, da es anscheinend (leider) immer noch als Nestbeschmutzung gilt, diese Tendenzen, die ich versucht habe möglichst neutral und wenig wertend darzustellen, anzusprechen. Natürlich besteht in diesem Zusammenhang besonders für den außenstehenden Leser die Gefahr, mich misszuverstehen. Deswegen möchte ich hier noch einmal schreiben, auf was im Text selbst mehrfach hingewiesen wird. Die Gothic- und Darkwave- Szene an sich ist nicht politischer oder unpolitischer als die Durchschnittsgesellschaft. Wenn es, die gesamte Dauer der "Existenz" der Szene betrachtet gesehen, eine Tendenz in eine politische Richtung gab, dann sicherlich eher nach "links", möglicherweise in Richtung einer Art, nicht als wirkliche politische Theorie gefassten "Anarchismus" oder in Richtung einer "Liberalität", im Sinne von Erhalt und Erlangung "individueller Freiheit". Dieses hat sich erst in den letzten Jahren ein wenig verändert, und ich denke nicht, dass das zufällig bzw. alleine aus der Gedankenwelt der Gothics selbst zu erklären ist, sondern hauptsächlich etwas mit Entwicklungen der Gesamtgesellschaft zu tun hat. Das heisst jedoch nicht, dass es nicht bestimmte ideologische Denkmuster der Szene gibt, die dieser Entwicklung entgegen kommen. Wie schon angedeutet fehlen viele Aspekte, einer davon ist die Erstarkung des Black- Metal Einflusses auf die schwarze Szene insgesamt. Deswegen bitte ich in Hinblick auf rechtsextremistische Tendenzen auf diesem Gebiet, den mir erst kurz vor Abgabe dieser Arbeit bekannt gewordenen, von der Konrad- Adenauer- Stiftung publizierten Aufsatz von Daniela Tandecki zu beachten. Möglicherweise habe ich, aufgrund meines Desinteresses für BURZUM und ähnliche Bands, die mit Gothic nun wirklich nicht zu tun haben, den Einfluss der "Lords of Chaos" auf das Gedankengut von manchen "Szenegängern" unterschätzt. Möglicherweise fielen einig Aussagen über die Gothic- Kultur auch deshalb etwas negativer aus, da bis jetzt in allen wissenschaftlichen Büchern und Diplomarbeiten diese Jugendkultur sehr freundlich (und meines Erachtens manchmal etwas zu freundlich) behandelt wurde. Anders verhielte es sich nur mit Berichten der Massenmedien, die nach wie vor fast durch völlige Unkenntnis der Szene auffallen. Eine etwas verwunderliche Tatsache, da mir selbst mehrere, zumindest ehemalige "Grufties" bzw. "Waver" bekannt sind, die journalistisch tätig sind. Ich kann mir mittlerweile eigentlich nur vorstellen, dass Jugendkulturen für Massenmedien wohl nur dann interessant werden, wenn sie durch ihr Verhalten an irgendwelchen Tabus rütteln, vielleicht ist auch das der Hintergrund dafür, dass "Grufties" in den Medien immer noch nur "Gräber schänden", "schwarze Messen feiern", "Geister beschwören", sich selbst umbringen und neuerdings eben auch "Runen und Hakenkreuze kritzeln". Ich hoffe es wird auch weiter unendlich viele Leute in der Szene geben, die diese Klischees nicht erfüllen wollen - und genau für die habe ich diese Arbeit geschrieben.

2. Einordnung und Geschichte

2.1. Ideologie

Die vorliegende Arbeit hat den Titel "Ideologie einer Jugendkultur"; das wird den einen oder anderen Leser wahrscheinlich verwundern. Da der Begriff der Jugendkultur nur selten im Zusammenhang mit Ideologie verwendet wird ist es hier notwendig, den Terminus "Ideologie" näher zu erläutern - ohne jedoch die gesamte Entwicklungsgeschichte des Begriffes "Ideologie" im einzelnen nachvollziehen zu können.1
Ein Problem besteht darin, dass der Begriff "Ideologie" nicht einheitlich verwendet wird, Sandkühler schreibt dazu:

"´Ideologie´ (I.) ist ein polysemantischer gesellschaftswissenschaftlicher und epistemologischer Begriff zur Bezeichnung einer systemischen Einheit von ideellen und institutionell objektivierten Vergesellschaftungsformen des Bewußtseins . Der Extension nach umfaßt I. Annahmen, Präsuppositionen, Theorien u.a., die als Inhalte epistemischen (rational begründeten) und doxatischen (doxa = Meinung) Wissens vorliegen und an Prinzipien, Dogmen und Idealen orientierte Einstellungen und Wertungen ausdrücken; ..."2

Durch die Vieldeutigkeit des Begriffes, ist die Gefahr der Beliebigkeit der Benutzung gegeben. Vor allem in der Alltagssprache ist das Wort "Ideologie" einem starken "Verlust der Begriffsschärfe"3 unterworfen. Er wird oft entweder fälschlicherweise als Begriff aufgefasst, der getrennt von der Basis existiert (im Sinne des Modells Basis- Überbau). Man verwendet ihn abwertend zur Beschreibung bestimmter politischer Lösungen oder man geht soweit, alle "Ideologien" als unnütz abzutun.4 So verkommt der Begriff zu einem Bezichtigungsbegriff:

"Wer ihn gebraucht, schreibt ihn prinzipiell anderen zu, nicht aber sich selber; wer ihn umgangssprachlich benutzt, äußert einen Verdacht; die als Wissen genommene spontane Meinung des Alltagsverstands geht von der Gewißheit aus, getäuscht werden zu sollen, und von der Furcht, die Täuschung mangels rationaler Kritik-Kriterien nicht durchschauen zu können. So wird der Ideologieverdacht eine Präventivmaßnahme zum Schutz existentieller Weltbilder."5

Im vorliegenden Text, soll der Begriff "Ideologie" im Sinne der Reflexion des Verhältnisses von Sein und Bewusstsein verwendet werden; also im ursprünglichen Wortsinn der "Lehre von Ideen" - Ideen, die natürlich nur in Wechselwirkung mit institutionellen und ökonomischen Gegebenheiten existieren. Dabei muss die Tendenz der postmodernen Gesellschaft berücksichtigt werden, sich in verschiedene Lebensbereiche aufzuspalten; es ist somit nicht einfach möglich ideologische Einflüsse und eventuell sie tragende Institutionen zu identifizieren. Der Forderung von Horkheimer:

"Der Name der Ideologie sollte dem seiner Abhängigkeit nicht bewußten, geschichtlich aber bereits durchschaubaren Wissen, dem vor der fortgeschrittensten Erkenntnis bereits zum Schein herabgesunkenen Meinen, im Gegensatz zur Wahrheit vorbehalten werden."6

ist zwar im Prinzip beizupflichten. Das spricht aber nicht gegen den Titel der Arbeit, da diese sich mit der Ideologie oder den Ideologien einer Jugendkultur beschäftigt, welche als Teil (oder auch Gegenbild) der gesamten Gesellschaft existiert. Da in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft eine totalitäre Tendenz herrscht, wenn man der sogenannten "Kritischen Theorie" folgen will, kann angenommen werden, dass also auch die Gothics und Dark- Waver nicht unbedingt "die Wahrheit" gefunden haben. Außerdem dürfte die hier untersuchte Jugendkultur (zumindest in großen Teilen) kaum zu dem, von Marcuse festgestellten "Substrat der Geächteten und Außenseitern (...) (die) außerhalb des demokratischen Prozesses (existieren) (...)"7 und das System der fortgeschrittenen Industriegesellschaften treffen - und damit verändern können zählen.8

2.2. Jugendkultur und Subkultur

2.2.1. Die Subkulturtheorie des "Centre for Contemporary Cultural Studies"

Das 1964 gegründete Forschungsinstitut "Centre for Contemporary Studies" (CCCS) in Birmingham, England, beschäftigte sich vor allem Mitte der 70er Jahre mit dem Bereich der Subkulturforschung. Das CCCS geht von zwei Stammkulturen der westlichen Industriegesellschaft aus: Der bürgerlichen und der proletarischen. Die, vor allem jugendlichen, Subkulturen sollen aus gesellschaftlicher und sozialhistorischer Sicht analysiert werden. Das Konzept beruht auf der Entschlüsselung, "wie gesellschaftliche Individuen, Gruppen und Klassen in einem speziellen historischen Kontext das Rohmaterial ihrer sozialen und materiellen Existenz handhaben und umsetzen."9 Die Subkulturen werden entsprechend, ausgehend von ihrer Klassenzugehörigkeit, als kollektiv auf Widersprüche und Probleme reagierend verstanden. Nach dieser Theorie bilden sich also vor allem unter proletarischen Jugendlichen Subkulturen, da die dominierende Stammkultur ihnen keine, ihnen entsprechenden, Lösungsmuster bieten kann:

"Die latente Funktion der Subkultur besteht darin, die Widersprüche, die in der Stammkultur verborgen oder ungelöst bleiben, zum Ausdruck zu bringen und zu lösen - wenn auch in magischer Weise. Der Aufstieg dieser Subkulturen, die aus dieser Stammkultur hervorgingen, läßt sich also als Reihe ebenso vieler Variationen auf ein zentrales Thema auffassen: Den Widerspruch auf ideologischer Ebene zwischen dem traditionellen Puritanismus der Arbeiterklasse und der neuen Konsumideologie, und den Widerspruch auf ökonomischer Eben(e) zwischen einem Teil der Arbeiterklasse, der zur sozial mobilen Elite gehört und einem anderen, der zum neuen Lumpenproletariat gehört."10

Die Jugendlichen handeln im Kollektiv, da es ihnen nicht möglich ist, die gesamtgesellschaftlich dominierenden Normen der Mittelschicht zu übernehmen. Gründe dafür können auf der einen Seite die ökonomische Situation, auf der anderen Seite aber eben auch Stigmatisierung aufgrund ihrer proletarischen Herkunft sein. Andererseits möchten sie auch nicht mehr den traditionellen Werten der Arbeiterklasse folgen. Sie bilden sich ein eigenes Wertesystem, folgen eigenen Ritualen, eignen sich Territorien an.11 Die jugendliche Subkultur bildet einen eigenen Stil, der sowohl nach innen, als auch nach außen eine kollektive Identität und ein Wir- Gefühl bilden will.

2.2.2 Theorie der Subkultur nach Rolf Schwendter12

Dem soziologischen Schichtenmodell folgend, stellt Schwendter fest, dass es am Rande der typischen Schichten der Gesellschaftspyramide (z. B. Kleinbürgertum, Proletariat usw.) Teile der Gesellschaft gibt, die sich mit den vorhandenen Gruppen nicht identifizieren können und/oder wollen:

"Er definiert Subkultur als ´...Teil einer konkreten Gesellschaft, der sich in seinen Institutionen, Bräuchen, Werkzeugen, Normen, Wertordnungssystemen, Präferenzen, usw. ..., in einem wesentlichen Ausmaß von den herrschenden Institutionen etc. der jeweiligen Gesamtgesellschaft unterscheidet´."13

Subkulturen stehen, egal ob sie die Gesellschaft verändern oder nichts mit ihr zu tun haben wollen, immer in einer dialektischen Abhängigkeit zu der Gesamtgesellschaft. Für Schwendter gibt es auch Subkulturen in der Erwachsenenwelt, er zählt dazu die Anhänger von Rudi Dutschke, Timothey Leary und Frank Zappa.

"In seiner "Theorie der Subkultur" unterscheidet Schwendter zwischen unfreiwilligen und freiwilligen, sowie regressiven und progressiven Subkulturen. Innerhalb der progressiven Subkulturen differenziert Schwendter nochmals zwischen rationalistischen und emotionalen Strömungen."14

Regressive Subkulturen wollen das gestrige wieder zurück haben, sie versuchen Werte und Normen wiederzubeleben, die gesamtgesellschaftlich aus der Mode gekommen sind oder sich verändert haben. Laut Schwendter vertreten sie oft völkische Ideen, sind antidemokratisch und glauben an die Überlegenheit der weißen Rasse. Die Herkunft dieser Subkulturen ortet er aus dem Kleinbürgertum und dem Lumpenproletariat herkommend. Beispiele seien v. a. männlich dominierte Jugendstile wie z. B. Teddys, Halbstarke, Teile der Rocker, rechte Skinheads und rechtskonservative Studentenbünde.
Progressive Subkulturellen wollen dagegen die Gesellschaft in einem dialektischen Prozeß voranbringen und auf eine neue, höhere Ebene bringen. Schwendter behauptet, diese Subkulturen seien eher aus dem Proletariat, von "proletarischen Intellektuellen" und der technischen Intelligenz her kommend. Er teilt diese Subkultur noch einmal in rationalistische und emotionale Strömungen ein. Zu den rationalistischen Strömungen zählt er z. B.: Randgruppenarbeiter, politische Studenten- und Intellektuellengruppen und ethnische Minderheiten. Sie alle arbeiten angeblich an einer konkreten Gesellschaftsutopie (marxistisch, anarchistisch etc.). Gammler, Hippies, Beatniks usw. sind bewusstseinsorientiert und gehören zu den emotionalen progressiven Subkulturen.
Außerdem unterscheidet er auch noch unfreiwillige und freiwillige Subkulturen. Freiwillige Subkulturen weichen bewußt von der Kultur und den Normen und Werten der Gesamtgesellschaft ab, während unfreiwillige Subkulturen von der Gesellschaft stigmatisiert werden. Zu den unfreiwilligen Subkulturen zählt er z. B. Heimkinder und Obdachlose.

2.2.3. Soziologie jugendlicher Subkulturen nach Mike Brake15

Nach Brake sind Subkulturen als Subsysteme der umfassenden Klassenkultur zu begreifen. Sie heben sich in Lebensstil, Werten, Verhaltensnormen und Ausdrucksformen von dieser ab. Sie können dabei Anhängsel oder Antagonist der jeweiligen Klassenkultur sein. Entscheidend ist aber, dass kollektiv erfahrenen Schwierigkeiten der Individuen zur Herausbildung einer Subkultur führen. Das Individuum sucht die Möglichkeit sich persönlich zu verändern oder weiterzuentwickeln - voraus gingen erfahrene Widersprüche. Durch diesen Versuch sich zu verändern findet eine Auseinandersetzung sowohl mit der Umwelt (Eltern, Peer-Group...), als auch eine Reaktion derselben auf geändertes Verhalten statt. Durch die mangelnde Unterwerfung unter die dominierenden Normen, erfolgt eine Stigmatisierung des Individuums durch die Gesellschaft. Dem Individuum bleibt nun nur übrig isoliert oder vereinzelt dahinzuvegetieren, oder sich mit anderen, die die herrschenden Normen ebenfalls als Problem ansehen zusammenzuschließen. Eine Identitätsfindung kann aber innerhalb eines Kollektives nur dann erfolgen, wenn eben ein gemeinsames, kollektives Anderssein einsetzt, welches eigenen Normen und Werte schafft. Im Gegensatz zum individuellen Außenseiter, der die Ursache für seine Stigmatisierung meist passiv erträgt und sich mit den Gegebenheiten arrangiert, setzt ein kollektiver Ausweg, eben die Zugehörigkeit zu einer Subkultur, auf eine offensive Auseinandersetzung. Allerdings läuft diese Auseinandersetzung meist nur auf symbolischer Ebene ab, denn statt auf die Problematik der real existierenden sozialen Widersprüchen mit einer politischen Antwort zu reagieren, versucht sie sich durch Stil, Kleidung und Musik vom Mainstream abzugrenzen. Materiell und ökonomisch verändert sich dadurch nichts.

2.2.4. Jugendkultur

Mittlerweile hat der Begriff "Jugendkultur", den Begriff "Subkultur" oft abgelöst. Baake und Ferchhoff16 begründen das folgendermaßen:

"1. Der Begriff Subkultur suggeriert kulturelle Sphären, die unterhalb der allgemein gesellschaftlich anerkannten Kultur liegen.
2. Eine eindeutige Differenzierung zwischen sogenannten primären, von ´unten´ entstehenden Subkulturen und massenmedial, von ´oben´ produzierten und vermittelten Modesubkulturen ist nicht mehr eindeutig feststellbar. Der Grund hierfür liegt in einer fortschreitenden Pluralisierung, Individualisierung und Differenzierung, die in vielen Lebensbereichen zu einer Vermischung der sogenannten Sub-, Trivial- und Hochkultur führt. (...)"17

Außerdem geht die Jugendforschung davon aus, dass die Beschäftigung mit Subkulturen für Heranwachsende meist eine zeitlich begrenzte Phase zwischen Kindheit und Erwachsenwerdung darstellt. Dadurch kommt es, dass diese Subkulturen nur eine begrenzte Zeit bestehen, langsam ihre Bedeutung verlieren und sich früher oder später auflösen. "Jugendkultur" wird daher als treffendere Bezeichnung gesehen.

2.2.5. Zusammenfassung

Subkultur ist also eine Kultur, die unter der Oberfläche der üblichen Hochkultur, der Mainstreamkultur der Gesellschaft stattfindet. Das schließt nicht aus, dass einzelne Subkulturen auf die Gesellschaft einwirken und werteverändernd sind. Hoch- und Subkulturen stehen in einem dialektischen Verhältnis zueinander. Die einzelnen Individuen, die Mitglieder einer Subkultur sind, wurden das, weil sie Erlebnisse hatten, in denen sie mit den herkömmlichen gesellschaftlichen Wert- und Normvorstellungen kollidierten. Um eben diese Erfahrungen verarbeiten zu können, schließen sie sich mit anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zusammen. Im Zuge der Kommerzialisierung von allen möglichen Trends die von "unten" kommen, werden Elemente entstandener Jugendkulturen inzwischen meist schnell von der Hochkultur aufgenommen und in einer Art vampiristischen Aktes vermarktet und blutleer gemacht, bis nur noch inhaltsleere Hüllen der einstigen Gegenkultur vorhanden sind. Festgehalten werden muss, dass Subkulturen keine Lebensgemeinschaften sind (sie haben keine gemeinsame ökonomische Basis, noch stehen sich die Mitglieder regelmäßig bei), aber doch oft von ihren Mitgliedern so gesehen werden. Nur so kann auch verstanden werden warum

"Zusammengehörigkeit (die es kann nicht oft genug gesagt werden, hohl und falsch ist) durch Kleidung, Sprache, Paraphernalien (Zeichen, die zu Symbolen werden O.Z.) und "Insiderwissen" kulthaft und inbrünstig demonstriert"18

wird.
Meines Erachtens haben sowohl der Begriff "Jugendkultur", als auch der Begriff "Subkultur" seine Berechtigung; so würde ich die Gothic- und Dark- Wave Szene zwar eher als Jugendkultur bezeichnen, meine aber auch, dass es sich bei sämtlichen Jugendkulturen auch um Subkulturen handelt. Andererseits sind nicht alle Subkulturen, wie z. B. die Kultur der türkischen Migrantinnen in Deutschland oder die Kultur der Obdachlosenszene Jugendkulturen.19 Die Unterscheidung dürfte also klar sein, und es erscheint als Rätsel, warum diese Unterscheidung bisher nicht explizit getroffen wurde. Im weiteren Text wird also meist der Begriff "Jugendkultur" verwendet, da er die hier zu beschreibende Szene genauer definiert.

2.2.6. Das Individuum in der Jugendkultur

Die Jugendphase hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich ausgedehnt: Die Postadoleszenz dauert immer länger. Bedingt durch deutlich längere Ausbildungszeiten stehen junge Menschen für lange Zeit unter institutioneller Kontrolle. Einschnitte, die früher die Entwicklung der Menschen prägten, haben sich zeitlich verschoben oder ihre Bedeutung verändert.20 Jugendphase zeichnet sich durch eine Erprobung von Freizeit- und Konsumkultur aus, sie ermöglicht verschiedene Identitäten zu erproben, "da die Zwänge der Arbeitswelt noch nicht greifen."21 In dem, von gesellschaftlichen Zwängen freieren Rahmen, ist es für den Einzelnen möglich, abweichendes Verhalten auszuprobieren und die Grenzen gesellschaftlich akzeptierter Möglichkeiten zu testen. Dadurch wird es dem Individuum ermöglicht, sich zwischen traditionellem und dem Wertesystem seiner Jugendkultur, ein eigenes Wertesystem zu schaffen. Die herkömmliche Subkulturtheorie des CCCS wirkt dadurch, dass diese Lebensphase praktisch schicht- und klassenübergreifend an Bedeutung gewonnen hat, in ihrer Typisierung in klassenspezifische Herkunftskulturen, etwas überholt. Das soll jedoch nicht heißen, dass Jugendliche mit höheren Bildungsabschlüssen tendenziell nicht andere Jugendkulturen bevorzugen als Jugendliche mit niedrigerem Bildungsgrad. Allerdings ist es sicher zu einfach Punks als Kinder schlechter verdienenden und "Grufties" eher "aus ... kulturell gebildeten und materiell gesicherten"22 Familien kommend zu orten.
Durch die bestehende Gruppe der gleich- oder ähnlichaltrigen schafft es das Individuum sich von den bestehenden sozialen Zusammenhängen zu lösen, die dort vorherrschenden Normen und Werte zu überdenken und diese zu verwerfen oder auch anzunehmen. Wird eine Subkultur interessant für die Gesamtgesellschaft, hier natürlich meist zuerst aus marktstrategischen Gründen, ist es durchaus auch möglich, dass Normen und Werte wiederum auf die Hochkultur zurückwirken und sich auch dort ändern.23

"Subkulturen müssen Überschneidungen zur normalen Alltagskultur aufweisen, sich aber gleichzeitig auch wesentlich von dieser unterscheiden. Sie können immer nur eine partielle Lösung von der Gesamtgesellschaft sein. Eine Autonomie von Jugendsubkulturen existiert nur intern, im Stil, der aber wiederum nur aus externen Bezügen erklärbar ist. Jugendliche Subkulturen sind auf die Reflexion kultureller Gewohnheiten ausgerichtet. Sie sind gleichzeitig Produkt, imaginäre Antwort oder Teillösung von realen, strukturellen gesellschaftlichen Widersprüchen. Dazu zählt das Bewußtsein der relativen ´gesellschaftlichen Ohnmacht´, des Ausschlusses von gesellschaftlich entscheidenden Machtzentren und deren Repräsentationsmedien."24

Durch die - manchmal auch nur so erscheinende - Unfähigkeit, etwas gesellschaftlich zu verändern, wird die Freiheit genutzt, die bleibt. Als eine Art magische Handlung wird der eigene Körper, die Kleidung und der unmittelbare Lebensraum (z.B. durch Graffiti, aber auch durch einfache räumliche Besetzung) verändert. Die Mainstreamgesellschaft steht einer neuen Jugendkultur grundsätzlich erst einmal ablehnend gegenüber, was sich aber im Verlauf der Vermarktung ändert und sich nur noch auf bestimmte "schädliche" Inhalte bezieht.25 Das Leitbild der Jugendlichkeit sorgt dafür, dass auch ältere Menschen Zugang zu eigentlich von Jugendkulturen besetzten Feldern bekommt. Um ein Beispiel zu nennen: Die Konsumindustrie gibt sich größte Mühe, dass auch die 40 jährigen das Bedürfnis haben, neben den sowieso schon im Keller stehenden Skier auch noch Snowboards zu brauchen - und das, nachdem sie sich ein paar Jahre lang über die "rücksichtslose" jugendliche Snowboarderkultur aufgeregt haben.
Dabei entscheidend sind sicherlich auch die Tendenzen zur Individualisierung der Gesamtgesellschaft, so dass einige Autoren den Begriff der Subkultur bereits als überholt betrachten.26

2.2.7. Stil als Merkmal von Jugendkulturen27

Die Beliebigkeit und das Gefühl der Heimatlosigkeit in der Gesamtgesellschaft versuchen besonders sich in einer Subkultur befindliche Individuen durch einen übergeordneten Zusammenhang zu überwinden. Dadurch versuchen sich die Mitglieder einer Subkultur vor allem sich im Verhältnis zu "den Anderen" zu unterscheiden.

"Entscheidend für die Analyse von Subkulturen ist der Stil als Lebensform. Das bedeutet nach Brock: Die Stile sind Moden, die sich in der Dynamik von Selbstlauf und Eingriff im Verhalten von Individuen und Gruppen gestalten. Der Stil als Lebensform ist an Lebensbereichen und -zyklen orientiert. Vor allem für die Subkulturen bedeutet der Stil Widerstand und Behauptung von Individualität. `Kultur haben heißt, sich seine Aufgaben selbst vorzugeben; Stil hat, wer dabei keine Kompromisse eingeht!`"28

Stil ist Teil eines "sozialen Orientierungssystems",29 das es dem Individuum ermöglicht sich selbst (und eventuell auch andere) zu klassifizieren und einzuordnen. In Jugendkulturen ist die Musik der Ausgangspunkt, der aufgrund der klaren Sphäre (bei der Arbeit spielt Musik meist keine Rolle) der Freizeit Ausgangspunkt für ein Geflecht aus Gegenständen und Handlungen wird. Das führt schließlich zu einem übergreifenden Stil. Diesen übergreifenden, auf Überhöhung der Lebens zielenden Stil bezeichnet man auch als "Lebensstil". Der Lebensstil jedes einzelnen ist nun keineswegs ein für alle mal festgelegt, sondern unterliegt ständigen Überprüfungen und Anpassungen an die Umwelt sowie durch das Wertesystem des Individuums. Durch den eigenen Stil wird die kulturelle Hegemonie der Gesamtgesellschaft in Frage gestellt, durch ihn versuchen die Mitglieder einer Subkultur die eigene Stellung, ihre eigene Lebenswelt auszudrücken. Der Stil einer Subkultur entsteht aus dem Spiel von individueller Kreativität und gemeinschaftlich festgelegter Konformität. So verändern sich Subkulturen im Lauf der Zeit und finden keineswegs ein für alle mal einen einheitlichen Stil. Der Gothic des Jahres 2000 kann also durchaus anders aussehen und sich anders verhalten, als derjenige aus den 80er Jahren.

2.2.8 Die Bricolage- Technik

Richard und Brandstetter stimmen darin überein, dass das wichtigste Prinzip zur Bildung und Schöpfung eines Stils die "Bricolage" ist. Der Begriff "Bricolage" wurde durch den französischen Anthropologen und Strukturalisten Claude Levi- Strauss geprägt und heißt wörtlich nichts anderes als "Bastelei". Bricolage beschreibt eigentlich die Art, wie ein nicht durch technisch- rationales Denken vorbelasteter Mensch mit der Umwelt agiert. Im auf die Stilbildung übertragenen Sinn agieren die Mitglieder der Subkulturen ähnlich. Sie nutzen, meist ohne darüber großartig nachzudenken, ihr Rohmaterial aus dem Fundus der bestehenden Gesamtgesellschaft, manchmal auch dem von anderen oder früheren Gesellschaften. Oft werden diese Gegenstände anders als vorgesehen benutzt oder neu kombiniert. Damit kann sich die Subkultur wirkungsvoll von der Gesamtgesellschaft abgrenzen, da diese ja nur die ebenfalls ritualisierten Deutungen leistet. Das bekannteste Beispiel für so eine Umdeutung ist wahrscheinlich die Benutzung des Hakenkreuzes durch einige frühe Punks - ihnen war natürlich bewusst dass ihr Lebensstil sich nicht mit einem nationalsozialistischen Ideal treffen würde, was sie aber durch die Symbolik schafften war, sich als Außenseiter der Gesellschaft darzustellen.30

2.3. Geschichte der Gothic- und Wave- Szene

2.3.1.Punk

Der Punk steht am Anfang dieses Kapitels, da er der so etwas wie den Brutkasten darstellt, aus dem später die Gothic- Kultur entspringt. Die Geschichte des Punk wiederum, die selbst genug Stoff für wissenschaftliche Arbeiten bot und bietet, soll hier jedoch nur kurz dargestellt werden. Punk, ursprünglich ungefähr als "Abfall" zu übersetzen, wurde Ende der 70er Jahre zu einer Selbstbezeichnung von Mitgliedern einer Jugendkultur, die sich selbst als eine Art Abfall der Gesellschaft begriffen, die nichts mit ihnen anfangen konnte und mit der sie sich nicht identifizieren wollten. Natürlich ist auch die Punkszene schon als Antwort und in Wechselwirkung mit anderen Jugendkulturen, wie z. B. den Hippies zu sehen.

"...auf (...) deren Vision von einer Welt voller Liebe und Frieden, sowie als Reaktion auf den vom Publikum entfremdeten Bombast-Rock der 70er Jahre, repräsentiert von GENESIS, PINK FLOYD, etc. ..."31

Der bürgerlichen Welt, die auch schon Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre eine funktionierende, leistungsorientierte Jugend als Leitbild transportierte, reagierte entsetzt auf Jugendliche, die nicht Schönheit und Gesundheit repräsentieren wollten, sondern mit ihrer eigenen "Häßlichkeit" und "Verkommenheit" der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten wollten.
Ironischerweise wurde Punk schon von Anfang an vermarktet: Zwar sind die "Väter" des Punk, die vier SEX PISTOLS Jonny Rotten, Steve Jones, Paul Cook und Sid Vicious (der bald Glen Matlock ersetzte) sicherlich als "authentische" junge Erwachsene, die sich im Hausbesetzerumfeld London bewegten, zu sehen, ob aber Punk ohne das geschickte Management von Malcolm Mclaren jemals den späteren Stellenwert für Jugendliche weltweit erreicht hätte, darf bezweifelt werden. Die SEX PISTOLS wurden 1975 gegründet. 1976 wurde ihre erste Single "Anarchy in the U.K." veröffentlicht. Die Vertreter der entstehenden Jugendkultur konnten schon damals notwendige Accessoires, wie etwa Nietengürtel, in der Boutique "SEX" von Vivienne Westwood kaufen - Mitinhaber war wiederum Malcolm McLaren. Die Musik, die ja, wie bereits ausgeführt, eine entscheidende Bedeutung für das Entstehen einer Jugendkultur hat, war einfach (die Mitglieder der SEX PISTOLS waren frei von musikalischer Vorbildung): Drei Akkorde auf der Gitarre reichten, um ihr Publikum in eine tanzende Menge zu verwandeln.
Doch auch das beste Marketingkonzept geht nicht auf, wenn die gesellschaftlichen Voraussetzungen zur Umsetzung fehlen. Damals stellte sich die politische Situation folgendermaßen dar: Die Auseinandersetzungen zwischen NATO- und Warschauer-Pakt Staaten erreichen einen Höhepunkt. Trotz immer neuen Abrüstungsverhandlungen (die letztlich nur zu einer weiteren Aufrüstung der beiden Konfliktparteien des "Kalten Krieges" und letztlich auch zum Zusammenbruch des Warschauer Paktes führen) ist die Bevölkerung und insbesonders die Jugend höchst verunsichert. Die Bedrohung einer atomaren Katastrophe, wird als ausgesprochen nahe empfunden. Dazu kommt die wirtschaftliche Situation in England, die alles andere als rosig ist. "No Future", eine Textzeile aus der Hymne der Punks "God save the Queen" (SEX PISTOLS) wurde zum Motto dieser verunsicherten Jugendlichen. Sie sahen weder für sich, noch für die Gesellschaft, große Zukunftsschancen. Allerdings wurde das von ihnen nicht resignativ verstanden, sondern als Aufforderung, vor der sowieso kommenden Katastrophe noch richtig zu feiern. Das Feiern sollte aber nicht in aller Stille stattfinden; die Punks wollten den ihrer Meinung nach für die kommende Katastrophe Verantwortlichen, den Herrschenden und der Mehrheitsmeinung, zeigen, wer Schuld an der Situation ist:

"God save the Queen, the fascist regime. They made you a moron, a potential H- Bomb."32

Es wäre jedoch ein Missverständnis, Punk per se als eine politische Bewegung anzusehen, obwohl die Vermischung mit Teilen der Hausbesetzerbewegung, besonders in Deutschland Anfang der 80er, bis in die 90er Jahre hinein spürbar ist. Andererseits ist es auffällig, wie viele Bands offen politische Botschaften zu verbreiten suchten, beispielsweise die US-Band DEAD KENNEDYS oder die deutschen SLIME. Diese Bands sind bzw. waren ohne Zweifel der links- autonomen Szene zuzuordnen. Diese Tradition von linksradikalen politischen Bands setzt sich bis heute in der Hardcoreszene fort (z.B.: RAGE AGAINST THE MACHINE (USA)). Im Vordergrund dürfte aber auch bei diesen Bands eine große Lust an Provokation sein, die expressiv und aggressiv vorgetragen wird.33
Typisch für die Punks war eine hohe Produktivität, um die eigene Kultur zu reproduzieren und darzustellen, das geschieht neben der Musik (oft auf eigens für Punkbands gegründeten kleinen Independent- Labels (also Mini- Plattenfirmen)), hauptsächlich mit Hilfe von Fanzines, schülerzeitungsähnlichen Produkten, die zum großen Teil über die mit den Autoren befreundeten Bands und andere für die Szene wichtigen Dinge zu berichten (und sei es nur, wie es war, dieses und jenes Konzert betrunken in der Ecke liegend mitzuerleben). Während in der Hoch-Zeit des Punks am Anfang der 80er Jahre sich jeder Jugendliche zu seiner Stellung zu dieser Jugendkultur Gedanken machte (und sei es um bei einer Gegenkultur, z. B. den inzwischen "ausgestorbenen", bis zur unfreiwilligen Selbstironie systemkonformen Poppern zu landen), sind Punks inzwischen nur noch sehr selten anzutreffen, am ehesten noch im jugendlichen Obdachlosenmilieu.

"Mitte der 80er Jahre scheinen die Provokationsmöglichkeiten zunehmend ausgereizt zu sein. Eine groß angelegte Vermarktung und Kommerzialisierung des Punks führt unter anderem dazu, daß sich Punks zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzieht. (...) Mitte der 80er Jahre wendet sich der politisch aktivere Teil der Punks immer mehr dem Hardcore zu und beteiligt sich an verschiedenen autonomen Projekten der HausbesetzerInnen-Szene. Jedoch ist Punk faktisch nicht von Hardcore zu trennen."34

Allerdings überlebten neben ein paar, eher der links-autonomen Szene zuzuordnenden, politischen Projekten (wie z. B. der Mehringhof in Berlin), auch einige "richtige" Punk-Projekte, wie z. B. die "Spaß-Parteien" APPD (Anarchistische Pogo Partei Deutschlands), Hannover35 und KPD/RZ (Kreuzberger Patriotische Demokraten/ Realistisches Zentrum), Berlin. Die Bedeutung des Punk für die Gothic-Szene liegt in einigen von den Punks übernommenen "Kulturtechniken", wie der sogenannten "Bricolage", wie auch, wie man im weiteren Text erkennen kann, an dem direkten Ursprung aus der Punkbewegung heraus.

2.3.2. Entstehung der Gothic- und Dark Wave- Szene

Wie schon erwähnt, steht Punk für eine expressive, aggressive Form des Umgangs mit der Außenwelt und ist hier ähnlich der Skinhead- Kultur. Er spricht damit hauptsächlich den jugendlichen Außenseiter aus dem Arbeiter- und Handwerksmilieu an, der offen und aggressiv seine Wut über die von ihm kritisierte herrschende Gesellschaft zum Ausdruck bringt. Für ihn ist es kein Problem, in der Fußgängerzone um Kleingeld zu betteln und dabei genüßlich mit seinen Kameraden zusammen Dosenbier zu trinken.
Schon früh (Ende der 70er Jahre), wollten sich verschiedene Menschen aus der Punkszene heraus mit diesem typischen Bild des Punks nicht mehr identifizieren. Es entstanden die, von den "Ur- Punks" oft spöttisch belächelten, "Nobel- Punks". Meistens eher aus der Mittelschicht stammend, das Lebensgefühl des Punks nachahmend, waren sie die Speerspitze derjenigen, mit denen sich auch die Mainstreamgesellschaft (natürlich vor allem aus kommerziellen Gründen) anfreunden konnten. Im Zuge der Kommerzialisierung wurde natürlich auch die Musik der Punks ausgeschlachtet; die großen Plattenfirmen nahmen die bekanntesten Punk- Bands unter Vertrag. Nicht zuletzt deshalb mußten die entstandenen kleinen Label immer öfter nach neuen, innovativen Bands schauen, um die alten Bands, die aufgrund ökonomischer Gründe nicht mehr zu halten waren (Marketingmöglichkeiten sind solchen kleinen Firmen nur in sehr begrenztem Umfang gegeben) zu ersetzen.
Während Postkarten mit abgebildeten "Edel- Punks" zum Pflichteinkauf für London- Touristen wurden, konnte sich, anfangs noch unbeachtet, aber nach ersten Erfolgen schnell vermarktet, der "New- Wave"36 entwickeln. Stellvertretend hierfür mag nur der Name POLICE stehen, eine Band, die ihre Wurzeln ebenfalls in der Punkbewegung hat. Der "schmutzigen" Ästhetik von Punk- Lokalitäten wird eine Ästhetik der Künstlichkeit entgegengesetzt:

"Kalte und künstliche Materialien wie Neonlicht, Stahl, Spiegel und Gumminoppenböden lassen die Gemütlichkeit der Hippie-Disko hinter sich."37

Die Bands der entstehende "Wave- Kultur" formen ihre Musik zwar immer noch nach der "Do-it-youself-Philosophie des Punk",38 doch ist ihre Musik weitaus vielschichtiger. Die Bandbreite der New- Wave Musik reicht vom Ska (MADNESS (GB), SPECIALS (GB)) über den Retro- Rockabilly der STRAYCATS (GB) bis zum gefälligen Pop von HUMAN LEAGUE (GB) und der frühen DEPECHE MODE (GB). Die düstere Seite des New- Wave repräsentieren anfangs vor allem die ehemaligen Punk- Musiker von THE CURE und SIOUXSIE AND THE BANSHEES. Vor allem der Sänger der CURE, Robert Smith, prägt mit seinem Aussehen die entstehende Dark- Wave Szene entscheidend. Hervorstechende Eigenschaft ist seine Androgynität. Hochtoupierte Haare und weißgeschminktes Gesicht werden zum Markenzeichen der "Waver". Die sehr düster geschminkte Siouxsie von den SIOUXSIE AND THE BANSHEES wurde als Vorbild für den weiblichen Teil der Szene ähnlich wichtig. Heute würde man zwar sagen, dass sich das Aussehen der Kleidung und das Styling nur sehr wenig vom typischen Aussehen der Punks unterschied - für die jugendlichen Fans waren diese kleinen Unterschiede aber deutliche genug, um eine eigene, neue Jugendkultur, in der Abgrenzung zur alten - des Punk - zu begründen. Einige andere Bands, die ab Ende der 70er Jahre mit einer düsteren Musik, oder einem düsteren Image bekannt werden sind: THE DAMNED, ADAM AND THE ANTS, ULTRAVOX, KILLING JOKE und JOY DIVISION. Die erste Hymne der (eigentlich noch nicht existenten) Gothic- Kultur war vielleicht das Lied: "Bela Lugosi´s dead" von der Londoner Band BAUHAUS (1979). Treffpunkte der neuen Jugendkultur entstanden:

"The story goes that gothic originated from the London club the Batcave, but when this club opened in 1981, gothic already was well on its way. But the bands that performed there, like the Virgin Prunes and Alien Sex Fiend with their horror image, helped to spread the movement."39

Wie es genau zu der Bezeichnung "gothic" für diese Art von Musik, bzw. der damit verbundenen Szene kommt ist nicht ganz klar. Fest steht nur, dass der Name ursprünglich vom germanischen Stamm der Goten abstammt, die, ähnlich wie die Vandalen, von den Römern als barbarisch und unkultiviert angesehen wurden. Später stand und steht der Begriff für die gotische Architektur. Außerdem steht er im angelsächsischen Sprachraum für einen bestimmten Stil romantischer Erzählungen aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, den sogenannten "gothic novels". Diese "gothic novels" beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Themenkreis Tod und allen Erscheinungsformen des Übernatürlichen.40 Der Begriff "gothic" zur Beschreibung, der hier wichtigen, post-Punk Jugend- und Musikkultur ist möglicherweise von Martin Hannett, dem Produzenten der Band JOY DIVISION im Jahr 1979 zum erstenmal benutzt worden - allerdings nur zur Beschreibung der Musik von JOY DIVISION. Bis zum Jahr 1982 setzt sich der Begriff auch durch, um das Umfeld von bestimmten Bands zu beschreiben (Ian Astbury, Sänger der Band SOUTHERN DEATH CULT, benutzt den Terminus "goth" für Anhänger der Band SEX GANG CHILDREN).

"However, it´s not that simple. The term "goth" doesn`t seem to have been commonly applied to the movement until 1984, several years after it had originally been used. In 1983, the most common term for what became the goth movement was "Positive Punk", or later "Posi- Punk", courtesy of Richard North in the NME (New Musical Express - britische Musikzeitschrift 0.Z.). Somehow, and probably sometime in late 1983 or early 1984, the term seems to have been replaced by ´goth´."41

Schuld daran, dass sich der Begriff endgültig durchsetzt hat, ist anscheinend der NME- Autor David Dorrell. Auch er spielte damit auf Andi Sex Gang von den SEX GANG CHILDREN an, der im Dachgeschoss eines alten viktorianischen Gebäudes wohnte und von einigen "Count Visigoth" genannt wurde - und seine Anhänger eben "goths". Dorrell selber erklärt allerdings dazu:

"Oh, God, it all comes back! I won´t even try and make claims that I wrote an article and called them goths or wether I cribbed that off one of my fellow goth journalists -- speed burns my memory. As a journalist, I noticed that the end of punk was starting to get darker (John) Lydon was getting dark with Public Image Ltd. By committing suicide, Ian Curtis of Joy Division not only put an end to his own life and that of his band, but allowed a vacuum to occur into which all of these other bands scurried."42

Auch in den USA setzte sich der Begriff "Gothic- Punk" zur Beschreibung der Szene rund um die 1981 gegründeten Band CHRISTIAN DEATH durch, die jedoch später nach Europa gingen und somit nicht mehr den ganz großen Einfluss auf die US- amerikanische Gothic- Szene hatten.
In Deutschland setzte sich der Begriff "Gothic" erst Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre durch. Vorher bezeichnete man die Szeneangehörige meist einfach als "Waver". Umstritten ist, ob die sogenannte "New Romantic- Szene" der 80er Jahre (repräsentiert von Bands wie OMD (GB)) direkte Vorgängerin der Gothic- Szene ist oder unabhängig von ihr existierte. Eine Frage, die wahrscheinlich für die Jugendlichen, die sich der dunklen Szene zugehörig fühlten, relativ unwichtig war, da sie sich einfach der damals vorherrschenden Ästhetik in Kleidung und Styling anschlossen - und das war in beiden Szenen (Wave und New- Romantic) sehr ähnlich. Die ersten "richtigen" Gothic- Bands, die mit den typischen Symbolen des Gothic spielten (siehe 3.1. und 3.2.), waren u.a. UK DECAY (GB), SISTERS OF MERCY (GB) , THE MISSION (GB) und die FIELDS OF THE NEPHILIM (GB).

1: siehe dazu: Lenk, Kurt (Hg.): Ideologie, Ideologiekritik und 
Wissenssoziologie, Frankfurt a. M./ New  York 1984
2: Sandkühler, Hans Jörg: Ideologie, S. 616-639, in: Sandkühler, Hans Jörg 
(Hg.): Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften, Band 2, 
Hamburg 1990, S. 616
3: Sandkühler, Hans Jörg: a.a.O., S. 617
4: Gramsci, A., Philosophie der Praxis. Eine Auswahl, Frankfurt a. M. 1967, S. 
169, nach: Sandkühler, Hans Jörg: a.a.O.
5: Sandkühler, Hans Jörg: a.a.O.
6: Horkheimer, M.: Ideologie und Handeln, 1962, in: Horkheimer, M. und Th. W. 
Adorno: Sociologica [1], Frankfurt a. M. 1984, S. 47, nach: Sandkühler, Hans 
Jörg: a.a.O., S. 637
7: Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch, München 1998, S. 267
8: Diese Behauptung soll im Verlaufe der Arbeit belegt werden.
9: Lindner, Rolf: Editorial, in: John Clarke u.a.: Jugendkultur als Widerstand. 
Milieus, Rituale, Provokationen. Frankfurt a. M. 1981, S. 10, zitiert nach: 
Brandstetter, Stefan: Die Ästhetisierung des öffentlichen Raumes. Subkulturelle 
Ausdrucks- und Stilformen als eine Symbolisierung von gesellschaftlichen 
Veränderungen und Widersprüchen am Beispiel der Gothics, Diplomarbeit an der 
Katholischen Fachhochschule für Sozialwesen, Religionspädagogik und Pflege, 
Freiburg 1999 (unveröffentlicht), S.33
10: Cohen, Phil: Subkulturen - eine imaginäre Beziehung, in Clarke, John: 
a.a.O., S. 73, zitiert nach Brandstetter, Stefan: a.a.O., S. 34
11: Meist sehr schön in kleinen Dörfern mit einer Bushaltestelle mit Sitzbank zu 
entdecken: Die Bank an dieser Haltestelle wird garantiert (zumindest abends) 
einer jugendlichen Subkultur "gehören". Auf höherer Ebene spezialisieren sich 
natürlich auch kommerzielle Unternehmen, v. a. aber auch Kneipen u. Diskotheken 
auf eine, bzw. mehrere Subkulturen.
12: Nach: Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur, Hamburg 1993
13: Brandstetter, Stefan: a.a.O., S. 37
14: Brandstetter, Stefan: a.a.O., S. 38, siehe auch: Schwendter, Rolf: a.a.O.  
15: Nach: Brake, Mike: Soziologie der jugendlichen Subkulturen. Eine Einführung, 
Frankfurt am Main/ New York 1982.
16: Baake, Dieter und Wilfried Ferchhoff: Jugend, Kultur und Freizeit, in: 
Krüger, Heinz-Hermann (Hg.): Handbuch der Jugendforschung, Opladen 1988, S. 313 
ff.
17: Brandstetter, Stefan: a.a.O, S. 31 (Rechtschreibung geändert, wenn nötig)
18: Schuhmacher, H.: Rassismus und Szene, im Internet unter: 
http://www.rabenclan.de/szene1.htm
19: Andererseits gibt es auch eine spezielle jugendliche Obdachlosenszene, die 
man vielleicht durchaus als eine, wenn auch recht unbedeutende, Jugendkultur 
begreifen könnte.
20: So ist die Bedeutung von Schulabschlüssen inzwischen nicht mehr 
bedeutungsgleich mit Beendigung der Schulzeit. Es folgen meist noch Besuch der 
Berufsschule eine universitäre Ausbildung oder berufliche Weiter- bzw. 
Fortbildungen.
21: Richard, Birgit: Todesbilder. Kunst, Subkultur, Medien, München 1995, S. 93
22: Farin, Klaus: Die Gothics, Bad Tölz 1999, S. 8
23: So hat die "studentenbewegte" 68er Generation das Verhältnis zur Sexualität 
in den westlichen Industrieländern sicher stark verändert. Als andere Subkultur 
mag die Frauenbewegung gelten, die das Verhältnis zwischen den Geschlechtern 
(zumindest zeitweilig) verändert hat.  
24: Richard, Birgit: a.a.O., S. 94f.
25: So werden die "Sprayer" der Hiphop- Kultur mittlerweile gerne zur Verzierung 
von Ladengeschäften eingesetzt. Graffiti die illegal auf Häuserwände gesprüht 
werden gelten aber als "Sachbeschädigung".
26: Ferchhoff, Wilfried: Jugendkulturen am Ende der 80er Jahre in der 
Bundesrepublik Deutschland, in: Büchner, Peter u.a.: Kindheit und Jugend im  
interkulturellen Vergleich, Opladen 1990, S. 197
27: Nach Richard, Birgit: a.a.O., S. 99 ff.
28: Richard, Birgit: a.a.O., S. 100
29: Richard, Birgit: a.a.O., S. 101
30: Die weitere Entwicklung des Punks zeigte, dass nationalsozialistisches 
Denken zwar bei vereinzelten Mitgliedern der Subkultur vorhanden war - als 
typisch kann aber eher ein oft allzu plumper Antifaschismus angesehen werden.
31: Brandstetter, Stefan: Die Ästhetisierung des öffentlichen Raumes. 
Subkulturelle Ausdrucks- und Stilformen als eine Symbolisierung von 
gesellschaftlichen Veränderungen und Widersprüchen am Beispiel der Gothics, 
Diplomarbeit an der Katholischen Fachhochschule für Sozialwesen, 
Religionspädagogik und Pflege, Freiburg 1999 (unveröffentlicht), S. 79
32: The Sex Pistols: God save the Queen; von der LP: Never Mind the Bollocks, 
Virgin Records 1977
33: vgl.: Brandstetter, Stefan: a. a. O. , S. 80
34: Brandstetter, Stefan: a. a. O., S. 80
35: APPD: Die Partei hat immer Recht! Die gesammelten Schriften der 
Anarchistischen Pogo Partei Deutschlands (APPD), Bad Tölz 1999
36: Auf das musikalisch typische dieser Musik, gehe ich im vorliegenden Text 
nicht ein, da mir der musikwissenschaftliche Fachverstand dazu fehlt. 
37: Richard, Birgit: Körper und Geist. Body and Soul, in: Richard, Birgit u. a. 
(Hrsg.): Icons- Localizer 1.3., Berlin 1998, zitiert nach: Brandstetter, Stefan: 
a.a.O., S. 81
38: von Greig, Charlotte: Marry Me (If You Really Love Me)- Punk, Funk und Hip 
Hop, in: Kemper, Peter (Hrsg.): "but I like it"- Jugendkultur und Popmusik, 
Stuttgart 1998, zitiert nach: Stöber, Frauke: Entstehung, Inhalte, 
Wertvorstellungen und Ziele der schwarzen Szene - Die Jugendkultur der Waver, 
Grufties und Gothics, Diplomarbeit im Studiengang Sozialarbeit an der 
Universität Gesamthochschule Essen 1999 (unveröffentlicht), S. 5
39: Hans D: A History of Gothic, im Internet unter: 
http://members.tripod.lycos.nl/HansD/ history.html
40: Im  folgenden richte ich mich hauptsächlich nach dem  Aufsatz: Origins of 
the term "Goth", im Internet unter: http://www.scathe.demon.co.uk/name.htm
41: Origins of the term "Goth", a.a.O.
42: Colon, Suzan: The Gloom Generation, in: Details Magazine, Juli 1997, zitiert 
nach: Origins of the term "Goth", a.a.O.

3. Die Gothic- Szene heute

3.1. Musik

Die wichtigste Grundlage jeder Jugendkultur ist sicherlich die Musik. Ohne gemeinsam rezipierte Musik ist keine moderne Jugendkultur denkbar. Die Jugendkulturen selber können sich noch einmal in verschiedene Gruppierungen aufspalten, die unterschiedliche musikalische Präferenzen haben; ein Musterbeispiel dafür ist die Gothic- Szene.
Der Ausgangspunkt der Gothic- Szene war und ist der Gothic- Rock, eine Musik, die von Musikpresse und Musikkritik bis in die 90er Jahre hinein grundsätzlich der sogenannten "Independent- Szene" zugeordnet wurde. Independent (übersetzt: unabhängig) hieß ursprünglich unabhängig von den großen Plattenfirmen - den Major-Companies - zu sein. D. h. in der Tradition des Punk auf kleinen Labels (vgl. 2.3.1.) zu erscheinen, für die sich bald eigene Vertriebsfirmen (unerlässlich um auch wirklich in die Plattenläden zu kommen) gründeten, wie in Deutschland bspw. EFA (Energie für Alle) und SPV. Dies Vertriebsfirmen übernahmen auch teilweise das Marketing für die Labels, da diese damit meistens finanziell überfordert waren. Im Laufe der Zeit wurde jedoch "Independent" immer mehr zur leeren Worthülse, da ziemlich alle bekannten "Independent- Bands" von den großen Konzernen eingekauft wurden. Inzwischen ist es so, dass die verbliebenen Major- Firmen (eigentlich nur noch die Konzerne BMG (Bertelsmann Music Group) und AOL Time- Warner sowie Sony- Music) die kleinen Label einfach schlucken bzw. bereits geschluckt haben und so eine Trennung zwischen "Independent" und "Major" nicht mehr wirklich vollzogen werden kann.1

3.1.1. Gothic-Rock2

SISTERS OF MERCY, CHRISTIAN DEATH und die FIELDS OF THE NEPHILIM wirkten stilbildend für eine ganze Schar von (vor allem britischen) Bands, wie etwa den MARIONETTES (GB), INKUBUS SUKKUBUS (GB), ROSETTA STONE (GB) und (CLAN OF) XYMOX (NL). Die Anhänger dieser Bands waren so etwas, wie die "Gründer" der Gothic Kultur. Ihr Styling, unverkennbar aus dem Punk heraus entwickelt, wirkt bis heute nach. Einige der oben genannten Bands haben sich bis heute, weder das Aussehen betreffend (Styling), noch musikalich, großartig weiterentwickelt. Der typische Gothic- Rock wird auch heute noch von manchen neueren Bands bevorzugt, zu nennen wären da bspw. FAITH & THE MUSE und LONDON AFTER MIDNIGHT (beide USA), die sich vom Styling her jedoch ein wenig von ihren Vorgängern unterscheiden (mehr dazu in 3.2.).

3.1.2. Electronic Body Music (EBM), Industrial und Industrial Noise

Aufbauend auf den musikalischen Vorbildern von Elektronik- Bands der 70er und frühen 80er Jahren, wie etwa KRAFTWERK (D), CABARET VOLTAIRE (GB) und dem treibendem Beat einiger innovativer Bands der Neuen Deutschen Welle wie DAF (Deutsch- Amerikanische- Freundschaft) und den KRUPPS (beide Deutschland), begründete die belgische Band FRONT 242, ein neues Musikkonzept, nämlich EBM. Minimalistische Beats und kalte Klänge sowie ein militaristisches Aussehen prägte und prägt diese "Untergruppe" der Gothics. Andere wichtige Bands dieser Musikrichtung sind bzw. waren THE KLINIK (B), DIVE (B), A SPLIT SECOND und SUICIDE COMMANDO (B).
In den USA spricht man, bei ähnlichen musikalischen Wurzeln, von der Industrial- Szene. Die bekanntesten Bands dort sind FRONT LINE ASSEMBLY (USA) und SKINNY PUPPY (CAN). In jüngster Zeit sehr erfolgreich waren MINISTRY (USA) und die NINE INCH NAILS (USA). Ein Unterschied zu den typischen EBM- Bands besteht in der Benutzung von Gitarren- Samples, welche bei EBM kaum zu finden sind. Heute wird die Musik, die häufig etwas gefälliger geraten ist als beim klassischen EBM, von Bands wie MENTALLO & THE FIXER (D), X MARKS THE PEDWALK (D) oder LEATHERSTRIP (S) oft auch als "Electro" bezeichnet.
Eigentlich nicht direkt zur Gothic- Szene zugehörig, sind Industrial (Noise) Bands mittlerweile auch in den Kreis der "Szene-Bands" aufgenommen. Zu diesen Bands, die entdeckten, wie man aus Lärm Musik machen kann, zählen seit Mitte der 70er Jahre THROBBING GRISTLE (USA), CLOCK DVA (USA) und SPK (AUS). Ähnliche Ideen verfolgten andere Bands wie EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN (D), TEST DEPARTMENT (USA) und WHITEHOUSE (USA).

3.1.3. Dark- Wave und Synth(ie)pop

Für eine, hauptsächlich in Deutschland erfolgreiche, Art der Musik, kann das Etikett Dark- Wave verwendet werden. Geprägt wird diese elektronische Musik mit sehr düster klingenden Gesang vor allem von transparenter, technoider Musik. Dafür stehen Bands wie SOPOR AETERNUS (D) (mit mittelalterlichen Anklängen) und PROJECT PITCHFORK (D). Sehr erfolgreich (mehrere Nummer eins Plazierungen in den deutschen Singleverkaufscharts) waren in jüngster Zeit WOLFSHEIM (D) und DEINE LAKAIEN (D). Das Seitenprojekt vom musikalischen Mastermind der DEINE LAKAIEN, Ernst Horn, QNTAL, ist erfolgreich mit der elektronischen Vertonung mittelalterlicher Lieder.
Während die oben genannten Bands meist teilweise englische, teilweise deutsche, manchmal auch Texte anderer Sprachen gebrauchen, setzen viele Bands dieser (praktisch nur deutschen) Szene auf rein deutsche Texte. Neben GOETHES ERBEN sind das vor allem LACRIMOSA und UMBRA ET IMAGO. Die beiden letzteren sorgten in letzter Zeit auch immer mehr für eine Verschmelzung mit der Metal- Musik.3 Als weitere Bands der Dark- Wave Sparte können genannt werden: DAS ICH, CALVA Y NADA, SILKE BISCHOFF und DIE VERBANNTEN KINDER EVAS.
Der Synthpop, in Deutschland oft auch Synthiepop bezeichnete Musikstil, wurde in den frühen 80er Jahren geprägt. Der, damals neuerdings, fast für jeden erschwingliche Synthesizer gab dieser Musik ihren Namen. Bands wie SOFT CELL (GB) und ULTRAVOX (GB) wurden unter diesem Etikett berühmt und erfolgreich, die Abgrenzung zum heutigen Electro ist recht willkürlich. Prägend für die heutigen Synthpop Bands wie AND ONE (D), S.P.O.C.K (D), MESH (GB) und DE/VISION (D) waren wahrscheinlich die frühen DEPECHE MODE.

3.1.4. Neo-Folk oder Dark- Folk, Mittelalter und Ritual

Die politisch umstrittensten Bands der "schwarzen Szene" sind wahrscheinlich in der Neo-Folk Sparte zu Hause. Neo- Folk ist eine Musik, die auf traditioneller Volksmusik basiert, die aber neu komponiert und elektronisch verfremdet wird. Die akustischen Instrumente stehen jedoch im Vordergrund. Die bekanntesten Bands sind fast alle auf einem Plattenlabel erschienen: "World Serpent". Zu nennen wären die Bands CURRENT 93 (GB), DEATH IN JUNE (GB), SOL INVICTUS (GB), FIRE+ICE (GB) und ORDO EQUITUM SOLIS (IT).
Daneben gibt es einige Bands, die versuchen das Mittelalter musikalisch zurückzuholen. Möglichst authentisch versuchen das ESTAMPIE (D), FREIBURGER SPIELLEYT (D) und SARBAND (D). Andere wollen einfach nur in "Gaukler- und Spielleute Tradition" unterhalten und machen eine Art mittelalterlich angehauchte Partymusik, so z. B. CORVUS CORAX und TANZWUT (beide Deutschland). Und einige stehen auch dazwischen, wie etwa CAMERATA MEDIOLENSE (IT). Die Ritual- Musik von BLOOD AXIS (USA) und DER BLUTHARSCH (D), die normale musikalische Hörgewohnheiten der Pop-Musik sprengt, erscheint, ähnlich wie die der Neo-Folk Bands, politisch nicht unverdächtig.

3.2. Kultur und Sexualität

3.2.1. Die Gothic- Kultur

Zur Beschreibung des Lebensgefühls der Gothic- Szene benutzt Brandstetter4 die Bezeichnung "Romantischer Individualismus" und bezieht sich damit auf Christoph Henning, der darunter einen auf "...subjektiver Innerlichkeit und Gefühlserfahrung basierender(n) Individualismus ... "5 versteht. Dieser Individualismus hat sich, von der Romantik ausgehend weiterentwickelt. Er bezieht sich heute weitgehend auf das Erreichen von "Selbstverwirklichung" und bezieht sich auf "affektiv-sinnlich subjektive Kräfte, also das Modell der Selbstentwicklung durch Selbsterkenntnis."6 Das muss im Zusammenhang mit der postmodernen Gesellschaft gesehen werden, die es schwer macht "übergreifende Deutungsmuster" zu sehen und den Einzelnen oft in einer Art "Sinnvakuum"7 versinken lassen. Aufgrund dessen sucht das Individuum aber wiederum eine Gruppe von Menschen, mit Hilfe derer es sich selbst zu verwirklichen sucht, z. B. eben eine Jugendkultur, wie etwa die hier beschriebene Gothic- und Dark- Wave Szene. Da nun aber Jugendkulturen, genau wie Subkulturen überhaupt, keine von der Gesellschaft völlig abgekoppelte Struktur schaffen kann, übernimmt sie deren Möglichkeiten der Strukturierung, die Schuhmacher folgendermaßen beschreibt:

"Wir haben es strukturell gesehen mit drei Typen der Subkultur zu tun: 1. Das Individuenkonglomerat: Dieser Typ von Subkultur weist keinerlei formale Unterstrukturen auf. So sind zum Beispiel an bestimmte Art von Musik orientierte Subkulturen (Gothic, New Romantic etc.) Individuenkonglomerate: alle Gruppen und Grüppchen innerhalb der Subkultur weisen rein private Zusammenhänge auf.
2. Das Hierarchienkonglomerat: hier gehören hierarchisch strukturierte Gruppen derselben Struktur an, umgeben von einer Anzahl organisatorisch ungebundener subkultureller Individuen. Ein Beispiel hierfür ist die Heidenszene.
3. Das Kollektivkonglomerat: auch diese Subkulturen bestehen aus Gruppen, die eine Peripherie von Einzelindividuen aufweisen, nur sind die Gruppen hier ideologisch, wenn auch nicht wirklich, nichthierarchisch. Zu diesem Typus gehören insbesondere linke Szenen."8

Zwar kann also manifestiert werden, dass die Mitglieder sich selbst als individuell Suchende sehen können, es ist ihnen aber keineswegs erlaubt, sich völlig individuell zu verhalten, da sie ja sich dann eben nicht mehr auf die Zugehörigkeit zur Szene berufen können. Selbst im Individuenkonglomerat, in dem ja aus strukturellen Gründen keine Entscheidung über Zugehörigkeit oder eben Nicht-Zugehörigkeit eines Individuums getroffen werden kann, ist somit eine starke Kontrolle über Verhalten von Individuen gegeben. Genau an diesem Punkt lässt sich also zweifeln, ob der "Individualismus", den fast alle Szenemitglieder betonen, wirklich so hoch gehalten werden kann. Über diesen Widerspruch machen sich auch immer wieder Mitglieder der Szene Gedanken. Meist findet diese Auseinandersetzung in Form der Auseinandersetzung mit den Fragen: "Was ist Gothic?" bzw. "was macht jemanden zu einem Goth?" (also einem Mitglied der Gothic- Szene). Hierzu einige Stimmen:9

"There is a set answer as to what *is* gothic. It is set by each and every goth in their own mind .... consciously or unconsciously. And the question `What is goth` still has its merits. It should be worded, however,´What do *you* feel/think/know/understand to be goth?´ I think it is important for everyone to delve inside and answer that question. Why are you here? As for ´goth´ being a vague loose-fitting word, it is a very powerful word to many, and especially in situations where isn´t commonplace. (....)
I do not see the gothic culture as a means to rebel. How utilitarian. Goth is about love of beauty, and love of living, and love of the darkness that gives beauty and life its value. It is not to rebel, however rebellious our actions may be. I wear makeup not because it´s cool to go against the grain and wear makeup as a guy, but because I feel it is beautiful. Horrifically beautyful.(...)
And though in a homogeous and conservative society, the freaks may band together, this does not mean they are best for each other. I get along excellently with certain normals, while other freaks often piss the hell out of me and irritate me. It´s the inner philosophy that counts, and you´d be surprised at where you´ll find the people that share the same (or similar) views ... and where you distinctly *don´t* find them, as well ... (...)
When I dress, I am trying my damndest to out *my* personality in my clothing. It´s a form of communication. It is saying ´You think I look dark and evil and different on the *outside*, well, then just wait till you see me on the *inside*´ What you see is what you get, baby. (...)
I like labels. They´re neat. Inlightful. Funny, ridiculous, flattering, annoying, right on, way off the mark, important, irrelevant, necessary, worthless, witty, dull, and extraordinarily common! Labels are simply a way to describe something. And as a poet, the act of description is noble in itself. Give me labels. Sticks and stones ... (...)"10

"Goth is actually much more than the sum of its parts, and, depending on who you ask, you can get a bewildering array of contradictory answers, many of which are valid parts of a much larger subculture. It is more than a label or discription. Goth is at once a lifestyle and a philosophy that has its roots firmly embedded both in the historical past and the present.
The central Ideal that characterizes Goth is an almost compulsive drive towards creativity and self-expression (...) The mediums of self-expression and creation can be anything from a mode of dress to novels or music. (...)
As a lifestyle. Goth is as diversified as its adherents. There really is no true unifying stereotype or dress code as it were. Not all Goths are depressed, nor do they all wear black, listen to the same music, or employ the same modes of self- expression. (...)"11

"... wearing a Mao jacket and having a copy of The Communist Manifesto does not make one a Marxist, any more than owning black clothes makes one a goth. (...) Subcultures are more than styles; they are attempts to bring about, on a small scale, a functioning utopia. If we analyze them along these lines, instead of in such cliche- ridden and outworn concepts as `fashion` or `style`, then I think we can get much further into them. (...)"12

"One of the most noticeable things about the GOTH look is its elaborate dress code, including black leather, crushed velvet, heavy silver jewellery, andpointed boots, combined with long hair, whitepainted faces, and heavy black eyeliner. Althoug this gives a rather gloomy appearance, most GOTHS are actually peace- loving vegetarians who see themselves as the heirs to the hippie movement of the sixties."13

"(...) I think I´d have to concur that a resonable percentage of goths have either been depressed or lonely, or both at one time or another in their lives, but it does not mean you have to be ´sad´ to be one (although you can if you want to, but I always find that tears make eyeliner run...) (...) The children of the net have decided there are two genus of goths: Mopey-goths - the gloom and suicide brigade (aka Doom Cows) Perky-goths - the caffeine and carthwheel brigade (aka Satans Pixies) Fortunately, you don´t have to be one or t´other but can have a bit of each (...)
Are we vampires? Do we drink blood? (...)
The original vampires of literature were smelly, unfortunate, middle-european peasants. They were depised cratures to be pitied. Unfortunately the representation in literature changed (...). Suddenly they are beautyful immortals with buck teeth and no acting ability to speak of, suddenly every town in the western world has lot of spods meandering around with green A4 books and joining weird tribes and dressing in black and claiming to be children of the night.(...)
- nope, we ain´t wascally wampires either. We don´t look like vampires, vampires look like us! (...)"14

Das Problem aller Jugendkulturen wird also wieder klar, es wird eine innere Zusammengehörigkeit angenommen, die aber nur scheinbar da ist. Die Mitglieder der Subkultur können nur in gemeinsamen Konventionen, wie etwa schwarzer Kleidung oder in Abgrenzung zu anderen subkulturellen Strömungen (z.B. Vampir- Rollenspielern), ihre kritische Einstellung zum Mainstream deutlich machen. Noch problematischer wird es, wenn ein typischer, von der entsprechenden Subkultur bearbeitete Bereich auf einmal zu einem Teil der allgemeinen "Hochkultur" wird, wie z. B. geschehen bei den Verfilmungen der Bücher von Anne Rice. Die Subkultur muss nun versuchen sich von dieser "Vereinnahmung" abzugrenzen um "authentisch" zu bleiben. Noch schwieriger als einen bestimmten Dresscode zu erkennen, der typisch erscheint, ist es gemeinsame, für alle Mitglieder zutreffende Ideologien anzunehmen (dazu mehr in den späteren Abschnitten v. a. in dem über Rechtsextremismus und völkisches Denken). Zuerst also zu der leichter zu beschreibenden Mode.

3.2.2. Mode und Styling

Die jeweiligen Anhänger der im zweiten Kapitel beschriebenen unterschiedlichen Musikstile unterscheiden sich (zumindest in den Augen der Insider) stark voneinander. Auch zwischen den Szenen der unterschiedlichen Länder fallen spezifische Unterschiede ins Auge. Außerdem gilt es auch zu erwähnen, dass die Mode der Szene Wandlungen erlebt. So würde sich heute kaum noch ein "Gothic", der etwas auf sich hält, so kleiden, wie die "Urväter" des Gothics sich in den 80er Jahren kleideten. All das muss zur Vorsicht bei jeglicher Beschreibung gereichen, andererseits soll hier nur eine grobe Typifizierung geleistet werden. Allgemein anerkannt als Erkennungsmerkmal ist, man mag schon fast "natürlich" schreiben, die Farbe Schwarz. Schwarz dominiert die Kleidung und die Accessoires bis manchmal hin zur Zimmerausstattung. Im Gegensatz zur Kleiderordnung der Punkkultur will man damit eigentlich nicht die allgemeine Gesellschaft konfrontieren, sondern eher von ihr in Ruhe gelassen werden, doch das gelingt nicht immer.

"Ursprünglich zeigt Schwarz seit der Renaissance verstärkt Standesunterschiede an. Es wird für Adel und später auch für das Bürgertum zu einer modischen Farbe, die man trägt, um sich vom gemeinen Volk abzusetzen. Die zeitgenössische Distanzierung der Grufties ist deshalb so erfolgreich, weil Schwarz in unserer Gesellschaft primär mit Alter, Tod, Verlust und Trauer verknüpft ist. Als offizielle Farbe des Todes und der Trauer wird Schwarz im 12. Jahrhundert eingeführt. Unklar ist dabei, ob die Trauerfarbe zur Abwehr der Toten dienen sollte oder als Hinweis auf die eigene Vergänglichkeit, also als symbolische Teilnahme am Schicksal der Verstorbenen zu sehen war."15

Besonders auffällig ist, dass diese Farbe als Gemeinsamkeit entdeckt wurde, als gerade (Anfang bis Mitte der 80er Jahre) die absolute Farbenvielfalt die Modewelt regierte und Neonfarben höchst "in" waren. Es war also als ein (erfolgreicher) Versuch sich vom Mainstream abzugrenzen.

"Die Grufties bündeln mehrere Bedeutungsstränge des Schwarz, wobei sie mit der kulturellen Besetzung der Farbe vertraut sind. Sie setzen die nekrophile Komponente bewußt ein. Schwarz ist für sie der Ausdruck eines Gefühls der Leere, eines ausgebrannten Inneren und ein Symbol für Verzweiflung und Resignation und das Gefühl, keine Zukunft zu haben. Hier gibt es noch Parallelen zum Punk. Die Gothics drücken aber weitergehend die Empfindung der Sinnlosigkeit des Lebens und die Klage über den möglichen Untergang der Menschheit aus, gegen den sie machtlos sind und deshalb nur ihre Trauer ausdrücken können.
Sie setzen die Farbe außerdem als ein Zeichen ihrer selbstgewählten Weltabgeschiedenheit, wie sie auch bei verschiedenen Mönchsorden eingesetzt wird, und zur Betonung ihres Gefühls der Fremdheit der Welt gegenüber ein. Auch beinhaltet das Schwarz der Grufties den Aspekt der Askese eines Mönches, der sich in einsamen Kontemplationen mit sich, der Religion und der Welt auseinandersetzt."16

Allgemein symbolisiert Schwarz für die Gothics die Negation des Üblichen, die Nachtseite des Lebens. Es repräsentiert den Teufel, Dämonen und andere Geschöpfe der Nacht. Ein Bild, das sich auch sehr gut mit der Nachtseite romantischer Literatur trifft. Auch beim Schminken wird sich auf die Figuren der "gothic novels" bezogen. Bleiche Gesichtsfarbe, schwarze Schminke und Kleidung treffen sich mit dem (v.a. weiblichen) Schönheitsideal dieser literarischen Strömung des 19. Jahrhunderts, gerne werden dazu im Kontrast die Lippen dunkelrot geschminkt. Die Kleidung selber wird oft mit silbernem Schmuck kontrastiert. Typisch sind etwa Totenkopf- oder Fledermausschnallen an Schuhen und Hemden. Die früher szenetypischen schwarzen, spitzen Schuhe, die "Pikes", die an mittelalterliche Schnabelschuhe erinnern, wurden inzwischen mehr und mehr durch Schuhe der Marken "Doc Martens" oder "Ranger" verdrängt; eigentlich Arbeitschuhe mit oder ohne Stahlkappe, die auch aus der Skinhead- und Punkkultur bekannt sind. Nach wie vor ist für Gothic-Frauen ein Kleidungsstil typisch, bei dem die Kleidung eher aus sehr langen Röcken und Kleider besteht, die wallend und locker getragen werden. Die früher bei Männern üblichen weiten "türkischen" Hosen sind inzwischen kaum noch zu sehen. Sie wurden inzwischen durch eher enge Leder- oder Lackhosen ersetzt. Durch Vermischungen der Gothic- und SM- Szenen Anfang bis Mitte der 90er Jahre kam es sowieso zu einer weiten Verbreitung von Kleidungsstücken aus der "Fetisch- Szene". Lack- und Leder wird in der Gothic- Szene oft getragen. Dadurch kann Richards Feststellung zumindest für die heutige Szene nicht mehr allgemeingültig gelten:

"Diese distanzierte Haltung zum eigenen Körper läßt sich durch die weiten Umhänge, Überwürfe, Schals, Draculakapes, Mönchskutten und Priestergewänder belegen. (...) Die Körperverhüllung dokumentiert auch die eher zurückhaltende Einstellung der Sexualität gegenüber. Die aggressive S/M - Sexualität des Punk ist verflogen."17

Inzwischen würde ich doch eine recht starke, auch stark geschlechtsspezifische, Körperbetontheit in weiten Teilen der Szene konstatieren. So sind hautenge Lack- und Latexröcke und Kleider durchaus nicht selten zu sehen. Und auch der männliche Gothic wirkt immer weniger androgyn. Man sieht weniger geschminkte Männer als vor ein paar Jahren, dafür immer mehr mit Muscle- Shirts und kurzen Haaren, die sich sehr männlich darstellen.18 Die Haare spielen, ähnlich wie bei den Punks, eine entscheidende Rolle der Selbstdarstellung:

"Es gibt vier Grundformen, die in unterschiedlichen Varianten bzw. Haarlängen auftreten. Die markanteste Frisur ist der ´Teller`, (auch Tellermine oder Tellerschädel genannt) - die Grufties sprechen davon ´sich den Teller zu machen´ - wobei die oberen, meist schwarzen Deckhaare mit Unterstützung von Unmengen von Haarspray zu einem tellerartigen, flachen Gebilde geformt werden. Eine andere Frisur ist vom Irokesenschnitt der Punks abgeleitet, die Haare sind aber meist länger und werden hochtoupiert. Man findet auch die Waverfrisur, mit hochstehendem oberen Deckhaar, mit seilich und hinten sehr kurzen oder wegrasierten Haaren. Die beschriebenen Varianten werden eher von den männlichen Grufties getragen. Schwarze, lange strubbelige Haare, die extrem toupiert sind und an die wirren Haare von Hexen erinnern sollen, werden von den Frauen bevorzugt."19

Zu ergänzen wäre noch, dass es, der Punktradition folgend, lange sehr üblich war, die Haare zu blondieren und dann mit "Directions", semipermanenten bunten Färbemitteln, möglichst grell bunt zu färben - was im Verhältnis zur schwarzen Kleidung einen scharfen Kontrast ergibt. Mittlerweile scheint das zwar bei Frauen durchaus noch üblich zu sein, von Männern wird aber, wenn überhaupt, das Haar fast nur noch schwarz gefärbt. Ebenfalls nur noch selten zu sehen sind (vor allem weibliche) Gothics, die sich auf das weißgeschminkte Gesicht zusätzlich noch Symbole oder Ornamente zeichnen.

"In der Kleidung der Grufties beziehen sich alle wichtigen Elemente auf bestimmte Vorbilder. Das ist zum einen die romantische Kleidung, wie sie z.B. von Lord Byron getragen wurde, zum anderen die Kleidung der Mönche, kombiniert mit der von Graf Dracula. Zusammenfassend könnte man sagen, daß die Kleidung auf die literarischen Protagonisten der schwarzen Romantik Bezug nimmt."20

Zu all dem oben Geschriebenen ist noch zu bemerken, dass mittlerweile die Gothic- Szene kaum noch abgegrenzt von Szenen wie der Industrial-, EBM- und Black- Metalszene begriffen werden kann, da diese sich vermischen und ineinander verschmelzen. Natürlich gibt es einige Angehörige der jeweiligen Subkulturen, die dem Kleidungsstil dieser "Ursprungssubkulturen" treu geblieben sind. So sind etwa für die Industrials Uniformteile bis hin zu ganzen Uniformen typisch. Für einen EBMler wiederum ist ein sehr männlich und dominant wirkendes Fetischoutfit (Leder und Latex) nicht selten. Im Zuge der Bricolage- Technik werden solche Utensilien natürlich auch dankbar von den Gothics aufgegriffen.

3.2.3. Die Funktion der Bricolage in der Gothic- Szene

In Subkulturen formen übergeordnete Stilprinzipien die ästhetischen Formen und Verhaltensweisen ihrer Mitglieder.

"Stil kann nach Bazon Brock heute vier Bedeutungsebenen haben: Er kann Kulturtechnik, Kampfprinzip, Systemstrategie oder Lebensform sein. In der Gegenwart, spätestens seit den 80er Jahren ersetzt Stil vor allem Programmatiken und Ideologien."21

Diese Bewertung zeigt, für wie wichtig Stil mittlerweile gehalten werden kann. Die am Anfang des Kapitels zu Wort gekommenen Mitglieder der Gothic- Kultur konnten letztendlich auch nicht anders, als sich über Stil definieren. Trotzdem werde ich versuchen nachzuweisen, dass sich mit dem Stil der Gothics durchaus auch bestimmte ideologische Richtungen verbinden, es daher also nicht zu einem Ersatz der Programmatiken und Ideologien kommt, sondern zu einer gegenseitigen Bedingtheit. Das grundlegende Prinzip, um einen Stil begründen zu können, ist, wie bereits mehrfach erwähnt, die Bricolage, wörtlich "Bastelei". Dieses Wort wurde geprägt durch den französischen Anthropologen Claude Lèvi-Strauss,22 der eine "strukturale Anthropologie" begründete. Die Bricolage

"beschreibt den Vorgang, Gegenstände gegen vorgeschriebene Bedeutungen und Gebrauchsmöglichkeiten zu benutzen oder Gegenstände aus unterschiedlichen Gegenstandsbereichen und Kulturen miteinander zu kombinieren, neu zu ordnen, in einem anderen Kontext einzuordnen und letztendlich zu adaptieren."23

So beziehen also Subkulturen, die für sie brauchbaren Stilelemente aus dem gesamten Fundus der sie umgebenden Gesellschaft. Dieses Herauspicken von Symbolen und Zeichen geschieht nicht völlig zufällig, es werden nur Elemente benutzt, die zumindest für das jeweilige Individuum bzw. seine Umgebung eine subjektive Bedeutung haben. Diese Bedeutung muss sich aber, wie schon erwähnt, nicht auch mit der objektiven Bedeutung treffen - was aber natürlich eventuell trotzdem sein kann. Durch die Bricolage versuchen die Individuen, die komplexe Wirklichkeit zu begreifen und zu bewältigen, sie kann aber auch als Mittel zum Protest eingesetzt werden, vor allem auch durch eine Brechung mit dem allgemein üblichen Gebrauch. Das ist auch der Grund, warum es sehr schwierig ist, zutreffende Deutungen zu treffen.24

3.2.4. Symbolik und Gefühlswelt

In der Öffentlichkeit wird die Gothic- und Dark- Wave- Szene oft als eine sektiererische und geheimnisvolle Gemeinschaft gesehen, eine Nähe zu satanistischen, magischen und okkulten Gruppierungen angenommen. Bei Jugendlichen außerhalb der Kultur gelten Mitglieder dieser Jugendkultur oft als arrogant und/ oder elitär; sie sind, kurz hinter den Skinheads, eines der größten Feindbilder der "normalen" Jugendlichen.25 Zu untersuchen ist also, ob die Mitglieder diese Ausgrenzung bewusst in Kauf nehmen und ob es gute Gründe für die Ausgrenzung gibt. Außerdem ist der häufigen Verwendung von Symbolen wie umgekehrten Kreuzen, Pentagrammen, Skeletten, Totenschädeln und Grablampen nachzugehen, haben sie für die Gothics wirklich eine okkulte Bedeutung? Eine Gemeinsamkeit von vielen Gothics scheint es zu sein, dass sie in ihrer Kindheit und frühen Jugend sehr viel Erfahrung mit Gefühlen des Allein- und Verlassenseins und Ungeborgenheit bzw. Abwehrhaltung der Umgebung gegenüber erleben, obwohl sie nicht selten in stark kontrollierten Strukturen aufwachsen, die noch in Dörfern oder Kleinstädten zu finden sind.26 Darin scheint auch begründet zu sein, dass sich die meisten Gothics in ihrer Aussenseiterrolle relativ wohl zu fühlen scheinen. Ein missionarischer Eifer andere Jugendliche zum "Gothic- sein" zu verführen ist eher selten, es ist eine sehr persönliche Entscheidung, sich für schwarze Kleidung und schwarzen Lebensstil zu entscheiden. Allenfalls freundschaftlichen Beziehungen kann man einen gewissen Einfluss auf die Entscheidung, Mitglied der Szene zu werden, zuschreiben; wer geht schon gerne in blauen Jeans mit seinem schwarz gekleideten Freund in eine Diskothek, in der ebenfalls alle schwarz gekleidet sind? Gewisse Einflüsse der (Teenager-) Musikpresse und der Musikkanäle des Fernsehens sind ebenfalls nicht abzustreiten. So sind in jüngerer Zeit bestimmt einige Fans des androgyn wirkenden Sängers der US- Band MARILYN MANSON in die Gothic- Szene gestossen, weil dieser viele Stilelemente des Gothics für sein Image nutzt. In den 80er Jahren sorgte wiederum ein Bravo- Bericht über den Schlagzeuger der Berliner Fun- Punk Band DIE ÄRZTE Bela B. dafür, dass viele Jugendliche unbedingt ihr Zimmer schwarz streichen wollten (und am liebsten auch einen Sarg gehabt hätten, in dem Bela B. angeblich schlief). Dazu sagen lässt sich noch, dass in beiden Fällen Musiker, die eigentlich nichts oder nur sehr wenig mit der Gothic- Szene zu tun haben oder hatten, trotzdem zu Leitbildern für Nachwuchsgrufties wurden. Die "wirklichen" Szeneangehörigen verhalten sich eher so, wie es Schuhmacher beschreibt:

"Diese Subkulturen, eigentlich Sub- Gesellschaften, sind lediglich ein Surrogat, eine Karikatur von Gemeinschaft. Nichtsdestoweniger oder gerade deswegen wird Zusammengehörigkeit, (die, es kann nicht oft genug gesagt werden, hohl und falsch ist) durch Kleidung, Sprache, Paraphernalien und `Insiderwissen` kulthaft und inbrünstig demonstriert: Außenstehende werden bis zu offener Feindseligkeit abgelehnt und abgewiesen, neu Hinzukommende müssen sich ihre Zugehörigkeit oft durch nachdrücklichen Nachweis von Konformität verdienen und haben ihr Anwesenheitsrecht als Privileg anzusehen.27"

Eine Tatsache, die die Gothic- Kultur bei anderen Jugendlichen natürlich nicht unbedingt beliebter macht, zumal es ja nicht reicht, sich nur schwarz anzuziehen, um wie ein Gothic auszusehen und dazugehörige Accessoires nur mit Mühe besorgt werden können (das würde sich natürlich dann ändern, wenn die Gothic- Szene noch mehr Zulauf erhalten sollte).28
Auffällig ist der häufige Umgang mit Symbolen des Todes. So stand - zumindest nach Bekundungen von Zeitgenossen - in der langjährigen (inzwischen ehemaligen) Berliner Szenediskothek "Linientreu" lange Zeit ein Sarg auf der Tanzfläche; die Farbe Schwarz wurde ja schon erwähnt und das Weißschminken des Gesichtes wird auch gerne mal als "Totmalen"29 bezeichnet. Schmuckmotive sind Totenschädel, Skelette und Knochen als Symbole des Todes (vereinzelt werden auch echte Knochen als Schmuckstücke getragen). Ein zweiter Motivkreis sind religiöse Symbole wie Kreuze, oft "umgekehrt" getragen (also das christliche Kreuz umgedreht), Pentagramme, Davidsterne und verschiedene altägyptische Motive. Der dritte Motivkreis besteht schließlich aus dem, was man vielleicht als den "Zoo der bösen Tiere" bezeichnen könnte. Hier sind ziemlich alle Tiere repräsentiert, die in unserem Kulturkreis als böse, unheimlich oder düster angesehen werden. Angefangen bei Ratten (die ja schon die Punks als Lieblingstier auserkoren hatten) über Spinnen, Raben, Krähen, Fliegen, Echsen, Kröten usw. bis hin zum Lieblingstier der Szene, der Fledermaus, werden die Tiere als Motive zur Schmuckherstellung, aber auch als Motiv für Kleidung benutzt.
Was für ein Lebensgefühl wird mit dieser Symbolik ausgedrückt? Übereinstimmend wird eine gewisse Unzufriedenheit mit der Welt und eine Außenseiterrolle für sich selber angenommen. Deswegen flüchtet man sich gerne in eine, nie jemals wirklich existente, vergangene Zeit. Diese Zeit kann individuell unterschiedlich interpretiert werden, für die einen ist es (ähnlich dem Weltbild der Romantik) ein verklärtes Mittelalter, andere hingegen sehnen sich nach vorchristlichen Zeiten zurück (ähnlich wie bei Teilen der Alternativ- Szene der frühen 80er Jahre; so ist der Roman "Die Nebel von Avalon" von Zimmer- Bradley auch bei Teilen der Gothic- Szene recht beliebt). Die typischste Literatur ist aber sicherlich der Vampir- Roman, der entweder, als klassischer Vampir- Roman, im 19. Jahrhundert beheimatet ist (z. B. Bram Stoker- Dracula) oder aber auch in der Jetzt- Zeit angelegt werden kann (die Erzählungen von Anne Rice beinhalten bspw. die unterschiedlichsten Epochen). Insgesamt ist also eine Unzufriedenheit mit der Zeit zu konstatieren; aufgrund dieser Unzufriedenheit sucht man Auswege. Diese Suche nach Auswegen kann unterschiedlich aussehen:
1. Suizidale Tendenzen/ Beschäftigung mit dem Tod
2. Weltflucht
3. Flucht in okkulte oder religiöse Systeme

3.2.4.1. Suizid und Tod

Mit der Möglichkeit des Selbstmordes dürfte sich schon fast jeder Gothic irgendwann im Leben beschäftigt haben. Trotzdem glaube ich sagen zu können, ohne dass mir hier statistische Zahlen vorliegen, dass die Selbstmordrate nicht höher als bei anderen Jugendlichen liegen dürfte. Gerade durch die ständige Beschäftigung mit Tod und Sterben wird das Verlangen nach dem wirklichen Sterben gedämpft - der Tod wird als die normale Konsequenz des Lebens angenommen, der sowieso ständig präsent ist und jederzeit eintreffen kann. So sieht man zwar auf die Gesamtgesellschaft bezogen "schwarz", das hält den einzelnen jedoch nicht davon ab, sehr wohl die persönliche Zukunft sehr gut zu planen.30 Helsper konstatiert, dass das Thema Suizid in der Gothic- Szene widersprüchlich diskutiert wird. Zwar wird einerseits festgestellt, dass der Selbstmordgedanke nichts Spezifisches für die Szene sei, andererseits gehen viele Gothics davon aus, dass aus der Intensität der Beschäftigung mit dem Tod durchaus eine Anfälligkeit für Suizidversuche entsteht:

"In dieser widersprüchlichen Argumentation wird die zentrale Bedeutung der Beschäftigung mit dem Tod und den Selbstmordgedanken nicht aufgehoben. Allerdings wird deutlich, daß der vollzogene Suizid für die schwarze Szene eine ambivalente Handlung ist. Einerseits erscheint er an manchen Stellen als konsequentester Ausdruck eines Lebensgefühls, andererseits wird er kritisch eingeschätzt und zumindest für die eigene Person abgelehnt."31

Also wird auf der einen Seite der eigene Sebstmord abgelehnt, auf der anderen Seite dienen aber die Selbstmorde anderer, wie z. B. die der Sänger der Bands JOY DIVISION (Ian Curtis) und CHRISTIAN DEATH (Rozz Williams) durchaus zur Legendenbildung. Sie symbolisieren die Manifestation des eigenen Lebensgefühls in letzter Konsequenz. Der eigene Selbstmord wird aber tabuisiert:

"Er erscheint als Feigheit, als Ausweichen vor dem Leben, als Flucht vor Problemen, als Aufgabe und Schwäche. Nun hat die schwarze Szene mit Sicherheit keinen maskulinen Selbstentwurf des starken, harten, souveränen Menschen, sondern eher einen ´weiblich´ orientierten des empfindsamen, gefühlsbetonten und mitleidenden Selbst. Allerdings verbirgt sich gerade in diesem empfindsamen, leidenden und ´schwachen´ Selbst eine besondere Stärke: Die bedrohlichen, angstauslösenden Gefühle, Schwäche und Vergänglichkeit, Leid und Verlust sollen nicht abgewehrt oder vermieden, sondern zugelassen und ausgelebt werden. Am Lebensgefühl von Leid, Tod, Trauer und Verlust aber sollen die Jugendlichen nicht zerbrechen, sondern die Sinnlosigkeit und Melancholie der Welt und des Selbst soll ausgehalten werden."32

Natürlich zieht die Gothic- Szene Jugendliche an, die häufig mit dem Gedanken an Selbstmord spielen und diesen eventuell auch in die Tat umsetzen. Von der Szene selber werde diese Menschen jedoch meist abgelehnt. Ähnlich verhält es sich mit Jugendlichen, die immer wieder gerne in den Medien mit der "Gruftie- Szene" identifiziert werden, welche angeblich Friedhöfe schänden und Leichenteile ausgraben. Abgesehen davon, dass das Interesse der Medien an den vereinzelten, wirklich belegten Vorfällen eigentlich nur durch die Tabuisierung der Beschäftigung mit dem Tod in unserer Gesellschaft hervorgerufen werden kann,33 zeigt sich hier eine falsche Wahrnehmung der Gothic- Kultur. Jugendliche, die wirklich diesem zweifelhaften Hobby nachgehen (soweit es diese wirklich geben sollte), werden in der Szene isoliert und durchaus nicht anerkannt. Allerdings ist es, vor allem unter jüngeren Gothics, nicht ganz unüblich, nachts über Friedhofsmauern zu steigen und sich dort aufzuhalten. Dieses Verhalten ist allerdings meines Erachtens eher als Mischung aus Mutprobe und bewusstem Tabubruch zu bewerten, welches keinesfalls kriminalisiert werden sollte - im Gegensatz zu Jugendlichen, die Aggressionen an Bushaltestellen und ähnlichen öffentlichen Plätzen ausleben, wird hier nur in den wenigsten Fällen irgendetwas zerstört. So sind Friedhöfe in der Freizeit auch tagsüber durchaus beliebte Aufenthaltsorte für Gothics, ähnlich wie Burg- und Klosterruinen. Das dürfte wiederum mit dem Gothic- Kultur- spezifischen Umgang mit dem Thema Tod und Zerstörung zu tun haben, dabei würde ich allerdings nicht so weit gehen wie Richard, die schreibt:

"Die Grufties sind als eine subkulturelle, imaginäre Aufhebung einer sozialen Verdeckung von Tod, Sterben und Trauer zu verstehen. Deshalb halten sie sich auch im Einsatz bestimmter Stilelemente (wie der Farbe Schwarz) für eine subkulturelle Elite, die als einzige gegen die soziale Verdrängung des Todes arbeitet."34

Trotz dem zweifelhaften Elitebegriff, den Richard hier der behandelten Jugendkultur unterstellt, bleibt allerdings festzuhalten, dass eine Jugendkultur die sich mit Trauer und Tod beschäftigt natürlich Orte des Trauerns (Friedhöfe) und der Zerstörung (Ruinen) nutzen möchte, um sich dort aufzuhalten. Alles in allem geht es hier also um eine Selbstdarstellung der eigenen Gefühlswelt - manchmal durchaus auch mit erwünschter Wirkung nach Aussen.35 Natürlich ist auch in der Musik das Thema Tod immer wiederkehrend. Manchmal wird versucht den Tod zu beschreiben, so z. B. in dem Lied "Das Sterben ist ästhetisch bunt" auf der gleichnamigen CD (1992) der Band GOETHES ERBEN. Manchmal wird er in Verbindung mit Liebe und Suizid thematisiert, wie in dem Lied der finnischen Gothic- Metal Band HIM "Join Me in Death", welches hier ganz zitiert wird, da es so ziemlich alle Szeneklischees über Tod und Sterben beinhaltet:

"We are so young our lives have just begun but already we are considering escape from this world we´ve have waited for so long for this moment to come so anxious to be together in death won´t you die tonight for love this world is a cruel place we´re here only to lose before life tears us apart let death bless me with you this life ain´t worth living."36

Wie schon erwähnt werden Gegenstände die mit Tod und Sterben zu tun haben, gerne benutzt, um den eigenen Stil zu betonen, so etwa Kreuze, Grableuchten usw.. Fest steht, dass in weiten Teilen der Gothic- Kultur, der Tod als ein (unvermeidbarer) Ausweg aus der Unvollkommenheit und Unzufriedenheit mit dem Leben in der heutigen Zeit gesehen wird. Helsper sieht das vor dem Hintergrund des Verhältnisses

"(...) von Realem, Symbolischen und Imaginären in dieser Jugendkultur. Die Stilbildung in Jugendkulturen wird als magische oder imaginäre Lösung realer Widersprüche im Produktionsprozeß begriffen (...) In diesem Sinne wäre das Imaginäre der Grufti- Szene, das was in Kleidung, Stil, Musik, in Schminkweise und Symbolik imaginiert wird, der Tod. Nun ist diese Stilisierung des Todes bei den Gruftis durchaus bezogen auf ein Reales, auf die Verluste, die Trennungen und den Mangel ihrer Lebensgeschichte. Die Stilisierung des Todes z. B. in Form der zitathaften Entwendung von Todessymboliken aus dem Bereich der Religion oder Magie wäre somit als Versuch zu werten, einen realen Mangel in Lebensgeschichte und Selbst zu symbolisieren, ohne ihn allerdings darin beheben zu können. Einen Mangel allerdings, der jede Form der Reproduktion grundlegend gefährdet, weil er Melancholie und Todesnähe bedeutet. Den Widerspruch, den die schwarze Jugendkultur letztlich in Form einer ´imaginären Lösung´ zu bewältigen versucht, ist er zwischen einem lebensgeschichtlich und sozialisatorisch erzeugten ´Todestrieb´, prinzipiellen Zweifeln gegenüber der Sinnhaftigkeit des Lebens, dem Vollzug sozialer und kultureller Reproduktionsprozesse und dem Wunsch zu leben. Der real vollzogene Tod wäre die Aufhebung des Widerspruchs, um den Preis des Lebens. Gleichzeitig aber auch eine eindimensionale Auflösung der Widersprüchlichkeit unter der Dominanz eines Poles. Von daher ist der jugendliche Suizid in der schwarzen Kultur, obwohl er für sie gerade nicht typisch ist, einer der zentralsten Mythen der Szene, weil er das Reale am deutlichsten artikuliert. Zugleich aber ist der eigene Suizid auch der verbotene Tod, weil er die Widersprüchlichkeit zwischen Lebenswunsch, dem Wunsch nach einem ´langen guten Leben´, das alles andere als ein langsames Ableben sein soll, und dem sozialisatorisch niedergelegten Todestrieb eindimensional auflöst, und gerade das Scheitern riskanter, einzigartiger Individualität - in Form eines heroischen Ausharrens in der ´Fremde´ - bedeuten würde. Der symbolisch stilisierte, der ´imaginäre Tod´ der schwarzen Jugendkultur, ist genau die ´imaginäre´ Lösung dieses Widerspruchs ."37

Die Flucht in den Tod beinhaltet jedoch nicht die einzige Fluchtmöglichkeit.

3.2.4.2. Weltflucht

Neben der Flucht in den Tod wird das Leben für den Gothic auch durch andere imaginäre Fluchtorte lebenswert. Ganz vorne steht die Möglichkeit, sich in eine andere Zeit zu versetzen. Dabei sind die meisten Gothics sich durchaus bewusst, dass sie sich nach einer Vergangenheit sehnen, die es niemals gegeben hat. Ähnlich wie die Schriftsteller der Romantik sich nach einem verklärten Mittelalter sehnten, sehnen sich die Gothics nach Zeiten, in denen die Welt noch nicht so unübersichtlich gewesen ist und es, wenn überhaupt, nur "gerechte" Kriege gegeben hat und Genozide nicht vorstellbar waren. Gothics sind häufige Besucher der immer beliebter werdenden Mittelaltermärkte, was man ihnen auch an ihrer Kleidung ansieht. So ist es bei Gothic- Frauen sehr beliebt sich wie eine "Hexe des Mittelalters" zu kleiden - oft einher damit geht eine Beschäftigung mit Magie und Zaubertränken und dem Phänomen der Hexenverfolgungen (die ja immer noch gerne fälschlicherweise im Mittelalter angesiedelt werden). Musikgruppen wie QNTAL, SARBAND, CORVUS CORAX und SUBWAY TO SALLY verbinden, mal mehr und mal weniger authentisch, mittelalterliche Musik mit heutiger Musik (manchmal auch mit Musik aus anderen Zeiten und Regionen der Welt wie beispielsweise DEAD CAN DANCE (AUS)). Ähnlich wie für die Autoren der "Gothic- Novels", sind aber auch andere untergegangene - und damit geheimnisvolle - Kulturen interessant. So sind Zeichen und Symbole der alten ägyptischen Hochkultur genauso beliebt, wie keltische und seit einiger Zeit auch "germanische" Runen- Symbolik. So ist es nicht verwunderlich, dass auch hier nach "authentischer" Musik und anderen, angeblich bis heute bestehenden Verbindungen, zur heutigen Kultur gesucht wird. Oft erscheint es aber auch einfach so, dass sich das Wissen über bestimmte Kulturen (so vor allem der ägyptischen) hauptsächlich aus Inspirationen populärer Monumentalfilme Hollywoods speist. Die Beschäftigung mit (meist nur angeblichen) keltischen Traditionen hat inzwischen schon (eine eigene diplomarbeitswürdige) durchgehende Tradierung in den unterschiedlichsten Jugendkulturen erfahren; mit ihr beschäftigten sich unter anderen schon Teile der Hippies, Teile der Frauenbewegung und jetzt eben auch Teile der Gothic- Szene. Umstritten ist es, ob dieses Spielen mit unterschiedlichsten Symbolen und Kulturen in der Szene schon immer ernst genommen wurde bzw. wird; meines Erachtens steckte vor allem am Anfang, also zur Zeit der entstehenden Gothic- Kultur, ein hohes Maß an Humor in der Beschäftigung mit diesen Themen, besonders häufig wurden und werden Motive der B- Gruselfilme der 30er und 60er Jahre humorvoll oder auch persiflierend aufgegriffen. Samples aus bekannten Grusel- und Splatterfilmen, wie etwa dem "Texas Chainsaw Massacre", werden von Bands wie den "FIELDS OF THE NEPHILIM" in ihren Liedern benutzt. Damit wird einerseits eine düstere Atmosphäre erzeugt, auf der anderen Seite sich auch durch übermäßiges Identifizieren mit den bösen Heldengestalten der Filme sich über diese Art der Kulturproduktion lustig gemacht. So kann etwa auch die Beschäftigung mit UFOs und Außerirdischen bei der Band ALIEN SEX FIEND kaum als ernsthafte UFO- Esoterik interpretiert werden. Schon ernster zu nehmen ist das naturreligiöse und heidnische Gedankengut, welches in der Szene ziemlich weit verbreitet ist.

3.2.4.3. Religiöse und okkulte Systeme

Vor allem aufgrund der starken Ablehnung des Christentums, als Repräsentant der verhassten und einengenden bürgerlichen Gesellschaft, beschäftigen sich viele Gothics mit christenfeindlicher Symbolik. So ist das "umgekehrte" Kreuz eines der Lieblingssymbole der Szene. Dieses Kreuz wird von den meisten Gothics jedoch nicht als "Satanszeichen" interpretiert, sondern einfach nur als Ablehnung der Kirche. Diese Fixierung auf Kirche als Feindbild könnte unter anderem mit der schon erwähnten gehäuften Herkunft vieler Gothics aus eher ländlichem Umfeld, mit stärker christlichen Strukturen begründet sein. Das soll allerdings nicht heißen, dass es nicht auch, allerdings wenige, christliche Gothics gibt; so sind die beiden Musiker der Band LACRIMOSA bekennende Anhänger einer christlichen Freikirche und sorgten, so wurde zumindest dem Autor berichtet, in ihrem Heimatort für einen ungeahnten Zustrom von "schwarzen Gestalten" in den Gottesdiensten ihrer Kirche. Kreuze, die völlig normal, also "richtig herum" an Halsketten getragen werden, sind durchaus nicht selten bei Szenepartys zu sehen - ob deswegen jedoch bei den Trägern oder Trägerinnen ein tiefer christlicher Glaube angenommen werden kann, ist zu bezweifeln. Das zeigt nun wieder, dass nicht jeder, der religiöse Symboliken benutzt, sich auch automatisch mit einer Religion identifiziert. Vor diesem Missverständnis sollte man sich auch bei den nun folgenden Erläuterungen hüten. Bei allen im folgenden Text erläuterten Fluchttendenzen, die teilweise bedrohlich oder gefährlich zu sein scheinen, handelt es sich nicht um Ideologien, die von der ganzen Gothic- Kultur bzw. auch nur von einem großen Teil der Gothics vertreten werden. Interessant zu sehen ist es aber trotzdem, warum sich diese Tendenzen offenbar gerade in der Gothic- Kultur verhältnismäßig gut verbreiten können und nicht auf noch stärkeren Widerstand stoßen.
Mit einer Legende gilt es von Anfang an aufzuräumen. Mit Satanismus, in dem von Medien verbreiteten Sinn, hat so gut wie kein Mitglied der Gothic- Szene zu tun. Mitglieder satanistischer Orden dürfte es unter Gothics praktisch nicht geben. Das ist allerdings auch kein Wunder ist, da es in Deutschland, selbst nach den höchsten Schätzungen, kaum mehr als 200 organisierte Satanisten gibt.38 Allerdings lesen durchaus einige Gothics die Bücher von Aleister Crowley soweit diese erhältlich sind und sind durchaus auch an anderen Autoren interessiert, die sich mit "Satanismus" beschäftigen. Dazu muss allerdings erwähnt werden, dass erstens die Öffentlichkeit meist unter "Satanismus" nur Klischees von Schwarzen Messen und vor allem sexuellen Mißbrauch vor Augen hat, welche natürlich - Sex sells - auch immer wieder in der Berichterstattung der Medien auftauchen und es doch eigentlich nur vernünftig ist, sich ein eigenes Bild über "wirklichen" Satanismus zu bilden. Das muss ja nun wirklich nicht heissen, dass jeder Leser von Crowley ein überzeugter Satanist wird - im Gegenteil dürfte es so sein, dass die meisten Leser dieser wirren, offensichtlich im Drogenrausch geschriebenen Schriften, doch eher abgeschreckt sind. Zweitens bilden gerade die immer wieder in den Klischees auftauchenden "Schwarzen Messen" ja auch die Grundlage für das Interesse von Teenagern, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Welcher Heranwachsende möchte nicht, zumindest in der Phantasie, die angeblichen sexuellen Extasen dieser verrufenen Orgien erleben? Deswegen soll auch die Gefahr nicht völlig verschwiegen werden, die von den einigen wenigen wirklich existenten satanistischen Gruppen ausgehen kann. Diese Gefahr besteht aber völlig unabhängig von der Gothic- Szene.39 Durch die Vermischung der Gothic- mit der Dark Metal- Szene (im Bereich der Metal- Musik hat "Satanismus" schon eine längere Traditionslinie), tauchen allerdings immer öfter satanistische Symbole und Bands, die sich mit Satanismus beschäftigen, auf und es ist für die Zukunft mit einem stärkeren Einfluss dieser Strömungen zu rechnen. Deswegen werde ich mich jetzt ein wenig mit dem Thema Black Metal, Doom Metal, Death Metal und Satanismus beschäftigen.40
Die meisten heutigen Satanisten berufen sich auf die Lehren von Aleister Crowley (1875- 1947), der ein bekannter Bergsteiger war und der, nicht zuletzt aus Protest gegen sein Elternhaus (sein Vater war Laienprediger in einer protestantischen Sekte), Satanist wurde. Er kann als der Begründer des "rituellen Satanismus" angesehen werden. 1904 schrieb er sein einflussreichstes Werk, "Das Buch des Gesetzes" (Liber Al Vel Legis), dessen Motto zum Leitmotiv fast aller späteren Satanisten wird: "Tu, was du willst, sei das eigene Gesetz". 1912 wurde er Mitglied des "Ordo Templi Orientis" (O.T.O.), dessen Führung er später übernahm. Dieser Orden bot eine wilde Mischung aus freimaurerischen und okkulten Praktiken. Crowley selbst bezeichnete sich als "Satan" oder auch als "Das große Tier 666" (To Mega Therion- 666), nach einer Bibelstelle (Offb. 13, 18). Kögler schreibt:

"Crowleys Verständnis des Göttlichen ist ein orgiastisch- dionysisches, und den absoluten Lebenswillen zu erkennen, heißt konkret, sich in schrankenloser Zügellosigkeit auszuleben... Crowleys Lehre beinhaltet also eine Verabsolutierung des Lebens wie der Lust."41

Auf Crowley bezieht sich beispielsweise eindeutig die skandinavische Band - Nomen est Omen - THERION, welche Anhänger in der Black- Metal- und Gothic- Szene hat. Eine andere, in anderem Zusammenhang bereits erwähnte Band, nämlich HIM, setzt eine gewisse "satanistische" Tendenz der Rockmusik mit ihrem Bandnamen - ausgeschrieben "His Infernal Majesty" - fort, die unter anderem auch die ROLLING STONES mitbegründet haben. Ihr Album von 1967 heisst "Their Satanic Majesties Request" und Mick Jagger hatte längere Zeit Kontakt mit Kenneth Anger, einem US- amerikanischen Satanisten. Jimmy Page, Musiker u.a. von LED ZEPPELIN kaufte das ehemalige Haus von Aleister Crowley am Loch Ness und Legionen von ironischerweise v.a. evangelikalen Hörern versuchten im LED ZEPPELIN Lied "Stairway to Heaven" irgendwelche versteckten (rückwärtsgespielten) satanischen Botschaften zu hören. Für die Metal- Szene typische Bandnamen sind an christliche bzw. eher an antichristliche Tradition anschliessende Namen wie JUDAS PRIEST, BLACK SABBATH, PARADISE LOST, SODOM, MINISTRY oder THE ALMIGHTY oder auch Bandnamen die Gewalt und Schrecken repräsentieren, wie etwa ANTHRAX, POISON, SLAYER, DESTRUCTION, PRO PAIN oder FEAR FACTORY, manchmal scheinen sich diese Bands auch der Beschäftigung mit Tod verschrieben zu haben, wie z. B: CREMATORY, ENTOMBED, SUICIDAL TENDENCIES oder DEATH. Liedtitel wie "Devil´s Child" (JUDAS PRIEST), "Songs of Satan" (VENOM) oder "The Number of the Beast" (IRON MAIDEN) scheinen satanistische Einflüsse zu bestätigen. Auch in den Bühnenshows und auf den Plattencovern werden Themen, die dem Satanismus zugeschrieben werden könnten, thematisiert:

"Die Plattencover stellen Verbrennungen von Kirchen und Kreuzen, die Vergewaltigung von Nonnen, Schändungen von Gräbern, Horrorgestalten, Zombies, Pentagramme, Satansmessen und jede Menge Gewaltszenen dar....Brutalität und Aggression, gepaart mit Referenzen auf satanische Vorstellungswelten, sollen sich nicht nur in Texten und im Musikstil verwirklichen, der von dem typischen weiterentwickelten Kraft- (Metall!-) sound und martialisch- gepreßten Schrei- Gesang geprägt ist. Sie prägen vor allem auch die Bühnenshows, die z. T. bewußt als Kultveranstaltungen mit mehr oder weniger explizit satanischen Vorstellungswelten inszeniert werden. So gehören Pentagramme dazu. Umgedrehte Kreuze (z. T. aus echten Knochen), Totenköpfe und viele andere Symbole, die z. T. auch in schwarzen Messen verwendet werden, gehören zur Ausstattung der Bühnengestaltung und finden sich auf Plattencovern wieder."42

Wie wichtig die Künstler diese "satanistische" Tendenz selber nehmen bzw. nahmen, kann nur vermutet werden. Musiker aus dem Metal- Umfeld, die sich mit dem Satanismus bewusst auseinandersetzen, scheint es nur wenige zu geben, die meisten dürften nur mit den schon erwähnten Klischees spielen - nicht zuletzt um eben auch die moderne materialistische Industriegesellschaft zu kritisieren und zu konterkarieren. Manchmal gehen sie wohl auch von der reinigenden Wirkung aus, die das "Herauslassen" von Aggressionen hervorbringen kann. Außerdem gilt auch hier wieder: Sex (and crime) sells. Es gibt aber durchaus auch bewusstere Stimmen, wie etwa von Thomas Lindberg, Sänger der schwedischen Band AT THE GATES:

"Ich sehe mich als Satanisten, aber eher in einem philosophischen Sinn. Satanismus heißt nicht böse zu sein; Satanismus ist ein Synonym für Freiheit. Was aber auch einschließen muß, daß du die Taten der anderen tolerierst."43

Eine gewisser Einfluss der, nicht unbedingt satanistischen, Esoterik- und Okkultszene ist auch bei manchen Metal- Musikern spürbar, so etwa beim "Vorzeige- Satanisten"44 King Diamond von MERCYFUL FATE:

"Woran ich glaube, ist, was unerforschlich ist. Das sind die Kräfte des Unbekannten, die Kräfte der Finsternis, die die Erde in der Balance halten ... Wir sind alle mit bestimmten Gefühlen geboren - warum sollten wir sie nicht ausleben? ... Ich würde schon für mich in Anspruch nehmen, auf dem Gebiet des Okkultismus eine ganze Menge Wissen zu haben, denn ich beschäftige mich schon seit mehreren Jahren intensiv mit der Materie ... Allerdings sollte man dazu eine gefestigte Persönlichkeit haben, und ich würde z. B. jungen Kids vor einem kritiklosen Abfahren auf den ganzen pseudookkulten Kram echt abraten..."45

Damit wären wir auch schon bei der Gedankenwelt, die meines Erachtens die Gothicszene im Moment am meisten beeinflusst. Nämlich die schier unergründbare und fast undurchdringbare Gedankenwelt der Esoterik. Hinzuweisen ist zum wiederholten Male darauf, dass es keineswegs nur die Gothics sind, die sich mit Okkultem und Magischem beschäftigen und schon gar nicht jedes Szene- Mitglied daran interessiert ist. Dennoch denke ich, dass es in der Gothic- Szene üblicher ist, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen, als außerhalb - oder aber nur der Umgang damit offener stattfindet als in der Restgesellschaft.
Vor allem in England ist es schon zu Hoch-Zeiten der Hippie- Kultur üblich gewesen sich stark mit den sogenannten "keltischen Wurzeln" zu beschäftigen. In Nachfolge der nationalistischen Forschern des beginnenden 20. Jahrhunderts, die sich in England und Frankreich stark mit dem Keltentum als "eigentlichen" nationalen Vorfahren beschäftigt haben46 und die die gesamteuropäischen römischen Wurzeln der kulturellen Entwicklung bekämpften, suchten sie nach einem Gesellschaftsentwurf, der antimodernistisch und vor allem auch "natürlich" (im Sinne von in Einklang mit der Natur) sein sollte. In England ist auch die Gothic- Kultur der Hippie- Kultur ähnlicher als in Deutschland, die Kleidung der englischen Gothics erscheint durchaus auch teilweise dem Kleiderschrank der Hippie- Mutter entnommen zu sein. Ungefähr Mitte der 80er Jahre haben sich v. a. um die Bands THE MISSION und NEW MODEL ARMY herum Gruppen von jungen Leuten gebildet, die zu möglichst allen Konzerten der jeweiligen Bands fuhren und ein hippietypisches familienähnliches Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelten. Vor allem bei THE MISSION, die ja aus Teilen der SISTERS OF MERCY hervorgingen, waren darunter auch Menschen aus der Gothic- Szene zu finden. Diese Gruppen hatten und (diejenigen, die diese Traditionslinie weiterführen) haben ein sehr ähnliches Lebensgefühl, wie die ehemalige Hippie- Subkultur. In die Musik der oben genannten Bands flossen sowohl Folk- Einflüsse, wie auch Einflüsse von Hippie- Musik (so coverte THE MISSION äußerst Erfolgreich das NEIL YOUNG Lied "Hurricane"). Einher mit den musikalischen Einflüssen ging offenbar auch eine Beschäftigung mit Fantasy- Literatur, die bisweilen ebenfalls ins okkulte abschweift (THE MISSION: "Kingdom Come") und antiamerikanischen (so NEW MODEL ARMYs Lied "51st State of America") Traditionen. So ist es kein Wunder, dass die Heidenszene, vor allem die der "Wicca", auch aus diesem Kreis, unter anderem eben auch von Gothics, Zulauf bekamen. Die Neo- Folk Bands, wie etwa DEATH IN JUNE, konnten sich auf diese, an esoterischen Dingen interessierte Zielgruppe, stützen, um ihre gefährlicheres Gedankengut, wie etwa die "nordische" Runenesoterik zu verbreiten. Bevor ich in einem späteren Abschnitt näher auf die Entstehung dieses Phänomens eingehe, gilt es erst einmal zu untersuchen, wie sich Heidnisches und Okkultes in der heutigen Gothic- Szene äußert.
Da man, wie schon geäussert, nicht einfach aus der Verwendung von heidnischen oder okkulten Zeichen auch auf eine entsprechende Gedankenwelt schliessen kann, muss man andere Quellen erschliessen. Da man bei einer Masse von Individuen kaum auf eine einheitliche Meinung stossen wird, geschweige denn die individuelle Wichtigkeit für den Einzelnen ermessen kann, bleibt jede Behauptung relativ subjektiv. Deswegen möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass bis jetzt alle mir bekannten Autoren, die sich mit der Religiösität der Gothic- Szene beschäftigten, zu mehr oder weniger unterschiedlichen Schlüssen kamen. Zwei Dinge stellten aber alle gemeinsam fest: Zum Einen: Religion (oder besser Religiösität) scheint für Gothics insgesamt eine wichtige Rolle zu spielen und zum Anderen: Es

"kann (...) letztlich nicht von einer `okkulten Grufti- Religion` gesprochen werden. Denn dafür sind die Anschauungen der Szene zu heterogen, ja - speziell Gottesvorstellungen, Religion und Magisches betreffend - sehr gegensätzlich."47

Viele Gothics basteln sich, vergleichbar mit ihrem Umgang mit Symbolen, eine eigene Religion zusammen, sie kreieren individuelle Privatreligionen

"mithilfe einer Art von ´Religionsbricolage`, durch die sie kulturell tradierte Religionen und die Religion anderer Ethnien als Rohstoff verarbeiten."48

Für die meisten gilt es, sich aus dem eingleisigen und vorgefertigten Glaubenskonzept der Kirche zu verabschieden und daher eine vielfältigere Religiösität zu erleben. Richard schreibt:

"Es wäre widersprüchlich, wenn sich die Grufties nach ihrem stilistischen Ausbruch aus ihrer dörflich- religiösen Eingleisigkeit wieder freiwillig in ein sie wiederum einengendes, geschlossenes System begeben würden."49

Dazu möchte ich feststellen, dass eine gewisse Widersprüchlichkeit menschlichem Verhalten nicht selten innewohnt. Einzelne Gothics sind leider offensichtlich durchaus anfällig für rassistische und völkische Wahnsysteme, die in einem späteren Abschnitt abgehandelt werden. Außerdem dürfte es auch unter den Gothics viele geben, zumindest unter denen, die eine städtische Herkunft haben, die sich aufgrund der Prozesse der Individualisierung, der Puralisierung und der Enttraditionalisierung der postmodernen Gesellschaft50 nicht zurecht finden und eben neben dem (ja nur scheinbaren) Zusammenhalt der Subkultur auch noch andere Strukturen, in denen sie sich scheinbar sicher bewegen können, suchen. Wieso Stöber davon ausgeht, dass die Religionsbricolage automatisch dazu dient "eine Atmosphäre herzustellen die undogmatisch, frei und tolerant ist",51 bleibt für mich im Dunkeln. Endgültig rätselhaft erscheint es, wenn sie erst die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen okkulten, religiösen und philosophisch- weltanschaulichen Traditionen in der Szene betont, dann aber eine "nihilistische Prägung der schwarzen Szene"52 feststellt. Auch ihre Behauptungen, dass die Beschäftigung mit "schwarzer und weißer" Magie sowie Satanismus einfach nur als Kirchenkritik gewertet werden sollten, gelten meines Erachtens nur für einen kleinen Teil der Gothics - warum sollten sich so viele Gothics so intensiv mit etwas beschäftigen, was sie eigentlich gar nicht interessiert? Später relativiert sie diese Aussage allerdings wieder, indem sie die "Sinnfrage" als "eine wichtige Rolle bei der Beschäftigung mit religiösen Theorien und Philosophien"53 spielend ansieht und die "Religionsbricolage der Schwarzen" als "melting pot" bezeichnet, "aus dem unglaublich viel innovative Kraft für individuelle Geisteserweiterung gezogen werden kann."54 Dass die Beschäftigung mit "Magie" und Esoterik in der Szene durchaus eine Bedeutung hat, zeigen alleine schon die Kleinanzeigen in Teilen der szenespezifischen Zeitschriften. Von den etwa 70 Kleinanzeigen in der Rubrik "Bekanntschaften" der Ausgabe Dezember/ Januar 2000 des zwischen Black- Metal- und Gothic- Szene angesiedelten Musik- Magazins "Sonic Seducer", sind alleine neun, die sich in irgendeiner Art auf eine Beschäftigung mit "Magie" beziehen. Hier einige Textbeispiele:

"Deutschlandweit organisierte dunkle esoterische Gemeinschaft für Frauen und Männer sucht weitere Mitgliederinnen und Mitglieder. Unterweisung durch unseren bekannten Großmeister Thot Thorin Might (...)"55

"Suche dringend Kontakt zu Menschen, die sich ernsthaft mit Asatru beschäftigen, oder in anderer Art und Weise runenmagisch aktiv sind; runenkundlich bewandert sind oder heidnische Religion praktizieren. Zweck der Kontaktaufnahme sollte sein, mit meinem eigenen Wissen den Anderen zu bereichern - da dieses aber noch nicht so groß ist - mich auch bereichern zu lassen und eine fruchtbare gedankliche Verbindung aufzunehmen (evtl. auch gemeinsame Rituale). Raum NRW wäre von Vorteil, ist aber keinesfalls Bedingung. Auch Chaosmagier dürfen mir (24, w) rein interessenhalber schreiben. (...)"56

"Suche dringend Hilfe! Ich möchte die Kraft eines Sigillenzaubers aufheben, die ich vor Jahren aktivierte. Wer kann mir mit praktischen Tips weiterhelfen??? Dringend! (...)"57

"(...) Meine Leidenschaften sind Psychologie, Horrorfilme, fahles Mondlicht, Okkultismus, Satanismus, düstere Gedichte, Gothic, Magie, Mittelalter, Ratten, Kerzen, Theater und mystische Nächte. (...) Satanisten sind herzlich willkommen (bin selber einer), aber ich hasse Hardcore- Satanisten (kann Tieropfer und Rauschgift nicht ausstehen). (...)"58

Wie ernst man solche Anzeigen wirklich nehmen muss und wie viel Angeberei dahinter steckt, ist ziemlich schwierig zu beurteilen. So erscheint es eher kindisch, wenn eine 15 jährige schreibt:

"Ich, Satanist und Gruftie Mädchen (15) suche nette schreibwütige Leute. Wenn du auch dunkle Magie, Friedhöfe, Kerzen, Horrorfilme sowie Drogen gut findest (...), schreib doch einfach (...)"59

oder auch ein wenig ironisch, wenn eine andere 15- jährige die folgenden Anzeige aufgibt:

"Sei gegrüßt! Bist du ein Vampir, eine Hexe oder vielleicht ein Satansjünger? Ich suche düstere Gestalten zum Briefwechsel! (...)"60

3.2.5. Gothic- Szene und Sexualität

Das spezielle "Gothic- Feeling" beruht auf einer Ästhetisierung des Alltags, ausgedrückt durch die schon erwähnten Mittel der Kleidung und der gothic- spezifischen Symbolik. Bei der Kleidung sowie Symbolik fallen immer wieder Hinweise auf Komponenten auf, die auf bestimmte sexuelle Praktiken hindeuten. So werden nicht selten Halsbänder getragen, die in der SM- Szene "Sklavenhalsbänder" genannt werden. Sie sind den Halsbändern von Hunden, an denen man mit Karabinerhaken die Hundeleinen anbringen kann, nicht unähnlich. Außerdem ist der Dresscode auch im allgemeinen dem der SM- Szene ähnlich. Insbesonders Accessoires, die oft auch schon der Punk- Kultur entliehen wurden, wie etwa Ketten, zerrissene T- Shirts und eben die meist mit Nieten versehenen Halsbänder sind auch bei Punks nicht selten zu finden. Frauen trugen und tragen, wieder ähnlich wie Punkerinnen, gerne Netzstrümpfe oder auch (manchmal zerrissene) Strumpfhosen, dazu extrem kurze Röcke oder eben v. a. seit den 90er Jahren (in denen Fetisch- Kleidung auch ihren Weg in die Kataloge der großen Versandhäuser geschafft hat) Kleidung aus Lack, Leder oder etwas seltener (da teuer und sehr empfindlich) Latex. Das sorgte auch dafür, dass sich die Gothic- Szene teilweise mit den anderen Szenen, die einen ähnlichen Dresscode bevorzugen, mischte. Das natürlich vor allem in kleineren Städten, wo es nicht so viele Möglichkeiten gibt, diese Vorlieben für diese Art der Bekleidung auszuleben. In Berlin bleiben die Szenen meist eher getrennt. Allerdings bot Anfang der 90er Jahre beispielsweise der, mittlerweile völlig der Techno- Szene zugehörige, bis vor kurzem in Berlin- Kreuzberg ansässige "Kitkat- Club", der für seine "tabulosen" und sexuell freizügigen Partys bekannt ist, noch Partys mit Gothic- und Wave Musik an. In kleineren Städten ist es durchaus so, dass "Transvestiten, Drag Queens und Transsexuelle ... auch in der schwarzen Szene eine ´Heimat´ gefunden"61 haben. In Berlin äußert es sich eher darin, dass eben "schwule" Szeneclubs, wie etwa das "Cafe Anal" Veranstaltungen speziell für homosexuelle Gothics anbieten. Die eigenständige Struktur der homosexuellen Subkultur sorgt hier also eher für eine Trennung der Szenen. Genauso verhält es sich auch mit der SM- Szene. Während in der Karlsruher "Kulturruine" Gothic- und SM- Szene Hand in Hand Partys feiern, ist in Berlin höchstens der ein oder andere Gothic bei den Techno- Partys der SM- Szene zu finden und sieht nicht nur aus Image- Gründen, sondern auch wegen der dort gespielten Musik unglücklich aus. Dabei geht bei den "normalen" Gothic Partys mittlerweile viel von der ursprünglichen Toleranz verloren und es kann leider inzwischen auch schon von (allerdings sehr vereinzelten) Übergriffen gegen Homosexuelle berichtet werden (siehe Interviews). Trotzdem kann man davon ausgehen, dass die Atmosphäre bei Gothic- Partys, was die unterschiedlichen Spielarten von Sexualität angeht, meist toleranter ist als üblicherweise.
Thematiken der SM- Szene tauchen in der Gothic- Kultur immer wieder auf. So ist der Stuttgarter Musiker (SILKE BISCHOFF) und Fotograf Felix Flaucher, der Hausfotograf des (inzwischen anscheinend eingestellten) "Gothic"- Magazins, u. a. bekannt für seine kunstvollen Fotografien von gefesselten Gothic- Frauen, die auch die Cover der CDs seiner Band zieren.

"Thematiken aus der S/M- Szene wie Dominanz und Unterwerfung werden in die schwarze Szene übertragen und so sind Accessoires wie Handschellen, Peitsche oder Nietenhalsband vielerorts sehr beliebt"62

Bands wie DIE FORM (FR), UMBRA ET IMAGO (D), SLEEP CHAMBER (USA) oder die GENITORTURES (USA) setzen sich mit den verschiedenen Spielarten von SM künstlerisch auseinander. Der Künster CARLOS PERON (CH), der eher elektronische technoähnliche Musik macht, die in der Szene ebenfalls gehört wird, organisiert regelmäßig SM- Performances. Das, zumindest ehemalige,63 Szene- Magazin "Zillo" bringt in der Ausgabe vom März 2000 ein sechsseitiges "Special" über Fetischismus, das es folgendermaßen einleitet:

"Unmöglich, sich heutzutage auf einer Electro- oder Gothic- Veranstaltung aufzuhalten, ohne dabei von einer vollständig in Lack gekleideten Schönen oder einem in schwarzen Leder Gehüllten in den Bann gezogen zu werden. Bedeutet das nicht, dass in jedem von uns ein Fetischist schlummert, der darauf wartet, geweckt zu werden? Die Haut der jungen Tänzerinnen - für die Dauer eines Techno- Clips in eng anliegende Latex- Kombinationen gegossen, die Allgegenwärtigkeit dieser befremdenden Materialien in der Garderobe der von uns bevorzugten Bands ... Zahlreich sind die Beispiele, die uns zeigen, wie der Fetischismus - in seinem Ursprung als Perversion betrachtet, als Krankheit verschrien - sich inzwischen zu einer faszinierenden Mode entwickelt hat."64

Im weiteren Text grenzen sich die Autoren aber von der SM- Szene ab:

"Oft assoziiert mit sado- masochistischen Torturen, ist der Fetischismus dennoch weit entfernt von jeglicher pornographischer oder SM- Aktivität.(...) Heute kennzeichnet das Attribut ´Fetisch´ eher eine Art Szene, eine Gegenkultur, die sich um Veranstaltungen, innovative Artisten und Kreative dreht, die durch einen Dress- Code, nicht durch sexuelle Praktiken, miteinander verbunden sind."65

Abgesehen von der etwas gewagten Theorie einer "Fetisch- Gegenkultur", dürfte die hier formulierte, klare Abgrenzung zur SM- Szene eher künstlich sein. Was allerdings nicht heißt, dass es nicht ein Fehler wäre zu behaupten, dass jeder Gothic, selbst wenn er ein Fetisch- Outfit bevorzugt, unbedingt an sado- masochistischen Praktiken interessiert wäre. Das Outfit wird eben, wie jede Mode, einfach von den neuen Szene- Mitgliedern von den alten übernommen. Je mainstreamiger eine Jugendkultur wird, desto mehr besteht die Wahrscheinlichkeit, dass auch die damit verbundenen Ideen, wie etwa hier der Tabubruch der expressiv dargestellten Sexualität verschwinden. Außerdem muss auch gesehen werden, dass der Tabubruch inzwischen bei weitem nicht mehr so interessant ist, wie zu Zeiten der Entstehung der Gothic- Kultur. Inzwischen ist man ja aus nachmittäglichen Talkshows und "Erotik- Magazinen" des Fernsehens fast schon übersättigt mit Informationen über die unterschiedlichsten sexuellen Vorlieben und es gilt vieles als "normal", was früher allenfalls im Dunkel der Schlafzimmer seinen Platz fand. Vor allem die Techno- Szene, die ja in den letzten Jahren wahrscheinlich die zahlenmäßig verbreitetste Jugendkultur war, sorgte ähnlich wie die, zahlenmäßig und kommerziell weitaus unbedeutendere, Gothic- Kultur hier für eine Aufweichung der entsprechenden Tabus. Dadurch erscheint also auch das Risiko, das der Einzelne mit dieser "Provokation", die Stöber als die Hauptbedeutung dieser Form der Bekleidung ansieht,66 auf sich nimmt inzwischen als recht kalkulierbar.
Eine andere Form von Erotik, die in der Gothic eine bedeutende Rolle spielt, ist die romantische "vampireske Erotik" und die Erotik des Todes. Das hat absolut nichts mit Nekrophilie zu tun. Es scheint eher so zu sein wie es Richard formuliert:

"Das Erotische wird leidenschaftlich auf den Tod bezogen. Ein zentrales Thema ist das Ersetzen der Liebe durch Schrecken, der Flirt mit dem Tod und das Auskosten des Kitzels der verleugneten Sexualität, immer angelegt, um Ekel zu erzeugen. Die Grufties hoffen wie Romantiker auf ein unerreichbares Ideal von Liebe, das in der Unmittelbarkeit von Empfindungen besteht. Dieser subkulturelle Stil ist also durch die partielle Freisetzung und tendenzielle Enttabuisierung von Vorstellungen und Bildern des Todes charakterisiert."67

Der Vampir bildet das perfekte Abbild der Mischung aus Erotik und Tod.

"Vampire sind Wiedergänger von denen ausdrücklich gesagt wird, daß sie den Lebenden das Blut aussaugen."68

Das herausragende Merkmal am Vampir ist, von seinem weiterleben nach dem Tod mal abgesehen, sein Gebiss, welches von zwei spitzen Schneidezähnen dominiert wird. Copper berichtet von Frauen des 18. Jahrhunderts, die schildern, wie

"sich das Ungeheuer in einer erotischen Position auf seine Opfer legte, diese einen zentnerschweren Druck auf der Brust verspürten und danach in Schweiß gebadet aus ihrem tranceartigen Zustand erwachten."69

Die Bedeutung von Zähnen als Symbole in der Psychoanalyse ist wohlbekannt. Zusammen mit Beschreibungen des Aktes des Blutsaugens, kann man den Vampirkuss also eindeutig als einem stilisierten Geschlechtsakt begreifen. Freudemann stellt in einem psychoanalytischem Beitrag,70 durch einige literarische und filmische Beispiele belegt, weiterhin fest, dass der Vampir das Vaterimago und seine Opfer die gespaltenen Imagines der Mutter repräsentieren. Die bevorzugten (hauptsächlich weiblichen) Opfer der Vampire sind entweder besonders draufgängerisch und sexuell aktiv oder aber edel, rein und gut. Also wird, wie in unserer Kultur häufig, die klassische Teilung des Mutter- bzw. Frauenbildes in Heilige und Hure dargestellt. Nicht zufällig sind also die verbreitete Frauenbilder, wie auch die vampiresken Thematiken, die immer wieder in der Gothic- Szene zu finden sind. Gothic- Frauen trifft man entweder in eher weiter Kleidung an, die wenig Körperlichkeit verrät oder eben als "männermordende Vamps", bspw. ganz in Lack gekleidet. Vor allem auf Plattencovern und bei dem sonstigen Artwork von Bands ist dieses Frauenbild (welches dem Frauenbild der Romantik ebenfalls nahe kommt) weit verbreitet. Bei dieser so sehr auf den Tod fixierten Jugendkultur wundert man sich auch nicht dass der Untote, der trotzdem unter den Lebenden weilt, zusätzlich als Identifikationsobjekt dienen kann, da man sich ja wie bereits an anderer Stelle erläutert, sehr ähnlich fühlt.

3.2.6 Drogen

Eine überraschend geringe Rolle spielen, zumindest in der deutschen Gothic- Szene, illegale Drogen. In weit geringerem Maße als in der Techno- Szene werden synthetische Drogen konsumiert. Der häufige Konsum von "Speed" in der Wave- Szene der 80er gehört der Vergangenheit an. Heroin spielt ebenfalls so gut wie keine Rolle. Allenfalls Cannabis- Konsum wird vereinzelt toleriert, gehört aber keineswegs zum Gothic- Sein dazu. Die Hauptdrogen die konsumiert werden sind die legalen Drogen Tabak und Alkohol. Sehr beliebt sind vor allem, neben dem Volksgetränk Bier, Rotwein und Sekt. Rotwein wahrscheinlich wegen der Affinität zur Farbe des Blutes und Sekt, weil er als etwas edler gilt als andere alkoholische Getränke. Deutlich zu pathetisch sind meiner Meinung nach die Ausführungen Stöbers:

"Eine Jugendkultur, die dermaßen Wert auf das Individuum und seine Rechte legt, kann kaum eine Droge verherrlichen, die den Körper (und den Geist) letztendlich zerstört."71

Ich denke eher, dass die auffallende Zurückhaltung der Szene den Drogenkonsum betreffend, mit soziologischen Kriterien, wie etwa Bildungsniveau und gesellschaftlichem Status geklärt werden sollten. Eine Untersuchung, die ich an dieser Stelle nicht leisten kann.

3.3. Rechtsextremistisches und Völkisches

Im folgenden Abschnitt soll es nicht darum gehen, die Gothic- und Dark Wave- Szene an sich mit dem behandelten Thema zu identifizieren. Es geht darum, Gefahren und Tendenzen anzusprechen, die als gesamtgesellschaftliches Phänomen in praktisch allen modernen Industriegesellschaften spürbar sind und nicht nur in der Gothic- und Darkwave- Szene sichtbar werden. Allerdings wirkt es gerade in Deutschland äußerst bedrohlich, wenn wieder eine intellektuelle Rechte entsteht, die mit rationalen Argumenten kaum angreifbar ist, da sie sich auf "Mythen", "uralte Geheimnisse" oder die "alte germanische Naturreligion" beruft. Die Meinungsführer der Neuen Rechten, hier vor allem die Wochenzeitung "Junge Freiheit" und die NPD, haben eben gerade die Jugendkultur der Gothics und Darkwaver dazu auserkoren umarmt und Opfer ihrer Agitationsstrategie zu werden. Untersucht werden soll hier, ob diese Wahl rein zufällig ist. Außerdem ist es unerlässlich, die Traditionslinie darzustellen, die zu nationalsozialistischem Okkultismus führte. Da das Thema im Rahmen dieser Diplomarbeit nur sehr kurz dargestellt werden kann, gehen aber leider einige Zusammenhänge verloren, so können auch parallele Entwicklungen in anderen Ländern und bei anderen Subkulturen höchstens angetippt werden.
Wie in Abschnitt 3.2.4.3. beschrieben und in den folgenden Interviews nachzulesen, ist die heutige Gothic- Szene, wenn man sie in ihrer Gesamtheit sieht, an esoterischen und religiösen Themen äußerst interessiert. Aufgrund der starken Abneigung gegenüber den Amtskirchen (und meist auch den anderen großen Weltreligionen), ist eine starke Hinwendung zu, zumindest scheinbar, naturreligiösen Zirkeln festzustellen. Vergessen wird dabei (nicht nur von den Gothics - die Esoterikbewegung boomt schließlich nicht nur in der Jugendkultur), dass Esoterik (= Geheimwissenschaft), im Gegensatz zu Naturreligionen, grundsätzlich ein elitäres Selbstbwewußtsein pflegt. Man kann vier Hauptcharakteristika der Esoterik konstatieren,72 nämlich Rassismus, Führerkult, Karma- Lehre und den Glauben an geheime kosmische Gesetze. Leider kommt hinzu, dass weite Teile der organisierten Heidenszene Deutschlands mehr oder weniger eng mit dem "Armanen- Orden" zu tun haben, einer Organisation die sowohl personell als z. T. auch organisatorisch mit der politisch rechtsextremen Szene verknüpft ist.

3.3.1. Theosophie und Ariosophie

Die Theosophie war eine religiöse Erneuerungsbewegung, die hauptsächlich auf Grund der Schriften von Helena Petrowna ("Madame") Blavatsky (1831- 1891) entstand. Blavatsky, die haupsächlich in den USA lebte und in der Ukraine geboren war, wendete sich ursprünglich nur gegen

"die rationalistische und materialistische Kultur der modernen westlichen Zivilisation"

und begründete dieses mit Hilfe von Sekundärquellen

"der heidnischen Mythologie und der Mysterienkulte, des Gnostizismus, der ´Hermetica´, der Arkantradition der Renaissance, der Rosenkreuzer und anderer geheimer Bruderschaften."73

Anfangs sah sie das alte Ägypten als die Quelle aller Weisheit an. Dabei wurde sie offenbar hauptsächlich durch die okkulten Romane des spätromantischen englischen Schriftstellers (und Politikers) Sir Edward Bulwer- Lytton inspiriert. Später stützte sie sich mehr und mehr auf hinduistische Elemente und verfasste 1888 das Buch "Die Geheimlehre", welches angeblich ein Kommentar zu einem "Buch Dzyan" sein soll, das sie in einem Kloster im Himalaya gefunden haben will. Mit diesem Buch schafft sie es, die Theosophie systematischer zu gliedern.

"Charakteristisch für die theosophische Lehre sind vor allem zwei Grundthesen. Erstens: alle Religionen enthalten eine ´gemeinsame esoterische Essenz´. Zweitens: Darwins Evolutionsmodell ist auf die ´spirituelle Ebene´ anwendbar."74

Durch die "gemeinsame esoterische Essenz" wird es möglich, die verschiedenen Religionen willkürlich zu mischen und deren teilweise fundamental entgegengesetzten Grundaussagen zu ignorieren. Neuere pseudoreligiöse Erscheinungen, wie etwa der zu Blavatskys Lebzeiten beliebte Spiritismus, lassen sich ebenfalls ohne Probleme integrieren. Durch das "geheime Wissen" ist es außerdem möglich, eine hierarchische Strukturierung in mehr und weniger "Eingeweihte" zu schaffen und zu erhalten.75 Die zweite These bildet die Grundlage für die Entstehung der späteren ariosophischen Lehren. Blavatsky behauptet, dass die Menschheitsgeschichte viel älter sei, als die Geschichtsschreibung das annimmt. Sie geht davon aus, dass die Entwicklung des Kosmos in sieben zyklischen Abschnitten von Entstehen und Vergehen verläuft. In jedem Abschnitt gibt es wiederum eine "Wurzelrasse", die ebenfalls aufsteigt und verfällt. Die bestehende Menschheit ordnet sie der fünften Wurzelrasse zu,

"auf einem Planeten, der den vierten kosmischen Zyklus durchlief und dem der Prozeß des geistigen Fortschritts noch bevorstand. Die fünfte Wurzelrasse war die arische Rasse, die vorhergehende vierte waren die Atlantier, die größtenteils in einer Flut umgekommen waren, welche Atlantis zerstört hatte. (...) Die drei früheren Wurzelrassen der jetzigen Planetenrunde waren vormenschlich. Die erste war die astrale Wurzelrasse, welche in einem unsichtbaren, unzerstörbaren, heiligen Land lebte, die zweite die hyperboräische Rasse, die auf einem später versunkenen polaren Kontinent wohnte. Die dritte, die lemurische Wurzelrasse, lebte auf einem Kontinent im Indischen Ozean. Es ist möglich, daß deren Position am oder nahe des spirituellen Tiefpunkts des rassischen Entwicklungszyklus war, daß Blavatsky die Lemurier der Rassenmischung und dem daraus resultierenden Fall sowie des Zeugens einer Nachkommenschaft von Monstern beschuldigte."76

Die heutige Menschenrasse unterteilte sie wiederum in fünf "Unterrassen" und stellte an deren Spitze, als hochentwickeltste Rasse, die "Arier". Ein weiteres spezifisches Merkmal der Theosophie ist die Lehre von der Wiedergeburt. Die Reinkarnationslehre, auch bei der heutigen New- Age- Bewegung weit verbreitet, geht meist zusammen mit der sogenannten Karma- Lehre.

"Die Reinkarnations- und Karma- Lehre leugnet gesellschaftspolitische Ursache und Wirkungen im Leben von Menschen und fördert eine kritiklose, unpolitische Haltung, die von verantwortlichem Engagement nichts wissen will und von gesellschaftlichen Mißständen bis zu Krieg und Völkermord alles dem ´Karma´ zuschreibt. Daß dieser Kult der gesellschaftlichen Verantwortungslosigkeit selbst zu autoritären Strukturen neigt, zeigt das Phänomen der ´Gurus´, die auch ´Meister´ genannt werden und deren Machtstellung in der jeweiligen Jüngerschaft kein Kontrollorgan gegenübersteht."77

Der Wiener Guido (von) List (1848- 1919) gilt als der eigentliche Erfinder der Ariosophie. Er glaubte durch Reinkarnationserinnerungen, die er selbst als "Erberinnerung" bezeichnete, das Geheimnis der Runen und der Sprache entdeckt zu haben. Diese seherischen Fähigkeiten entwickelte er vor allem während einer Krankheit im Jahre 1902 (er erblindete nach einer Operation zeitweilig). Er war Anhänger der protestantischen und alldeutschen "Los- von- Rom- Bewegung" um Georg Ritter von Schönerer, was in der aktiven Mitgliedschaft im "Bund der Germanen" deutlich wurde. Die akademische Anerkennung seiner Erkenntnisse blieben ihm aus naheliegenden Gründen versagt, trotzdem schaffte er es, sie in der Öffentlichkeit zu verbreiten und mit der 1908 gegründeten "Guido- von- List- Gesellschaft" finanzstarke Förderer zu finden. Mitglieder seiner Gesellschaft waren neben, v.a. aus dem Adel und dem Großbürgertum kommenden, Einzelpersonen (unter ihnen Karl Lueger, christsozialer Bürgermeister von Wien), einige völkische Vereinigungen und die gesamte Wiener Theosophische Gesellschaft. Guido List beschrieb die angebliche Kultur, Gesellschaft und Religion der "Ario- Germanen". Er ging davon aus, dass die Gesellschaft der Germanen sich aus einem engen Kreis der Wissenden und einen weiten Kreis der Unwissenden zusammensetzte. Der Kreis der esoterisch Wissenden (der "Armanismus" oder die "Wihinei") sei monotheistisch gewesen, da sie erkannten, dass die Götter nur Personifikationen "des einen, großen unnennbaren Gottes" darstellten (hier greift er auf das theosophische Konzept der einheitlichen Esoterik der Religionen zurück). Der äussere Kreis des "Wuotanismus" hingegen, die Exoterik also, diente dem Volk, welches geistig nicht so hoch entwickelt gewesen sei. Die Sagen und Mythen der Germanen ordnet er dieser polytheistischen Religion zu. Die Aufgabe des "Wuotanismus" sah er vor allem in der Aufzucht einer "Edelrasse", welches die Hauptbeschäftigung des Adels sein sollte. Der Adel sollte über das normale Volk herrschen, welches nur dienende Aufgaben erfüllte. Die Begründung für diese Ordnung war wiederum die Karma- Lehre.
Adolf Josef Lanz (1874- 1954), der sich Jörg Lanz von Liebenfels nannte und wie List aus Österreich stammt, verlieh sich selbst, genau wie dieser, einen Adelstitel. Er war ursprünglich Zisterziensermönch und verliess aus nicht völlig zu klärenden Gründen 1899 den Orden. 1900 gründete er den Ordo Novi Templi (Neuer Templer- Orden oder O.N.T.). Schon als Mönch fiel er durch seine eigenwillige Bibelauslegung auf, mit der er auch seine Schrift "Theozoologie" begründete (1905). Er gründet die Zeitschrift Ostara, welche sich auf die Fahne geschrieben hatte, "die europäische Edelrasse durch Reinzucht vor dem Untergang zu bewahren". In dieser Zeitschrift ging es neben der Behandlung von wirtschaftlichen und politischen Themen der Habsburger Monarchie aus antiliberalistischer und alldeutscher Sicht um Themen wie rassische Somatologie, Anti- Feminismus und Anti- Parlamentarismus. Unter anderem zählten viele Mitglieder der Guido- von- List- Gesellschaft zu den Autoren. Aus der Bibel und anderen christlichen Traditionen las er heraus, dass Mitglieder einer göttlichen Hierarchie die Aufgabe gehabt hätten, Menschen künstlich zu züchten. Diese entstanden gottgleichen Menschen seien die Vorfahren der jetzigen "arischen Heldenrassen". Einige von diesen Menschen hätten aber das Gesetz der Reinzucht verletzt und sich mit Tieren vermischt. Aus dieser verbotenen Verbindung seien dann "Tiermenschen", Vorfahren der heutigen "niedrigen Rassen" entstanden. Lanz gab vor allem Frauen, denen er einen Hang zu Niederrassigem und Tierischem unterstellte, die Schuld an diesem Vergehen. In seinem Programm zur Schaffung einer Rassenaristokratie nahm er viele Maßnahmen des NS- Staates vorweg:

"Er forderte zum Beispiel für die ´Rassereinen´ die Wiedererrichtung der ursprünglichen Rassekultreligion, Prämien für ´Blondehen´, Sonderrechte für Blonde, Klöster für ´Zuchtmütter´, Reinzuchtkolonien, Vielweiberei für blonde Männer, ´Ehehelfer´ für zeugungsunfähige Männer, Erziehung zur ´Arioethik´ in den Schulen und Wohnsitze auf dem gesunden Land für die Blonden. Als Maßnahmen gegen die ´Tschandalen´ (Lists Ausdruck für die ´Minderrassigen´) empfahl er kinderlose Ehen, Propaganda von Verhütungsmitteln, Kastration, Sterilisation, Prostitution, Einstellung von Wohltätigkeiten, Sklaverei, Zwangsarbeit, Deportationen in die Wüste, Verwendung als ´Kanonenfutter´ im Ersten Weltkrieg."78

List und Lanz waren eng befreundet und die beiden waren jeweils Mitglieder in der Organisation des jeweils anderen. Die Ideen beider scheinen die Grundlage der Ideologie des heutigen Armanen- Ordens zu bilden. "Armanen" waren nach List der höchste Stand der "Ario- Germanen"; er sah sie als Mischung aus Gelehrten, Priestern, Richtern und Fürsten an, welche durch Beherrschung okkulter Kräfte und ihr "intuitives" Wissen absolut herrschten.

3.3.2. Der Armanen- Orden

Adolf Schleipfer gründete 1976 zusammen mit seiner damaligen Ehefrau Sigrun Hammerbacher, die sich inzwischen Sigrun Freifrau von Schlichting nennt, den Armanen-Orden. Schleipfer war zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre Leiter der Guido- von- List Gesellschaft. Die innere Struktur des Armanenordens besteht aus einem, der Freimaurerei entlehntem, Einweihungssystem. Die ersten drei "Goden"- Grade (Lehrling, Geselle und Meister) bilden die Volkspriesterschaft. Die höchsten sechs Grade sind die sogenannten Armanen- Ordens- Grade. Er stellt also ziemlich genau eine Organisation nach dem Geschmack Lists dar. Das Wissen zur Erlangung der Grade wird in Form von sogenannten "Leitbriefen" durch die Ordensleiter vermittelt. Viele andere Neuheidnischen Organisationen, die oft ebenfalls mit freimaurerischen Einweihungsgraden operieren, sind mit dem Armanenorden organisatorisch verbunden. Eine dieser Organisationen ist bspw. die "Artgemeinschaft", die der als Verteidiger von verschiedenen Neonazis bekannt gewordene Jürgen Rieger leitet. In der Zeitschrift des Armanen- Ordens "Irminsul" wurden u.a. ohne kritischen Kommentar die Schriften von Lanz abgedruckt.

"Die Beschäftigung mit den keltischen und germanischen Göttern bedeute eine Anknüpfung an deren altes Wissen, das die ´Armanen´ kritiklos aus den Schriften Guido von Lists beziehen, der als ´Seher´ und ´Erberinnerer´ verklärt wird. Die Wahl der jeweiligen Religion sei nicht der freien Entscheidung überlassen, sondern man stehe sozusagen unter dem Zwang, sich für eine ´artgemäße Religion´ zu entscheiden, weil bei der Verbindung mit einem ´fremden Gott´ innerliche Verformung drohe.
Als eine solche ´Fremdreligion´ wird vor allem das Christentum angesehen, das von den ´Armanen´ in plakativer Feindbildmanier beschimpft und für alle Defizite der Neuzeit verantwortlich gemacht wird.(...)
Auf eine genaue Rekonstruktion dessen, was keltisch- germanische Religion wirklich einmal gewesen sein mag, läßt man sich beim ´Armanen- Orden´ kaum ein, sondern folgt den phantastischen Theorien von Autoren, die bereits vor oder während des ´Dritten Reiches´ den ´Arier- Mythos´ mit ihren Ideen nährten. Neben Lanz von Liebenfels zählen dazu auch Guido von List sowie die SS- Mitglieder Richard Anders und Günther Kirchhoff, deren Deutungen selbst Himmler und dem ´Ahnenerbe´ zu versponnen waren.
So glauben die ´Armanen´, die erst im Mittelalter aufgezeichnete ´Edda´ reiche in Wahrheit vor die letzte Eiszeit zurück, und unsere Urahnen hätten bereits ´Scheiben mit überragenden Flugeigenschaften´ durch die Luft bewegt."79

Berücksichtigen muss man allerdings, dass der Armanen- Orden in der Öffentlichkeit nicht offen rassistisch auftritt. Im Gegenteil dementiert er grundsätzlich jede rassistische Tendenz und führt auch neue Mitglieder (und erst recht Satellitenorganisationen) nur langsam an die rassistischen Kernaussagen seiner "Lehre" heran. Leider sind selbst Gruppen, die sich von faschistischem Gedankengut etwas glaubwürdiger zu distanzieren suchen, nicht frei davon. So etwa die "Germanische Glaubensgemeinschaft" des Geza von Neményi, die sich vom Armanen- Orden getrennt hat. So schreibt er in der Zeitschrift "Germanen- Glaube":

"In der Natur ist es so geregelt, daß das Kranke und Schwache untergeht. Das mag für den christlich beeinflußten Menschen grausam klingen, aber es ist im Interesse der Arterhaltung dringend notwendig. Würde sich das Schwache weiter fortpflanzen, würde die ganze Art immer schwächer und dekadenter."80

Außerdem sieht er bspw. Homosexualität als "unnatürlich" an. Es zeigt sich auf jeden Fall, dass er weiter in den benannten Denkmustern der Theosophie bzw. Ariosophie gefangen bleibt. Festgestellt werden muss, dass neuheidnische, sich auf naturreligiöse Religionen (wie etwa Asatrú) berufende Gruppen nur dann nicht zur rechtsextremistischen Szene zugehörig gelten können, wenn sie sich eindeutig von der Theosophie und Ariosophie distanzieren.81

3.3.3. Wicca

"Wicca" dürfte momentan die beliebteste Strömung der Heidenszene sein. Sie vertritt nach aussen hin

"eine scheinbar emanzipatorisch- demokratische Lehre mit besonders betonter Patriarchats- und Naturzerstörungskritik sowie dem Anspruch, eine alte, europäische, heidnische Religion zu sein. In der Tat wird hier und da die These vertreten, Wicca sei die alte Götinnen- Religion. Weiterhin behauptet Wicca von sich, die Verkörperung eines alten europäischen Hexenkultes zu sein."82

Da Wicca sich hauptsächlich auf eine keltische Traditionslinie beruft, wurde sie, im Gegensatz zu den Gruppen mit germanischen Traditionslinien, nie besonders angefeindet. Durch diese (scheinbare) Unverdächtigkeit kommt es sogar dazu, dass eine scheinbar politisch korrektere Beschäftigung mit germanischen Gottheiten unter dem Label "Northern Wicca" einsetzte. Vergessen wird völlig, dass die Beschäftigung mit dem Keltentum in Frankreich aus ähnlichen Motiven und zur gleichen Zeit (Anfang des 20. Jahrhunderts), wie die "Erforschung" des Germanentums in Deutschland eingesetzt hatte und in ähnlich rassistische Theorien ausuferte.
Wicca ist die Erfindung von Gerald Gardner und beruht auf der These: "Alle Göttinnen sind eine Göttin, alle Götter sind ein Gott". Die beiden Götter manifestieren sich in dem Kult "der großen Göttin und ihres gehörnten Gefährten". Ausgegangen wird davon, dass das der Kern einer Urreligion sei, die alle Völker ursprünglich verband. Abgesehen davon, dass das sämtlichen anthropologischen Erkenntnissen über Religionen der sogenannten "Wildbeuterkulturen" widerspricht (die allesamt ein polytheistisches Weltbild haben), wird hierin deutlich, dass auch Wicca in diesem Punkt die ahistorische Betrachtungsweise der Theosophie übernommen hat. Betrachtet man die keltische Religion historisch, so wird man ebenfalls feststellen:

"daß sich die überaus zahlreichen Wesenheiten der keltischen Mythologie keineswegs auf eigentlich zwei reduzieren lassen."83

Auch bei der organisierten Wicca gibt es Initiationsriten und damit verbundene Geheimnisse, die es schwierig machen, die Kernpunkte der Glaubensinhalte dieser "Religion" zu erkennen, da nur die Führungsspitze der Wicca diese kennt. Mit diesen Initiationsriten werden natürlich auch Herrschaftsansprüche gesichert. Unhistorisch setzt sich die Wicca auch mit den Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit auseinander. Sie behauptet einfach, die ja eigentlich völlig unschuldig gefolterten und ermordeten Frauen (weniger die Männer), seien Anhänger einer Wicca entsprechenden Glaubensrichtung gewesen. Abgesehen davon, dass man so den christlichen Verfolgern damit ja auch noch nachträglich eine Art Rechtfertigung für ihr Vorgehen gibt, ist diese Behauptung schon deshalb abstrus, da es Wicca damals eben noch gar nicht gegeben haben kann. Allerdings kann auch festgestellt werden, dass viele Anhänger der Wicca durchaus ein demokratisches, ökologisch- fortschrittliches und feministisches Weltbild haben. Es gilt für diese, die hierarchischen Strukturen der Wicca zu verändern und Wicca frei von theosophischem Okkultismus zu machen. Erst dann könnte sie wirklich als menschenfreundliche (und nicht rassistische84 und gesellschaftliche Machtverhältnisse zementierende) Religion gelten. Um eine wirkliche Naturreligion zu werden, müsste sie allerdings auch ihr Götterbild fallenlassen.

3.3.4. Gothics und die Neue Rechte

Die von Gothics so geliebte Beschäftigung mit allem, was nach Mystik, Okkultismus und Kirchenkritik klingt, bietet leider auch ein Einfalltor für die oben beschriebenen rassistischen und menschenverachtenden Theorien. Spätestens nachdem ungefähr Mitte der 80er Jahre Gerüchte über das Weltbild der Band DEATH IN JUNE auftauchten, war es vorbei mit der heilen Welt des Gothic und das Problem wurde offensichtlich. Teilweise geriet die Szene insgesamt ins Visier von einigen autonomen antifaschistischen Aktivisten, was nicht unbedingt für die aufklärerische Qualität dieser Art der "antifaschistischen Arbeit" spricht.85 Mittlerweile haben sich die Vorwürfe jedoch versachlicht, nicht zuletzt durch (leider noch alles andere als übliche) antifaschistische Arbeit von Menschen aus der Gothic- Kultur selbst. Doch was hat es nun mit dem rechten Rand der Szene auf sich?
Am Anfang scheint, wie schon mehrfach erwähnt, die Neo- Folk Band DEATH IN JUNE zu stehen. Der Name der Band, die 1980 von Douglas Pearce, Patrick Leagas (O´Kill) und Tony Wakeford gegründet wurde, steht für den Todesmonat des SA- Führers Ernst Röhm. Douglas Pearce, der mittlerweile das einzige verbliebene Mitglied von DEATH IN JUNE ist und in Australien lebt, erklärte dazu 1992:

"Auf der Suche nach einer zukünftigen politischen Perspektive stolperten wir über den nationalistischen Bolschewismus, der sich wie ein Leitfaden durch die Hierarchie der SA zog. Leute wie Gregor Strasser und Ernst Röhm (...) fielen uns auf. (....) Man kann sich fragen, ob Röhm im Falle eines Sieges über Hitler den 2. Weltkrieg verhindert hätte."86

Völlig totgeschwiegen wird von Pearce, der angeblich einst Geschichte studiert hat, dass der nationale Sozialismus der NSDAP, mit seiner Unterscheidung von "schaffenden und raffenden Kapital", unter zweiterem wurde das jüdische Kapital verstanden, nur wenig bis gar nichts mit marxistischem Sozialismus zu tun hat. Außerdem entbehrt die Theorie von Röhm als theoretischen Friedensstifter jegliche historische Grundlage und dürfte vergleichbar mit der langjährigen Hess- Verehrung der deutschen Neonazi- Szene sein. Denkbar wäre es auch, dass der homosexuelle Uniformfetischist Pearce (das ist nicht abwertend gemeint, sondern beschreibt nur Tatsachen) in Röhms SA, der ja nachgesagt wurde, viele Homosexuelle als Mitglieder zu haben, eventuell eigene erotische Fantasien verwirklicht sieht.87 Das Symbol von DEATH IN JUNE besteht aus dem leicht veränderten Totenkopf der SS. Pearce betont zwar immer wieder, dass er ursprünglich mal in einer trotzkistischen Punk- Band gespielt hat und dadurch gar kein Faschist sein könne; in seinen Statements und seiner Kunst gibt es jedoch immer wieder Hinweise an dieser Eigenbeurteilung zweifeln zu müssen. Allerdings ist DEATH IN JUNE natürlich keine primitive Skinhead- Band, deren Texte man eindeutig beurteilen könnte (und so tölpelhaft, sich offen rassistisch zu äußern, ist ja nicht einmal der Armanen- Orden). Auffällig ist aber eine ständige Beschäftigung mit, bestenfalls, germanentümelnder Symbolik, wie beispielsweise der von der SS- benutzten Runenzeichen und anderen, ebenfalls vom Nationalsozialismus her, bekannten "Kunstwerken". Hinweise auf zumindest kritisch zu beurteilende Inhalte ihrer Platten bzw. CDs gibt es zuhauf, ich möchte nur einige wenige nennen: auf der LP- Brown Book, wiederveröffentlicht als CD namens "The Cathedral of Tears", ist das Lied "Brown Book" enthalten. In diesem Lied singt ein Sänger (wahrscheinlich Ian Read) das, in Deutschland verbotene, Horst- Wessel- Lied in Deutsch, wenn auch mit starkem britischen Akzent. In dem Lied sind auch noch andere Samples enthalten, wie etwa der Text einer jüdischen Großmutter, die ihrem HJ- Begeisterten Enkel ein Gleichnis erzählt (entnommen aus dem antifaschistischen Nachkriegsfilm "Die Welt in jenem Sommer"). In einem anderen Sample hört man einen Nazi, der über die homosexuellen Neigungen von SS und SA spekuliert (ebenfalls aus "Die Welt in jenem Sommer"). Pearce selbst fasst dieses Lied als bewusste Provokation auf, wen und vor allem warum er damit provozieren will, bleibt selbst nach dem Lesen seiner Stellungnahmen zu dem Lied schleierhaft.88 Das einzige was deutlich wird ist, dass er wieder einmal mit nationalsozialistischen Motiven gearbeitet hat. Andere, willkürlich herausgegriffene Liedtitel, die anscheinend nicht provokativ gemeint sind, da nach Pearces Eigenaussage "Brown Book" sein einziges Lied war mit dem er "vorsätzlich provozierte" sind "Rose Clouds of Holocaust", "Burn Again", "Omen- filled Season", "Symbols of the Sun", "Rule Again", "Blood Victory" und "Red Dog - Black Dog". Da hier wirklich nicht der Raum ist, eine Analyse jedes einzelnen Liedes zu leisten und man sich anscheinend selbst dann nicht immer zu einer eindeutigen Aussage über die politische Haltung von Pearce durchringen kann (wie z.B. die Pearce und andere Künstler, man möchte manchmal vermuten, gegen besseres Wissen, verzweifelt verteidigende Stöber zeigt) überlasse ich es dem Leser die Symbolkraft dieser Liedtitel zu deuten. Einige Hinweise auf die politische Gesinnung Pearces geben aber vielleicht die Spende der Erlöse der DEATH IN JUNE Platte "Something Is Coming - Live And Studio Recordings From Croatia" von 1993 an ein Militärkrankenhaus der oft als faschistisch bezeichneten, nationalistischen kroatischen HOS- Miliz. Pearce verweigerte sowohl beim "Dark X- Mas"- Festival 1992 in Hamburg die Unterschrift unter eine sich von Neonazis und Faschisten distanzierende Petition (Anlass waren damals die Pogrome von Hoyerswerda), wie auch beim 1994 stattfindenden "Festival Of Darkness". Außerdem äußerte er in dieser Zeit Verständnis für die pogromartige Stimmung in den neuen Bundesländern (wahrscheinlich bezogen auf Rostock- Lichtenhagen):

"Hast du jemals Tür an Tür mit Zigeunern gelebt? Ich kann denn Groll, der in Ostdeutschland zum Vorschein kommt, verstehen ... ."89

Der einzige ehemalige Musiker von DEATH IN JUNE, der sich anscheinend mittlerweile grundlegender von Pearces Einstellungen abgewandt hat, ist Patrick O´Kill (jetzt SIXTH COMM und MOTHER DESTRUCTION), der eingesteht,

"dass das, was mal als Provokation in den ´linken 80ern´ gedacht war in etwas tatsächlich Negatives umgeschlagen ist. Seine ´menschenverachtende Phase´ sei Vergangenheit."90

Das dritte ehemalige Gründungsmitglieder von DEATH IN JUNE, Tony Wakeford (heute SOL INVICTUS und L´ORCHESTRE NOIR), vertritt offensichtlich eine magische, kulturpessimistische und sozialdarwinistische Denkweise, die aus der Theosophie nur allzu bekannt ist. Er titelte eine seiner Platten nach einem Buchtitel des faschistischen italienischen Philosophen Julius Evola (1898- 1974): "Against the Modern World". Er sagt allerdings, dass er das tat, ohne wirklich etwas über Evola zu wissen:

"´Wider die moderne Welt´- das hat damals genau auf den Punkt gebracht, wie ich mich gefühlt habe, aber eher in einem allgemein heidnischen als politischen Sinn".

Er äußert sich in dem selben Interview aus dem Jahr 1991 (über Aleister Crowley und Widersprüche zwischen Crowleys Lehre und "Nordischer Tradition"):

"Er war ein echter Individualist, mit einem gesunden Ekel vor jeglicher Vermassung. Leider scheinen die meisten Leute, die ihm auf den Pfaden von Thelema (übersetzt: ´Willen´; Kurzform von Crowleys wichtigstem Gesetz: ´Tu was du willst´ O.Z.) folgen, genau die Sorte schwacher, liberalistischer Narren zu sein, auf die Crowley voller Abscheu gespuckt hätte. Aber man kann nicht ihn verantwortlich machen für die Sklavengeister, die seinen Namen mißbrauchen. Die Runen und ihre Tradition scheinen mir das stärkste aller magischen Systeme, mit denen ich gearbeitet habe, in ihm fühle ich mich am meisten verwurzelt. Wahrscheinlich, weil ich glaube, daß sie ein Teil meiner Vergangenheit sind... (...) Wesentlich scheint mir die Erkenntnis von der natürlichen Ordnung der Dinge. Auf der Welt wird einem nichts geschenkt und die Starken werden immer über die Schwachen hinwegschreiten, ohne sich darum zu kümmern, für wie unfair wir dies vielleicht halten."

Im weiteren Verlauf des Interviews benutzt er zwar das Wort "Rasse", ohne diesen Begriff auch nur andeutungsweise zu problematisieren. Er bestreitet aber, wenn auch mit etwas eigenwilligen Argumenten, Rassist zu sein:

"Zum Begriff ´Rasse´ will ich nur sagen, daß ich nicht glaube, daß irgendeine Rasse einer anderen überlegen ist. Um mich herum gibt es zuviel weißen Abschaum, als daß mir dergleichen wahrscheinlich vorkommen könnte... Jede Rasse bringt einige Kreative und Massen von Kretins hervor."

Zum Thema Politik äußert er folgendes:

"Für Politik interessiere ich mich nicht mehr, sei es nun ´linke´ oder ´rechte´; vielmehr glaube ich, daß alle politischen Dogmen und Parteien nichts als reine Zeitverschwendung bedeuten. Die einzige Hoffnung liegt wahrscheinlich im selbstbewußten Zurückweisen der Massenkultur und ihrer Massenideale. Ich glaube jedes Individuum hat das Recht zu leben, zu denken und zu sagen wie und was es will. Wohl kaum eine Ansicht, mit der sich Kommunisten oder Faschisten anfreunden könnten!"91

Wohl aber die Neue Rechte, deren Elitedenken und Antidemokratismus sich deutlich mit den Ansichten Wakefords trifft. Im Umfeld der oben vorgestellten Künstler sammelten sich auch andere Musiker mit ähnlichem Gedankengut, die sich jeweils häufig als Gastmusiker gegenseitig unterstützen. Die meisten davon sind ebenfalls Vertreter des Neo- Folk. Dazu zählen die Bands (die eigenlich fast alle nur Soloprojekte jeweils eines Musikers sind) FIRE & ICE (Ian Read), BLOOD AXIS (Michael Jenkins Moynihan), RADIO WEREWOLF (Nikolaus Schreck92), der Sänger Boyd Rice (NON), SORROW (Wendy van Dusen, ehemals STRAWBERRY SWITCHBLADE) und neuerdings auch die österreichischen Bands THE MOON LAY HIDDEN BENEATH A CLOUD sowie DER BLUTHARSCH (beide Albin Julius).
Boyd Rice begann als Vertreter des Industrial. Damals wollte er normale Hörgewohnheiten brechen und die Zuhörer am Produktionsprozeß selbst beteiligen. So war seine Platte "Pagan Music" mit verschiedenen Löchern versehen, um so diszentrisches Abspielen zu ermöglichen. Außerdem erhielt sie den Hinweis "playable at any speed". Seine Live- Performances waren reine Lärmorgien. Damit vertrat er damals ein ähnliches Konzept, wie die EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN und andere Bands. Geändert hat sich sein musikalisches Konzept mit der CD "In the Shadow of the Sword" (1989). Sie beginnt mit dem Lied "Total War":

"Do you want/ Total war/ Turn man into/ Beast once more/ Do you want/ To rise and kill/ To show the world/ An iron will"93

Die Frage wird am Ende mit "ja" beantwortet, was nicht überrascht wenn man die theosophische, sich in den Schwanz beißende Schlange, welche das Cover ziert, mit der Aussage des Liedes verbindet. Auch die anderen Lieder der CD lassen nur eine Interpretation zu: Die Welt muss zerstört werden, um eine neue aufzurichten. Mit dem Lied "A World on Fire" wird diese Aussage noch deutlicher:

"`In meinem Traum sehe ich eine Welt befreit von der Last der Falschheit. Ich sehe eine Welt wiedergeboren in Perfektion. Ich sehe die Herrschaft der Reinheit. Und wie kann dieser Traum wahr werden?` Rice weiß die Antwort: Großes und schreckliches Leiden sowie Zerstörung seien notwendig, die Wiederkehr der Kämpfe um Land, Nahrung und Wasser, eine Rückkehr zur Barbarei. In seinem Traum sieht er die Plätze der Städte erhellt durch die brennenden Leichname gekreuzigter Christen.(...) Die hinter ihr (seiner Musik O.Z.) stehende Ideologie ist eine Mischung aus Sozialdarwinismus und Feindschaft auf das Christentum."94

Seit 1993 erscheint in Dresden das Fanzine "Sigill. Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas", welches auch in diversen Plattenläden, besonders in solchen mit Schwerpunkt auf der Gothic- und Darkwave- Szene verkauft wird. In diesem Magazin sind neben vielen Plattenkritiken von Neo- Folk- und Industrial- CDs und Interviews mit den entsprechenden Bands, Beiträge mit den Schwerpunkten neues Heidentum und Neue Rechte zu lesen. Kurze Zeit später (ungefähr 1995) gründet sich in Berlin, das inzwischen wieder eingestellte Fanzine "Europakreuz" (ihre Aktivitäten verlegen die ehemaligen Macher nun auf das Internet), welches in Berliner Gothic- Clubs auslag und das auch einen Mailorder- Katalog beinhaltete, in dem faschistische und heidnische (ariosophische) Literatur angeboten wurde. Beide Fanzines versuchen (bzw. versuchten) über Interviews, Plattenkritiken und Berichten über Heidentum , natürlich nur über das in ihrem Sinne praktizierte, die Gothic- Szenen zu umarmen und ihrer rechtsextremistischen Szene anzugliedern. In der Szene wurde das Anfangs als die Spinnerei Einzelner abgetan und nicht weiter beachtet.95 Eine andere Qualität bekamen diese Vorfälle jedoch als die "Junge Freiheit", das Zentralorgan der Neuen Rechten, im "Zillo", dem damals größten Szene- Magazin, im Februar 1996 Werbung schaltete. Dank der Proteste des Hamburger Labels "Strange Ways" wurde bekannt, dass der ständige Redakteur der "Jungen Freiheit" Peter Boßdorf, auch seit einiger Zeit im "Zillo" Artikel veröffentlichte. Boßdorf war bis 1989 stellvertretender Vorsitzender des "Ostpolitischen Deutschen Studentenverbandes" (mittlerweile "Gesamtdeutscher Studentenverband). 1985 ist er Mitglied des "Witikobundes", einer ultrarechten Gruppierung in der, auch nicht gerade für Linksradikalismus bekannten "Sudetendeutschen Landsmannschaft". Seit 1992 ist er außerdem Mitarbeiter des "Thule- Seminars", veröffentlichte in "Nation und Europa" und engagierte sich kommunalpolitisch für die Republikaner.96 Zur gleichen Zeit schaltet auch das "Europakreuz" Werbung im damaligen Berliner Veranstaltungskalender für die Gothic- Szene "Black Book". Erst nach Leser- Protesten entschloss sich die Redaktion, diese Anzeigen nicht mehr abzudrucken. Die Reaktion des "Zillo" dauerte etwas. Nach einer längerer Zeit des Schweigens und sich häufenden Protestbriefen (sowie von Drohungen mehrererer Plattenlabels, keine Werbung mehr zu schalten), trennte sich die "Zillo"- Redaktion aber letztendlich (im Frühjahr 1997) von Boßdorf. Alle diese Aktivitäten können nur als abgesprochene Aktionen der Neuen Rechten gewertet werden, um ihre Position in der Gothic- und Darkwave- Kultur zu stärken. Erklärbar wird dieser Versuch, wenn man weiss, dass die Rechte vorher damit scheiterte, die Techno- Kultur zu unterwandern. So schrieb Roland Bubik, langjähriger "Junge Freiheit" (JF)- Redakteur, 1993 unter der Überschrift "Die Kultur als Machtfrage", dass er in dieser Popmusik Anknüpfungspunkte für eine "Revolte gegen die moderne Welt" sieht:

"...die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze hierfür. (...) Ein merkwürdiges Bewußtsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent, vom ´age of destruction´ ist die Rede, die Parties der Tekkno- Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche. Man (...) mißtraut der Erklärbarkeit der Welt, wendet sich sogar rückwärts, etwa in Form der verschiedenen Independent Szenen."97

Aus Bubiks anfänglicher Begeisterung für Techno ("Stahlgewitter als Freizeitspaß"), wurde bald Enttäuschung ("seelische Vergewaltigung durch Beat- Computer und Masse"). Welche Mechanismen und Einstellungen dazu führten, dass die Vereinnahmung der Techno- Kultur für die Neue Rechte als (zumindest vorerst) gescheitert erklärt werden kann, müsste an anderer Stelle untersucht werden. Das hält allerdings JF- Autoren wie Jürgen Hatzenbichler (Mitglied der FPÖ) weiter nicht davon ab, so abstruse Fragen zu stellen wie: "Ernst Jünger: der erste deutsche Raver?"98 Bubik indessen entdeckte die Gothic- Szene als neues Schlachtfeld für den Kulturkampf der JF. Im Jahr 1996 veröffentlicht er eine Reportage über die Verleihung des "Zillo"- Preisen an Tilo Wolff (LACRIMOSA):

"Deutschland ist das Zentrum einer Musikkultur geworden, die ihre Wurzeln im antimodernistischen Gestus der ´Gothic-´ (gemeinhin auch Gruft-) Szene besitzt. (...) Dieses Gemisch birgt eine Sprengkraft, vor der sich alteingesessene Sittenwächter des Musik- Mainstreams in Acht nehmen müssen. Wenn das Mystische und Irrationale, der Wunsch nach anti- aufklärerischer Innenschau und gelebter Transzendenz ihre Stimme in der Jugendkultur finden, ist der ästhetische Konsens des Westens durchbrochen. Wenn die Bezugspunkte Mittelalter und deutsche Geisteskultur darstellen statt ´Love and Peace´, wenn die Seele gegen den Intellekt ins Feld geführt wir - dann schneidet sich ein Keil in das Establishment oberflächlicher Beliebigkeit."99

Durch diese nur sehr oberflächliche Betrachtung der Gothic- Szene wird der Ansatzpunkt deutlich, an dem Bubik den Hebel zur Aushebelung der "linken" subkulturellen Traditionen der Gothic- Szene ansetzen will: Mystik und Irrationalismus. Lächerlich, aber in NS- Tradition, ist natürlich die Darstellung "deutscher Geisteskultur" als "Kampfes der Seele gegen den Intellekt". Bubik zählt anscheinend nur die Romantik zur "deutschen Geisteskultur" - und selbst bei Betrachtung dieser kulturellen Epoche wäre sein Bild deutlich zu eindimensional (die von ihm so abschätzig beurteilten Werte "Love and Peace" haben bspw. auch deutlich ihre Wurzeln in der Romantik). Obwohl dieser Kulturkampf seitens der JF und neuerdings auch einigen NPD nahen Publikationen recht offen geführt wird (auch im Internet hat sich eine vermutlich von der NPD gesteuerte Gruppe "Gothics für Meinungsfreiheit"¹ gegründet), gilt es in der Szene immer noch umstritten, dass es Unterwanderungsversuche gibt. Auch ein offener Brief der ehemaligen JF- Redakteurin und Mitherausgeberin des Fanzines "Scharlach" bzw. "Scarlet" Gerlinde Gronow an den (inzwischen verstorbenen) Chefredakteur von "Zillo", konnte daran nichts ändern:

"Derlei ist bewährte Taktik der jungen Freiheit: Potentielle Bündnispartner werden dezidiert umarmt (in Wirklichkeit ist es eine Umklammerung), um sie gesellschaftlich und kulturell zu isolieren. Kritiker werden generell als ´Lügner´, ´PC- Kommissare´, ´Meinungswächter´ (O- Ton junge Freiheit) abgetan, bis ihr selbst glaubt, die Junge Freiheit ist die einzige, die es gut mit Euch meint.
Mit jedem gutgemeinten Leserbrief, der Toleranz und Meinungsfreiheit einklagt, begebt Ihr Euch, obwohl Ihr es ehrlich meint, immer tiefer in das Fahrwasser der Jungen Freiheit. Der Jungen Freiheit geht es nicht um diese Werte - sie hat ganz andere politische und kulturelle Ziele. Eines davon ist die ´Erringung der kulturellen Hegemonie´. Was man sich darunter vorzustellen hat, beschreibt Roland Bubik unumwunden in seinen Programmschriften: man müsse unpolitische Szenen unter dem Deckmantel der Kultur unterwandern, ohne sich als Rechter zu erkennen zu geben, um Schlüsselpositionen in der Ku(l)turlandschaft zu erringen. Erst dann ist Zeit, sich an die Umsetzung der politischen Ziele zu machen. Anstatt Euch auf Scheingefechte über Meinungsfreiheit und Toleranz einzulassen, solltet iht Euch klar machen, was eine reaktionäre Kulturpolitik für zum Beispiel eine Subkultur, wie es die Wave- Szene ist, bedeuten würde. (...) Für die Junge Freiheit seid Ihr nichts anderes als nützliche Spinner auf dem Weg zur Macht.
Als ich dies begriffen hatte, habe ich meine Mitarbeit bei der Jungen Freiheit eingestellt. Nun sehe ich, daß sich meine persönliche Geschichte in größeren Dimensionen zu wiederholen droht. Ich kenne noch die kleinen Anfangstage des Zillo, stamme selbst aus der Wave- Szene - Stichwort Death In June, So(l) Invictus, NON. Dadurch wurde ich auf Autoren wie Evola, D`Annunzio, Ernst Jünger aufmerksam. Obwohl ich mich diesen Bands und Schriftstellern ursprünglich kritisch näherte, wurde ich nach und nach durch die unleugbare Faszination, die von dieser Welt ausgeht, ästhetisch so gleichgeschaltet, daß mir der Schritt zur Jungen Freiheit irgendwann als ganz natürliche Konsequenz erschien. Mein ´Einstiegshelfer´ war übrigens Roland Bubik. In dem etwas über einem Jahr (1994- 1995), das ich für die Junge Freiheit schrieb, war ich seine engste Mitarbeiterin.
Schon damals hatte Roland Bubik große Pläne für die Wave- Szene, die durch ihre romantische und ästhetizistische Haltung besonders leicht zu beeinflussen wäre (ob sie das ist, wird sich nun herausstellen)."100

Auf jeden Fall fällt auf, wie häufig die JF in den letzten Jahren Wave- und Gothic- Musik, natürlich vor allem die ihr politisch nahestehenden Bands (positiv) rezensieren. Auch im Privatleben hat Bubik Kontakt zur Gothic- Szene. Seine jetzige oder ehemalige Lebensgefährtin Simone Satzger (Felicia), ist Sängerin der Band IMPRESSIONS OF WINTER und veröffentlichte auch in Bubiks Buch "Wir 89er".101
Ebenfalls 1996 greift zum erstenmal ein rechtsextremistischer Verlag in die Musikproduktion der Gothic- Szene ein (wenn man das unbedeutende Projekt des "Europakreuz"- Herausgebers Marco E. Thiel nicht berücksichtigt, der auf seinem Label "Abyss Recordings Europe" ebenfalls Musik verlegte). Unter dem Namen "Heliocentric Distribution" wird ein Musiklabel des Bingener Verlages "Verlag & Agentur Werner Symanek" (VAWS) gegründet. Dort erscheint eine Doppel CD zu Ehren der Filmregisseurin Leni Riefenstahl, die aufgrund ihrer Filme über NSDAP- Reichsparteitage (Sieg des Glaubens (1933) und Triumph des Willens (1934)) und über die Olympiade 1936 (Fest der Völker, Fest der Schönheit) im Dritten Reich Berühmtheit erlangt hat. Warum ausgerechnet Riefenstahl ausgesucht wurde, um dieses erste eindeutig rechtsextremistische Projekt in der Gothic- Szene zu verwirklichen ist unklar. Es könnte mit der Ästhetik der Riefenstahlfilme zu tun haben oder mit ihrem mystischen Erstlingsfilm "Das blaue Licht"; möglicherweise hat man aber auch einfach nach einer Person gesucht, die nahe genug am Nationalsozialismus dran war, um sie mit ihm zu identifizieren und doch auch weit genug von ihm weg, um auf eventuelle Kritik mit dem Totschlagargument der "eingeschränkten künstlerischen Freiheit" argumentieren zu können. VAWS verlegt neben CDs rechtsextreme Bücher, so z. B. Schriften von Jürgen Rieger, kriegsverherrlichende Literatur über den "Wüstenfuchs Rommel" und Propagandaschriften gegen die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht". Außerdem werden von ihm seit 1969 die "Unabhängigen Nachrichten" des "Unabhängigen Freundeskreises" verlegt.

"Gegen die ´Unabhängigen Nachrichten´ laufen seit Jahrzehnten immer wieder Verfahren wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhaß. Mitglieder des Freundeskreises wurden 1994 wegen terroristischen Straftaten (z.B. Bombenattentate auf AntifaschistInnen) verurteilt. Symanek arbeitet auch mit dem rechten Arun- Verlag zusammen, der Bücher aus dem rechten und extrem rechten Spektrum zu ´Großdeutschland´, sowie heidnisch- esoterische Bücher verlegt."102

Auf dem Riefenstahl- Sampler sind u.a. die Bands FORTHCOMING FIRE (D), STRENGTH THROUGH JOY (IRL), DEATH IN JUNE (GB/AUS), ALLERSEELEN (AUT), SWIRLING SWASTIKAS (IT), ANDROMEDA COMPLEX (IT), TURBUND STURMWERK (D), VOXUS IMP. (D), VON THRONSTAHL (D), NORTHWENDE, RÜCKGRAT, PREUSSAK (D), LADY DOMINO, PROJEKT BLAULAND und TOMBSTONE vertreten. Das Elektro Projekt PP?, das ebenfalls auf dem Sampler vertreten ist, distanzierte sich später. 1998 erschien die Nachfolge- CD - diesmal zu Ehren des Nazi- Bildhauers Josef Thorak. Auf ihr waren u.a., neben auch schon auf dem ersten Sampler vertretenen Musikgruppen, STALINGRAD (IT produziert von Angeo Bergamini von KIRLIAN CAMERA) und EGOAEDES (Musikprojekt des "Europakreuz"- Herausgebers Marco E. Thiel) vertreten. Das japanische Duo JACK OR JIVE, welches ebenfalls ein Lied beisteuerte, zeigte sich nach Erscheinen der CD entsetzt über das politisch- musikalische Umfeld, in das sie aus Ahnungslosigkeit geraten waren.103 Von VAWS vertrieben werden außerdem die Bands WALDTEUFEL (USA), MJÖLNIR TONKUNST (D) und UNTERNEHMEN DREIZACK (D). Zusammengestellt hat die beiden Sampler Jay Kay (Josef Klumb), der Frontmann von FORTHCOMING FIRE. Er ist Mitarbeiter des VAWS und anscheinend befreundet mit dem Ufo- Esoteriker und Antisemiten Jan van Helsing (Jan Udo Holey), dessen Machwerk "Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert" wegen Volksverhetzung verboten wurde und den er auf seinen Plattencovern grüßt. Aufgrund einiger wirrer und rechtsextremistischer Stellungnahmen in Interviews, u.a. zum Thema Illuminaten

"Es ist die Hochfinanz, es sind die Kräfte, welche hinter ihren Marionetten die Welt bewegen (...) Das Gesicht dieses kommenden Regimes drückt sich aus durch die UNO, NATO, Weltbank, Zionismus..."104

verweigerte ihm FORTHCOMING FIREs ehemaliges Label "Hyperium" bzw. "Hypnobeats" eine Vertragsverlängerung. Der 8. Mai 1945 war für ihn

"...trotz allem eine Eroberung, eine Unterwerfung und eine Unterdrückung des Geistes, die bis heute anhält und mir sogar mein Bewußtsein noch streitig machen möchte."105

Es spricht für sich, für wen er nicht spricht:

"Man muß ein für alle mal erkennen, daß, wenn ich für Deutschland rede, ich nicht für circa 50 Millionen geistige Totgeburten spreche, (...), sondern daß die ´Volksseele´, die bis ins Heute so brutal vergewaltigt wurde, daß ich für dieses Heiligtum (...) den Kern und das Zentrum des Begriffes Deutschland eben verteidigen werde...(...)"106

Klumb ist auf den beiden besprochenen Samplern auch mit seinen Projekten PREUSSAK und VON THRONSTAHL vertreten. Mit einem anderen Projekt, nämlich WEISSGLUT, gelang es ihm tatsächlich einen Plattenvertrag bei "Epic", einem Unterlabel von "Sony- Music" zu bekommen, welcher beste Karriereaussichten im Musikgeschäft eröffnet hätte. Im Januar 1999 trennte sich WEISSGLUT jedoch von Klumb, wahrscheinlich auf Druck von Epic. Eine Rolle dürfte dabei sicherlich spielen, dass im Dezember 98 eine Verleumdungsklage von Klumb gegen den "Spiegel", der ihn in der Ausgabe 44/98 als "Nazi" tituliert hatte, von Klumb zurückgezogen werden musste. Inzwischen musizierte er auch mit dem verurteilten Thüringer "Sondershausener Satansmörder" Hendrik Möbus und dessen Metal- Band ABSURD, bevor Möbus sich aufgrund einer erneuten Verurteilung, diesmal wegen "Verunglimpfung eines Toten", ins Ausland absetzte. Möbus hatte seinen Mord an einem jüngeren Mitschüler in Moynihans Buch "Lords of Chaos" mit den folgenden Worten kommentiert:

"Wenn aber das NS- Recht wirklich auf uns angewordet wäre, hätte man uns für die Vernichtung eines Volksschädlings nicht gestraft, sondern gelobt."107

Zum Abschluss dieses Kapitels sollen hier noch einige andere Ansichten von weiteren Personen aus diesem rechten Spektrum der Dark- Wave- und Gothic- Szene vorgestellt werden. An erster Stelle soll der eben als Buchautor genannte Michael Moynihan (BLOOD AXIS (USA)) stehen. Auch er stellt sich, wie eigentlich alle der in diesem Kapitel beschriebenen Musiker, gerne als unschuldig Verfolgter dar, der keineswegs rechte Ideen vertrete oder gar Faschist wäre. So etwa in einem siebenseitigen Artikel über eine von Antifaschisten erzwungenen Konzertabsage in Seattle. Darin äußert er folgendes:

"I am not an ´anti- semite´ and to label me as such is deliberately creating a falsehood. But I am also not a humanitarian, and I will state outright I do not believe in any kind of elusive notion about a ´sanctity of human life´ and I would challenge anyone to prove to me that such a thing exists. I also do not believe in moral concepts of ´good´ and ´evil´ and thus am not particularly upset about episodes in history where large numbers of people died. I am not a Holocaust Revisionist, but I also do not really care about the Holocaust one way or the other. I don´t feel responsible for it, and while it may mean a lot (understandably) to some people, it has nothing to do with me."108

Interessant wird diese verteidigend gemeinte Bemerkung in Zusammenhang mit einer anderen Äußerung Moynihans. Auf die Frage nach seiner Beziehung zur deutschen Sprache und den Begriffen: "Rasse", "Nation", "Pflicht" und "Ordnung" antwortete er:

"Ich bin durchaus sehr an der deutschen Sprache interessiert und versuche gerade, sie mir anzueignen. Lange Zeit dachte ich, sie sei einzigartig in ihrer Fähigkeit, eine Vielzahl von Bedeutungsnuancen und Gefühlszuständen in einem einzigen Begriff auszudrücken. In gewisser Weise scheint sie erfüllt zu sein von einer magischen Qualität des ´Aufgeladenseins´ mit Inhalten von tieferer Bedeutung. Neben dieser Erkenntnis wurde mein Interesse durch die Faszination verstärkt, die gewisse Perioden der deutschen Geschichte auf mich ausübten, sowie durch die aufrichtige Bewunderung, die ich für bestimmte deutsche Philosophen hege, von denen ich einiges gerne im Original gelesen hätte - Mit den genannten Begriffen verbinde ich folgendes: Rasse- Menschen gleicher Seele und gleichen Geistes; Nation- im Idealfall eine sich selbstversorgende, abgeschlossene Gemeinschaft (egal wie klein) von Menschen einer Rasse; Pflicht- das, was man tun muß, um in Einklang mit den eigenen Instinkten und dem eigenen Ehrgefühl zu leben; Ordnung- ein Zustand von Ausgeglichenheit und Klarheit, das Handeln und Entwicklung stark erleichtert.(...)
Ich glaube, es gibt zwei Punkte von größter Wichtigkeit die ´Siege´ (eine Schrift des inhaftierten US- Neonazis James Mason O.Z.) ganz deutlich macht: Erstens, daß es für Reaktion und Konservatismus einfach zu spät ist, und das deshalb die einzig angemessene Strategie - wenn es überhaupt noch eine geben kann - darin bestehen muß, die Zersetzungsprozesse des gegenwärtigen Gesellschaftssystems möglichst voranzutreiben, weil dies der wesentlich vernünftigere und direktere Weg ist, Veränderungen zu erreichen. Zweitens, daß das Überleben an sich das wichtigste Lebensziel sein sollte, aber ohne daß man sich einer Gehirnwäsche unterziehen oder von der Leere der Gesellschaft aufsaugen läßt - also, um es auf den Punkt zu bringen: das Überleben als Geächteter."109

Neben dem menschenverachtendem Konzept des Anti- Humanismus vertritt er also das, schon bekannte, theosophische Konzept des Untergangs um der Erneuerung willen. Welche Perioden der deutschen Geschichte ihn so sehr interessieren, dürfte nicht schwer zu erraten sein. Im Booklet seiner CD "Im Blutfeuer" sieht man ihn am Grabe des SS- Brigadeführers beim "Ahnenerbe" Karl Maria Willigut. Auf der CD selbst hört man Ausschnitte einer Rede des von Evola bewunderten Führers der faschistischen rumänischen "Eisernen Garde" und eine Passage aus Ernst Jüngers Buch "Auf den Marmorklippen". In diesem Zusammenhang ist es nicht weiter überraschend, dass Moynihans Verteidigungsbrief auf der Homepage einer Organisation "Third Position - Beyond Left and Right" erscheint, die über sich selbst schreibt, dass sie eine "revolutionäre nationale Bewegung" sei, die eine "New Social Order110" will. Ein Pamphlet dieser Organisation endet mit den Worten: "For the Nation. Against the State!"111 Der geneigte Leser mag sich nun selber fragen: Steht Moynihan wirklich zwischen rechts und links? Die Band AIN SOPH folgt dem Vorbild von Julius Evola, wenn sie dem Priesterkrieger Kshatyra, dem Leitbild Evolas für einen politischen Soldaten in seinem Buch "Menschen inmitten von Ruinen", eine CD widmen. Sie singen auf ihrem Album "Kshatyra":

"Die Treue ist stärker als Feuer/ Sich erheben, auferstehen/ Eine Form und eine Ordnung schaffen/ Aufrecht durch die Ruinen/ Den schwersten Weg auswählen/ Unseren Mut in Metall gießen/ Endlich wiedergeboren durch das Blut/ stark durch unsere Ehre/ Kshatyra"112

Natürlich könnte man solche Texte auch als spätpubertäre "Männerphantasien" abtuen, wenn allerdings auf dem Cover ihrer CD "Aurora" Evola abgebildet ist und sich ein Musiker "von Sebottendorf" nennt - Sebottendorf war führender Aktivist der Münchener Thule- Gesellschaft, die in die Gründung der NSDAP involviert war - dann darf man sicherlich an dieser Interpretation zweifeln. Auf der Homepage der Dresdener Band TURBUND STURMWERK, der ich einige sehr interessante Interviewausschnitte mit den oben besprochenen Musikern verdanke,113 wird, wenn auch nicht ganz offen, rechtsextremistische Propaganda betrieben. Auch wenn sie sich scheinbar von faschistischer Ideologie abgrenzen:

"Zwar rechneten wir mit den üblichen Unterstellungen von Seiten derer, die immer alles vom eingeschränkten Blickwinkel eines ´politischen Ortungssystems´ aus bewerten zu müssen glauben; damit haben wir in den vergangenen Jahren umzugehen gelernt. Wir wußten, daß sich einige finden würden, uns ureflektiert eine ´faschistoide Gesinnung´ oder gar ´Kriegsverherrlichung´ zu unterstellen, weil wir Runen gebrauchten, uns auf Nordische Mythologie bezogen und vom Wert des Opfermuts sprachen. (...)
Was wir - ganz abstrakt - als Projektion im Sinne eines ´geistigen Kriegertums´ vorgeben wollten, nämlich das Ideal, sich als Mensch einer Sache in aller Konsequenz hinzugeben, schien für manchen also bereits mit zu ´eindeutigen´ Entschlüsselungshinweisen versehen."

Um dann aber wenig später eine Abbildung auf dem Cover ihrer CD mit dem, völlig unwissensschaftlichen, "Runenschlüssel Williguts" zu interpretieren. Ihre Interpretation beenden sie mit den folgenden Sätzen:

"Problematisch erscheint freilich, daß die Materialisation des menschlichen Geistes an sich und grundsätzlich leidbehaftet und negativ erscheint, was manchen - zurecht - nicht einleuchten will, selbst wenn bedacht wird, daß inzwischen längst auch Menschen mit relativ gesunder und harmonischer Persönlichkeitsstruktur an ihrer Umwelt und den äußeren Zuständen leiden, welche sie selbst gar nicht zu verantworten haben. Dies spricht freilich weniger gegen die ´äußere Welt´ als vielmehr gegen diejenigen, die - teils fahrlässig, teils willentlich - ein ´Jammertal´ aus ihr gemacht haben."114

Da können wohl nur noch die "geistigen Krieger" helfen! Sie selbst berufen sich vor allem auf "Nationalbolschewismus" und "Hamburger Nationalkommunismus der 20er Jahre" und arbeiten musikalisch an einer "Symbiose von Ernst Jünger und Heiner Müller".
Die im Moment in der Szene meist diskutierte Band ist die Band KIRLIAN CAMERA um den italienischen Musiker Angelo Bergamini. In einem "Zillo"- Interview mit Dirk Hoffmann wehrt sich Bergamini gegen Vorwürfe von Antifaschisten, hier einige Ausschnitte aus dem Interview:

"Zillo: Von Organisationen wie der Antifa werdet ihr als Neofaschisten bezwichnet, weil ihr ein Konzert mit dem Hitlergruß beendet haben sollt. Falls das der Tatsache entsprechen sollte: Was war euer Beweggrund dafür- reine Provokation oder steckt ein tieferer Sinn dahinter?
Angelo: Eins muß von vorneherein klar sein: Ich protestiere gegen solche Gerüchte und Aussage, die zu beweisen versuchen, daß meine Band das Publikum mit dem Hitlergruß begrüßt. Ein gewisser Alfred Schobert hat in einem ´Spiegel´- Interview behauptet, daß wir - man beachte, daß wir - man beachte, daß er im Plural sprach und damit um alle meinte - das Publikum auf diese Weise be(g)rüßen. Das ist ein ernstes Statement und eine ernste Manipulation der Realität. Ich muß an dieser Stelle zum zigsten Mal wiederholen, daß andere Kirlian Camera- Mitglieder verschiedene (M)ale erklärt haben, daß sie ganz aufrichtig politisch links einzuordnen sind. (...) Diese Band hat durch all die Jahre Musiker aus ganz verschiedenen Richtungen (Schwarze, Weiße, Juden, Faschisten, Kommunisten, Christen, Schwule, Anarchisten) im Line- up gehabt und jeden einzelnen respektiert. Wenn aber jemand kindische Sachen mag, erkläre ich einiges zu Herrn Schoberts Aussagen: Im August letzten Jahres traten wir in Berlin auf, und ich muß ehrlicherweise zugeben, daß ich auf eine ähnliche Weise agiert habe, um einfach den schlechten Glauben von einigen Leu(t)en zu testen. Da habe ich die Leute mit ausgestrecktem Arm begrüßt. (...) Weder ich noch Emilia Lo Jacono und Barbara Boffelli haben je den Hitlergruß verwendet, da sie politisch viel zu korrekt sind. (...) Es gab keine versteckten politischen Botschaften in der Vergangenheit, und ich muß niemanden etwas erklären. Zillo: Gibt es denn etwas, das dich aus irgend einem Grund am Dritten Reich fasziniert?
Angelo: Die Ästhetik des Dritten Reiches ist zweifellos faszinierend. (...) Aber was ich über Politik denke, geht nur mich etwas an, und das würde ich niemanden erzählen. Wahlen sind geheim, und es ist mein Recht es auch so zu halten. Ist es nicht so? (...)
Zillo: Meinst du nicht, da(ß) Künstler eine besondere Verantwortung beim Gebrauch solcher Symbole haben, die eng mit dem Dritten Reich verknüpft sind? Angelo: Ich denke, es gibt zu viele Idioten, die versuchen, einige Werbung damit zu machen, Symbole und anderes Zeugs verwenden, von denen sie nicht mal die Bedeutung verstehen. Ich glaube, daß 90% dieser Bands, die Möchtegern- Nazis werden wollen, nichts weiter als ein Haufen von Verlier(er)n sind, die keine wirkliche Hoffnung besitzen. Sie verlassen sich darauf, populär dadurch zu werden, daß sie das Spiel der ´Verdammten´ spielen, aber sobald jemand kommt, um ihnen gefährlich mit Zensur zu drohen, leugnen sie alles, arme kleine Kätzchen! (...) Übrigens haben Kirlian Camera nie ein Nazi- Symbol verwendet, weshalb wir mit dem Thema eigentlich nichts zu tun haben.(...) Viele Leute erheben den Anspruch, Dinge zu wissen, die sie nie erfahren werden, und legen dabei die wirklich intolerantesten Einstellung zutage: Sie verfolgen etwas, das sie nicht kennen. Suchen sie nach dem Antichristen oder was?"115

Auffällig bei den Äußerungen Bergaminis ist, dass er, wie auch bei früheren Interviews zu dem Thema, grundsätzlich nur über die politischen Einstellungen von anderen Bandmitgliedern redet. Dazu muss man wissen, dass KIRLIAN CAMERA letztlich ein "Ein- Mann- Projekt" Bergaminis ist. Den Hitlergruß bzw. den "Kühnen- Gruß" (mit zwei ausgestreckten Fingern), hat Bergamini in diesem Interview, soweit mir bekannt, hier zum ersten Mal zugegeben, nachdem er ihn in mehreren vorangegangenen Interviews abgestritten hatte. Diese Geste von ihm konnte man auch bei weiteren Konzerten von ihm beobachten. In dem Gesprächsteil über andere Bands, denen die Verwendung von NS- Symbolen nicht fremd ist, redet er nur über "Möchtegern- Nazis". Wie würde er wohl über "richtige Nazis" urteilen? Seine Ansichten dazu kann man möglicherweise vermuten, wenn man beachtet, dass er mit dem Stück "U- Bahn V. 2 Heiligenstadt" auf der CD "Todesengel- The Fall of Life" die "Eiserne Garde" Codreanus "ehren" wollte116 und Marco E. Thiel ihn im "Europakreuz", als einen "Kameraden" bezeichnet.117 In der selben Ausgabe des "Europakreuzes" wird an den 52. Jahrestages der Zerstörung Dresdens "durch britische Luftangriffe" gedacht und um einen "Kamerad Julius B. E. F. jun. (Pseudonym J. Streicher)"118 getrauert.
Der österreichische Kadmon (Gerhard Petak), dessen Projekt ALLERSEELEN dem Neo- Folk zugeordnet werden kann, fällt durch die Herausgabe der Magazine "Ahnstern" und "Aorta" auf. In diesen Magazinen kommt seine Gedankenwelt, beruhend auf einer Mischung von (NS-) Esoterik, faschistoider Philosophie und Satanismus zum Ausdruck. Ein Ausschnitt aus dem "Ahnstern"- Katalog:

"II. LUCIFER RISING II. Interview (1995) mit dem amerikanischen Filmemacher Kenneth Anger über: Lucifer Rising, Externsteine, Bobby Beausoleil, Aleister Crowley, Friedrich Nietzsche. (...)
III: FEUERTAUFE: Ernst Jüngers Werke über den ersten Weltkrieg (...)
V: HEIDNAT: Völkischer Weg und thelemitischer Weg. Heimat und Heidentum als Kraftfelder. Heidnat als Entwurf einer halben Moderne, die Technologie und Spiritualität verknüpft. Die Bedeutung von Selbstachtung. Erdung. Widerstand.(...)
VII: KRAFTFELD: Das Kornzeichen in Flandorf, Niederösterreich, Juli 1996, eine rätselhafte Einheit aus Kraft und Form (...)"119

Er beteiligte sich an den VAWS- Samplern, wie auch an einem Sampler des Labels des Dresdener "Sigill"- Herausgebers Eislicht- Verlages (Eis und Licht Tonträger); dieser erschien, um "Julius Evola zu ehren". Das Cover der ALLERSEELEN- CD "Gotos - Kalanda" ziert die sogenannte "Schwarzen Sonne", ein Marmormosaik aus dem "Obergruppenführersaal" der SS- Kult- und Schulungsstätte Wewelsburg. Auch er fühlt sich von Antifaschisten verfolgt, spricht sich aber immerhin für Gewaltlosigkeit seiner Anhänger aus.

"Daß jemand Flugblätter gegen Allerseelen verteilte, freute mich. Ich schätze die, die den Mut haben, Nein zu sagen, den Ketzer. Die sich Schwierigkeiten einbrocken. Daß manche Anhänger von Allerseelen glaubten, diesem Jugendlichen die Flugblätter aus der Hand reissen zu müssen, erfuhr ich erst hinterher. Es mißfiel mir."120

Daneben benutzt er aber typische Argumentationsmuster der Neuen Rechten:

"Ich verabscheue Bücherverbrennungen und Holocausts, wie sie in Auschwitz, Dresden, Hiroshima und Mururoa geschahen. (...) Was die Anti- Faschisten im Zeichen des roten Pentagramms begehen, stellt die Anschläge rechtsextremer Skinheads in den Schatten."121

Die Musikpresse und die meisten Plattenlabel fielen bis jetzt durch Totschweigen dieser gefährlichen Tendenzen dieses Teils der Szene auf. Vermutlich aus kommerziellen Gründen, denn die beschriebenen Bands verkaufen sich, nicht zuletzt wegen ihrer "umstrittenen Meinungen", besser als viele andere, politisch nicht auffallende Bands. Die meisten Szene- Mitglieder dürften aber (noch) eher ungefähr so denken wie Ashley, Kopf der Band WHISPERS IN THE SHADOW:

"Wenn man einfach akzeptiert, was man vorgekaut bekommt, kann dies üble Folgen haben, und plötzlich haben wir ein ´viertes Deutsches Reich´ und jeder ist plötzlich überrascht und tut so, als ob nichts wäre. Nach außen hin vertreten wir allerdings keine politische Richtung. Aber ich glaube kaum, daß uns irgendwer als ´rechts´ einstufen würde. Es ist wichtig, daß die schwarze Szene nicht ins rechte Lager abrutscht, wie das in letzter Zeit so der Fall ist. Dagegen werden wir uns auf jeden Fall wehren und ich hoffe, wir stehen da nicht alleine da."122

Das zeigt, dass Pauschalverurteilungen der Szene (wie beispielsweise Jean Cremets Beiträge in der Jungen Welt und anderen Zeitschriften) kontraproduktiv wirken. Dann nämlich fühlen sich auch politisch liberale oder linke Gothics gezwungen, sich Hand in Hand mit den, immer noch wenigen, wirklich rechtsextremistischen und faschistischen Vertretern zu verteidigen. Und gerade gegen dieses falsche Zusammengehörigkeitsgefühl, welches der Umarmungsstrategie von JF und anderen entgegen kommt, muss die Szene in nächster Zeit vorgehen, sollte sie ihre eigenen Wurzeln nicht verleugnen wollen. Ein wichtiger Ansatz dazu war sicher die Gründung der Initiative "Grufties gegen rechts/ Music For A New Society" (April 1998 in Bremen). Mit den Zielen dieser Initiative solidarisierten sich mittlerweile auch schon einige Musiker wie DEINE LAKAIEN, SEPULCRUM MENTIS, EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN, Dirk Ivens (DIVE, SONAR, ehemals THE KLINIK), GOETHES ERBEN, LOVE LIKE BLOOD, DAS ICH und ISECS. Eine Internet- Initative "Gothics gegen rechts" versucht dem Beispiel der "Grufties gegen rechts" zu folgen und über rechte Tendenzen in der Szene aufzuklären.

¹Diese Bemerkung in meiner Arbeit und Anfragen anderer Menschen, die sich auf sie bezogen, bewegte die Redaktion der Homepage (vertreten durch einen gewissen "Carolus Rex") der sogenannten "Gothics für Meinungsfreiheit" am 12. Juli 2000 zu einer Stellungnahme zur NPD in ihrem Diskussionsforum, die ich in Auszügen dokumentieren möchte:
"...wir (haben) uns das Programm (der NPD O.Z.) vor einiger Zeit mal angesehen und finden es offen gesagt, ziemlich problematisch, generell JEDEN Punkt dieses Programms zu verwerfen, sozusagen nur weil er von der NPD kommt. Wir hatten ursprünglich vor (...) dieses Programm mal hier reinzustellen, und zwar um eine offene Diskussion darüber zu ermöglichen, inwiefern es überhaupt sinnvoll ist, das Programm insgesamt und als ganzes abzulehnen, oder welche Punkte u.U. auch diskussionswürdig erscheinen. Uns behagt nämlich der Gedanke nicht, irgendwas in Grund und Boden zu verdammen/verdammen zu sollen, weil es gerade ´opportun´ erscheint. (...) Das einzige Thema aus diesem Programm, das im Zusammenhang mit dieser Seite und GfM überhaupt von Relevanz zu sein scheint, ist wohl das Thema ´Meinungsfreiheit´. (...) Genau dazu habe ich in diesem Programm nun aber eigentlich nichts gelesen, was nicht durchaus zustimmungsfähig wäre für uns. Was mich persönlich betrifft, habe ich auch noch für die im Programm aufgeführte Forderung nach mehr Demokratie und direkter Bürgerbeteiligung eine gewisse Sympathie. (...) Das meiste andere hat für uns eigentlich keine große Bedeutung, z. B. die Forderung nach ´Rückgabe der Ostgebiete´, Wiedereinführung der Todesstrafe o. ä., das sind Themen, die diese Partei wohl nicht zu Unrecht als ´ewiggestrig´ auszeichnen. Also, nochmals. Wir haben und hatten nie etwas mit dieser oder einer ähnlichen Partei zu tun, kennen zwar privat mehrere Leute, die ihr wohl nahestehen, die uns aber weder beeinflussen noch ´steuern´ oder sonstwie manipulieren, und schon gar nicht in unserer Eigenschaft als GfM- Redaktion (...)"
Dazu möchte ich im Folgenden Stellung nehmen:
Sollte meine Bemerkung vom Leser so verstanden werden, dass ich eine direkte Steuerung der "Gothics für Meinungsfreiheit" durch die NPD vermute, möchte ich diesen Eindruck hiermit widerrufen.
Ich denke vielmehr, dass hinter den "Gothics für Meinungsfreiheit (GfM)" der Wille zur Erringung der "Kulturellen Hegemonie" (hier in der Gothic- und Neo- Folk- Szene) steckt (dazu bspw. Hermann Gilbhard / Holger Goblirsch: Rückkehr des Rassenwahns? Die Ideologie der "Neuen Rechten", in: Wolfgang Benz (Hg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. Voraussetzungen, Zusammenhänge, Wirkungen, Aktualisierte Neuausgabe, Frankfurt/M. 1989, S. 213- 223).

Da die NPD, vor allem in den neuen Bundesländern, dieses Konzept aufgegriffen hat und die GfM ja im obenstehenden Zitat auch nicht Kontakte mit der NPD (bzw. NPD-Anhängern) leugnen, bestätigt das, dass sie m. E. der NPD und anderen (neurechten) Gruppierungen als eine Art "Trojanisches Pferd" zur Erlangung dieses Zieles zur Verfügung stehen. Ob diese Zielsetzung von den GfM nun bewusst oder unbewusst wahrgenommen wird, mag dahingestellt bleiben.


1: So geschehen beispielsweise mit dem Plattenlabel "Hall Of Sermon" von Tilo 
Wolf, welches von der WEA (AOL Time- Warner) aufgekauft wurde
2: Die folgende Typisierung der verschiedenen Musikstile folgt in weiten Teilen 
dem Text von Hans D: A History of Gothic, im Internet unter: 
http://members.tripod.lycos.nl/HansD/ history.html
3: Auf die Metal-Musik und die dazugehörige Szene (früher Heavy- Metal oder 
Hardrock- Szene) soll hier nicht näher eingegangen werden.
4: Brandstetter, Stefan: Die Ästhetisierung des öffentlichen Raumes. 
Subkulturelle Ausdrucks- und Stilformen als eine Symbolisierung von 
gesellschaftlichen Veränderungen und Widersprüchen am Beispiel der Gothics, 
Diplomarbeit an der Katholischen Fachhochschule für Sozialwesen, 
Religionspädagogik und Pflege, Freiburg 1999 (unveröffentlicht), S. 50 f. u. S. 
99 ff.
5: Henning, Christoph: Die Entfesselung der Seele. Romantischer Individualismus 
in den deutschen Alternativkulturen, Frankfurt a. M./ New York 1989, S. 117, 
zitiert nach Brandstetter,  a.a.O., S. 50
6: Brandstetter, a.a.O.
7: Brandstetter, a.a.O., S. 50 f.
8: Schuhmacher, H.: Rassismus und Szene, im Internet unter: 
http://www.rabenclan.de/szene1.htm
9: Die meisten hier zur Sprache kommenden Texte sind aus dem  angelsächsischen 
Sprachraum  - und deswegen nicht unbedingt auch repräsentativ für die deutsche 
Gothic- Szene. Eine so differenzierte Auseinandersetzung mit der eigenen 
Subkultur scheint in Deutschland entweder kaum geführt zu werden - oder sie ist 
mir bei der Recherche entgangen. Eine Ausnahme bildet die Webseite 
http://www.gruftieland.de, die aber fast nur Quellen benutzt und wenig eigene 
Texte hervorbringt.
10: Voron (aka J. Erich Langsdorf): Subject: Re: AH HA! Was: what is goth?!?, 
Newsgroup: alt.gothic, Mittwoch, 7. Dezember 1994, 10:58:11 GMT (von: 
LANGSDORFJE96%CS36@cadetmail.usafa.af.mil) 
11: Azhram: Defining Goth. Origins of Modern Gothic Culture, im Internet unter: 
http://blood-dance.net/goth/origins.html
12: Gochenour, Phillip Henry: Subject: Re: Beyond the Pale II, Newsgroup: 
alt.gothic, 6. Oktober 1994, 03:55:20 GMT, im Internet unter: 
http://www.suba.com/~rcarrier/Goth/phil.txt
13: JILEE: Subject: Re: ´GOTHIC`- source of term, Newsgroup: alt.gothic, 31. Mai 
1995, 14:32:07 -0400 (von: jilee@aol.com)
14: Count Von Sexbat: Subject: To the influx of depressed goths..., Newsgroup: 
alt.gothic, Donnerstag, 10. August 1995, 08:48:16 GMT (von: 
sexbat@batt.demon.co.uk)
15: Richard, Birgit: Todesbilder. Kunst, Subkultur, Medien, München 1995, S. 
117f.
16: Richard, a.a.O., S. 118
17: Richard, a.a.O., S. 119
18: Ein Grund dafür mag sicherlich auch die immer stärkere Vermischung mit der 
Black- Metal Szene sein.
19: Richard, a.a.O., S. 120
20: Richard, a.a.O.
21: Richard, a.a.O., S. 100
22: Levi-Strauss, Claude: Das wilde Denken, Frankfurt a. M. 1981
23: Brandstetter, a.a.O., S. 64
24: Bspw.: Ist der Punk, der sich ein Hakenkreuz umhängt, nun ein Neonazi oder 
will er seinen Protest gegen die von ihm als "faschistoid" angesehene 
Gesellschaft deutlich machen? Ist der das umgekehrte christiche Kreuz tragende 
Gothic Satanist?
25: Umfragen unter Thüringer Jugendlichen; in: Farin, Klaus: Jugendkulturen in 
Thüringen, Bad Tölz 1999 
26: Zu diesen, durch Interviews belegten Einschätzungen kommen sowohl 
Brandstetter, (a.a.O., S. 99 ff.), als auch Helsper (Helsper, Werner: 
Okkultismus. Die neue Jugendreligion. Die Symbolik des Todes und des Bösen in 
der Jugendkultur, Opladen 1992, S. 215 ff..). Ähnlich auch Richard (a.a.O., S. 
113, beeinflusst durch Helsper und Hunfeld/Dreger ( Hunfeld, Frauke und Thomas 
Dreger: Magische Zeiten. Jugendliche und Okkultismus, Weinheim/ Basel 1990)). 
Problematisch ist allerdings bei dieser Aussage, dass sie noch nicht wirklich 
statistisch überprüft wurde; so könnte es nämlich auch sein, dass diese Gefühle 
des Allein- und Verlassenseins, die ja durchaus auch bei vielen anderen 
Jugendlichen zu finden sind, bei Gothics nicht bedeutend öfter auftreten. 
27: Schuhmacher, a.a.O.
28: So gibt es in Berlin mittlerweile mindestens drei Geschäfte, die sich auf 
Kleidung und Zubehör für die Gothic- Szene spezialisiert haben ("X-tra", 
"Darkstore" und "Plaste und Elaste").
29: Richard, a.a.O., S. 120
30: Interessant zu untersuchen wäre sicherlich die Häufung von verschiedenen 
erlernten Berufen. So scheint ein Großteil der US- amerikanischen Gothic- Szene 
aus Computer- Fachleuten zu bestehen. Auch in Deutschland erscheint mir dieser 
Berufszweig nicht selten vertreten zu sein; noch mehr häufen sich aber die 
sozialen Berufe wie Erzieher, Sozialarbeiter, Kranken- und Altenpfleger, auch 
künstlerische Berufe scheinen relativ beliebt zu sein. Am häufigsten trifft man 
natürlich, wie in wahrscheinlich jeder Jugendkultur, Schüler und Studenten.
31: Helsper, Werner: Okkultismus- Die neue Jugendreligion?: Die Symbolik des 
Todes und des Bösen in der Jugendkultur, Opladen 1992, S. 279 
32: Helsper, a.a.O., S. 280
33: Siehe dazu: Meyer, Joachim Ernst: Todesangst und das Todesbewußtsein der 
Gegenwart, Berlin/Heidelberg/New York 1982²
34: Richard, a.a.O., S. 135
35: So konnte der Autor schon mehrere Gespräche unter Gothics belauschen, in 
denen diese sich durchaus Stolz über die (ablehnende) Reaktion der "normalen" 
Friedhofsbesucher auf ihr Auftreten auf dem Friedhof äußerten.
36: HIM: Join Me In Death, zitiert nach dem Booklet der CD "Razorblade Romance", 
BMG Finland 2000
37: Helsper, a.a.O., 316 f.
38: Siehe: Ruppert, Hans Jürgen: Satanismus - Zwischen Religion und 
Kriminalität, Berlin 1998; Friedrich- Ebert- Stiftung Landesbüro Thüringen: 
Sekten und Psychogruppen in Deutschland: Gefahr für Demokratie und Gesellschaft? 
(ohne Ort und Jahr); Jäger, Petra: Jugendsatanismus in Thüringen, Diplomarbeit 
an der Thüringer Verwaltungsfachhochschule - Fachbereich Polizei, Schmalkalden 
1998 (unveröffentlicht)
39: Interessanterweise gibt es auch bei den Künstlern der Romantik, denen die 
Gothic- Szene ja immerhin ihr Name verdankt, einige Hinweise auf 
"satanistisches" Gedankengut. So hält E.T.A. Hoffmann den "Teufel für einen 
guten Adjudanten des Künstlers" und Berlioz vertont den Faust/ Mephistopheles 
Stoff in seinem Oratorium "Fausts Verdammnis" .
40: Ich stütze mich im Folgenden hauptsächlich auf: Fermor, Gotthard: Satanismus 
in der Rockmusik, in: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: 
Orientierungen und Berichte Nr. 22, VII/ 1995
41: Kögler, Ilse: Die Sehnsucht nach mehr. Rockmusik, Jugend und Religion. 
Informationen und Deutungen, Graz 1994, S. 206, zitiert nach: Fermor, a.a.O., S. 
9
42: Fermor, a.a.O, S. 4
43: Metal Hammer 6/ 93, zitiert nach: Fermor, a.a.O., S. 6
44: Fermor, a.a.O.
45: zitiert nach: Fermor, a.a.O.
46:In Deutschland beschäftigte man sich zur gleichen Zeit mit dem "Germanentum", 
auf welches ich im nächsten Teil genauer eingehen werde.
47: Helsper, a.a.O., S. 295
48: Richard, a.a.O., S. 115, in Anlehnung an Helsper, a.a.O., S. 286
49: Richard, a.a.O.
50: Brandstetter, a.a.O., S. 46
51: Stöber, Frauke: Entstehung, Inhalte, Wertvorstellungen und Ziele der 
schwarzen Szene - Die Jugendkultur der Waver, Grufties und Gothics, Diplomarbeit 
im Studiengang Sozialarbeit an der Universität Gesamthochschule Essen, 1999 
(unveröffentlicht), S. 30  
52: Stöber, a.a.O.
53: Stöber, a.a.O., S. 31
54: Stöber, a.a.O.
55- 60: Sonic Seducer Musik Magazin, Oberhausen, Ausgabe 01/00 (Dezember/ Januar 
2000), S. 42
61: Stöber, a.a.O., S. 33
62: Stöber, a.a.O.
63: Inzwischen versucht das "Zillo", vor allem aus marktstrategischen Gründen, 
auch immer mehr Leser, die sich nicht der Gothic- oder Darkwave- Szene zugehörig 
fühlen, zu bedienen.
64: Zillo Musik Magazin, Stockelsdorf, Ausgabe März 2000, S. 49
65: Zillo, a.a.O., S. 50
66: Stöber,a.a.O.
67: Richard,a.a.O., S. 134 f. (sie steht mit dem letzten Satz allerdings im 
Widerspruch zu Helsper (siehe Abschnitt 3.2.4.1.)
68: Bächtold- Stäubli, Hanns: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. VI, 
Berlin/ Leipzig 1934/ 35, S. 816, zitiert nach Freudemann, Andreas: Warum hilft 
Knoblauch gegen Vampire?, in: System ubw. Zeitschrift für klassische 
Psychoanalyse, 2. Jahrgang, Heft 1, Februar 1984, S. 47
69: Copper, Basil: Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit, München 1974, 
S. 40, zitiert nach Freudemann, a.a.O., S.49
70: Freudemann, a.a.O. S. 44- 58
71: Stöber, a.a.O., S. 32
72: vgl. Bellmund, Klaus und Kaarel Sinniveer: Kulte, Führer, Lichtgestalten - 
Esoterik als Mittel rechtsradikaler Propaganda, München 1997, insbesonders das 
Kapitel: Esoterik: eine spirituelle Grundlage des Nationalsozialismus.
73: Goodrick- Clarke, Nicholas: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, 
Graz 1997, S. 24
74: Schuhmacher, Hans: Ariosophie - ein Überblick, im Internet: 
http://www.rabenclan.de/ariosophie.htm
75: Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass sie ihre Lehren dem 
medialen Kontakt mit den "Meistern" Morya und Koot Hoomi, die angeblich in 
abgeschiedener Einsamkeit des Himalaya lebten verdankte. Dadurch kann die 
"Quelle" ihrer Weisheit naturgemäß nur sehr schwer überprüft werden.  
76: Goodrick- Clarke, a.a.O., S. 25 f.
77: Schuhmacher, Ariosophie, a.a.O.
78: Schuhmacher, Ariosophie, a.a.O.
79: Sünner, Rüdiger: Schwarze Sonne. Entfesselung und Mißbrauch der Mythen in 
Nationalsozialismus und rechter Esoterik, Freiburg im Breisgau 1999, S. 173 ff.
80: Germanen- Glaube, 2/ 1996, S. 19, zitiert nach: Sünner, a.a.O., S. 181
81: Dass es solche Gruppen geben kann zeigen z. B. die Mitglieder der Vereins 
"Der Rabenclan - Arbeitskreis der Heiden in Deutschland". An diesem Punkt muss 
ich auch Arvid Dittmann widersprechen, der in einer Rezension zu Sünner: 
Schwarze Sonne schreibt: "Vielmehr versteht sich die mittlerweile nahezu 
unbedeutende ´Theosophische Gesellschaft´ nach wie vor als kosmopolitische 
Vereinigung, die eine Vebrüderung aller Völker, Rassen und Religionen anstrebt." 
(Dittmann, Arvid: Rezensionen: Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne, in: Journal der 
Jugendkulturen #1 November 1999, S. 36). Das müsste nämlich heißen, dass sich 
die "Theosophische Gesellschaft" völlig von Blavatskys Rassetheorie getrennt 
haben müsste (da die "afrikanische Rasse" ja als Nachkommen der "Tiermenschen" 
gilt) - und die Rassetheorie ist ja schließlich eine der Grundlagen der 
Theosophie. 
82: Schuhmacher, Hans: Wicca- das trojanische Pferd der Theosophie, im Internet: 
http://www.rabenclan.de/wiccatr.htm
83: Schuhmacher, Wicca, a.a.O.
84: Zwar beruft sich Wicca durchaus auf die Theosophie als eine der Wurzeln der 
eigenen Religion, inwieweit auch Blavatskys Rassentheorien dazugehören, wird 
grundsätzlich nicht thematisiert. Da diese von der Wicca- Führung aber auch 
nicht offen angegriffen werden, muss man also davon ausgehen, dass sie 
akzeptiert sind.
85: Bis vor kurzem war es auch nicht unüblich, der Szene insgesamt Sexismus und 
Frauenfeindlichkeit vorzuwerfen, möglicherweise wegen der offen zur Schau 
gestellten SM- Sexualität von Mitgliedern der Szene (so z. B. Anfang der 90er 
Jahre in einer Flugblattaktion einer Männergruppe vor einer von Gothics 
besuchten Freiburger Diskothek). Diese Vorwürfe haben mittlerweile nachgelassen. 
Ob nun auf Grund veränderten gesellschaftlichen Bewusstseins oder einer 
vorurteilsfreieren Sicht auf die Gothic- Szene mag dahingestellt bleiben. 
86: Zillo 2/ 92, zitiert nach: Grufties gegen Rechts: Die Geister, die ich rief, 
im Internet unter: http://www.pc-easy.de/geister/brosch.htm
87: Dieses Interpretation von Pearces Antrieb liefert auch Steward Home in einem 
Interview mit dem Münsteraner Fanzine "Auf Abwegen": "Ich glaube einfach, daß 
bei Death In June Sexualität im Vordergrund steht. Ich glaube, seine sexuellen 
Vorlieben sind der Schlüssel zum Verständnis von Death In June, und ich glaube 
nicht, daß Douglas heute noch ein aktives politisches Interesse hat". (Zitiert 
in: Die geilsten Uniformen, in: Jungle World, 26. März 1998) 
88: Pockrandt, Stephan: Sexy Uniforms, in: Sigill Nr. 6, 1994, Dresden, S. 
20/21, zitiert in: Stöber, a.a.O., S. 69 f.
89: Zitiert nach: Antifaschistisches Info, Juli/ August 1997
90: Grufties gegen Rechts, Geister, a.a.O.
91: Im Internet unter: http://www.myway.de/secretlab/dturbu56.htm
92: Douglas Pearce sagt in einem Interview von 1990 über Schreck allerdings: 
"Als ich Boyd Rice in Amerika besucht, hat der mir erzählt, in den USA gelte 
Schreck inzwischen als ´reicher Jude´, der sich in seltsame okkulte Dinge 
verstrickt habe. Wen interessiert schon dieser ganze amerikanische Werwolf- und 
Satanskram. Ich halte das alles für oberflächlich", im Internet unter: 
http://www.myway.de/secretlab/dturbu55.htm. Eine Aussage, die Zweifel am 
Geisteszustand aller drei Beteiligten weckt.
93: NON/ Boyd Rice: Total war, von der CD: In the Shadow of the Sword 1989, 
zitiert nach Cremet, Jean: The dark side of the music. Jenseits von "Böhse 
Onkelz" und "Screwdriver". Über (neo-) faschistische Tendenzen in der 
Independent- Musik, in: analyse & kritik 389, 04/ 1996, S. 11 ff, im Internet 
unter: http://www.pc-easy.de/geister/cremet.htm 
94: Cremet, a.a.O.
95: "Europakreuz" war sich bspw. nicht zu schade, den unsäglichen "Heino der 
Neonazis", Frank Rennicke zu interviewen. Orginalton Rennicke: "Frank Rennicke, 
nationaler Barde, verheiratet, vier Kinder, seit 10 Jahren im Freiheitskampf, 
gebürtiger Niedersachse, Steckenpferd: Volk, Vaterland, Familie." (...) "Ich bin 
tolerant genug, liberalere und auch radikalere Meinungen von Gleichgesinnten zu 
dulden, wenn diese mit der ganzen Persönlichkeit gelebt werden." (...) "Lest, 
lernt, treibt Sport, enthaltet euch dem Zeitgeist und sehet mit Abscheu auf die 
willigen Büttel eines Systems, das es für ´normal´ hält, 600.000 Rapper- und 
Techno- Idioten in Berlin straßenverdreckend latschen zu lassen, junge Deutsche 
aber, die für Meinungsfreiheit und Erinnerung an den Mord an Rudolf Heß auf die 
Straße gehen, einsperren will. Heil euch!", Europakreuz Nr. 19, April 97, 
Berlin, S. 9- 12
96: Grufties gegen Rechts,Geister, a.a.O.
97: Junge Freiheit 10/93, zitiert nach: Grufties gegen Rechts: Revolte gegen die 
moderne Welt - Braune Graswurzelrevolution in der schwarzen Szene? Über den 
neurechten Kulturkampf und Widerständiges aus der Gothic- Szene, im Internet 
unter: http://www.pc-easy.de/geister/aib.htm
98: Im Internet unter: http://www.jungefreiheit.de/108aa16.htm
99: Junge Freiheit 4/96, zitiert nach: Grufties gegen Rechts, Geister, a.a.O
100: Gerlinde Gronow: Offener Brief an Easy Ettler, im Internet unter: 
http://www.pc-easy.de/geister/easy.htm
101: Grufties gegen Recht, Revolte, a.a.O.
102: Grufties gegen Rechts, Geister, a.a.O.
103: Grufties gegen Rechts, Revolte, a.a.O.
104- 106: Gothic Nr. 23, Sommer 1995, zitiert nach. Grufties gegen Rechts, 
Revolte, a.a.O.
107: Zitiert nach MDR- Fakt vom 26.4.1999, im Internet unter: 
http://www.mdr.de/fakt/archiv/inhalt_260499_3.html
108: Im Internet: http://www.thirdposition.com/blrnewsbloodaxis.html
109: Im Internet: http://www.myway.de/secretlab/dturbu54.htm
110: Im Internet: http://www.thirdposition.com
111: Im Internet: http://www.thirdposition.com/blrnation-and-the-state.html
112: Zitiert nach: Cremet, a.a.O.
113: Auffallend ist, dass in letzter Zeit, sogar während der Monate meiner 
Recherche, immer mehr klare "politische" Aussagen auf den Homepages der 
besprochenen Künstlern verschwanden. Ich halte es für möglich, dass das mit der 
beginnenden antifaschistischen Arbeit in der Gothic- Szene zusammenhängt.
114: Im Internet: http://www.myway.de/secretlab/dturbu25.htm
115: Hoffmann, Dirk: Das Versteck des Antichristen, in: Zillo Musik Magazin (7-
8/ 99), im Internet: http://members.tripod.com/~Heydebreck/kczil.html
116: Sigill (Nr. 12, 1996/97), Dresden
117: Europakreuz Nr. 18, Februar 1997, Berlin, S. 1 
118: ebd.
119: Im Internet: 
http://www.geocities.com/SunsetStrip/Amphitheatre/6522/ahnstern.htm
120: Kadmon: Anti- Faschismus: Katholizismus ohne Gott, im Internet: 
http://www.geocities.com/SunsetStrip/Amphitheatre/6522/antifa.htm
121: ebd.
122: Back Again (Winter 97/98), Darmstadt und Hamburg, S. 8

4. Interviews

Sind auf Wunsch des Autors nicht veröffentlicht.

5. Jugendarbeit und Gothic- Szene

Dieses Kapitel ist leider nur sehr kurz. Das hat verschiedene Gründe. Der wichtigste Grund ist sicherlich der, dass eine spezifische professionelle Jugendarbeit für Jugendliche der Gothic- Szene, zumindest meines Wissens, nirgendwo stattfindet. Einerseits dürfte das damit zusammenhängen, dass diese Gruppe Jugendlicher zahlenmäßig im Vergleich zu der Techno- oder HipHop- Szene nicht ganz so stark ins Gewicht fällt - im Moment kann man von vielleicht 30.000- 60.000 sich der Szene zugehörig fühlenden Gothics- und Darkwavern ausgehen und sich andererseits die Jugendlichen sehr stark individuelle Freiräume schaffen wollen, ohne sich in vorgegebene Strukturen einfügen zu müssen. Außerdem fallen sie praktisch nie durch gesellschaftlich nicht akzeptierte Taten wie Gewalttätigkeiten, anders als etwa Teile der Skinheads, oder massiven Drogenkonsum, wie etwa Teile der Techno- Kultur auf. Das heisst aber nicht, dass nicht in einigen Jugendclubs auch junge Gothics ihre Freizeit verbringen und dort mitarbeiten. Die weitaus meisten aber treffen sich bei kommerziellen Veranstaltungen, wie speziellen Diskoabende für Gothics, und bei Konzerten, sofern sie die Gelegenheit dazu haben (das Angebot in Großstädten ist naturgemäß deutlich größer als auf dem flachen Land). Sehr gerne werden die, leider nur noch sehr seltenen, Möglichkeiten der selbstverwalteten (autonomen) Jugendarbeit genutzt - hier sparten die Kommunen in den letzten Jahren immer stärker bei der Anmietung von Räumen. In Berlin besteht diese Möglichkeit im Moment praktisch nur noch im "Drugstore" (Berlin- Schöneberg), wo auch die beiden von Jugendlichen selbstverwalteten Gothic-/ Black Metal- Veranstaltungen "Darkstore" und "Cafe Schwarz" zu Hause sind. Das "Darkstore" ist eine regelmäßige Veranstaltungsreihe mit Konzerten, Lesungen und vor allem Diskoabenden. Das "Cafe Schwarz" bietet die Gelegenheit, alle zwei Wochen in einem unkommerziellen Rahmen "gruftig abzuhängen" (so die Eigenwerbung). Daneben werden noch, meist im Umfeld der ehemaligen Hausbesetzerbewegung, nicht- oder nur halbkommerzielle Partys veranstaltet. Überhaupt ist bundesweit eine gewisse Nähe zur, inzwischen immer bedeutungsloser werdenden, Hausbesetzer- Szene zu beobachten. So berichtet auch Brandstetter in seiner Arbeit von einem von Gothics gestalteten Kulturprogramm in der ehemals besetzten Freiburger "Vauban- Kaserne". Ich kann mich an dieser Stelle also, allerdings nur in Bezug auf die Gothic- Kultur und nicht ganz so rigoros, Brandstetter anschließen, der am Ende seiner Diplomarbeit feststellt:

"Sollte soziale Arbeit in Subkulturen eingesetzt werden, so drängt sich in diesem Fall mir der Eindruck auf, daß diese in solchen Momenten als ein Kontrollinstrument von Seiten der Politik und der Gesellschaft mißbraucht wird und somit Subkulturen als rein defizitär angesehen werden. Gerade das Gegenteil ist in Bezug auf Subkulturen der Fall. Dennoch bin ich der Meinung, daß soziale Arbeit im Hinblick auf Subkulturen einen politischen Auftrag inne hat, nämlich dann, wenn es darum geht, im Rahmen der Jugendhilfeplanung sich für selbst verwaltete subkulturelle Freiräume einzusetzen, diese zu erhalten und vor allem zu schützen."1

Es bleibt zu hoffen, dass man auch noch in weiterer Zukunft diese, trotz ihrer düsteren Ästhetik, insgesamt bunte, tolerante und sympathische Jugendkultur, weder kontrollieren noch pädagogisch anleiten muss und ihr die Freiräume ermöglicht, die die einzelnen Szenemitglieder brauchen, um die Entwicklung der Gesamtgesellschaft mitgestalten zu können.


1: Brandstetter, Stefan: Die Ästhetisierung des öffentlichen Raumes. 
Subkulturelle Ausdrucks- und Stilformen als eine Symbolisierung von 
gesellschaftlichen Veränderungen und Widersprüchen am Beispiel der Gothics, 
Diplomarbeit an der Katholichen Fachhochschule für Sozialwesen, 
Religionspädagogik und Pflege, Freiburg 1999 (unveröffentlicht), S. 169 f.

Literaturverzeichnis:


Bücher:

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Pogo Partei Deutschlands (APPD), Bad Tölz 1999

Aries, Philippe: Geschichte des Todes, München 1982

Baacke, Dieter: Jugend und Jugendkulturen - Darstellung und Deutung, Weinheim 
und München 1993²

Beck, Ulrich: Kinder der Freiheit, Frankfurt a. M. 1997

Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt 
a. M. 1986

Bellmund, Klaus und Siniveer, Kaarel: Kulte, Führer, Lichtgestalten - Esoterik 
als Mittel rechtsradikaler Propaganda, München 1997

Billerbeck, Liane v. und Nordhausen, Frank: Satanskinder. Der Mordfall Sandro 
B.,  München 1997

Brandstetter, Stefan: Die Ästhetisierung des öffentlichen Raumes. Subkulturelle 
Ausdrucks- und Stilformen als eine Symbolisierung von gesellschaftlichen 
Veränderungen und Widersprüchen am Beispiel der Gothics, Diplomarbeit an der 
Katholischen Fachhochschule für Sozialwesen, Religionspädagogik und Pflege, 
Freiburg 1999 (unveröffentlicht)

Brake, Mike: Soziologie der jugendlichen Subkulturen. Eine Einführung, Frankfurt 
a. M. und New York 1982

Brock, Bazon und Reck, Hans Ulrich: Stilwandel als Kulturtechnik, Kampfprinzip, 
Lebensform oder Systemstrategie in Werbung, Design, Architektur, Mode, Köln 1986

Büchner, Peter u. a.: Kindheit und Jugend im interkulturellen Vergleich, Opladen 
1990

Carmin, E. R.: Das schwarze Reich. Geheimgesellschaften und Politik im 20. 
Jahrhundert, München 1997

Farin, Klaus: Die Gothics: Interviews, Fotografien, Bad Tölz 1999

Farin, Klaus: Jugendkulturen in Thüringen, Bad Tölz 1999

Goodrick- Clarke, Nicholas: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Aus 
dem Englischen von Susanne Mörth, Graz und Stuttgart 1997

Helsper, Werner: Okkultismus - die neue Jugendreligion? Die Symbolik des Todes 
und des Bösen in der Jugendkultur, Opladen 1992

Hunfeld, Frauke und Dreger, Thomas: Magische Zeiten. Jugendliche und 
Okkultismus, Weinheim und Basel 1990

Jäger, Petra: Jugendsatanismus in Thüringen, Diplomarbeit an der Thüringer 
Verwaltungsfachhochschule - Fachbereich Polizei, Schmalkalden 1998 
(unveröffentlicht)

Kuhnle, Volkmar: Gothic- Lexikon, The Cure, Bauhaus, Depeche Mode & Co: Das 
Lexikon zu Dark- Wave und Black Romantic, Berlin 1999 

Lenk, Kurt (Hg.): Ideologie, Ideologiekritik und Wissenssoziologie, Frankfurt a. 
M. und New York 1984  

Lenk, Kurt, u.a. (Hg.): Vordenker der Neuen Rechten, Frankfurt a. M. 1997

Levi- Strauss, Claude: Das wilde Denken, Frankfurt a. M. 1981

Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch, München 1998

Meyer, Joachim Ernst: Todesangst und das Todesbewußtsein der Gegenwart, Berlin/ 
Heidelberg/ New York 1982²

Mörth, Ingo und Fröhlich, Gerhard (Hg.): Das symbolische Kapital der Moderne 
nach Pierre Bourdieau, Frankfurt a. M. 1994

Mosse, George L.: Die Geschichte des Rassismus in Europa, Frankfurt a. M. 1990

Moynihan, Michael und Söderlind, Didrik: Lords of Chaos: The Bloody Rise of the 
Satanic Metal Underground, Venice/ CA 1998

Mühlmann, Wolf- Rüdiger: Letzte Ausfahrt: Germania. Ein Phänomen namens Neue 
Deutsche Härte, Berlin 1999

Nachtwey, Reiner: Pflege. Wildwuchs. Bricolage. Ästhetisch- kulturelle 
Jugendarbeit, Opladen 1987

Richard, Birgit: Todesbilder: Kunst, Subkultur, Medien, München 1995

Ruppert, Hans Jürgen: Satanismus - Zwischen Religion und Kriminalität, Berlin 
1998

Sandkühler, Hans Jörg: Ideologie, in: Sandkühler, Hans Jörg (Hg.): Europäische 
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Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur, Hamburg 1993 (4. Aufl.)

Stöber, Frauke: Entstehung, Inhalte, Wertvorstellungen und Ziele der schwarzen 
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Studiengang Sozialarbeit an der Universität Gesamthochschule Essen, 1999 
(unveröffentlicht)

Sünner, Rüdiger: Schwarze Sonne, Entfesselung und Mißbrauch der Mythen in 
Nationalsozialismus und rechter Esoterik, Freiburg im Breisgau 1999

Symonds, John: Aleister Crowley, das Tier 666: Leben und Magick, München 1996

Zeitschriften:

Artikel:

Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e. V.: Darkwave und 
Rechtsextremismus. Materialsammlung zur Veranstaltung am 2. September in Berlin, 
Berlin 1999

Die geilsten Uniformen, in: Jungle World, 26. März 1998

Dittmann, Arvid: Rezensionen: Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne, in: Journal der 
Jugendkulturen #1, November 1999 (S. 34- 41)

Ehrhardt, Heiko: Musik liegt in der Gruft. Einige Bemerkungen zur Dark Wave/ 
Gothic- Szene, in: Materialdienst der EZW 4/99, (S. 110- 114)

Fermor, Gotthard: Satanismus in der Rockmusik, Evangelische Zentralstelle für 
Weltanschauungsfragen: Orientierungen und Berichte Nr. 22, VII/ 1995

Freudemann, Andreas: Warum hilft Knoblauch gegen Vampire?, in: System ubw. 
Zeitschrift für klassische Psychoanalyse, 2. Jahrgang, Heft 1, Februar 1984 (S. 
44- 58)

Marchlowitz, Birgit: Gottesbilder in der Gothic- Musik. Gedanken zu einer 
Jugendkultur, in: Christenlehre/ Religionsunterricht - Praxis 50, 2/ 1997 (S. 
42- 44)

Stiglegger, Marcus: Trauer und Reinheit: Die Wiederkehr der Liedermacher, in: 
Auf Abwegen, DAS musikmagazinchen, 5. Jahrgang, Sommer/ Herbst 1997 (S. 33- 37)

Szenemagazine:

Asphyxia, Issue # 4, Chicago/ IL 

Back Again (Winter 97/98), Darmstadt und Hamburg

Europakreuz, Berlin (verschiedene Ausgaben)

Gothic, Holzgerlingen (verschiedene Ausgaben)

Sigill, Dresden (verschiedene Ausgaben)

Sonic Seducer Musik Magazin, Oberhausen (verschiedene Ausgaben)

Zillo Musik Magazin, Stockelsdorf (verschiedene Ausgaben) 

Sonstige:

Antifaschistisches Info, Juli/ August 1997

Internet:

Artikel:

Azhram: Defining Goth. Origins of Modern Gothic Culture, http://blood-
dance.net/goth/origins.html

Bexton, William: Spatial Boundaries, Etiquette and Interpersonal Interactions at 
a Gothic Club, http://www.vamp.org/Gothic/Text/anthropaper.htm

Cremet, Jean: The dark side of the music. Jenseits von "Böhse Onkelz" und 
"Screwdriver". Über (neo-) faschistische Tendenzen in der Independent- Musik, 
in: analyse & kritik 389, 04/ 1996, S. 11 ff, http://www.pc-
easy.de/geister/cremet.htm

Gochenour, Phillip Henry: Subject: Re: Beyond the Pale II, Newsgroup: 
alt.gothic, 6. Oktober 1994, 03:55:20 GMT,  
http://www.suba.com/~rcarrier/Goth/phil.txt

Gronow, Gerlinde: Offener Brief an Easy Ettler, http://www.pc-
easy.de/geister/easy.htm

Grufties gegen Rechts: Die Geister, die ich rief, http://www.pc-
easy.de/geister/brosch.htm

Grufties gegen Rechts: Revolte gegen die moderne Welt - Braune 
Graswurzelrevolution in der schwarzen Szene? Über den neurechten Kulturkampf und 
Widerständiges aus der Gothic- Szene, http://www.pc-easy.de/geister/aib.htm

Gunn, J.: Bela Lugosi´s Dead?: On Gothic Music and the Inevitibility of Genre, 
http://www.tc.umn.edu/nlhome/m049/gunn0025/gothstudia2.html

Hans D: A History of Gothic, http://members.tripod.lycos.nl/HansD/history.html

Hoffmann, Dirk: Das Versteck des Antichristen, in: Zillo Musik Magazin (7-8/99), 
http://members.tripod.com/~Heydebreck/kczil.html

Kadmon: Anti- Faschismus: Katholizismus ohne Gott, 
http://www.geocities.com/SunsetStrip/Amphitheatre/6522/antifa.htm 

Neitzert, Dr. Lutz: Rechte Musik und Fascho- Rock, http://home.rhein-
zeitung.de/~dneitzer/homepage3.htm

Origins of the term "Goth", http://www.scathe.demon.co.uk/name.htm

Schobert, Alfred: Graswurzelrevolution von rechts? Zum Versuch jüngerer 
Vertreter der "Neuen Rechten", in der Dark- Wave- Szene Fuß zu fassen, 
http://members.aol.com/dissdui/bi0015.htm

Schobert, Alfred: Heidentum, Musik und Terror, 
http://members.aol.com/dissdui/bi0026.htm

Schobert, Alfred: In Riefenstahl- Gewittern, 
http://members.aol.com/dissdui/bi0009.htm

Schuhmacher, Hans: Ariosophie - ein Überblick, 
http://www.rabenclan.de/ariosophie.htm

Schuhmacher, Hans: Rassismus und Szene, http://www.rabenclan.de/szene1.htm

Schuhmacher, Hans: Wicca - das trojanische Pferd der Theosophie, 
http://www.rabenclan.de/wiccatr.htm

Tandecki, Daniela: Nachtsaiten der Musik, Grauzone und Braunzonen in der 
schwarzen Musikszene, http://www.kas.de/dokumente/pdf/blackas.pdf

Volck, Horst: Neugeistige Tonkunst zwischen Konservatismus und Avantgarde, in: 
Elemente der Metapolitik zur europäischen Neugeburt, Nr. 6/ 1998, 
http://www.myway.de/secretlab/dturbu26.htm

Sonstige verwendete Adressen:

http://worldserpent.com (World Serpent Distribution)

http://www.gruftieland.de (Gothic- Culture, ehemals: Gruftieland)

http://www.jungefreiheit.de (Junge Freiheit)

http://www.jungle-world.com (Jungle World)

http://www.mdr.de/fakt/archiv (MDR- Fakt)

http://www.spiegel.de/archiv (Der Spiegel)

http://www.thirdposition.com (Thirdposition)


  

Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig und nur mit den angegebenen Quellen und Hilfsmitteln gefertigt und dass ich alle Stellen der Arbeit, die aus anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinne nach entnommen sind, kenntlich gemacht habe. Berlin, den 4. April 2000 (Oliver Zimmermann)