|
17.05.2001 Der siebte Tag - "Rundreise: Nuwara Eliya"
(Do)
07:30
Uhr Noch immer ziemlich zerknittert erscheine ich am Frühstückstisch
und ernte mitleidige Blicke. Nach einigen Litern isotonischer
Getränke (die ich in Pulverform sicherheitshalber im Rucksack
hatte) freue ich mich auf die erste feste Nahrung. Zwei Scheiben
Toast müssen dran glauben... Der Reiseleiter haut sich, frei
nach inländischer Manier, den Frühstücksteller voll mit Reis
und scharfem "Drumherum". Da wir etwas knapp mit der Zeit sind,
läßt er auch das Besteck links liegen und futtert in traditioneller
Art, mit der rechten Hand alles in sich hinein...Mahlzeit.
08:00 Uhr Der Bus ist startklar und wir brechen auf ins Hochland
von Sri Lanka. Mit jedem Meter den wir höher steigen, verändert
das Land langsam sein Gesicht. Erste zusammenhängende Berglandschaften,
dunkelgrüne Täler und viele kleinen Bäche und Wasserfälle machen
aus der Sonneninsel eine Tropenlandschaft. In der Ferne verschwinden
die Bergwipfel in den tief Hängenden Wolken. Jede Kurve ist
eine Herausforderung für den Fahrer und ein Erlebnis für die
Insassen, denn auf Sri Lanka hat jeder Vorfahrt. Da wird gehupt
und überholt was das Zeug hält und der ein oder andere "untermotorisierte"
muß um sein Leben bangen, wenn die offenbar übermotivierten
Fahrer Gas geben.
11:00
Uhr Seit geraumer Zeit fahren wir durch große Teeplantagen.
Links und rechts der Straße liegen sie nun - die Schätze Sri
Lankas. Ceylon-Tee ist noch immer Exportschlager Nummer eins
und bringt dem Land nötige Devisen. In den Büschen stehen Frauen
und ernten in mühevoller Kleinarbeit die jungen Triebe der Teepflanzen.
Die Sammelsäcke werden auf dem Rücken getragen und durch ein
Stirnband gehalten. Bis zu 25 kg kann ein solcher Sack wiegen
und ich beneide die Frauen ja überhaupt nicht. Der Reiseführer
weiß jedoch zu berichten, daß diese Jobs sehr begehrt sind,
da man damit einen relativ einträglichen Lohn verdienen kann.
Den
ersten Zwischenstop machen wir dann auch in einer Teefabrik.
Zur Begrüßung und zum Smalltalk wird schwarzer Tee gereicht.
Selten so gutes Gebräu getrunken! Wahrscheinlich frisch vom
Busch in die Tasse.... Der Guide (der offenbar schon tausendmal
hier war) erklärt uns den Produktionsablauf vom Trocknen, über
das Mahlen und Sortieren, bis hin zur Verpackung und Lagerung.
Die Luft in den Hallen ist feucht-heiß und die Ausdünstungen
der Teeblätter stechen sofort in die Nase. Es arbeiten relativ
wenige Menschen hier und alles geht recht familiär zu. Der Maschinenpark
in den verschiedenen Hallen ist sehr beeindruckend - viele Generationen
haben schon an den gleichen Bändern, Tischen und Mühlen gestanden
und mit dem Tee die Familien ernährt. Bewegte Teile der Maschinen
werden über Laufbänder angetrieben und sehen alles andere als
sicher aus, arbeiten aber offenbar zuverlässig vor sich hin.
Wie bei jeder "Butterfahrt" geht es anschließend nochmals in
den Verkaufsraum der Fabrik und vermeintliche Dumpingpreise
locken zum Kauf. Ich fackele nicht lange und erstehe eine Packung
BOP-Tee (Broken Orange Pekoe...oder
so ähnlich).
13:00
Uhr Zwischenstop auf halber Strecke zum Hochland. Für ein kleines
Mittagessen (ich wage eine Hühnersuppe) steigen wir ein paar
Meter unterhalb der Straße in ein Aussichts-Restaurant. Zwei
Wasserfälle und jede Menge Natur sind von hier aus zu bestaunen.
Es ist nicht besonders viel los hier, aber alle Hungrigen sind
ebenfalls Rundreisegäste, denn das ein oder andere Gesicht kommt
mir aus anderen Hotels doch bekannt vor... Noch einmal die Füße
ausstrecken und weiter geht es in den Bus. LKW nach LKW kommt
uns entgegen (oder überholt uns) und macht "Appetit" auf das
was uns im Hochland erwartet.
14:00
Uhr Nuwara Eliya ("Die Stadt über den Wolken")
liegt in einer Höhe von über 2000 m und bietet ein wirklich
angenehmes Klima. In dieser Stadt, deren Erbe die alten Häusern
und Hotels der britische Kolonialzeit sind, wird es Abends recht
frisch und es ist ratsam einem Pullover im Gepäck zu haben.
An alten ehrwürdigen Hotels (es soll sich um "mehrsternige"
Herbergen handeln) vorbei geht in Richtung Zentrum. Eine kleine
Besichtigung auf dem Markt macht nicht gerade hungrig, denn
hier schmort das Fleisch in der Sonne und der Fisch hat schon
einige Tage auf dem Buckel. Und Mücken - überall Mücken. Hunderte
von diesen schwarzen Fliegern belagern hier die Lebensmittel
und futtern sich satt... An einem "Gemüse-Stand" gibt es auch
Halblegales. Betel-Blätter und -Nüsse werden hier angeboten.
Beides wird als Volksdroge unter die Leute gebracht und es hilft
offenbar ein wenig das triste Dasein zu ertragen. In den Gassen
gibt es dutzende von fliegenden Händlern, fahrende Schuster
und Los-Verkäufer die auf kaufende Kundschaft hoffen. Auf der
anderen Straßenseite finden sich in einer anderen Gasse Textilhändler
(gefälschte Markenware aus Süd-Ost-Asien, deren Qualität jedoch
zu wünschen übrig läßt). Seltsam, daß diese Händler, die Stand
an Stand nebeneinander stehen, nur hier verkaufen. Der Reiseführer
erzählt uns später, daß diese Leute mit einem Bein im Gefängnis
stehen. Weniger wegen der gefälschten Kleidung, sondern wegen
der Drogen die hier unter der Hand gehandelt werden...
15:
00 Uhr Nach dieser verhinderten "Shopping-Tour" geht es weiter
zum nächsten Nachtlager. Das Hotel St. Andrews
(1 Stern) macht einen historischen Eindruck. Hier hat mit Sicherheit
schon der ein oder andere Earl aus dem Vereinigten Königreich
genächtigt. So alt die Tradition des Hauses, so alt ist auch
die Ausstattung des Hauses. Alles ist sauber, die Möbel reichlich
britisch und an jeder Ecke knirschen die Dielen. Schade daß
die Zimmer nicht erzählen können, denn in diesen Wänden wurde
bestimmt Geschichte geschrieben. Inmitten alter Kaminzimmer,
dunkelbraunen Vitrinen und gelbschummrigem Licht findet sich
ein Nadelöhr in die moderne Welt. Als besonderen Business-Service
hat das Hotel einen Internet-PC angeschafft, der jedoch wegen
seiner spartanischen Ausstattung ebenfalls als antik bezeichnet
werden kann. Bis zum "Dinner" vertreibe ich die Zeit mit klassischem
Nichtstun, denn im näheren Umfeld des Hotels ist kein Highlight
zu erwarten und überhaupt sind wir alle ein wenig gerädert von
der langen Fahrt.
Kaum
ist die Sonne untergegangen ist, zumindest draußen, wirklich
ein Pullover nötig. Ich schätze, daß das Thermometer nachts
auf 10 ° C heruntergeht und bin froh, daß es im Hotel noch ein
wenig Restwärme gibt.
19:00
Uhr Abendessen. Im holzvertäfelten Speisesaal herrscht irgendwie
eine gediegene Stimmung. Auch hier liegt noch immer ein Hauch
von Königreich in der Luft. Durch eine große Glasscheibe kann
man den Köchen bei der Arbeit zusehen, ab und an wird es mächtig
hell an den Öfen, denn heute scheint es irgend etwas flammbiertes
zu geben.
Der
Speiseplan sieht auf den ersten Blick mächtig beeindruckend
aus und setzt sich aus 4 variablen Gängen zusammen. Jedoch gibt
es lange Gesichter bei der Präsentation der Mahlzeiten: "Wenig,
aber dafür auch nicht so richtig gut" - so lautet das erste
Resümee des Abendessens (Ein Lamm, was maximal eine alte Ziege
ist; ein Huhn was durch die Panade außenrum erst so richtig
dick wird und Gemüse ohne Gewürz; und so was in Sri Lanka).
Aber egal, Hauptsache das Bier hat die bekannte Qualität...
Zu allem Übel drängelt sich noch eine Beatles-Nachwuchskapelle
in den Speisesaal und macht mächtig auf sich aufmerksam. Von
Gitarre, Trommel und mächtigem Gesang umringt, muß jeder Tisch
dran glauben. Nur wir werden verschont, denn Friedel macht durch
ein freundliches aber bestimmtes "No, thank you" klar,
daß unsere Truppe auch ohne Heimatmelodien auskommt. Nach dem
Essen erzählt unser Reiseleiter im "Kaminzimmer" noch aus dem
singalesischen Nähkästchen und um 22:30 Uhr ist für mich Feierabend.
|