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Uhura Message 2
1998
Kapitel-Index:
prolog
replik
aktion
parabolum
fiktion
final
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prolog
das was sich surreal zeichnet - das und das um das drum-herum,
wo wind und weite fegen und um die gunst der gezeiten buhlen
- jenes fällt unter die sparte traumhaftes erleben; was
am meisten beeindruckt ist die leichtigkeit des spiels und die
kontraktionen von interaktiver lust - temporäre rechnung
hält inne, gibt sich selbst der muse hin und ist großzügig
mit zärtlichen intervallen, in denen liebkosungen an mitessern
und wasser lassen unter betätigung der spülung platz
hat - zigarettenrauch umwirbelt stundenlanges aufgeilen der begierde
von gegenseitiger befriedigung seelischer und körperlicher
verlangen; schauerlicher untrieb am abgrund der wollust - jener
spalt in den die liebe hineinfällt, und auf der vollendung
- einem weißlich schimmernden gehärnten gaul, der
auf den namen instinkt hört - davontrabt; vermaledeite stallung,
über dem bleiern ein rotes band schleifen zieht, um schemenhaft
als spiegel des gleichnisses ein zitat katherine mansfield zu
hinterlassen - "Dem menschlichen Leiden sind keine Grenzen
gesetzt. Wenn man glaubt: Jetzt bin ich auf dem Grund des Meeres
angelangt, tiefer kann es nicht gehen - dann geht es noch tiefer.
Und so ist es immer wieder. Man muß sich fügen. Man
muß nicht Widerstand leisten. Nimm es hin ! Laß dich
überwältigen ! Nimm es gänzlich an ! Mache es
zu einem Teil deines Daseins !"
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replik
damals (in memoriam einer einst freundin) - damals im sommer
damals - damals jener sorglose abschnitt - die periode der wärme
- spanne früher jugend - arglos' zeit - jener abschnitt,
welcher nicht mit rechten dingen sich zugetragen hat, ansonsten
ihn nicht hätt' mit lücken in erinnerung - damals surren
der bremsen - zigfach erschlagen über chlor und wärmestaus
- derer der wärme der schieferplatten rund um becken - hauttrockner
unser - spaß und die gefühle jung - rolle rückwärts
- du damals schön und frisch - ich unerfahren und mittelscheitel
- damals blond und lang du das haar - erste fotoversuche an dir
- begehrt und umschwärmt nicht nur von bremsen - beider
väter - ENEL - beider mütter - haus /
damals - eigentlich vor damals und noch früher - mit acht,
neun und zehn - späte kindheit - sorglos war's - noch sorgloser
die tage vor dem damals - damals - barbie und ken - krimis und
hörspiele hausgemacht im stiegenhaus - unbekümmerter
raum im dritten stock unterm finstern unterdach - gespenstisches
schattenspiel um balken - stauraum unser' phantasie - verregnete
ferientage zu haufe und zur späten nächtlich stunde
schien um uns die sonne - damals, wahrlich schön war's damals
/
damals - sonne, strand, sand - rimini-rivazzurra und auch vor
damals und noch früher - mit acht, neun und zehn - mutters
tränen zum abschied - ein koloß am meer - postklassizistischer
farbtupfer in ocker gelb - gruppenspiele und sandburgen - drei
wochen verträumter gratisaufenthalt im coloniealltag, dank
mamma e-wirtschaft - drei wochen fognaturen - drei wochen nudeln
per primo und obst zum dessert - durchlebter zorn am zaun der
staturen - damals die zeit der vorfrühreife - wassermelone
und billiger celentano verschnitt - lele und andre kürbisse
die das pokern beibrachten und praktische anleitungen in - far
sege - erteilten - hauptsach'
dicke freunde, dem damals wegen - kindsfreunde - noch bevor im
selben haus beheimatet /
damals - schon später als damals im sommer und noch viel
viel später als mit acht, neun oder zehn - damals unters
zinnhitt'n dach - berg und arbeit - ferien meinerseits - du eines
sommerjobs wegen, und fragtest: "bua bisch verliebt"
- nicht absteigen über sommer du - selbstgedrehte - drum,
hab's dort erlernt - den dreh - spirale der sucht mein /
damals - war schon später als vor dem damals und noch früher,
aber auch wie damals im sommer - damals auf dem berg - öfters
ein foto von dir - ein gruß - oberflächliche fetzen
- floskeln und banalitäten - auffrischen von damals - dann
mitunter negation und nichtachtung - schad' mir ward' dies dein
tun - damals wolken im verzug - grau und schwarz - mir ward'
nicht bewußt dem warum - die lebenssäfte der lust
warden schon brandmarkt zum tod - schließlich nicht einmal
ein gruß /
damals - damals die scham - hochnäsig und nix lachen dem
damals wegen - heut' noch den letzten blick von damls - das hastige
vorbei - das an einander huschen unser - bruchteil eines augenblicks
- beschämung deiner im aug' deiner - deiner schönen
augen - tief und leer dort - noch heut' in diesem blick den deinen
konflikt seh'/
damals - das letzte damals - damals dann heirat - freudevoll
voll der bauch, voll - fatal schwanger - geschwängert in
den tod - in den tod mit kind - mit kind und mann - in den tod
am joch droben - damls droben am joch - unterem peitler - unten
drunter am joch des nachts gase der befreiung - lebst weiter
in der gegenwart - in mir - in meiner uns weiter - weiter fort,
dem meinen damls wegen - schad' ist's um dich - ... petra (gegeben
an einem ort des gemeinsamen nachgeschmackes - dort wo ein damals
ist - im fünften jahr danach, von damals - mi 30 07 97)
/
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aktion
klatschnaß bis auf mark und bein, und unten drunter der
untergrund idem, so geht's den rinnstein runter; dabei wird kehricht
von verblaßten sonnentagen mitgerissen unten drunter, unter
wasser, unter einem film aus sauerstoff; dieser, der kehricht
- ein rückstand und überbleibs'l, etwas achtloses nebenbei
und zurückgebliebenes, was an den rand gedrängt und
ausgedient hat - dieser sich, der kehricht, mit gezeter dem prozeß
des entfernens durch das feuchte element aus seinem angestammten
ambiente und doch provisorischen platz widersetzt - für
staub und schmutz ein logischer und natürlicher vorgang;
reinigende pein für jenes, das sich dort akkumuliert, wo
wind und luftzüge aufwirbeln, sudelhafte strudel verursacht
- gleicht dem zuammentreiben einer horde von kühen - nach
ausgiebiger hatz und balz gelangweilt fallen lassen und von dannen
ziehen, um neues und jungfräuliches unter ihrer macht zu
brechen; salz und splitt, die zwangssymbiose für ein sicheres
vorankommen und nicht minderer wirtschaftsfaktor nicht nur im
südlichen alpenraum, ist nach einem strengen winter mit
viel schnee im gehäuften maße vorhanden und bringt
zusätzlich verwirrung ins spiel an bordsteinkanten und straßenrändern;
dies aber nur selten in der zeitspanne eines menschenlebens und
ist meist eine erinnerung der fernen infantilität - dort,
in den tagen der ersten unsicheren schritte, in den tagen der
ersten gestammelten laute, in den tagen der vollen hosen - dort,
alles unerschöpfliche dimensionen hat; geläutert geht's
runter, ein bräunlich verfärbtes gemisch aus glitschigen
staubpartikeln und regenwasser, dessen fließgeschwindigkeit
von der neigung des geländes abhängig ist wie von der
beschaffenheit des untergrundes, aber auch von der konsistenz
des zu fließenden; unabhängig von ersten beiden, die
mixtur, die später dem weißwasserkanal entschwindet,
sie fließt an der oberfläche mit höherer geschwindigkeit
als an dessen grund; doch dies ist für staub und schmutz
irrelevant, ein logischer, natürlicher und bio-logischer
vorgang; so auch der menstruationszyklus für eine frau es
ist - in der regel achtundzwanzig tage, zeitlich bemesen - somit
kann's den kanal runtergehen wie es will; andererseits, was ist
beim monatsfluß des weibes schon normal in zeiten, wo alles
drunter und drüber geht; die hektik dieser epoche für
natürliche vorgänge nix über hat, und konträre
handlungsweisen die norm sind - diese stehen im krassen gegensatz
zum zyklus des daseins - unterbinden mit binden nicht nur die
kräfte der natur, sondern gehen einen gefährlichen
pakt mit der alchemie ein; als par exempel und stellvertretend
für vieles, was paradox angereichert ist, mögen die
ersten geblähten bäuche von heranwachsenden mädchen
sein und infolge slips, die eine nuance an rot aufweisen - der
erste weg führt mit mutters geschubs zur diana; obgleich
diese, die jungen frauen, von den vorgängen des eigenen
körpers überrascht sind und neugierig auf weiteres,
so muß es umso absonderlicher sein, wenn in der horizontalen
mit gegrätschten beinen der frauenarzt entgegentritt; wär'
der biologie indes nicht besser gedient, wenn den dingen freier
lauf gelassen würde, so wie die entzückenden krämpfe
des glücks eines unzulänglich geschützten geschlechtsverkehrs
von unerfahrenen liebenden - so auch die schmerzen im unterleib
souverän ertragen, wenn menarche unwohlsein auslöst;
erleichternd könnten gefühle des wohlseins sein - für
sie - ein heilsamer prozeß der reinigung von körper
und seele, daß nicht tyche es zur schwangerschaft kommen
läßt und somit leichtsinnige jugendsünden das
leben für jahrzehnte beeinträchtigen in seinem "normalen"
verlauf; erste geblähte bäuche und blütenweiße
höschen, die als natürliche reizwäsche verwendung
finden, aber nein - römische jagdgöttin muß in
abgeleiteter form der diane für einen reibungslosen verlauf
der periode herhalten, um auf daß nix an lebensgefühlen
beschnitten - nix an trends versäumt - nix an sportlichen
und schulischen leistungen nagen tut; täglich ein pillchen
in ehren sollte keine frau verwehren, predigt die pharmaindustrie
von der börse herab ins kinderzimmer; die haltung der kirche
dabei fester bestandteil des spiels, hält sie doch aktienpakete
von den multis, die sich am verhüteten leben eine goldige
nase verdienen - daß das, was verboten, daß das stets
größte versuchung ist, ist ein alter hut - somit gutes
geschäft für jene, die sich's verbitten; den mädchen
ist's spätestens dann egal, wenn sich mit irgend einem typen
eingelassen und muttern ist zufrieden, daß die ihren suppenhühner
befreit vom schmerz sind; weg ist bereitet, um dem treiben der
triebe freien lauf zu lassen und höschen wiederum nuancen
- nur diesmal in pastellenen tönen - der innigkeit aufweisen
können; in den höschen die sanftmut der gefühle
von frauen, von denen ein mann - die männer nicht träumen
kännen - nicht erträumen lassen was es heißt,
frau zu lieben; frau liebt frau und läßt sich lieben
auf mannigfaltige weise - all das ausleben, was einen selbst
zum wahnsinn treibt - kein schlechtes gewissen haben - den eigenen
körper neu erfahren; die sinnlichkeit nicht nur auf ein
zentrales organ konzentriert, oder behelfsmäßig eingeführt,
geschweige denn imstande ist, es sich selbst ordentlich zu besorgen
- nein, frau liebt frau auf eine art, wie es nur frauen können
- sind es junge maiden, dann um so beneidenswerter dies' glücklich'
frauen /
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parabolum
der maschinerie aufwendig verspannter seilkonstrukten entfliehen,
die aus einem netz von lügen gespannt sind und wie kletten
an einem berghang haften; drunten unter geht's weit runter und
ruh; dieser - der schauplatz - obenauf kahl rasiert, nackt und
blind samt einer schramme sich präsentiert - wirkt am gesichtskreis
wie abgetrennte eichel eines erregten penis; nur daß kuppel
das ganze jahr hindurch weiß überzogen und für
wenige monate, an denen die sonne ihre volle kraft ausspielt,
tief rot-braun eingebettet in die umliegende landschaft anklagt;
als das höchste gut auf erden - noch vor dem herzen jesu
und andré hofer - in der brust der einheimischen die imagination
umliegender züge, fluchten, hänge und ketten das vermittelt,
was als heimat beschimpft wird; die ausbeute des rohstoffes alpen
mit spott und hohn dem gegenüber steht, wenn über der
baumgrenze droben das lügennetz sich hinzieht - drüber
gespanntes geflecht aus stahlbeton und drahtseilen - auf dem,
auf daß massen großzügig fahren und laufen können;
genialer trugschluß eines per-petuum mobiles, um das die
fabel vom grenzenlosen wachstum, der ins unendliche giert, gewachsen
ist; im eigenen sack gestocktes blut von vermodertem aas, vor
dem köter breit gespreizt und speichel produzierend kläffen,
als sei es eine quelle nie versiegenden gold's; nix ist heilig
der hure politik - konstruktive kritik wird niedergeschmettert,
und wen würd's wundern, wenn dereinst ein deutscher herbst
- der von 1977 - seine renaissance erleben tät' unterm schlern
- enteignet die ebner presse gab's schon mal in der goethe straß'n
zu bozen - wen würd's wundern, wenn verstaubtes textil aus
der mottenkist' geholt würde - wen würd's wundern,
wenn beifall klatschend der hure politik zugesetzt würd'
- wen, wen, wen nicht in unseren breiten, der einen funken an
rechtsempfinden in sich trägt - weder werte noch moral,
gesegnet sei der profit durch undemokratisches rodeln und quantitatives
qualitatives erweitern, das wiederum mit pomp und plüsch
unter religiösen riten abgesegnet wird; reinwaschen den
schwarzen profit der ausländischen geldaristokratie, die
diese - die stockroten triefenden renditen mit scheuklappen an
den auswirkungen ihrer transaktionen vorbeimanövrieren;
dabei fällt vieles durchs raster, das ein geknechtet dasein
fristet, und zu einer geknebelten zwangslage führt, durch
die sich ganze familien selbst auslöschen; hirten menschenopfer
wie osterlämmer einem bleifeuer preisgegeben, obgleich diese
sie - die herde - hinter sich in der schweiz gelassen haben;
politische exponenten gleich aufziehen, da geglaubte druckmittel
unter der gürtellinie ins kindische ausufern und erdbeben
verursachen; einen steilen sticklen steilhang ins rutschen bringen,
der sofort und ohne unterlaß ins rechte eck gedrückt
wird; in solchen fällen wird seitens der presse, von "un
grave caso di sangue", möglichst live und an 24 stunden
berichtet; alle anderen gehen unter im kampf um den "scoop",
denn wer kriegt das erste bild vom vermeintlichen täter
- der sich am arsch kratzt - wenn ihn der untersuchungsrichter
mit müden gesichtszügen der blitzlichtmeute vorführt;
abgespannt ebenso das mentale geflecht jenes mannes, der im offenen
fenster eines mietshauses steht, droben im zweiten stock; grad'
hat's die mitternachtsstund' eingeläutet, und spärlicher
laternenschein spiegelt sich im naßglatten straßenbelag
und wirft einen schimmer rauf, rauf zum mannsbild; dieser splitternackt
da steht - da steht am fensterbrett - die oberen extremitäten
weit von sich ausgebreitet, und die energie verspürt, die
die nacht in sich trägt; fenster ist hintergrund für
spielerischen untrieb und rahmen der handlung; da stehen und
hand ansetzen, es mit den elementen treiben; gebeugte knie und
ein hohlkreuz, die zehen krallen sich ins gesims und den kopf
leicht nach oben angewinkelt; gespanntes muskelgewebe am ganzen
körper und kräfte konzentriert im bereich der lenden;
der vorgespannte handkarren über stock und stein, regt eine
intensive atmung an; heftigkeit der aktion nimmt zu - mozarts
requiem, k626, setzt zum lacrimosa ein - erlösender schrei
des sich befleckens, ins weite leere nichts, den absprung nimmt;
aktion gilt vermaledeiten berserkern, die sich ans götzenbild
tourismus verschrieben haben und nicht bemerken wollen, daß
sie an ileus leiden und die ganze kacke - vor allem die eigene
- bis an den hals steht; eine traumhaft schöne und reizvolle
landschaft für feriengäste und den hiesigen ist's eine
zugeschissene kloake an der oberen etsch, dem gebiet, durch das
eisack und rienz auch noch fließen; vorbei die zeit der
sommerfrische, in der betuchte gestalten des europäischen
hochadels, gut gesittete bürger aus den stadtzentren sowie
die intellektuelle schicht aus der ganzen welt samt kind und
kegel, bettwäsche und nachttopf, auf den almen sich niederließen;
das reine luftmeer, das nicht nur, im gegensatz zu heut' nach
tosenden sommergewittern über der abendröte hängt,
vermischte sich damals mit zigarren- und pfeifenrauch bereits
mit dem ersten morgennebel; gemächlich trabte der kutscher
droben am bock über unzureichend befestigte wege deswegs,
durch talfluchten, die geschlungen sich hinziehen, auf hochebenen
hinauf; hinterm wegzaun, der aus kunstvoll ineinander verflochtenen
schwarten bestand, und mit holzstiften verfestigt war, leis sich
aufgewirbeltes der trabenden gäule auf taubenetzten wiesenblumen
nieder; drunten im tale indes schnaubend der zug den fahrplan
einhielt, rauchschwaden seine weiterfahrt kündend begleiteten;
der kutscher, meistens der roßknecht des gutshofs, zu dem
die von ihm angetriebenen tiere gehörten und zu dem er unterwegs
war; voll beladen mit raunzenden kindern - samt kindermädchen
- die in säuberliche tuchware gekleidet und von der langen
anreis' müd' waren; voll beladen mit großen schweren
lederkoffern, deren abgewetzte messingbeschläge vom öfteren
reisen zeugten und all das zum inhalt hatten, was eine ganze
sippe für einen sommerfrischaufenthalt, der sich über
mehrere wochen hinstreckte, gebrauchte; voll beladen mit der
dame und dem herren - den herrschaften des hauses - erstere gut
beleibt und besorgt, auf daß nix vergessen worden war und
zweiterer gelassen den rauschebart in die vorüberziehenden
fluren hielt; das war noch die zeit, in der urlaub noch urlaub
war, nix an hektik und drängen, etwas phantastisch spannendes
durchleben zu müssen, vorherrschte; heerscharen heut' es
in ferne länder treibt, um auch wieder - wieder nur die
hausmannskost der eigenen vier wände in der eigenen mundart
- man spricht deutsch - serviert zu bekommen; einst ruhig und
gelassen - heut' alles auf dem besten weg, im erlauchten kreis
von megalopolis aufgenommen zu werden; der alpenraum degradiert
zur sarkastischen zufluchtsstätte für rauhe wortwahl;
das lachen der actionhungrigen, es verhallt alsbald vor dem trauma
der realität - am anfang stand der traum - dieser der vater
des gedankens und muß nicht mehr eingeholt werden; eine
wortgewaltige allmacht der tat, geknechtetes land der berge,
das längst den dritten kniefall hinter sich hat, und an
dem vergessen worden ist, veronikas tuch drüber zu stülpen;
umsichtige vorfahren in weiser vorausschau imitate der hölzernen
spitzen des golgothahügels auf fast jeden berggipfel gebracht
haben; wie diese hölzer nun verwittert in die talschaften
runterstrotzen, so auch ergeht der blick der dort wohnenden oben
rauf; das schweifen der sinne ergeht oben rauf, zu den kämmen
und graten, hinter denen immer wieder aufs neue welche - kämme
und grate - zum vorschein kommen; enttäuschung ist groß,
daß eine weitere mauer, um vieles höher, die sichtweise
versperrt; immer wieder anlauf und stetes bild vor dem suchenden
sich ausbreitet; alsbald, nach wenigen dutzend versuchen, senken
resigniert die forschenden die köpf', und semidepressiv
geplagt kehren in sich; grat für grat, gipfel um gipfel,
steter tropfen dreht das seil, und nach wenigen jahrzehnten für
den ersten versuch bereit - für die eigene kragenweite reicht;
oder still und heimlich in einer garage, in einer obstwies',
oder hoch droben auf einem bergpaß, das auspuff-abgasrohr
sich ins maul rammen; aber auch jene nobodys, die den kopf in
einer schlinge - nach einem letzten atemzug dem hirn den hahn
abdrehen - ein leiser knacks folgt, als sei es ein dürrer
nadelholzzweig zu lichtmeß', an dem noch etwas wachs der
heiligen nacht klebt; neurosendurchzogener faltenzug zwischen
43. und 48. nördliche breitengrad sowie fünf und fünfzehn
östlichem längengrad; hier tummelt sich die jugend
in der freizeit dumm und dämlich und das, was "in"
ist, wird aus der sat-schüssel übernommen und in den
gassen imitiert zur schau getragen; was früher einmal in
simpler weise ganze großfamilien satt machte - die muasschüssl'
- ziert heute fassaden in stadt auf und land ab und ist durch
keine urbanistische vorschrift gemaßregelt - leider; wo
anderswo, findet sich eine größere akkumulation an
trauerbekundungen in den örtlichen presseorganen, denen
die parteanzeigen ein sicheres finanzpolster in der stagnierenden
inflationären weltwirtschaft sind - dem familienclan das
überleben in der vermonopolisierten medienlandschaft sichert;
natürliche selektion, die auslese des stärkeren findet
ihr futter in denen, die ihrer melancholie ein ende gesetzt haben;
der kreis, er schließt sich zu dem er bestimmt ist, und
überbleiben menhire der megalithgräber, die freigeschwemmt
vom material der gletschermoränen, vom definitiven aus zeugen;
droben in der höh' die verödung vonstatten geht, das
hochgebirge unweigerlich versteppt und der weg ist frei; alles
ist bereit für neues leben, etwas neues, das lange warten
kann, erst dann zum vorschein tritt, wenn alles andere, was als
leben bezeichnet und wo davor tod geschrieben wird, radiert ist;
zeitsprung dazwischen, 400 millionen jahre, bis als wieder keim
einer zelle der sonnenglut entgegensprießt; bis dahin ist
noch lang hin, vieles wird werden hin - immer weiter und breiter
die furchen in der natur sich ausbreiten - beginnt dort, wo kanalisiert
der mensch arbeitet und lebt; bringt mit sich die veränderungen
im verhalten der menschen gegenüber sich selbst und den
anderen danebenan; die verhedderung der werte mit dem täglichen
konflikt des daseins nimmt absurde formen an, immer dann, wenn
mond sich zu füllen beginnt; besondere aktivitäten
auf bürgersteigen, die nach hektik aussehen - die sasa ist
überfüllt - jeder im glauben, daß er zu spät
kommt und die seinen termine die wichtigsten sind; voll auch
dort, wo maccchiato vornehmlich im stehen eingenommen wird, aber
auch dort, wo frau agiert und im stehen nimmt; frau mit hackschuhen
bis zu den knien, schwarze strümpf' und kurz rock, enganliegender
rollpulli in pastell, der die spitzen des halters fein zeichnet,
top figur, langes haar offen über die schulter tragend,
perlenkette um hals und in ohr, alles samt abgerundet durch einen
lang schwer mantel; das 1,8 meter weib - mit schnellem schritt
so noch gewichtiger wirkt - die frau von welt mit mandarin fuk
tasche; die eine hand am riemen derselben hält, dazwischen
eingeklemmt ein handy; frau steht ihren mann, power frau mit
klischee - drei wetter taft - frau immer erreichbar und vor allem
verfügbar für mann; frau, die es sich selbst besorgt
wenn keiner vorhanden - kurz zwischen durch - zwischen macchiato
im stehn und teambesprechung - frau hat vibracall - das ultimative
duplex für frau - das duplex aller bedürfnisse; dort
wo maccchiato vornehmlich im stehen eingenommen, ein immer wiederkehrendes
spetakel um die gezeiten im urbanen raum, und sie steh'n jenen
der weltmeere um nichts nach; nur daß die ästhetik
der großen teiche keinem vergleich standhält zu der,
der sich sterblicher täglich unterwirft; großstädtische
betriebsamkeit eher noch dem vergleich zur plastischen hochkonjunktur
standhält, dem ein weibliches kind in der pubertät
ausgesetzt ist; das einsetzen des wachstums in gewissen regionen
wie auch der zusätzliche druck an der substanz des stützwerkes
streß auslöst; der schub an hormonen am gefüge
- der aufbau von geometrischen formen in der reifezeit der flegeljahre
problematische dimensionen annehmen kann; ausarten in exorbitante
umfänge und geduckte haltung mit gekrümmtem erscheinungsbild,
denn struktureller boom der beglückten unmaße bescheren
kann; ist gesprungen wie gehüpft - nie ist's recht wie dem
ist - an das äußeren erscheinungsbild werden immer
andere ansprüche gestellt als grad' vorhanden; ein stilbruch
in der fiktion heilende wirkung bewirken kann - drum ab in alices
wunderland /
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fiktion
es war einmal ei3n land - in ei3ner schön' gegend - in de4r
wenig platz ward' für ei2ne noch schönere gegend umgebung
- in diesem - es war einmal ei3n land - und de4r schönen
gegend drum herum und herum, gedieh und blühte alles prächtig
wunder hübsch - ei2ne schöne gegend wahrlich, daher
machte es de7m - es war einmal ei3n land - de7m schönen
land nicht viel aus, da6ß9 kein platz mehr ward' für
ei2ne noch schönere gegend, im - es war einmal ei3n land
/
es herrschte ei3n friedliches nebeneinander aller aller - keiner
hatte zuviel zuviel - keiner zuwenig wenig - alle fanden ei3n
auskommen einkommen - da6s täglich' brot wurd' brüderlich
geteilt teilt, halbiert von de5n bewohnern, im - es war einmal
ei3n land - ei3n schöne gegend wahrhaftig schön - ei3n
scholle des friedens - ei3n gefilde im einklang klang mit s7einem
ursprung anfang /
wohlbefinden von allem was beine, was flügel, was kroch,
was sich schlängelte, was flossen hatte hatte - ebenso von
de7m was ohn' seel', aber doch gedieh wuchs - fauna und flora
ebenbürtig de7m mensch' ward', des - es war einmal ei3n
land - de7m schön' land, dessen volk di2e gezeiten zeiten
des jahr'kreises respektvoll annahmen nahmen und viel gespühr
in de5n umgang gang mit ihrer umwelt welt an de5n tag legten
hegten /
alt und jung, jung jung - schulkind und greis, alter und alte
- legte hand hände an dort wo nötig benötigt -
ging nicht aneinander vorüber vorbei ohne ei5nen gruß
- hatte e3in offenes ohr ohr für di2e belange des nächsten
- hatte zeit zeit um zu zuhören hören - hektik kein
thema gegenstand und gelassenheit im lösen de4r probleme
selbstverständlich üblich /
da6s - es war einmal ei3n land - s6eine schön' gegend gegend
durchzogen prunkende sprudelnde flüsse, di2e de4r quell
quell allen ursprungs anfang waren, und vom schnee schnee, de4r
auf di2e berge bergen des - es war einmal ei3n land - fiel, im
ju6ni genährt nährt wurden /
im abschnitt schnitt nach de7m wonnemonat füllten sich di2e
wasserstraßen straßen - nicht nur schmelzwasser wasser,
gleichwertig prasselte im rechten maß maß regen,
im - es war einmal ei3n land - da6s schöne land, di2e schöne
gegend so noch prächtiger wurd', und reiche ernte ernte
in de4r kastanienzeit eingefahren fahren werden konnt' konnte
/
reiche ernte ernte, de4ren es nie genug, im - es war einmal ei3n
land - ward' warden - di2e erträge wuchsen wuchsen von jahr
zu jahr, so da6ß9 nicht nur alle alle satt satt wurden,
sondern de4r überschuß schuß ei2ne rege handelstätigkeit
tätigkeit und wohlstand mit sich brachte, im - es war einmal
ei3n land /
reiche ernte ernte, de4ren es nie genug, im - es war einmal ei3n
land - ward' warden - reichhaltig und überfluß fluß
gaben de5n ton ton an - johannisbeeren beeren di2e fülle
ei4ner weintraube traube - heidelbeeren beeren da6s volumen ei6nes
kürbisses hatten - paradeiser immer voll voll in de4r form
und tief rot rot, de5n umfang ei6nes großen medizinballes
balles maßen /
im - es war einmal ei3n land - florierten di2e geschäfte
schäfte - aus bauern bauern wurden in edle tuchware umhüllte
hüllte bürger geworden, di2e in pompösen häusern
rauschende rauschende feste feierten - über und überschuß
schuß zu hauf' - ausschuß /
im - es war einmal ei3n land - verschwanden nach und nach, nach
di2e grenzen zu de5n klaren farben farben des elementaren - zunächst
pastell pastell, dann blaß blaß, und gänzlich
im - es war einmal ei3n land - de4reinst schön' gegend,
di2e aber nichts desto trotz trotz - im gegenteil teil - zum
trotz trotz, sie ward' nur noch attraktiver tiefer für di2e
profitierenden - strahlte schriller schriller und heller heller
übers - es war einmal ei3n land - dem einst schönen
land /
da6s - es war einmal ei3n land - di2e schönen gegenden wurden
ausgesaugt saugt - de4r ernte - des ertrages trages - des gewinnes
wegen - man und frau frau versiegelte di2e oberflächen flächen
des - es war einmal ei3n land - immer größere gebiet
wurden es, di2e di2e ausbeuten beute zur kastanienzeit hochtrieben
trieben /
für ei2ne generation di2e im - es war einmal ei3n land -
im überfluß lebenden lebenden - für ei2ne zw2eite
generation auch noch an - es waren einmal länd'lern - ins
schier unermeßliche stieg stieg di2e produktivität
tät, und brachte besitzendes wohlbefinden finden unter di2e
leut' leut', des - es war einmal ei3n land - ei3n schön'
land /
ei3n schön' land land, da6s nach außen außen
hin hin blitzblank strahlte - e3in gülden golden garten
eden ward', unter dessen spröder spröder oberfläche
- unten drunter de7m blitzblanken blanken ei3n korrodierter kern
kern - marod und vegetierend dahin siechte seichend - all da6s,
was de7m fortschritt schritt im - es war einmal ei3n land - de7m
schönen land, in de7m kein platz mehr ward' für ei2ne
schöne gegend - all was de7m im weg' weg' stand, hatte sich
hier kumuliert liert - vegetierend siechte dahin dahin - vor
sich hin hin, im kern kern unter de7m blitzblanken blanken äußeren
des geifernden wohlbefindens findens /
für di2e zw2eite zw2eite - ei4ner zw2eiten und dr3itten
dr3itten, den enkeln auch noch - als dann dann, ei6nes tages
tag im abschnitt schnitt nach de7m wonnemonat monat di2e wasserstraßen
straßen wieder, im - es war einmal ei3n land - sich füllten,
höher und höher stiegen stieg'n/ di2e fluten schwollen
an an - di2e gewässer wässer ließen sich nicht
bändigen ändigen - spielerisch als sei es e3in fingerschnipp
schnipp, schwemmten, höhlten, untergruben gruben sie di2e
zahllosen täler täler im - es war einmal ei3n land
/
systematisch von ihrem ursprung sprung, massenhaft rinnsale sale
von bergeshöhen höhen herab stürzten im, im -
es war einmal ei3n land - tiefer und weiter weiter, schwemmten,
höhlten, untergruben gruben da6s - es war einmal ei3n land
- di2e einst schöne schöne, friedvolle volle und ausgeglichene
gegend, in de5n klauen von reißenden endenden wasser ward'
- unter s4einer macht stand /
kulturgüter mit mit sich, wegriß riß - unter
den häuselbauern bauern im - es war einmal ei3n land - de7m
schönen reichen, geförderten land di2e blanke blanke
angst brachte, im - es war einmal ei3n land - ging di2e verzweiflung
ung um - grad' so, so so, so wie einst ei3n geripp' ripp, jedermann
im mittelalter mit sich, sich nahm - de5n korb korb über
di2e achsel tragend, dessen blitzblanke blanke, spitz zulaufende
end', nun da6s wasser ward' - ob wasser wasser oder sans', de7m
schönen land, im - es war einmal ei3n land - di2e heimsuchung
suchung heim suchte /
es war einmal ei3n land - ei3n schön' land - unter land,
land unter unter - di2e kräft kräfte de4r natur, phantasievoll
voll all leben auslöschte löschte - ei3n wallendes
hallen hallen, durchbrach brach di2e wellen des wassers, an de5n
schnell schnell steigenden uferstreifen streifen, de4ren grenzen
grenzen im mitgeführten führten schleimigen ihre zeichnung
verloren loren /
da6s - es war einmal ei3n land - die schön' gegend, so reinigung
erfuhr fuhr - nun bereit reit ward', für di2e geburt ei4ner
neu' neu' schön' gegend - ei2ne schöne gegend, di2e
wiederum rum selbes end' finden sollt' sollte, im lauf de4r zeit
- reih um, um um in ordnung, im - es war einmal ei3n land und
de4r schön' schön' gegend /
zurück
final
wunderprächtig schließt sich ein kreis ab der geburt
eines erdenbürgers - dem einen wird's in die wiege gelegt,
und andere erkämpfen sich ihre stellung im geflecht - vieles
dazwischen ist grauzone und fristet dahin, bis daß der
tod scheidet; frage mich, wo ich eingeordnet werden kann - seit
dem punkt - seit die stadt die das licht der helios schenkte
- in die hinein geboren - deren n.c. kaser das zeugnis eines
guten alten altersheimes ausstellte - die aber auch für
wochen im bann von ferdinand g. war; gut ein jahrzehnt früher
hinterfragte eine lehrerin das "h" in der geburt und
wessen bohrer im spiel gewesen sei; dezidiert verneinen - kontern,
daß auf der ersten klasse muttern in den wehen lag, vom
chef der gynäkologie, dem primar, das kind in die welt geschrien
wurd' - somit die famiglia, für dies' jahr, fürs erste
komplett war; jenes jahr, in dem die vereinigten staaten mit
dem abzug ihrer truppen aus der apocalypse vietnam begannen -
das jahr mit dem höchststand an präsenz - dem jahr
der 541.000 mann, in das hineingeboren wird; famiglia, der nächste
fehler - aber das ist eine andere geschichte, die es noch zu
spinnen gilt; ... /
(02/98)
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