Chapter2:
Erschöpft schloss ich meine Haustür auf und striff mir die dicke Jacke vom Körper.
Ich war nicht nins Appartment zurück gejoggt,sondern hatte mir ein Taxi gerufen.
Nach diesem Tag wollte ich einfach keinen Schritt mehr gehen.
Mein Anrufbeantworter blinkte.
“Hey Amy,hier ist Joe.Wo steckst du denn schon wieder?Gönn dir mal ne Auszeit.
Schließlich will ich dich nicht mit Beruhigungstabletten vollgedröhnt sehen wenn ich wieder da bin.Melde dich.Ich liebe dich.” Joe!! Mein Gott,den hatte ich ja ganz vergessen.Er war vor 2 Monaten bevördert worden und arbeitete übergangsweise in Australien.In etwa 6 Wochen sollte er wieder kommen.Eigentlich hätte es mich freuen sollen meinen Verlobten wieder zu sehen nach der langen Zeit,aber ich hatte wichtigere Dinge im Kopf.Die Informationen über das plötzliche aus meine Lieblingsband steckten mir noch immer schwer im Magen.Ich kniete mich vor meinen Schrank und zog eine alte Schatulle heraus. Dort lagen alle Erinnerungen an meine Teenager Zeit. Unteranderem auch meine Hansonfotos. Ich verglich Die unzähligen Taylorbilder mit dem Taylor wie ich ihn heute kennengelernt hatte. Einen drastischeren Unterschied hatte ich kaum bei jemandem gesehen. Ich seufzte,steckte die Bilder zurück in die Schatulle und verstaute sie wieder im Schrank. Meine Füße traten in den Streik und ich hatte Mühe mich auf die Couch zu setzen und den Fernseher anzuschalten. Ohne das ich es bemerkte schlief ich ein paar Minuten später ein.
Es war wenig Verkehr auf den Straßen. Der Schnee und die dicke Eisschicht auf den Straßen machte es unmöglich mit dem Auto zu fahren. Ich rutschte auch einige Male auf dem zugefrorenen Gehweg aus,konnte mich jedoch immer wieder davor retten auf dem Hintern zu landen. Mit den Händen tief in den manteltaschen vergraben schlenderte ich durch die Gegend. Plötzlich kam mir eine Idee. Ich machte kehrt und ging zum Central Park in der Hoffnung dort Taylor wieder zusehen. Außer ein paar alten Großmüttern und Rentern sah ich jedoch niemanden. Mit getrübter Miene setzte ich mich auf eine Pank und streckte die Beine weg. Die Sonne schien mir direkt aufs Gesicht. Angenehm warm und nach Sommer vermittelnd. Doch dann spürte ich einen kalten Schatten. Ich öffnete langsam die Augen.
„Hallo.“ Taylor sah freundlich auf mich nieder. Ich setzte mich aufrecht hin. Der Knochen kommt also doch zum Hund,dachte ich.
„Hallo Taylor.Wie geht's dir?“,fragte ich während ich zur Seite rutschte um Platz für ihn zu machen.
„Man lebt.“,seufzte er.
„Und dir?“Er wand sich mir zu. Er sah gar nicht gut. Ein mindestens 6 Tage Bart,aufgesprungene Lippen,dicke Augenränder. Am Tag zuvor hatte er nicht so schlecht ausgesehn.
„Depremiert es dich wenn ich gut sage?“ Er lachte und schüttelte den Kopf.
„Nein ganz und gar nicht.“
„Dann ist ja gut.“ Ich wand meinen Blick von ihm ab und starrte stur geradeaus.Erst als er anfing zu zittern sah ich ihn wieder an.
„Du erkältest dich noch.“ Kopfschüttelnd stand ich auf und hielt ihm meine Hand entgegen. Verwirrt sah er mich an. Ich nickte ihm aufmunternd zu.
„Wir gehen zu mir nach Hause und trinken einen Tee,oder Kaffee.Komm,sonst holst du dir noch eine Lungenetzündung.“ Zögernd ergriff er meine Hand und zog sich hoch.
Schweigend gingen wir nebeneinander her.
„Wieso arbeitest du eigentlich nicht?“,fragte er als ich die Wohnungstür aufschloss.
„Ich habe mir Urlaub genommen. In zwei Jahren habe ich kein Einziges Mal gefehlt,da kann ich mir die Eine Woche auch gönnen.“,rief ich ihm aus der Küche zu.
„Kaffee oder Tee?“Ich lukte ins Wohnzimmer.Taylor stand vor meinem Spiegel und betrachtete sich nachdenklich. Er fuhr sich mit der Hand über seinen Bart,strubbelte sich über den Kopf und blickte an sich hinab. Ich fühlte mich so schlecht.
„Taylor.“ Erschrocken drehte er sich um.
„Wenn du möchtest,naja,du kannst gerne Duschen gehen. Der Kaffee braucht noch ein wenig.“,bot ich ihm an.
„Nein,das wäre zu aufdringlich.“Er sah weg und lachte verlegen.
„Ich habe es dir Angeboten.Du drängst dich mir nicht auf Taylor.“ Ich berührte kurz seine Schulter.
„Nagut,wenn ich dir keine Umstände mache.“Er zweifelte immernoch,das sah ich ihm an.
„Das Badezimmer ist dort hinten. Handtücher liegen im Schrank.“Ich schob ihn auf den Flur und wartete noch bis er im Bad verschwunden war. Seufzend setzte ich mich in die Küche. Taylor brauchte wirklich lange. Naja,ich konnte es ihm nicht übel nehmen,indem Zustand!
„Amber?“Taylors Kopf lukte aus der Badezimmertür heraus. Ich kippte mit dem Stuhl nach hinten um ihn ansehen zu können.
„Darf ich deine Haarbürste benutzen?“,fragte er unsicher.Um seine Nase herum wurde er leicht rot,von seinen Wangen mal ganz zu schweigen.
„Natürlich.“,lächelte ich. Da kam mir plötzlich eine Idee. Ich lief zu mir ins Schlafzimmer und kramte im Schrank nach den Klamotten meines Bruders. Er hatte einige hier vergessen als er das letzte mal bei mir zu Besuch war. Das war auch schon gut ein Jahr her.
„Taylor?“ Ich klopfte vorsichtig gegen die Tür. Er öffnete sie und mir blieb das Herz stehen. Er hatte ja überhaupt keine Figur mehr.Nur noch Haut und Knochen. Seine Rippen standen hervor und er hatte kleine Hühnerstelzen anstatt sportlichen Waden.
„H..hier hast du frische Klamotten.Sie gehörten meinem Bruder.“,stotterte ich.
„Dankeschön.“Taylor nahm sie entgegen und schloss wieder langsam die Tür. Ich hielt mir die Hand vor den Mund. Das,war mit Abstand die unangenehmste Situation die ich jemals erlebt hatte. Geschockt setzte ich mich ins Wohnzimmer um auf Taylor zu warten.
„Amber?“Ruckartig drehte ich mich um. Taylor stand verlegen hinter der Couch. Die Klamotten meines Bruders standen ihm ausgesprochen gut.Er sah nicht mehr so heruntergekommen aus.Nichts wies mehr auf seine Lage hin. Ich grinste und stand auf.
„Du siehst gut aus,Taylor.“
„Meinst du?Naja dankeschön.“Verlegen setzte er sich auf den Sessel und faltete seine knochigen Hände. Aus der Küche holte ich den Kaffee.
„Darf ich dich etwas fragen,Taylor?“Ich setzte mich wieder auf die Couch.Er nickte und nahm die warme Tasse in seine Hände.
„Wo wohnst du.Momentan meine ich?“Kurz nachdem ich meine Frage ausgesprochen hatte,wünschte ich sie zurück in meine Gedanken. Taylor sah mich nicht an sondern fixierte seine Augen auf dem verblichenen Rotweinfleck auf dem Teppich.
„Grand Avenue.“,flüsterte er.
„Das Viertel mit den herasbgekommenen Altbauten?“,fragte ich überrascht.Wieder ein Nicken.
„Wow!“Ich holte tief luft und schlug meine Beine übereinander.
„Hör mal Amber.“Taylor war aufgesprungen.Der Kaffee in seiner Tasse drohte schon hinaus zuschwappen.
„Ich weiß das du etwas besseres gewohnt bist. Aber ich kann es mir nunmal nicht leisten in solch einem Apartment zu leben. Ich bin froh mit dem was ich habe. Ich mein,....“ Er machte eine lange Pause und stellte sich ans Fenster.
„Ich bin froh jeden Tag aufzuwachen. Wenn du wüsstest wie oft im Monat der Leichenwagen bei mir in der Straße hällt um Nachbarn abzuholen die den Winter nicht überstanden haben. Mir könnte es morgen und übermorgen genausogut passieren. Erfroren,auf meiner Matraze liegend. Du weißt nicht wie es ist so zu leben Amber!“ Vorwurfsvoll warf er mir einen Blick zu. Ich war sprachlos.
„So hatte ich das doch gar nicht gemeint Taylor.“ Wir schwiegen uns eine lange Zeit an ehe er sich wieder setzte. Sein Atem ging allerdings immernoch schwer.
„Es tut mir leid. Ich wusste nicht...“
„Das ich so jähzornig bin?“ Taylor sah mich kurz an und ich verneinte mit einem Kopfschütteln.
„Nein,ich wusste nicht das dich meine Frage so in Rage bringt.“
„Das ist doch das Selbe!“,brummte er.
„Ist es nicht.“ Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und ließ mich zurück gleiten.
Taylor und ich schreckten auf als mein Telefon plötzlich klingelte. Ich machte mir erst gar nicht die Mühe um abzunehmen.Taylor sah abwechselnd mich und das klingelnde Telefon an.
„Willst du nicht rangehen?Es könnte wichtig sein.“
„Ich bin im Urlaub.Und wenn es so wichtig ist,dann wird der jenige schon wieder anrufen!“,antwortete ich trocken. Taylors linke Augebraue zuckte kurz hoch.
Das Klingeln hörte auf und es war wieder vollkommen still.
„Möchtest du noch einen Kaffee?“
„Nein danke,ich denke das ich dann auch mal wieder los sollte.“
„Irgendetwas vor?“ Ich war aufgestanden um mir noch einen Kaffee zu holen.
„Nicht das ich wüsste.“Taylor war mir hinterher in die Küche gekommen.
„Dann kannst du noch mit mir einen Kaffee trinken.“ Ich drückte ihm einfach eine neue Tasse in die Hand.
„Hunger?“
„Ein wenig.“
„Soll ich uns was bestellen?“Ich schloss den Kühlschrank und stellte meine Tasse auf dem Tisch ab. Ich wusste nicht genau weshalb ich ihn da behalten wollte,aber ich wusste das mir seine Gesellschaft auf irgendeine Weise gut tat.
„Ich möchte dir wirklich keine Umstände machen Amber.“
„Das tust du nicht.Worauf hast du Lust?Pizza oder Chinesisch?“ Ich hielt ihm zwei FastFood Prospekte hin. Zögernd nahm er das Pizzaprospekt in die Hand.
„Ich habe schon lange keine Pizza mehr gegessen.“,gab er lächelnd zu.
„Wie ist deine Pizza?“,fragte ich mit vollem Mund nach. Taylor blickte in seine Schachtel und zuckte mit den Schultern.
„Ganz gut.Bis auf das die Peperoni nicht scharf sind.“ Ich lachte und schmiss meinen Rand zurück ins die Papschachtel.
„Stimmt,beim nächsten mal sollten wir etwas anderes bestellen.Pu,jetzt bin ich aber wirklich voll.“ Seufzend legte ich meinen Hände auf den Bauch und streckte mich.
„Beim nächsten mal?“,fragte Taylor überrascht.
„Ja,wieso denn nicht?“Fragend setzte ich mich auf.
„Amber,ich fühle mich unwohl dabei wenn du mir andauernd etwas ausgibst.“
„Andauernd?Das war bislang das erste mal,mal abgesehen von dem Kaffee letzte Woche.“
„Und du hast mir bei dir Duschen lassen.“
„Ich bitte dich Taylor. Wenn ich aufzählen würde was du schon alles für mich gemacht hast.“
„Das wäre?“ Taylor sah mich mit seinen blauen Augen fragend an. Ich senkte den Kopf und zog meine Knie an die Brust.
„Damals,als Hanson noch existierten hast du mir mit deiner Stimme und deinen Songs Kraft gegeben. Sie haben mich ermutigt die Dinge die ich vorhatte durchzustehen und nicht abzubrechen.“
„Es waren nicht meine Songs.“Taylor nahm einen Schluck Wein und setzte sich neben mich.
„Du hast gesungen. Und das hat mir schon gereicht.“,flüsterte ich verlegen.
„Das war auch das Einzige was ich konnte.Singen.“ Ein hauch Ironie lag in seiner Stimme.
„Das malen nicht zu vergessen.“,ergänzte ich.
„Da bin ich ja ein richtiges Multitalent.Singen und Malen!“,spottete er über sich selbst. Hatte er dann jegliche Selbstachtung von sich verloren?
„Ich wünschte ich hätte sowas gekonnt in dem Alter. Alles was ich konnte war den Lehrern in den Arsch zu kriechen um gute Noten zu bekommen.“,lachte ich.
„Auch ein Taltent was nicht zu missachten ist.“,grinste er schelmisch.
„Wieso fängst du nicht wieder anzu singen?“,fragte ich plötzlich.
„Würdest du mir glauben wenn ich sagen das ich keine Lust mehr habe?“ Ich schüttelte den Kopf. Wehmut lag in seinen Zügen. Seine Stirn war leicht gerunztelt und seine Augen wurden leicht trübe.
„Du könntest auf der Straße singen.“
„Als ob es nicht schon reicht das ich auf der Straße lebe.“Taylor blickte kurz auf und seufzte leise. Ich biss auf meiner Unterlippe herum. Wieso war er so abweisend wenn es um dieses Thema ging?
„Ein Freund von mir ist Teilhaber eines Cafe´s im Westend. Dort veranstalten sie Jammsessions. Du könntest dort mitmachen.“,schlug ich vor. Es war ein Anfang. Vielleicht würde er so wieder zur Musik finden.
„Wieso tust du das?“,knurrte er böse.
„Wieso tue ich was?“
„Mir helfen?Du schlägst daraus doch keinen Nutzen. Aus reiner Menschenliebe wirst du ess ja wohl kaum machen,oder?“
„Sonst würde ich Mutter Theresa genannt werden!“ Ich zog mir meine Jacke fester um und mied es ihn anzusehen.
„Wieso lässt du dir denn nicht helfen?“
„Weil ich keine Hilfe brauche.“
„Jeder Mensch braucht irgendwann Hilfe,und wenn sie einem dann angeboten wird ist es dumm sie abzuschlagen,Taylor Hanson.“
„Was weißt du schon davon?“
„Mehr als du glaubst.“Ich legte meine Hand auf sein Knie. Ihm war eine Haarsträhne ins Gesicht gefallen die er versuchte wegzupusten. Ich streckte meine Hand dannach aus und Taylor sah mich von der Seite an.
„Darf,ich?“,fragte ich ohne eine Antwort abzuwarten. Vorsichtig steckte ich sie ihm hinters Ohr.Dabei berührten meine Finger leicht seine Wange. Sie war doch unrasiert,wieso dühlte sie sich dann so weich an und überhaupt nicht piecksend?
Mein Herz fing anzu rasen. Ich war überrascht was für eine Wirkung Taylor auf meinen Körper hatte. Überall breitete sich eine kleine Gänsehaut aus. Mir wurde abwechselnd warm und dann wieder kalt. Langsam rutschte ich ein Stück näher zu ihm.
„Ich glaube ich sollte besser gehen.“Abruppt stand er auf. Ich blieb perplex sitzen und starrte ihn an.
„Naja,wenn du meinst.“
„Ich bringe dir die Sachen wieder wenn ich sie gewaschen habe.“
„Behalt sie nur.Ich glaube kaum das mein Bruder sie nochmal braucht.“
„Ja okay,dann danke fürs Essen und das ich dein Bad benutzen durfte.“Verlegen stand er an der Tür.
„Kein Problem Taylor.Ich hoffe wir sehen uns bald wieder!?“
„Ja hoffe ich auch.Bis bald.“
„Bye!“ Ich wollte hinter ihm die Tür schließen,doch Taylor hielt seinen Fuß dazwischen.
„Danke!“
Chapter3
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