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Ich hab mir gedacht: "Reicherst du die Textwüste mal mit einem selbstgemachten Cover an!"

  1. Trespasser Main Theme

  2. Yacht Beach

  3. Introduction

  4. Industrial Jungle

  5. He Really Dit It!

  6. Pack Hunter

  7. T-Rex Sighting

  8. Not A Scavenger...

  9. Helicopter Crash

  10. Entering Town

  11. Abandoned Burroughs

  12. Hammonds Threshold

  13. Hidden Village

  14. InGen Harbor

  15. Hunters Camp

  16. Geothermal Plant

  17. Laboratory Road

  18. Plantation House

  19. The CRAY

  20. The Ascent (Part One)

  21. The Ascent (Part Two)

  22. Mountain View

  23. The Summit

  24. Final Confrontation

  25. Credits

  26. Unknown Track

Jaahaa, erinnert Ihr euch noch daran? Ja, richtig, genau das Jurassic-Park-PC-Spiel mit der fehlgeschlagenen Physikengine, dem Gummiarm, dessen Verrenkungen selbst bei Splatterfilmgeschädigten noch Schauder des Ekels verursachten und nicht zu vergessen, den bösen, bösen Raptoren, die zu doof waren, ein Gebäude zu betreten oder auf ein Dach zu springen. Es gibt eigentlich nur noch Daikatana, was noch spektakulärer abgeschmiert ist. Ich hab gehört, John Romero soll sich in ein Kloster in den französischen Alpen zurückgezogen haben und Buße tun...

Na gut, ich bin vielleicht zu hart, aber seit Deep Impact wisst ihr, daß ich manchmal zu solchen Ausbrüchen neige. Aber anders als bei DI ist es hier eigentlich nicht gerechtfertigt: Atmosphärisch ist das Spiel ungeschlagen, die Levels sind wahrlich beeindruckend (obwohl man das Spiel jetzt noch mal mit einer richtig guten Engine programmieren sollte) und Gummiarm hin, blöde Dinos her, das Spiel war immer noch spielbar und ich muß sagen: es hat mir persönlich eines der besten und spannendsten Spielerlebnisse beschert. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte das Team nicht einen derart unverschämten Zeitplan gehabt...

Daß das Spiel atmosphärisch die Karre aus dem Dreck ziehen konnte, lag zum großen Teil an der genialen Musikuntermalung. Doch bevor ich auf die Musik selbst eingehe, sei noch folgendes gesagt: Diese Musik ist nie offiziell auf einer CD erschienen. Als ich das Spiel frisch durchgespielt hatte, war ich von der musikalischen Untermalung ziemlich beeindruckt und hab mich sodenn ins Internet aufgemacht, um nach der Verfügbarkeit der Musik zu schauen. Und ich wurde fündig. Die oben erstellte Tracklist setzt sich aus MP3s der unlängst verblichenen Trespassernet.com-Seite und erfreulicherweise der offiziellen Seite des Komponisten Bill Brown (dessen andere Projekte BTW nicht minder interessant sind) zusammen und dürfte meines Wissens die komplette Musik des Spiels abdecken.

Der einzige große Nachteil der Veröffentlichung ist die Länge der CD, die gerade mal knappe 18 Minuten beträgt. Das liegt aber schlicht und einfach an der Benutzung der Musik im Spiel, wo an Schlüsselstellen kurze Musikstücke eingespielt wurden, es aber keine durchgehende Musik gab. Trotzdem ist es schade, da es sich um wirklich gutes Material handelt und Lust auf mehr macht. Andererseits ist die CD auch schlicht und einfach zu kurz, um einem auf die Nerven zu gehen, was so manche 70-Minuten-Releases gerne mal tun.

Die Musik an sich ist besonders für ein Computerspiel von sehr guter Qualität. Wenn auch nicht ein echtes, vollbesetztes Orchester verwendet wurde, so doch zumindest eine Ansammlung hochwertiger Samples und Synthesizern. Und da jeder Track mit verschiedensten Instrumenten so vollgepropft ist wie ein Reisebus mit japanischen Touristen, können auch die Fans puren Orchester an dieser Stelle aufhören, eine pikierte Schnute zu ziehen. Ich kann's sehen!

So, und wer die 90er nicht zufällig in einer russischen Raumstation verbracht hat, dürfte wissen, daß der Soundtrack der Filme bis zum Erscheinen des Spiels '98 ausschließlich von Spielbergs Hauskomponisten John Williams ("Hauskomponist" hört sich für mich irgendwie immer anrüchig an...) fabriziert wurde. Nun haben wir Trespasser. Und witzigerweise ist keine einzige, aber nur ansatzweise vorhandene Anspielung auf ein Theme der ersten beiden Filme zu finden. Dafür fügt sich der Score perfekt in die musikalische Sprache der JP-Welt ein. Will meinen, die ethnischen Percussions, die munter drauf losschrubbenden Streicherbatterien, der Sopranchor der Baby-Raptor-Szene und viele andere Stilmittel, die die ersten beiden JP-Scores so unverkennbar gemacht haben, wird man auch hier at it's best finden. Und noch einiges mehr...

Fangen wir erst mit den schlechten Sachen an. Was sich in dem Fall auch anbietet, da es sich um das Main Theme handelt. Als ein triumphaler treibender Marsch passt es einfach nicht in das Gesamtflair des Soundtracks, der doch eher ins Düstere und Geheimnisvolle geht. Außerdem hört sich das Teil wie die "Alan Silvestri auf seicht"-Version von Jurassic Park an, irgendwie oberflächlich, mit einem leichten Hauch von Überflüssigkeit. Und auch sonst ist der Komponist nicht gerade Meister darin, typische Momente der Filme, die ins Spiel übernommen wurden, gut neu zu verpacken. So klingt zum Beispiel "He Really Did It" schon fast wie eine Parodieversion der bekannten Brachiosaurier-Szene.

Seine Qualitäten offenbart der Score erst, wenn er ins Düstere, Geheimnisvolle übergeht. Da wäre zum Beispiel das treibende, unheilvolle "Industrial Jungle" zu nennen. Ein weiteres Beispiel ist eines der Highlights des Scores, das geniale "The CRAY", ein Track, an dem sich sicher auch noch einige Nicht-Freaks erinnern werden, ein von tiefen Streichern und Chor gespieltes, unheimliches Stück, das während der schrittweisen Instandsetzung des Parks gespielt wird. Das, was "He Really Did It" an Gänsehaut-Feeling vermissen ließ, wird hier locker wieder reingeholt. Dann gibt es da noch die Tracks, die in der verlassenen Arbeitersiedlung gespielt werden, "Entering Town", "Hammonds Threshold" und "Anabandoned Burroughs". Meist von einem hellen Chor begleitet, spielt hier ein Klavier verträumt vor sich hin, was einem in ihrer Friedlichkeit schon fast wieder einlullend wirkt (kann im Spiel tödliche Folgen haben...). Und wirklich: Immer wenn ich diese Stücke höre, könnte ich meinen verrenkten Gummiarm darauf verwetten, sie schon einmal so ähnlich in einem der Filme gehört zu haben. So muß es sein! Die danach folgendenden, viel mit ethnischen Versatzstücken (Hm, das Wort hört sich selber wie ein Versatzstück an...Denkt mal drüber nach!) wie Buschtrommeln angereicherten Stücke wie "Geothermal Plant" und "InGen Harbor" sind atmosphärisch einwandfrei, jedoch lange nicht so spektakulär!

Dann gibt es da noch die unvermeidlichen Actionstücke. Frei nach Williams wird da munter die Violine gequält (oder eben auch nicht). Nie sonderlich originell merkt man ihnen doch ihren Ursprung an. Besonders Leute, die den 2. Teil kennen, wird der ein oder andere Fetzen Musik extrem bekannt vorkommen. Aber was will man ihm es zum Vorwurf machen, besonders wenn es so herrlich bombastisch wie in "Final Confrontation" klingt!

Und gegen Ende wartet dann auch die Erlösung in Form von "Mountain View", ein majestätischer Track ganz im Geiste von "Jurassic Park", angereichert mit ein paar Anleihen aus "Deep Blue Sea" von Tre... nein ich sags nicht, sonst setzt beim Großteil der Score-Fans wieder das Lemminge-Syndrom ein ;).

Um's kurz zu machen: In der Kürze liegt die Würze findet hier eine neue Bedeutung. Ich kann mir niemanden vorstellen, der sich von dieser soliden,  mit ein paar richtig genialen Momenten bestückten Arbeit genervt fühlen dürfte, ganz im Gegenteil! Und da es die ganze Sache für lau gibt...