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Calling Heaven

by Tanja M.

angefangen am 17.11.00 um 23:40 Uhr
fertig am 19.11.00 um 1.23 Uhr

Anfang Oktober fand in Köln eine Veranstaltung  zum Thema „Brustkrebs“ statt. Patricia hatte sich vorgenommen dort hinzugehen. Kurzentschlossen kam ihr jüngerer Bruder Patrick mit. Als die beiden vor Ort ankamen, waren glücklicher Weise nur wenige Fans da, so dass sie ungehindert weitergehen konnte. Patrick sah sich in der großen Emfangshalle um. es gab einige Infostände zum Thema. Patricia war bereits an einem dieser Stände und füllte großzügig einen Scheck zu Gusten der Krebsforschung aus. Patrick kam hinzu. Sein Blick auf zahlreiche Broschüren mit beispielsweise den Titeln: „Warum gerade ich? Ich möchte nicht sterben!“, „Mein Leben mit dem Krebs....“ oder „Infoheft zum Thema Brustkrebs“. Irgendwie musste Patrick zwangsläufig an seine Mutter denken, die war vor Jahren an Krebs gestorben. Leider war er damals noch sehr jung gewesen und konnte sich nicht besonders gut an sie erinnern. Oft wünschte er die Krankheit wäre damals früher entdeckt worden und man hätte ihr helfen können. Sie fehlte ihm doch sehr. Neben ihm unterhielt sich Patricia bereits angeregt mit einer Frau ihren Alters. Patrick wandte sich ab und lies seinen Blick durch den Raum schweifen und schließlich fanden seine Augen eine junge Frau. Sie sah blass aus, trug ein schwarzes langes Abendkleid. Was ihm ebenfalls sofort aufiel war, dass sie sehr kurze Haare hatte. Doch Patrick dachte sich nichts dabei. Die Blicke der beiden trafen sich, ehe die junge Frau dann in den  Saal huschte. „....danke sehr für die Infobroschüren.“, hörte er seine Schwester sagen und dann wandte sie sich auch schon ihm zu. „Patrick? Hey, träumst Du?“ „Nein, nein.“ Schnell war seine Aufmerksamkeit wieder bei seiner Schwester. Diese gab ihm eine kleine rosafarbene Schleife: „Hier, ich hab eine für Dich mitgenommen. Soll ich sie Dir anstecken?“ Patrick nickte nur. Er dachte wieder an die junge Frau von eben. Auch sie trug eine solche Schleife, aber das war nichts besonders denn fast alle die so nach und nach in den Saal strömten hatte diese Schleifchen. Patricia und Patrick suchten sich einen Platz im vorderen Drittel aus. Mehr und mehr Leute kamen. „Bin ja mal gespannt wie der Vortrag wird. Die Dame am Stand erzählte mir, dass unter anderem eine Betroffene über ihr Leben nach der Diagnose erzählen wird.“ Patrick nickte wieder nur, denn er hatte inzwischen die Frau von eben wieder gesehen, sie saß an der Seite des Saals. Wenig später wurde die Eröffnungsrede gehalten und dann erklärte ein Arzt die Merkmale der Brustkrebserkrankung und sprach die Chemotherapie an. Patricia und Patrick hörten interessiert zu. „...so, und nun möchte ich das Wort an Fiona Berent weitergeben. Sie selbst ist seit einem Jahr an Brustkrebs erkrankt und möchte ihnen einige Dinge aus ihrer Sicht erzählen. Fiona - bitte!“ Es gab Beifall. Das Publikum sah gebannt auf das Rednerpult. Patrick blickte abermals zu der jungen Frau im schwarzen Kleid, welche sich von ihrem Platz erhob und zum Podium ging. War das....? In Patricks Kopf wirbelten die Gedanken. Nein, das konnte doch nicht wirklich wahr sein? Diese junge hübsche Frau - Brustkrebs? Patrick war erschüttert. Er schätze sie gerademal 25. Er warf einen nervösen Blick zu seiner Schwester, doch diese sah auch sehr ergriffen drein. Keine hatte wohl in dem Moment damit gerechnet. „Meine sehr verehrten Damen und Herren....“, begann Fiona jetzt ihren Vortrag. „Viele von ihnen werden jetzt vielleicht erstaunt darüber sein, eine so junge Frau wie mich hier stehen zu sehen. Aber so ist es nunmal. Krebs ist keine Krankheit die nur die Älteren befällt, nein jeder Mensch kann in jedem Alter daran erkranken.“ Fiona machte eine Pause und nahm einen Schluck Wasser, dann fuhr sie fort: „Ich selbst habe vor etwa einem Jahr erfahren dass ich Krebs habe. Es war ein Schock für mich. Ich hatte niemanden zum reden. Mein erstes Gespräch, dass ich mit meinem damaligen Freund darüber führen wollte fand leider eine nicht erwünschte Wende, er trennte sich von mir. Lange war ich verzweifelt, konnte es nicht glauben an dieser Krankheit zu leiden, doch dann habe ich Brigitte Metzer kennen gelernt. Brigitte leitet die Hilfsgruppe hier in Köln. Sie nahm mich mit zu einer Gruppensitzung und ich fand das Verständnis, nachdem ich mich so gesehnt hatte......“ Fiona erzählte aus ihrem Leben und Patrick klebte förmlich an ihren Lippen. Er bewunderte diese Frau. Sie schien so zerbrechlich und war doch so stark, so unheimlich stark. Die Zeit in der Fiona sprach verflog nur so. Es war still im Saal alle lauschten ihren Worten und am Ende erhielt sie eine Menge Beifall. Anschließend sprach noch Brigitte Metzer über die Arbeit in der Selbsthilfegruppe. Patricks Blick folgte Fiona die leise den Saal verließ. Sein Herz pochte bis zum Hals. Er wollte diese Frau wiedersehen und mit ihr sprechen. Das brannte ihm nun auf dem Herzen. Leise stand auch er auf. Patricia sah ihren Bruder erst verwundert an, doch dann verstand sie was er vorhatte und sie konnte ihn gut verstehen. Patrick war nun also ebenfalls im Foyer, wo Fiona gerade ihren Mantel anzog. „Frau Berent?“. sprach er sie leise an. Fiona sah ihn an und Patrick trat näher. „Bitte verzeihen sie, dass ich sie so einfach anspreche, aber...“ Fiona schenkte ihm ein Lächeln und meinte: „Ist schon in Ordnung.“ Patrick fiel ein Stein vom Herzen. „Würde es ihnen etwas ausmachen, mit mir noch ein Gläschen zu trinken?“ „Sehr gerne Herr....“ Erst jetzt bemerkte Patrick, dass sich gar nicht vorgestellt hatte. „Kelly. Patrick Kelly. Wie unhöflich von mir mich ihnen nicht vorzustellen Sie entschuldigen.“ „Aber natürlich.“ Patrick half Fiona wieder aus dem Mantel und gab ihn an der Gardarobe für sie ab. Es ab einen kleinen Sektempfang im Nebenraum. „Wir hätten gern zwei Gläser Sekt...“, wies Patrick den Kellner an. „Ähm, ich trinke keinen Alkohol, entschuldigen Sie Patrick. Für mich bitte einen Orangensaft.“ Schnell wurde den beiden serviert. Patricia prostete ihr zu: „Auf einen wundervollen Abend.“ Sie nickte und lächelte. Patrick möchte dieses Lächeln. An jenem Abend erfuhr Patrick noch einiges über Fiona und dieser Abend war der beginn einer sehr guten Freundschaft, aus der dann mehr wurde. Mitte Dezember waren Patrick und Fiona ein Paar. Die beiden hatten es mit der Krankheit nicht leicht. Fiona gab sich immer fröhlich und erzählte nie, wenn es ihr schlecht ging. Patrick konnte es nur erahnen. Die beiden lebten in einer kleinen Wohnung außerhalb von Köln. Patrick ging es hier gut, denn die Fans hatten die Adresse noch nicht rausbekommen und so konnte er mit seiner Freundin ein einigermaßen normales Leben führen. Eines morgens als Patrick erwachte, war das Bett neben ihm bereits leer. Also stand er ebenfalls auf und ging durch die Wohnung. „Fiona?“ Er fand seine Frau im Bad. Sie sah elend aus. Fiona saß im Nachthemd auf dem Badewannenrand und leise kullerten Tränen über ihre Wangen. „Schatz, was hast Du denn?“ Patrick setzte sich neben sie und legte die Hand behutsam auf ihren Arm. Sie schluchzte, nur schwer fand sie Worte. „Ich....es ist weil....ich....das ist wieder...“ Fiona brachte keinen vollständigen Satz zusammen. Patrick schloss seine Freundin in die Arme und hielt sie einfach nur fest. So konnte sie sich erstmal ausweinen und dann erst erzählen was vorgefallen war. Patrick hatte Angst um sie. So am Boden mit den Nerven kannte er Fiona nicht. Sie hatte noch vor ein paar Tagen erzählt, dass es ihr wesentlich besser ginge und die Medikamente ihr helfen würden. Doch jetzt, jetzt sah er sie an und sah nur das blanke Elend vor sich. Langsam beruhigte sie sich wieder. Behutsam sprach Patrick sie nochmals  darauf an, was passiert sei und dann begann sie immer noch mit Tränen in den Augen zu erzählen: „Ich hab Dir doch von meiner Chemo erzählt...“ Patrick nickte, ja das hatte sie. Sie hatte das ganze bereits damals im Oktober erwähnt. Ende November hatten die Ärzte mit der Therapie aufgehört, da sie glaubten Fiona habe den Krebs besiegt. „...und jetzt...“ Wieder kamen ihr die Tränen. „Patrick, da ist was..“ meinte sie dann nur noch leise und sah zu Boden. Patrick verstand nicht sofort was sie meinte, doch Fiona sprach weiter: „Ich glaub ich hab einen neuen Knoten.“ Patrick sah Fiona geschockt an, was hatte sie gesagt? „Bist Du Dir sicher, Maus?“, fragte er behutsam. Sie nickte nur und wieder kamen Tränen. Patrick nahm seine Freundin in seine Arme. Er hoffe dass sie sich irrte. Eine Stunde später waren die beiden dann ins Krankenhaus gefahren und Fiona wurde untersucht, leider wurde tatsächlich eine Zyste festgestellt. Die beiden waren geschockt. Das hieß für Fiona wieder Chemo. Die nächsten Wochen verbrachte sie im Krankenhaus. Ihr ging es sehr schlecht, wie war schwach, ihr vielen die Haare aus. Für Patrick war es sehr hart das mitansehen zu müssen. Er liebte Fiona über alles und wollte sie nicht verlieren. Niemals! Oft rief er mitten in der Nacht seine Schwester Patricia an und mit ihr zu reden, denn sie war immer für ihn da und gab ihm halt. Als er eines Tages wieder auf dem Weg ins Krankenhaus war, standen zahlreiche Fans vor dem Haus. Sie schrien nach ihm, ohne Rücksicht auf seine Gefühle. Patrick war am Ende mit seinen Nerven, denn Fiona wurde von Tag zu Tag schwächer und er machte sich große Sorgen um sie. Doch den Fans war es egal, sie sahen offensichtlich nicht was mit ihm los war, oder wollten es nicht sehen. Patrick machte die Situation kaputt. Er magerte zusehens ab und sah sehr blass aus. Patricia machte sie Sorgen um ihn, genauso wie Patrick sich um Fiona sorgte. An jenem Tag saß er lange an ihrem Krankenbett. Er wollte einfach bei Dir sein, für sie da sein. Fiona sah elend aus. Die Haare waren ausgegangen und sie trug ein Tuch um den Kopf gebunden. Fiona war blass und sie plagte eine andauernde Übelkeit, die auf die Medikamente zurückzuführen war. „Ich muss schrecklich aussehen...“, meinte sie leise. Patrick schenkte ihr ein Lächeln. „Ach, sag sowas nicht. Du wirst immer die schönste Frau auf Gottes Erdboden sein.“, flüsterte er ihr zu. Seine Hand hielt die ihre. Wenn Patrick er sie da so liegen sah, bekam er Angst sie zu verlieren. Er bekam mit, wie es ihr von Tag zu Tag schlechter ging. Das zerrte an seinen Nerven. Patrick saß an ihrem Bett. „Patrick....?“ „Ja?“ „Versprichst Du mir was?“ „Was denn, Maus?“ „Ich möchte Sonnenblumen auf mein Grab.....“ Ihre Stimme wurde leiser. Patrick war geschockt über ihre Worte, damit hatte er nicht gerechnet. Sie trug sich also mit dem Gedanken zu sterben?? Er schluckte und musste seinen Tränen unterdrücken. Mit zitternder Stimme antwortete er: „Wenn Du es willst. Aber Fiona, die Zeit ist noch nicht da. Deine Zeit ist noch nicht abgelaufen. Du wirst es schaffen. Du musst kämpfen!“ Nun kullerte doch eine Träne über seine Wangen. Er hatte Angst!! An diesem Abend war er lange bei Fiona, er wollte sie nicht allein lassen. Schließlich bat ihn dann die Nachtschwester zu gehen. Widerwillig verließ Patrick das Krankenhaus. Sein Weg führte ihn zum Dom. Dort wollte er zu seiner Mutter beten. Lange kniete er nun im Gotteshaus und bete darum, dass der liebe Gott seine Geliebte nicht zu sich holen sollte, denn er brauchte sie doch so sehr. Schon einmal hatte er den wichtigsten Menschen in seinem Leben durch diese schlimme Krankheit verloren und das wollte er nicht nocheinmal erleben....  Er besuchte Fiona jeden Tag im Krankenhaus. Außerdem ging Patrick fast jeden Tag in die Kirche oder betete Zuhause. Er wollte Fiona nicht verlieren. Sie gehörte doch zu ihm. Er hatte es wahrhaftig nicht leicht, zum einen die Sorge um Fiona und dann der Druck von Seiten der Fans. Denn diese wollten einfach nicht einsehen dass er Probleme hatte und eben deswegen keine Zeit für sie. Sie belagerten ihn, mittlerweile auch schon am Krankenhaus. Es zerrte an Patricks Nerven und oft fand er nur Trost in den den Gebten oder bei seiner Schwester Patricia. Mitte Dezember folgte der nächste Schock, denn da erfuhr Fiona, dass die Chemo nicht anschlug und es nun nur noch die Möglichkeit einer Operation gäbe. Doch dieser willigte Fiona nicht zu. Sie wollte das nicht. Patrick verstand sie auf der einen Seite aber auf einer anderen wieder nicht. Hier ging es schließlich um das Leben seiner Freundin. Doch Fiona wollte das nicht. Sie wollte nicht nur mit einer Brust leben. Diese Entscheidung müsste Patrick akzeptieren, auch wenn es ihm schwer fiel. Am Heiligabend nahm er sie mit nach Hause, denn es war ihr Wunsch. Fiona war sehr schwach. Ihre Beine trugen sie nicht, also muste Patrick sie im Rollstuhl mitnehmen. Gemütlich saßen die beiden dann zusammen auf dem Sofa. Patrick spielte ihr Weihnachtslieder auf der Gitarre vor und hatte Lebkuchen gebacken. Fiona machte einen glücklichen Eindruck, auch wenn Patrick spürte, dass sie körperlich fast am Ende war. Fiona hatte starke Schmerzen und bekam dafür Medikamente. Sie lag in eine Decke gekuschelt auf dem Sofa und Patrick war bei  Dir. Auch wenn es ihr nicht gut ging, in dem Augenblick spürte Patrick, dass Fiona glücklich war. Ihre Augen strahlten Freude und Wärme aus. Das machte Patrick auch etwas glücklich, denn er hatte große Angst um sie. Sehr große Angst. Der Arzt im Krankenhaus hatte ihm gesagt dass es jeden Tag so weit sein konnte. Und davor hatte Patrick Angst. Später am Abend trug er Fiona dann ins Schlafzimmer und legte sie ins Bett. Er hatte Kerzen angemacht, denn Fiona liebte Kerzenlicht. „Das waren die schönsten Weihnachten seit langem, Patrick. Vielen Dank.“, flüstere sie ihm zu. Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ich liebe Dich.“ „Ich Dich auch, Patrick...“, meinte sie leise bevor sie in seinen Armen einschlief....
Es war über ein Jahr vergangen. In Patricks Händen war ein Strauß Sonnenblumen. Völlig in Gedanken ging er durch die Straßen, den Berg hinauf. Die Sonne schien an jenem Tag. Patrick kam zu einem kleinen Friedhof. Er war lange nicht hier gewesen. Da stand er nun vor ihrem Grab, mit den Blumen in der Hand, Tränen liefen über seine Wangen. Warum hatte er sie verloren? Warum hatte er sie nie richtig kennen gelernt? Da waren so viele Fragen, die er ihr gerne gestellt hätte. Doch die Möglichkeit war ihm versagt geblieben. Patrick kniete sich nieder und lege die Blumen auf den Stein. Seine Hände zitterten. Die Tränen tropften auf die Erde. „Warum? Warum nur?“, stellte er leise eine Frage, völlig ziellos an niemanden gerichtet. Da spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Als er sich umdrehte blickte er in die Augen einer jungen Frau. Patrick stand auf und drückte sie an sich. Es war Fiona. Die beiden standen am Grab von Patricks Mutter. Fiona hatte damals angefangen gegen den Krebs zu kämpfen und den Kampf gewonnen. Patrick und sie waren nach Spanien gegangen, um dort ein neues Leben anzufangen. Ein Leben in Freiheit und ein Leben in der die Gesundheit das höchste Gut war. Patrick hatte dafür die Musik aufgegeben. Die Fans würden es nie verstehen, aber er war glücklich....glücklich mit der Frau die er über alles liebte....

THE END

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u die er über alles liebte....

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