USA laden 500 Reporter zur Berichterstattung über den Irak-Krieg ein
Neben den militärischen Vorbereitungen arbeitet das
US-Verteidigungsministerium intensiv an einer Informationspolitik, die den
Krieg ins rechte Licht rücken soll. In der Hoffnung, dessen Notwendigkeit
vermitteln zu können, lädt Washington mehr als 500 Reporter aus aller Welt
ein, mit der US-Armee zu marschieren - so viele wie nie zuvor. Die
Frontreporter sollen direkt im Geschehen sein und dadurch ein realistisches
Bild vom Krieg abliefern. Zwar dürfen die Journalisten über Kriegsschäden
berichten und Interviews mit Verwundeten führen. Aber bevor über eine
Militäraktion berichtet wird, muss der Kommandant sein Okay geben. Wer sich
nicht an die Regeln hält, wird aus der Truppe verbannt und muss alleine
klarkommen.
Bryan Whitman ist im Pentagon für Öffentlichkeitsarbeit zuständig und hat
den Plan ausgeheckt. Nie zuvor seien in einem Krieg so viele Reporter im
Fronteinsatz gewesen, sagt Whitman. Nicht mal am "D-Day" im Zweiten
Weltkrieg, als die USA Frankreich von der deutschen Besatzungsmacht
befreiten, sei die Aufmerksamkeit auch nur annähernd so groß gewesen. Bei
der Landung der US-Einheiten in der Normandie am 6. Juni 1944 seien ein paar
Dutzend Reporter unter den Soldaten gewesen. Während die Berichterstattung
beim Golfkrieg 1991 vor allem aus Bildern mit Videospiel-Charakter bestand,
sollen die Frontreporter diesmal "echte" Szenen beschreiben: Die Grausamkeit
des Krieges zu zeigen, ist durchaus erwünscht; Berichte über mögliche
irakische Giftgaseinsätze und Verluste an Menschenleben sollen die Welt über
die Brutalität des Machthabers Saddam Hussein aufklären. Außerdem sollen sie
einen Gegenpol zur irakischen Propaganda liefern, sagt Whitman.
Marvin Kalb, früherer Korrespondent der US-Fernsehsender CBS und NBC und
Leiter des Joan-Shorenstein-Pressezentrums, zweifelt daran, dass der
Pentagon-Plan aufgeht: "Gute Idee, aber niemand kann sicher sein, dass das
funktioniert", sagt er. Das Konzept sei noch nie ausprobiert worden. Vor
allem die Eingliederung ausländischer Journalisten in die Truppen könnte
laut Kalb für die US-Regierung nach hinten losgehen. Da diese unter
Umständen US-kritisch berichten, ist der Pentagon-Plan ein Risiko. Im
Vietnam-Krieg machten die USA schon einmal Erfahrungen mit einer kritischen
Berichterstattung. Auch damals ließ Washington zahlreiche Journalisten die
Kampfhandlungen aus nächster Nähe beobachten. Nie zuvor wurden so viele
grausame Kriegsbilder direkt in die Wohnzimmer der Nation ausgestrahlt. Die
umfassende und kritische Medienberichterstattung rief eine riesige
Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg hervor.
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