|
30.4.05:
Sieben bemerkenswerte Dinge an Australien
7. Statt einer thailändischen oder so Massage gilt hier eine SCHWEDISCHE Massage als exotisch und wird daher im trendy Activity Programm unserer Student Guild angeboten.
6. In der populären Reality Sendung 'Mythbusters' versuchen zwei leicht tuntige Freaks, urbanen Mythen auf den Grund zu gehen und bauen zu diesem Zweck allen möglichen Kram, z.B. eine Kanone, die Hühner verschiesst. Cool! Schrecklich uncool, wie bei uns, dagegen der restliche Reality Schrott: Survivor, Dancing with the Stars, BB und American Idol! Würg.
5. Obwohl hier im Student Village schon seit Jahren nix passiert ist sind die Sicherheitsvorkehrungen hier (und überall sonst) lachhaft streng. Der Vorteil: Man kann zu den unchristlichsten Zeiten, gern auch sternhagelvoll, im Umkreis von zwei Kilometern ums Village auf ein Knöpflein in der Wand drücken (und wenns keine Wand gibt, dann steht da eine Säule im Gebüsch) und wird von der Security Escort bis vor die Haustür gefahren.
4. Während man bei uns Feminismus eher mit behaarten Zähnen assoziert und er sich einem nicht zwangsläufig im Hörsaal aufdrängt, gibt es hier zu jedem Gegenstand erstmal alle möglichen Theorien und dann noch die feministische Sichtweise. Eine meiner Dozentinnen trägt immer dieses 'Kreuz-unter-Kreis'-Symbol um den Hals.
3. Die wertvollste Münze unter dem australischen Kleingeld ist witzigerweise auch fast die kleinste: während man mit dem massiven, achtkantigen 50-Cent-Stück einen Wombat totschmeissen könnte, hat der mikroskopische 2-Dollar-Coin die Tendenz, ständig unbeachtet von der Theke zu fallen.
2. Ich weiss, eigentlich müsste man das irgendwann intus haben. Aber solange man hier kein Auto fährt, wird man wohl weiterhin schnurstracks auf die Strasse laufen, weil 'von links ja frei ist', um dann entsetzt innezuhalten, wenn man von rechts die Autos heranschnurren hört. Ja, hier ist Linksverkehr. Und dieses Bewusstsein schwindet regelmässig bei erhöhtem Blutalkohol und an unbekannten Orten.
1. Deutschlands bekanntestes Exportgut: Nicht Goethe, nicht Krombacher und schon garnicht qualitativ hochwertiges Fussballspiel: Rammstein!
0. Die Sonne wandert von rechts nach links, aber trotzdem von Ost nach West.
24.3.04
(verfasst am 27.2.05):
Abzugliste
Bangkok
1. Abzug: Zwar wurde ich von Reinhardt vor den Transportgeiern, die sich
direkt nach der Gepäckabfertigung am Airport auf einen stürzen,
gewarnt, leider jedoch nicht aufgeklärt, wie ich denn den Transporteur
meines Vertrauens erkenne. Als ich also ein paar von den unterwürfigen
Herren mit den Schildern links liegen lasse, muss ich mich irgendwem ausliefern.
Kurz darauf sitze ich in einer Limousine, die nicht etwa wegen irgendwelchen
Komforts so heißt, sondern um einem das Zehnfache des angemessenenen
Preises dafür abknöpfen zu können.
2. Abzug: Nach dem Einchecken bei einem humorlosen Rezeptionisten schließe
ich mit einigen Schwierigkeiten mein "Zimmer" auf und wundere
mich nicht schlecht: locker 60 Quadratmeter verteilt auf zwei überaus
großzügge Räume und ein Bad stehen mir zur Verfügung,
ferner kann ich mich nicht endscheiden, in welchem der zwei Betten
ich schlafen soll. Alles in Ordnung, versichert mir ein mittlerweile anderer
Rezeptionist, dies sei die einzige und damit Standard-Größe.
Da das Hotel einen Shuttelservice zum Flughafen, Swimmingpool und Frühstück
bietet, und es mich auch noch wesentlich schlimmer als umgerechnet 40 Euro
hätte trefen können, ist dies eigentlich dann auch kein echter
Abzug.
3. Abzug: Abends werde ich von einem Taxifahrer, der zuerst einen sehr
netten Eindruck macht, in die City gefahren. Ich erkenne, dass man in
Bangkok durchaus eine halbe Stunde Taxi fahren kann, ohne mehr als 250
Baht(5 Euro) zu bezahlen. Und der freundliche Taxifahrer will auf keinen
Fall, dass ich auf der Touri-Meile Patpong meine Zeit verschwende und
mich stattdessen zu einem Thai-Box-Wettkamf schleppen. Das finde ich sehr
aufmerksam, doch mir wird schnell klar, als mich gut Englisch sprechende
Damen in sportlichen Outfits und mit Preistafeln vor der Arena in Empfang
nehmen und mir Logenplätze andrehen wollen, daß der nette Taxifahrer
offensichtlich eine fette Provision in Aussicht hat. Also setze ich mich
wieder ins Taxi und lasse mich, sehr viel zurückhaltender, nach Patpong
fahren, wo der gute Taxifahrer dann neben den 250 Baht auf dem Zähler
auch noch 50 zusätzlich, die er für die Benutzung der Schnellstrasse
bezahlt hat, abkassiert.
1000 Abzüge: Ballermann und Reeperbahn sind Waisenhäuser gegen
Patpong. Man wird förmlich in die Nachtclubs, Restaurants und Bars
reingezerrt und darf keinen Augenkontakt mit irgendwem aufnehmen um nicht
aufs Heftigste mit handgeschriebenen Zetteln mit fragwürdigen Aufschriften
wie "Sex-DVD" und "Pussy-Pingpong" bedrängt zu
werden. Doch während vor grellbunten Fassaden, die Thai-Massagen
und Gogo-Boys verheißen, die Frauen freundlich zu mir sind wie noch
nie und dicke, weiße Männer sich mit jungen Thai-Girls und
-Boys an der Hand duch die Menge schieben, bleibe ich hart, suche mir
an den schäbigsten kleinen Buden was zu Essen (Abendessen für
50 Cent!), und versuche wenigstens EIN vernünftiges Foto von dem
Theater zu machen.
1001. Abzug: Bei der Rückfahrt zum Hotel drücke ich dem Fahrer
eine Karte, extra für Taxifahrer von meinem Hotel, in die Hand, die
ihm ungefähr so viel zu sagen scheint wie mir. Um zu helfen sage
ich "Airport", er düst los, wobei ich merke, daß
es offensichtlich auch einen Weg zum Airport gibt, der nicht über
die Schnellstrasse führt, springt dann irgendwann aus dem Auto um
Kumpels in einer Bude am Strassenrand nach dem Weg zu fragen und verfährt
sich noch zweimal. Schließlich angekommen klagt er lautstark über
den ausgemachten Festpreis und will mir den Hinweis mit "Airport"
als falsche Wegbeschreibung auslegen. Ich geb ihm Trinkgeld und leg mich
schlafen.
24.3.04
(verfasst am 26.2.05):
Was
kann man in einer Woche alles schaffen?
Eine Endscheidung treffen, für fünf Monate nach Perth in Australien
zu gehen, eine Offer of Enrolment akzeptieren, fast 5000 Euro Studiengebühren
überweisen, ein Visum trotz technischer Hindenisse online beantragen,
sich von Prüfungen abmelden, einen Flug buchen, ein Notebook und
eine Digicam kaufen und eine Unterkunft durch nächtliche Anrufe nach
Australien besorgen? Sicherlich auch noch wenigstens halb aus seinem Wohnheimszimmer
ausziehen, sich vor einer Menge Leute erklären, von einer Menge Freunde
knappest verabschieden und noch ein paar wenige, kostbare Stunden mit
der Freundin verbringen.
Und dann sitzt man nach schwerem Abschied plötzlich im Flugzeug,
fliegt nach zehn Stunden schnurstracks am Zwischenflughafen Bangkok vorbei
um auf einem Militärflughafen auf besseres Wetter zu warten, ist,
mit vier Stunden Verspätung in Bangkok angekommen, viel zu kaputt
um die geplante Hauruck-Stadtbesichtigung tatsächlich in die Tat
umzusetzen und sitzt, nachdem man erst am Pool, dann in seiner Riesen-Standard-Suite
eingepennt ist und irgendwo dazwischen von Mücken schon halb aufgefressen
wurde, spät abends in derselben und fragt sich, was der morgige Tag
wohl bringt.
| |