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Reformatorische Kirche in einem
reformierten Indonesien
25. Generalsynode der GKJTU
Bericht von Pfr.Dr. Christian Goßweiler
(in Absprache mit Pfr. Yohannes Sarju)
Vom 25.-29. August tagte die 25. Generalsynode der Christlichen Kirche
Nord-Zentraljava (Gereja Kristen Jawa Tengah Utara - GKJTU) im neuen Begegnungszentrum
"Sabda Mulya" in Salatiga. Die Verhandlungen der Synode werfen zugleich
ein Schlaglicht auf die neuesten Entwicklungen in Indonesien und in der
GKJTU - vielleicht ein ganz anderes Bild als wir es aus den Massenmedien
gewohnt sind.
1. Eine Synode in der Reformations-Ära
Die 25. Generalsynode der GKJTU fand in einer ganz besonderen Atmosphäre
statt: inmitten der "Era Reformasi" (Reformations-Zeitalter, Zeitalter
der Erneuerung). Nach dem Rücktritt von Präsident Suharto am
Himmelfahrtstag (21.5.1998) bereitet sich die indonesische Gesellschaft
auf eine grundlegende Erneuerung (Reformation) vor; mit den Neuwahlen im
Mai 1999 soll ein neues, demokratischeres und gerechteres Indonesien geboren
werden.
Die Übergangsregierung von Präsident Habibie bekennt sich
zwar immer wieder zur "Reformasi", doch gehen vielen die Reformen nicht
weit genug. Viele Christen sind vor allem besorgt über Habibies Programm,
die indonesische Gesellschaft immer weiter zu islamisieren. Andere versuchen,
die "alte Ordnung" der Suharto-Regierung wieder herzustellen. So versuchen
die verschiedensten Gruppen, diese Phase des Übergangs für ihre
eigenen Zwecke zu beeinflussen.
Doch war die Suharto-Regierung nur zurückgetreten, nachdem es
zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch gekommen war, vor allem der "krisis
moneter" (Währungskrise) seit Ende 1997 - ähnlich wie ja auch
vor einigen Jahren die Staatsführung der damaligen DDR erst nach dem
totalen Staatsbankrott zurückgetreten ist. So ist auch die "Era Reformasi"
in Indonesien begleitet von einer galoppierenden Inflation, Massenarbeitslosigkeit,
Hungersnöten, sozialen Unruhen bis hin zu gewaltätigen Ausschreitungen.
In dieser "Era Reformasi" hat die GKJTU als eine reformatorische Kirche
mitzuwirken für eine echte Erneuerung, erst recht nachdem die GKJTU
selbst bei ihrer 22., außerordentlichen Generalsynode 1984 eine tiefgreifende
Reformation (Erneuerung) erlebt hatte. So war die GKJTU zu einem Vorreiter
der "Era Reformasi" geworden und ist deshalb heute umso mehr in die Verantwortung
gerufen. Zugleich hält die GKJTU an dem Prinzip der Reformation fest,
daß die Kirche stets zu erneuern ist (ecclesia semper reformanda).
Deshalb wurde u.a. bei der Generalsynode die 1988 verabschiedete Kirchenordnung
nochmals überarbeitet.
2. Der Heilige Geist führt in die Reformations-Ära
Daher lautete auch das Thema der diesjährigen 25. Generalsynode "Komm,
Heiliger Geist, erneuere und vereine uns! - Der Heilige Geist führt
uns in das neue Zeitalter hin auf den neuen Himmel und die neue Erde."
Zu diesem Thema hielt Pfr.Dr. Soritua A.E. Nababan einen Festvortrag. 1984
hatte SAE Nababan als damaliger Generalsekretär des Indonesischen
Kirchenrates (Persekutuan Gereja-gereja di Indonesia - PGI) die GKJTU bei
ihrer tiefgreifenden Reformation begleitet - bevor Nababan zum Ephorus
/ Landesbischof der Batakkirche HKBP gewählt wurde. Diesmal hatte
ihn die GKJTU zu einer Rückbesinnung nach vierzehn Jahren und zugleich
einer Horizonterweiterung eingeladen.
Zunächst stellt Dr. Nababan mit viel Sachverstand die gesellschaftliche
und kirchliche Lage in Indonesien dar. Er kritisierte vor allem, daß
die indonesischen Kirchen bis in die Gegenwart zu sehr das herrschende
System unterstützen.
Dann wandte er drei Grundsätze der Reformation auf die "Era Reformasi"
an:
1. Allein durch Vertrauen: Die jetzige Staatskrise ist
vor allem eine Vertrauenskrise. In dieser Lage müssen die Gläubigen
Menschen werden, denen man Glauben / Vertrauen schenken kann.
2. Allein durch die Heilige Schrift: In der jetzigen Situation
müssen die Christen mit der "festen Speise" (Hebr. 5:14) des Wortes
Gottes genährt werden und dürfen nicht länger als "Milchchristen"
mit dem Strom schwimmen. Nur so können die Christen ihre Stimme erheben
für soziale Gerechtigkeit.
3. Priestertum aller Gläubigen: Die indonesische
Gesellschaft war bisher sehr hierarchisch organisiert, das Geschick des
indonesischen Volkes lag in den Händen einer dünnen Führungsschicht.
Auch die indonesischen Kirchen sind größtenteils "Pastorenkirchen",
in denen man alles dem Pastor überläßt. Nun wird es Zeit,
daß die reformatorischen Kirchen das Priestertum aller Gläubigen
verwirklichen und das "Kirchenvolk" in Kirche und Staat aktiv wird.
Den reformatorischen Grundsatz allein Christus wandte SAE Nababan
allerdings nicht auf die multireligiöse indonesische Gesellschaft
an.
So gab dieser Vortrag am Eröffnungs-Abend der Synode wichtige
Impulse.
3. Zeichen der Erneuerung inmitten der Krise
Schon bei der Kleinen Synode (Sidang Majelis Perwakilan Lengkap - MPL)
1997 zeigte sich eine beeindruckende Entwicklung der diakonischen Arbeit
der GKJTU. Nicht nur das gesamtkirchliche Diakonische Werk der "Zions-Stiftung",
sondern auch viele gemeindliche Diakonieverbände engagieren sich nun
für die Diakonie, so der Christliche Sozialverband in Ngawen, der
Christliche Sozialverband "Yabes" in der Filialgemeinde Rowobungkul bei
Ngawen und der Verband für Gerechtigkeit und Liebe "Sitosari" in Semarang.
Diese vier Diakonieverbände waren bei der Synode mit ihren Vertretern
und z.T. Berichten vertreten. Sie engagieren sich in christlichen Kindergärten,
christlichen Schulen, Schulgeld-Beihilfen, Dorfentwicklungs-Projekten u.v.a.m.
Gerade in der jetzigen Notsituation sind diese Diakonieverbände umso
wichtiger.
Ein ganz neues Programm ist der "Katastrophenfond", der von der synodalen
Abteilung "Dienst und Zeugnis" verantwortet wird. Gerade in der Not der
Massenentlassung und allgemeinen Verarmung soll dieser Fond den besonders
Betroffenen helfen, eine neue Existenz zu gründen. Sie sollen ein
kleines Startkapital erhalten, um einen kleinen Verkaufs- oder Imbißstand
zu eröffnen. Die Generalsynode bot eine gute Gelegenheit, dieses Programm
den Gemeinden vorzustellen und zu diskutieren. Denn ohne die Mithilfe der
Gemeinden vor Ort kommt dieses Synodenprogramm natürlich nicht an
die wirklich Betroffenen heran. Ausführliche Informationen über
dieses Programm können im Internet unter http://www.angelfire.com/id/javainfo/pynotfnd.html
eingesehen oder bei der Neukirchener Mission bestellt werden.
4. Mündige Christen für ein neues Indonesien
Wie schon in dem Vortrag von SAE Nababan erwähnt, braucht das neue
Indonesien mündige Christen, die mit der "festen Speise" des Wortes
Gottes genährt sind. Dies ist die besondere Aufgabe des Ausbildungsinstitutes
"Sabda Mulia". Deshalb sollen Aufgaben des Ausbildungsinstitutes erweitert
werden, was sich auch in ihrem neuen Namen ausdrückt: "Lembaga Pendidikan,
Pembinaan dan Pengaderan Kristen" (LPPPK) - "Institut für christliche
Schulung, Zurüstung und Vorbereitung von Führungskräften".
Unter diesem Namen soll LPPPK sowohl Rüstzeiten, Schulungswochenenden
wie auch regelrechte Kurse durchführen.
Langfristig soll LPPPK "Sabda Mulya" zu einem eigenständigen Schulungsinstitut
ausgebaut werden. Mit der neu verabschiedeten Satzung soll LPPPK schon
jetzt sehr viel eigenständiger als die anderen Abteilungen der Synode
arbeiten. Somit werden auch auf das Neukirchener Missionarsehepaar Goßweiler
neue Aufgaben zukommen.
Darüberhinaus nahm die Synode den Bericht über die Fertigstellung
des Ausbildungszentrums "Sabda Mulya" und über die neu begonnene Schulung
der Evangelisten entgegen. Mit besonderem Interesse besichtigten die Teilnehmer
die neue Bibliothek, die in den nächsten Wochen eröffnet werden
soll. Außerdem stellte LPPPK in seinem Bericht einige neue Programme
vor, so z.B. ein Schulungsprogram für Mitarbeiter, ein Weiterbildungsprogramm
für Pastoren u.v.a.m.
Auch die anderen Abteilungen (Frauenabteilung, Jugendabteilung, die
Abteilung "Allgemeine Dienste und Einheit" sowie die erwähnte Abteilung
"Zeugnis und Dienst) brachten ihre Bericht und Programme ein und erhielten
bei der Synode erstmals eine klar formulierte Geschäftsordnung. U.a.
ist darin festgelegt, daß alle Abteilungen von einem vollzeitlichen
Sekretär verwaltet werden müssen, während bisher einzelne
Abteilung recht und schlecht von einem Gemeindepfarrer nebenher verwaltet
wurden. So können jetzt alle diese Abteilungen der GKJTU zu einer
weiteren gesunden Entwicklung helfen.
Ziel dieser Entwicklung ist eine missionarische GKJTU, die auf eigenen
Füßen steht. Selbständig will die GKJTU vor allem in ihrer
Ordnung, in ihrer Theologie und in ihren Fachkräften sein. Aber auch
die finanzielle Selbständigkeit wird angestrebt, wozu eines Tages
die Zinserträge aus dem neu eingerichteten "Selbständigkeitsfond"
verhelfen sollen.
Doch darf die Selbständigkeit nicht mit Selbstgenügsamkeit
verwechselt werden. Vielmehr will die GKJTU nach Jahren der inneren Festigung
sich jetzt auch wieder stärker auf ihre missionarische Verantwortung
besinnen. Dazu soll u.a. das Programm "Missionarische Gemeinde" der Abteilung
"Dienst und Zeugnis" wie auch die verschiedenen Programme der Ausbildungsabteilung
LPPPK "Sabda Mulya" helfen. Zugleich setzt die GKJTU damit das Erbe der
alten Salatiga Mission und der Neukirchener Missionare fort.
5. Die neue Kirchenleitung
Für diese Herausforderungen braucht die GKJTU natürlich eine
fähige Kirchenleitung. So sind in der neugewählten Kirchenleitung
(Majelis Pekerja Harian - MPH) sowohl Persönlichkeiten aus der Erneuerung
von 1984 wie auch ganz neue Gesichter zu sehen:
Präses: Pfr. Krisno Yuwono
1. Stellv.:
Pfrin. Mirahingsih
2. Stellv.:
Pfr. Daniel Herry Iswanto (neu)
1. Sekr. (Generalsekr.): Pfr. Yohanes Sarju
2. Sekr.:
Pfr. Petrus Sugito (neu)
Finanzreferent:
Pfr. Maharyanu
2. Finanzref.:
Dentist Pujo Guntoro (neu)
1. Beisitzerin:
Frau Lilik Bambang Suranto
2. Beisitzer:
Pfr. Haryanto (neu)
Pfr. Daniel H. Iswanto leitete bisher die Jugendabteilung der GKJTU
und ist z.Zt. zum Weiterstudium in Jakarta. Pfr. Petrus Sugito leitet die
Planungsabteilung der GKJTU und war schon bisher persönlicher Assistent
von Pfr. Sarju. Beide sind unseren Lesern teilweise bekannt, Pfr. Daniel
war 1993 in Europa, Pfr. Sugito 1997. Der Zahnarzt Pujo Guntoro ist in
leitender Stellung im Städtischen Krankenhaus von Bojonegoro, die
Juristin Lilik Bambang in der Finanzverwaltung in Semarang, so daß
beide wichtige Fachkenntnisse für die Verwaltung der GKJTU mitbringen.
Pfr. Haryanto ist Pastor im Kirchenkreis Purwodadi. Präses Krisno
Yuwono, die stellv. Präses Frau Mirahingsih, Generalsekretär
Yohanes Sarju und Finanzreferent Maharyanu sind wohl von ihren Besuchen
in Europa und ihrer bisherigen Tätigkeit her hinreichend bekannt und
brauchen nicht näher vorgestellt werden.
So wahrt diese Kirchenleitung die Fortsetzung der Reformation von 1984
und bereitet zugleich eine neue Generation auf die Leitung der GKJTU vor.
Generalsekretär Yohanes Sarju betonte gleich nach seiner Wiederwahl,
daß dies seine letzte Amtsperiode als Generalsekretär sei und
daß er bei der nächsten Generalsynode im Jahr 2003 sein Amt
auf jeden Fall an seinen Nachfolger übergeben werde. Damit will er
die ganze GKJTU bedrängen, endlich den Weg für seinen Nachfolger
freizumachen.
Außerdem legte die Synode wert darauf, daß in der neuen
Kirchenleitung auch Frauen vertreten sind. Deshalb wurden als Pastorin
Frau Pfr. Mirahingsih und als Älteste / Presbyterin Frau Lilik Bambang
in die Kirchenleitung gewählt.
6. Schluß
Die 25. Generalsynode der GKJTU hat also wichtige Weichen gestellt, um
sowohl die "Kleine Reformation" innerhalb der GKJTU weiterhin voranzutreiben
wie auch in der "Era Reformasi" in der indonesischen Gesellschaft aktiv
mitzuarbeiten. Gerade in der ungewissen Situation des Übergangs braucht
die indonesische Gesellschaft das Zeugnis von starken, missionarischen
und diakonischen Kirchen. Diese Berufung sollen die Beschlüsse der
25. Generalasynode der GKJTU verwirklichen helfen.
Auf diesem Weg ist die GKJTU dankbar für die Gemeinschaft mit
ihren Europäischen Partnern. Deshalb wurden die schriftlichen Grüße
der Neukirchener Mission und des Altreformierten Missionsbund mit großem
Interesse verlesen, für alle Teilnehmer vervielfältigt und zu
den Synodalakten aufgenommen. Den Vers 1. Sam. 14:6 aus dem Grußwort
der Neukirchener Mission übernahm Pfr. Sarju gleich als Eingangsspruch
für den Eröffnungsgottesdienst.
So wollen wir die GKJTU weiterhin mit unserem Gebet begleiten.
(Vgl. auch den Bildbericht unter http://personal.salatiga.indo.net.id/~gossweil/phsin25.htm)
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