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Der "Katastrophenfonds" 
zur Hilfe in Notsituationen 
während der Wirtschaftskrise

Projektentwurf von Pfr. Yohanes Sarju

I. Einführung

Anfang Oktober 1997 fiel der Kurs des Rupiah gegenüber dem US-Dollar auf etwa 3.000 Rp. / US$ und erreichte während der weiteren Entwicklung einen Tiefststand von 20.000 Rp. Zur Zeit der Abfassung dieser Projektbeschreibung steht der der Rupiah bei 10.000 Rp. / US$.
Indonesien erlebt eine schwere Währungskrise, die sich schnell zu einer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise ent-wickelt hat. Sie gipfelte in einer nationalen Tragödie, überall aufflammenden Demonstrationen, durchsetzt von Plünderern, was  zu gewaltigen Schäden und Opfern an Menschenleben führte und schließlich in der Abdankung von Präsident Suharto endete; Präsident Suharto wurde von Präsident B.J. Habibie abgelöst.
Dieser Artikel soll kurz die wirtschaftlichen Schwierigkeiten beschreiben, die die einfache Bevölkerung erlebt, speziell die Glieder der GKJTU, und wie man ihnen in dieser außerordentlichen Notsituation helfen kann.

II. Allgemeine Beschreibung der Auswirkungen der Krise in Indonesien

1.  Der Kursverfall des Rupiah gegenüber dem US-Dollar hat die indonesische Wirtschaft stark getroffen, da Indonesien noch sehr von Importen abhängig ist und sowohl die staatlichen wie auch die privaten Auslandsschulden hoch sind.
 Deshalb hat der Kursverfall des Rupiah fatale Auswirkungen für Industrie und Handel, was zu weitreichenden Konsequenzen für die Wirtschaft und Gesellschaft in Indonesien führte.

a)  Die Preise steigen stark

 Die Lebensmittelpreise steigen in schwindelerregende Höhen, ein Kilogramm Reis kostete z.B. vor der Krise 1.300 Rp., jetzt 2.000 Rp. Zucker stieg von 1.600 Rp. auf 2.400 Rp. (Der Preis für ein Kilogramm Zucker war sogar schon bis auf 6.000 Rp. geklettert.), ein Liter Bratöl von 5.000 Rp. auf 6.000 Rp. (war bereits bei 8.200 Rp.), Trockenmilch für Babies von 5.000-7.000 Rp. auf 40.000-50.000 Rp.
 Ähnlich verhält es sich mit den Preisen für die sonstigen Grundbedürfnisse, die Preise für Baumaterialien sind z.B. um 25-250% gestiegen, für Papier um 150%, Fahrpreise von Bussen, Eisenbahn und Flugzeug stiegen um bis zu 270%, Arznei-mittel und andere Bedürfnisse stiegen um bis zu 500%, und oft ist es dazu noch schwer, diese Güter überhaupt zu bekom-men.

b)  Industrie und Handel stagnieren

 Aufgrund dieser Preissteigerungen stagnieren Industrie und Handel. Nach Berichten verschiedener Massenmedien können die Fabriken sich kaum noch halten, nur etwa 20-30% können ihre Existenz behaupten. Der Tourismus ist bis 80% zurück-gegangen. Selbst die Landwirtschaft ist betroffen, weil die Preise für Gerätschaften und Kunstdünger sowie die Steuer ge-stiegen sind.

c)  Dies führt zu Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit

 Es gibt noch keine gesicherten Daten über den Anstieg der Arbeits- und Erwerbslosigkeit, weil ihre Zahl so groß ist und ständig steigt. Viele haben ihren Erwerb ganz verloren, andere haben schwere Einbussen hinnehmen müssen.
 Die Kaufkraft des Volkes / der Bevölkerung ist rapide gesunken. Die Bevölkerung kann nicht mehr ohne weiteres einkaufen, weil ihr Geld nicht mehr viel wert ist, deshalb müssen sie sehr genau auswählen, sie kaufen nur noch gezielt Güter des täglichen Bedarfs ein. Sie kaufen z.B. nur Lebensmittel für einfachste Kost ein, nur damit sie irgendwie über-leben können.
 Bauprojekte, Privathäuser etc., die in der ersten Hälfte des Jahres 1997 noch mit großem Eifer entstanden, liegen jetzt ver-lassen da. Der alltägliche Gesprächsstoff dreht sich um die gestiegenen Preise für Güter des täglichen Bedarfs, was die große Unruhe unter der Bevölkerung widerspiegelt.

d)  Aufgrund der allgemeinen Verunsicherung und der nervösen Atmosphäre ist die Zahl der Kranken gestiegen. Geistes-krankheiten nehmen rapide zu. In einer Stadt hat sich die Zahl der Patienten in Nervenheilanstalten verdoppelt, ebenso die Zahl der Patienten in ambulenter psychatrischer Behandlung. Auch andere streßbedingte Krankheiten nehmen zu, aber da die Preise für Arzneimittel leider sehr hoch sind, können sie nicht behandelt werden. In Jakarta können laut Berichten 21.000 Nierenkranken nicht mehr ihre wöchentliche Blutwäsche erhalten, weil der Preis von 150.000 Rp. vor der Krise auf 850.000 Rp. geklettert ist.
 Sie wollen lieber sterben als die Ersparnisse der ganzen Familie für ihre Behandlung aufzubrauchen. Sie wollen lieber ihre verbliebenen Ersparnisse vererben als damit nur ihren Tod etwas hinauszuschieben. Die Menschen gehen nur zum Arzt, wenn sie wirklich ganz ernstlich erkrankt sind.

2.  Die nationale wirtschaftliche Situation hat sich zu einer politischen Krise ausgeweitet. Die Studenten mit Unterstützung ihrer Professoren, sonstiger Intellektueller und weiter Kreise der Bevölkerung demonstrieren und fordern tiefgreifende politische Reformen bzw. die Wiederherstellung der Volkssouveränität bzw. Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und mo-ralische Erneuerung. Dies führte zur Entthronung von Präsident Suharto, der von Präsident B.J. Habibie abgelöst wurde. Am 21. Mai, als die Christen Himmelfahrt feierten, dankte Suharto ab, und ein neues Kapitel in der indonesischen Geschichte be-gann. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Darstellung stellt der neue Präsident sein Kabinett vor, das er als "Kabinett der Reform-Entwicklung" bezeichnet ("Kabinet Reformasi Pembangunan" - die bisherigen Kabinette von Präsident Suharto hießen "Kabinett der Entwicklung" - "Kabinet Pembangunan"); er erfüllt die Forderungen der Reformbewegung, die sich auf eine völlige Reform konzentrieren, und erwirbt sich Vertrauen in den Augen der Bevölkerung.

III. Wie die Glieder der GKJTU die Krise in Indonesien erfahren

1.  Die Glieder der GKJTU entstammen (zu einem kleineren Teil) aus den mittleren Bevölkerungsschichten und (zum größten Teil) aus den unteren Schichten. Sie leben zu 70% auf dem Dorf und arbeiten als Kleinbauern und Landarbeiter, während die 30% in der Stadt Beamte, Angestellte und Freiberufler sind. Kein Mitglied der GKJTU besitzt Fabriken oder Unternehmen. Die Glieder der GKJTU erfahren die Krise folgendermaßen:

a)  Die Ackerbauer und Viehzüchter erleben eine Schrumpfung ihrer Kaufkraft bis zum absoluten Tiefpunkt. Denn die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse steigen nicht in dem Maße wie die für Industrieprodukte. Ein Landwirt verkauft z.B. 100 kg Gemüse und kann von dem Erlös nur 1 kg Zucker kaufen. So ist es für die Landwirte schwierig, ihre Betriebe weiterzuentwickeln. Zum Glück haben sie noch Lebensmittel aus eigenem Anbau für ihren eigenen, bescheidenen Bedarf.

b)  Die Angestellten, Beamten und Arbeiter erleben ähnliches wie die Landwirte, weil ihre Gehälter nicht mehr ausreichen, um die hohen Ausgaben zu decken. Viele Angestellte erleben eine drastische Schrumpfung ihrerer Kaufkraft, viele haben auch ihre Erwerbsquelle durch Entlassung verloren, da viele Betriebe sich nicht mehr über Wasser halten können.

c)  Die kleinen Einzelhändler erleben das gleiche Schicksal, viele mußten ihren Betrieb schließen aufgrund der sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung.

2.  Der Regierungswechsel und die umfassenden Reformen geben dem einfachen Volk natürlich neue Hoffnung. Aber selbst wenn die neue Regierung das Vertrauen des Volkes gewinnen und die Krise überwinden kann, dann braucht dies lange Zeit, vielleicht zwei oder drei Jahre oder sogar länger. Es gibt noch keine Anzeichen, die Besserung verheißen.

Nothilfe durch den "Katastrophenfonds"

1.  Der Name "Katastrophenfonds" ("Tanggul Bencana" - wörtl: "Katastrophendamm") wurde gewählt, weil er im Umfeld des Indonesischen Kirchenrates ("Persekutuan Gereja-gereja di Indonesia" - PGI), zu dem auch die GKJTU gehört, bereits vertraut ist. Der GKJTU wurde 1990 bereits durch einen solchen Katastrophenfonds geholfen, als viele Gemeindeglieder und die sonstige Bevölkerung von einer furchtbaren Überschwemmung heimgesucht wurden. Die von der Überschwemmung besonders betroffenen bekamen Unterstützung in ihrer Notsituation. Eine ähnliche Hilfe soll in der jetzigen Situation gegeben wer-den, wo das indonesische Volk von einer Wirtschaftskrise heimgesucht wird, die die Wirtschaft der Bevölkerung vernichtet.

2.  Vom christlichen Glauben her ist diese Katastrophenhilfe geboten, da Gott selbst es will. Gott hat "Himmel und Erde und alles was darinnen ist" sehr gut geschaffen. Die ganze Schöpfung ist in Harmonie geschaffen, um sich gegenseitig am Leben zu er-halten, entsprechend der erhaltenden Gnade Gottes (1. Mose 1:29-30; Ps. 104:10-18). Wenn daher einzelne Bevöl-kerungs-schichten durch eine Katastrophe vom Untergang bedroht sind, müssen die anderen Teile der Gesellschaft ihnen helfen. Bereitschaft, den Leidenden zu helfen, ist ein Teil des Liebesgebotes, das Christus selbst gelehrt hat (Matth. 22:37-40). In die-ser Krise müssen die Gläubigen ihr Herz für ihre Nächsten in Not öffnen, einander helfen und gegenseitig ihre Lasten tragen (Gal. 6:2).

3.  Die Maßnahmen zur Hilfsvergabe sehen folgendermaßen aus:

a)  Unterstützt werden sollen Arbeitnehmer / Arbeiter / Landwirte / kleine Einzelhändler, die durch die Wirtschaftskrise keine Arbeit oder überhaupt keine Erwerbsquelle mehr haben. (D.h. die Hilfe wird nicht an die Ober- und Mittelschicht gege-ben; obwohl auch sie von der Krise betroffen sind, haben sie doch i.A. noch Ersparnisse oder können sich sonst irgendwie über Wasser halten, während die eingangs beschriebene einfache Bevölkerung es sehr schwer hat, sich am Leben zu er-halten).

b)  Die Hilfe wird als Startkapital gegeben, damit die Opfer der Krise mit dem Geld neue Erwerbszweige erschließen können wie z.B. durch Heimarbeit (Heimindustrie), Kunstgewerbe etc. Auf diese Weise können sie der Wirtschaftssituation be-gegnen. Die Hilfe wird sowohl an Gemeindeglieder gegeben wie auch an die Bevölkerung im Umkreis der GKJTU.
 Die Hilfe wird kostenlos gegeben und muß in keiner Form zurückgezahlt werden. Pro Familie kann die Hilfe zwischen 400.000 Rp. und 500.000 Rp. variieren, je nach ihrem Unternehmensgeist und der Größe der Familie. Wenn sie strebsam und fleißig sind, können sie mit einem solchen Kapital 10.000 Rp. bis 15.000 Rp. pro Tag erwirtschaften. Außerdem ar-beitet die Abteilung "Dienst und Zeugnis" der GKJTU mit den örtlichen Pastoren und Presbyterien zusammen, um den un-terstützten Familien durch Gebet. Rat und Motivation beizustehen, damit sie nicht den Mut und die Hoffnung verlieren.
 Diejenigen, die in der Umgebung von Salatiga leben, können bewegt werden, an einem Schreinerkurs in der Lehrwerkstatt "Makarya" in Getasan teilzunehmen. Diese Kurse werden kostenlos abgehalten. Bis heute haben alle Absolventen des Schreinerkurses "Makarya" Arbeit gefunden mit einem ordentlichen Gehalt, zumindest für die Verhältnisse der "Unterschicht" in Indonesien.

4.  Zunächst einmal soll versucht werden, Unterstützung für 200 Familien zu bekommen
 - 100 Familien à 400.000 Rp. = 4.000.000 Rp.
 - 100 Familien à 500.000 Rp. = 5.000.000 Rp.
 Für 200 Familien bräuchte man also 9.000.000 Rp. Weiter werden die Kosten für die Durchführung, für die Kontrolle, für die Überweisung sowie die Verwaltungskosten auf 10% des Budgets geschätzt, also 900.000 Rp. Damit werden 9.900.000 Rp. gebraucht.

5.  Das Geld soll von Spendern im In- und Ausland, von Gemeindegliedern und sonstigen Sponsoren aufgebracht werden, die zur Unterstützung dieser Notaktion bereit sind. Die Hilfe kann direkt überwiesen werden auf das Dollarkonto der GKJTU bei der Indonesischen Staatsbank ("Bank Negara Indonesia" - BNI), Konto Dollar Plus ("US$ savings account") Kontonummer 137 000 11 4516.001.

Schluß

Wenn alles gut verläuft und mit Gottes Segen soll die Aktion "Katastrophenfonds" am 1. Juni 1998 beginnen. Interessierte Spender können sich an die Abteilung "Diakonischer Dienst und Zeugnis" der GKJTU wenden, unter der Adresse Jl. Letjen Sukowati 74, Salatiga, P.O.Box 105, Fax 0062-298-21149, Tel. 0062-298-24745 oder an Pebri & Christian Gossweiler, Kota Baru 20, Salatiga 50714, Fax 0062-298-27241, Tel. 0062-298-24972.

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