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Pastoren für Java
Vikarsausbildung in der
GKJTU
(Missionbote
aus Neukirchen, Nr. 2, 1996)
Nachdem Ehepaar Goßweiler das Lehrvikariat in Umkirch zum 30.9.1995
beendet hat, hatte Br. Goßweiler im Dezember gleich Gelegenheit,
die Vikarsausbildung der GKJTU näher kennenzulernen.
1. Eine neue Generation
Seit Jahrzehnten leidet die Christliche Kirche Nord-Mitteljava (Gereja
Kristen Jawa Tengah Utara - GKJTU) an einem gravierenden Mangel an Pastoren:
In den 55 Gemeinden und 29 Filialgemeinden sind nur 16 Pastoren tätig,
von denen einige kurz vor der Pensionierung stehen. Die 16 Pastoren werden
zwar von 42 Evangelisten unterstützt, doch haben diese Evangelisten
meist nur die Grundschule und ein paar Bibelkurse besucht. Die Bibelschule
"Sabda Mulya", an der u.a. unsere Missionare Garthe und Seidlitz unterrichteten,
konnte hier ein Stück weiterhelfen, aber die Anforderungen des modernen
Indonesien erfordern ein weitergehendes Studium. Viele der Evangelisten
brachten dazu nicht die nötigen Voraussetzungen mit. Die Pastoren
schaffen es auch kaum, in all den Gemeinden Abendmahl, Taufen und Trauungen
zu halten.
Deshalb hat die GKJTU schon vor 5-10 Jahren begonnen, bewährte
junge Gemeindeglieder auszusuchen und an verschiedenen Theologischen Hochschulen
auszubilden. Der "Reformierte Missionsbund" ("Gereformeerde Zendingsbond
in de Nederlandse Hervormde Kerk" - GZB; vgl. Missionsbote 94/4) und die
Salatiga Mission in den Niederlanden halfen dazu mit Stipendien. Nun kann
die GKJTU erste Früchte dieser Bemühungen ernten: Ein gutes Dutzend
Vikare sind in den Gemeinden tätig, und einige können bald als
Pastoren ordiniert werden.
2. Die Vikarsausbildung
Doch fühlen sich viele dieser Vikare in den Gemeinden auf recht verlorenem
Posten. Manche arbeiten zwar direkt unter der Anleitung des Gemeindepastors;
viele aber stehen mehr oder weniger allein in der Gemeinde und können
nur gelegentlich einen erfahren Pastor in einer entfernten Nachbargemeinde
um Rat fragen. Einige Gemeindepastoren sind sich auch gar nicht richtig
im klaren, wie sie ihre Vikare anleiten sollen. Die Vikare kommen von verschiedenen
Hochschulen, die aber keine nähere Verbindung zur GKJTU haben. Viele
Vikare sind deshalb mit der besonderen Situation der GKJTU noch nicht so
genau vertraut.
Deshalb erschien es schon lange notwendig, eine bessere Vikarsausbildung
zu organisieren. Früher wurden die Absolventen der Theologischen Hochschulen
und der Bibelschulen gleich als Pastoren ordiniert, heute hat die GKJTU
eine geregelte Vikarsausbildung, begleitet von Schulungskursen.
Zu einem solchen Kurs waren die Vikare nun vom 8.-12.12.1995 nach Salatiga
eingeladen, ebenfalls mit Unterstützung des Reformierten Missionsbundes.
Dabei war es sehr hilfreich, daß die Vikare in dem neu erbauten Begegnungs-
und Schulungszentrum "Sabda Mulya" (vgl. die verschiedenen früheren
Berichte) untergebracht werden konnten. Die Seminare selbst fanden im Schulungsraum
des Diakonischen Werkes "Yayasan Sion" statt.
Bei diesen Seminaren erläuterte z.B. Präses Krisno Yuwono
die Rolle des Pastors als Motivator; er zeigte darin, daß der Pastor
die Gemeinde motivieren soll, ohne ihr seine Meinung aufzuzwingen. Generalsekretär
Yohanes Sarju erläuterte in seinen verschiedenen Referaten u.a. die
Beziehung der GKJTU zu ihren Partnern in Deutschland und den Niederlanden;
er betonte besonders, daß diese Beziehungen heute in gleichberechtigter
Partnerschaft gestaltet werden; so führen diese Beziehungen nicht
zu neuen Abhängigkeiten, sondern können der GKJTU zu immer größerer
Selbständigkeit verhelfen.
Br. Goßweiler hielt eine Bibelarbeit zum Thema "Reformatorischer
Gemeindeaufbau" anhand von Röm. 7,14-25; die GKJTU ist stolz darauf,
eine "reformatorische" Kirche zu sein, aber über den Inhalt reformatorischer
Theologie ist man sich oft zu wenig im klaren. Verschiedene Mitglieder
der Kirchenleitung der GKJTU hielten weitere Vorträge, die den Vikaren
eine wichtige Wegweisung für ihren Dienst gaben. Aber auch einige
Presbyter (Kirchenälteste) und Evangelisten waren gekommen, um Hinweise
aus ihren praktischen Erfahrungen zu geben. Gerade auf diesem Gebiet konnten
die Vikare auch viel von den Evangelisten lernen. In den anschließenden
Diskussionen konnte das Gehörte vertieft und hinterfragt werden.
3. Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch
Auf diese Weise konnten die Vikare zugleich viele Mitarbeiter der GKJTU
näher kennenlernen und auch einander Anteil geben an ihrem Dienst.
Solche Begegnungen sind für die GKJTU sehr wichtig, damit nicht jeder
in seiner Gemeinde "sein eigenes Süppchen kocht", sondern eine wirkliche
Einheit in der Kirche entsteht. Auch Br. Goßweiler konnte auf diese
Weise sehr viel über die Situation der Vikare und ihrer Gemeinden
erfahren.
So erzählte z.B. Vikar Timotius Supar: "Ich habe an der Theol.
Hochschule Abdiel studiert, die von der "Kirche von Jesus, dem Messias"
(Gereja Isa Almasih - GIA) unterhalten wird [vgl. den Artikel in der letzten
Nummer des Missionsboten]. Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt,
die ebenfalls aus der GIA kommt. Nach meiner Ausbildung hatte ich Gelegenheit,
zwei Jahre lang weitere Erfahrungen zu sammeln und neue Gemeinden der GIA
in Süd-Sumatra zu gründen. Die GIA hätte mich gern als Pastor
und Missionar behalten, aber ich wollte meiner Heimatkirche GKJTU treu
bleiben.
So bin ich heute Vikar in dem Dorf Todanan im Kirchenkreis Blora. Die
Leute dort sind recht arm und können eigentlich keinen Prediger mit
Familie unterhalten. Viele Prediger haben deshalb die Gemeinde schnell
wieder verlassen; mit dem einfachen Leben auf dem Land konnten sie sich
nicht anfreunden. Nachdem der Prediger weg war, sind viele Gemeindeglieder
zu anderen Kirchen übergewechselt. Nun müssen meine Frau und
ich wieder ganz von vorn anfangen und die Gemeindeglieder wieder sammeln.
Meine Frau kann vor allem mit ihrer musikalischen Begabung dienen, ich
übernehme mehr die Predigtdienste.
Auch in den umliegenden Dörfern bitten mich viele Menschen, ihnen
das Wort Gottes zu verkündigen. Aber ich will mich nicht zu sehr verzetteln,
deshalb versammle ich alle in Todanan. Finanziell werden wir stark von
unseren Schwiegereltern unterstützt, da mein Schwiegervater ein gut
verdienender Kirchenältester in der GIA ist; er hilft uns gern bei
unserem missionarischen Dienst in Todanan. Ohne seine Hilfe könnten
wir uns hier kaum halten."
4. Besuch in Kopeng
Am Sonntag, den 10.12., besuchten die Vikare in kleinen Gruppen verschiedene
umliegende Gemeinden. Auf diese Weise konnten sie ebenfalls ihre Erfahrung
erweitern. Eine Gruppe besuchte beispielsweise den Kirchenkreis Kopeng.
Hier konnten sie das Leben der Berggemeinden kennenlernen.
1968-1971 wurden in diesem Gebiet 1.600 Menschen getauft, u.a. von
Br. Ingo Garth. Heute zählen die 6 Gemeinden im Kirchenkreis Kopeng
aber nur knapp 1.000 Mitglieder. Wie war es zu diesem Schwund gekommen?
Die Kirchenältesten nannten uns einige wichtige Faktoren:
Ein islamischer Bürgermeister hatte starken Druck auf die Dorfbewohner
ausgeübt, so daß viele Muslime wurden. In anderen Gemeinden
sind die Gemeindeglieder zu Pfingstkirchen übergewechselt. Auch der
Tourismus hat einen unguten Einfluß auf die Gemeindeglieder. Natürlich
sind auch einige junge Leute aus den Bergdörfern von Kopeng in die
Städte gezogen. Die Evangelisten konnten mit diesen Herausforderungen
nicht recht fertig werden, und einen ausgebildeten Pastor gab es im Kirchenkreis
Kopeng noch nie.
Man hatte schon mehrmals versucht, einen Vikar im Kirchenkreis Kopeng
einzusetzen, aber bisher mit wenig Erfolg. Der neue Vikar, Herr Petrus
Sugito, wurde deshalb umso sorgfältiger ausgewählt, vorbereitet
und den Gemeinden lange vorher vorgestellt. Er wird die Gemeinden im Kirchenkreis
Kopeng hoffentlich bald zu neuem Wachstum führen. Mittelfristig möchte
der Kirchenkreis Kopeng etwa 3-6 Pastoren in seinen sechs Gemeinden einsetzen.
Beeindruckend ist die diakonische Arbeit im Kirchenkreis Kopeng. Die
Spenden u.a. von unseren Missionsfreunden verwandte die Gemeinde zunächst,
um Kleinkredite an die Bauern zu geben. Dies befreite die Kleinbauern von
den Wucherzinsen der chinesischen Geldverleiher. Als dann die Bauern ihre
Kredite zurückzahlten, wurden davon Kälber gekauft, die von verschiedenen
Bauern aufgezogen werden. Von dem Erlös bekommen die Bauern 60%, 40%
fließen in die Gemeindekasse. Nachdem sich so die finanzielle Situation
der Gemeinde verbessert, können die Gemeinden wohl auch einen Pastor
finanzieren.
5. Die weitere Zukunft der Vikare
Aus diesen verschiedenen "Momentaufnahmen" ist wohl deutlich geworden,
wie dringend die GKJTU ordinierte Pastoren braucht. Gerade die Gemeinden
im Kirchenkreis Kopeng haben dies deutlich erkannt, andere Gemeinden haben
sich leider mit dem augenblicklichen Pastorenmangel ganz gut arrangiert
und sehen keine Notwendigkeit, einen vollzeitlichen Pastor anzustellen;
ein neues Kirchengebäude u.ä. erscheint ihnen wichtiger.
So warten viele Vikare schon lange darauf, ordiniert und endlich ganz
als Pastor angestellt zu werden. Eigentlich dauert das Vikariat in der
GKJTU nur zwei Jahre, aber einige Vikare sind schon 4-5 Jahre in der Gemeinde
und immer noch nicht ordiniert. Doch soll dieses "verlängerte Vikariat"
zu immer besserer Schulung genutzt werden. Der nächste Vikarskurs
ist daher für Juni 1996 geplant.
Dr. Christian Goßweiler
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