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Vgl. Bildbericht Photos von der Schulung der Laienprediger, 23.-28.3.1998
 

"Tue das Werk eines evangelischen Predigers ..." (2. Tim. 4,5)

Schulung von Laienpredigern / Evangelisten auf Java
(In ndl. Übersetzung in: Alle Volken . Informatieblad van de Gereformeerde Zendingsbond in de Nederlandse Hervormde Kerk, 91. Jg., Nr. 4, Juli 1998
in akt. Fassung "Prediger fuer das neue Indonesien" in: Missionsbote aus Neukirchen, Nr. 2, 1998)

Seit Jahrzehnten werden die meisten Gemeinden der Christlichen Kirche Nord-Zentraljava (Gereja Kristen Jawa Tengah Utara - GKJTU) nicht von voll ausgebildeten Pastoren, sondern von Laienpredigern (indon: "Guru Injil" = wörtl. "Evangeliumslehrer", "Evangelisten") versorgt. Die Gemeinden wie auch die Synode der GKJTU können den Laienpredigern nur ein ganz kleines Gehalt bezahlen, so daß diese noch in der Landwirtschaft oder anderen Bereichen ihren Broterwerb suchen müssen. Die Laienprediger haben meist nur die Grundschule besucht und an einigen Bibelkursen teilgenommen. Deshalb hat die GKJTU im März 1998 mit einem fünfjährigen Schulungsprogramm für die Laienprediger begonnen.

1. Die Vorgeschichte

Um das neue Schulungprogramm besser zu verstehen, soll zunächst kurz seine Vorgeschichte geschildert werden.

1.1 Die Laienprediger als Retter in der Not

Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahren erlebte die GKJTU (wie viele andere indonesische Kirchen in jener Zeit) ein erstaunliches Wachstum. Die Kirchenkreise Getasan und Kopeng an den Hängen des Merbabu-Vulkans entstanden völlig neu. Natürlich konnten die damals etwa sieben Pastoren der GKJTU die vielen neugegründeten Gemeinden nicht versorgen. Die GKJTU hatte auch nicht das Geld, so viele neue Pastoren einzustellen oder auszubilden. Deshalb wurden in den neugegründeten Gemeinden besonders respektierte und befähigte Gemeindeglieder zu Laienpredigern ("Guru Injil"), Hilfs-Laienpredigern ("Pembantu Guru Injil") und Hilfs-Laienprediger-Kandidaten ("Calon Pembantu Guru Injil") ernannt. Diese Laienprediger waren z.T. selbst gerade erst Christen geworden. Wie die anderen Gemeindeglieder in den Dörfern waren sie meist einfache Bauern ohne besondere Schulungausbildung, die nun neben ihrer Feldarbeit ihren Predigt- und Seelsorgedienst versahen. Für Taufen, Abendmahlsfeiern und Trauungen mußte jedoch weiterhin ein ordinierter Pastor aus einer Nachbargemeinde gerufen werden. Natürlich berieten die Pastoren die Laienprediger auch in schwierigen Fällen.

1.2 Die Schulung der Laienprediger in der Vergangenheit

Selbstverständlich brauchten die Laienprediger dringend eine weitere Ausbildung für ihren Dienst. Diese Ausbildung geschah bis 1972 in der Bibelschule ‘Sabda Mulya’. (vgl. unsere verschiedenen bisherigen Artikel über ‘Sabda Mulya’) Dozenten waren u.a. die jetzige Vize-Präses Frau Mirahingsih sowie die Neukirchener Missionare Ingo Garthe und Klaus Seidlitz. Einige der Absolventen von ‘Sabda Mulya’ konnten sich später weiterbilden und zu Pastoren ordiniert werden, so z.B. der jetzige Generalsekretär Pfr. Yohanes Sarju und zwei weitere Pastoren. Drei andere tun weiterhin treu ihren Dienst als Laienprediger. Allerdings nahm damals nur ein kleiner Teil der Laienprediger die Möglichkeit wahr, die Bibelschule ‘Sabda Mulya’ zu besuchen. Später wurden die Laienprediger in kurzen Tageskursen der Ausbildungsabteilung ‘Sabda Mulya’ geschult. In den 80er Jahren nahmen fast alle damals aktiven Laienprediger an einer solchen Schulung teil. Nach Abschluß jenes Kurses wurden die Hilfs-Laienpredigern ("Pembantu Guru Injil") und Hilfs-Laienprediger-Kandidaten ("Calon Pembantu Guru Injil") zu Laienpredigern ("Guru Injil") ‘befördert’. Sie bekamen nun auch eine kleine monatliche Unterstützung von der Synode, um wenigstens ihre Fahrtkosten und sonstigen dienstlichen Ausgaben abzudecken.

2. Der Dienst der Laienprediger heute

Auch wenn die GKJTU inzwischen 23 ordinierte Pastoren hat, so wird trotzdem immer noch die Mehrzahl vor allem der Dorfgemeinden von Laienpredigern geleitet. Diese tun in großer Treue und unter vielen Opfern ihren Dienst. Mit ihrem reichen Schatz an Erfahrungen sind die Laienprediger für die GKJTU im Grunde unersetzlich. In ihren Gemeinden und vor allem in den Kirchenkreisen Getasan und Kopeng nehmen sie nach wie vor Schlüsselpositionen ein.
Ihre Ausbildung ist jedoch nach wie vor unzureichend, die allerwenigsten haben die Bibelschule ‘Sabda Mulya’ besucht, einige noch nicht einmal die Kurse in den 80er Jahren. Einige ganz wenige haben Kurzprogramme an einer Theologischen Hochschule besucht, aber den meisten fehlt selbst hierfür die nötige Schulbildung / Allgemeinbildung. An eine volle akademische Ausbildung wie sie für indonesische Pastoren heute erforderlich ist, ist gar nicht erst zu denken.
Die Folgen dieser Situation liegen auf der Hand: Auch in den Dorfgemeinden sind einige Gemeindeglieder inzwischen akademisch gebildet und überfordern die Laienprediger mit ihren Fragen. In vielen Gemeinden ist es inzwischen zu Spaltungen gekommen, und ein Teil der Gemeinde ist zu anderen Kirchen übergewandert. Schließlich entsteht ein Teufelskreis: Wegen ihrer Feldarbeit können die Laienprediger sich nicht voll ihren Gemeinden widmen, wegen ihrer mangelhaften Ausbildung wollen die Gemeinden ihnen keinen ausreichenden Lebensunterhalt bezahlen. So sind die Laienprediger den Herausforderungen des anbrechenden 21. Jahrhunderts im Grunde nicht mehr gewachsen.
Deshalb hat die Synode der GKJTU 1993 beschlossen, keine weiteren Laienprediger mehr einzusetzen und die noch aktiven schrittweise durch Pastoren zu ersetzen. So widmet sich die GKJTU nun umso intensiver der Aus- und Weiterbildung von Pastoren und Vikaren (vgl. unsere Berichte "Pastoren für Java . Vikarsausbildung in der GKJTU", Missionsbote 2/96, und "Indonesien im Umbruch . Pastorenkonferenz in Java", Missionsbote 3/97). Die GKJTU hat heute neben ihren 23 Pastoren noch etwa 16 Vikare, die in absehbarer Zeit zu Pastoren ordiniert werden können. Ein weiteres Dutzend von Theologiestudenten wird langfristig ebenfalls ein Pfarramt übernehmen. Natürlich ist auch diese Situation nicht ohne Probleme: manche Laienprediger fühlen sich von den jungen Pastoren und Vikaren verdrängt und von der Synode vernachlässigt. Für restlichen Jahre ihres Dienstes brauchen die Laienprediger auf jeden Fall eine gründlichere Ausbildung.

3. Das neue Schulungsprogramm

Die Synode der GKJTU hat deshalb schon lange geplant, den Laienpredigern ein besonderes Ausbildungsprogramm anzubieten. Auch von den Laienpredigern selbst wurden immer wieder entsprechende Wünsche geäußert.

3.1 Die Vorbereitungen

Diese Pläne wurden Anfang 1997 konkreter bei einem Besuch von T. Eikelboom, dem Indonesien-Sekretär des Altrefomierten Missionsbundes in der Niederländischen Reformierten Kirche ("Gereformeerde Zendingsbond in de Nederlandse Hervormde Kerk" - GZB). T. Eikelboom war sehr beeindruckt vom treuen, aufopferungsvollen Dienst der Laienprediger und versprach, ein entsprechendes Schulungsprogramm zu unterstützen. Das neue Schulungsprogramm sollte wesentlich intensiver sein als die Schnellkurse in den 80er Jahren. Andererseits war aber auch nicht an eine mehrjährige Bibelschulausbildung zu denken, da die Laienprediger ihre Gemeinden, Familien und ihre Feldarbeit nicht so lange allein lassen können. Daher einigte man sich auf drei einwöchige Kurse pro Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die fünf Jahre sollen nochmals unterteilt werden in eine zweijährige Einführungsphase (mit anschließender Bewertung des Programmes) und eine zweite dreijährige Phase. Dies bedeutet immerhin eine insgesamt fünfzehnwöchige Schulung. Die Laienprediger sollen dabei in Bibelauslegung, kirchlicher Lehre, Predigtlehre, Seelsorge, Islamkunde usw. unterrichtet werden.
Natürlich wurde dieses Programm auch gründlich mit den Laienpredigern selbst besprochen. Die Kirchenleitung und die Ausbildungsabteilung LPPK stellten das Programm bei mehreren Treffen der Laienprediger vor. Dabei wurde auch festgestellt, wer von den Laienpredigern bereits an welchen Schulungen teilgenommen hatte. Aber auch manche Mißverständnisse mußten ausgeräumt werden. Einige Laienprediger meinten, sie würden nach Abschluß der 15 Kurse zu Pastoren ordiniert oder bekämen zumindest eine Gehaltserhöhung. Dem hielt Generalsekretär Pfr. Yohanes Sarju die Argumente entgegen: "Besser ein gut ausgebildeter Laienprediger als ein ungenügend ausgebildeter Pastor! Wenn außerdem die Laienprediger ihren Dienst fachkundiger versehen können, werden dies die Gemeinden sicher auch durch ein entsprechendes Gehalt zu honorieren wissen." Andere hielten das Programm nur für ein unverbindliches Angebot; hier mußte betont werden, daß das Programm für alle Laienprediger Pflicht ist.

3.2 Der erste Kurs im März 1998

So erschienen die Laienprediger nahezu vollzählig zum ersten Kurs vom 23.-28.3. Da trotzdem noch einige Plätze frei waren, konnten auch einige Kirchenälteste / Presbyter an dem Kurs teilnehmen, da sie ebenfalls mit im Dienst der Seelsorge und Wortverkündigung stehen. Beim ersten Kurs standen die kirchliche Lehre (Dogmatik) und Methoden der Schriftauslegung (Biblische Hermeneutik) als Unterrichtsfächer auf dem Programm.
Dogmatik wurde von Dozent Brotosemedi unterrichtet. Herr Pfr. Brotosemedi ist ein pensionierter Dozent mit großer Erfahrung. Den Kurs der Laienprediger unterrichtete er auf der Grundlage des Heidelberger Katechismus, der Glaubenslehre der GKJTU. Selbstverständlich hatten die Laienprediger den Heidelberger Katechismus schon oft im Konfirmandenunterricht selbst erklärt. Aber die Erläuterungen von Herrn Brotosemedi dienten der Vertiefung und weiteren Klärung. Damit sind die Laienprediger nun auch im Stande, schwierigere Fragen von Konfirmanden und Gemeindegliedern zu beantworten. Viele dieser Fragen brachten sie selbst in die Diskussion ein. Daneben verstand Pfr. Brotosemedi, den Kurs mit vielen javanischen Sprichwörtern und Wortspielen zu würzen.
Der Neukirchener Missionar Pfr.Dr. Christian Goßweiler unterrichtete Methoden der Schriftauslegung (Biblische Hermeneutik). Für eine systematische Vorbereitung der Predigten und Bibelarbeiten sind solche Auslegungsmethoden dringend notwendig. Normalerweise unterrichtet Br. Goßweiler dieses Fach an der Theologischen Hochschule Abdiel, nun mußte der Stoff für die Laienprediger natürlich wesentlich vereinfacht werden (ohne griechischen Urtext usw.). Selbstverständlich haben die Laienprediger in den Dörfern keine theologische Bibliothek zur Verfügung, um ihre Predigten vorzubereiten. Deshalb mußte gründlich überlegt werden, wie die Laienprediger ihre Predigten nur mit Hilfe von 2-3 Übersetzungen, einem Bibelatlas, einem Bibellexikon und einer Konkordanz vorbereiten können. Von der Kirchenleitung bekamen die Teilnehmer jedoch ein Büchergeld, womit sie sich die nötigsten Hilfsmittel zur Bibelauslegung anschaffen konnten. Dabei brauchten die Teilnehmer natürlich auch Anleitung, welche Bücher für sie sinnvoll sind. Diese Büchervorstellung war ein wichtiger Bestandteil des Hermeneutik-Unterrichtes - was Br. Goßweiler den Scherz eintrug, er sei eigentlich mehr ein Bücherverkäufer als ein Dozent. Schließlich entschieden sich die meisten der Teilnehmer für ein großes Bibellexikon (vergleichbar Brockhaus Bibellexikon), einige auch für eine Studienbibel (vergleichbar Scofield-Bibel).
Insgesamt waren die Teilnehmer mit großem Eifer bei der Sache. Zu den Unterrichtsstunden erschienen sie fast immer überpünktlich, bereits fünf bis zehn Minuten vor Beginn saßen alle Teilnehmer auf ihren Plätzen - in Indonesien (und inzwischen auch in Europa!) keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Die Hausaufgaben wurden während der persönlichen Studienzeit (10.30h-12.30h und 14h-16h) sehr gewissenhaft erledigt, kaum einer der Teilnehmer verließ während der Studienzeit die Studienräume. Es hat sich dabei bewährt, die Hausaufgaben in Gruppen zu erledigen, da die Javanen aus den Dörfern ungern allein lernen (und auch sonst ungern allein sind). Ein Teilnehmer klagte aber auch: "Ich arbeite sonst den ganzen Tag auf dem Feld, zwei Stunden auf meinem Hosenboden zu sitzen fällt mir schwer, da tun mir die Beine weh. Dürfte ich mir nach einer Stunde kurz die Beine vertreten?" Dieser Vorschlag sollte für künftige Kurse sicher bedacht werden! Auch sonst brachte der erste Kurs viele wertvolle Erfahrungen, die bei den weiteren Kursen berücksichtigt werden sollten.

3.3 Weitere Ziele und Erwartungen

Am Samstag kehrten die Laienprediger zufrieden in ihre Gemeinden zurück, um am Sonntag wieder auf der Kanzel zu stehen. Der nächste Kurs im Juni 1998 wird bereits mit Spannung erwartet. Im Juni stehen der zweite Teil des Dogmatik-Kurses an und das Fach "Theologie des Alten Testamentes" auf dem Programm.
Langfristig hoffen wir, daß die Laienprediger durch diese Kurse den Herausforderungen ihres Dienstes noch besser gewachsen sind. Dann können auch Pastoren, Vikare und Laienprediger zu einem guten Miteinander kommen und sich gegenseitig ergänzen. Der reiche Erfahrungsschatz der Laienprediger kann dann für die ganze GKJTU fruchtbar gemacht werden.
Die Christliche Kirche in Ostjava (Greja Kristen Jawi Wetan - GKJW) hat ebenfalls bereits Interesse angemeldet, ihre Laienprediger im Rahmen des Programmes der GKJTU schulen zu lassen. Da die GKJW nur noch sieben Laienprediger (Guru Injil) hat, lohnt sich für sie kein eigenes Schulungsprogramm. Natürlich ist die Situation in der GKJTU anders als in der GKJW. Ob ein gemeinsame Schulung möglich ist, wird gegenwärtig noch von der Kirchenleitung geprüft.
Auf jeden Fall werden die Kurse dazu helfen, "das Werk eines evangelischen Predigers …" (2. Tim. 4,5 nach alter Luther-Übersetzung) umso besser zu versehen. Dabei wollen wir das Programm in unserer Fürbitte begleiten.

Vgl. Bildbericht Photos von der Schulung der Laienprediger, 23.-28.3.1998

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