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"Vereint zur Mission"
Interview mit Pebri & Christian Goßweiler
(die Fragen wurden erstellt von Klaus Baldauf, Neukirchener Mission)
(veröffentlicht unter der Überschrift "Ein e-mail Gespräch"
im Missionsboten aus Neukirchen,
Nr. 3/99 vom 25. Mai 1999, 121. Jg., S. 10 und Nr. 4/99 vom 26. Juli 1999, S. 8-9)
1. Viele kennen Euere Berichte, aber wissen wenig über Euch selbst. Wie seid Ihr Christ geworden?
Christian fand 1975 zum lebendigen Glauben durch den Konfirmandenunterricht bei Pfr. Otto W. Hahn in der Evang. Kirchengemeinde Eisingen. Besonders angesprochen wurde Christian dabei durch eine Predigt über Luk. 12:49-53 ("Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als daß es schon brennte! …") und das Konfirmandenmotto "Wer zur Quelle will, muß gegen den Strom schwimmen". Pebris Familie war schon lange in der GKJTU-Gemeinde Bojonegoro engagiert, Pebris Vater war bis 1998 Presbyter. Bei einer Evangelisation 1992 erlebte Pebri noch einmal einen entscheidenden geistlichen Durchbruch.
2. Seit wann seid Ihr in Indonesien und welche Aufgaben habt Ihr bis heute wahrgenommen?
Pebri wurde 1974 in Indonesien geboren, Christian war seit 1984 zu verschiedenen Kurzzeiteinsätzen in Indonesien. Nachdem Pebri zwei Jahre in Deutschland war, sind wir im Oktober 1995 zu einem langfristigen Einsatz nach Indonesien zurückgekehrt.
Christians Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung wurde über die Theol. Hochschule Abdiel beantragt, wo Christian bisher die Fächer Einführung in die Theologie, Neues Testament, Griechisch, Hermeneutik (Methoden der Bibelauslegung), Systematische Theologie, Homiletik (Predigtlehre) & Liturgik sowie Christliche Kunst unterrichtet (hat). Daneben betreuen wir einzelne Studenten bei ihrer Diplomarbeit. Besonders ist Christian beauftragt, einen Aufbaustudiengang zum "Magister der Theologie" vorzubereiten. 1996-1998 hat Pebri an der Theol. Hochschule Abdiel studiert und hat bis heute gute persönliche Kontakte zu einzelnen Studenten und Dozenten.
In der Christlichen Kirche Nord-Zentraljava (Gereja Kristen Jawa Tengah Utara - GKJTU) sind wir besonders in der Schulungsarbeit des Ausbildungsinstitutes ‘Sabda Mulya’ eingesetzt. Zu den Aufgaben des Ausbildungsinstitutes ‘Sabda Mulya’ gehören Kurse für die Laienprediger, Betreuung von Theologiestudenten, Aufbau der Bibliothek, Gemeindeschulung usw. Daneben werden wir immer wieder zu Verkündigungsdiensten eingeladen, geben Sprachkurse, übersetzen und erstellen Berichte für die verschiedenen europäischen Partner der GKJTU. Pebri hat dabei vor allem die indonesischen und javanischen (und z.T. auch die deutschen) Manuskripte von Christian zu korrigieren und kann manchen Schriftverkehr übernehmen. Deutsch-Indonesische Übersetzungen erstellt meistens Pebri. Seit neuestem ist Pebri Redaktionssekretärin der Frauenzeitschrift der GKJTU. Daneben hat Pebri natürlich viele Aufgaben als Mutter und Hausfrau.
3. Es gibt Nachrichten über einen großen charismatischen Einfluß in Indonesiens Kirchen. Wie sieht das bei Euch aus?
In der Tat sind die charismatisch-pfingstlerischen Kirchen und Gruppen in Indonesien sehr aktif. Z.T. betreiben sie "echte Mission", z.T. werben sie nur Mitglieder aus den traditionellen Kirchen ab. So dürften auf Java nach unserer Schätzung die Pfingstkirchen inzwischen fast genauso viele Mitglieder haben wir die evangelischen und katholischen Kirchen. In vielen Dörfern gibt es nur eine Pfingstgemeinde, aber keine evangelische Kirche. Die evangelikale Bewegung in Indonesien wird fast völlig von den Charismatikern dominiert, so daß in Indonesien inzwischen "evangelikal" und "charismatisch" gleichbedeutend (synonym) sind.
Die Leitung der GKJTU (wie die meisten evangelischen Kirchen in Indonesien) steht der charismatischen Bewegung insgesamt sehr kritisch gegenüber, wenn auch einzelne Gemeinden offener sind. Immer wieder versuchen die Pfingstkirchen, Mitglieder oder ganze Gemeinden der GKJTU abzuwerben, z.T. mit Erfolg. Vor allem in den Städten kommen die jungen Gemeindeglieder mit charismatischen Gruppen in Kontakt und versuchen, diese Einflüsse dann in ihre Heimatdörfer zu tragen.
Die Theol. Hochschule Abdiel kommt selbst aus einem pfingstlerischen Hintergrund; sie steht dieser Tradition inzwischen allerdings sehr kritisch gegenüber. Die "Kirche von Jesus, dem Messias" (Gereja Isa Almasih - GIA), der die Theol. Hochschule Abdiel gehört, ist ebenfalls mehr oder weniger charismatisch-pfingstlerisch. Die große Mehrheit der Studenten kommt aus der GIA und aus Pfingstkirchen. Bei vielen indonesischen Kirchen gilt ‘Abdiel’ noch immer als pfingstlerisch. Aber inzwischen studieren auch viele Studenten aus der GKJTU sowie aus zwei mennonitischen Kirchen an der Theol. Hochschule Abdiel.
4. Würdet Ihr Euch selbst als Charismatiker oder Pfingstler bezeichnen?
Wir kommen beide aus pietistischen, nicht-charismatischen Gemeinden, die fest in der evangelischen Kirche verwurzelt sind. Bis heute würden wir uns am ehesten als "reformatorische Pietisten" bezeichnen. Deshalb haben wir auch unserer Tochter den Namen "Pia Desideria" gegeben, nach Philipp Jacob Speners Programmschrift des Pietismus: "Pia Desideria oder Hertzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren Evangelischen Kirchen …" Darin legt Ph.J. Spener das Programm des Pietismus dar: biblisch-nüchterne, praktische Frömmigkeit (lat. "praxis pietatis") und Stärkung des persönlichen Glaubens. Nach javanischem Namenssystem heißen wir daher jetzt "Papa und Mama (von) Pia Desideria". Dieser Ansatz von Pietismus und Erweckungsbewegung unterscheidet sich natürlich in vieler Hinsicht von der charismatischen Bewegung (wenn sich auch hier und da Berührungspunkte ergeben).
Wenn wir jedoch an der Theol. Hochschule Abdiel unterrichten oder gar gelegentlich zu Predigtdiensten in Pfingstkirchen eingeladen werden, können wir die Pfingstbewegung und charismatische Bewegung natürlich nicht einfach in Bausch und Bogen verdammen. Wir müssen vielmehr in Weisheit die Wahrheit des Evangeliums lehren und verkündigen.
5. Wir hören in Deutschland von internationalen Kirchenzusammenschlüssen, an denen sich auch eure Kirche beteiligen will. Um was geht es?
Die Vereinigte Evangelische Mission (VEM) hat sich in den letzten Jahren (seit 1973) von einem deutschen kirchlichen Missionswerk in eine internationale Missionsgemeinschaft umstrukturiert, vergleichbar der internationalen Überseeischen Missionsgemeinschaft (ÜMG/OMF) oder der neuerdings internationalisierten Liebenzeller Mission. Im Unterschied zur ÜMG/OMF oder der Liebenzeller Mission wird die VEM jedoch nicht von Einzelpersonen, einzelnen Gemeinden oder Gemeinschaften getragen, sondern die VEM wird von Kirchen unterstützt. So werden nun die bisherigen überseeischen Partnerkirchen der VEM zu Mitgliedskirchen oder zu "Heimatzentren" in der internationalen Missionsgemeinschaft "United Evangelical Mission" bzw. "Vereinigte Evangelische Mission" (UEM/VEM). Bis vor kurzem trug dieses Programm den Namen "United in Mission" / "Vereint zur Mission". Diese Mitgliedskirchen oder "Heimatzentren" in Afrika und Asien senden selbst Missionare über die UEM/VEM aus und sind auch in der Leitung der UEM/VEM vertreten.
Die GKJTU hat sich ebenfalls um die Mitgliedschaft in dieser internationalen Missionsgemeinschaft UEM/VEM beworben. Schon bisher pflegt die GKJTU eine Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Moers und ist dadurch auch mit der VEM und der Evang. Kirche im Rheinland in Verbindung gekommen. Darüber hinaus steht die GKJTU auch in Partnerschaften mit der Salatiga Mission und dem Gereformeerde Zendingsbond (GZB) in den Niederlanden und natürlich mit der Neukirchener Mission. In Indonesien ist die GKJTU Mitglied im Nationalen Kirchenrat / "Gemeinschaft Indonesischer Kirchen" (PGI) und im "Rat der Javanischen Kirchen" (BMGJ).
6. Wie beurteilt Ihr diese Bewegung und welche persönliche Aufgabe seht Ihr in diesem Zusammenhang?
Grundsätzlich halten wir es für gut, wenn die früheren Arbeitsgebiete / "Missionsfelder" zu Partnerkirchen und schließlich zu gleichberechtigten Mitgliedskirchen in einem internationalen Missionswerk werden. Auch für die Neukirchener Mission würden wir uns eine ähnliche Internationalisierung wünschen, vielleicht nach dem Vorbild der Liebenzeller Mission oder der ÜMG/OMF. Bedenken haben wir jedoch, wenn bei solchen internationalen Missionswerken schließlich internationale, kostspielige Konferenzen und Sitzung im Vordergrund stehen, wenn sie von einzelnen Mitgliedskirchen eher als ein ökumenisches Forum verstanden werden. Hauptziel eines solchen Missionswerkes kann immer nur sein "das Evangelium zu predigen, wo Christi Name noch nicht bekannt" wird (Röm. 15:20). Ausführlich hat Christian die Internationalisierung der VEM in seiner Doktorarbeit "Unterwegs zur Integration von Kirche und Mission", S. 289-305, dargestellt und kommentiert.
Die GKJTU wird innerhalb der VEM/UEM (und auch in den anderen genannten Zusammenschlüssen) sicherlich zu den eher konservativ-pietistischen Kirchen gehören. Durch den Kontakt mit anderen Kirchen hat sie sich nun mit neuen Fragen und Herausforderungen auseinanderzusetzten, z.B. mit dem Papier der Rheinischen Landessynode zu den Fragen Segnung Homosexueller, Ehe ohne Trauschein usw. (Titel: "Sexualität und Lebensformen sowie Trauung und Segnung"). Doch können wir die GKJTU gegen solche Anfragen nicht abschotten. Vielmehr wollen wir persönlich der GKJTU helfen, ihr reformatorisch-erweckliches Erbe weiterzupflegen, es gemäß dem indonesischen Lebenszusammenhang ("Kontext") weiterzuentwickeln und positiv in die Diskussionen in der VEM/UEM (und in den anderen Zusammenschlüssen) einzubringen. Weiter wollen wir die GKJTU ermutigen, eines Tages selbst Missionare nach Afrika oder Lateinamerika auszusenden, sei es über die Neukirchener Mission, über den GZB oder über die VEM/UEM.
7. Christian, Du bist mit einer indonesischen Frau verheiratet. Es gibt bei uns manche Bedenken im Blick auf Ehen zwischen Partnern verschiedener Nationalität und Kultur. Wie geht es Euch beiden? Gibt es Herausforderungen für Euch, die wir nicht haben?
Die Ehe eines Missionars / Missionarin mit einer/einem Einheimischen nimmt innerhalb der gemischtkulturellen Ehen sicher eine Sonderstellung ein. Solche Ehen haben in der Missionsgeschichte schon viele segensfreie Früchte getragen, wie z.B. im Falle des Pioniers der Ostjava-Mission Johannes Emde. So kann auch Pebri und ihre Familie Christian große Hilfe leisten durch manche Verhaltenshinweise, Vermittlerdienste, Korrekturen von Manuskripten zu nächtlicher Stunde, ein weitgestreutes Verwandtschaftsnetz und andere Kontakte etc. Christian könnte sich einen Dienst in Java ohne javanische Ehefrau kaum mehr vorstellen.
Natürlich gibt es auch mitunter Konflikte und Verstehensschwierigkeiten. Aber in irgend einer von den drei Sprachen Deutsch, Indonesisch und Javanisch finden wir dann schließlich doch das richtige Wort. Unser gemeinsamer Glaube und unsere ähnliche geistliche Prägung hilft natürlich auch sehr viel. Größere Herausforderungen kommen jedoch von außen: Neben vielen schönen Erfahrungen mußte Pebri in Deutschland auch manchen Kulturschock verkraften, wo sie sich als Indonesierin (berechtigt oder vemeintlich) erniedrigt, nicht für voll genommen oder zumindest unverstanden fühlte. Auch in Indonesien wird Pebri manchmal schräg angesehen, wenn sie mit einem ausländischen Mann zusammen ist - vor allem wenn nicht ganz eindeutig ist, daß wir verheiratet sind. Hier hilft nun Pia Desideria viel zur Klärung der Verhältnisse.
Aber die größte Herausforderung kommt erst noch auf uns zu: wir müssen Pia Desideria helfen, ihre gemischtkulturelle Existenz zu verarbeiten. Von den meisten Indonesiern wird sie heiß geliebt, aber gelegentlich wird sie auch "Dhik Låndå" - "Holländermädchen" gerufen (mit allen bösen Erinnerungen an die niederländische Kolonialzeit). Aber die Kleine wehrt sich schon kräftig: "Papa dudu Låndå, Papa wong Jerman" ("Mein Papa ist kein Holländer, sondern ein Deutscher"). Doch gerade in diesem letzten Punkt bitten wir besonders um Fürbitte.
8. Wie beurteilt Ihr von Indonesien aus die geistlich-religiöse Landschaft Europas, besonders die in Deutschland?
Diese Frage beantworten wir lieber bei oder nach unserem ersten Heimataufenthalt, voraussichtlich so Gott will im Jahre 2001.
9. Gibt es etwas, was Ihr ändern, verbessern würdet an unserer Arbeit als Neukirchener Mission?
Wie schon unter 6. genannt, hoffen wir, daß die Neukirchener Mission eines Tages zu einem internationalen Missionsinstrument und einer "Gemeinschaft am Evangelium" (Phil. 1:5) wird für alle ihre Partnerkirchen in Afrika, Peru, Indonesien und Europa.
Weiter sollte u.E. die Stellung der Frau innerhalb der Neukirchener Mission neu überdacht werden, sowohl im Hinblick auf ledige Missionarinnen, wie auch im Blick auf Missionarsfrauen, Mitarbeiterinnen im Missionshaus bis hin zu Frauen im Vorstand - bei voller Berücksichtigung des biblischen Zeugnisses in dieser Frage. Der Missionswissenschaftler Klaus Fiedler hat in seiner Untersuchung über die Glaubensmissionen "Ganz auf Vertrauen" (S. 309-320) u.a. diese Frage untersucht. Er hat dabei herausgestellt, daß die Glaubensmissionen im 19. Jahrhundert entscheidendes geleistet haben, die Stellung der Frau in der Weltmission aufzuwerten. Wir würden uns wünschen, daß davon auch in der Neukirchener Mission noch mehr zu spüren ist.
Schließlich hoffen wir, daß bald auch die Vorbereitung der Missionskandidaten und -kandidatinnen verbessert werden kann.
Aber vor allem wollen wir eins ändern und verbessern: uns und unseren Dienst, "durch Erneuerung unseres Sinnes, damit wir prüfen können, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene." (vgl. Röm. 12:2).
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