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Ein neuer Partner in Indonesien

Eine Vorstellung der Theologischen Hochschule Abdiel

Bericht von Pfr.Dr. Christian Goßweiler

(veröffentlicht im Missionsboten aus Neukirchen, Nr. 116/2 (1994), S. 6-7)

In verschiedenen Artikeln über Indonesien hatten wir in letzter Zeit die Theologische Hochschule Abdiel erwähnt, an der Br. Goßweiler später unterrichten soll. Im Januar dieses Jahres war er zu seinem ersten Kurzzeiteinsatz dort. Hier sein Bericht.

1. Der Hintergrund: Die "Kirche von Jesus, dem Messias"

Es begann in den Wirren des Niederländisch-Indonesischen Kolonialkrieges (1945-49). In einer Seitenstraße der umkämpften Hafenstadt Semarang (Mitteljava) traf sich regelmäßig eine kleine Gruppe von Christen. Aus dieser kleinen Versammlung entstand 1946 ein Kirche, die sich später den Namen "Gereja Isa Almasih" (GIA - "Kirche von Jesus dem Messias" oder "Kirche Jesu Christi") gab. Von der Stadt Semarang breitete sich die Kirche weiter in ganz Mitteljava und später in ganz Indonesien aus. So entstand die GIA als völlig einheimische Kirche, ohne jede Mitwirkung westlicher Missionare.

1956 trat die GIA dem Indonesischen Kirchenrat bei (damals: Dewan Gereja-gereja Indonesia - DGI; heute: Persekutuan Gereja-gereja Indonesia - PGI - Gemeinschaft indonesischer Kirchen). Während die ersten Mitglieder der GIA von einem pfingstlerischen Hintergrund kamen, trat die GIA über den DGI/PGI in einen intensiven Austausch mit den reformatorischen Kirchen Indonesiens. Dies wirkte sich auch auf ihr kirchliches Leben, ihre Glaubenslehre und Theologie aus. Seit neuestem steht die GIA in Partnerschaft mit der Presbyterianischen Kirche Koreas, wodurch dieser reformatorische Einfluß noch verstärkt werden dürfte. Diese Offenheit für einen geistlichen Austausch mit anderen Kirchen Indonesiens ist überhaupt ein prägendes Merkmal der GIA.

2. Die Entstehung der Bibelschule Abdiel

Um die Prediger und Verantwortlichen der GIA weiter in der biblischen Lehre zu vertiefen, entstand schon Ende der 50er-Jahre der Wunsch nach einer eigenen Bibelschule. Die Stammgemeinde Pringgading in Semarang übernahm die Initiative und gründete 1967 die Bibelschule "Abdiel" (hebr.: "Knecht Gottes"). An ihr sollten verantwortungsvolle Leiter, brauchbare Evangelisten und fähige Theologen ausgebildet werden, wie es das Motto der Abdiel sagt.

Wie die Kirche GIA war auch die Bibelschule Abdiel von Anfang an für das Gespräch mit anderen Ausbildungsstätten offen. Daher lud sie immer wieder auch Lehrer von anderen Bibelschulen und Theologischen Hochschulen ein. Auf diese Weise unterrichtete Anfang der 70er-Jahre auch der Neukirchener Missionar Ingo Garthe immer wieder an der Bibelschule "Abdiel", neben seinen Aufgaben an der "Sabda Mulya", der Bibelschule der Christlichen Kirche von Nord-Mitteljava (Gereja Kristen Jawa Tengah Utara - GKJTU).

3. Die Bibelschule Abdiel und die GKJTU

Aus diesen gelegentlichen Kontakten über Br. Garthe entwickelte sich ein immer engerer Kontakt zwischen der GKJTU und der Bibelschule Abdiel. Dieser wurde umso wichtiger, nachdem die Bibelschule der GKJTU, die Sabda Mulya, geschlossen werden mußte. So sind viele Pastoren der GKJTU Absolventen von Abdiel: Generalsekretär Yohanes Sarju, die Pastoren Permadi und Maharyanu, die uns 1992 besucht haben, der Evangelist Yosua Sudarso, von dem wir in der letzten Nummer des Missionsboten berichtet hatten, sowie Frau Sumarsih, die Leiterin der Frauenabteilung der GKJTU.

Damit ist Abdiel heute eine der bevorzugten Ausbildungsstätten der GKJTU. Auch in finanzieller Hinsicht kamen die wohlhabenderen Chinesen aus der GIA und der Abdiel den ärmeren Studenten aus der GKJTU immer wieder entgegen. Vor allem aber bringen die Absolventen von der Abdiel eine solide biblische Lehre und ein reges geistliches Leben mit. Nachdem z.B. Pastor Permadi an der Abdiel regelmäßige morgentliche Gebetsversammlungen erlebt hatte, nahm er gern die Anregung der Evangelisten Widjoyo Kusumo und Kusumo Rahardjo auf, solche Gebetsversammlungen auch jeden Morgen um 5 Uhr in seiner Gemeinde in Bojonegoro zu beginnen.

4. Die Theologische Hochschule Abdiel heute

1983 übernahm der jetzige Direktor die Leitung der Schule, Herr Samuel Budi Prasetya. Dieser baute die Bibelschule zu einer Theologischen Hochschule aus (Sekolah Tinggi Theologia - STT). Er eröffnete auch einen neuen Zweig für Kirchenmusik; damit ist STT Abdiel wohl die einzige Schule für Kirchenmusik in Indonesien. Herr Yusuf T. Budi Utomo wurde dazu besonders an der Kunstakademie in Yogyakarta ausgebildet.

Hauptsächlich aber möchte Herr Samuel die biblisch-reformatorische Grundlage der Schule vertiefen. Seine Liebe zur reformatorischen Theologie zeigt sich bis in die Namen seiner Kinder, die nach dem Motto der Reformation benannt sind: Sola Gratia (allein die Gnade), Sola Fide (allein der Glaube) und Sola Scriptura (allein die Heilige Schrift). An diesen reformatorischen Grundsätzen möchte Herr Samuel auch im Gespräch mit manchen bibelkritischen Dozenten in Indonesien festhalten.

Auch der engste Mitarbeiter von Herrn Samuel, Herr Gunarto, ist gegenüber schärmerisch-pfingstlerischen Elementen in der GIA und an der Abdiel sehr kritisch eingestellt. So erhoffen sich die beiden durch die Absolventen der STT Abdiel eine biblisch-reformatorische Erneuerung der GIA und der anderen indonesischen Kirchen. Auch zwei Dozenten aus der Presbyterianischen Kirche von Korea sollen dazu mithelfen.

5. Unser Dienst an der STT Abdiel

Daher ist Herr Samuel auch sehr interessiert an einem biblisch-reformatorischen Beitrag der Neukirchener Mission. Umgekehrt brauchen wir die Mithilfe der STT Abdiel, um ein Visum zu bekommen. Für einen Dienst in einer Kirche wie unserer GKJTU ist es nämlich fast unmöglich, ein Visum zu bekommen. Die STT Abdiel hingegen hat erst kürzlich die Genehmigung erhalten, vier neue ausländische Dozenten anzustellen. Bald kann die STT Abdiel nun auch mein Visum beantragen. Ich werde dann, so Gott will, meinen Dienst zwischen der STT Abdiel, der GKJTU und evtl. auch der GIA aufteilen. Meine Frau Kristanti Pebri Nugrahani wird zunächst an der STT Abdiel mit dem Theologiestudium beginnen. Da die Bearbeitung des Visums noch einige Zeit dauern wird, werden wir aber zunächst noch das anderthalbjährige Vikariat in der Evangelischen Landeskirche in Baden machen, um dann voraussichtlich im Oktober 1995 nach Indonesien auszureisen.

Schon im Umfeld der Synode 1993 war dieses Modell mit der GKJTU und STT Abdiel abgesprochen worden (vgl. Missionsbote 5/93). Damals hatte mich Herr Samuel gleich für einen Einsatz als Gastlehrer für den 18.-21.1.1994 eingeladen. Manche Frage kam auf, ob sich solch ein Kurzeinsatz denn lohnen würde, zumal ich mich dringend für mein Rigorosum (Doktorprüfung) am 8.2. vorzubereiten hatte. Doch es erwies sich als sehr hilfreich, unseren späteren Einsatzort aus eigener Erfahrung kennenzulernen, wie dies bei den bloßen Besuchen 1992 und 1993 nicht möglich war. Dieser persönliche Kontakt wird die weitere Korrespondenz zwischen der Neukirchener Mission und STT Abdiel sicher erleichtern und uns auch bei der Vorbereitung auf den Dienst in Indonesien helfen. So waren wir dankbar, daß die Kirchengemeinde Eisingen diesen Kurzeinsatz finanziell ermöglicht hat und ich auch danach im Rigorosum Gottes Hilfe erleben durfte. Nun sehen wir gespannt auf unseren künftigen Einsatz voraus.

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