1. Die Parlamentswahlen vom 7.6.1999 mit ihrem Mehrparteien-System werfen immer deutlicher ihre Schatten voraus; es wurden schon mehr als hundert neue Parteien gegruendet, die Parteien beginnen bereits mit Umzuegen und Kundgebungen. Auf jeden Fall werden alle Parteien von der "islamischen Erweckung" gepraegt sein, die Indonesien seit einigen Jahren erlebt. So stehen sich tolerante islamische Parteien und Fundamentalisten gegenueber. Die (meisten) Christen wollen bewusst keine christliche Partei gruenden, da diese keinerlei Erfolgschancen haette und die Christen noch mehr in ein Ghetto abdraengen wuerde. Stattdessen wollen die Christen lieber die gemaessigt islamischen Parteien unterstuetzen. Sonst waere zu befuerchten, dass fundamentalistische Kraefte die Menschenrechte, das Grundgesetz von 1945 und die Pancasila unterhoehlen werden. (Die Staatsphilosophie Pancasila sind die "Fuenf Saeulen" des indonesischen Staates, die u.a. gleiches Recht fuer alle Religionsgemeinschaften garantieren). Kaemen Pancasila-widrige Fundamentalisten an die Macht, waere dies fuer die indonesischen Christen eine sehr viel schwerer Katastrophe als alle Kirchenzerstoerungen. Andererseits wecken die bevorstehenden Wahlen natuerlich grosse Momente der Hoffnung auf ein demokratischeres und gerechteres Indonesien. Deshalb beten wir mit allen indonesischen Christen, dass Pancasila-treue, tolerante Muslime die Oberhand gewinnen und die Christen in der indonesischen Gesellschaft weiterhin "Licht und Salz" sein koennen.
2. Am 19./20.12. der Fastenmonat Ramadhan begonnen. Wie jedes Jahr macht das Fasten die Menschen gereizt, soziale Spannungen koennen umso massiver zu Tage treten. Dieses Jahr faellt nun ausgerechnet Weihnachten in den Ramadhan. Einige javanische Para-Medien ("Hellseher") haben deshalb ein "Blut-Weihnachten" vorausgesagt. Der Indonesische Kirchenrat / Gemeinschaft Indonesischer Kirchen (PGI) und die Katholische Bischofskonferenz haben als Thema fuer Weihnachten gewaehlt: "Fuerchte dich nicht, ich bin mit dir" (Jes. 41:10a)
3. Anfang Dezember war erstmals das Gebiet der GKJTU von gewalttaetigen Ausschreitungen betroffen: Die Bauern in Todanan und Jepon (Landkreis / Kirchenkreis Blora) konnten sich den Duenger nicht mehr leisten, weil die Regierung auf Anweisung des IWF die Subventionen gestrichen hatte. Darauf zuendeten die Bauern die Lagerhallen an, wo der Duenger gelagert war. Unruhestifter nutzten die Lage, um auch andere Geschaefte zu pluendern und zu demolieren. Unter den Gemeindegliedern der GKJTU war niemand von den Ausschreitungen betroffen (oder gar beteiligt). Einige Chinesen aus Pfingstkirchen erlitten jedoch betraechtliche Verluste. Alle Christen hatten grosse Angst, die Ausschreitungen koennten auch auf die Kirchen uebergreifen; soweit kam es aber Gott sei Dank nicht.
4. Am 17.12. wurde der GKJTU-Prediger ("Guru Injil") Yohanes Sarjono zum Buergermeister von Getasan (10km von Salatiga, am Merbabu-Berg) gewaehlt. Schon zuvor waren zwei Kirchenaelteste / Presbyter in Krangkeng und Ngrawan (beides Kirchenkreis / Landkreis Getasan) zum Buergermeister gewaehlt worden. Wir begleiten alle drei in ihrer verantwortungsvollen Aufgabe in unserer Fuerbitte.
5. Am 18./19.12. hielt die GKJTU einen synodalen Pfarrkonvent, um die Pastoren und Prediger auf die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen vor den Parlamentswahlen vorzubereiten. Bisher haben viele Gemeindeglieder Politik als ein schmutziges Geschaeft betrachtet, aus dem sich die Christen und erst recht die Kirchen herauszuhalten haben. Andere sind verunsichtert durch die grosse Zahl der neu gegruendeten Parteien. Angesichts der kritischen Situation koennen die Kirchen nicht einfach politisch "neutral" bleiben, sondern muessen "politische Seelsorge" ueben. Wir beten, dass die Teilnehmer des Pfarrkonventes die Ergebnisse des Pfarrkonventes in den Gemeinden gut weitergeben koennen.
6. Der Katastrophenfonds der GKJTU ist inzwischen gut angelaufen (Vgl. "Akt. Nachrichten" Nr. 13 vom 22.9.). In allen Gemeinden erhalten die besonders Beduerftigen ein kleines Startkapital, um sich dafuer Ziegen oder Huehner zu kaufen, einen kleinen Laden zu eroeffnen oder sonst ein Gewerbe zu treiben. Wir beten, dass diese "Hilfe zur Selbsthilfe" reiche Fruechte traegt. Ausfuehrliche Informationen ueber dieses Programm koennen im Internet unter http://www.angelfire.com/id/javainfo/pynotfnd.html eingesehen oder bei der Neukirchener Mission bestellt werden.
7. Wie schon in der "Zwischenmeldung" vom 5.12. mitgeteilt, ist die Aufenthaltsgenehmigung ("Visum") fast "in letzter Minute" in Christians und Pias Pass gestempelt worden, auch die benoetigten Bescheinigungen vom Justizministerium und vom Religionsministerium in Jakarta liegen inzwischen vor. Damit muesste jetzt auch bald die Aufenthaltskarte, (KITAS) die Arbeitsgenehmigung und die Meldebescheinigung der Auslaenderpolizei erteilt werden. Dafuer danken wir Gott. In Zukunft wird sich Christian allerdings staerker in den Visaangelegenheiten engagieren muessen, damit alles zuegig vorangeht. Ein koreanischer Dozent der STT Abdiel, Herr Liem, hat noch betraechtliche Probleme mit seiner Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. Fuer ihn wollen wir weiter beten.