1. Rund 140 Millionen Indonesier werden laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen im kommenden Jahr vermutlich in Armut leben. Das wären zwei Drittel der Bevölkerung. Ein Aufschwung sei in den nächsten zwei Jahren nicht zu erwarten. Die indonesische Regierung teilte mit, die Inflation habe in diesem Jahr bisher fast 70 Prozent betragen. Die Arbeitslosigkeit hat dem UN-Bericht zufolge 20 Prozent erreicht und steigt weiter an. Als «arm» werden in dem Bericht all diejenigen bezeichnet, die pro Tag in der Stadt weniger als einen Dollar bzw. auf dem Land weniger als 80 Cents verdienen.
2. Dennoch sind vor allem die gebildeten Indonesier, die christlichen
Kirchen und viele andere gesellschaftliche Gruppen weiterhin dankbar für
den "politischen Frühling" seit Mai dieses Jahres. Von dem
Übergangspräsidenten Habibie erwartet zwar niemand große
Veränderungen, und vor allem die Christen sind besorgt über seine
Bemühungen zur Islamisierung der indonesischen Gesellschaft. Einige
befürchten sogar, Jusuf Habibie wolle nur Suharto und dessen Vermögen
in Sicherheit bringen. Viel wichtiger als die Person Habibies sind daher
baldige Neuwahlen 1999, auf die sich die ganze indonesische Gesellschaft
emsig vorbereitet. Zur Wahl stehen werden als wichtigste Kandidaten:
Megawati Sukarnoputri, die Tochter des früheren,
inzwischen verstorbenen Präsidenten Sukarno. Die große Verehrung,
die Sukarno früher vor allem unter der einfachen Bevölkerung
genoß, überträgt sich nun auf seine Tochter. Nachdem sie
viel unter der Regierung von Suharto zu leiden hatte, gilt sie nun als
"Dewa Ruci", die "im Feuer geläuterte Göttin". Die meisten indonesischen
Christen trauen ihr am ehesten zu, die Belange der gesamten indonesischen
Nation über die Interessen einzelner Gruppen (z.B. der Muslime) zu
setzen ("Nationalismus" im ursprünglichen Sinn des Wortes). Megawati
und die Persönlichkeiten in ihrem Umkreis haben nach Ansicht vieler
bereits bewiesen, daß sie für Demokratie, Gerechtigkeit und
"Nationalismus" (in dem erwähnten Sinne) stehen. Auch Abdurrahman
Wahid ("Gus Dur"), der tolerante Vorsitzende der mitgliederstarken islamischen
Organisation "Nahdatul Ulama", stellt sich voll hinter Megawati. So kann
sie zur Symbolfigur werden, die die verschiedenen Gruppen vereinigt.
Amin Rais, bis vor kurzem Vorsitzender der Muhamadiyah-Bewegung.
Amin Rais stand an der Spitze der Studentenproteste, die schließlich
zum Sturz vom Präsident Suharto führten. Außerdem steht
hinter Amin Rais die mitgliederstarke Muhamadiyah-Bewegung. Früher
war Amin Rais fanatischer Muslim, der sich z.B. weigerte, die Häuser
von Christen zu betreten. Jetzt hat er nach eigenen Aussagen "neue Weisheit"
gewonnen, und achtet darauf daß alle Vorstände seiner "Partei
des Nationalen Auftrages" auch mit Christen, Hindus und Buddhisten besetzt
sind.
Jusuf Habibie hat bei seinem Amtseintritt am 21.5.1998
zwar erklärt, er werde 1999 nicht für die Präsidentschaft
kandidieren, scheint von seinem Vorsatz aber immer mehr abzurücken.
Hinter Habibie steht die kleine, aber einflußreiche islamische Intellektuellen-Organisation
ICMI und wohl auch die bisherige Regierungspartei Golkar. Golkar hat bei
den Neuwahlen wohl ähnliche "Erfolgsaussichten" wie die PDS in Deutschland.
Allerdings ist zu befürchten, daß unter der Dorfbevölkerung
noch manche aus alter Gewohnheit Golkar wählen.
3. Dankbar sind wir für den gesegneten Verlauf der Generalsynode
der GKJTU vom 25.-29.8.1998. Einen ausführlichen Artikel über
die Synode werden wir in den nächsten Tagen erstellen und veröffentlichen.
Photos von der Synode sind unter http://www.angelfire.com/id/Gossweilers/phsin25.html
anzusehen. Hier nur die Namen der neugewählten Kirchenleitung:
Präses:
Pfr. Krisno Yuwono
1. Stellv.:
Pfrin. Mirahingsih, STh
2. Stellv.:
Pfr. Daniel Herry Iswanto, MMin (neu)
1. Sekretär (Generalsekretär):
Pfr. Yohanes Sarju, STh
2. Sekretär (stellv. Generalsekr.): Pfr.Drs. Petrus Sugito (neu)
Schatzmeister:
Pfr. Maharyanu, SmTh
2. Schatzmeister:
Dentist Pujo Guntoro (neu)
1. Beisitzerin:
Frau Lilik Bambang Suranto, SH
2. Beisitzer:
Pfr. Haryanto, SmTh (neu)
Wir begleiten die Kirchenleitung in unserer Fürbitte.
4. Am 3.-4.9. hielt die Javanische Christliche Kirche (Gereja-gereja Kristen Jawa - GKJ) eine Tagung über Evangelisation ab, bei der auch Christian einen Vortrag hielt. Wir sind dankbar, mit wie großem Engagement alle javanischen Kirchen das Evangelium in ihrer Umgebung bezeugen. Zwar meinten auch einzelne Teilnehmer: "Wir sollen nicht Jesus als den Heiland bezeugen, sondern lieber die Taten des irdischen Jesus nachahmen und wie er für Gerechtigkeit sorgen." Oder "Es geht bei der Evangelisation nicht darum, Menschen in die Nachfolge Christi zu rufen, sondern vielmehr Frieden (Schalom) zu verbreiten". Aber das blieben Einzelstimmen. Die große Mehrheit der Teilnehmer war sich einig, daß die Christen den ganzen Christus ganzheitlich zu bezeugen haben, in einer Form, die dem modernen Java angemessen ist.
5. Für die Verlängerung der Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung
von Christian (und einiger weiterer ausländischer Dozenten) zum
7.10. braucht die Theol. Hochschule Abdiel zunächst noch die Verlängerung
ihrer grundsätzlichen Genehmigung, Ausländer zu beschäftigen
(RPTKA). So bleibt dies weiterhin ein wichtiges persönliches Gebetsanliegen
von uns.
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