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Aktuellste Nachrichten aus Java Nr. 9
Stand: Samstag, 23.5.1998, 12h West.indon. Zeit = 07h MESZ
(zusammengestellt von Ch. & K.P.N. Goßweiler,
in Absprache mit Generalsekretär Pfr. Yohanes Sarju)
 
1. Fuer den 20.5., den "Tag der Auferstehung der Nation" (Geburtstag der Unabhaengigkeitsbewegung vor 90 Jahren), waren im ganzen Land Grossdemonstrationen angesagt. Allgemein befuerchtete man neue Gewalttaetigkeiten, schon in der Nacht vom 19. zum 20. organisierten die Buerger gemeinsame Nachtwachen in ihren Stadtteilen. Christian hat auch von 01.00-04.00 Wache gehalten - eine gute Gelegenheit die Nachbarn kennenzulernen und ueber die aktuelle Situation zu diskutieren. Hier in Salatiga herrschte am 20.5. eine Atmosphaere angespannter Ruhe. Vor der Christlichen Satya Wacana Universitaet hielten die Studenten eine Kundgebung, die aber ohne besondere Zwischenfaelle verlief. Etwa zweidrittel der Geschaefte waren geschlossen, einige hatten ihre Tuer nur einen Spalt geoeffnet, viele hatten Zettel angeheftet: "Der Besitzer ist Muslim" oder "Der Besitzer ist Javane" In Jakarta hatte der Oppositionsfuehrer Amien Rais die Kundgebungen ausschliesslich auf das Parlamentsgebaeude konzentriert, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. In Yogyakarta, Solo und vielen anderen Staedten Javas kam es ebenfalls zu Demonstrationen, man forderte weiterhin den Ruecktritt Suhartos. In Yogyakarta wurde die Grosskundgebung von 1 Million Menschen vom Sultan selbst angefuehrt. Ein Bildbericht ueber die Demonstrationen am 20.5. erscheint in den naechsten Tagen in unserer Homepage. Wir danken Gott, dass alles so gut verlaufen ist.

2. Praesident Suharto war schon am Montag vom Parlament zum Ruecktritt aufgefordert worden, wurde aber noch vom Militaer gestuetzt. Zunaechst versuchte er Zeit zu gewinnen, indem er Neuwahlen in 3-6 Monaten anbot. Am 21.5. (Himmelfahrt / "Christkoenigsfest") trat Suharto endlich zurueck und uebergab das Praesidentenamt seinem bisherigen Stellvertreter Yusuf Habibie, der gleich in aller Eile zum Praesidenten vereidigt wurde. Am 22.5. stellte Habibie sein neues "Entwicklungs-Reform-Kabinett" ("Kabinet Reformasi Pembangunan") vor.

3. Die Christen sind ueber die Praesidentschaft Habibies ("Ein deutscher Verstand und Mekka im Herzen!" - vgl. Aktuelle Nachrichten Nr. 4 vom 2.3. und Nr. 5 vom 25.4.) bestuerzt. Aber auch weite Teile der Bevoelkerung werfen Habibie vor, er sei durch seine ehrgeizigen Hochtechnologie-Projekte an der augenblicklichen Wirtschaftskrise mit schuld. Andere befuerchten, er wolle einseitig seine islamische Organisation ICMI ("Ikatan Cedekiawan Muslimim Indonesia" - "Verband Islamischer Intellektueller Indonesiens") beguenstigen - auf Kosten der anderen islamischen Organisationen und gegen die anderen Religionen. Immerhin wurde der Generalsekretaer von ICMI gleich in das neue Kabinett aufgenommen. Manche betrachten Habibie als Marionette Suhartos. Auch seinem Kabinett traut man nicht viel Reformeifer zu. In Deutschland scheint man sich hingegen von den guten Deutschkenntnisse Habibies blenden zu lassen. Die Studenten vor dem Parlamentsgebaeude forderten am 22.5. weiter eine ausserordentliche Sitzung der Nationalversammlung (MPR - Majelis Permusyawaratan Rakyat - "Beratende Volksversammlung") und eine Neuwahl des Praesidenten. Das indonesische Volk wuenscht ein Regierung von echten Volksvertretern, frei von Korruption und Vetternwirtschaft. Die Anhaenger Habibies aus den Reihen von ICMI veranstalteten jedoch Gegendemonstrationen. Auch das Militaer stuetzt Habibie. In der Nacht vom Freitag auf Samstag hat das Militaer daher die Studenten vor dem Parlamentsgebaeude mit Schlagstoecken und Traenengas vertrieben. Die Lage ist weiter besorgniserregend. Wir beten fuer eine gute Entwicklung der Reformen in Frieden und Einheit.

4. Auch die Studenten der Theol. Hochschule Abdiel haben am 18.5. und am 20.5. mit demonstriert. Von den Sicherheitskraeften hoerten sie: "Wir beaufsichtigen lieber die Demonstrationen von Christen. Die demonstrieren wenigstens friedlich und randalieren nicht wie einige islamische Studenten in Semarang." Auch von der Bevoelkerung in Ungaran wurden die Demonstrationen von STT Abdiel positiv aufgenommen. Die Studenten und Dozenten von STT Abdiel sind jedoch enttaeuscht, dass man von den Kirchen so wenig Stellungnahmen zur augenblicklichen politischen Situation hoert. Sie wollen deshalb alle theologischen Fakultaeten und Hochschulen von Zentraljava einladen, um eine gemeinsame Stellungnahme zu erarbeiten. Diese soll dann den Kirchen unterbreitet werden. "So wie die Universitaetsstudenten Vorkaempfer des Volkes geworden sind, so muessen die Theologiestudenten Vorkaempfer der Kirchen werden!"

5. Natuerlich diskutieren wir auch im Unterricht ueber die aktuelle politische Lage und versuchen, den Unterricht mit den gesellschaftlichen Umwaelzungen in Verbindung zu bringen. So haben wir z.B. im Griechischunterricht die Bedeutung des Wortes Krisis im Griechischen und im Neuen Testament erlaeutert. Daneben geht aber auch unsere normale Arbeit in Lehre und Forschung weiter. So sind wir dankbar, dass wir inmitten der angespannten Lage ein Symposium zum Thema "Strukturalistische und Narrative Exegese" (Auslegung von biblischen Erzaehlungen und ihrer Struktur) abhalten konnten.

6. Persoenlich danken wir und die GKJTU fuer alle Gruesse und Ermutigungen, die uns in den letzten Tagen erreicht haben. Gleichzeitig bitten wir um Verstaendnis und Verzeihungen, dass wir unsere Briefschulden kaum vor August persoenlich beantworten koennen.

 
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