1. Nachdem am 7.5. die Benzinpreise um 71% (von 700Rp. auf 1200Rp.
pro Liter Normalbenzin) geklettert waren, wurden am Dienstag, den 12.5.,
bei einer Demonstration an der Tri Sakti Universitaet in Jakarta sechs
Studenten von den Sicherheitskraeften erschossen und viele schwer verletzt.
Dies heizte die Stimmung in Indonesien noch weiter auf, immer breitere
Bevoelkerungsschichten beteiligten sich an den Demonstrationen. Leider
nutzten auch Pluenderer diese Situation aus. In Jakarta erreichten die
blutigen Ausschreitungen ihren Hoehepunkt am Donnerstag, den 14.5. Vor
allem chinesische Geschaefte und Kaufhaeuser wurden gepluendert und niedergebrannt,
einige Chinesen ermordet. Selbst die Kreisssaele waren vor dem entfesselten
Mob nicht sicher. Bei den Unruhen in den letzten Tagen kamen allein in
Jakarta mindestens 444 Menschen ums Leben. Am Freitag, den 15.5. kontrollierten
Militaer und Polizei die Strassen Jakartas; fast alle Bueros und Geschaefte
blieben geschlossen, die Menschen getrauten sich kaum aus den Haeusern.
Aber die Studenten und Teile der Bevoelkerung leisteten den Pluenderern
Widerstand. In Solo, Yogyakarta und fast allen Staedten Zentraljavas hielten
die Ausschreitungen noch bis zum Freitag an; in Yogyakarta konnte der Sultan
die entfesselten Massen gegen Nachmittag beruhigen. Hier in Salatiga blieb
die Lage jedoch stets ruhig, die Demonstrationen der Islamischen Fachhochschule
fuer Religionspaedagogik (STAIN) und der Christlichen Satya Wacana Universitaet
verliefen friedlich und fuehrten nicht zu Pluenderungen. Auch in Semarang
demonstrierten 100.000 Studenten, Hausfrauen und selbst katholische Nonnen,
aber zu Ausschreitungen kam es nur am Rande. Banken, Bankautomaten, Schulen,
viele Geschaefte und Kirchen blieben jedoch am Freitag geschlossen aus
Furcht vor weiteren Ausschreitungen. In einigen Kleinstaedten (Bojonegoro,
Blora etc.) hingegen verlief das Leben voellig normal.
Heute am Samstag normalisiert sich die Lage wieder, vielleicht
auch weil um 0.00h die Benzinpreise auf 1.000Rp. gesenkt wurden. Hier in
Salatiga sehen wir viele Fahnen auf Halbmast als Zeichen der Sympathie
mit der Reform- und Demokratiebewegung. An einem Restaurant war aber auch
ein Zettel angeheftet: "Der Besitzer ist reinrassiger Javane", dazu ein
Koranvers - aus Angst vor weiteren Anti-Chinesischen Uebergriffen. Einige
wenige Geschaefte blieben geschlossen, einkaufen kann man aber normal.
Die Forderungen nach dem Ruecktritt von Praesident Suharto wollen
nicht verstummen, die Demonstrationen werden sich sicher noch ausweiten.
Die Gajah Madah Universitaet in Yogyakarta hat fuer den 20. Mai eine Grossdemonstration
angekuendigt; wenn Suharto dann immer noch nicht zuruecktritt, soll am
1. Juni eine noch groessere Demonstration folgen. Suharto ist bisher nur
bereit, sein Kabinet umzubilden. Wir beten um einen echten politischen
Wandel mit friedlichen Mitteln.
2. Die US-amerikanische und die kanadische Regierung haben heute begonnen, ihre Staatsbuerger mit Militaerflugzeugen zu evakuieren. Das deutsche Auswaertige Amt hat allen Bundesbuergern empfohlen, Indonesien mit regulaeren Verkehrsmitteln zu verlassen. Die Deutsche Lufthansa stellt dafuer zusaetzliche Maschinen bereit. Experten des Deutschen Industrie- und Handelstages hingegen "empfahlen deutschen Firmen in Indonesien, das Land moeglichst nicht zu verlassen. Der Markt sei so interessant, dass man es sich nicht leisten koenne, die Verbindungen abreissen zu lassen, sagte ein DIHT-Asien-Experte." (dpa) Wir persoenlich halten es einstweilen fuer das sicherste, hier in Salatiga zu bleiben. Ausserdem sehen wir keine besonderen Risiken fuer Europaeer und wollen deshalb unsere indonesischen Freunde und Familienmitglieder in dieser Situation nicht allein lassen. Zum Glueck wohnen wir ja nicht in einem Luxus-Villenviertel wie die Auslaender in Jakarta. Wir beten um Weisheit und Gottes Leitung in dieser Frage. Besonders beten wir auch fuer unsere Familie in Deutschland, die die Nachrichten sicher mit Sorge verfolgen. Ebenso fuer unseren Bruder Yuli in Yogyakarta, Onkel Hartono in Jakarta sowie weitere Verwandte in Jakarta.
3. Die Studenten der Theologischen Hochschule Abdiel planen zusammen mit der benachbarten Islamischen Universitaet Demonstrationen und Solidaritaetsaktionen fuer naechste Woche. Selbstverstaendlich sollen diese Aktionen in einer Form verlaufen, wie sie fuer kuenftige Pastoren angemessen ist. Diese Aktionen wollen wir besonders in unserer Fuerbitte begleiten.
4. Die GKJTU plant fuer den 27.-29.5. einen Pfarrkonvent, bei dem vor allem die aktuelle politische Lage und die Bemuehungen der Reformbewegung diskutiert werden sollen. Ausserdem soll die Grosse Synode fuer Juli / August vorbereitet und vorbesprochen werden. Wir beten, dass der Pfarrkonvent nicht durch die augenblicklichen Unruhen gestoert wird, sondern im Gegenteil einen positiven Beitrag zu den gesellschaftlichen Umwaelzungen leisten kann.
Die Punkte 5-9 aus unseren "Aktuellen Nachrichten" vom 12.5. bleiben weiterhin aktuell. Selbstverstaendlich werden wir unsere Freunde in Deutschland weiterhin auf dem Laufenden halten.
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