No. 64 Aktuelle Nachrichten aus
Java 19.06.2003
(zusammengestellt von Ch. & K.P.N.
Gossweiler, in Absprache mit der Kirchenleitung der GKJTU)
1. Das neue Schulgesetz wurde am 12.6. in fast unveränderter Form vom
Parlament angenommen (vgl. Akt. Nachr.
Nr. 63, 19.04.2003, Abs. 2). Danach hat sich das
Verständnis des nationalen Schulsystems grundsätzlich geändert: War bisher das
Ziel des Schulsystems, “das Volk zu bilden” (indon.: “mencerdaskan kehidupan
bangsa”), so heißt es nun: “Das indonesische Schulsystem hat das Ziel, daß sich
die Gaben der Schüler entwickeln, damit diese zu Menschen werden, die an den
einigen Gott glauben und nach seinen Gesetzen [im islam. Sinne] leben, ...”.
(indon.: “Pendidikan nasional ... bertujuan untuk berkembangnya potensi peserta
didik agar menjadi manusia yang beriman dan bertakwa kepada Tuhan yang Maha
Esa, ...”) Somit geht es in dem neuen Gesetz eigentlich weniger um
pädagogische Fragen, sondern hauptsächlich um Angelegenheiten der Religion. Für
die islamischen Fundamentalisten ist dabei am wichtigsten, daß die christlichen
Schulen für die islamischen Schüler ein islamisches Gebetshäuschen (“Musholla”)
auf dem Schulgelände errichten und islamischen Religionsunterricht anbieten
müssen, die nichtchristlichen Schüler dürfen nicht mehr am christlichen
Religionsunterricht teilnehmen. Außerdem sollen künftig auch der kirchliche
Konfirmandenunterricht, Taufunterricht, Kindergottesdienst usw. staatlich geregelt
werden.
Präsidentin
Megawati und ihre „(Streitbare) Demokratische Partei Indonesiens“ (PDI-P) sowie
die kleinen christlichen Parteien haben alles parlamentarisch mögliche getan,
um die Annahme des Gesetzes zu zu verhindern, aber die Befürworter im Parlament
waren in der Mehrheit. Vor allem die röm.-kath. Schulen haben angekündigt, den
Religionsunterricht ganz abzuschaffen, wenn man sie zwingen wolle, islamischen
RU abzuhalten. Andere christliche Schulen erwägen, keine
nichtchristlichen Schüler mehr aufzunehmen. Einige
Provinzen mit christlicher Mehrheit drohen mit Abspaltung. Viel kommt nun
darauf an, welche Ausführungsbestimmungen auf nationaler und provinzialer Ebene
ausgearbeitet werden. Einige hoffen, daß das Gesetz nach den Neuwahlen 2004
nochmals revidiert werden kann. Insgesamt haben die Diskussionen um den
Gesetzesentwurf die Spannungen zwischen Christen und Muslimen erneut angeheizt.
Wir beten um einen guten Ausweg, damit die christlichen Schulen und Kirchen
weiterhin ihren missionarischen Auftrag erfüllen können.
2. Die GKJTU-Gemeinden in den Dörfern Mojoranu
und Jatirogo (beide Kirchenkreis Bojonegoro, Ostjava) gehen zur Zeit
durch schwere Prüfungen: Als die Kirche von Mojoranu gebaut wurde, bekam sie
die Auflage, zur nächsten Moschee einen Abstand von mindestens 200m
einzuhalten, was die Gemeinde auch eingehalten hat. Einige Jahre später wurde
dann aber 50m neben der Kirche eine weitere Moschee erbaut, ohne dazu die
Zustimmung der Nachbarn einzuholen. 1997 wollte die Gemeinde in Mojoranu dann ihre
Kirche renovieren; dazu wurde zunächst einmal die alte Kirche abgerissen. Als
die Gemeinde ihre Kirche am alten Platz wieder neu aufbauen wollte, wurde dies
verboten mit der Begründung, sie dürften keine Kirche 50m neben einer Moschee
erbauen … (Das steckt also dahinter, wenn überall stolz erzählt wird, in
Indonesien könnten Kirchen und Moscheen einträchtig nebeneinander stehen).
Seitdem mußte sich die Gemeinde im Privathaus eines Gemeindegliedes in der Nähe
der früheren Kirche versammeln. Nun wurde der Hausherr am 3.6. gezwungen, eine
Erklärung zu unterschreiben, daß in seinem Haus keine Gottesdienste mehr
stattfinden werden. Die Gemeinde muß ihre Gottesdienste nun abwechselnd in
verschiedenen Privatwohunungen außerhalb des Ortes feiern bis eine neue Kirche
am Ortsrand gebaut ist.
Ebenfalls seit Jahren hält die Gemeinde Jatirogo Gottesdienste in ihrer
kleinen Kirche. Aber schon am 29.12.1996 wäre die Kirche fast von Fanatikern
niedergebrannt worden und wurde nur durch ein Wunder (Hunde unerklärlicher Herkunft)
gerettet. Als im Mai 2003 Vikar Roni Tri Yuliawan eine Baugenehmigung für eine
Renovierung beantragte, war dies für ein paar Fanatiker ein willkommener Anlaß,
die Nachbarn gegen die Gemeinde aufzuhetzen. Sie behaupten, die Gemeinde hätte
keine Genehmigung, in dem Gebäude Gottesdienst abzuhalten, und dürfe deshalb
dort keine weiteren Gottesdienste mehr abhalten. Die Nachbarn haben eigentlich
nichts gegen die Kirche, wurden aber unter Druck gesetzt, eine Erklärung zu
unterschreiben, sie wollten keine Kirche in ihrer Nachbarschaft. Nun soll die
Kreisregierung den Fall klären. Hinzu kommt, daß Vikar Roni an Hepatitis B
und Asthma erkrankt ist. Sein Amtsvorgänger in Jatirogo ist an Hepatitis B
gestorben. Die medizinische Versorgung in Jatirogo ist schlecht, die Gemeinde
kann ihrem Vikar auch keine Arztkosten (oder sonstigen Lebensunterhalt)
bezahlen.
Wir beten um einen guten Ausweg für die beiden Gemeinden, um Genesung
für Vikar Roni und daß sich die Christen dennoch weiterhin mutig zu Jesus
bekennen.
3. Bei der Kleinen Synode (“Sidang MPL”) 2001 war das organisatorische
Verhältnis des Diakon. Werkes “Zionsstiftung” zur GKJTU hinterfragt worden.
Am 9. Mai 2003 haben sich deshalb die Kirchenleitung der GKJTU und der Vorstand
des Diakon. Werkes “Zionsstiftung” getroffen, um das gegenseitige Verhältnis zu
klären. Beide Gremien haben erneut bekräftig, die “Zionsstiftung” sei
integralen Bestandteil und “Hilfsorganisation” im Sinne der Kirchenordnung der
GKJTU, wie sich dies in der bisherigen 25jährigen Geschichte des Diakon. Werkes
gezeigt habe. Auch die geplante neue Satzung des Diakon. Werkes “Zionsstiftung”
soll in diesem Sinne gestaltet werden. Wir danken Gott für diese Einmütigkeit
und beten für die weiteren konkreten Schritte, diesen gemeinsamen Beschluß
umzusetzen
4. Die Vorbereitungen für die 26. Generalsynode der GKJTU (“Sidang
MPL” & “Sidang Sinode”) vom 25.-30. August laufen auf Hochtouren (vgl.
Akt. Nachr.
Nr. 61, 22.01.2003, Abs. 6).: Ein 25-Jahresprogramm
wird in den Kirchenkreisen vorgestellt, ebenso das Ergebnis des
Studienausschusses über die Namensänderung und das Logo der GKJTU. Außerdem
soll das Verhältnis der verschiedenen Diakonievereine zur Kirche noch näher
bestimmt und eine neue Kirchenleitung gewählt werden. Die Finanzierung der
Synode ist noch nicht gesichert. Wir begleiten alle Vorbereitungen in unserer
Fürbitte.
5. Vizepräses Pfr. Daniel H. Iswanto soll von 26.06.-09.07. an einem
Seminar der VEM/UEM
über “Mission unter Straßenkindern” im Missionshaus Bethel bei Bielefeld
teilnehmen, am 12.-13.07. an den Feierlichkeiten zum Jubiläum des
Posaunenchores der Evang. Kirchengemeinde Eisingen; am Rande sind auch wichtige Besprechungen mit verschiedenen Partnern der
GKJTU in Deutschland geplant. Durch logistische Pannen konnte aber bis jetzt
das Ticket und damit auch das Visum für Pfr. Daniel noch nicht ausgestellt
werden. Wir beten, daß alles noch rechtzeitig klappt bis zum Abflug am 25.6.,
und begleiten die ganze Reise in unserer Fürbitte.
6. Die vier javanischen Kirchen (Christl. Kirche aus Nord-Mitteljava -
GKJTU; Christl. Kirche in Ostjava – GKJW; Evang. Kirche im Javanerland – GITJ; Javanische Christliche Kirchen - GKJ) haben am 16.5. ein Tagesseminar zum Thema “Die javanischen Kirchen
inmitten der javanischen Kultur” veranstaltet; Christian G. hat dabei einen
Vortrag gehalten zum Thema “Der Beitrag der javanischen Kultur in den
Gottesdiensten aus missionswissenschaftlicher Perspektive”. Dieser Vortrag soll
in stark überarbeiteter Übersetzung veröffentlicht werden unter dem Titel
“Zwischen Globalisierung und Regionalität: Evangelium und Kultur auf Java” (s.
Anlage). Wir begleiten die Begegnung von Evangelium und javanischer Kultur
weiter in unserer Fürbitte.
7. Wir sind dankbar für die Einkehr-Freizeit des Frauenkreises der Gemeinde
Salatiga vom 28.-29.5. mit 36 Teilnehmerinnen. Es ist für indonesische
Frauen sehr ungewöhnlich, die Familie für zwei Tage allein zurück zu lassen.
Auch in der kurzen Zeit konnten sich die Frauen wirklich an Leib, Seele und
Geist erfrischen. Pebri G. leitete den Vorbereitungskreis für die
Einkehr-Freizeit.
8. Pebri G. wurde zur Kassiererin des Wohnviertels ernannt, wo Fam.
Goßweiler wohnt. Viele Nachbarn kommen zu Pebri, um ihre Beiträge für Müll,
Nachtwächter usw. zu bezahlen. Dabei ergeben sich oft längere Gespräche, auch
über sehr persönliche Fragen. Wir beten, daß die Gespräche missionarisch
fruchtbar werden.
9. Fam. Goßweiler ist vom 23.6.-7.7. im Urlaub, Ehepaar van Ekris vom
14.6.-6.7. Wir beten um einen erholsamen Urlaub, nachdem die letzten drei
Urlaube von Fam. Goßweiler durch Erkältungen und Einbrüche beeinträchtigt
waren. Weiter beten wir, daß auch die indonesischen Pastoren sinnvolle
Möglichkeiten der Erholung finden.
10. Pia Desideria A.G. wird am 14.7. eingeschult, Pieter C. kommt in den
Kindergarten. Wir danken Gott, daß sich inzwischen zwei Bewerberinnen gemeldet
haben für ein Jahrespraktikum in der GKJTU und um Pia ab Sept. 2003 mit
dem Ergänzungsmaterial der Deutschen Fernschule zu unterrichten (vgl. Akt. Nachr.
Nr. 63, 19.04.2003, Abs. 9). Weiter beten wir mit
Pia, daß ihre islamische Freundin Yola den christlichen Religionsunterricht
besuchen kann.
Adresse Fam. Goßweiler
Kota Baru Raya 20
Salatiga 50714
Jateng, Indonesia
Tel. 0062-298-324972; fax 0062-298-327241; Handphone +62-81-325776005
e-mail: gossweilers@cheerful.com; gossweiler@telkom.net; gossweilers@freenet.de