No. 52 Aktuelle Nachrichten
aus Java 14.11.2001
(zusammengestellt von Ch. & K.P.N.
Gossweiler)
1.
Die antiamerikanischen Aktionen in
Indonesien sind in den letzten Tagen etwas abgeebt, werden jedoch wahrscheinlich
wieder neu aufflammen, wenn die USA ihre Angriffe auf Afghanistan nach dem
16./17.11. während des Fastenmonats Ramadhan fortsetzen. Im Oktober hatten
islamische Studenten in der Stadt Makassar (Süd-Sulawesi) Straßensperren
errichtet. Sie nötigten vor allem Christen, die amerikanischen Angriffe zu
verurteilen. Mindestens ein christlicher Student wurde zusammengeschlagen. Ein
bekannter, überzeugt islamischer Professor kommentierte die Straßensperren im
Vorbeifahren nur: “Was soll der Quatsch?” Bald darauf lösten sie die
Straßensperre auf. (Indon. Quelle: Tempo, 12.10., http://www.tempo.co.id/harian/fokus/73/2,1,154,id.html)
Führende islamische, christliche, buddhistische und hinduistische Theologen in Indonesien haben am 28.9. eine gemeinsame Erklärung zum Afghanistan-Konflikt verabschiedet. Darin verurteilen sie die Anschläge vom 11.9., betonen jedoch, die Anschläge vom 11.9. seien zwar “eine menschliche Tragödie, aber kein religiöser Konflikt”. Genauso verurteilen die Unterzeichner die (zu jenem Zeitpunkt erst geplanten) US-amerikanischen Angriff auf Afghanistan, da die afghanische Zivilbevölkerung schon genug unter dem Taliban-Regime und unter den internationalen Sanktionen zu leiden habe. Auf keinen Fall solle jedoch dieser Konflikt zu einer religiösen Auseinandersetzung ausgeweitet werden. Deshalb werden die Führer der verschiedenen Religionen aufgerufen, ihre jeweiligen fundamentalistischen Strömungen zur Besinnung zu rufen und den interreligiösen Dialog auch in dieser Frage weiterzuführen. An die indonesische Regierung wird appelliert, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Auch der jetzige sowie der frühere Präses der Christl. Kirche in Ostjava (GKJW) haben die Erklärung unterzeichnet. Die GKJW hat viel Erfahrung im christl.-islam. Dialog, ist Mitglied der Missionsgemeinschaft VEM/UEM und mit der GKJTU freundschaftlich verbunden (vgl. unten, Abs. 6). Am 12.10. hat der Indonesische Kirchenrat (PGI) eine eigene Erklärung ähnlichen Inhaltes verabschiedet. (S. englische Übersetzung der Erklärungen in Anlage). Wir beten, dass solche mäßigende Stimmen gehört werden.
2.
Die fundamentalistischen Dschihad-Milizen
auf den Molukken wollten ursprünglich in das Poso-Gebiet (Zentral-Sulawesi)
ausweichen und die dortigen Unruhen neu anheizen (vgl. Akt. Nachr.
Nr. 36, 9.6.2000, Abs. 1). Nun ist unklar, ob sie
an diesem Plan festhalten, ob sie sich nach Afganistan wenden oder ob sie sich
an den antiamerikanischen Aktionen auf Java beteiligen bzw. auf Java neue
Christenverfolgungen anzetteln werden.
Am
Abend des 9.11. warfen drei bis fünf Terroristen einer Dschihad-Gruppe eine
Bombe in eine Kirche in Jakarta, wo gerade eine Gebetsversammlung für die
Molukken stattfand. Die meisten der Gemeindeglieder stammen von den Molukken. Wie
durch ein Wunder entstand nur Sachschaden, der Gottesdienst konnte fortgesetzt
werden, zwei der Täter wurden gefaßt und der Polizei übergeben. (ausführlicher engl. Bericht
“Church Bombing: From Ambon to the Capital” unter http://www.tempointeraktif.com/ti/majalah/eng/nat-7.html)
Es
haben sich bereits über 3.000 Indonesier zum Dschihad in Afghanistan gemeldet. Die
Führer der Dschihad-Milizen wurden z.T. in Afghanistan ausgebildet, etwa
100-200 Pakistanis und Afghanen kämpfen in den Reihen der Dschihad-Milizen auf
den Molukken. Im September hat sich Vizepräsident Hamzah Haz mit dem Anführer
der Dschihad-Milizen, Jafar Umar Thalib,
getroffen. Wir beten, dass die indonesischen Sicherheitskräfte die
Dschihad-Milizen endlich unter Kontrolle bekommen.
3.
Am 10.11. ist die reguläre, jährliche Sitzung der
indonesischen Nationalversammlung (MPR - Majelis Permusyawaratan Rakyat
- “Beratende Volksversammlung”) zu Ende gegangen. Wie üblich beantragten die
islamischen Parteien, das islamische Gesetz, die “Schariah”, per
Grundgesetzänderung für alle indonesischen Muslime verpflichtend zu machen, und
wie üblich wurde dieser Antrag abgelehnt bzw. vertagt (vgl. zuletzt Akt. Nachr.
Nr. 39, 5.9.2000, Abs. 1). Bedenklich stimmt jedoch
ein Ausspruch des Vizepräsidenten Hamzah Haz: „Die indonesische Regierung hat
in den letzten Jahren schon viele Bestimmungen im Sinne des islamischen Rechtes
erlassen.“ Deshalb erscheint ihm und vielen anderen islamistischen Politikern
die formale Einführung der Schariah wohl nicht mehr so wichtig. (indon. Quelle:
Tempo vom 2.11., http://www.tempo.co.id/news/2001/11/2/1,1,26,id.html).
4.
Am 27./28.11. wird die Kirchenleitung der GKJTU
in Malang (Ostjava) mit dem Moderator und dem Schatzmeister der
Missionsgemeinschaft VEM/UEM
zusammentreffen, um verschiedene Programme zu besprechen. Die GKJTU ist seit
13.10.2000 Vollmitglied von VEM/UEM
und soll vom 2.-8.8.2002 in Solo die asiatische Regionalversammlung von VEM/UEM
ausrichten. Wir beten um einen guten Verlauf der Unterredung in Malang und
gesegnete Vorbereitungen der Regionalversammlung im nächsten Jahr.
5.
Die älteste Gemeinde der GKJTU in Wonorejo wird
nach vielen Jahren der Stagnation etwas lebendiger. Als sichtbarer Ausdruck der
neuen Aktivitäten wurde die alte, baufällige Kirche renoviert; am 14.10. wurde
das renovierte Kirchengebäude eingeweiht. Dafür danken wir Gott und beten für
die weitere Entwicklung der Gemeinde.
6.
Wir beten weiter für Familie Brandt: Michael B. arbeitet u.a. in der Pastorenschulung
der 'Christlichen Kirche in Ostjava' (GKJW) mit und beteiligt sich am
christlich-islamischen Dialogprogramm der GKJW. Doris B. hält u.a. Kurse für Krankenschwestern
in zwei Krankenhäusern der GKJW (vgl. Akt. Nachr. Nr. 37, 6.7.2000, Abs. 7). Doris geht es gesundheitlich nicht so
gut, und sie will Anfang nächsten Jahres mit dem kleinen Aaron einige Wochen in
Deutschland verbringen.
7.
Timo Garthe mit
seiner Familie hat in den letzten Jahren segensreiche Gemeindeschulungen in
verschiedenen Batakkirchen auf Sumatra durchgeführt und zweimal im Kurs für die Evangelisten /
Laienprediger (Guru Injil) der GKJTU
unterrichtet (vgl. Akt. Nachr. Nr. 33,
28.3.2000, Abs. 5). Nun geht ihr Dienst zu Ende, und sie werden nächstes
Jahr nach Deutschland zurückkehren. Zuvor haben sie aber noch ein dickes Pensum
letzter Gemeindeschulungen zu leisten. Zum Abschluß wollen sich Fam. Garthe,
Fam. Brandt und Fam. Goßweiler noch einmal treffen, um die von Garthes
angeregten Impulse gemeinsam weiterzuführen. Wir beten, dass der Dienst von
Fam. Garthe bleibende Frucht hinterläßt.
8.
Wir danken Gott, dass die neue Aufenthalts- und
Arbeitsgenehmigung für Christian G. endlich genehmigt ist, und beten, dass
die letzten Formalitäten rechtzeitig vor der Ausreise erledigt werden können. Auch
für Missionarsehepaar Arianne &
Kees van Ekris (vgl. Akt. Nachr.
Nr. 46, 15.6.2001, Abs. 3) liegen bereits alle
Empfehlungen auf Provinzebene vor, nur auf nationaler Ebene fehlt noch die
Zustimmung. Wir beten, dass die Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für Ehepaar
van Ekris bis Febr./März 2002 vorliegt.