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No. 51                                  Aktuelle Nachrichten aus Java                            12.10.2001

(zusammengestellt von Ch. & K.P.N. Gossweiler, in Absprache mit der Kirchenleitung der GKJTU)

 

1.       Nach den  Angriffen der USA auf Afghanistan rief die “Islamische Verteidigungsfront” (“Front Pembela Islam” – FPI) zum “Jihad” (“Heiliger Krieg”) auf. Sie drohen, Jagd auf Amerikaner, Briten und amerikanische Einrichtungen zu machen sowie gegen sonstige Ausländer vorzugehen. Am frühen Morgen des 12.10. detonierte eine Bombe in einer Filiale von “Kentucky Fried Chicken” in Makassar (Süd-Sulawesi). Auch die internationale Schule in Salatiga erhielt Bombendrohungen. Staatspräsidentin Megawati wurde bedroht, sie müsse die diplomatischen Beziehungen zu den USA binnen 72 Stunden abbrechen. Der Rat islamischer Gelehrter Indonesiens (Majelis Ulama Indonesia – MUI) äußerte sich ähnlich Etwa dreihundert Indonesier sind bereits in Pakistan eingetroffen, um die Taliban zu unterstützen.

Die “Islamische Verteidigungsfront” und andere fundamentalistisch-islamische Organisationen zählen allerdings nur einige tausend Mitglieder. Der islamische Gelehrtenrat MUI wurde vom Suharto-Regime gegründet und ist bis heute die offizielle Vertretung der Muslime gegenüber der Regierung. MUI hat aber kaum Rückhalt unter der Bevölkerung. Die Demonstrationen der vergangenen Tage in Indonesien waren zwar lautstark, aber nach Einschätzung der Nachrichtenagentur Reuters im Vergleich zu ähnlichen Kundgebungen in den vergangenen Jahren eher klein.

Andere islamische Organisationen, die ebenfalls zum “Jihad” aufgerufen hatten, haben inzwischen betont, daß sie den “Jihad” ausschließlich als gewaltfreie, geistige Auseinandersetzung verstünden (“Heiliges Ringen” – vgl. Eph. 6:10-20; 2. Kor. 10:3-6; 2. Tim. 2:3-5). Der islamische Theologe KH. Nuruddin A. Rahman meinte: “Wenn wir uns so benehmen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die Amerikaner glauben, der Islam sei identisch mit Terrorismus. ... Solange die Sachlage noch nicht klar ist, erscheint der Aufruf zum ‘Jihad’ problematisch. ... Falls es wirklich erwiesen ist, daß Osama hinter der Tragödie in den USA steckt, hieße das nicht, daß wir einen Fehler noch verteidigen?” KH. Nuruddin A. Rahman gehört zum Vorstand der islamischen Vereinigung 'Nahdlatul Ulama' (NU) Ostjava. Die NU hat etwa 30 Millionen Anhänger in Indonesien und ist damit die größte islamische Organisation der Welt.

Die indonesische Regierung hat das Vorgehen der Fundamentalisten klar verurteilt. In der Auseinandersetzung zwischen den USA und Afghanistan wolle sich Indonesien neutral verhalten, aber ansonsten den USA helfen, den Terror zu bekämpfen. Die indonesische Polizei, Militär und Geheimdienst gehen entschlossen gegen die fundamentalistischen Milizen vor. Deshalb ist es bisher zu keinen wirklichen Übergriffen gegen US-Amerikaner oder andere Ausländer gekommen. Wir beten, daß die mehrheitlich moderaten Muslime und die Sicherheitskräfte die Fundamentalisten in ihre Schranken verweisen können.

2.       Die Eukumindo-Tagung in Belfast vom 27.-30.9. brachte wertvolle Kontakte und Informationen, wofür wir Gott danken (vgl. Akt. Nachr. Nr. 50, 21.9.2001, Abs. 1). Es war sehr interessant, zwischen den Konflikten in Nord-Irland und in Indonesien zu vergleichen.

3.       Vom 1.-5.10. haben die 16 Vikare (sowie einige weitere Teilnehmer) der GKJTU die ‚Evang. Christl. Kirche Bali’ (‚Gereja Kristen Protestan Bali’ – GKPB) kennengelernt. Die GKPB ist in den letzten Jahrzehnten berühmt geworden, weil sie das Evangelium in Formen der balinesischen Kultur verkündigt und finanziell recht selbständig ist (vgl. zuletzt Akt. Nachr. Nr. 35, 15.5.2000, Abs. 8). Die GKPB steht in Partnerschaft mit der Evang. Landeskirche in Baden, hat aber auch manche Kontakte zu evangelikalen Gruppen. Nun schreiben die Vikare der GKJTU einen Studienbericht über die GKPB. Anfang November 2001 soll schon die nächste, eintägige Vikarsschulung in Salatiga stattfinden. Diesmal sollen die Vikare das Profil der evangelischen GKJTU im Vergleich zur röm.-kath. Kirche sowie zu calvinistischen und lutherischen Kirchen diskutieren. Wir beten, daß die Vikare diese Impulse fruchtbar aufnehmen können.

4.       Die Laienprediger und Presbyter (Kirchenältesten) vom Kirchenkreis Kopeng werden vom 17.-18.10. eine Einkehrtagung in Salatiga halten. Es soll über die Kirchenordnung der GKJTU gesprochen werden, besonders über die Aufgaben der Presbyter. Außerdem soll die Familienbibelwoche für November vorbereitet werden. Die Lehrer der christlichen Schulen des Diakon. Werkes „Zionsstiftung“ der GKJTU treffen sich vom 18.-19.10. zu einer Schulung, um eine neue Sicht und Motivation für ihre Arbeit zu bekommen. Vom 22.-26.10. findet wieder ein synodaler Kurs für die Evangelisten / Laienprediger (Guru Injil) der GKJTU statt. Pfr. Petrus Sugito wird über die Kirchenordnung der GKJTU sprechen, Frau Dhani wird „Christliche Haushalterschaft“ unterrichten. Das Ausbildungsinstut „Sabda Mulya“ hält vom 8.-10.11. in Salatiga eine synodale Schulung für Presbyter (Kirchenälteste) aus der ganzen GKJTU ab. Thema ist diesmal „Die Sicht des Islam über den Staat, andere Religionen und die Gewaltfrage“ sowie „Die Rolle der Presbyter auf dem Weg zu einer missionarischen, selbständigen GKJTU“. Alle diese Tagungen begleiten wir in unserer Fürbitte.

5.       Frau Pfrin. Yunia Nawangsih und Presbyter Pudjo Guntoro werden vom 5.-11.11. an einem Treffen über christlich-islamischen Dialog in Malang (Ostjava) teilnehmen, Frau Presbyterin Lilik S. Bambang Suranto (Md Kirchenleitung) ist vom 15.-22.11. in Hongkong zu einer “Schulung zur liturgischen Bevollmächtigung von Laiinnen”. Beide Tagungen werden von VEM/UEM veranstaltet und brauchen unsere Fürbitte.

6.       Am 14./15.11. wird das Ökumenische Studienwerk über den Stipendienantrag des Dozenten Agus Santoso von der Theol. Hochschule Abdiel entscheiden, der in Deutschland promovieren will (vgl. zuletzt Akt. Nachr. Nr. 46, 15.6.2001, Abs. 10). Diese Entscheidung begleiten wir in unserer Fürbitte.

7.       Die Theol. Hochschule Abdiel hat nun endlich ihre grundsätzliche Genehmigung zur Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer (‚Rencana Penggunaan Tenaga Kerja Asing’ - RPTKA) erteilt bekommen. Damit kann nun der Visaantrag für Arianne & Kees van Ekris weiter vorangetrieben werden. Der Visaantrag für Christian G. steht kurz vor der Bewilligung und muß nur noch von der Einwanderungsbehörde genehmigt werden. Für diese Fortschritte danken wir Gott und begleiten die Anträge weiter in unserer Fürbitte – gerade angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen.

8.       Christian G. ist dankbar für alle Anregungen aus dem Schulungskurs "Christ werden - Christ bleiben" der Badischen Landeskirche. Auch wenn sich dieser Kurs sicher nicht nach Java verpflanzen läßt, so bringt er doch wertvolle Impulse für die Gemeindeschulung in der GKJTU. In den nächsten Wochen ist Fam. Goßweiler nun wieder mehr zu Vortragsdiensten unterwegs.